• „Der begrabene Riese“ | Kazuo Ishiguro

    Titel im Original:  „The Buried Giant“
    Autor:  Kazuo Ishiguro
    Aus dem Englischen übersetzt von Barbara Schaden
    Verlag:  Heyne
    Genre:  Historischer Roman | Fantasy
    Seitenzahl:  414
    ISBN:  978-3-453-42000-7

    Nach erbitterten Kriegen zwischen den Volksstämmen ist Britannien im 5. Jahrhundert ein zerstörtes Land voller Gefahren. Als Axl und Beatrice, seit vielen Jahren ein Paar, aus ihrem Dorf verstoßen werden, machen sie sich dennoch auf die Suche nach ihrem lang vermissten Sohn. Bald ahnen sie, dass in ihrem Land eine Versänderung heraufzieht, die alles aus dem Gleichgewicht bringen wird, sogar ihre Beziehung.

    Meine Meinung

    Der französische Schriftsteller Raymond Queneau hat einmal gesagt, dass jedes Buch letztendlich die Geschichte eines Konflikts oder die einer Reise sei. Normalerweise würde ich diese Aussage jetzt nicht haltlos unterschreiben, aber bei der Lektüre von „Der begrabene Riese“ musste ich immer wieder an diesen Ausspruch denken. Kazuo Ishiguro hat hier ein Buch im Sinne einer Odyssee geschrieben. Nicht nur, weil eine lange und ereignisreiche Reise im Zentrum der Geschichte steht, sondern auch weil dahinter der Schatten einer Ilias, also eines Konflikts, lauert. Ein Konflikt, dessen Auflösung erst in dieser Reise erzählt wird …

    „Der begrabene Riese“ spielt im dunklen Zeitalter der Britischen Insel. Eine Zeit in der die Volksstämme nach dem Abzug der Römer um die Vorherrschaft und die Siedlungsräume kämpften. Bevor die Angeln und Sachsen schließlich den größten Teil des heutigen Englands eroberten, leisteten die ansässigen Britannier ernsthaften Widerstand. In diesen Auseinandersetzungen liegt auch die Wurzel des Sagen umwobenen König Artus, der den Angelsachsen die Stirn bot.
    Wir begleiten das Ehepaar Axl und Beatrice, die aus ihrem Heimatdorf aufbrechen, um ihren vor langer Zeit verlorenen Sohn zu besuchen. Oder zu finden? Haben die beiden Britannier überhaupt einen Sohn? Und warum fällt es ihnen so schwer sich an die einfachsten Dinge zu erinnern?

    Da es nur wenige gesicherte Fakten zu dieser Zeit gibt, die den Völkerkonflikten eine klarere Dimension verleihen würden, erzählt Kazuo Ishigruo hier eine Geschichte voller Fantasie, historischen Hintergründen und Mythen. Dennoch ist „der begrabene Riese“ eine berührende und bedrückende Geschichte mit starkem Realitätsbezug. Der Autor erschafft eine märchenhafte Welt, die mich sofort in ihren Bann ziehen konnte und in der ich mich unheimlich wohl gefühlt habe.

    Auch wenn sich die Geschichte sehr leicht lesen lässt, ist die Erzählstimme doch anspruchsvoll und verlangt die volle Aufmerksamkeit seines Lesers. Man lässt sich schnell in die Sehnsucht des liebevollen Ehepaars hineinziehen, versteht auch sofort ihre Denkweisen und gerade deshalb möchte man schnellstmöglich alles wissen und selbst den hinterhältigen Nebel besiegen. Ich fand es beeindruckend, wie gut es dem Autor gelang die innere Welt der Charaktere, ihre Denkmuster, Realitätswahrnehmung, Moralvorstellungen und deren Wirklichkeitssinn darzustellen. Dennoch lässt die Geschichte nur wenig Raum für offensichtliche Handlungen, wichtige Aussagen oder Ansichten der Handelnden.

