• „Chroniken von Azuhr: Der Verfluchte“ | Bernhard Hennen

    Autor: Bernhard Hennen
    Verlag: Fischer Tor Verlag
    Genre: Fantasy
    Seitenzahl:  570
    Chroniken von Azuhr, Band 1
    ISBN: 978-3-596-70243-5

    Der junge Milan Tormeno ist dazu ausersehen, seinem Vater Nandus in das Amt des Erzpriesters zu folgen: Er soll einer jener mächtigen Auserwählten werden, die die Geschicke der Welt Azuhr lenken.
    Doch Milan kann nicht akzeptieren, dass sein Schicksal vorherbestimmt ist. Er rebelliert – und verstrickt sich mit der Meisterdiebin Felicia und der geheimnisvollen Konkubine Nok in ein gefährliches Netz von Intrigen.
    Gemeinsam geraten sie in den Bann einer alten Prophezeiung – einer Prophezeiung, nach der die Ankunft des »Schwarzen Mondes« in Azuhr ein neues Zeitalter der Magie einläuten wird …

    Meine Meinung

    Bernhard Hennen ist in meinen Augen einer der ganz großen deutschen Fantasy-Autoren unserer Zeit. Seine Protagonisten, seine Welten und auch die Geschichten an sich sind immer wieder ein Spektakel! So auch der erste Band der „Chroniken von Azuhr“ …

    Milan Tormeno kann sich mit seinem vorherbestimmten Schicksal nicht anfreunden. Er soll in die Fußstapfen seines Vaters treten: Ein Tyrann und Schlächter, der die Welt von Azuhr mit strenger Hand und offen für Lügen und Intrigen lenkt. Doch schon früh weiß Milan, dass ein Leben als angesehener Erzpriester nicht seine wahre Bestimmung ist. Er rebelliert gegen sein Schicksal und schon bald führt ihn sein Weg in den Bann einer alten Prophezeiung …

    Nach einem etwas holprigen Start nimmt die Handlung rasant Fahrt auf und im weiteren Verlauf wird schnell klar, warum der Beginn der Geschichte so gewählt wurde. Die Entwicklung der Charaktere ist sehr gut herausgearbeitet und auch die italienisch-angehauchten Handlungsorte werden schön beschrieben. Milans Geschichte ist eng mit der seines Vaters verbunden. Die Beiden versuchen stets, sich gegenseitig zu behindern. Beide sind sehr starke Protagonisten, ebenso wie die vielen tollen Nebencharaktere.
    Der Autor hat einen schwungvollen, spritzigen und flüssigen Schreibstil. Wie gewohnt schafft er es eine lebhafte und authentische Handlung zu gestalten!

    Bernhard Hennen beschreibt „Azuhr“ sehr malerisch. Man findet sich in den einzelnen Ländern schnell zurecht und auch die Atmosphäre, die vor Ort herrscht, wird von ihm sehr gut zum Leser transportiert. Dabei verzichtet er anfangs komplett auf übernatürliche Elemente, welche sich erst im Verlauf der Handlung auf interessante Weise in die Geschichte einschleichen.
    Ebenso verzichtet er auf jegliche Klischees, was Elfen, Orks und Zwerge betreffen …

    Eine beeindruckende Fähigkeit des Autors ist es, Kritik an der realen Welt, sowie politische, historische und soziale Ereignisse in seine Geschichten einzubauen. Auch in „Die Chroniken von Azuhr“ wirken einige Handlungsorte und Ereignisse wie ein Spiegel unserer Zeit.

    Ein weiterer Bonus dieses Buches ist das offensichtliche Verständnis für mittelalterliche Waffen und Rüstungen! Was sich von der ersten Seite an, nicht nur in der Verwendung der korrekten Bezeichnungen zeigt, sondern auch darin, dass der Autor einschätzen kann, wozu Rüstungen und Waffen tatsächlich in der Lage sind!

    „Der Verfluchte“ ist eine Geschichte über das Suchen und das Finden der eigenen Prinzipien.
    Mal düster, mal heldenhaft … aber durchgehend mitreißend und großartig!

