• „Spuk in Hill House“ | Shirley Jackson

    Titel im Original:  „The Haunting of Hill House“
    Autor:  Shirley Jackson
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Eva Brunner
    Verlag:  Festa Verlag
    Genre:  Horror
    Seitenzahl:  316
    ISBN:  978-3-86552-707-3

    Vier Menschen betreten die alte Villa, die als Hill House bekannt ist. Sie wollen die übernatürlichen Phänomene untersuchen, die sich angeblich darin ereignen.
    Die vier werden etwas Böses erleben, das sich ihrer Kontrolle und ihrem Verstand entzieht. Sie können unmöglich wissen, dass sie von dem Haus selbst angelockt wurden und welche bösen Pläne es verfolgt …

    Meine Meinung

    Mit „Spuk in Hill House“ von Shirley Jackson wird ein großartiger Klassiker der Horrorliteratur vom Festa-Verlag neu aufgelegt! Beängstigend, erschreckend und das perfekte Gänsehautfeeling für zwischendurch …

    Die junge Eleanor pflegt jahrelang ihre kranke Mutter. Nun ist diese Tod und Eleanor wünscht sich nichts sehnlicher als endlich zu Leben. Sie will in die Welt hinaus, deshalb kommt ihr die Einladung von Dr. Montague gerade recht, der sie in das sagenumwobene Hill House einlädt um dort mit anderen Interessierten den merkwürdigen und teils unerklärbaren Geschehnissen auf den Grund zu gehen. Ohne groß darüber nachzudenken sagt sie zu und macht sich auf den Weg. Sie ahnt nicht welche schwerwiegende Entscheidung sie damit getroffen hat!

    Die Geschichte von Shirley Jackson gilt nicht ohne Grund als Begründer des Haunted Hill-Mythos. Diese an ein Grundstück oder Gebäude gebundene Erzählweise ist psychologischer als der heutige, eher blutige Horror. Und dennoch sehr einnehmend für den Leser.
    Der Schreibstil der Autorin ist toll. Locker und flüssig, dennoch klingen ihre Worte fast poetisch. Sie schreibt fesselnd und bereits nach wenigen Seiten war ich vollends in der Story versunken. Man spürt förmlich, dass etwas in der Luft liegt. Man fühlt es, bekommt es aber nicht zu greifen! Psychologischer Horror vom feinsten! Eine intensive Stimmung und eine mehr als gruselige Atmosphäre!

    Das Buch beginnt ziemlich ruhig. Wir lernen alle Charaktere kennen, was ich bei diesen sehr extrovertierten Persönlichkeiten wirklich toll fand. Dadurch konnte ich mich noch besser in sie hineinversetzten. Zwar werden die Geschehnisse größtenteils aus Eleanors Sicht erzählt, es gibt aber auch Wechsel zu anderen Protagonisten. Sie alle sind liebenswert und schrullig, auch wenn einige von ihnen doch immer wieder etwas übertrieben bzw. klischeehaft aus der Reihe tanzen!

    Die Atmosphäre des Hill House ist bedrückend und beängstigend. Aber erst Eleanor macht dieses Buch zu etwas ganz besonderem.  Nach dem Tod ihrer Mutter fühlt sie sich innerlich zwischen Erleichterung und Schuldgefühlen zerrissen. Als Leser ist man sich nie wirklich sicher, ob der Horror jetzt von Hill House kommt oder doch aus Eleanors gequältem Kopf entspringt …

    „Spuk in Hill House“ ist nicht ohne Grund in der „Festa Must Read“-Reihe erschienen …
    Für jeden Leser der alten Gruselklassiker ein absoluter Genuss!

  • „Das Leben, das wir begraben“ | Allen Eskens

    Titel im Original:  „The Life we bury“
    Autor:  Allen Eskens
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Claudia Rapp
    Verlag:  Festa Verlag
    Genre:  Thriller
    Seitenzahl:  414
    ISBN:  978-3-86552-641-0

    Der Student Joe Talbert muss fürs College mit einem völlig Fremden ein Interview führen. Dafür sucht er in einem Pflegeheim nach der passenden Person und trifft auf den krebskranken, im Sterben liegenden Carl Iverson.
    Doch Iverson ist kein harmloser alter Mann. Er ist ein verurteilter Mörder. Vor 30 Jahren soll er ein Mädchen missbraucht, umgebracht und in seinem Schuppen verbrannt haben. Nach einigen Gesprächen erkennt Joe, dass etwas an dem grausamen Mordfall nicht stimmt. Es gibt zu viele Widersprüche. Joe überkommt eine regelrechte Besessenheit, die Wahrheit herauszufinden … Doch das könnte seinen eigenen Tod bedeuten!

    Meine Meinung

    Eigentlich sollte Joe Talbert nur eine Hausarbeit für die Uni schreiben, in der er für jemanden interviewen und aus dem Material eine Biographie verfassen soll. Aus Ideenlosigkeit fragt er kurzerhand im örtlichen Altenheim nach, doch damals ahnt er noch nicht, wie seine Bekanntschaft zu Carl Iverson auch sein Leben verändern wird …
    Der verurteilte Mörder soll vor 30 Jahren ein Mädchen vergewaltigt und auf grausamste Weise umgebracht haben. Dennoch stellt sich schnell ein vertrauter Umgang zwischen den beiden Männern ein und Joe beginnt mit Feuereifer zu recherchieren. Er lässt sich alte Gerichtsakten aushändigen, redet mit Carls scheinbar einzigem Freund … und nach und nach bricht auch Carl sein Schweigen und erzählt aus seiner Vergangenheit. Schon bald weiß Joe nicht mehr, was er glauben soll …

    „Das Leben, das wir begraben“ hat mich wirklich beeindruckt, auch wenn man recht früh ahnt, wie der Thriller ausgeht. Für mich persönlich tat das der Geschichte aber keinen Abbruch. Allen Eskens Schreibstil ist nicht nur fesselnd, sondern konnte auch etwas in mir bewegen. Ich bin den spannenden Szenen gerne gefolgt und habe mit den Protagonisten mitgefiebert. Die Geschichte wird auf ehrliche Weise erzählt und brachte auch mich dazu, über mein eigenes Leben nachzudenken.