    Der alternde Ritter Gawain, der seine Lebensaufgabe zu erfüllen hat, war für mich von allen Personen wohl am beeindruckendsten. Er hat die Aufgabe, die Drachin „Querig“, die den Nebel des Vergessens verursacht, zu beschützen. Und natürlich ist auch sie nicht das, was sie vorzugeben scheint. Bei ihr hat der Zauberer Merlin die Finger mit im Spiel. Ob dies aber ein böser oder ein guter Zauber war, muss jeder für sich selbst entscheiden …

    Auch wenn der Roman mit Dämonen, Drachen und der Artus-Saga aufwartet, darf das Buch auf jeden Fall als Historischer Roman gewertet werden. Für mich funktioniert die Geschichte gerade deshalb so gut, weil Feen, Hexen und Menschenfresser in der damaligen Zeit ebenso real waren, wie heutzutage die Gesetze des Marktes oder die Ereignisse in den sozialen Medien.
    Großartige, feinmaschige Literatur!

  • „Im Brunnen der Manuskripte“ | Jasper Fforde

    Titel im Original:  „The Well of lost Plots“
    Autor:  Jasper Fforde
    Aus dem Englischen übersetzt von Joachim Stern
    Verlag:  dtv Verlag
    Genre:  Kriminalroman | Fantasy
    3. Fall für Thursday Next
    Seitenzahl:  406
    ISBN:  978-3-423-21295-3

    Ihren Mutterschaftsurlaub will Spezialagentin Thursday Next ganz gemütlich tief im Brunnen der Manuskripte verbringen. Doch ein geheimnisvoller Mörder treibt sein Unwesen. Er ist anscheinend spezialisiert auf Jurisfiktion-Agenten. Niemand ist mehr seines Lebens sicher, am wenigsten Thursday selbst …

    Meine Meinung

    Thursday Next hat sich, nach den turbulenten Ereignissen der vergangenen Monate, in einen drittklassigen Krimi zurückgezogen, um ihr Baby zu bekommen und ihre Ausbildung bei der Jurisfiktion abzuschließen. Doch es sieht so aus, als sollte sie auch hier nicht ungestört sein: Ein Killer geht in der Buchwelt um und sein Ziel sind offensichtlich die Agenten in Thursdays Nähe. Gemeinsam mit ihrer Ausbilderin Miss Havisham macht sie sich daran herauszufinden, wer oder was hinter den Morden steckt. Und dann ist da noch die Sache mit der Einführung des neuen Betriebssystems „UltraWord“ und den drei Hexen aus MacBeth mit ihren rätselhaften Prophezeiungen…
    Und als ob das noch nicht genug wäre, hat sich auch noch Aornis, die kleine Schwester des Erzschurken Archeron Hades, in Thursdays Erinnerungen eingeschlichen und will diese nun nach und nach zerstören. Zum Glück ist Granny Next zur Stelle, um ihrer Enkelin zur Seite zu stehen!

    Es ist einfach herrlich in das Leben der Thursday Next einzutauchen und den Alltag zu vergessen. Die skurrile Welt nimmt mit jedem neuen Buch immer konkretere und strukturiertere Formen an und wird zum wahren Genuss für seine Leser. Die Geschichte ist wieder flüssig und leicht erzählt, spannend bis zur letzten Seite und mit vielen überraschenden Wendungen und neuen Kuriositäten bestückt. Wir erleben immer wieder die Figuren aus bekannten Büchern und bekommen einen Einblick in deren wirklichen Charakter und deren Leben hinter der Geschichte.

    Thursday ist vollkommen in die Buchwelt angekommen und wird von dem Bibliothekar Grinsekatze, bzw. wird er hier „Cheshire Cat“ oder „Warrington Kater“ genannt, in die Geheimnisse der Bibliothek und dem Brunnen der Manuskripte eingeführt. Die Bibliothek der Bücher ist 26 Stockwerke hoch, also für jeden Buchstaben ein Stockwerk und der Brunnen der Manuskripte befindet sich direkt darunter. Dort lernen wir die Rohlinge kennen, die, nach ihrer Ausbildung, eine Charakterrolle in einem Buch zugewiesen bekommen und auch alle anderen Figuren aus unseren liebsten Büchern haben hier ihr Zuhause. Sie können zwar durch Bücher reisen, dürfen dabei aber die Handlung nicht verändern.

    Auch die Versammlungen der Jurisfiktion finden zwischen den Kapiteln in Jane Austen`s „Verstand und Gefühl“ auf Norland Park statt. Dort macht Thursday die Bekanntschaft von Marianne Dashwood. In Brontë`s „Sturmhöhe“ unterstützt sie Miss Havisham bei einer Wutberatung, um die enttäuschten Charaktere davon abzuhalten den egomanischen Heathcliff zu lünchen. Doch die Geschichte beginnt für mich erst so richtig spannend zu werden als Aornis Hades, aus Rache in Thursdays Gedächtnis eindringt …

    Auch dieses Mal, schafft es Jasper Fforde wieder, einen bis ins Detail glänzenden Roman zu erschaffen!

