• „Die verlorene Tochter der Sternbergs“ | Armando Lucas Correa

    Rezensionsexemplar
    Vielen Dank an den Verlag!

    Titel im Original:  „The Lost Daughter“
    Autor:  Armando Lucas Correa
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Ute Leibmann
    Verlag:  Eichborn Verlag
    Genre:  Historischer Roman
    Seitenzahl:  344
    ISBN:  978-3-8479-0044-3

    Berlin, 1939.
    Für die jüdische Bevölkerung wird das Leben immer schwieriger. Wer kann, bringt sich in Sicherheit. Auch Amanda Sternberg beschließt, ihre Töchter mit der MS St. Louis nach Kuba zu schicken. Am Hafen kann sie sich jedoch nicht von der kleinen Lina trennen. So vertraut sie nur die sechsjährige Viera einem allein reisenden Ehepaar an und flieht mit Lia zu Freunden nach Frankreich. Im kleinen Ort Orabour-sur-Glane finden sie eine neue Heimat. Doch es dauert nicht lange, bis die Gräueltaten der Nationalsozialisten auch diese Zuflucht erreichen …

    Meine Meinung

    Armando Lucas Correa erzählt in seinem Roman „Die verlorene Tochter der Sternbergs“ über das Schicksal einer vierköpfigen Familie, die Anfang der 40er Jahre getrennt werden. Die Lage der Juden in Deutschland spitzt sich immer mehr zu. Berufsverbote werden erteilt, die Zensur von Büchern und Schriften ist in vollem Gange und auch Denunzierungen stehen mittlerweile auf der Tagesordnung. Zudem kommt es zu ersten Verschleppungen …

    Auch Julius Sternberg, ein jüdischer Kardiologe aus Berlin und seine Frau Amanda sind davon betroffen. Nachdem der Arzt in seiner Praxis zusammengeschlagen und ins Arbeitslager deportiert wurde, sieht Amanda keine andere Möglichkeit mehr, als ihre beiden Töchter zu ihren Bruder ins Ausland zu schicken. Doch am Ende kommt alles anders als geplant: Viera, die ältere Tochter, tritt wie geplant ihre Reise nach Kuba an. An der Hand der älteren Frau Meyer betritt sie das Deck der MS St. Louis, die sie in eine bessere Welt und in Sicherheit bringen soll. Doch von der 4jährigen Lina kann sich die Mutter einfach nicht trennen. Sie flüchtet mit ihr nach Frankreich, an deren Grenzen bereits die Nationalsozialisten warten …

    „Die verlorene Tochter der Sternbergs“ wird zu Beginn aus der Perspektive von Amanda erzählt. Wir erfahren viel über ihr Leben, über ihre Liebe zu den Büchern und der Botanik – zwei Leidenschaften, die ihr schon der Vater in die Wiege gelegt hat – und wir begleiten sie durch ihre beiden Schwangerschaften. Der Einmarsch des NS-Regimes in Berlin nimmt immer schwerwiegendere Züge an und die Gefahr wird real. Die Geschehnisse spitzen sich zu und so wechselt auch unsere Erzählperspektive zu Linas Leben, die zwar in Frankreich zu einer aktiven jungen Dame heranwächst, deren Leben aber von Angst und Verlusten geprägt ist.

    Armando Lucas Correa bringt uns hier eine sehr berührende, tiefgründige und eindrucksvolle Geschichte, die mir sehr an die Nieren gegangen ist. Eine Geschichte, die mich noch lange nach Beendigung beschäftigt hat und die gerade was die heutige Weltpolitik angeht, doch sehr zum Nachdenken anregt …

    Die Gefühle der Menschen wurden vom Autor absolut überzeugend dargestellt. Das bedrückt einen beim Lesen zwar ungemein, hat mir aber stilistisch sehr gut gefallen. Die Verzweiflung, die Angst und auch der Trotz sind förmlich auf mich über gegangen!
    Die Kapitel sind eher kurz gehalten und auch der Schreibstil ist eingängig und wunderbar bildlich. Es gibt nicht nur grausame und traurige Szenen, sondern auch welche, die das Herz berühren und unsere Gedanken auf Reisen schicken …

    Ein Buch, das mit seiner klaren Sprache und tollen Geschichte wirklich beeindruckt!

