• „Der Distelfink“ | Donna Tartt

    Titel im Original: „The Goldfinch“
    Autor: Donna Tartt
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von R. Schmidt und K. Lutze
    Verlag: Goldmann Verlag
    Genre: Roman
    Gewinner Pulizer-Preis 2014
    Seitenzahl:
     1.022
    ISBN: 978-3-442-31239-9

    Es passiert, als Theo Decker 13 Jahre alt ist. An dem Tag, an dem er mit seiner Mutter ein New Yorker Museum besucht, verändert ein schreckliches Unglück sein Leben für immer. Er verliert sie unter tragischen Umständen und bleibt allein und auf sich gestellt zurück, denn sein Vater hat ihn schon längst im Stich gelassen. Theo versinkt in tiefer Trauer, die ihn lange nicht mehr loslässt. Auch das Gemälde, das seit dem fatalen Ereignis verbotenerweise in seinem Besitz ist und ihn an seine Mutter erinnert, kann ihm keinen Trost spenden. Ganz im Gegenteil: Mit jedem Jahr, das vergeht, kommt er immer weiter von seinem Weg ab und droht, in kriminelle Kreise abzurutschen …

    Meine Meinung

    „Der Distelfink“ von Donna Tartt ist eine tolle Charakterstudie über das Leben eines 13-jährigen Jungen, dessen Entwicklung wir in den folgenden 15 Jahren begleiten. Hier wird die ganze Bandbreite menschlicher Gefühle und sozialer Begierden ausgelotet.

    Theo Decker ist 13 Jahre alt, als er seine Mutter auf tragische Weise verliert. Die Beiden waren gerade im Metropolitan Museum of Arts als eine gewaltige Explosion hunderte Menschen in den Tod reißt. Theo gehört zu den wenigen Überlebenden! Auf der Suche nach einem Ausweg aus dem zerstörten Museum nimmt er geistesabwesend das Gemälde „Der Distelfink“ von Carel Fabritius an sich, von dem seine Mutter, die jetzt irgendwo unter Schutt und Asche liegt, zuletzt so geschwärmt hat. Dieses kleine aber sehr wertvolle Gemälde ist von da an Theos heiligster Besitz und seine einzige Erinnerung an ein schönes Leben. Theo gerät zunehmend auf die schiefe Bahn: Nach dem Umzug nach Las Vegas zu seinem alkohol- und spielsüchtigen Vater findet er Halt in einer fragwürdigen Freundschaft zu einem wilden russischen Jugendlichen, der Theo in die Abgründe von Drogen und Kriminalität zieht.

    Ursprünglich hatte Donna Tartt gar nicht beabsichtigt, ihren Roman in der Kunstwelt anzusiedeln, erst die Zerstörung der Buddhastatuen in Bamiyan im Jahre 2001 gaben ihr den Anstoß dazu. Wenn auch außergewöhnlich, finde ich das Umfeld dennoch perfekt gewählt um den Spannungsbogen aufzuzeigen, in dem Theo sich bewegt. Der Umgang mit den Kunstwerken und auch das Restaurieren und Handeln von alten Möbeln machen eine sehr spezielle und schöne Stimmung. Zudem hat die Autorin einen sehr ausschweifenden und blumigen Schreibstil, der vor Details nur so trotzt. Dadurch kommt es zwar an manchen Stellen zu Längen, die für den Leser aber sehr gut zu überstehen sind.

    In dieser Geschichte gibt es sehr viele sympathische Protagonisten, die mir lange Zeit im Kopf geblieben sind, aber ehrlich gesagt gehört unsere Hauptfigur Theo Decker nicht dazu. Vermutlich mag das zum Einen an dem sehr verharmlosten Umgang mit dem Thema Drogen liegen, den ich so gar nicht nachvollziehen konnte. Zum Anderen aber auch am dargestelltem Charakter des jungen Mannes. Würde dieser persönlich vor mir stehen, ich würde ihn eher als aufgesetzt bzw. unecht und fahrig empfinden. Für mich war das jedoch kein Grund, das Buch deswegen schlechter zu beurteilen.
    Wer mir sehr zu Herzen gegangen ist, ist die Figur des James Hobart, der den 18-jährigen Theo nach seiner Rückkehr von Las Vegas nach New York bei sich aufnimmt und zu seinem Lehrherren und Ziehvater wird. Ein Gentleman wie er im Buche steht mit vielen liebevollen Zügen und Eigenheiten. So stell ich mir einen Großvater vor! Ein wahnsinnig toller Mann!

