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  • „Gullivers Reisen“ | Jonathan Swift

    Rezensionsexemplar
    Vielen Dank an den Verlag!

    Titel im Original:  „Travels into several remote nations of the world in four parts by Lemuel Gulliver, first a surgeon, and then a captain of several ship“
    Autor:  Jonathan Swift
    Aus dem Englischen übersetzt von Christa Schuenke
    Verlag:  Manesse Verlag
    Genre:  Roman
    Seitenzahl:  644
    ISBN:  978-3-7175-2078-8

    Gullivers Reisen nach Lilliput und zu den Riesen kennt jedes Kind. Und doch ist dieser Kardinalklassiker viel mehr als eine fantastische Abenteuergeschichte. Die Erlebnisse des Helden, realistisch ausfabuliert, sind gespickt mit Seitenhieben auf Kirche, Politik und Gesellschaft.
    Jonathan Swift gelingt das einzigartige Kunststück mit einem „Roman der Menschenfeindschaft“ bestens zu unterhalten.

    Meine Meinung

    Bei „Gullivers Reisen“ aus dem Manesse Verlag handelt es sich um die Originalausgabe aus dem Jahre 1726, die wenig mit der Kindergeschichte zu tun hat, die wir vermutlich alle aus unserer Jugendzeit kennen. Jonathan Swift hat hier ein sehr sozialkritisches Buch geschrieben, dass die Missstände der herrschenden Oberklasse und der Menschen im Allgemeinen auf den Punkt bringt. Eine Satire der Extraklasse!

    Der Wundarzt Lemuel Gulliver begibt sich auf vier Schiffsreisen und bei jeder gerät er in Seenot.
    Als erstes strandet er in Lilliput. Dort gilt er als Riese, da die Lilliputaner selbst nicht größer sind als sein Finger. Ich fand es beeindruckend, mit welchen subtilen Stilmittel Swift hier die damalige Regierung unter König Georg I. anprangert.
    Seine zweite Reise führt ihn nach Brobdingnag, ins Land der Riesen. Hier ist Gulliver nicht größer als eine Maus. Diese Geschichte ist großartig geschrieben, aber man benötigt viel Denkvermögen, um sich immer wieder die herrschenden Maße vorzustellen zu können. Das Gefühl, auf etwas hinunter zu schauen ist uns vertraut, aber nach oben zu schauen und selbst der Kleine zu sein, ist etwas ganz anderes.
    In Laputa, einer fliegenden Insel, lernt Gulliver Bewohner kennen, die sich fast ausschließlich mit naturwissenschaftlichen Problemen befassen und so gut wie keine zwischenmenschlichen Beziehungen mehr pflegen.
    Und könnt ihr euch noch an die „Yahoos“ erinnern? Das ist nicht nur eine der ersten Suchmaschinen des Internet. So werden die Menschen im Land der Hoyhnhnmms genannt, in dem die Menschen den Pferden (Hoyhnhnmms) untergeordnet sind. Für mich persönlich war dies die lehrreichste Reise. Die Lebensweise und das Verhalten der Hoyhnhnmms machen deutlich, wie der Mensch im Inneren tickt. Nicht unbedingt die schönste Erkenntnis!

    „Gullivers Reisen“ hat eine wunderbare Erzählstimme, ist aber durch seine langen und verschachtelten Sätze nicht leicht zu lesen. Wenn man sich aber an das Konstruierte erstmal gewöhnt hat, kann man die Geschichte in vollen Zügen genießen und kommt sehr schnell voran. Außerdem ziehen sich diverse Fußnoten durch das ganze Buch, hinter denen Erklärungen und Anspielungen die auf die soziale und politische Lage im damaligen England, aber auch auf den Autoren selbst hinweisen. Diese Anmerkungen sind Gold wert! Es ist ein ganz anderes, aber reizvolleres Lesen, als wir es heute üblicherweise gewohnt sind.

    Auch wenn Jonathan Swift in seinem Buch selbst mit erhobenen Zeigefinger durch die Welt läuft, merkt man im Laufe der Geschichte doch, dass auch er nur ein Kind seiner Zeit ist und bei Frauen, Dienern und anderen Ethnien, dieselben Denkmuster inne hat, wie sie zu seiner Zeit gang und gebe waren.

