• „Murder Park“ | Jonas Winner

    Autor:  Jonas Winner
    Verlag:  Heyne Verlag
    Genre:  Thriller
    Seitenzahl:  414
    ISBN:  978-3-453-42176-9

    Zodiac Island vor der Ostküste der USA ist ein beliebter Freizeitpark – bis dort ein Serienmörder drei junge Frauen auf bestialische Weise tötet. 20 Jahre später: Die Insel soll zur Heimat werden für den Murder Park. eine Vergnügungsstätte, die mit unseren Ängsten spielt. Paul Greenblatt wird zusammen mit elf weiteren Personen auf die Insel eingeladen. Dann beginnen die Morde. Ein Killer ist auf der Insel … keiner kann dem anderen trauen … die nächste Fähre kommt erst in drei Tagen …

    Meine Meinung

    Nachdem der Serienmörder Jeff Bohner drei junge Frauen auf der Insel des Vergnügungsparks „Zodiac Island“ bestialisch ermordet hat, musste dieser seine Tore schließen. 20 Jahre später übernimmt ein neuer Investor die Anlage, samt der noch immer vorhandenen Fahrgeschäfte. Er möchte den Vergnügungspark renovieren und unter dem Namen „Murder Park“ erneut für Besucher öffnen. Geplant ist eine Singlebörse, bei der die Teilnehmer im Rahmen eines Krimi-Wochenendes hochspannende Gänsehautmomente bei der Killersuche erleben und sich bestenfalls neu verlieben.
    Dabei begleiten wir das Team des „Murder Parks“ bei ihrer ersten Pressekampagne. Einige auserwählte Journalisten und ein Kamerateam dürfen die Vorabpremiere des neuen Unterhaltungskonzept kennenlernen, welches ganz dem Treiben von Jeff Bohner und anderen Serienmördern nachempfunden wurde. Eine Fähre bringt die Teilnehmer aufs einsame Island, die Morde beginnen und niemand möchte mehr in deren Haut stecken…

    Zwölf Menschen kommen mit dem Schiff auf Zodiac Island an. Insgesamt müssen aber „nur“ vier Pressemenschen vom Konzept überzeugt werden. Der Rest besteht aus dem Management, dem Versorgungsteam und einer psychologischen Fachkraft. Ich gestehe euch meine anfängliche Skepsis nach den ersten Seiten gerne ein. Diese Kombination soll für spannende Momente sorgen? Als dann auch noch das erste Opfer an einen Stuhl gefesselt wird und die Managerin des Parks relativ plump auf den Beginn des Spiels hinwies, rollte ich kurz mit den Augen und gab der Spannung wenig Chancen …
    Doch weit gefehlt: Jonas Winner hat mit „Murder Park“ eine sehr kluge Idee geschaffen, die mit einer spannenden Atmosphäre überzeugen kann. Auch die Geschichte an sich wird spannend und stellenweise richtig nervenaufreibend erzählt. Besonders interessant fand ich die 12 Interviews, die immer wieder in die Handlung eingrätschen und dem Leser mehr Informationen zu den Teilnehmern gaben. Das Ende des Buches bzw. die Aufklärung am Schluss ist in meinen Augen dann aber leider total in die Hose gegangen …

    Jonas Winner schreibt atmosphärisch, lebendig und lässt den Leser gezielt in die Köpfe seiner Protagonisten schauen. Auch die großgeschriebenen Wörter veranschaulichen den Nachdruck der Aussagen und die vielen Auslassungspunkte symbolisieren authentische Dialoge und Monologe.
    Leider findet man auch sehr oft Satz- und Wortwiederholungen, sowie Ausdrücke des Verständnisses, die man in einer echten Unterhaltung natürlich auch findet, hier lese ich aber einen Roman, der flüssig sein soll. Ich empfand es daher eher als störend.

    Die Atmosphäre in diesem Buch ist sehr gut. Was kann gruseliger und unheimlicher sein als ein verlassener, alter Vergnügungspark auf einer vermeintlich verlassenen Insel? Unheimliche Elemente wie ein altes Riesenrad, ein verlassenes Hotel oder die Tatsache, dass ein Mörder auf der Insel sein Unwesen trieb und Frauen ermordete verstärkte das erdrückende Gefühl.