    Auch mit diesem Buch konnte mich Donna Tartt wieder von ihrem Können überzeugen. „Der Distelfink“ ist ein würdiger Vertreter der modernen Literatur und wurde nicht umsonst 2014 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet.

  • „Flut“ | Daniel Galera

    Titel im Original: „Barba ensopada de sangue“
    Autor: Daniel Galera
    Aus dem Brasil. Portugiesischen von Nicolai v. Schweder-Schreiner
    Verlag: Suhrkamp
    Genre: Roman
    Seitenzahl:  423
    ISBN: 978-3-518-42409-4

    Sein Vater bittet ihn um einen letzten Gefallen. Und was als Aufbruch in ein neues Leben an der Küste beginnt, treibt ihn schon bald in die sonderbaren Tiefen einer Vergangenheit, die nicht vergangen ist.
    Mit lichter, hypnotisierender Kraft erzählt „Flut“ die epische Geschichte einer Suche über drei Generationen, die an der Grenze des Menschenmöglichen führt.

    Meine Meinung

    Mit Daniel Galera nehme ich nach vielen Jahren wieder meinen ersten portugiesischen Autor zur Hand.

    „Flut“ ist ein sehr intensiver und mitreißender Roman, der im heutigen Brasilien spielt. Wir begleiten unseren männlichen Erzähler auf der Suche nach seiner Familiengeschichte. Ein eher stiller und introvertierter Mann, der nur wenig Wert auf die Außenwelt legt. Nach dem Selbstmord seines Vaters, nimmt er dessen Hündin bei sich auf und zieht mit ihr direkt ans Meer, in den kleinen Ort Garopaba in der Nähe von Santa Catarina. Dort soll sein Großvater in den 60er Jahren ermordet worden sein, doch seine Leiche wurde nie gefunden.
    Nach all den Schicksalsschlägen hat er kaum noch einen Plan für sein Leben. Neben der Leidenschaft zum Schwimmen und dem Meer scheint diese Tragödie der letzte Halt für ihn zu sein. Schon bald soll er merken, wie wichtig ihm die alte Hündin seines Vaters geworden ist … und wie verstrickt das Leben eines einzigen Menschen sein kann!

    Der Autor zeigt uns den Schwimmer zwischen seinem Alltag und der Suche nach dem Leben des Großvaters. Der größte Pluspunkt ist die Erzählperspektive des Romans: Der Autor schreibt in der dritten Person Singular und diese Person bleibt namenlos. Dies liest sich zunächst vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, doch das ist meiner Meinung nach genau der Kniff, der den Roman vor jeglichem Kitsch bewahrt. Der Leser ist dem Schwimmer gleichzeitig nah und fern. Auch in Kombination mit der „Gesichtsamnesie“ unseres Erzählers (Prosopagnosie) funktioniert die Erzählperspektive hervorragend!

    Unser Protagonist ist in einem tiefen Strudel gefangen. Er kämpft und schwimmt ohne voran zu kommen. Obwohl er nicht unbedingt sympathisch ist, schafft es Daniel Galera, dass er einem ans Herz wächst. Er sucht mit seinem Großvater auch nach seiner eigenen Identität.

    „Flut“ ist kein Buch, dass man mal so nebenbei liest, man muss sich darauf einlassen, aber dann wird es einen nicht mehr loslassen …

  • „Der Schatten des Windes“ | Carlos Ruiz Zafón

    Titel im Original: „La sombra del viento“
    Autor: Carlos Ruiz Zafón
    Aus dem Spanischen übersetzt von Peter Schwaar
    Verlag: Fischer Verlag
    Genre: Roman
    Der Friedhof der vergessenen Bücher, Band 1
    Seitenzahl:  527
    ISBN: 978-3-458-17170-3

    Daniel Semperes Leben im grauen Barcelona der Nachkriegszeit erfährt eine drastische Wende, als er die Schicksalsbahn eines geheimnisvollen Buches kreuzt. Er gerät in ein Labyrinth abenteuerlich verknüpfter Lebensläufe, und es ist, als wiederholen sich vergangene Geschichten in seinem eigenen Leben. Die Menschen, denen er bei seiner Suche nach dem verschollenen Autor begegnet, die Frauen, in die er sich verliebt – sie alle scheinen Figuren in einem großen Spiel, dessen Fäden erst ganz am Schluss sichtbar werden.

    Meine Meinung

    Über „Der Schatten des Windes“, haben schon tausende von Lesern geschrieben und gesprochen. Die meisten begeistert, verzaubert und hoffnungslos gefangen im Barcelona der damaligen Zeit. Und auch für mich ist dieses Buch etwas ganz Besonderes!

