• „Unsterblich“ | Jens Lubbadeh

    Autor:  Jens Lubbadeh
    Verlag:  Heyne
    Genre:  Science Fiction
    Seitenzahl:  445
    ISBN:  978-3-453-31731-4

    Der Traum der Menschheit vom ewigen Leben ist Wirklich geworden: Dank Virtual-Reality-Implantaten können die Menschen als perfekte Kopien für immer weiterleben. Auch Marlene Dietrich ist als Star wiederauferstanden und wird weltweit gefeiert – bis sie eines Tages spurlos verschwindet. Eigentlich unmöglich! Für den Versicherungsagenten Benjamin Kari wird aus der Suche nach ihrem digitalen Klon ein mörderisches Katz-und-Maus-Spiel.

    Meine Meinung

    „Unsterblich“ ist Jens Lubbadehs Debütroman und greift eine der vielen Möglichkeiten auf, wie unsere zunehmend automatisierte und digitalisierte Welt wohl in 20 Jahren aussehen könnte.

    2044. Die Welt hat sich maßgeblich verändert. Virtuelle Realitäten haben an Bedeutung gewonnen und bereits Verstorbene können mit Hilfe einer neuen Technologie auf der Erde weiterexistieren. Man kann sie zwar nicht körperlich anfassen, sie sind den Menschen aber dennoch nahe!
    In Amerika regiert wieder John F. Kennedy und Filmstars wie Marlene Dietrich drehen neue Filme. Selbst Otto Normalverbraucher können sich, mit dem richtigen Kleingeld, die Unsterblichkeit als „Ewiger“ sichern, dessen computergenerierte Nachbildungen nicht von den Verstorbenen zu unterscheiden sind und sich wie diese verhalten, fühlen und ebenso handeln.

    Benjamin Kari arbeitet für „Fidelity“, dem weltgrößten Versicherungskonzern, der eng mit „Immortal“ verstrickt ist. Jener Firma, die die Ewigen ermöglicht und kontrolliert. Er zertifiziert Jene, deren vorheriges Leben altersbedingt noch nicht auf Lebenstrackern gesichert werden konnte und überprüft, ob sie dem Original auch wirklich entsprechen. Schließlich wurden sie aus Videoaufnahmen, Interviews und sonstigen Aufzeichnungen zusammengesetzt.
    Nach dem Verschwinden der ewigen Marlene Dietrich wird Kari mit den Nachforschungen beauftragt und gerät in eine atemlose Jagd quer über den Planeten …

    „Unsterblich“ ist ein spannender Roman, dessen Autor den Vergleich mit anderen großen Autoren in diesem Genre nicht scheuen muss. Er weiß, wie man seine Geschichte erzählt und er weiß sicher auch, wovon er hier schreibt. Natürlich ist Jens Lubbadeh längst nicht der erste, der sich mit der Fortsetzung des Lebens als Mischung aus Daten und Algorithmen belletristisch auseinandersetzt, aber seine charmante, packende und fundierte Art hat mir sehr gut gefallen. Da verzeiht man ihm als Leser auch den einen oder anderen logischen Denkfehler.

    Die Geschichte nimmt sich immer wieder die Zeit, um zu reflektieren und zu erklären. Ich musste oft schmunzeln, da die Handlung in meiner Vorstellungskraft mit den heute populären Prominenten wirklich sehr verstörende Züge annehmen würde …

    Auch wenn es sich vielleicht so anhört, steht die reißende Action in dieser Geschichte nicht unbedingt im Vordergrund. Sie wird eher ruhig und sachlich erzählt, mit vielen Details zur Entwicklung der Menschheit. Der Roman befasst sich mit der Frage nach dem Sinn des Lebens und damit natürlich auch mit der Frage nach dem Sinn des Todes! Was würde aus den Menschen werden, wenn sie tatsächlich ewig leben könnten? Wäre dieses Leben noch lebenswert? Was machen Erinnerungen aus? Hat Vergänglichkeit nicht auch ihre guten Seiten?

    Eine weitere Frage beschäftigt sich mit dem Einfluss der technologischen Großkonzerne, die auch heutzutage in Europa vermehrt auftreten und immer mehr zur Realität werden.