    Diese wunderschöne Ausgabe aus dem Manesse Verlag ist ein Muss für jeden Leser und natürlich auch für jeden Nostalgiker!

  • Kolumne | Lesen im Lockdown

    Heute schreiben wir den 18. November 2020. Gestern wurde wegen der hohen Corona-Neuerkrankungen in Österreich ein neuerlicher Lockdown ausgerufen. Außer den Lebensmittelgeschäften und Nahversorgern bleiben alle Läden geschlossen und wenn wir nicht gerade zur Arbeit müssen, sollten wir unsere Wohnräume so wenig wie möglich verlassen. Während des ersten Zuhausebleibens bricht draußen der Frühling an und nun geht auch noch der schöne Herbst mit seinen prallen Farben zu ende. Und wir alle verbringen derweil die meiste Zeit drinnen. Da ist guter Rat teuer, um die Wände auch diesmal wieder auf Abstand zu halten. Das mein Heimatbundesland auch noch zum Corona-Hotspot erklärt wurde, macht es für mich natürlich auch nicht besser!

    Keine Sorge, ich möchte hier keine Diskussion losbrechen. Ich persönlich gehöre zu den Personen, die die Reaktionen unserer Regierung nachvollziehen kann. Es ist immer besser vorzubeugen als sich dann im Nachhinein durch die Probleme zu wühlen. Dennoch finde ich, dass wir, für die starke Entwicklungen, die derzeit in unserem Land stattfinden, einfach die falschen Politiker in der Regierung sitzen haben. Hübsches Make-up und sich wiedersprechende Plattitüde bringen Österreich leider nicht weiter! Kommentar Ende! Soviel zu meinem Standpunkt!

    Heute habe ich eine konkrete Frage an euch: Wie nutzt ihr die Zeit Zuhause zum Lesen?

    Als im Frühling das erste Mal zur Selbstisolation aufgerufen wurde, war ich gerade selbst wegen einer Bluttransfusion im Krankenstand und wurde von meinem Arzt radikal in Quarantäne geschickt, was dann am Ende auch zu meiner Kündigung führte. Damals konnte ich die Zeit mit den Büchern so richtig genießen und habe einige gute Geschichten weggeschmökert. Aber jetzt? Irgendwie finde ich keine richtige Ruhe, um mich einem Buch voll und ganz zu widmen! Während meiner Arbeit habe ich einige Stunden die Möglichkeit nebenbei Hörbücher zu hören, was ich auch unheimlich genieße und natürlich suche ich mir da auch eher die Geschichten heraus, die auch in meinem Bücherregal auf mich warten würden.
    Wie geht es euch momentan mit dem Lesen?

    Viele meiner Freundinnen nutzen die Zeit Zuhause, um regelmäßige Lesestunden in den Alltag zu integrieren. Bei jüngeren Kindern hat auch das regelmäßige Vorlesen wieder viel mehr Gewicht bekommen.
    Lest ihr mit euren Kindern?

    Laut Statistik sind in diesem Jahr wohl auch die E-Books stark an Beliebtheit gewachsen. Das Leseverhalten der jüngeren Generation geht viel mehr in Richtung digital.
    Könnt ihr diese Veränderung auch bei euch beobachten?

  • „Der begrabene Riese“ | Kazuo Ishiguro

    Titel im Original:  „The Buried Giant“
    Autor:  Kazuo Ishiguro
    Aus dem Englischen übersetzt von Barbara Schaden
    Verlag:  Heyne
    Genre:  Historischer Roman | Fantasy
    Seitenzahl:  414
    ISBN:  978-3-453-42000-7

    Nach erbitterten Kriegen zwischen den Volksstämmen ist Britannien im 5. Jahrhundert ein zerstörtes Land voller Gefahren. Als Axl und Beatrice, seit vielen Jahren ein Paar, aus ihrem Dorf verstoßen werden, machen sie sich dennoch auf die Suche nach ihrem lang vermissten Sohn. Bald ahnen sie, dass in ihrem Land eine Versänderung heraufzieht, die alles aus dem Gleichgewicht bringen wird, sogar ihre Beziehung.