  • „Das Labyrinth der Lichter“ | Carlos Ruiz Zafón

    Titel im Original:  „El Laberinto de los Espíritos“
    Autor:  Carlos Ruiz Zafón
    Aus dem Spanischen übersetzt von Peter Schwaar
    Verlag:  Fischer Verlag
    Genre:  Roman
    Der Friedhof der vergessenen Bücher, Band 4
    Seitenzahl:  939
    ISBN:  978-3-10-002283-7

    Barcelona in den kalten Wintertagen des Jahres 1959.
    Die junge Alicia Gris kehrt in ihre Heimatstadt zurück, um das überraschende Verschwinden des einflussreichen Ministers Mauricio Valls aufzuklären. In dessen Besitz befand sich ein geheimnisvolles Buch, das Alicia in die Buchhandlung „Sempere & Söhne“ führt, tief ins Herz Barcelonas. Der Zauber dieses Ortes nimmt sie gefangen, und wie durch dichten Nebel steigen Bilder ihrer Kindheit in ihr auf. Doch die Antworten, die Alicia findet öffnen die Tür zu einer finsteren Intrige und bringen all jene in Gefahr, die Alicia am meisten liebt.

    Meine Meinung

    Der aktuellste Roman des spanischen Autoren Carlos Ruiz Zafón stellt den Abschluss seiner Tetralogie um den „Friedhofes der vergessenen Bücher“ dar.

    Wie schon in den Vorgängerbänden spielt auch diese Geschichte wieder vor der Kulisse von Barcelona. Wir befinden uns Ende der 50er bzw. Anfang der 60er Jahre und die Schrecken der Franco Diktatur sind immer noch spürbar. Lange Rückblicke in diese Zeit des Bürgerkrieges bilden die Metapher über die Zufluchtsorte in der katalanischen Stadt, wie etwa die Buchhandlung der Familie Sempere. Sehr präsent ist auch das soziale Geschehen, das Elend, die Aussichtslosigkeit, aber auch der Zauber der Stadt!

    In „Das Labyrinth der Lichter“ folgen wir der schönen Alicia Gris. Eine unnahbare Amazone, die in Zusammenarbeit mit der Polizei Ermittlungen um das Verschwinden des Politikers Valls führt. Der Minister war zuvor Direktor des berüchtigten „Castille den Montjuich“ und entführte und verkaufte die Kinder der politischen Gefangenen. Unter anderem auch ein Grund, warum die Mafia ihr Interesse an Alicia bekundet.
    Sie erforscht den Verbleib des verbotenen Buches Labyrinth der Lichter“ in Barcelona und wird dabei immer wieder an furchtbare Szenen ihrer eigenen Kindheit erinnert. Schon bald soll ihr klar werden, dass auch Fermín Romero de Torre ein Teil ihrer Vergangenheit ist …

    Der Autor führt hier tatsächlich alle noch offenen Handlungsstränge aus den Vorgängerbänden zusammen. Sehr gekonnt und mit spannenden Wendungen!
    So erfahren wir mehr über David Martin und seine Verbindung zu der Familie Sempere, aber auch Julian Carax bekommt hier wieder seinen Auftritt und wird für den Leser menschlicher und vertrauter.

    Die Handlungen sind wie gewohnt verschachtelt, unerwartet und absolut nicht linear, aber wie immer gut zu verfolgen. Die Dialoge sind auffallend intensiv und spannend gestaltet und Carlos Ruiz Zafón verwendet auch in diesem Buch wieder viel Poesie um seine Geschichte aufzubauen. Man könnte meinen, die Protagonisten sitzen beim Lesen des Buches neben einen …

  • „Der Fürst des Parnass“ | Carlos Ruiz Zafón

    Titel im Original: „El Príncipe de Parnaso“
    Autor:
      Carlos Ruiz Zafón
    Aus dem Spanischen übersetzt von Peter Schwaar
    Verlag:
      Fischer Verlag
    Genre: Roman
    Der Friedhof der vergessenen Bücher, Band 3.5
    Seitenzahl: 83
    ISBN: 978-3-596-19882-5

    Carlos Ruiz Zafón schrieb sich mit seinen großen Romanen in die Herzen der Leser rund um den Globus. Überall tauchten die Menschen ein in die betörende Atmosphäre Barcelonas – Mittelpunkt seiner Welt.

    In „Der Fürst des Parnass“ erzählt er davon, wie diese unnachahmliche Welt ihren Anfang nimmt. Eine unwiderstehliche Welt ihren Anfang nimmt. Eine unwiderstehliche Geschichte von Ehrgeiz und Scheitern, von Wahnsinn und unsterblicher Liebe, eine Hommage an eine verwunschene Stadt am Meer und an die universelle Magie der Bücher.

