• „Chroniken von Azuhr: Die weiße Königin“ | Bernhard Hennen

    Autor:  Bernhard Hennen
    Verlag:  Fischer Tor Verlag
    Genre:  Fantasy
    Seitenzahl:  623
    Chroniken von Azuhr, Band 2
    ISBN:  978-3-596-70365-4

    Auf der Insel Cilia eskaliert der Konflikt zwischen der Liga der Stadtstaaten und den Herzögen des Schwertwaldes. Die militärische Übermacht der Liga ist erdrückend, und die Hoffnung der Waldbewohner ruht auf einer alten Sage, dass in der Stunde der größten Not die Weiße Königin, die ehemalige Herrscherin des Waldes, zurückkehren wird. Doch wie groß muss die Not werden, bis sich dies erfüllt?
    Milan Tormeno versucht, den Wirren des Krieges zu entgehen, denn in seinen Augen kämpft keine von beiden Seiten für eine gerechte Sache. Doch es droht eine weitere Gefahr: Überall auf der Insel erwachen Märengestalten zu neuem Leben.

    Meine Meinung

    Auch in „Die weiße Königin“ wird die Insel Cilia wieder Schauplatz eines großen Krieges. Gleich mehrere Feldherren versuchen die Rebellen des Schwertwaldes zu vernichten. Allen voran der Erzpriester Nandus, dem von Anfang an klar ist, dass in der entscheidenden Schlacht geweissagt wurde, dass die weiße Königin erscheinen und ihr Volk retten wird. Trotzdem versucht er alles, um den Kampf für sich zu entscheiden …
    Währenddessen versucht sein Sohn Milan, die aus dem Ruder laufenden Märengestalten in den Griff zu bekommen und einen Weg zu finden, um seine geliebte Felicia wieder zum Leben zu erwecken. Dabei bekämpft er nicht nur die Mären, er verändert auch die Geschichten und spinnt neue Gestalten. Er beeinflusst die Realität so aktiv, dass selbst lebende Menschen sich charakterlich verändern ohne es zu merken …

    Bernhard Hennen schreibt wie gewohnt rasant und kampfeslustig, mit tollen Dialogen und actionreichen Wendungen. Die Kapitel sind angenehm kurz und anhand der Überschrift erkennt man sofort wann und wo man sich befindet.
    Wie schon im Vorgängerband erzählen die ersten 100 Seiten eine Rückblende:  Wir erfahren die dramatischen Geschehnisse, die mit der Geburt der Kaiserin Sasmira einhergehen, die in der aktuellen Zeit gerade zum zweiten Mal die Macht an sich gerissen hat. Dies ist besonders wichtig um die Gegenwart besser zu verstehen.

    Die Geschichte besticht deutlich durch seine starken Kontraste. Die mittelalterlich angehauchten Handlungsorte schwanken zwischen Asien, Italien und Spanien und kreuzen immer wieder die Wege der Märchen und Mythen. Wir lernen Meerhexen, Gryme, Basilisken, Riesen, und Waldtrolle kennen, die ihr Unwesen in Cilia treiben.

    In der Gegenwart entwickeln sich Milan und Nandus deutlich weiter. Was mich sehr überrascht hat, war die Tatsache, dass sie sich ähnlicher sind als zunächst gedacht. Alle Charaktere, bis hin zu den kleinsten Nebendarsteller, sind stark und tiefgründig gestaltet. Brüche in den Persönlichkeiten, Reifungsprozesse, psychologische Abgründe. Der Leser wird dabei auf eine Achterbahn der Gefühle geschickt.

    Bernhard Hennen schreibt wunderbar spannende und vielfältige Geschichten, die voll Dramatik und Leben sind. Auch die „Chroniken von Azuhr“ stehen seinen Elfen und Drachenelfen in nichts nach  …

  • „Das Herz des Verräters“ | Mary E. Pearson

    Titel im Original: „The Heart of Betrayal“
    Autor: Mary E. Pearson
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Barbara Imgrund
    Verlag: Bastei Lübbe | One Verlag
    Genre: Fantasy | Jugendbuch
    Chroniken der Verbliebenen, Band 2
    Seitenzahl: 527
    ISBN: 978-3-8466-0042-9

    Du bist stark, stärker als dein Schmerz. Stärker als dein Kummer, stärker als sie alle. Lia trägt die Gabe der Vorsehung in sich. Das was kann sie damit ausrichten – gefangen hinter den Mauern von Venda?