    Meine Meinung

    Der französische Schriftsteller Raymond Queneau hat einmal gesagt, dass jedes Buch letztendlich die Geschichte eines Konflikts oder die einer Reise sei. Normalerweise würde ich diese Aussage jetzt nicht haltlos unterschreiben, aber bei der Lektüre von „Der begrabene Riese“ musste ich immer wieder an diesen Ausspruch denken. Kazuo Ishiguro hat hier ein Buch im Sinne einer Odyssee geschrieben. Nicht nur, weil eine lange und ereignisreiche Reise im Zentrum der Geschichte steht, sondern auch weil dahinter der Schatten einer Ilias, also eines Konflikts, lauert. Ein Konflikt, dessen Auflösung erst in dieser Reise erzählt wird …

    „Der begrabene Riese“ spielt im dunklen Zeitalter der Britischen Insel. Eine Zeit in der die Volksstämme nach dem Abzug der Römer um die Vorherrschaft und die Siedlungsräume kämpften. Bevor die Angeln und Sachsen schließlich den größten Teil des heutigen Englands eroberten, leisteten die ansässigen Britannier ernsthaften Widerstand. In diesen Auseinandersetzungen liegt auch die Wurzel des Sagen umwobenen König Artus, der den Angelsachsen die Stirn bot.
    Wir begleiten das Ehepaar Axl und Beatrice, die aus ihrem Heimatdorf aufbrechen, um ihren vor langer Zeit verlorenen Sohn zu besuchen. Oder zu finden? Haben die beiden Britannier überhaupt einen Sohn? Und warum fällt es ihnen so schwer sich an die einfachsten Dinge zu erinnern?

    Da es nur wenige gesicherte Fakten zu dieser Zeit gibt, die den Völkerkonflikten eine klarere Dimension verleihen würden, erzählt Kazuo Ishigruo hier eine Geschichte voller Fantasie, historischen Hintergründen und Mythen. Dennoch ist „der begrabene Riese“ eine berührende und bedrückende Geschichte mit starkem Realitätsbezug. Der Autor erschafft eine märchenhafte Welt, die mich sofort in ihren Bann ziehen konnte und in der ich mich unheimlich wohl gefühlt habe.

    Auch wenn sich die Geschichte sehr leicht lesen lässt, ist die Erzählstimme doch anspruchsvoll und verlangt die volle Aufmerksamkeit seines Lesers. Man lässt sich schnell in die Sehnsucht des liebevollen Ehepaars hineinziehen, versteht auch sofort ihre Denkweisen und gerade deshalb möchte man schnellstmöglich alles wissen und selbst den hinterhältigen Nebel besiegen. Ich fand es beeindruckend, wie gut es dem Autor gelang die innere Welt der Charaktere, ihre Denkmuster, Realitätswahrnehmung, Moralvorstellungen und deren Wirklichkeitssinn darzustellen. Dennoch lässt die Geschichte nur wenig Raum für offensichtliche Handlungen, wichtige Aussagen oder Ansichten der Handelnden.

    Der alternde Ritter Gawain, der seine Lebensaufgabe zu erfüllen hat, war für mich von allen Personen wohl am beeindruckendsten. Er hat die Aufgabe, die Drachin „Querig“, die den Nebel des Vergessens verursacht, zu beschützen. Und natürlich ist auch sie nicht das, was sie vorzugeben scheint. Bei ihr hat der Zauberer Merlin die Finger mit im Spiel. Ob dies aber ein böser oder ein guter Zauber war, muss jeder für sich selbst entscheiden …

    Auch wenn der Roman mit Dämonen, Drachen und der Artus-Saga aufwartet, darf das Buch auf jeden Fall als Historischer Roman gewertet werden. Für mich funktioniert die Geschichte gerade deshalb so gut, weil Feen, Hexen und Menschenfresser in der damaligen Zeit ebenso real waren, wie heutzutage die Gesetze des Marktes oder die Ereignisse in den sozialen Medien.
    Großartige, feinmaschige Literatur!

  • „Das Mädchen“ | Stephen King

    Titel im Original:  „The Girl who loved Tom Gordon“
    Autor:  Stephen King
    Aus dem amerikanischen übersetzt von Wulf Bergner
    Verlag:  Heyne
    Genre:  Roman
    Seitenzahl:  286
    ISBN:  978-3-453-44109-3

    Verirrt und Verloren!