    Meine Meinung

    „Der Fürst von Parnass“ ist ein kleiner Zusatzband zu der Reihe um Daniel Sempere und dem Friedhof der vergessenen Bücher. Wie im Vorwort beschrieben, möchte sich der Autor mit dieser Kurzgeschichte bei seinen Lesern für ihre Treue bedanken.

    Es handelt sich hier um eine Erzählung über den großen spanischen Schriftsteller Miguel de Cervantes Saavedra, gleichzeitig ist das Buch aber auch ein wichtiger Schlüssel zum „Friedhof der vergessenen Bücher“ und zu guter Letzt eine Lektion hinsichtlich der Versuchung Eitelkeit.

    Carlos Ruiz Zafón nutzt seine Fantasie, um Lücken im Lebenslauf von Miguel de Cervantes Saavedra, dem späteren Autor des Don Quijote, zu schließen. Er integriert diese Figur in sein Barcelona und verarbeitet literarisch die Tatsache, dass Cervantes Saavedra erst in späteren Jahren seines Lebens Erfolg hatte. Und natürlich bekommt auch ein geheimnisvoller Verleger mit Engelsbrosche auf dem Revers wieder seinen Auftritt.
    Manche Geheimnisse werden gelüftet, andere Rätsel bleiben aber weiterhin im Nebel verborgen. Die Erzählungen bewegen sich auf verschiedenen Ebenen und lassen viel Spielraum für eigene Interpretationen.

    Zafòn versteht es meisterlich, Atmosphäre und Spannung zu erzeugen. Phantasievoll und doch im Bereich des Möglichen, mit bildreichen Beschreibungen und einer für den Autor unverkennbaren Wortvielfalt und Harmonie. Auch der dürftige Umfang ändert nichts an der Qualität des Inhalts!

    Selbst in der Kürze dieser Geschichte beweist Carlos Ruiz Zafón, dass er schreiben kann und nicht viele Seiten braucht um seine Leser zum Nachdenken anzuregen!

  • „Der Gefangene des Himmels“ | Carlos Ruiz Zafón

    Titel im Original: „El Prisionero del Cielo“
    Autor: Carlos Ruiz Zafón
    Aus dem Spanischen übersetzt von Peter Schwaar
    Verlag: Fischer Verlag
    Genre: Roman
    Der Friedhof der vergessenen Bücher, Band 3
    Seitenzahl: 403
    ISBN: 978-3-10-095402-2

    Barcelona, 1957.
    Ein Fremder betritt die Buchhandlung „Sempere & Söhne“. Er ersteht das teuerste Buch im Laden eine Ausgabe des „Grafen von Monte Christo“, und widmet sie Fermín, über den er mehr zu wissen scheint, als gut ist.

    Für Fermín und Daniel Sempere ist es der Auftakt einer dramatischen Geschichte von Verfolgung und Heimsuchung, die sie an schmerzliche Punkte der Vergangenheit führen und ihr ganzes Glück bedrohen wird. Fermín muss sich seiner dunkelsten Zeit stellen und ein anderer werden, um schließlich ganz er selbst zu sein.

    Meine Meinung

    Schon in „Der Schatten des Windes“ und dem Folgeband „Das Spiel des Engels“ bekommen wir immer wieder kleine Einblicke über Fermín Romero de Torres. Nachdem ihn der junge Daniel Sempere von der Straße geholt und ihm eine Anstellung in der Buchhandlung seiner Familie gegeben hat, wird er zu seinem engsten Freund und Vertrauten. Im dritten Band erfahren wir nun Genaueres über Fermíns Vergangenheit. Über die Jahre der Gefangenschaft in dem berüchtigtem Castille den Montjuich, aber auch wie seine Taten ihn schon als jungen Mann unumgänglich mit der Familie Sempere verbunden haben.

    Wie schon seine Vorgänger baut auch „Der Gefangene des Himmels“ in sehr geringem Maße auf einem magischen Grundbaustein auf. Natürlich muss man das mögen. Ich bin normalerweise auch eher skeptisch, wenn fantastische Elemente in einen belletristischen Roman eingearbeitet werden, aber hier fand ich es wieder hervorragend umgesetzt.
    Carlos Ruiz Zafón besticht mit seiner wunderbaren poetischen und bildlichen Sprache und der dichten Atmosphäre in diesem Buch. Er schildert mitreißend von den mächtigen politischen Ungeheuern, die damals in Francos unbarmherziger Regierung herrschten und zieht geschickt die Fäden zwischen der Buchhandlung der Familie Sempere und dem Friedhof der vergessenen Bücher.

    Auch Fermins philosophische Kommentare sind immer wieder eine Freude zu lesen!