    Allen Eskens zeichnet wunderbare Charaktere mit vielen Ecken und Kanten, aber auch glaubhaften Emotionen und dem gewissen Tiefgang, den ich eigentlich in jedem guten Buch suche. Was das betrifft, bin ich absolut auf meine Kosten gekommen, auch wenn es zum Ende des Buches hin, für mich schon etwas zu viel in die McGyver-Richtung gegangen ist. Joe ist definitiv ein sympathischer Charakter mit vielen außergewöhnlichen Fähigkeiten …

    Natürlich wird auch der Student immer wieder von seinen privaten Problemen eingeholt. Überwiegend ausgelöst durch seine alkoholkranke und dadurch verantwortungslose Mutter, die mit seinem jüngeren autistischen Bruder absolut überfordert ist. Das Band zwischen den ihnen ist aber stärker als gedacht und so muss Joe einige wichtige Entscheidungen treffen.
    Auch Carl Iverson hadert mit sich selbst, allerdings aus völlig anderen Gründen und je mehr der Leser von seiner Geschichte erfährt, desto mehr kann man erahnen, in welcher Zwickmühle er sich bereits seit Jahren befindet.

    „Das Leben, das wir begraben“ ist die absolut richtige Mischung aus Gefühl, Adrenalin, Spannung und Vorfreude! Ich habe oft bis tief in die Nacht gelesen und konnte das Buch nicht mehr zur Seite legen!

  • „A Head Full of Ghosts“ | Paul Tremblay

    Titel im Original: „A Head Full of Ghosts“
    Autor: Paul Tremblay
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Manfred Sanders
    Verlag: Festa Verlag
    Genre: Horror
    Seitenzahl:  397
    ISBN: 978-3-86552-659-5

    Head Full of Ghosts schildert auf mehreren Zeit- und Personenebenen die Erlebnisse der 14-jährigen Marjorie. Als sie Anzeichen einer Geisteskrankheit zeigt, gipfelt die Hilflosigkeit ihrer Familie und der Ärzte in einem Exorzismus, der als Show live im TV ausgeschlachtet wird.

    Jahre später gibt Merry, die jüngere Schwester von Marjorie, ein Interview und spricht über die tragischen und unheimlichen Geschehnisse, die seither zur urbanen Legende wurde.

    Meine Meinung

    Mit „A Head Full of Gosts“ ist mein erstes Buch aus dem Festa Verlag bei mir eingezogen. Der Autor war mir noch zur Gänze unbekannt, aber der Klappentext hat sehr schnell mein Interesse geweckt. Dieser Verlag ist nicht nur für seine besonderen Geschichten bekannt, auch die Qualität der Bücher wird immer wieder hervorgehoben. Und beides kann ich nur bestätigen!

    Marjorie ist 14 Jahre alt, als sich ihr Verhalten schlagartig ins Negative verändert. Anfänglich noch als pubertären Zug abgestempelt, wissen schon bald weder ihre Eltern noch ihre Lehrer, wie sie mit ihr umgehen sollen. Ihre Familie gerät mehr und mehr an die Grenzen ihrer Belastbarkeit und selbst Marjories Therapeut ist mit seinem Latein am Ende. Hat sie tatsächlich eine Geisteserkrankung?
    Für den streng religiösen Vater ist der Fall klar: Seine Tochter ist von einem Dämon besessen!
    Zudem wird die Familie von Geldsorgen geplagt, die mit der Ausstrahlung einer Reality Show mit einem Satz beseitigt werden könnten.

    „A Head Full of Ghosts“ wird uns rückblickend von der jüngeren Tochter der Familie erzählt. Diese gibt Jahre später ein Interview und spricht von den tragischen und unheimlichen Ereignissen in ihrer Vergangenheit. Dabei darf man nicht vergessen das Merry damals gerade mal 8 Jahre alt war:  Einige ihrer Erinnerungen sind verschwommen, teilweise sogar lückenhaft. Dieser Aspekt machte die Geschichte unheimlich spannend für mich. Ist das Ganze wirklich so geschehen? … oder spielt ihr die Fantasie nur einen Streich?
    Paul Tremblay hat das Rad nicht neu erfunden, aber die Idee wurde sehr gut umgesetzt und überzeugt mit einigen Überraschungen. Die Geschichte ist erschreckend detailgetreu geschildert und als Leser fragt man sich sehr schnell, ob man nicht doch eine wahre Lebensgeschichte erzählt bekommt. Der Verlauf der Handlung ist an manchen Stellen verwirrend und man weiß selbst nicht mehr so genau, was nun wirklich Realität ist.

    Der Schreibstil ist eher nüchtern und sachlich, das sollte einem als Leser schon zusagen. Die Charaktere bleiben eher oberflächlich, dennoch konnte ich mich gut in sie hineinversetzten und besonders die Hilflosigkeit der Eltern nachvollziehen. Doch auch Merry konnte ich verstehen, die in ihrem Alter von den ganzen Ereignissen einfach nur überfordert war.

    „A Head Full of Ghosts“ spielt mit unserer Psyche! Wer hier jetzt den blanken Horror erwartet den muss ich enttäuschen, denn hier geht es rein auf der psychologischen Ebene zu!