    Wir verfolgen den junge Daniel Sempere, der aus einer alteingesessenen und gutangesehenen Buchhändlerfamilie stammt. Er wird von seinem Vater zu einer verborgenen Bibliothek, dem „Friedhof der vergessenen Bücher“ geführt, wo er sich ein Buch heraussuchen darf. Eines, das ihm bester Freund und treuer Begleiter sein soll. Daniel wählt den Roman „Der Schatten des Windes“ des unbekannten Autors Julián Carax. Total gebannt und fasziniert von der Geschichte, möchte er mehr über den Schriftsteller in Erfahrung bringen und gerät in einen Strudel aus Geheimnissen und Gewalt des Barcelonas der frühen 1920er Jahre.

    Wie man sich vielleicht denken kann, ist die Liebe zur Literatur ein wichtiges Grundthema dieses Buches, das mich als Leserin natürlich sofort angesprochen hat. Hat man die ersten Seiten hinter sich gelassen, kann man sich der grandiosen Geschichte nur noch schwer entziehen. Carlos Ruiz Zafón hat einen wunderbaren Sinn für Sprache und Ausdruck, den man aus tausenden anderen Büchern wiedererkennen würde. Der Schreibstil ist klar, lebendig und bildgewaltig. Wir bekommen hier viele unerwarteten Wendungen und unterschwellige Bedrohungen, die die Emotionen aufkochen lassen.

    Die Charaktere sind sehr gut gezeichnet und jeder hat seine Ecken und Kanten. So neigt der junge Daniel dazu, sich in aussichtslose Liebelein zu stürzen, sein Vater hängt immer wieder seiner Vergangenheit und seinen Ängsten nach, aber mein absoluter Lieblingscharakter ist Fermín Romero de Torres. Ein ehemaliger Geheimdienstmitarbeiter, der auf der Straße lebt und überraschend gebildet und eloquent ist. Sein Potential wird von Daniel entdeckt, wodurch er von dessen Vater in der Buchhandlung beschäftigt wird, um seltene Bücher aufzuspüren. Er wird Daniels bester Freund und hilft ihm bei seinen Nachforschungen zu Julián Carax. Ich habe selten einen so nervig-verworrenen, aber doch sympathischen und liebenswürdigen Charakter gelesen!

    Wer in die Welt der Schriftstellerei abtauchen und sich von einer spannenden Geschichte durch das Barcelona um 1920 entführen lassen will, ist hier goldrichtig.

  • „Die Geisha“ | Arthur Golden

    Titel im Original:  „Memoirs of a Geisha“
    Autor:  Arthur Golden
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Gisela Stege
    Verlag:  btb Verlag
    Genre:  Zeitgeschichtlicher Roman  |  Roman
    Seitenzahl:  573
    ISBN:  978-3-442-73522-8

    Zu Beginn der 30er Jahre: Die 9jährige Chiyo lebt mit ihrer bettelarmen Familie in einem kleinen Fischerdörfchen. Als ihre Mutter im Sterben liegt, verkauft der Vater sie und ihre Schwester in das Vergnügungsviertel Gion der alten Kaiserstadt Kyoto.
    Bei ihrer Ankunft in Kyoto werden die beiden Mädchen getrennt. Chiyo kommt in eine Okiya, ein Geisha-Haus, die Spur ihrer Schwester verliert sich. Star der Okiya ist Hatsumomo, eine faszinierend schöne, aber unglaublich launische Geisha, die bei den Herren in Gion sehr beliebt ist und daher für die Okiya viel Geld einbringt.

    Anderthalb Jahre wird Chiyo von Hatsumomo gedemütigt. Doch als sie erkennt, dass ihr altes Leben unwiderruflich vorbei ist, fügt sie sich in ihre Schicksal. Von da an ist ihr Aufstieg zur begeisterten Geisha ganz Kyotos nicht mehr aufzuhalten. Doch dann lernt sie einen Mann kennen, in den sie sich unsterbliche verliebt.

    Meine Meinung

    Arthur Golden hat sich mit „Die Geisha“ von der ersten Zeile an in mein Herz geschrieben.
    Dieser Roman ist eines der meistgelesenen Bücher in meinem Regal und wird vermutlich auch in Zukunft noch öfters  zur Hand genommen werden.