    Natürlich haben auch Liebe, Drama und Leid in diesem Buch seinen Platz, werden aber so harmonisch in der Geschichte eingearbeitet, dass sie nie zu viel oder übertrieben wirken. Wir erfahren viele erschütternde Details über den Tod von Isabella Sempere, Daniels Mutter. Doch alle Antworten werfen neue Fragen auf und ihr Sohn steht letztendlich vor einer schweren Entscheidung.

    Carlos Ruiz Zafón stellt mit diesem Buch ganz gekonnt eine Verbindung zu den beiden Vorgängern her und schafft sowohl in den Szenen als auch bei den Charakteren eine sehr besondere Vertrautheit. Spätestens jetzt versinkt man als Leser in die damalige Zeit und lernt Barcelona mit seinem düsteren, morbiden und tiefgründigen Charme zu lieben. Die Charaktere wirken reifer und ausdrucksstärker.
    Auch die gesellschaftskritischen Dimensionen stechen hier viel stärker heraus!

  • „Das Spiel des Engels“ | Carlos Ruiz Zafón

    Titel im Original: „El Juego del Ángel“
    Autor: Carlos Ruiz Zafón
    Aus dem Spanischen übersetzt von Peter Schwaar
    Verlag: Fischer Verlag
    Genre: Roman
    Der Friedhof der vergessenen Bücher, Band 2
    Seitenzahl: 711
    ISBN: 978-3-10-095400-8

    Der junge David Martin fristet sein Leben indem er unter falschem Namen Schauerromane schreibt. Plötzlich erhält er einen mit dem Zeichen eines Engels versiegelten Brief, in dem im der Mysteriöse Verleger Andreas Corelli einlädt. Angelockt von dem Talent des jungen Autors hat er einen Auftrag für ihn, dem David nicht widerstehen kann.
    Aber David ahnt nicht, in welchen Strudel furchterregender Ereignisse er gerät …

    Meine Meinung

    Mit „Das Spiel des Engels“ geht es in der Geschichte rund um die Familie Sempere weiter. Wobei hier der Friedhof der vergessenen Bücher nur kurz angeschnitten wird, jedoch keine so gewichtige Rolle wie in „Der Schatten des Windes“ einnimmt.

    Da ich die gesamte Reihe bereits gelesen habe, kann ich euch verraten, dass ihr dieses Buch nicht mit dem Ersten vergleichen solltet. Natürlich besteht eine Verbindung in der Geschichte, aber der Inhalt ist viel mystischer und surrealer! Auch der Erzählstil ist schwammiger und „theatralischer“. Dies ist durchaus vom Autor so gewollt und ihr werden die Erklärung hierfür auf jeden Fall im nächsten Band „Der Gefangene des Himmels“ finden, das kann ich euch versprechen. Grade was das Ende betrifft!
    Nehmt das Buch einfach so wie es ist und wartet ab, was danach weiter passiert …

    Wir schreiben das Jahr 1930 in Barcelona, während der turbulenten Jahre des Bürgerkrieges!
    Der junge David Martín, der als ernsthafter Schriftsteller verkannt wird, fristet sein Dasein als Verfasser von gruseligen Groschenromanen. Sein bester Freund schnappt ihm die Liebe seines Lebens weg und er muss zu alledem noch erfahren, dass er unter einer tödlichen Krankheit leidet. Kann das Leben noch trostloser verlaufen?
    Doch ein mysteriöser Anhänger glaubt beständig an sein Talent:  Der Verleger Andreas Corelli, der ihm ein ungewöhnliches Projekt vorschlägt. David kann nicht widerstehen, hat er doch auch nichts zu verlieren. Er ahnt noch nicht, auf was er sich da eingelassen hat …

    Inhaltlich ist „Das Spiel des Engels“ gute 15 Jahre vor dem Auftakt der Reihe angesiedelt. Wir erfahren hier überwiegend über das Leben der Eltern von Daniel Sempere, aber vor allem von seiner früh verstorbenen Mutter Isabella, die als junges Mädchen eine Zeitlang mit David Martín zusammengelebt hat.

    Wie auch bei „Der Schatten des Windes“ besticht dieser Roman durch seine Charaktere, die einen ganz besonderen Charme mit sich bringen und seine ganz eigene harmonische und bildliche Sprache, die für mich einen unheimlichen Sog entwickelt. Am liebsten hätte ich mich gleich direkt nach Barcelona gewünscht!