    Seit Lia in den feindlichen Palast verschleppt wurde, muss sie um ihr Leben fürchten. Rafe ist zwar an ihrer Seite, aber ihrer kann auch er sie nicht mehr beschützen. Der Komizar von Venda will Lias Tod – und erst als Kaden in verrät, dass Lia die Gabe der Vorsehung besitzt, steigert das in den Augen ihres Feindes Lias Wert. Sie gewinnt Zeit – doch was sagt ihr der Blick in die Zukunft? Lia muss wichtige Entscheidungen treffen – und einen Weg finden, um endlich ihrem Gefängnis zu entfliehen …

    Meine Meinung

    Da mich ja schon „Der Kuss der Lüge“ von Mary E. Pearson vor einigen Wochen sehr begeistern konnte, musste ich im April auf jeden Fall mit der Chronik der Verbliebenen weitermachen.

    Gerade finde ich es ein bisschen schwierig näher auf den Inhalt des Buches einzugehen, ohne hier ungewollt zu viel zu erzählen. Ich kann euch aber verraten, dass ich wirklich gut unterhalten wurde!
    Nach ihrer Entführung werden Lia und Rafe nun in Venda gefangen gehalten. Die Prinzessin gilt als die wichtigste Beute des Komizars und soll ihm einige verschlossene Türen in seiner Regierung, aber auch im bevorstehenden Krieg öffnen. In der Hoffnung, Rafe zu schützen, spielt sie das gefährliche Spiel mit! Gleichzeitig warten die Beiden natürlich auf die erstbeste Gelegenheit zur Flucht! Doch der Komizar hat ihre Pläne längst durchschaut!

    Während im ersten Band noch überwiegend die Liebesgeschichte im Vordergrund steht, lernen wir in diesem Buch das düstere und trostlose Königreich Venda und dessen sagenumwogene Vergangenheit besser kennen!

    Auch in „Das Herz des Verräters“ ist Mary E. Pearsons Schreibstil wieder leicht und flüssig. Sie schreibt sehr detailliert, bildlich und actionreich, sodass ich wieder gut in die Welt zurückfinden konnte.
    Da das Buch wieder aus diversen Ich-Perspektiven erzählt wird, bekommen wir die unterschiedlichsten Einblicke in das Geschehen. Auch die Gedanken der einzelnen Protagonisten drehen die Spannung nochmal ordentlich hoch.
    Neben Venda, erfahren wir auch neue Einzelheiten über Pauline, die für Lia eine Rettungsaktion plant.

    War ich noch im ersten Band etwas distanzierter bzw. vermutlich auch ein bisschen überfordert mit einigen Charakteren, gingen sie mir im zweiten Band schon viel näher. Sowohl die Guten, als auch die weniger Freundlichen! Die Autorin zeigt hier viel Liebe zum Detail: Jeder Charakter bekommt seine eigene Tiefe, die nicht selten auf einen Abgrund zusteuern. Gerade Lia lernt ihre Gabe immer besser zu beherrschen und entwickelt sich rasant weiter.

    Nur was ihre Männergeschichten angeht, hatte ich doch das Gefühl, das sie sich noch nicht so ganz zwischen Rafe und Kaden entscheiden möchte …

  • „Der Bücherdrache“ | Walter Moers

    Autor: Walter Moers
    Mit Illustrationen von Walter Moers
    Verlag: Penguin Verlag
    Genre: Fantasy
    Romane aus Zamonien, Buch 9
    Seitenzahl:  165
    ISBN: 978-3-328-60064-0

    In den Katakomben von Bauchhaim erzählt man sich die alte Geschichte vom sprachmächtigen Bücherdrachen Nathaviel. Angeblich besteht er aus lauter Büchern, die von der mysteriösen kraft des Orms durchströmt sind. Die Legende besagt, der Bücherdrache habe auf jede Frage eine Antwort.