    Jens Lubbadeh gelingt eine großartige Mischung aus einem spannenden Thriller und der umfangreichen Idee der „digitalen Immortalität“, die für den Leser sicher einige neue Denkansätze bringen wird.

  • „Der Ballhausmörder“ | Susanne Goga

    Autor:  Susanne Goga
    Verlag:  dtv Verlag
    Genre:  Kriminalroman
    7. Fall von Leo Wechsler
    Seitenzahl:  312
    ISBN:  978-3-423-21808-5

    Berlin, Sommer 1928. Der Winterball in Clärchens Ballhaus nimmt ein abruptes Ende, als die Garderobiere ermordet aufgefunden wird. Kommissar Leo Wechsler und seine Kollegen ermitteln in einer Welt aus Charleston, Sekt für eine Mark und hemmungslosem Amüsement.

    Meine Meinung

    Während die Gäste in „Clärchens Ballhaus“ in Berlin an einem Samstagabend ausgelassen tanzen, wird im Hinterhof die Garderobiere Adele Schmidt ermordet aufgefunden. Doch welches Motiv hatte der Mörder? Da die junge Frau sehr umgänglich war, stellt sich dieser Fall für Leo Wechsler und seinen Kollegen von der Mordkommission zunächst als unerklärlich dar. Zumal sie auch keine Feinde hatte. Leo vermuten eine Eifersuchtstat ihres ehemaligen Freundes, jedoch liegt die Trennung schon einige Zeit zurück. Auch Clara Bühler, die Inhaberin des Ballhauses, weist den Verdacht zurück, es könne sich um eine Tat von Konkurrenten handeln, die dem Ruf ihres Etablissements schaden wollen. Die Ermittlungen treten auf der Stelle, bis Leo erfährt, dass Adele am Tatabend ein Kleid trug, das ihr eine Freundin geschenkt hat – eine Freundin, die nicht auffindbar ist!

    Wie wir bereits von der Berliner Mordkommission gewohnt sind, werden die Ermittlungen akribisch durchgeführt, mit viel Laufarbeit und kriminalistischem Gespür. Das Mordopfer wurde mit Chloroform betäubt, ein Modus Operandi, der auch bei einer Reihe von ungeklärten Sexualstraftaten in Frankfurt und Berlin vorliegt. Adele Schmidt wurde aber nicht missbraucht, deshalb scheint es sich zunächst um verschiedene Täter zu handeln. Da die Gerichtsmedizin zur damaligen Zeit noch in den Kinderschuhen steckt, sind die Ermittler auf möglichst viele Zeugenaussagen angewiesen. Dies gestalten sich dementsprechend schwierig und für den Leser manchmal etwas unspektakulär, dennoch erwies sich dieser Erzählstil wie immer sehr logisch aufgebaut und äußerst realistisch beschrieben. Ich mag diesen Faktor an Susanne Gogas Erzählungen immer unheimlich gern!

    Leider hakt es auch in Leos Team diesmal gewaltig, denn sein engster Freund Robert verhält sich mehr als unzuverlässlich und unkollegial. Er stellt nicht nur seinen Job in Frage, sondern auch ihre langjährige Freundschaft. Dennoch lösen sich durch den Neuzugang im Team nach und nach die Verwicklungen auf und führen zu einem glaubhaften Ende.

    Susanne Gogas Bücher sind einfach eine Garantie für gute historische Krimikost. Sie lässt das Berlin der 20er Jahre vor den Augen des Lesers auferstehen und nimmt uns mit in das damalige Alltagsleben. Viele Berliner leben unter ärmlichen Bedingungen, doch Diejenigen, denen es besser geht, amüsieren sich bei Sekt und Tanzveranstaltungen.
    Nicht nur die politischen Querelen der Zeit werden spürbar, auch wenn wir uns erst im Jahr 1928 befinden, spürt man, wie sich die Fronten zu den Nationalsozialisten immer weiter verhärten.

    Auch die Auflösung des Mordfalls ist für den Leser nicht zu früh absehbar, dann jedoch gut nachzuvollziehen.