    Unser Hauptprotagonist Paul Greenblatt wird zur zentralen Person, die im Hintergrund die Fäden spinnt. Die einzige Person, die auf das Aufmerksam wird, was wirklich im Park vorgeht …

  • „Tödliche Oliven“ | Tom Hillenbrand

    Autor:  Tom Hillenbrand
    Verlag:  Kiepenheuer & Witsch
    Genre:  Kulinarischer Kriminalroman
    4. Fall von Xavier Kieffer
    Seitenzahl:  316
    ISBN:  978-3-462-04695-3

    Einmal im Jahr fährt der Koch und Gourmet Xavier Kieffer mit seinem Schulfreund, dem Wein- und Ölhändler Alessandro Colao, für ein paar Tage in die Toskana, um Weine und Olivenöle zu probieren und gut zu essen. Diesmal geht der Trip schief: Alessandro verschwindet plötzlich. Als Kieffer sich auf die Suche macht, stößt er auf krumme Geschäfte mit Olivenöl. Was hat sein Freund damit zu tun? Kann Kieffer ihn finden, bevor es zu spät ist?

    Meine Meinung

    In Xavier Kieffers vierten Fall dreht sich alles ums Olivenöl. Vor allem um dessen Herstellung und um die genaue Etikettierung des Produkts, denn wie so oft ist hier vieles nicht so, wie die Hersteller es dem Käufer glauben machen wollen …

    Xavier Kieffer, der Luxemburger Koch und Hobbydetektiv freut sich auf die alljährlich stattfindende Olivenölverkostung mit seinem alten Freund Allesandro. Die Beiden wollen zusammen in die Toskana, wo dieser eine kleine, aber exklusive Ölmühle betreibt und natürlich stehen auch einige Besuche bei bekannten Feinkosthändlern an der Tagesordnung. Doch am Reisetag scheint Allesandro wie vom Erdboden verschluckt. Auch die Ehefrau des Italieners weiß nicht, wo er ist. Xavier macht sich auf die Suche nach ihm und fährt allein in die Toskana. Schnell findet er heraus, dass sein Freund in undurchsichtige Geschäfte verwickelt ist, die größtenteils über seine Ölmühle abgewickelt werden. Ist Allessandro in Gefahr?

    Der Luxemburger löst auch diesen Fall wieder mit viel Witz, Intelligenz und einer großen Portion Glück. Und natürlich sind auch das finnische Urgestein Pekka und Xaviers gutaussehende, wenn auch eifersüchtige Lebensgefährtin Valerie Gabin mit von der Partie. Und Nein, mein Verhältnis zu ihr hat sich immer noch nicht gebessert …

    Auch die Luxemburger Küche, wie auch die Stadt selbst bekommen in der Geschichte wieder ihren eigenen Platz, wenn auch nicht so groß, wie in den Bänden davor. Das Hauptaugenmerk liegt diesmal ganz klar auf Italien.

    Wie schon in seinen vorherigen Romanen, recherchierte Tom Hillenbrand viele Details und Fakten zum Thema. Details von Olivenernten und Ölmengen. Tankschiffe, die gewisse Länder und Häfen anlaufen, um den Handel mit dem grünen Gold so erträglich wie möglich zu machen. Doch auch hier gibt es in der heutigen Zeit vermehrt schwarze Schafe, die minderwertiges Olivenöl teurer verkaufen. Verschnitte oder auch chemisch aufbereitete Öle, die den Konsumenten als hochwertige Ware angedreht werden. In Italien soll es eine regelrechte „Olivenölmaffia“ geben und ich habe mehr als einmal gestaunt, wie oft ich selbst schon auf falsche Etiketten oder minderwertige Produkte reingefallen bin!

    „Tödliche Oliven“ habe ich auch dieses Mal wieder als Hörbuch gehört, das vom großartigen Gregor Weber vertont wurde. Dieser ist zwar seit 1991 als Fernsehschauspieler tätig, ließ er sich aber auch zum Koch ausbilden und veröffentlichte 2009 das Buch „Kochen ist Krieg!“ über seine Erfahrungen in der deutschen Gastronomie. Seine sprachliche Vielfalt macht das Hörbuch zu etwas ganz Besonderen, da der Schauspieler sowohl Französisch als auch Luxemburgisch spricht und so auch der Sprachwitz gut ankommt und den Charakteren Leben einhaucht!

  • „Kintsugi“ | Miku Sophie Kühmel

    Autor:  Miku Sophie Kühmel
    Verlag:  S. Fischer Verlag
    Genre:  Roman
    Seitenzahl:  293
    ISBN:  978-3-10-397459-1

    Seit 20 Jahren sind Max und Reik ein Paar und seit 20 Jahren werden sie beneidet. Um ihre Harmonie, um ihr besonderes Band, darum, wie perfekt sie sich ergänzen. Dass sie dieses Jubiläum zurückgezogen in ihrem Wochenendhaus feiern wollen, versteht keiner so recht. Eingeladen sind nur ihr ältester Freund Tonio und dessen Tochter Pega.