    Der Buchling Hildegunst Zwei, benannt nach dem zamonischen Großschriftsteller Hildegunst von Mythenmetz, macht sich eines Tages auf den Weg in den Ormsumpf, wo Nathaviel hausen soll. Dabei wagt er sich in Bereiche der Katakomben, in denen es von Gefahren wie den heimtückischen Bücherjägern nur so wimmelt. Und er ahnt nicht, dass die größte Gefahr die ihm dort, vom Bücherdrachen selber ausgeht …

    Meine Meinung

    Endlich wieder ein neues Abenteuer aus Zamonien und eine Fortsetzung der Romane von Hildegunst von Mythenmetz! Die Bücher von Walter Moers stehen für mich immer wieder für Qualität und auch bei seinem neuesten Kurzroman „Der Bücherdrache“ drängt sich mir wieder eine gute Portion Orm entgegen …

    In einem Traum begegnet Hildegunst von Mythenmetz dem Buchling Hildegunst Zwei!
    Da die Buchlinge die gesamten literarischen Werke ihrer Namensväter studieren und auswendig lernen, haben der Lindwurm und sein kleiner „Doppelgänger“ eine ganz besondere Verbindung zueinander.
    Hildegunst Zwei erzählt ihm in diesem Buch von seinem Abenteuer, als er sich einst auf den Weg zum Ormsumpf machte, um den sagenumwobenen Bücherdrachen Nathaviel zu finden, um ihm die Frage aller Fragen zu stellen! Dabei erfährt der Buchling wie Dieser sich von einem gewöhnlichen Drachen zu einem solch ormgetränkten und legendären Wesen entwickeln konnte.

    Es war mir ein Vergnügen wieder Zamonien einzutauchen und den Erzählstil von Hildegunst von Mythenmetz zu lauschen. Die Geschichte stellt eine nette Nachmittagserzählung dar und ist trotz der Kürze, abwechslungsreich und wunderbar erzählt.
    Zudem würde ich die Unterhaltung zwischen dem Buchling und dem Bücherdrachen als eine Hommage an Smaugs Gespräche mit Bilbo in Tolkiens „Der kleine Hobbit“ sehen. Der Vergleich ist wirklich gravierend!

    Auch in diesem Buch, wird die Geschichte wieder mit Illustrationen von Walter Moers bildhaft unterstrichen. Dadurch wird die Erzählung noch einmal wertvoller und alles wirkt frischer, lebendiger und ausschweifender. Auch die Einleitung im Stile der Graphic Novels von „Die Stadt der träumenden Bücher“ fand ich sehr gelungen und passte wie die Faust aufs Auge.

    Ein kleiner Schatz aus einem großen Universum!

  • „Chroniken von Azuhr: Der Verfluchte“ | Bernhard Hennen

    Autor: Bernhard Hennen
    Verlag: Fischer Tor Verlag
    Genre: Fantasy
    Seitenzahl:  570
    Chroniken von Azuhr, Band 1
    ISBN: 978-3-596-70243-5

    Der junge Milan Tormeno ist dazu ausersehen, seinem Vater Nandus in das Amt des Erzpriesters zu folgen: Er soll einer jener mächtigen Auserwählten werden, die die Geschicke der Welt Azuhr lenken.
    Doch Milan kann nicht akzeptieren, dass sein Schicksal vorherbestimmt ist. Er rebelliert – und verstrickt sich mit der Meisterdiebin Felicia und der geheimnisvollen Konkubine Nok in ein gefährliches Netz von Intrigen.
    Gemeinsam geraten sie in den Bann einer alten Prophezeiung – einer Prophezeiung, nach der die Ankunft des »Schwarzen Mondes« in Azuhr ein neues Zeitalter der Magie einläuten wird …

    Meine Meinung

    Bernhard Hennen ist in meinen Augen einer der ganz großen deutschen Fantasy-Autoren unserer Zeit. Seine Protagonisten, seine Welten und auch die Geschichten an sich sind immer wieder ein Spektakel! So auch der erste Band der „Chroniken von Azuhr“ …

    Milan Tormeno kann sich mit seinem vorherbestimmten Schicksal nicht anfreunden. Er soll in die Fußstapfen seines Vaters treten: Ein Tyrann und Schlächter, der die Welt von Azuhr mit strenger Hand und offen für Lügen und Intrigen lenkt. Doch schon früh weiß Milan, dass ein Leben als angesehener Erzpriester nicht seine wahre Bestimmung ist. Er rebelliert gegen sein Schicksal und schon bald führt ihn sein Weg in den Bann einer alten Prophezeiung …

    Nach einem etwas holprigen Start nimmt die Handlung rasant Fahrt auf und im weiteren Verlauf wird schnell klar, warum der Beginn der Geschichte so gewählt wurde. Die Entwicklung der Charaktere ist sehr gut herausgearbeitet und auch die italienisch-angehauchten Handlungsorte werden schön beschrieben. Milans Geschichte ist eng mit der seines Vaters verbunden. Die Beiden versuchen stets, sich gegenseitig zu behindern. Beide sind sehr starke Protagonisten, ebenso wie die vielen tollen Nebencharaktere.
    Der Autor hat einen schwungvollen, spritzigen und flüssigen Schreibstil. Wie gewohnt schafft er es eine lebhafte und authentische Handlung zu gestalten!