    Neben der Kriminalhandlung wird in dieser Geschichte auch deutlich die sich wandelnde Rolle der Frau thematisiert. Schülerinnen sind an einer guten Schulbildung und einer anschließenden soliden Ausbildung oder einem Studium interessiert. Verheiratete Frauen finden es nicht länger selbstverständlich, ab der Eheschließung nur noch Hausfrau zu sein. Sie nehmen sich auch das Recht heraus, sich von ihren Partner zu trennen, wenn dieser ihren beruflichen Ambitionen im Weg steht. Hier setzt sich die Entwicklung aus den Nachkriegsjahren fort.

    Ein sehr atmosphärischer Roman. Ich hoffe, dass die Autorin die Geschichten um die Berliner Mordkommission weiterführen wird und wir auch Leo und seine Familie weiter begleiten dürfen …

  • „Gott“ | Ferdinand von Schirach

    Autor:  Ferdinand von Schirach
    Verlag:  Luchterhand Verlag
    Genre:  Theaterstück
    Seitenzahl: 119
    ISBN:  978-3-630-87629-0

    Wem gehört unser Leben? Darf ein Mensch entscheiden, wie er sterben will? Ist das unsere letzte Freiheit? Sind wir das Maß aller Dinge?

    Richard Gärtner, 78, ein körperlich und geistig gesunder Mann, will seit dem Tod seiner Frau nicht mehr weiterleben. Er verlangt nach einem Medikament, das ihn tötet. Mediziner, Juristen, Pfarrer, Ethiker, Politiker und Teile der Gesellschaft zweifeln, ob Ärzte ihm bei seinem Suizid helfen dürfen. Die Ethikkommission diskutiert den Fall.

    Rezensionsexemplar – Vielen Dank an den Verlag!

    Meine Meinung

    „Gott“, das neue Buch von Ferdinand von Schirach, ist ein Theaterstück, in dem der deutsche Ethikrat darüber diskutiert, wie mit Menschen umgegangen werden soll, die einfach sterben möchten. Dabei handelt es sich nicht um Kranke oder Dahinvegetierende, denen ein qualvoller Tod erspart bleiben soll. Dreh- und Angelpunkt ist vielmehr ein 78-jähriger Mann, der vom Leben genug hat und in Würde gehen möchte. Nun stellt sich die Frage, wie weit ein Arzt hier eingreifen oder ihn vielleicht sogar unterstützen darf?
    Wem gehört das Leben eines Menschen und wann darf man gehen? Wie selbstbestimmt ist unser Leben und vor allem unser Sterben …

    Bei diesem kontroversen Thema hat vermutlich jeder seine Meinung. Ferdinand von Schirach gelingt es aber, verkrustete Denkmuster aufzubrechen und etablierte Meinungen zu hinterfragen. Jede Sicht und jede Erklärung hat etwas Logisches und in meinen Augen auch Richtiges. Das Thema wird klar und in einer sehr schönen offenen Sprache von allen Seiten beleuchtet. Nicht zuletzt auch mit fein nuanciertem Humor, in genau dem richten Maß, für dieses Thema!

    Wie bei den meisten Büchern des Autoren, ist auch Dieses zu keiner Zeit langatmig, ausufernder oder gar geschwätzig. Er schreibt kompetent, knapp und kompakt. Obwohl die Argumente für, aber auch gegen die Sterbehilfe sehr sachlich angegangen werden, entlockt er uns viele Emotionen!
    Besonders spannend fand ich die Rückführung auf den titelgebenden christlichen Gott und welche Rolle dieser auch in einer aufgeklärten und pragmatischen Kultur noch immer einnimmt. Gott als höchste Instanz, Gott als lebensschenkender Richter, demgegenüber man „zum Leben verpflichtet ist“. Ihm gegenüber steht das weltliche Gesetz, welches niemanden dazu verpflichtet, sein Leben weiterzuführen.

    Jetzt, einige Tage nachdem ich dieses Buch beendet habe, würde ich in meiner eigenen Meinung zwar immer noch die Stellung halten, ich habe tatsächlich aber viel mehr Verständnis für die Argumente Andersdenkender. Schön, wenn Literatur das wirklich erreichen kann!

    Mit „Gott“ bekommen wir ein Buch mit unglaublich starken Momenten, dass genau die Gedanken an- und auch ausspricht, die den Leser bewegen. Und auch oft in genau dem Moment, in dem sie einen in den Sinn kommen!