    Wir begleiten die Japanerin Chiyo durch ihr bewegendes Leben. Zu Beginn noch als 9jähriges Mädchen, mit einfachen Wünschen und Hoffnungen, aber einem starken Blick auf die Welt. Wir bekommen einen ersten Einblick auf die japanische Kultur, über das Japan der und 30er Jahre und natürlich auch über den Kriegseinbruch in Japan. Chiyo wächst vom unbescholtenen Kind zum gedemütigten Dienstmädchen heran, das mit ihren Wiederständen regelmäßig gegen Wände läuft. Dank einer schicksalshaften Begegnung weiß sie sehr bald, was sie von ihrem Leben möchte: Eine Geisha sein!
    Von diesem Zeitpunkt an, verfolgen wir ihre Ausbildung. Sie nimmt den Namen „Sayuri“ an und wird im Laufe der Jahre in ganz Kyoto und über dessen Grenzen hinaus bekannt. Diese Zeit ist gespickt von Disziplin und Leidenschaft, aber auch Intrigen und Hass schlagen „Sayuri“ entgegen.

    Arthur Golden hat einen sehr bildlichen und ausschweifenden Schreibstil, mit auffallend guten Dialogen. Die Geschichte wird eher ruhig erzählt und vermittelt einen unglaublich realistischen Einblick in eine Kultur, die sich doch rigoros zur Westlichen unterscheidet. Auch die Belagerung Japans durch die Amerikaner wurde sehr ergreifend thematisiert, sowie der Wiederaufbau nach Kriegsende.
    Arthur Golden verliert nicht eine Sekunde den Bezug zu seinen Protagonisten. Sie liefern niemals ein völlig schillerndes oder gänzlich dunkles Bild, sondern die gesamte Vielfalt der menschlichen Natur.

    Die vielen eingestreuten Informationen wirken außergewöhnlich real, man sollte aber immer im Auge behalten, das es sich bei „Die Geisha“ um einen Roman und keine Biographie handelt.
    Viele Begebenheiten entstammen sicher der Realität, aber „Sayuri“ ist eine erfundene Person.

  • „Die Königin der Orchard Street“ | Susan Jane Gilmann

    Titel im Original:  „The Ice Cream Queen of Orchard Street“
    Autor: Susan Jane Gilman
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Eike Schönfeld
    Verlag: Insel Verlag
    Genre: Zeitgeschichtlicher Roman
    Seitenzahl: 550
    ISBN: 978-3-458-17625-1

    New York, 1913. In den dicht gedrängten Straßen von Lower East Side, wo Armut herrscht und der Hunger erfinderisch macht, gelingt es der kleinen Malka, dem Schicksal dank ihrer Raffinesse und einer gehörigen Portion Chuzpe immer wieder ein Schnippchen zu schlagen. Bis sie es schließlich ganz nach oben schafft – zur „Eiskönigin von Amerika“!

    Meine Meinung

    In „Die Königin der Orchard Street“ begleiten wir die 5-jährige Malka Bialystoker durch ihr Leben.
    Susan Jane Gilman hat einen großartigen biographischen Roman geschrieben, der nicht nur die Flüchtlingspräsenz der 1910er Jahre offen darlegt, sondern auch die Not und den Einfallsreichtum der Menschen in der damaligen Zeit.

    Als Tochter einer russischen Flüchtlingsfamilie mit jüdischen Wurzeln begleiten wir Malka während der Überfahrt nach Amerika. Eigentlich wollte die Familie über Hamburg nach Südafrika einschiffen, wo Verwandte sie erwartet und unterstützt hätten, doch wie es so oft im Leben passiert, kommt alles anders. Sie stranden im Land der Träume, wo man vom Tellerwäscher zum Millionär werden kann. Oder auch nicht!
    In den Straßen von New York lernt Malka schnell sich durchzuschlagen, bis ein tragischer Unfall ihr ganzes Leben zu zerreißen droht. Sie wird von italienischen Einwanderern aufgenommen und großgezogen. Von nun an ist sie als Behinderte gebrandmarkt und auf die unwirsch erteilte Mildtätigkeit von fremden Leuten angewiesen. Ständig ausgegrenzt und ausgenutzt, aber auch emotional im festen Griff gehalten. Rein aus pragmatischen Gründen konvertiert sie zum katholischen Glauben und nimmt den Namen Lillian Maria Dinello an.

    Als Lillian mit viel Hinterlist, Einfallsreichtum und hervorragenden Ideen ein Geschäftsimperium aufbaut, hat sie sich alle ihre Träume erfüllt. Jetzt bekommt sie die lang ersehnte Anerkennung! Aber ist das genug um glücklich zu sein?

    Selten habe ich in einem Buch eine so vielschichtige und echte Figur, wie unsere Protagonistin bekommen. Mit allen Ecken und Kanten. Sie wurde bewundert, bemitleidet, geliebt, aber auch genauso gehasst.