  • „Das Marillenmädchen“ | Beate Teresa Hanika

    Autor:  Beate Teresa Hanika
    Verlag:  btb Verlag
    Genre:  Roman
    Seitenzahl:  254
    ISBN:  978-3-442-75705-3

    Ein Marillenbaum in einem alten Wiener Garten. Seit ihrer Kindheit in den 1940er Jahren kocht Elisabetta jeden Sommer Marmelade ein. Und jedes Mal, wenn sie ein Glas aus dem alten Kellerregal in die Hand nimmt, es öffnet und den süßen Duft einatmet, erinnert sie sich an ihr Leben, an ihre in Dachau ermordete Familie, an ihre große Liebe Franz, an ihre Tochter Esther und ihre Enkelin Rahel.
    Elisabetta lebt zurückgezogen in ihrer Welt mit den Stimmen der Vergangenheit. Als das deutsche Mädchen die Tänzerin Pola, bei ihr zur Untermiete einzieht, reißen die alten Wunden auf …

    Meine Meinung

    Eine alte Frau erinnert sich an ihre Kindheit und ihr Leben als Jüdin im Wien des Zweiten Weltkriegs!
    In Elisabettas Leben gibt es nur eine Konstante: Den Marillenbaum vor ihrem Küchenfenster! Noch in der Kriegszeit vom Vater in den Garten ihres Wiener Elternhauses gepflanzt, ist er Elisabettas Halt und Zentrum ihrer Erinnerung. Jedes Jahr kocht sie aus den Früchten Marmelade und es sind genau diese Gläser, die sie immer wieder an die Geschehnisse erinnern. An ihr früheres Leben. An ihre Familie. An ihre große Liebe. An ihre Schwestern Rahel und Judith, mit denen sie noch heute stumme Zwiesprache führt, aber auch an ihre Tochter Esther und ihre Enkelin.
    Erst als Pola, eine junge deutsche Baletttänzerin, als Untermieterin in Elisabettas Haus kommt, wird die rüstige alte Dame aus ihrer Ruhe gerissen!

    Die Vergangenheit hinter sich lassen und nach Vorne, in die eigene Zukunft zu blicken, sagt sich immer so leicht. Nicht jeder schafft es, loszulassen und zu vergessen …

    Beate Teresa Hanika erzählt uns die Geschichte aus mehreren Zeitebenen, jedoch kehren wir immer wieder in Elisabettas Gedanken und Erinnerungen zurück. Die Protagonistin war gerade 9 Jahre alt, als ihre Eltern und ihre beiden älteren Schwestern 1944 ins Konzentrationslager deportiert wurden. Sie kehrte als einzige Überlebende ins Familienhaus zurück. Dort meistert sie auch heute noch, im hohen Alter, ihren Haushalt allein. Dass ihre Erinnerungen daher oft etwas verwirrend und unklar sind, ist verständlich. Auch wenn nicht immer alles für den Leser ausgesprochen wird, ist doch klar wovon sie spricht. Erst durch Rückblenden erfahren wir mehr über die Verbindung zwischen den beiden Frauen.

    Die Autorin hat einen wirklich tollen Schreibstil und ich konnte mich ihrer sensiblen Sprache nicht entziehen. Sie schreibt bildgewaltig, intensiv und fällt auch oft ins poetische. Manche Szenen sind so beklemmend geschrieben, dass sie noch eine ganze Weile nachwirken. Sehr melancholisch und doch behält sie ihren lebensbejahenden Ton.
    Die Geschichte ist hervorragend zusammengesetzt und recherchiert. Sie serviert dem Leser nicht alles auf dem Silbertablett, mit ruhiger Eindringlichkeit und unterschwelliger Dramatik erlebt man den Roman bis zum Ende und kann dann alle Fäden miteinander verknüpfen. Dadurch nimmt man die Geschichte sehr intensiv war und wird sich vielleicht erst im Nachhinein bewusst, wie tiefgründig man diese erlebt hat.

    Der Roman hat einen großen Mittelpunkt, nämlich den alten Marillenbaum bzw. die Marmelade, die von seinen Früchten gewonnen wird. Das sich jährlich wiederholende einkochen gibt einer traumatisierten alten Frau den nötigten Halt. Erinnerung und Trost gleichermaßen!