    Bernhard Hennen beschreibt „Azuhr“ sehr malerisch. Man findet sich in den einzelnen Ländern schnell zurecht und auch die Atmosphäre, die vor Ort herrscht, wird von ihm sehr gut zum Leser transportiert. Dabei verzichtet er anfangs komplett auf übernatürliche Elemente, welche sich erst im Verlauf der Handlung auf interessante Weise in die Geschichte einschleichen.
    Ebenso verzichtet er auf jegliche Klischees, was Elfen, Orks und Zwerge betreffen …

    Eine beeindruckende Fähigkeit des Autors ist es, Kritik an der realen Welt, sowie politische, historische und soziale Ereignisse in seine Geschichten einzubauen. Auch in „Die Chroniken von Azuhr“ wirken einige Handlungsorte und Ereignisse wie ein Spiegel unserer Zeit.

    Ein weiterer Bonus dieses Buches ist das offensichtliche Verständnis für mittelalterliche Waffen und Rüstungen! Was sich von der ersten Seite an, nicht nur in der Verwendung der korrekten Bezeichnungen zeigt, sondern auch darin, dass der Autor einschätzen kann, wozu Rüstungen und Waffen tatsächlich in der Lage sind!

    „Der Verfluchte“ ist eine Geschichte über das Suchen und das Finden der eigenen Prinzipien.
    Mal düster, mal heldenhaft … aber durchgehend mitreißend und großartig!

  • „Elias & Laia: In den Fängen der Finsternis“ | Sabaa Tahir

    Titel im Original:  „A Reaper at the Gates“
    Autor:  Sabaa Tahir
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Barbara Imgrund
    Verlag:  Bastei Lübbe | One Verlag
    Genre:  Fantasy | Jugendbuch
    Elias & Laia, Band 3
    Seitenzahl:  523
    ISBN:  978-3-8466-0078-8

    Die Welt wird brennen. Doch sie aus der Asche auferstehen!

    Das Martialenimperium steht am Abgrund:
    Imperator Marcus überzieht das Land mit dem Blut der Unschuldigen, während Blutgreif Helena diese zu schützen versucht. Weit im Osten weiß Laia, dass sie den Nachtbringer aufhalten muss, und das ohne Elias. Denn Elias ist als Seelenfänger an die Zwischenstatt, das Geisterreich, gefunden. Dazu verdammt, bedingungslos zu dienen – auch wenn dies bedeutet, die Frau aufzugeben, die er liebt!
    Ihrer aller Schicksal ist miteinander verknüpft. Und sie alle kämpfen gegen eine uralte Macht, deren Zerstörungskraft sie unterschätzen …

    Meine Meinung

    Mit „Elias & Laia – In den Fängen der Finsternis“ geht Sabaa Tahir in die dritte Runde ihrer Fantasy-Reihe. Zum Inhalt möchte ich diesmal gar nicht viel sagen, da der Klappentext schon unheimlich viel verrät …

    Der Weg für Laia und Helena ist lang und beschwerlich. Gerade bei unseren weiblichen Protagonisten kann man eine sehr schöne Weiterentwicklung feststellen. Sie lernen ihre Fähigkeiten immer besser zu kontrollieren und auch ihre Vergangenheit bzw. ihre Gegenwart wird für den Leser klarer und verständlicher. Elias hingegen verschwindet die meiste Zeit in den Hintergrund. Wir bekommen zwar mit, wie es in der Zwischenwelt für ihn weitergeht, aber das Hauptaugenmerk liegt ganz klar bei den beiden Frauen. Am Ende gehen alle drei Protagonisten charakterlich stark verändert aus diesem Band hervor, was mir sehr gut gefallen hat. Intrigen spinnen sich weiter, Geheimnisse werden aufgelöst und Unklarheiten werden schon langsam logischer!