  • „In einem anderen Buch“ | Jasper Fforde

    Titel im Original:  „Lost in a Good Book“
    Autor:  Jasper Fforde
    Aus dem Englischen übersetzt von Joachim Stern
    Verlag:  dtv Verlag
    Genre:  Kriminalroman | Fantasy
    2. Fall für Thursday Next
    Seitenzahl:  417
    ISBN:  978-3-423-21294-6

    Spezialagentin Thursday Next steckt in Schwierigkeiten: Erst fällt ihr fast ein Oldtimer auf den Kopf, dann ist auch noch ihr Ehemann verschwunden. Will sie ihn zurückbekommen, muss sie einen Weg in das Gedicht „Der Rabe“ von Edgar Allan Poe finden. Wie soll sie es nur anstellen, da hineinzukommen?

    Meine Meinung

    Durch ihre spektakuläre Lösung im Fall „Jane Eyre“ mutierte Thursday Next über Nacht zur nationalen Berühmtheit und tingelt nun von Fernsehshow zur Fernsehshow. Doch damit nicht genug: Plötzlich ist nicht nur ihr Mann verschwunden, seine gesamte Zeitlinie wurde aus der Realität gelöscht. Was sie wiederum zur schwierigen Frage führt, von welchem Mann sie nun ein Kind erwartet!? Schnell bemerkt sie auch, dass jemand hinter ihr her ist, der sich die Entropie zu Nutze macht, um sie umzubringen. So fällt ihr erst fast ein Auto auf den Kopf und wird kurz darauf von einem SO14-Agenten erschossen …
    Ihr Vater rettet sie im letzten Moment und bringt seine Tochter an einen kritischen Punkt der Zeitgeschichte, an der ein Radfahrer verunglückt, was weitläufig zur Folge habt, dass sich die  komplette Erde in rosa Schleim verwandelt …

    Doch zunächst muss sie erstmal in „Der Rabe“ von Edgar Allan Poe gelangen, um ihren Mann zu retten. Das Prosaportal ist zwar zerstört, doch Thursday erfährt, dass es eine Organisation gibt, die sich in Bücher hineinlesen kann: Die sogenannte „Jurisfiktion“. Die Spezialagentin lässt sich anheuern. Aber ist sie wirklich bereit, ihren Mann zu retten?

    Im Mittelpunkt der Geschichte steht auch diesmal wieder die Liebe zur Literatur, die man auch, in ihren unterschiedlichsten Facetten, aus jeder Seite herauslesen kann. Vielleicht sogar noch mehr als im ersten Band, weil sich diese Geschichte nicht so sehr auf einen einzigen Roman bezieht.
    Wenn man sich an „Der Fall Jane Eyre“ zurückerinnert, zeigt diese Geschichte schon viele verrückte Elemente in seiner Handlung, aber „In einem anderen Buch“ steigert dies nochmal um ein vielfaches! Natürlich im positivsten Sinne. Man hat das Gefühl, der Autor bedient sich vermehrt an Ideen von Douglas Adams oder Cornelia Funke und bauscht diese nochmals mit seiner eigenen brillanten Fantasie auf.

    Jasper Fforde legt viel Wert auf Thursdays Umwelt und ihr Familie. Jeder kennt diesen einen verschrobenen, leicht verrückten Onkel. Bei Thursday zeigen alle Familienmitglieder ihre besonderen Eigenheiten. Absolut sympathisch und am liebsten möchte man selbst ein Teil davon sein.
    Außerdem zeigt der Autor eine unglaubliche Detailverliebtheit für die Welt und die Gesellschaft. Selbst vermeintlich alltägliche Dinge werden zum Erlebnis. Allein die Szene, in der bei einem Buchverkauf in einem modernen Antiquariat das absolute Chaos ausbricht und die Herzkönigin zur Furiere mutiert, ist gewaltig. Und diese Art von Szenen findet man immer wieder.
    Und natürlich wird sehr viel Fokus auf das Zeitreisen gelegt …

    Literarisch ist der Roman zwar nicht im klassischen Sinne anspruchsvoll, man tut sich aber auf jeden Fall leichter, wenn man vorher Charles Dickens „Große Erwartungen“ und Kafkas „Prozess“ gelesen oder zumindest schon einmal etwas davon gehört hat. Das hilft auch ungemein bei Jasper Ffordes grandioser Wortakrobatik!