    Ich habe keine Angst. Überhaupt keine Angst. Der Wanderweg ist gleich dort vorn. In fünf Minuten bin ich da und renne los. Es ist wirklich ganz unmöglich, sich hier zu verlaufen …

    Meine Meinung

    „Das Mädchen“ ist eine der etwas anderen Geschichten von Stephen King …
    Das Buch erzählt von Trisha. An einem schönen Sommertag beschließt ihre Mutter, einen Ausflug in den Wald zu machen. Ihr Verhältnis zu ihrem Sohn ist nicht das Beste und die täglichen Streitereien belasten die geschiedene Frau zunehmend. Auch Trisha fühlt sich schon lange wie das letzte Rad am Wagen! Vielleicht führt dieser Ausflug ja wieder zu ein bisschen mehr Harmonie in der Familie …
    Natürlich kommt alles anders als geplant: Schon auf der Fahrt geraten die beiden Hitzköpfe wieder in Streit, der sich auch im Laufe des Tages nicht zu bessern scheint. Deswegen haben sie auch keine Augen für Trisha, die gelangweilt und genervt hinter ihnen hertrottet. Als sie dann aufs Klo muss, beschließt sie einfach kurz hinter einen Baum zu verschwinden. Ihr erster Fehler! Damit niemand sie sieht, geht sie ein Stückchen tiefer in den Wald und nimmt danach eine vermeintliche Abkürzung, um möglichst schnell wieder bei ihrer Familie zu sein. Leider ist das genau die falsche Idee, denn Trisha kommt völlig vom Weg ab. In ihrem Versuch zurück zu finden, verläuft sie sich immer weiter. Und mit der Zeit, lassen auch ihre Kräfte nach. Kann es sein, sie etwas in diesem Wald verfolgt?

    An sich ist „Das Mädchen“ wieder einmal wunderbar geschrieben. Stephen King beschreibt die Figuren und die Umgebung in der Trisha umherirrt sehr detailliert, sodass ich mir alles wunderbar vorstellen konnte und schnell das Gefühl bekam, selbst mit im Wald zu sein. Die Geschichte ist mitreißend erzählt, allerdings wirken viele Szenen künstlich in die Länge gezogen. Gerade, die, in denen es um Baseball geht, waren etwas befremdlich, da beim Leser schon deutlich mehr Grundwissen vorausgesetzt wurde, was ich aber persönlich nicht habe. Durch dieses Thema ist zwar nicht grundlegend die Spannung verloren gegangen, aber irgendwie hat es mich doch immer wieder aus dem Lesefluss herausgerissen.

    Die Figuren wurden von Anfang an sehr gut eingeführt, für Charaktere aus der Feder von Stephen King, waren sie aber dennoch zu blass gezeichnet. Der gewohnte King-Flair kommt hier einfach nicht durch. Trisha ist mit ihren 9 Jahren viel zu reif. Werden ihre Gedanken und Gefühle, als sie erkennt, dass sie sich tatsächlich verlaufen hat, noch sehr authentisch beschrieben, kippt ihr Charakter immer mehr in ein Erwachsenenbild. Seien es nun ihre Gedanken zur momentanen Familiensituation oder auch ihr Verhalten in der Wildnis.

    Das Ende passte wunderbar zum Verlauf der Geschichte. Auch wenn ich schon spektakuläreres von Stephen King gelesen habe, fragt man sich zwischendurch dennoch immer wieder, ob das Mädchen auch wirklich gerettet wird und ist sich dabei auch nie ganz sicher.

    Wie schon gesagt: „Das Mädchen“ ist eine etwas andere Geschichte von Stephen King, die ihre Leser auch sicher von sich überzeugen kann, wenn man sich ernsthaft darauf einlässt und ihr die Chance bietet, dass sie sich entfalten kann. Man darf sie sicher nicht mit seinen großen Romanen vergleichen, sie wird mir aber dennoch im Kopf bleiben, wenn ich das nächste mit meiner Familie auf Wanderschaft gehe!

  • „Der Ballhausmörder“ | Susanne Goga

    Autor:  Susanne Goga
    Verlag:  dtv Verlag
    Genre:  Kriminalroman
    7. Fall von Leo Wechsler
    Seitenzahl:  312
    ISBN:  978-3-423-21808-5

    Berlin, Sommer 1928. Der Winterball in Clärchens Ballhaus nimmt ein abruptes Ende, als die Garderobiere ermordet aufgefunden wird. Kommissar Leo Wechsler und seine Kollegen ermitteln in einer Welt aus Charleston, Sekt für eine Mark und hemmungslosem Amüsement.

