„Anton hat kein Glück“ | Lars Vasa Johansson

Titel im Original: „Den stora verklighetsflyken“
Autor: Lars Vasa Johansson
Aus dem Schwedischen übersetzt von Ursel Allenstein & Antje Rieck-Blankenburg
Verlag: Wunderlich Verlag
Genre: Roman
Seitenzahl:  414
ISBN: 978-3-8052-0387-6

Mit 45 Jahren ist Anton am Tiefpunkt seiner Karriere. Die Kartentricks des professionellen Zauberers reißen nicht einmal mehr das Publikum im Seniorenheim aus den Sesseln. Auch privat läuft es alles andere als rund, aber Anton ist fest davon überzeugt, dass es irgendwann aufwärts geht – bis zu der Mittsommernacht, die alles verändert! Im Wald begegnet Anton einem seltsamen Mädchen, das ihn bittet, sieben Blumen zu pflücken. Doch dazu hat er weder Zeit noch Lust, und die Kleine stapft beleidigt von dannen. Kein gutes Zeichen! Denn in Wahrheit ist das Mädchen eine Waldfee!

Meine Meinung

„Anton hat kein Glück“ ist der Debütroman des schwedischen Drehbuchautors und Musikers Lars Vasa Johansson. Eine märchenhafte Erzählung, die mir von der ersten Seite an gute Laune bereitet hat.

Anton feiert seinen 45. Geburtstag alleine auf einer Raststätte, unterwegs zu einem Auftritt als Zauberer. Nicht nur, dass sich seine Karriere am absoluten Tiefpunkt befindet, er hat keine Freunde, keine Familie und natürlich auch kein Geld. Kein Wunder, Anton ist der größte Egoist aller Zeiten und ein noch größere Jammerlappe. Er nörgelt über alles und jeden und niemand kann es ihn Recht machen. Schon seit vielen Jahren meidet er die Menschen in seiner Umgebung und bevorzugt nur seine eigene Gesellschaft. So pendelt er von einem Seniorenheim zum Nächsten um dort seine Zaubertricks zu zeigen. Das alles ändert sich nach einen Verkehrsunfall, bei dem Anton mitten auf der Straße mit eine rote Sofa zusammengeprallt …

Anton ist ein absolut mitreißender Charakter. Trotz seiner Überheblichkeit war er mir von der ersten Minute an sympathisch. Durch die Rückblenden in seine Vergangenheit lernen wir ihn sehr gut kennen und auch wenn ich seinen Höhenflug nicht toll fand, konnte ich seine Beweggründe doch irgendwie verstehen.

Anton glaubt natürlich ans Glück, aber vor allem an sein eigenes Glück! Und er hat ganz genaue Vorstellungen, wie Dieses auszusehen hat: Ein schickes Auto, ein tolles Haus, schöne Frau und haufenweise Geld! Realistisch, ganz klar! Nach den Erlebnissen der letzten Tage schwindet seine Überzeugung jedoch recht schnell und die Realität trifft ihn wie ein Schlag. Nicht nur, dass es verdammt weh tut, sich seine eigenen Fehler einzugestehen. Anton muss sein eigenes Glück neu definieren und geht dabei weit in seine Vergangenheit zurück.
Lars Vasa Johansson springt mit viel Fantasie zwischen der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft seines Protagonisten hin und her und verknüpft die einzelnen Erzählstränge mit viel Witz und Sarkasmus. Die Geschichte wurde in keinem Kapitel schwerfällig oder gar langweilig. Ganz im Gegenteil musste ich mir sehr oft das Lachen verkneifen. Ich konnte in den peinlichen Situationen so gut mitleiden … und die Odyssee nimmt wirklich ungeahnte Ausmaße an!

Auch die äußeren Details der Geschichte fand ich gut konstruiert. Jeder magische Charakter hat seine eigene Geschichte, die sich wiederum toll mit den Menschen und den anderen Fabelwesen verknüpft. Diese undursichtigen Gefahren halten die Spannung hoch.
Auch Antons neue Bekanntschaft Jorma, der sich auf einer Liebesquest befindet, überzeugt mit Genie und Wahnsinn.

Der Schreibstil ist flüssig, einfach und leicht zu lesen. Die zu Beginn noch etwas bedrückende Stimmung hellt sich schnell auf und bleibt bis zum Ende magisch. Die Sprache ist bittersüß. Sarkasmus ja, aber in gut abgewogenen Portion!

Ein wunderbares Buch für alle, die ihre Abendstunden gern fernab der sicheren Normalität verbringen.

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