„Aquarium“ | David Vann

Titel im Original:  „Aquarium“
Autor:  David Vann
Aus dem Amerikanischen übersetzt von Miriam Mandelkow
Mit Illustrationen von Chris Russel
Verlag:  Suhrkamp Verlag
Genre:  Roman
Seitenzahl:  283
ISBN:  978-3-518-42536-7

Die zwölfjährige Caitlin geht jeden Tag nach der Schule ins öffentliche Großaquarium und wartet dort, bis ihre Mutter sie abends nach der Arbeit abholt. Sie ist fasziniert von den stummen, bunten Wesen hinter dem Glas und geht ganz in der rätselhaften Unterwasserwelt auf. Eines Tages trifft sie im Aquarium einen älteren Mann, der die Fische ebenso zu lieben scheint wie sie selbst. Sie freundet sich mit ihm an – und öffnet damit nichtsahnend die Tür zur Vergangenheit ihrer Mutter …

Meine Meinung

„Aquarium“ war mein erster Roman von David Vann und ich habe mir definitiv etwas vollkommen Anderes darunter vorgestellt! Der Leser wird Zeuge davon, wie die heile Welt der Sheri Thompson zu zerbröckeln beginnt und ihre unverarbeitete Vergangenheit hervorbricht. Mit allen Tiefen, die sie schon lange begraben geglaubt hat.

David Vann hat einen sehr ehrlichen und direkten Schreibstil, der eher anspruchsvoll zu lesen ist. Dialoge werden bei ihm nicht mit „Hasenfüßchen“ hervorgehoben, sondern direkt in den Text mit eingebaut und auch die Vergleiche aus der Ozeanographie sind nicht immer offen verständlich. Man sollte also mit einem wachen Kopf an die Geschichte herangehen, um die Zusammenhänge nicht zu verlieren.

Wie weit darf man als Mutter gehen um seine Kinder zu beschützen?
Sheri ist eine beinharte Frau, die sich nicht nur in einem männerdominierten Job durchsetzen muss, auch ihre Vergangenheit hat sie hart und undurchlässig gemacht. Um ihre Tochter vor vermeintlichem Unheil zu schützen, greift sie zu drastischen Maßnahmen, die einen sehr oft an ihrer Zurechnungsfähigkeit zweifeln und den Leser nicht nur Einmal tief durchatmen lassen. Unerbittlich geht die Mutter gegen Caitlin vor und will sie von ihrem Weg abbringen. Nur sie als Mutter ist im Recht und niemand sonst!
Der Autor zeigt uns, wie selbstzerstörerisch und fragil ein Mensch bzw. dessen Leben sein kann und das es nicht viel braucht, um aufgebaute Mauern einreißen zu lassen.

Ich muss ehrlich gestehen: So ein Werk hätte ich einem Mann niemals zugetraut!
David Vann beschreibt das Seelenheil einer weiblichen Person in so detailliertem Ausmaß, dass es ein Psychologe vermutlich nicht besser hätte machen können.
„Aquarium“ besticht durch seine abgründige Erzählung und durch starke Metaphern, weswegen der Roman lange beim Leser nachhallt. Nicht nur die dichte bedrückende Atmosphäre reißt den Leser mit, sondern auch die Sprachgewalt. Die Gespräche und die Harmonie zwischen Caitlin und dem alten Mann im Aquarium sind toll zu verfolgen und auch die Beobachtungsgabe der beiden, wie sie die einzelnen Fische mit Menschen oder Schwäre mit Familien vergleichen ist einzigartig!

Ein tolles, wenn auch bedrückendes Buch!!

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