    Meine Meinung

    Während die Gäste in „Clärchens Ballhaus“ in Berlin an einem Samstagabend ausgelassen tanzen, wird im Hinterhof die Garderobiere Adele Schmidt ermordet aufgefunden. Doch welches Motiv hatte der Mörder? Da die junge Frau sehr umgänglich war, stellt sich dieser Fall für Leo Wechsler und seinen Kollegen von der Mordkommission zunächst als unerklärlich dar. Zumal sie auch keine Feinde hatte. Leo vermuten eine Eifersuchtstat ihres ehemaligen Freundes, jedoch liegt die Trennung schon einige Zeit zurück. Auch Clara Bühler, die Inhaberin des Ballhauses, weist den Verdacht zurück, es könne sich um eine Tat von Konkurrenten handeln, die dem Ruf ihres Etablissements schaden wollen. Die Ermittlungen treten auf der Stelle, bis Leo erfährt, dass Adele am Tatabend ein Kleid trug, das ihr eine Freundin geschenkt hat – eine Freundin, die nicht auffindbar ist!

    Wie wir bereits von der Berliner Mordkommission gewohnt sind, werden die Ermittlungen akribisch durchgeführt, mit viel Laufarbeit und kriminalistischem Gespür. Das Mordopfer wurde mit Chloroform betäubt, ein Modus Operandi, der auch bei einer Reihe von ungeklärten Sexualstraftaten in Frankfurt und Berlin vorliegt. Adele Schmidt wurde aber nicht missbraucht, deshalb scheint es sich zunächst um verschiedene Täter zu handeln. Da die Gerichtsmedizin zur damaligen Zeit noch in den Kinderschuhen steckt, sind die Ermittler auf möglichst viele Zeugenaussagen angewiesen. Dies gestalten sich dementsprechend schwierig und für den Leser manchmal etwas unspektakulär, dennoch erwies sich dieser Erzählstil wie immer sehr logisch aufgebaut und äußerst realistisch beschrieben. Ich mag diesen Faktor an Susanne Gogas Erzählungen immer unheimlich gern!

    Leider hakt es auch in Leos Team diesmal gewaltig, denn sein engster Freund Robert verhält sich mehr als unzuverlässlich und unkollegial. Er stellt nicht nur seinen Job in Frage, sondern auch ihre langjährige Freundschaft. Dennoch lösen sich durch den Neuzugang im Team nach und nach die Verwicklungen auf und führen zu einem glaubhaften Ende.

    Susanne Gogas Bücher sind einfach eine Garantie für gute historische Krimikost. Sie lässt das Berlin der 20er Jahre vor den Augen des Lesers auferstehen und nimmt uns mit in das damalige Alltagsleben. Viele Berliner leben unter ärmlichen Bedingungen, doch Diejenigen, denen es besser geht, amüsieren sich bei Sekt und Tanzveranstaltungen.
    Nicht nur die politischen Querelen der Zeit werden spürbar, auch wenn wir uns erst im Jahr 1928 befinden, spürt man, wie sich die Fronten zu den Nationalsozialisten immer weiter verhärten.

    Auch die Auflösung des Mordfalls ist für den Leser nicht zu früh absehbar, dann jedoch gut nachzuvollziehen.

    Neben der Kriminalhandlung wird in dieser Geschichte auch deutlich die sich wandelnde Rolle der Frau thematisiert. Schülerinnen sind an einer guten Schulbildung und einer anschließenden soliden Ausbildung oder einem Studium interessiert. Verheiratete Frauen finden es nicht länger selbstverständlich, ab der Eheschließung nur noch Hausfrau zu sein. Sie nehmen sich auch das Recht heraus, sich von ihren Partner zu trennen, wenn dieser ihren beruflichen Ambitionen im Weg steht. Hier setzt sich die Entwicklung aus den Nachkriegsjahren fort.

    Ein sehr atmosphärischer Roman. Ich hoffe, dass die Autorin die Geschichten um die Berliner Mordkommission weiterführen wird und wir auch Leo und seine Familie weiter begleiten dürfen …