    Auch in diesem Band wechseln wir wieder nach jedem Kapitel die Perspektive. Dadurch baut sich eine sehr schöne Spannung auf, die sich auch wunderbar bis zum Ende hält.
    Ich würde dieses Buch auf jeden Fall als ein Zwischenband bezeichnen, der in der Grundstimmung merkbar ruhiger ist, aber dennoch mit vielen brutalen Szenen und schockierenden Wendungen aufwartet. Einige Rezensenten haben ihn als „blutrünstig“ bezeichnen, das möchte ich jetzt nicht unterschreiben. Natürlich geht es ähnlich wie in den Vorgängerbänden nicht gerade zimperlich zu, aber Saba Tahir hat viele schöne und lebendige Szenen zum nervlichen Ausgleich eingearbeitet, die mich auch berühren konnten und ein wenig die Schärfe herausgenommen haben.

    Der Schreibstil ist wie erwartet rasant und actionreich und zieht den Leser von der ersten Seite an in die Geschichte, die auch wieder nahtlos an den Vorgängerband anschließt. Die Szenen sind bildgewaltig und stark im Ausdruck. Die Autorin lässt sich aber deutlich mehr Zeit für Details und Feinheiten.

    Ein kleiner Wehmutstropfen sind die Rückblenden …
    Diese fehlen komplett, wodurch man bei einer längeren Lesepause vermutlich schwerer wieder in die Geschichte zurückfinden wird!

    Die Geschichte nimmt immer mehr an Fahrt auf, sodass man das epische Finale beinahe schon sehen kann …

  • „Der Kuss der Lüge“ | Mary E. Pearson

    Titel im Original: „The Kiss of Deception“
    Autor: Mary E. Pearson
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Barbara Imgrund
    Verlag: Bastei Lübbe | One Verlag
    Genre: Fantasy | Jugendbuch
    Chroniken der Verbliebenen, Band 1
    Seitenzahl: 559
    ISBN: 978-3-8466-0036-8

    Ein Befehl, und das Licht gehorcht.
    Ein Wink von ihr, und Sonne, Mond und Sterne fallen auf die Knie und erheben sich wieder. Sie ist Lia, Königstochter von Morrighan. Am Tag ihrer Hochzeit entflieht sie ihrem goldenen Käfig und lässt ihr bisheriges Leben hinter sich.

    Weit entfernt von Morrighan heuert Lia in einer Taverne an. Dort lernt sie eines Abends zwei Männer kennen, die sofort ihre Aufmerksamkeit erregen. Was sie nicht weiß: Die beiden sind auf der Suche nach ihr. Einer wurde ausgesandt, um die Königstochter zu töten. Und der andere ist ausgerechnet jener Prinz, den sie heiraten sollte. Schnell fühlt Lia sic zu beiden hingezogen. Und ahnt nicht, dass sie längst in größter Gefahr schwebt …

    Meine Meinung

    „Der Kuss der Lüge“ ist der Auftakt einer Fantasy-Reihe, die dank einer Freundin im letzten Jahr bei mir einziehen durfte. Obwohl wir hier bildgewaltig in eine aufregende Welt entführt werden, hatte ich doch ein bisschen an diesem Buch zu knabbern …

    Lia ist die älteste Tochter im Königshaus Morrighan. Gerade mal 17 Jahre alt, soll sie mit einem Prinzen verheiratet werden, den sie noch nie in ihrem Leben gesehen hat. Doch damit ist sie alles andere als einverstanden, sie möchte ihr Leben selbst bestimmen. Am Tag ihrer Abreise, der sie in das Königreich ihres zukünftigen Gatten führen soll, flüchtet sie zusammen mit ihrer Zofe Pauline und heuert weit entfernt in einer Taverne an. Noch nicht mal die besten Suchhunde ihres Vaters schaffen es, sie aufzuspüren. Gestärkt durch die neuen Aufgaben und das Vertrauen, das ihr entgegengebracht wird, blüht sie richtig auf!
    Kurze Zeit später lernt sie zwei Männer kennen, die sofort ihre Aufmerksamkeit erregen. Was sie nicht weiß: Die beiden sind auf der Suche nach ihr! Einer ist ihr verprellter Prinz, der andere ein Auftragsmörder! Aber wer ist wer?