  • „Nachts am Askanischen Platz“ | Susanne Goga

    Autor:  Susanne Goga
    Verlag:  dtv Verlag
    Genre:  Kriminalroman
    6. Fall von Leo Wechsler
    Seitenzahl:  312
    ISBN:  978-3-423-21713-2

    Berlin 1928. Im „Cabaret des Bösen“ werden allabendlich blutrünstige Schauerstücke aufgeführt. Dann wird im Hinterhof des Sensationstheater eine Leiche gefunden. Hat sich hier jetzt ein realer Mord ereignet? Die Identität des Toten ist unbekannt. Und auch sonst steht Kommissar Leo Wechsler vor viele Fragen. Ist die mysteriöse junge Russin, die am Theater gesehen wurde, in den Fall verwickelt? Und welche Rolle spielt der undurchschaubare Theaterbesitzer?

    Meine Meinung

    Auch dieses Mal hat Kommissar Leo Wechsler einen spannenden Fall zu lösen …

    1928 wird im Schuppen des Askanischen Gymnasiums in Berlin ein toter Mann aufgefunden. Dort befindet sich auch „Das Cabaret des Bösen“, ein Ort, der den Berlinern ein besonderes, wenn auch sehr schauriges Vergnügen bereitet. Dieses Theater wird von Louis Lamasque betrieben, der im Krieg eine großflächige Gesichtsverletzung erlitten hat, die er aber offen und mit eher ungesundem Stolz zur Schau stellt. Kurz bevor die Leiche entdeckt wird, betritt eine junge Russin das Cabaret und suchte einen Mann namens Fjodor …
    Es sind keine leichten Ermittlungen für Leo Wechsler und seine Kollegen, denn erst einmal müssen sie die Identität des Toten feststellen … und das entpuppt sich schwieriger als gedacht!

    Kommissar Wechsler ist ein sympathischer Mann mit einem guten Gespür für Menschen und Situationen. Auch wenn es schwierig wird, gibt er nicht auf und verlässt sich gerne auch mal auf sein Bauchgefühl. Die vielen Dienstjahre haben in sensibel gemacht. Eine Fähigkeit, die ihm immer wieder zu Gute kommt. Auch bei den Ermittlungen am Askanischen Platz gibt es eine Reihe von Indizien, aber kaum Beweise, dennoch hat Wechsler eine Ahnung. Zum Glück weiß Polizeichef Ernst Gennat seinen Kommissar zu schätzen und ermöglich ihm, auch in anderen Teilen Deutschlands nach neuen Spuren zu suchen.
    Aber auch Leos Kollegen möchte ich nicht unerwähnt lassen, die mit einfachsten Mitteln, die wir uns heute nicht mehr vorstellen können, beachtliche Ermittlungsergebnisse erzielen. Mein ganz besonderer Liebling ist immer noch Jakob Sonnenschein, der durch seinen jüdischen Glauben und Lebenssinn in zwei so unterschiedlichen Welten lebt und daher Dinge herausfindet, die anderen verborgen geblieben wären.

    Da Leo durch den aktuellen Fall sehr eingespannt ist, bemerkt er auch nicht, was in seinem Sohn Georg vorgeht. Immer wieder verschiebt er das Gespräch mit ihm und er fühlt sich auch nicht so recht wohl in seiner Haut. Doch nachdem Leos Frau Clara den jungen Burschen in einer braunen Uniform beobachtet, gibt es für den Familienvater keinen Aufschub mehr. Eine großartige Szene, in der Leo auf seinen Sohn zugeht und in meinen Augen wahre Größe und ein großartiges Gespür für die eigentlich sehr gefährliche Situation zeigt.

    Auch in diesem Band gibt es wieder eine ganze Reihe interessanter Charaktere, die zum Teil historische belegt sind. Besonders interessant fand ich den Chirurgen Jacques Joseph, der als „Nasenjoseph“ bekannt wurde, da er sehr vielen Kriegsversehrten zu einem neuen Gesicht verhalf.
    Die Atmosphäre in Berlin ist sehr gut dargestellt. Noch geht es einigermaßen friedlich zu, doch man spürt schon, was da auf die Menschen in Deutschland zukommt …

  • „1929 – Frauen im Jahre Babylon“ | Unda Hörner

    Rezensionsexemplar
    Vielen Dank an den Verlag!

