• „Geschenkt“ | Daniel Glattauer

    Autor:  Daniel Glattauer
    Verlag:  Deutike Verlag
    Genre:  Roman
    Seitenzahl:  335
    ISBN:  978-3-552-06257-3

    Gerold Plassek ist Journalist bei einer Gratiszeitung, und auch sonst war sein Leben bislang frei von Höhepunkten. Manuel, 14, dessen Mutter Alice für ein halbes Jahr im Ausland arbeitet sitzt bei ihm im Büro, beobachtet ihn beim Nichtstun und ahnt nicht, dass Gerold sein Vater ist. Gerold selbst weiß es erst seit kurzem – und hat sich von diesem Schock kaum erholt, als noch mehr Bewegung in sein Leben kommt: Nach einer von ihm verfassten Zeitungsnotiz über eine überfüllte Obdachlosenschlafstätte trifft dort eine hohe anonyme Geldspende ein. Es ist der Beginn einer Serie von Wohltaten.

    Meine Meinung

    Gerold Plassek, seines Zeichens Journalist bei einer Gratiszeitung, geschieden und Vater einer Tochter, zeigt wenig Interesse an seinem Beruf, der sich darauf beschränkt, kleine Artikel aus dem sozialen Bereich zu verfassen. Da dies keine tagefüllende Beschäftigung ist, verbringt er träge und unmotiviert seinen Arbeitstag, trinkt sich am Abend in seinem Stammbeis`l das Leben erträglich und lebt gemütlichen in den Tag hinein. Ziele? Braucht man nicht!
    Doch sein Leben soll sich bald ändern, als 3 Dinge zur ungefähr gleichen Zeit geschehen: Er erfährt von einer früheren Liebschaft, dass er Vater eines mittlerweile 14-jährigen Sohnes ist, den er noch dazu für das nächste halbe Jahr betreuen soll. Durch seinen Sohn lernt er aber auch die attraktive Zahnärztin Rebecca kennen, die seine Hormone in Wallung bringen. Und last, but not least, hat ein Artikel, den er über ein Obdachlosenheim schreibt, die verblüffende Wirkung, das die Einrichtung  eine anonyme Spende von 10.000 Euro erhält.
    Als sich diese Spenden wiederholen und jedes Mal der von Gerold verfasste Artikel beigelegt wird, fragt sich bald ganz Wien, wer der ominöse Spender wohl ist?!

    Wie nicht anders von Daniel Glattauer zu erwarten, lässt sich auch „Geschenkt“ in kein bestimmtes Genre einteilen. Auch hier zeigt der Autor wieder vielschichtig sein Können und besticht mit seinem locker flockigen Schreibstil und seinem tollen Wortwitz. Dennoch wirkt das Buch nicht oberflächlich. Ganz im Gegenteil, die Grundaussage der Geschichte ist ernst und in meinen Augen auch wichtig. Da Daniel Glattauer aber nie den moralischen Zeigefinger erhebt, sondern alles mit einer guten Portion Wiener Schmäh zu seinen Lesern transportiert, geht die Bedeutung tiefer.

    Auch wenn wir uns Gerolds Verhältnis zu seinem Sohn ansehen, überzeugt der Roman durch Realismus. Die Nachricht ein zweites Kind zu haben, hat Geri schwer getroffen, daher wächst er auch nur sehr langsam in seine Vaterrolle. Manuel hat er sich ganz klar anders vorgestellt. Und vor allem: Warum Manuel? Was ist denn das bitte für ein Name?
    Manuel ist ein vollpubertärer 14-jähriger, der ihn einfach nur nervt. Auch der Sohnemann kann seinen Vater zu Beginn nicht ausstehen. Und doch entwickelt sich mit der Zeit eine sehr intensive und schöne Beziehung.

    Es hat Spaß gemacht mitzuerleben , wie sich das Leben von Geri verändert, nachdem er ein Ziel vor Augen hat und dies auch versucht konsequent zu verfolgen. Motivation ist eben alles und lässt uns Berge versetzen. Gerade dass hier kein Held das Geschehen bestimmt, macht diese Geschichte so sympathisch.

  • „Alle sieben Wellen“ | Daniel Glattauer

    Autor:  Daniel Glattauer
    Verlag:  Deuticke Verlag
    Genre:  Roman
    Seitenzahl:  222
    Fortsetzung von „Gut gegen Nordwind“
    ISBN:  978-3-552-06093-7

    Sie kennen Emmi Rothner und Leo Leike? Dann haben Sie also „Gut gegen Nordwind“ gelesen, jene ungewöhnliche Liebesgeschichte, in der sich zwei Menschen, die einander nie gesehen haben, per E-Mail rettungslos verlieben.

    Für sie ist die Geschichte von Emmi und Leo abgeschlossen? Mag sein! Aber nicht für Emmi und Leo!!