  • „Sleeping Beauties“ | Stephen King & Owen King

    Titel im Original:  „Sleeping Beauties“
    Autor:  Stephen King | Owen King
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Bernhard Kleinschmidt
    Verlag:  Heyne Verlag
    Genre:  Horror | Fantasy
    Seitenzahl:  959
    ISBN:  978-3-453-43955-9

    Eine mysteriöse Schlafepidemie stürzt die Menschheit weltweit ins Chaos. An einem einzigen Tag sind alle Frauen – und nur Frauen – davon befallen. Und wehe, sie werden wieder geweckt!

    Meine Meinung

    Der Roman „Sleeping Beauties“ steht nun schon seit seinem Erscheinungstag auf meiner Wunschliste, aber irgendwie habe ich nie die Hände nach ihm ausgestreckt. Ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen, wie man aus dem Thema der schlafenden Frauen, die zu Bestien werden, wenn man sie aufweckt, einen über 900 Seiten starken Roman gestalten will. Da mir aber eine Freundin kürzlich das Buch mitgebracht hat, war die Neugierde dann doch zu groß!

    In der Stadt Dooling in West Virginia ist plötzlich nichts mehr, wie es war: Alle Frauen, die einschlafen, wachen nicht mehr auf und werden in eine Art Kokon eingesponnen. Doch damit nicht genug: Entfernt man diesen und weckt die Frauen auf, werden sie zu Furien und töten alles, was ihnen in die Quere kommt! Eine Welt ohne Frauen? Für viele völlig unvorstellbar!
    Das Chaos bricht endgültig aus, als zwischen den Männern und den wenigen, noch übrigen Frauen ein Kampf ausbricht, der alles entscheiden wird: Aggression und blinde Wut gegen den Versuch, alles zu erhalten. Und mittendrin steht Evie Black, die einzige Frau, die ganz normal einschlafen und wieder aufwachen kann und hält die Fäden in der Hand!

    Stephen Kings große Stärke ist es, seine Charaktere für den Leser unheimlich nahe aufzubauen. Auch in diesem Buch macht er sich, was seine Protagonisten betrifft, alle Ehre. Wer Horden von rasenden Frauen erwartet, wird sicher enttäuscht werden, denn dieses Detail spielt zwar eine Rolle und kommt auch hier und da vor, ist aber nicht der Aufhänger für die Spannung. Viel mehr beschäftigt sich der Roman mit dem gesellschaftskritischen Hintergrund: Wie würde eine Welt aussehen, die nur von Männern bevölkert wird? Und was würde passieren, wenn die Männer herausfinden, dass es doch noch eine Frau gibt, die nicht schläft und scheinbar Kräfte besitzt, die für den ganzen Schlamassel verantwortlich sind?

    Stephen King und sein Sohn Owen haben einen sehr flüssigen Schreibstil und ich persönlich konnte beim Lesen überhaupt keine Unterschiede feststellen. Was natürlich auch von der deutschen Übersetzung beeinflusst wird. Die Geschichte entwickelt sich eher langsam, mit vielen Details und Feinheiten. Dadurch steigert sich wunderbar die Spannung. Bis zum Schluss konnte ich nicht vollständig erahnen, was wohl passiert.

    Der ausschlaggebende Teil der Handlung spielt in einem Frauengefängnis, welches vom Psychiater Dr. Clint Norcross und ein paar Verbündeten besetzt wird. Auf der anderen Seite steht die Polizei, deren Deputys am liebsten wild um sich schießen und alles schnell beenden würde! Dieses Aufeinanderprallen wird noch von einer starken Fantasy-Komponente durchmischt, denn die Frauen schlafen nicht einfach vor sich hin, sie befinden sich in einer parallelen Welt, die ihnen die Möglichkeit bietet, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und ihr Leben neu zu beginnen!

    Besonders interessant fand ich auch die teilweise sehr skurrilen Gedankengänge der Männern, die sich selbst eine Scheinwelt ausmalen und sich als die eigentlichen Opfer sehen, obwohl deren Verhalten in der Realität das genaue Gegenteil ist!