    Der See liegt still, noch halb unter Eis, der Boden ist hart vor Frost und manchmal zieht ein Kranich über das Wasser. Doch bald wird klar, dass dieses Wochenende anders wird. Dass die Wahrheit ein vages Ding ist und schwer zu greifen.

    Meine Meinung

    Unter „Kintsugi“ („Goldverbinden“) oder auch „Kintsukuroi“ („Goldreparatur“) versteht man ein Stück japanischer Kultur. Ein traditionelles Kunsthandwerk, bei dem zerbrochenes Porzellan mit einem Lack geklebt wird, in dem pulverisiertes Gold eingestreut wurde. Aus einem Bruch wird also etwas Neues, dem man selbst mehr Wert verleihen kann. Eine perfekte Metapher fürs Leben!

    Die Stille ist der Unruhe Herr! Vier Menschen treffen sich im abseits gelegenen Haus am See: Max und Reik sind seit 20 Jahren ein Paar und das soll im kleinen Rahmen gefeiert werden. Eingeladen sind dabei nur ihr bester Freund Tonio und dessen Tochter Pega, die von allen drei Männern großgezogen wurde. Doch das Wochenende verläuft nicht wie geplant …

    Vermeintliche Harmonie entpuppt sich als Trugschluss, alte Verwundungen und Sehnsüchte verursachen Risse, die im scheinbar soliden Freundschaftsgefüge immer weiter auseinanderklaffen. Doch da ist auch so viel Liebe, dass man als Leser niemals die Hoffnung auf ein gutes Ende verliert.
    Besonders eine Teeschale wird zum Sinnbild der Geschichte. Sie zerbricht und wird so repariert, dass es außer dem Verursacher niemand auch nur annähernd bemerkt. Im Laufe der Geschehnisse zerbricht sie erneut. Und was jetzt?

    „Kintsugi“ lebt von seinen Charakteren, die diese Geschichte für mich absolut lesenswert gemacht haben. Universitätsprofessor Max braucht seine Routinen, klammert sich an seine Ordnung, schafft sich Sicherheit durch qualitativ hochwertige, aber dennoch schlichte Besitztümer. Jedes Ding hat seinen genau festgelegten Platz. Wenn er sich hinauswagen muss in eine Welt, in der er sich nie wohlzufühlen scheint, trägt er stets seine Büchertasche mit sich.
    Reik, getrieben von einem steten Drang nach Aufmerksamkeit, passt nicht in eine gesellschaftliche Norm, was von ihm als weltberühmtem Künstler aber auch nicht erwartet wird. Der Sohn einer alleinerziehenden Alkoholikerin ist in allem, was er tut, intensiv und leidet zugleich an katastrophalen depressiven Abstürzen. Er ist chaotisch und unordentlich und weiß in der Regel die zeitlose Eleganz, die Max so viel Halt gibt, nicht zu schätzen.
    Tonio ist Klavierspieler und hätte ein Pianist von Weltruhm werden können, wäre er nicht schon als Student zum alleinerziehenden Vater geworden. Und er wollte dieses Kind so sehr! Früher war Tonio einmal Reiks erster Freund und trauert der Beziehung auch mehr als 20 Jahre später noch hinterher.
    Pega, die als Gemeinschaftsprojekt der drei Männer aufgewachsen ist, ohne dass ihre Mutter ein Teil ihres Lebens gewesen wäre, versucht als junge Erwachsene, sich aus ihrer Kinderrolle zu befreien und gleichzeitig eine frühe Sehnsucht zu verwirklichen.

    Miku Sophie Kühmel schreibt in klaren und prägnanten Worten, die für mich schnell eine unheimliche Sogwirkung entwickelt haben. Zu Beginn wird man zwar von ihren detaillierten Beschreibungen etwas erschlagen, aber es macht absolut Sinn, dass jeder Baum und jedes Regal genauestens erklärt werden, denn die individuellen Charaktere spiegeln sich deutlich in ihrer Umgebung wider. Der Leser schleicht sich in die Gedanken der vier Personen und erfährt so mehr über ihre Beziehungen zueinander, über ihr Leben. Wie sie sich gefunden haben und warum sie sich brauchen. Wie sie aufgewachsen sind und wie ihre Eltern sie geprägt haben. Dabei war die besondere Familienkonstellation besonders interessant.