    Die Geschichte war von Anfang bis Ende gut durchdacht. Mary E. Pearson hat einen sehr flüssigen Schreibstil. Eher ruhig mit einer unterschwelligen Spannung, die der Autorin zu Beginn in meinen Augen ein bisschen im Weg gestanden ist. Das erste Drittel des Buches zieht sich unglaublich in die Länge und nimmt erst viel Später so richtig Fahrt auf. Am Anfang musste ich mich immer ein bisschen zum weiterlesen überwinden, aber es hat sich eindeutig gelohnt.
    Die Kapitel sind aus verschiedenen Perspektiven geschildert. Allen voran lernen wir so natürlich Lia kennen, doch dann erleben wir auch die Sichtweise des Prinzen, des Attentäters, die von Rafe und die von Kaden. Mary E. Pearson hat das sehr geschickt eingefädelt. Ich muss aber ehrlich gestehen, dass mir die Kapitel aus der männlichen Sicht doch deutlich besser gefallen haben, waren diese von Anfang an rasanter und actionreicher beschrieben.

    Die Autorin zeichnet in diesem Buch ganz wunderbare Charaktere, die mir nahe gegangen sind und die ich auch mit der Zeit sehr lieb gewonnen habe. Ich durfte mit Lia und Pauline mitfiebern, habe mit ihnen geweint und war in manchen Situationen genauso am Boden zerstört wie unsere beiden Protagonistinnen. Auch Kaden und Rafe sind sehr interessante Figuren und ich fand das Rätselraten um ihre Hintergründe, durchaus spannend. Im Allgemeinen kann man sagen, dass die Charaktere toll und überzeugend gestaltet sind und mit ihren Aufgaben in der Geschichte wachen.

    Auch wenn ich einige Schwierigkeiten mit diesem Buch hatte, freue ich mich schon darauf, den zweiten Band der Reihe zur Hand zu nehmen. Ich denke auch die Autorin wird sich im Laufe der Geschichte weiterentwickeln …

  • „Grindelwalds Verbrechen“ | Joanne K. Rowling

    Titel im Original: „Fantastic Beasts:  The Crimes of Grindelwald“
    Autor: Joanne K. Rowling
    Aus dem Englischen übersetzt von Anja Hansen-Schmidt
    Mit Illustrationen von MinaLima
    Verlag: Carlsen Verlag
    Genre: Fantasy | Jugendbuch
    Phantastische Tierwesen, Band 2
    Seitenzahl: 286
    ISBN: 978-3-551-55709-4

    In „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ wurde der mächtige schwarze Magier Gellert Grindelwald mit Unterstützung des Magizoologen Newt Scamander gefasst. Doch jetzt gelingt ihm die Flucht und er beginnt, Anhänger um sich zu scharen. Sein wahres Ziel – Die Herrschaft von reinblütigen Hexen und Zauberern über alle nichtmagische Wesen – kennen nur die wenigsten von ihnen. Um diesen Plan zu durchkreuze, wird Newt von Grindelwalds größten Wiedersacher um Hilfe gebeten: Albus Dumbledore. Als Newt einwilligt, ahnt er noch nicht, welche Gefahren vor ihm liegen. Die Kluft, die sich durch die magische Welt zieht, wird immer tiefer, und selbst Familien und Freunde werden entzweit!

    Meine Meinung

    Die Geschichte um Newt Scamander, dem liebenswerten und etwas verschrobenen Magizoologen, geht in die nächste Runde! Zum Ende des ersten Bandes, wurde Gellert Grindelwalds mit Newts Hilfe gefasst. Diesem gelingt auf spektakuläre Weise die Flucht nach Europa, wo er möglichst viele Anhänger um sich schart. Er verfolgt ein hohes Ziel: Er möchte die Herrschaft von reinblütigen Hexen und Zauberern gegenüber den Nichtmagiern sichern. Doch auch der Obscurus Credens erweckt sein Interesse …
    Albus Dumbledore, Grindelwalds größter Widersacher, bittet Newt um Hilfe. Die Kluft, die sich durch die magische Welt zieht, wird immer bedrückender … und auch Familie und Freunde bleiben nicht verschont!

    Bei diesem Buch handelt es sich wieder um ein Originaldrehbuch. Ihr seid an dieser Stelle also vorgewarnt, was die Schreibweise und Aufmachung betrifft. Ich persönlich bin von dem Cover und der ganzen Geschichte begeistert! Zudem ist die Gestaltung innen wie außen ein absoluter Blickfang!

    Aufgrund der Dialoge und der knappen Regieanweisungen lässt sich das Buch zügig durchlesen. Dennoch war ich auch hier wieder erstaunt, wie gut sich ein gewisser Spannungsbogen aufbauen lies und wie normal die Charaktere rüberkamen. Natürlich ist das Buch nicht so emotional wie ein normaler Roman, doch trotzdem kann man die Empfindung der Figuren sehr gut nachvollziehen.