    Alles in Allem ist „Sleeping Beauties“ subtiler Horror, mit vielen philosophischen, mystischen und fantasielastigen Elementen. Ein tolles, vielschichtiges und modernes Werk, das zum Nachdenken anregt!

  • „Der dunkle Wächter“ | Carlos Ruiz Zafón

    Titel im Original:  „Las Luces de Septiembre“
    Autor:  Carlos Ruiz Zafón
    Aus dem Spanischen übersetzt von Lisa Grüneisen
    Verlag:  Fischer Verlag
    Genre:  Horror  |  Jugendbuch
    Nebel-Trilogie, Band 3
    Seitenzahl:  344
    ISBN:  978-3-596-85388-5

    Cravenmoore – so heißt das geheimnisvolle Anwesen am Meer, auf dem der Spielzeugfabrikant Lazarus Jann mit Hunderten mechanischen Figuren lebt. Schnell wird klar:  Cravenmoore ist ein Ort voller Abgründe. Dunkle Schatten jagen durchs Haus, im Wald treibt eine mächtige Kreatur ihr Unwesen, und vom Leuchtturm drohen die rätselhaften Septemberlichter. Als Irene und ihr neuer Freund Ismael dem Geheimnis um Lazarus Jann auf die Spur kommen, ist es fast zu spät:  Dieser Sommer könnte ihr letzter werden …

    Meine Meinung

    Mit „Der dunkle Wächter“ darf ich euch den dritten Band der Nebel-Trilogie vorstellen. Ein schaurig schöner Roman, der sich hervorragend in abendlichen Dämmerungsstimmungen lesen lässt und einem dabei einen wohligen Schauer über den Rücken jagt. Ein würdiges Ende für diese tolle Jugendbuchreihe!

    Alles beginnt mit einem Teufelspakt. Irene und ihre Familie ziehen nach einem schicksalshaften Jahr weg aus der Pariser Großstadt, in ein Dorf an der Küste Frankreichs. Irenes Mutter findet dort eine Stelle als Hausdame bei dem Spielzeugfabrikanten Lazarus Jann, dessen Haus ein düsteres Geheimnis verbirgt, dass eng mit seinem Besitzer verwoben ist.
    Auch Irene findet ihr Glück, in Form des jungen Fischers Ismael. Doch schon bald müssen sie um ihre Liebe kämpfen. Werden sie es schaffen die Septemberlichter und die mysteriösen Dämonen zu besiegen?

    Für mich war es unheimlich interessant zu sehen, wie sich der Schreibstil des Autoren im Laufe der Trilogie entwickelt hat. War „Der Fürst des Nebels“ noch teilweise etwas holprig, erinnert diese Geschichte schon an den später erschienen Roman „Marina“ und die Reihe um den „Friedhof der vergessenen Bücher“. Ich hatte sofort alle Personen vor meinem inneren Auge und bestaunte natürlich auch Lazarus Automaten. Ich ging mit Ismael und Irene in der blauen Bucht tauchen, lachte über den Dorftratsch und gruselte mich zusammen mit Irenes Bruder vor dem Wald um das Anwesen „Cravenmoore“. Und natürlich merkt man beim Lesen schnell, dass mit Lazarus Jann etwas so ganz und gar nicht stimmt.

    Auch in diesem Buch finden wir wieder die für Carlos Ruiz Zafón so typische poetische Erzählweise. Die Sprache wirkt in vielen Szenen wie aus einer anderen Zeit. Älter und schwerer, aber auch bunter und tiefgründiger. Raffiniert verwebt er die verschiedenen Handlungsstränge miteinander und erzählt außer der Liebesgeschichte von Irene und Ismael, auch die Vorgeschichte des Spielzeugfabrikanten und die Legende um die Septemberlichter. Dahinter steckt die Geschichte einer jungen Frau, die vor 20 Jahren im Meer vor dem Leuchtturm ertrunken ist, und deren Tagebuch Ismael und Irene in die Hände fällt.

    Auch die Nebel-Trilogie beweist wieder, dass Carlos Ruiz Zafón ein Meister der Wortakrobatik und der Satzkompositionen ist. Eigentlich ist es unbeschreibbar, was dieser Mann, nur durch Worte, zu erschaffen in der Lage ist!