    Für mich ist „Kintsugi“ ein Buch mit viel Herz, das ganz ohne Kitsch ein breites Spektrum an Gefühlen hervorruft. Dazu gehören verschiedene Formen von Liebe, aber auch Trauer, Schmerz, Wut, Enttäuschung und Angst. Das Gesamtbild ist jedoch nicht trostlos oder deprimierend, sondern entwickelt gerade an den Bruchstellen eine atemberaubende Schönheit.

  • „Die Dame mit der bemalten Hand“ | Christine Wunnicke

    Rezensionsexemplar
    Vielen Dank an den Verlag!

    Autor:  Christine Wunnicke
    Verlag:  Berenberg
    Genre:  Kurzroman
    Seitenzahl:  166
    ISBN:  978-3-946334-76-7

    Bombay, 1764. Indien stand nicht auf dem Reiseplan und Elephanta, diese struppige Insel voller Schlangen und Ziegen, schon gar nicht. Carsten Niebuhr aus dem Bremischen ist hier gestrandet, obwohl er doch in Arabien sein sollte. Ebenso Meister Musa, persischer Astrolabienbauer aus Jaipur, obwohl er doch in Mekka sein wollte. Man spricht leidlich Arabisch miteinander, genug, um die paar Tage bis zu ihrer Rettung gemeinsam herumzubringen. Um sich öst-westlich misszuverstehen und freundlich über Sternbilder zu streiten. Es könnte übrigens alles auch ein Fiebertraum gewesen sein. Doch das steht in den Sternen.

    Meine Meinung

    Carsten Niebuhr stammte aus einer wohlhabenden, alteingesessenen Bauernfamilie im Landkreis Hadeln. Als deutscher Mathematiker und Kartograph, war er im Jahre 1761 Teilnehmer einer sechsköpfigen Expedition nach Arabien, die vom dänischen König finanziert wurde. Mit dem Ziel durch Erforschung der Natur und materiellen Kultur des Orients ein besseres Verständnis der Texte des Alten Testaments zu erlangen. Drei Jahre später ist Carsten Niebuhr allein in Bombay. Seine Mitreisenden sind alle am Fieber gestorben …
    Und genau hier setzt die fiktive Geschichte von Christine Wunnikes neuem Buch „Die Dame mit der bemalten Hand“ an. Ein sehr gelungener Kurzroman mit viel historischem Flair, aber ganz ohne orientalischen Kitsch und mit feinem Gespür für die Absurdität sprachlicher und kultureller Missverständnisse.

    Auf einer kleinen, fast menschenleeren Insel vor Bombay begegnen sich der persisch-indische Astronom Musa und der Forschungsreisende Carsten Niebuhr. Beide gestrandet und orientierungslos. Ihre Unterhaltungen sind getrübt durch Sprachschwierigkeiten, kulturelle Missverständnisse und heftige Fieberschübe des erkrankten Niebuhrs. Sie campieren in einem verfallenen indischen Tempel und ernähren sich mehr schlecht als recht von dem, was die Insel und ihre wenigen Bewohner hergeben. Beim nächtlichen Erzählen vermischen sich Wahrheit und Lüge, Illusion und Wirklichkeit.
    Niebuhr erreicht als einziger Überlebender der Expedition wieder die Heimat und muss dort feststellen, dass man die Forschungsreise nach dem Tod seiner Mitreisenden als gescheitert betrachtet und eigentlich niemand an den gesammelten Ergebnissen interessiert ist. Und doch haben beide Männer von ihrem erzwungenen Kulturaustausch auf der Insel profitiert…

    Christine Wunnickes Roman hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Die Autorin entführt uns in wundervoller, ironischer Leichtigkeit in die Welt der Wissenschaft und Forschung des 18. Jahrhundert, springt dabei aber immer wieder zwischen Orient und dem Okzident hin und her und entwirft in jeweils wenigen prägnanten Szenen hochlebendige Eindrücke von der Blüte, aber auch den düsteren Kehrseiten des wissenschaftlichen Lebens an so gänzlich unterschiedlichen Orten wie Göttingen und Jaipur.

    Die Art, wie hier östliche und westliche Gelehrsamkeit aufeinanderprallen, ist ein wirklicher Lesegenuss, der mich aus dem Schmunzeln kaum herauskommen ließ: Es ist einfach zu komisch, wie Musa al-Lahuri seinem liebevoll geschmiedeten Astrolabium hinterherweint, das im Haushalt eines intellektuell beschränkten Trottels gelandet ist und er teils aus Frust die Inselbewohner mangels einer passenden lingua franca dann eben auf Sanskrit herumzukommandieren versucht. Auch die arabischen Verständigungsversuche der beiden Wissenschaftler, umgeben von gebärenden Affen und achtarmigen indischen Götterskulpturen, gelingen nur teilweise und lösen jede Menge Lacher aus.