    Diese Art von Geschichten sind in meinen Augen wichtig, denn hier stoppt das Nationalsozialistische Gedankengut nicht mit dem Ende des zweiten Weltkriegs, sondern bricht auch in unsere heutigen Köpfe ein. Dennoch hinterlassen solche Erzählungen bei vielen Lesern das Bedürfnis des Wegsehens oder der Übersättigung. Ich frage mich warum? Falsche Scham?

  • „Funkenflug“ | Hauke Friederichs

    Autor:  Hauke Friederichs
    Verlag:  Aufbau Verlag
    Genre:  Sachbuch | Historischer Roman
    Seitenzahl:  360
    ISBN:  978-3-351-03487-0

    August 1939. Flirrende Hitze in Mitteleuropa. Das Korn wird gemäht. Ferienzeit. Es könnten unbeschwerte Tage sein, aber etwas Verstörendes liegt in der Luft. Die einen sagen, ein neuer Krieg stehe bevor. Die anderen schwören, der Frieden sei sicher. In diesem unruhigen August schaut die Welt auf den Obersalzberg. Hier verbringt Adolf Hitler seinen Sommer. Von hier aus wagt er ein riskantes Spiel.

    Meine Meinung

    In „Funkenflug“ vermittelt uns der Journalist Hauke Friederichs einen Rückblick auf die Monate vor Beginn des Zweiten Weltkrieges, beginnend mit dem Frühjahr 1939. Vor 80 Jahren überfiel Deutschland Polen und begann damit einen unsäglichen Krieg, dem Millionen Menschen zum Opfer fielen. Aber was sich genau in den Monaten zuvor auf der politischen Bühne abspielte, wurde bisher nur selten erzählt. Dabei beschreibt der Autor die Ereignisse aus einem ganz neuen Blickwinkel!

    Das Buch ist eine gekonnte Mischung aus einem informativen Sachbuch mit klarer, energischer Sprache und einem Kriegsroman. Nicht nur, dass wir hier viele neue Informationen vermittelt bekommen, die auch mir so noch nicht klar waren, der Autor schreibt auch in einer wunderbar bildlichen und effektvollen Sprache, die mich beim Lesen voll und ganz überzeugen konnte. Spannend, ohne großer Längen oder inhaltlichen Leerläufen.

    Hauke Friederichs nimmt den August 1939 genau unter die Lupe …
    Überall, im ganzen Land, spürte man bereits, dass ein Krieg unmittelbar bevor stand. Wer nicht gerade mit Scheuklappen durchs Leben lief, der sah wohin die politische Entwicklung ging, denn auch der Ton der Staatsmächte hatte sich bereits vor Wochen verschärft. An den Grenzen schwelten schon die ersten Konflikte und entluden sich in Gewaltakten.
    Wusstet ihr, dass Hitler den Plan forcierte zusammen mit Polen die Sowjetunion zu überfallen? Dabei war – bei günstigem Kriegsverlauf – bereits beschlossene Sache, dass Polen die Ukraine als Kriegsbeute bekommen sollte. Allein Polen stellte sich den Plänen quer und so ließ Hitler von seinen Militärs den Überfall auf Polen ausarbeiten …

    Auch Adolf Hitler kommt uns als Mensch unangenehm nahe …
    Was aß und was hörte er am liebsten? Welche Frauen weckten ganz besonderes sein Interesse? Worüber pflegte er zu scherzen und welche Personen gehörten am Obersalzberg zu seinem inneren Kreis? Seine Vorlieben werden für ihn schnell zur Passion und sein Größenwahn wächst …
    Während andere Machthaber noch nicht an einen Blitzkrieg glauben, hat Hitler schon einen konkreten Plan im Kopf!

    Auch die Idee, den einzelnen Kapiteln jeweils Zitate aus Zeitungen oder von berühmten Persönlichkeiten voranzustellen, fand ich großartig. Nicht nur, weil sie die doch sehr bedrückenden Fakten nochmal lebendiger machen, sie lockern beim Lesen auch mein Gedankarusell ein wenig auf.

    Mich persönlich hat das Buch geistig sehr bereichert. Ich wurde zu Nachschlagen und mitdenken angeregt und habe viele neue Einzelheiten erfahren, die ich bisher noch in keinem gängigen Geschichtsbuch gefunden habe!