    Autor:  Unda Hörner
    Verlag:  Ebersbach & Simon
    Genre:  Zeitgeschichtlicher Roman
    Seitenzahl:  244
    ISBN:  978-3-86915-213-4

    1929 – Die wilden 20er entfalten noch einmal ihre volle Blüte, es ist ein letzter Tanz auf dem Vulkan. Marlene Dietrich spielt die Rolle ihres Lebens in „Der blaue Engel“, Vicki Baum wird mit „Menschen im Hotel“ weltberühmt und Lotte Jacobi zur Starfotografin der Berliner Prominenz. Clärenore Stinnes tourt todesmutig im Auto um die Welt, Louise Brooks öffnet in Berlin die „Büchse der Pandora“ und Lotte Lenya feiert als Seeräuber-Jenny in der Dreigroschenoper triumphale Erfolge.

    Meine Meinung

    Unda Hörner lädt ein, zu einer faszinierenden Zeitreise auf den Spuren berühmter Frauen und entwirft ein facettenreiches Panorama weiblicher Kulturgeschichte im Jahr Babylon.

    Mit „1929 – Frauen im Jahre Babylon“ zeigt uns Unda Hörner Lebenswege und historischen Ereignisse und führt uns auf eine faszinierende Zeitreise in ein Jahr, das viele Möglichkeiten für Frauen eröffnete. Ein Jahr in dem sich die Menschen nach den letzten Kriegsunruhen und Wiederaufbauarbeiten endlich wie zu Leben trauten und doch ist Europa gerade im Wandel, steht doch der Aufstieg der Nationalsozialisten unmittelbar bevor.

    Marlene Dietrich spielt die Rolle ihres Lebens, Vicki Baum wird mit ihren Romanen weltberühmt und Lotte Jacobi zur Starfotografin der Berliner Prominenz. Clärenore Stinnes reist todesmutig im Auto um die Welt und Louise Brooks öffnet in Berlin die „Büchse der Pandora“ …
    Das Buch verbindet private und öffentliche Ereignisse zu spannenden und fast vergessenen zeitgeschichtlichen Ereignissen. Frauen aus sämtlichen Sparten der Öffentlichkeit wurden ausgewählt, um deren Beitrag für eine Beteiligung in der Gesellschaft zu zeigen. Frauen auf die die Welt ein Auge geworfen hat und deren Namen noch heute Bekannt sind

    Unda Hörner erzählt die Ereignisse eindrucksvoll, unterhaltsam und lehrreich und gerade ihr Erzählton hat mir besonders gut gefallen. Dabei trifft sie genau das richtige Verhältnis aus Sachlichkeit, Humor und einem ganz feinen Sarkasmus, der mir viele Schmunzler ins Gesicht gezaubert hat. So bekommen wir auch einen Einblick auf die Witwenbälle, die damals in Berliner Ballhäusern stattgefunden haben, einzig mit dem Ziel, zurückgebliebenen Frauen neues Glück in der Liebe oder schlicht einen Versorger zu beschaffen. Und auch Erika Mann macht in diesem Buch ihrem Frust wegen der chauvinistischen Aussagen Franz Hessels Luft.
    Dennoch behält das Buch immer seinen sachlichen und lehrreichen Charakter bei, jedoch ohne den Zeigefinger zu erheben. Für meine Generation sind viele dieser Ereignisse inzwischen in Vergessenheit geraten und mit diesem Buch werden die Frauen wieder lebendig. Wirklich toll gemacht!

    Auch die Recherchearbeit zu diesem Buch muss eine Löwenaufgabe gewesen sein. Wir finden hier unheimlich viele Zitate aus Tageszeitungen oder Briefen und ich frage mich wirklich, wo Unda Hörner das alles aufgetrieben hat! Wahnsinn!

    Im Nachhinein betrachtet sind mir viele Frauen in diesem Buch im Gedächtnis geblieben und haben mich stark beeindruckt. Vielleicht auch durch ihre inspirierende Wirkung auf mich. Das Buch und gerade die Art, wie die Autorin die Leben der Frauen an uns heranträgt, ließ mich die Leistungen heutiger Frauen in ihren Metier auf jeden Fall nochmal mit anderen Augen sehen. Vielleicht auch bewusst jetzt ein wenig kritischer als zuvor!