    In „Grindelwalds Verbrechen“ tauchen erstmals bewusst alte Bekannte aus dem Harry Potter-Universum auf. So erfahren wir einige interessante Zusammenhänge aus der Familie Lestrange und auch Albus Dumbledore hat seine Hände wieder mit im Spiel.
    Auch die Charaktere aus dem ersten Band waren mir wieder auf Anhieb sympathisch. Newt mit seiner liebevollen, aber doch auffällig verschrobenen Art, Queenie die mich doch etwas verwundert hat und Jacob den ich die meiste Zeit einfach nur gern in den Arm nehmen wollte. Selbst Tina, von der ich im ersten Band ja gar nicht so begeistert war, hat mein Herz ein bisschen Höher schlagen lassen! Gellert Grindelwald fand ich persönlich spannend, seine Faszination auf Andere kann ich allerdings nicht teilen … ob da nicht ein kleiner Zauber nachhilft?

    „Grindelwalds Verbrechen“ ist eine Geschichte um Liebe, Treue und den Mut richtige Entscheidungen zu treffen. Und welchen Weg wählen wir, um unser Ziel zu erreichen?

  • „Elias & Laia: Eine Fackel im Dunkel der Nacht“ | Sabaa Tahir

    Titel im Original: „A Torch Against the Night“
    Autor: Sabaa Tahir
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Barbara Imgrund
    Verlag: Bastei Lübbe | One Verlag
    Genre: Fantasy | Jugendbuch
    Elias & Laia, Band 2
    Seitenzahl: 511
    ISBN: 978-3-8466-0038-2

    Das Schicksal hat Elias und Laia zusammengeführt und sie im Widerstand gegen das Imperium vereint. Gemeinsam fliehen sie aus Schwarzkliff, um im Gefängnis von Kauf Laias inhaftierten Bruder aus seiner Zelle zu befreien. Mit seinem Wissen könnte er von großem Wert sein für die Rebellen. Doch werden Elias und Laia es schaffen, sich unbemerkt bis ans andere Ende des Landes durchzuschlagen? Immerhin ist ihnen Helena dicht auf den Fersen. Und als rechte Hand des Imperiums hat sie einen klaren Auftrag: Die beiden Verräter zu finden und zu töten!

    Meine Meinung

    Was für eine tolle Fortsetzung! Nachdem „Die Herrschaft der Masken“ so actionreich geendet hat, habe ich mich eigentlich auf einen etwas ruhigeren Zwischenband eingestellt, aber weit gefehlt …

    Nach den schrecklichen Ereignissen des ersten Buches befinden sich Elias und Laia noch immer auf der Flucht vor dem Imperium. Sie müssen unter allen Umständen so schnell wie möglich und am besten auch noch unentdeckt Serra verlassen und sich irgendwie nach Kauf, dem gefürchteten Gefängnis der Martialen, durchzuschlagen. Laias Bruder Darrin ist dort nach wie vor den schrecklichen Folterungen ausgesetzt. Sein Wissen über das Geheimnis des berüchtigten Serrastahls könnte das Machtverhältnis zwischen Kundigen und Martialen ein für alle Mal verschieben.
    Verrat, Intrigen und Tod pflastern ihren Weg und auch Helena, als rechte Hand des Imperators, ist ihnen schon dicht auf den Fersen. Sie hat nur einen Auftrag:  „Töte den Verräter!“

    Der Schreibstil von Sabaa Tahir ist auch in „Eine Fackel im Dunkel der Nacht“ unverändert bildgewaltig, atmosphärisch und wortgewandt. In diesem Buch verlassen wir die römisch-anmutende Umgebung und ziehen durch sandiges Wüstengebiet. Wie schon beim Vorgänger, wird die Geschichte abwechselnd aus Elias und Laias Perspektive geschrieben. Zusätzlich kommt als dritter Erzählstrang noch Helenas Sicht hinzu, was mich persönlich sehr freute, da ich sie schon im ersten Band sehr interessant fand.
    Auch hier bleibt die Geschichte gewaltbereit und brutal, jedoch meiner Meinung nach weitaus weniger stark als noch im ersten Teil, dafür nehmen die Fantasy-Elemente zu und machen die Geschichte abwechslungsreicher und interessanter.