    Susan Jane Gilman hat einen sehr geraden und leichten Schreibstil, der den Leser gut in die Geschichte rutschen lässt. Jedoch die ausdrucksstarken Worte, mit denen die Geschichte erzählt wird, finde ich großartig. Die Autorin nimmt definitiv kein Blatt vor den Mund. Eine Spannende Szene folgt der Nächsten und als Leser kann man oft nicht glauben, was Lillian und ihr Mann Bert im Laufe ihres bewegenden Lebens alles erlebt haben.
    Die Autorin bietet viele historische Details, auch wenn Lillian eine fiktive Person ist. Sie integriert die Geschichte der Eisherstellung in den biographischen Werdegang unserer Protagonisten und spannt einen tollen Bogen von den 1913er Jahren bis in die 1980er.

    Lillian ist eine Meisterin der jüdischen Sprache. So finden wir hier viele „mesuggeneh“ Menschen und auch die kleine Malka macht ja immer nur „Tsuris“. Dieses Stilmittel zieht sich durchs ganze Buch und lockert die Texte wunderbar auf. Eine super Idee!

    Eine Bewegende Geschichte! Ein bewegendes Leben! Ein tolles Buch!

  • „Die Muse von Wien“ | Caroline Bernard

    Autor:  Caroline Bernard
    Verlag:  Aufbau Verlag
    Genre:  Zeitgeschichtlicher Roman |  Biographie
    Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe, Band 6
    Seitenzahl:  472
    ISBN:  978-3-7466-3392-3

    Klimt war ihre erste Liebe, für Gustav Mahler wird sie zur Muse – Alma Schindler wächst in mitten der Wiener Boheme auf, ist in den Salons der schillernden Metropole zu Hause, verfolgt den Aufstieg der Secession, inspiriert und verführt. Und sie ist Künstlerin, ihre Leidenschaft gehört dem Klavierspiel, vor allem der Komposition. Bis sie Gustav Mahler trifft und sich Hals und Kopf in ihn verliebt. Gustav erwidert ihre Liebe, jedoch zu einem hohen Preis: Für ihn soll sie ihre Kunst aufgeben …

    Meine Meinung

    In „Die Muse von Wien“ lernen wir zu Beginn die junge Alma Schindler kennen. Ihres Zeichens die Tochter des bekannten Wiener Landschaftsmalers Emil Jacob Schindler (1842-1892) und begleiten sie im Laufe ihres turbulenten Lebens. Durch die Kontakte ihres Stiefvaters bewegt sie sich in den besten und illustren Kreisen Wiens, zu denen bekannte Maler, Literaten und Musiker gehören. Nach einer kurzen Liaison mit Gustav Klimt verliebt sie sich auf den ersten Blick in den zwanzig Jahre älteren Hofoperndirektor Gustav Mahler.

    Alma ist eine sehr verwöhnte und eitle Person. Ständig auf der Suche nach Liebe und Selbstverwirklichung, wird sie oft durch ihren eigener Egoismus aus der Bahn geworfen. Sie ist vielleicht nicht gerade die sympathischste Person mit der man gerne auf Urlaub fahren möchte, aber dennoch ein interessanter und leidenschaftlicher Charakter der Wiener Zeitgeschichte.

    Nach dem Tod von Almas Vaters heiratete die Mutter Carl Moll, der 1897 einer der Mitbegründer der Wiener Secession war. Die Autorin hat auch diesen Faktor sehr gut aufgenommen. Der Leser lernt sehr viele namenhafte Künstler und Denker aus dieser Zeit kennen und bekommt ein sehr schönes Bild davon, wie die Gesellschaft damals dachte und funktionierte. Insbesondere über die Rolle der Frau an der Seite ihres Mannes, aber auch über die schwierige Lage der Juden in Europa wird wahrheitsgetreu berichtet.

    „Die Muse von Wien“ war mein erster Roman von Caroline Bernard. Ich finde, mit diesem Buch hat sie eine sehr gefühlvolle und spannende Biographie vorgelegt, die sich durchaus messen kann. Der Schreibstil ist flüssig und emotional und lässt seinen Leser schnell in eine realistische Darstellung der Jahrhundertwende einzutauchen. Man muss aber direkt dazu sagen, dass wir uns während des gesamten Romans in gehobenen Kreisen aufhalten. Man bekommt hier definitiv nichts von der Armut und der damals herrschende „Klassengesellschaft“ gezeigt.
    Dennoch hat die Autorin hat sehr detailliert recherchiert und die Historie wunderbar mit ihrer Handlung verwebt. Die Streifzüge durch Wien und New York sind lebhaft und farbenfroh und bilden die damalige Zeit wunderbar ab.