„Aleph“ | Paulo Coelho

Titel im Original:  „O Aleph“
Autor:  Paulo Coelho
Aus dem Brasilianischen übersetzt von Maralde Meyer-Minnemann
Verlag:  Diogenes Verlag
Genre:  Roman
Seitenzahl:  308
ISBN:  978-3-257-06810-8

In der Transsibirischen Eisenbahn begegnet ein Schriftsteller einer jungen Stargeigerin – und gleichzeitig einer dunklen Seite seines früheren Lebens. Er gerät in ein Paralleluniversum, in dem Zeit und Raum zusammenfallen – Das Aleph!
Und er erkennt seine Chance, eine alte Schuld wiedergutzumachen und sein Leben noch einem neu zu beginnen.

Meine Meinung

Kann man sich in einen Zug setzen und in die eigene Vergangenheit reisen?
Kann man sein Leben neu entdecken, genauso wie ein fernes Land?
Der Bestsellerautor Paulo Coelho kann das!

Sein autobiografisch geprägter Roman „Aleph“ ist eines seiner intimsten Bücher, dass der Brasilianer je geschrieben hat. Zwar erwähnt er den persönlichen Bezug der Geschichte zu seinem Leben nicht explizit, der Leser erfährt jedoch gegen Ende sehr deutlich, dass er den Protagonisten des Buches selbst verkörpert.

In „Aleph“ begleiten wir einen 59-jährigen, international sehr erfolgreichen Schriftsteller, der schon lange das Gefühl hat, innerlich stillzustehen. Er sehnt sich danach, wieder „König in seinem eigenen Reich“ zu sein und die Welt um sich herum, neu zu spüren. Er fühlt sich nicht nur in seiner spirituellen Entwicklung blockiert, er ist sich auch sicher, dass er nur mit Hilfe fremder Menschen weiterwachsen kann. So lässt er sich von seinem Dolmetscher und Freund Yao überreden, die Einladung eines russischen Verlags zu einer zweiwöchigen Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn anzunehmen. Dabei drängt sich die 21-jährige Hilal in seinen Begleittrupp: Sie ist eine aufstrebende Stargeigerin in einem Moskauer Konservatorium und fühlt sich von der ersten Sekunde zu ihm hingezogen. Ist sie seine Seelenverwandte? Um dies herauszufinden, weicht sie dem Schriftsteller nicht mehr von seiner Seite. Anfangs fühlt er sich dabei von ihr belästigt. Später weiß er, dass sie der Schlüssel zu einer Tür ist, die er öffnen muss, um zu sich selbst zu finden …

Als Mann findet er Hilal sexuell begehrenswert – insbesondere, wenn sie halb nackt unter seine Bettdecke schlüpft. Als spirituell Suchender überwindet er dieses erotische Begehren, denn er spürt, dass es um weit mehr geht als nur um Sex!

„Aleph“ war mein erstes Buch von Paulo Coelho. Zwar war mir der Autor schon lange ein Begriff, zu seinen Geschichten hat es mich aber noch nie hingezogen. Das sollte sich jetzt aber ändern!
Ich muss ehrlich gestehen, wenn einem das Thema des spirituellen Ichs und der Suche nach dem eigenen Selbst nicht unbedingt liegt, sollte man sich vielleicht ein anderes Buch für den Einstieg aussuchen. Der Autor hat einen tollen Schreibstil und erzählt diese Geschichte wirklich interessant, er vertieft sich aber sehr geradlinig in die Handlung und weicht von seinem Schwerpunkt keinen Millimeter ab. Daher finde ich es auch schwierig, dieses Buch als Roman einzugliedern. Autobiografie würde da schon besser passen!
Im titelgebenden „Aleph“, dem Punkt im Universum, in dem die Gegenwart, die Vergangenheit und die Zukunft aufgehoben sind, reist Coelho in seine früheren Leben und wird dort fündig. Hilal und er sind sich bereits 1492 im spanischen Córdoba begegnet, wo Coelho als Handlanger der Inquisition junge Mädchen gefoltert hat. Hilal starb dabei auf dem Scheiterhaufen. Mit einem einzigen Wort hätte er ihren Tod verhindern können, doch er schwieg und die große Schuld belastet seine Seele noch heute!

Das Buch ist wie eine Unterhaltung mit einem guten alten Freund, der nicht nur von seiner Reise mit der transsibirischen Eisenbahn berichtet, sondern auch von einer Reise zu sich selbst. Mitgebracht hat er spannende Begegnungen mit fremden Menschen und Kulturen, sowie tiefe spirituelle Einsichten in die Liebe, die Vergebung, den Tod und die Fähigkeit, sich selbst zu finden!

„Aleph“ ist durchaus lesenswert, ich hätte mir nur persönlich eine ganz andere Geschichte darunter vorgestellt! Mal sehen, was der nächste Paulo Coelho für mich bereithält!

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