  • „Blaubeeren vergisst man nicht“ | Ina Rom

    Autor:  Ina Rom
    Verlag:  Selbstpublisher
    Genre:  Roman
    Seitenzahl:  112
    ISBN:  978-1-980-97253-2

    Ina Rom setzt ihrer 95-jährigen, an Demenz erkrankten Mutter Lisbeth mit diesem Buch ein schriftstellerisches Denkmal. Sie wollte die Erinnerungen, die von einem ereignisreichen Leben zeugen, auf Papier bringen und vor Vergessenheit bewahren. Die Autorin berichtet von einem in Schlesien geborenen Mädchen, welches nach harter Kindheit, einer Landjahr-Erziehung und Anstellung beim Reichsarbeitsdienst in einem Lazarett die große Liebe fand.

    RezensionsexemplarVielen Dank an die Autorin!

    Meine Meinung

    In „Blaubeeren vergisst man nicht“ erzählt uns Ina Rom vom Leben ihren Eltern. Insbesondere die Geschichte ihrer Mutter, die mittlerweile im hohen Alter von über 90 Jahren an schwerer Demenz erkrankt ist. Eine Biographie, die vor dem Vergessen schützen soll und Liesbeths Leben eindringlich und mit viel Gefühl an seine Leser transportiert!

    Elisabeth Monika Kubitzky wurde 1923 in Oberschlesien, als Kind einer einfachen, aber schwer arbeitenden Bauernfamilie geboren. Sie hat damit einige der turbulentesten und schwersten Zeiten unserer Geschichte miterlebt und in meinen Augen für sich selbst auch das Beste draus gemacht. Nicht zuletzt ihres Vaters wergen, der ihr eine schulische- und berufliche Laufbahn ermöglichte.
    Sie ist eine Zeitzeugin, wie wir sie leider nicht mehr so oft finden …

    Wir begleiten Liesbeth und später auch ihren Mann Toni durch ihr Leben. Ihre Jugend in den Kriegsjahren, das Leben als Fremde in Wien zusammen mit ihrem Ehemann und den Kindern, aber auch Tonis Kriegstrauma und der daraus resultierende Absturz in den Alkohol werden von Ina Rom schonungslos ehrlich beschrieben.

    Der Schreibstil ist einfach und schlicht gehalten, wobei er mich von der ersten Seite an wunderbar mitgenommen hat. Ich konnte mich in Liesbeth hineinversetzen, die mir von Anfang an unheimlich nahe war! Die Geschehnisse in diesem Buch sind in meinen Augen genau so beschrieben, wie ich eine Lebensgeschichte erzählt bekommen möchte.
    Ina Rom fügt zwar zwischendurch eigene Anmerkungen bei, berichtet in einem Satz über das weitere Schicksal einer Person oder lässt uns an ihre Gedanken bei der Sichtung von Fotos und Dokumenten teilhaben, drängt sich aber nie in den Vordergrund. Die Geschichte bekommt dadurch aber etwas mehr Struktur. Das und die vielen abgebildeten Fotos machen das Buch unheimlich persönlich! Besonders das Bild von Liesbeth mit ihrem erstgeborenen Sohn im Arm ist mir nachhaltig im Gedächtnis geblieben. Die wunderbar strahlenden Augen einer stolzen Mutter …

    Für mich war es sehr bewegend, wie die Autorin während ihrer Erzählung immer wieder die 90jährige demenzkranke Liesbeth zu Wort kommen lässt und erzählt, mit welchen Worten oder Gesten ihre Mutter heute von der damaligen Zeit spricht. Szenen, die in mir selbst starke Erinnerungen an meine Großeltern hervorgerufen haben, die mir noch Tage nach dem beenden dieser Biographie im Kopf herumgegeistert sind.

    Eine unheimlich tolle Lebensgeschichte, einer einfachen aber starken Frau!
    … von ihrer Tochter erzählt!

  • „Im Licht der Zeit“ | Edgar Rai

    Autor:  Edgar Rai
    Verlag:  Piper Verlag
    Genre:  Historischer Roman
    Seitenzahl:  512
    ISBN:  978-3-492-05886-5

    Frühjahr 1929: Alle Welt redet nur noch vom Tonfilm, der in Amerika längst die Kino-Paläste erobert hat. Deutschland aber droht den Anschluss zu verlieren. Nun soll die mächtige Ufa das Land zurück an die Spitze führen, koste es, was es wolle. Ein halbes Jahr später hat der geniale Karl Vollmöller fast alles beisammen: das modernste Tonfilmstudio, einen grandiosen Stoff, den gefeierten Oscar-Preisträger Emil Jannings, der soeben glorreich aus den Vereinigten Staaten zurückgekehrt ist, und den perfekten Regisseur.