    In „Eine Fackel im Dunkel der Nacht“ konnte ich mich nun auch endlich mit Laia anfreunden. Sie wird im Laufe der Geschichte mutiger und wirkte auf mich offener. Ihre selbstmitleidigen Monologe verlieren sich mit der Zeit ganz! Wir könnten wirklich noch Freunde werden …

    Aber schauen wir erst mal, was der dritte Band für Überraschungen mit sich bringt!

  • „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ | Joanne K. Rowling

    Titel im Original: „Fantastic Beasts and where to find them“
    Autor: Joanne K. Rowling
    Aus dem Englischen übersetzt von Anja Hansen-Schmidt
    Mit Illustrationen von MinaLima
    Verlag: Carlsen Verlag
    Genre: Fantasy | Jugendbuch
    Phantastische Tierwesen, Band 1
    Seitenzahl:  290
    ISBN: 978-3-551-55694-3

    Der Naturforscher und Magizoologe Newt Scamander kehrt soeben von einer Reise zurück, die ihn auf der Suche nach seltenen und ungewöhnlichen magischen Geschöpfen einmal um die ganze Welt geführt hat. Eigentlich will er gar nicht lange in New York bleiben, doch als sein Koffer vertauscht wird und einige seiner Tierwesen daraus in die Stadt entkommen, droht allen Beteiligten Ärger und große Gefahr …

    Meine Meinung

    Nachdem ich „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ vor einigen Wochen zugeschlagen habe, bin ich in ein kleines seelisches Tief gerutscht. Ich fand die gelesenen Bücher zwar toll und hatte meinen Spaß damit, aber es hat sich alles so dahingezogen. Mein Kopf war immer noch in der magischen Welt und konnte sich mit dem Ende noch nicht so ganz abfinden. Daher habe ich mir gleich das nächste Buch von J. K. Rowling geschnappt.

    „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ ist der Titel des Lehrbuches, das die Schüler in Hogwarts in ihrem Unterricht für die Pflege magischer Geschöpfe brauchen. So ein Buch zu schreiben ist wirklich nicht einfach und bringen allerlei mühsame und detailreiche Recherchen mit sich. Von den überraschenden Gefahren wollen wir gar nicht erst reden!
    Newt Scamander, seines Zeichens Magizoologe und Forscher aus Leidenschaft, kommt mit einem Koffer voller Tierwesen nach New York, um dort seinen Forschungen nachzugehen. Doch durch unglückliche Umstände wird sein Koffer mit dem von Jacob Kowalski vertauscht, der eigentlich nur einen Wunsch hat: eine Bäckerei zu eröffnen. Natürlich ist nun das Chaos vorprogrammiert, denn aus dem Koffer entfliehen einige Tierwesen und machen New York unsicher. Newt, der zwischenzeitig von einer Mitarbeiterin des Zaubereiministeriums in Gewahrsam genommen wurde, versucht alles, um seine Tiere wieder einzufangen. Doch nicht nur diese stehen im Mittelpunkt der Ermittlungen, auch ein Obscurus, der schon einige Tote verursacht hat, droht die Magierwelt öffentlich zu machen.

    Da wir hier das Originaldrehbuch zum Film bekommen, findet man nur sehr schwer parallele zu Joanne K. Rowlings Schreibstil, dennoch ist deutlich ihr Geist und ihre Phantasie darin zu entdecken. Die einzelnen Tierwesen sind so wunderbar gestaltet, dass die Beschreibungen sie sehr gut in meinen Kopf gezaubert haben. Die Szenen sind actionreich gestaltet und detailliert. Eigentlich hätte ich mir gedacht, dass sie schwieriger zu verfolgen sind, ich wurde hier aber wirklich eines Besseren belehrt. Ich fand es sehr interessant, wie Filmemacher ihre Drehbücher schreiben und die einzelnen Szenen daraus entstehen. Man bekommt einen wirklich guten Einblick und ich war mehr als begeistert, dass die Bücher nach der ersten Gewöhnungsphase doch so gut zu und flüssig zu lesen sind.

    Die Geschichte selbst hat Spannung, Tiefgang, einen charismatischen Bösewicht, überaus sympathische Helden und interessante Charaktere. Tina Goldstein konnte ich zwar am wenigsten verstehen und mit ihr wurde mir auch nie richtig warm, dafür war ihre Schwester Queenie mit ihrer einfühlsamen Art und ihrem losen Mundwerk mein absoluter Liebling. Natürlich zusammen mit Newt!

    Nur gut das ich schon den zweiten Band „Grindelwalds Verbrechen“ in meinem Regal liegen habe!