„A Single Man“ | Christopher Isherwood

Titel im Original:  „A Single Man“
Autor:  Christoper Isherwood
Aus dem Englischen übersetzt von Thomas Melle
Mit einem Vorwort von Tom Ford
Verlag:  Hoffmann und Campe
Genre:  Roman
Seitenzahl:  159
ISBN:  978-3-455-40501-9

Ein einziger Tag wie ein ganzes Leben!

Jim ist tot, und ohne Jim ist alles nichts. George, 58, Literaturprofessor in einer kalifornischen Kleinstadt kann den Verlust seines Partners nicht verwinden. Sein Leben ist bloß noch Routine, und vor ihm liegt ein Tag wie jeder andere. Doch eine nächtliche Begegnung mit einem Studenten bringt seine Welt durcheinander …

Meine Meinung

George ist ein eleganter Mann mittleren Alters, gebildet, mit scharfer Zunge und sehr gutem Geschmack. Man könnte sagen, er repräsentiert nach außen hin den guten spießbürgerlichen Briten!
Er ist ein 58-jähriger Literaturprofessor, der bis vor kurzem noch in einer glücklichen homosexuellen Beziehung gelebt hat, der nun aber ein auffällig konservatives und strukturiertes Leben führt, doch was in seinem Inneren vorgeht, bleibt für seine Umgebung verborgen!
Wir tauchen in Georges Kopf ein und erleben mit ihm gemeinsam einen einzigen Tag. Wir stehen morgens mit ihm auf, sehen wie sein Blick durch sein kleines Häuschen streift und ihn fast jeder Gegenstand an seine große Liebe Jim erinnert. Sein Tod interlässt in George nur eine dumpfe Taubhaut, die jedoch jedes andere Gefühl für ihn nichtig macht.

„A Single Man“ ist eine Geschichte voll Einsamkeit und Sehnsucht.
Christopher Isherwood schafft es, diesen Roman schlicht und manchmal fast sachlich zu erzählen. Er vermeidet dabei jede Form von triefender Rührung. Dem Autor gelingt es in ganz besonderer Art und Weise das äußere Geschehen durch Georges Gedankengänge zu kommentieren und ihnen eine neue Ebene zu geben. Wir zerpflücken dabei kommunikative Prozesse und zeigen die täglichen Machtspiele auf, die sich in jedem Gespräch und in jeder Geste für ihn stellen.
Auch die Müdigkeit, die George empfindet wird sichtbar. Es war der lebhafte Jim, der ihn aus seinem täglichen Trott und aus seiner Gedankenwelt herausholen konnte.

Die Neuübersetzung dieser zeitlosen und eleganten Geschichte war dringend notwendig, denn dieses Buch sollte auf keinen Fall in Vergessenheit geraten!

Der Roman wurde 1964 erstmals von Christopher Isherwood veröffentlicht und ist für mich ganz zu Recht zu einem Klassiker geworden. Zu diesem Status hat ihm sicher auch der gelungene gleichnamige Film von Tom Ford aus dem Jahre 2009 verholfen, mit Colin Firth in der Hauptrolle!

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