    Meine Meinung

    Nach dem fulminanten halboffenen Ende von „Gut gegen Nordwind“ geht mit „Alle sieben Wellen“ die Geschichte um Emmi Rothner und Leo Leike ins große Finale! Daniel Glattauer kann nahtlos an den Zauber des Vorgängers anschließen und nimmt seine Leser gleich direkt wieder mit in die Geschichte …

    Emmi und Leo: Eine Geschichte wie sie schöner nicht sein kann!
    Nachdem sich Emmi nun seit einige Zeit mit dem Systemadministrator von Leos Postfachs unterhalten hat, antwortet dieser plötzlich und unerwartet doch wieder selbst …
    Die Beiden leben mittlerweile ihre eigenen Leben, in denen der Andere nur noch ein Schemen der Vergangenheit ist! Und doch dauert es nicht lange und sie können wieder nicht voneinander lassen. Schon nach kurzer Zeit stellt sich die gewohnte Zweisamkeit ein und die Vertrautheit nimmt neuen Platz im Leben des Anderen ein. Aber ein kleiner Wehmutstropfen bleibt: Leo hält lange Zeit an einer imaginären Mauer fest, die Emmi nicht zu überwinden weiß …

    Daniel Glattauer schafft es, wie kaum ein Anderer, Liebesgefühle in Worte zu fassen und diese zum größten Teil auch nicht kitschig klingen zu lassen. Die Sprache ist frech, gefühlvoll, sarkastisch, zynisch und romantisch, aber auch eloquent und mitreißend. Auch der Sprachwitz und die doppeldeutigen Formulierungen, die wir schon aus dem ersten Band kennen, haben hier wieder ihren angestandenen Platz und sind einfach nur erfrischend.

    Eine Geschichte wie die von Emmi und Leo könnte jedem von uns im realen Leben schon einmal begegnet sein. Gerade im Zeitalter der modernen Kommunikation! Es ist schon fantastisch was trotz der Anonymität im World Wide Web und den virtuellen Begrenzungen, alles entstehen kann!

    An manchen Stellen hätte ich Leo ganz gerne mal in den Hintern getreten, damit er endlich zur Sache kommt und zeigt was er wirklich will. Die arme Emmi hat hier viel mehr Engagement und Herzblut bewiesen, aber vielleicht liegt es doch daran, dass der Roman von einem Mann geschrieben wurde, denen ja nachgesagt wird, dass sie es ja insgeheim mögen, wenn eine Frau hinter ihnen herjagt! Aber auch wir wollen ab und an erobert werden!  Zum Glück war Emmi so hartnäckig und wurde dafür letztendlich mit einem Happy-End belohnt …

    „Alle sieben Wellen“ steht „Gut gegen Nordwind“ in nichts nach. Man fühlt mit den Protagonisten mit! Man lacht! Man weint! … und eigentlich soll es doch bitte niemals enden!

  • „Gut gegen Nordwind“ | Daniel Glattauer

    Autor:  Daniel Glattauer
    Verlag:  Deuticke Verlag
    Genre:  Roman
    Seitenzahl:  223
    ISBN:  978-3-552-06041-8

    Gibt es in einer vom Alltag besetzen Wirklichkeit einen besser geschützt Raum für gelebte Sehnsüchte als den virtuellen?

    Bei Leo Leike landen irrtümlich E-Mails einer ihm unbekannten Emmi Rothner. Aus Höflichkeit antwortet er ihr. Und weil sich Emmi von ihm angezogen fühlt, schreibt sie zurück. Schon bald gesteht Leo: „Ich interessiere mich wahnsinnig für Sie, liebe Emmi! Ich weiß aber auch, wie absurd dieses Interesse ist.“

    Meine Meinung

    Auch wenn ich auf meinem Blog noch nicht viele Rezensionen zu Daniel Glattauers Büchern hochgeladen habe, so habe ich doch jedes Einzelne von ihnen gelesen … und in den meisten Fällen auch absolut gefeiert! Da nun bald der Kinofilm zu „Gut gegen Nordwind“ startet, möchte ich euch nicht meine Rezension zu diesem Buch vorenthalten …

    Alles beginnt mit einem Tippfehler! Eigentlich wollte Emmi nur das Zeitschriften-Abo ihrer Mutter kündigen, doch stattdessen landet ihre Email bei Leo Leike. Es folgt ein lustiger und schlagfertiger Emailwechsel, aus dem sich langsam und stetig mehr entwickelt. Mehr Zuneigung! Mehr Vertrautheit! Mehr Nähe! Mehr Gefühle!
    Beide entschließen sich, dem Gegenüber keine Details über ihre Person zu offenbaren sondern für den Anderen eine Phantasiegestalt zu bleiben. Doch schon bald tauschen Emmi und Leo immer intimere Gedanken aus, verbringen Stunden vor dem Bildschirm und überlegen irgendwann, sich doch einmal persönlich zu treffen. Nur eine Frage stellt sich: kann die Realität der Phantasie gegenüber überhaupt standhalten?