    »Der blaue Engel« wird nicht einfach nur ein Tonfilm sein, er wird ein neues Zeitalter einläuten, davon ist Vollmöller überzeugt. Nur die Hauptdarstellerin fehlt noch. Wer soll die abgründige Figur der Rosa Fröhlich verkörpern, die den biederen Professor ins Unglück stürzt? Etwa Marlene Dietrich? Als Revuegirl ist sie eine Klasse für sich, sie bietet Leichtigkeit, Unterhaltung, zeigt nackte Haut. Aber sie besitzt keinerlei schauspielerisches Talent!

    Meine Meinung

    1929! Ein Jahr, das sich für die Deutschen in vielerlei Hinsicht hervorhebt!
    Während die Schönen und Reichen Berlins ihre Nächte vor allem ausgiebig zum Feiern nutzen, nimmt die Popularität der Nationalsozialisten langsam aber sicher gezielte Formen an. Außenminister Gustav Stresemann stirbt und auch mit dem Stummfilm geht es dem Ende entgegen!
    Emil Jannings, der größte männliche Filmstar seiner Epoche, hat zwar als bislang einziger Deutscher einen Oscar bekommen, aber sein erster in Amerika produzierter Tonfilm wurden ein riesengroßer Reinfall.
    Die Filmindustrie ist im Umschwung! Die Produktionsgesellschaft UFA, damals im Besitz des Medienmoguls Alfred Hugenberg, der nicht nur die wichtigsten Zeitungen kontrollierte, sondern auch als ein Befürworter von Adolf Hitler galt, baut in Babelsberg hochmoderne und bislang weltweit einzigartige Tonfilmstudios. Genau dort soll – mit Jannings in der Hauptrolle – der erste deutsche Tonfilm entstehen! Ein Film, der alles Dagewesene in den Schatten stellen soll!

    Mit diesem Wissen starten wir ins Edgar Rais Roman „Im Licht der Zeit“. Der Autor nimmt abwechselnd die Perspektiven der Hauptprotagonisten ein, vor allem die von Marlene Dietrich, die zur damaligen Zeit zwar als gefeiertes Revue- und Partygirl bekannt war, aber als Gift für jeden Film. Abwechselnd kommen natürlich auch die Männer zu Wort. „Der blaue Engel“ gilt bis heute als das Sprungbrett so mancher Kultikone der 20er und 30er Jahre!

    Der Autor hat uns mit „Im Licht der Zeit“ eine wirklich stimmungsvolle Geschichte näher gebracht. Er erzählt eindringlich, detailreich, spannend, atmosphärisch und überaus geschickt, sodass man mit Freude in jeder Szene mitfiebert. Er spart nicht an Protagonisten und lässt viele bekannte Namen jener Zeit wieder aufleben, darunter auch Claire Waldoff, Erich Kästner und Billy Wilder, aber es sind vor allem Marlene Dietrich und der Produzent und Drehbuchautor Karl Vollmöller, die er dabei beobachtet, wie sie mit dem Projekt des „Blauen Engels“ wachsen.
    Parallel erzählt er aber auch die Geschichte von Henny Porten, der Schauspielerin, die bis zum Aufkommen des Tonfilms die deutsche Filmszene dominierte und der – unter der Hand gesprochen – eine kurze aber sehr intensive Affäre mit der noch jungen Marlene Dietrich nachgesagt wird.

    In „Im Licht der Zeit“ treffen zwei starke Aspekte aufeinander:  Eine spannende und historisch bedeutsame Geschichte und ein Erzähler, der diese in wirklich gute Worte fassen kann. Der Roman erzählt die Geschichte Berlins in den endenden20er Jahre, mit seinen Feiertempeln und unfassbar vielen Kinos. Jedem Kapitel ist auch ein Ausschnitt aus der Berliner Volkszeitung vorangestellt, die mir beim Lesen oft das Blut in den Adern gefrieren ließen, weil die propagandistischen Texte der NSDAP ebenso gut ins Jahr 2020 passen würden.

    Für Fans der 20er Jahre ist dieses Buch ein absolutes Muss!