  • „Letzte Ernte“ | Tom Hillenbrand

    Autor:  Tom Hillenbrand
    Verlag:  Kiepenheuer & Witsch
    Genre:  Kulinarischer Kriminalroman
    3. Fall von Xavier Kieffer
    Seitenzahl:  316
    ISBN:  978-3-462-04533-8

    Ein Glas Wein, Rieslingpastete und danach ein Stück Quetschetaart mit Sahne – auf der Luxemburger Sommerkirmes lassen es sich der ehemalige Sternekoch Xavier Kieffer und seine Freundin, die Gastrokritikerin Valérie Gabin, richtig gut gehen. Doch plötzlich wird sie von einem Fremden attackiert. Als der Mann verschwindet, hinterlässt er eine Magnetkarte. Am nächsten Morgen wird er unter der Roten Brücke tot aufgefunden. Was wollte er von Valérie Gabin? Was hat es mit der Chipkarte auf sich? Und warum sind auf einmal so viele Leute hinter Xavier Kieffer her?
    Der Luxemburger Koch steht plötzlich im Zentrum einer Verschwörung und erkennt, dass seine Freundin in höchster Gefahr schwebt.

    Meine Meinung

    Mit „Letzte Ernte“ starten wir in den dritten Fall für den Luxemburger Koch und Hobbydetektiv Xavier Kieffer. Dieses Mal steckt er mitten in den Vorbereitungen für die Luxemburger Sommerkirmes, für die er einen der begehrten Standplätze ergattern konnte. Dort will er seine beliebten Gromperekichelcher (Kartoffelpuffer) und andere Spezialitäten aus der Region anbieten. Selbst für die passende Livemusik hat er gesorgt! Als Xavier mit ein paar Freunden und seiner Lebensgefährtin die Eröffnung des Standes feiert, torkelt ein Kirmesbesucher in seinen Gruppe, fängt fast eine Schlägerei an und verwüstet Teile des Standes. Er verschwindet im Gewahrsam zweier Begleiter und hinterlässt nur einen geheimnisvollen Schlüsselbund und eine Elektronische Keycard.
    Als Xavier dem Mann am nächsten Tag seine Sachen wiedergeben möchte, ist dieser Tod! … Und Xavier Kieffer schlittert wieder in einen neuen kniffligen Kriminalfall!

    Anders als bisher, geht es in „Letzte Ernte“ weniger um das Kochen und um den Genuss, dafür vermehrt um Technologie. Die Magnetkarte des russischen Kirmesbesuchers verbirgt ein Geheimnis, das Kieffer nicht allein lösen kann. Er macht sich auf die Suche nach Spezialisten und erfährt so einiges über das Börsengeschäft. Dabei sind die Methoden des quirligen Koches unkonventionell, führen ihn aber immer ans Ziel. Auch wenn er dabei einige Umwege in Kauf nehmen muss!

    Tom Hillenbrands kulinarische Kriminalromane sind ebenso spannend wie informativ. Sein Schreibstil ist leicht und lebendig und die Charaktere werden unheimlich gut beschrieben. Die Geschichte besticht durch thematische Raffinesse und bleibt spannend bis zur letzten Seite! Durch die starken Wendungen bleibt auch der Schluss für mich wieder unvorhersehbar.

    Xavier Kieffer ist als Ermittler ebenso pfiffig wie neugierig, aber auch Luxemburg selbst und das dortige Lokalkolorit kommen hier nicht zu kurz.

    Leider war mir in diesem Band Xaviers Lebensgefährtin Valerie Gabin ein Dorn im Auge. Fragt mich nicht warum, aber im Laufe dieser Geschichte ist sie mir wirklich unsympathisch geworden. Ihr Charakter liegt mir immer weniger. Wenn man sich die anderen Nebendarsteller ansieht, fällt ihre Person einfach ab. Zudem gerät die Beziehung der Beiden durch die räumliche Trennung immer wieder in schleppende Phasen. Manchmal hören sie tagelang nichts voneinander und wenn sie dann doch endlich mal Zeit füreinander haben, erleben sie die merkwürdigsten Dinge.

    Auch in diesem Kriminalroman gibt es wieder ein paar Fernsehköche, die im Großen und Ganzen zwar nur eine Nebenrolle spielen, vom Autor aber leicht überzeichnet und doch sehr authentisch beschrieben werden, dadurch sind sie gut in meinem Gedächtnis haften geblieben. Ich fand es faszinierend welche realen Vorlagen man da wiederfindet …