    „Gut gegen Nordwind“ gehört auf jeden Fall zu den Büchern, die ich immer wieder zur Hand nehme und die mir bei jedem Lesen ein Lächeln auf die Lippen zaubern. Jedes Mal nehmen mich Emmi und Leo von Beginn an für sich ein. Nicht etwa weil sie makellos sind. Ganz im Gegenteil, sind sie vielschichtig, zögerlich, zweifeln oft an sich selbst und ihrer Umgebung und sind in gewissen Maßen auch oft unaufrichtig. Alles in Allem wirken die Beiden gerade deswegen so glaubwürdig!

    Emmi und Leo sind zu Gefühlen fähig, um die ich sie in manchen Lebensphasen oft beneidet habe. Obwohl sie zunächst nur ein lapidares Missverständnis verbindet, fühlen sie sich zueinander hingezogen. Eine Anziehung die aber nicht nur in Worten funktioniert, sondern Eine deren Funke weit über sein Ziel hinausschießt!

    Tatsächlich durchzieht das Buch auch eine feine Erotik, die nie aufgesetzt wirkt, aber auch nicht rein vergeistigt bleibt. Vor allem Emmi steckt durch ihre Lebenssituation in einem Zwiespalt, dem sie auch in „Alle sieben Wellen“ nicht entkommen kann!

    Ich bin ein Freund wirklich guter Sprache! In der Geschichte stecken Sprachwitz und doppeldeutige Formulierungen … und es macht einfach Spaß! Auch die unerwarteten Wendungen machen das Buch spannend. Zudem gibt es an vielen Kapitelenden mitreißende Cliffhanger.

    „Liebe auf die erste E-Mail“
    Wem so etwas noch nie passiert ist, der kann sich vielleicht nicht hineindenken, aber ich kann es auf jeden Fall …

  • „Die Wunderübung“ | Daniel Glattauer

    Autor: Daniel Glattauer
    Verlag: Deuticke
    Genre: Roman | Komödie
    Seitenzahl:  111
    ISBN: 978-3-552-06239-9

     „Sie sehen ja, wo Verständnis hinführt, wenn nicht beide das gleiche darunter verstehen!“

    Eine Frau und ein Mann, beide um die vierzig, haben im Arbeitsraum eines Paartherapeuten Platz genommen. Der Therapeut ihnen gegenüber. Die Stimmung ist geladen – die Komödie kann beginnen!

    Meine Meinung

    Für mich ist Daniel Glattauer seit „Gut gegen Nordwind“ eine absolute Institution am österreichischen Autorenhimmel. Ich mag ihn unheimlich gern!
    „Die Wunderübung“ ist ein dünnes kleines Büchlein, das seinen Leser wieder in den Alltag der Protagonisten mitnimmt und bei mir durch seinen Witz und der glattauertypischen Satire punkten kann.

    Die Beziehung von Joana und Valentin ist am Tiefpunkt angelangt und die hilflosen Versuche des Paartherapeuten, die beiden Streithähne in den Griff zu kriegen sind zwar unterhaltsam, aber anscheinend ganz und gar nicht erfolgreich. Joana weiß eigentlich immer schon vorher, was ihr Ehemann sagen will, und sorgt mit ihrem Redeschwall obendrein dafür, dass er oft gar nicht erst zu Wort kommt. Valentin straft sie dafür mit Gefühlskälte und leidenschaftsloser Ignoranz. Er nimmt die Missstände offenbar als gegeben hin und sieht keinen Grund für große Veränderungen. Wodurch sich Joana nur noch mehr provoziert fühlt.
    Doch nicht nur Joana und Valentin haben ein Problem, auch der Therapeut selbst scheint in gröberen Schwierigkeiten zu stecken.

    Das Buch ist in Form eines Theaterstücks geschrieben und lässt sich durch seine 111 Seiten auch sehr locker an einen gemütlichen Abend wegsuchten. Daniel Glattauer wirft seinen Leser mitten in den Arbeitsraum des Paartherapeuten und wir sind sofort mit von der Partie. Natürlich bekommen wir hier keine hochtrabende schwere Literatur, aber vielleicht ist dieses Buch gerade deshalb ein toller Wegbegleiter. Präzise und Treffliche Formulierungen. Ein toller Humor, der mich sehr oft zum Lachen gebracht hat. Was wünscht man sich mehr?

    Solange man nicht selbst von so einer Situation betroffen ist, darf man sich genüsslich zurücklehnen – natürlich etwas schadenfroh – und selbst den bedauernswerten Paartherapeuten ob seiner hilflosen Versuche der Schadensbegrenzung belächeln.
    Ist doch alles halb so wild! Etwas anderes hat Daniel Glattauer sicher nicht gewollt …