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  • „Meine geniale Freundin“ | Elena Ferrante

    Titel im Original:  „L`amica geniale“
    Autor:  Elena Ferrante
    Aus dem Italienischen übersetzt von Karin Krieger
    Verlag:  Suhrkamp Verlag
    Genre:  Roman
    Neapolitanische Saga, Band 1
    Seitenzahl:  423
    ISBN:  978-3-518-42553-4

    Sie können unterschiedlicher kaum sein und sind doch unzertrennlich, Lila und Elena, schon als junge Mädchen beste Freundinnen, in Neapel der 50er Jahre. Und sei werden es über sechs Jahrzehnte bleiben, bis die eine spurlos verschwindet und die andere auf alles Gemeinsame zurückblickt, um hinter das Rätsel dieses Verschwindens zu kommen

    Meine Meinung

    Dank der Cliftons ist in diesem Sommer mein Fieber für „Familiengeschichten“ neu entbrannt und „Meine geniale Freundin“, also der Beginn der Neapolitanischen Saga von Elena Ferrante reiht sich wunderbar in diese Leselust mit ein!

    Lila und Elena sind seit ihrer Kindheit Freundinnen. Trotz ihrer unterschiedlichen Charaktere hält ihre Beziehung nun schon seit über sechs Jahrzehnte. Doch nun ist Lila verschwunden!
    Für Elena Grund genug, um sich an ihre gemeinsame Kindheit und Jugend  zu erinnern …

    Die eigentliche Geschichte beginnt mit einem Telefongespräch und dem Verschwinden Lilas. Wollte sie, trotz Familie und geregeltem Leben, schon seit dreißig Jahren spurlos abtauchen? Mit dem Beginn der Rückblenden schlägt die Autorin einen gänzlich neuen, sehr literarischen Tonfall an, der in diesem Fall aber überhaupt kein Manko ist. Die Geschichte wirkt dadurch nie gewollt oder gar langweilig. Ganz Gegenteil gewöhnt man sich sehr schnell an das etwas zurückgenommene Tempo und bekommt zum Lohn eine Reihe von überaus präzisen Charakterstudien und jede Menge Lokal- und Zeitgeschehen, so dass man völlig eintaucht in das Lebensgefühl und den Rhythmus im Neapel der 50er Jahre.

    Wer sich also in die Vergangenheit Italiens entführen lassen möchte, ist in diesem Roman genau richtig. Hier werden nicht nur das Erwachsenwerden unserer Protagonisten und deren innige, aber auch toxische Freundschaft thematisiert, auch Eifersucht, Intrigen und Hass finden immer wieder ihren Platz. Elena Ferrantes Schreibstil wirkt auf mich überzeugend, realistisch und mitreißend. Ein Lehrstück über die „gute alte Zeit“ Italiens und ein realistischer Einblick in die Lebensweise in einem neapolitanischen Elendsviertel, das hier definitiv nicht romantisiert wird.

    Die Autorin besticht mit einem außergewöhnlichen Schreibstil. Wortgewand, punktgenau und klar in ihrer Aussage. Dennoch schreibt sie modern, altersgerecht und wunderbar bildhaft.

    Durch den voyeuristischen Erzählstil, bekommen wir Einblick in die Gedankenwelt und das Gefühlsleben, aber auch in das sexuelle Heranreifen unserer beiden Protagonisten. Welch ein Unterschied doch zwischen den beiden Mädchen besteht:  Die eine will die Verhältnisse durch Ehrgeiz und Leistung überwinden, während die Zweite einen gutsituierten Jungen kennenlernt und ihn noch im Teenageralter heiratet. Für mich ein Erwachsenwerden in eine mir völlig fremde Kultur, das mit großem Einfühlungsvermögen für die Psyche junger Mädchen erzählt wird.

    „Meine geniale Freundin“ ist ein gelungener Auftakt der Neapolitanischen Saga und eine Geschichte, die – im Gegensatz zu manch anderer – völlig zu Recht nun schon so lange auf der Bestsellerliste vertreten ist!