• „Die Würde ist antastbar“ | Ferdinand von Schirach

    Autor:  Ferdinand von Schirach
    Verlag:  btb Verlag
    Genre:  Essay | Kurzroman
    Seitenzahl:  135
    ISBN:  978-3-442-71500-8

    „Die Würde des Menschen ist unantastbar, sagt das Grundgesetz. Aber das ist falsch. Denn sie wird jeden Tag angetastet“

    Ferdinand von Schirach beschäftigt sich mit den brisanten Themen unserer Zeit und gibt dabei Einblick in seine ganz persönlichen Gedanken, wie das Schreiben oder das Rauchen.

    Rezensionsexemplar – Vielen Dank an den Verlag!

    Meine Meinung

    „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt“   Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland

    In „Die Würde ist antastbar“ hinterfragt Ferdinand von Schirach den ersten Satz des Grundgesetzes. Nein, er seziert ihn geradezu und macht den Hintergrund dieses offiziellen Gedankengutes für uns greifbar. Er gibt anschauliche Situationen aus unserem Alltag wieder um die Gesetzeslage und auch deren Hintertürchen verständlicher und logischer aufzubereiten.

    Wie nicht anders von Ferdinand von Schirach zu erwarten, hat mich auch dieses Buch wieder schwer zum Nachdenken gebracht. Auch wenn es nur 135 Seiten hat, ist es definitiv kein seichtes Betthupferl, das man schnell weglesen kann. Der Autor hebt zwar selbst nie den moralischen Zeigefinger, er findet aber sehr klare und einschlagende Worte um uns seine Überlegungen näher zu bringen. Und ich möchte ihm meine tiefste Anerkennung dafür aussprechen, dass man die Realität, die er hier zeichnet, völlig problemlos nachvollziehen konnte.

    Auch wenn das Buch erst 2017 erschienen ist, bezieht sich der Inhalt auf das Jahr 2010. Dadurch sind manche Geschichten aus heutiger Sicht etwas überholt. So beschreibt von Schirach beispielsweise, wie er sich das allererste iPad gekauft hat und dass diese Technologie auf jeden Fall die Zukunft des Lesens sei. Wenn auch zeitlich veraltet, sind diese Vorhersagen dennoch präzise und wahrheitsgetreu, genau wie die Anekdoten über vergangene Zeiten.

    Auch die persönlichen Schilderungen über seinen Großvater haben mich sehr bewegt. Baldur von Schirach war ein Nationalsozialist, der ab 1931 Reichsjugendführer der NSDAP und ab 1941 Reichsstatthalter in Wien war, wo er für die Deportation der Wiener Juden verantwortlich war.
    Diese Erzählung vermittelt dem Leser ein sehr breites Bild des Autoren.

    Es ist auch immer wieder bewundernswert, dass Ferdinand von Schirach in Zeiten allgegenwärtiger Auftragspublikationen, diesen Weg nicht beschreitet!

    „Die Würde ist antastbar“ ist ein Buch für Leute, die, wenn auch sehr pathetisch ausgedrückt, sich noch Gedanken über den tieferen Sinn des Lebens machen wollen und wo sicher einige noch ihre eigene Meinung finden werden.