    Carlos Ruiz Zafón transportiert einen wunderbar zarten Humor, der unglaublichen Spaß beim Lesen macht.

    Auch die Handlung ist toll aufgebaut und schon jetzt tauchen immer mehr Verknüpfungen und Erklärungen zum Vorgängerband auf!

    „Das Spiel des Engels“ ist sehr magisch mit viel gruseliger Atmosphäre und Spannung.

  • „Ewige Schuld“ | Linda Castillo

    Titel im Original: „Down a Dark Road“
    Autor: Linda Castillo
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Helga Augustin
    Verlag: Fischer Verlag
    Genre: Thriller
    9. Fall von Kate Burkholder
    Seitenzahl:   365
    ISBN: 978-3-596-29802-0

    Seit zwei Jahren sitzt Joseph King wegen des Mordes an seiner Frau Naomi hinter Gittern. Er gilt als ein „gefallener“ Amischer, einer der ständig mit dem Gesetz in Konflikt geriet. Jetzt ist er ausgebrochen und hat seine fünf Kinder als Geiseln genommen. Als Kate Burkholder die Kinder auf eigene Faust befreien will, wird sie von King überwältigt. Seine Forderung lautet: Du kannst gehen, aber finde den Mörder meiner Frau!

    Meine Meinung

    Joseph King – ein Nachbar und Jugendfreund von Kate Burkholder – sitzt wegen dem Mord an seiner Frau seit zwei Jahren im Gefängnis. Obwohl er die Tat von der ersten Minute an und auch noch die Jahre danach bestreitet, wird er Schuldig gesprochen. Die Gemeinde der Amischen verstößt ihn und auch sonst will ihm Niemand zuhören …
    Als sich die Möglichkeit ergibt, flieht Joseph kurzerhand aus dem Gefängnis. Er kehrt nach Painters Mill zurück um seine Kinder zu sehen und nimmt Kate, die bereits vor der Farm seiner Familie auf sein Auftauchen wartet, als Geisel. Mit ihrer Hilfe möchte er seine Unschuld beweisen!
    Alle – auch Kate – sind von seiner Schuld überzeugt, doch sie hält ihr Versprechen und forscht nach!

    Obwohl man schon recht früh in der Geschichte ahnt, wie der Hase am Ende läuft, waren die Zusammenhänge und die Ermittlungsarbeit toll und bis zur letzten Seite spannend beschrieben. Kate Burkholder sticht bei ihren Nachforschungen geradewegs in ein Nest aus Korruption, Vertuschung und Skrupellosigkeit, was allerdings nicht ungefährlich für sie ist. Ziemlich rasant jagt sie von einer Gefahr zur Nächsten und auch in diesem Buch bekamen wir wieder einige dieser fiesen Schockmomente, in denen einem beim Lesen die Luft stehen bleibt und man sich reflexartig an den Kopf fasst.

    Mir gefiel es auch, wieder etwas mehr aus Kats Vergangenheit bzw. ihrer Kindheit zu erfahren. Sie war schon damals ein kleiner Trotzkopf und wusste, wie sie mit ihren größeren Geschwistern mithalten konnte. Auch was ihre Freundschaft zu Joseph King anging!

    Natürlich mag ich John Tomasetti als Charakter sehr, aber ich hab es lieber, wenn er in den Büchern etwas zurückgenommen wird, was in „Ewige Schuld“ durchaus der Fall ist. Er hat natürlich seine Berechtigung in Kates Leben und bereichert die Geschichte durch seine liebevolle Art, er ist als Polizist aber doch ein sehr klischeebehafteter Charakter, der seine Lebensgefährtin mit aller Macht beschützen und behüten will.

    Kats Handlungen werden gefühlt von Band zu Band impulsiver und teilweise auch leichtsinniger, blieben für mich als Leser aber doch verständlich und nachvollziehbar. Linda Castillo hat eine tolle Art gerade dieses Stilmittel sehr gut an den Leser zu transportieren.
    Was den restlichen Schreibstil betrifft muss ich nicht mehr viel sagen, oder? Sie ist eine Meisterin ihres Fachs. Ich liebe ihre Art Spannung auf vollkommen unblutige Art und Weise aufzubauen und Szenen bildlich zu gestalten. Sie schreibt rasant und die Seiten fliegen nur so dahin!

  • „Das Rosie-Effekt“ | Graeme Simsion

    Titel im Original: „The Rosie-Effect“
    Autor: Graeme Simsion
    Aus dem australischen Englisch übersetzt von Annette Hahn
    Verlag: Fischer Verlag
    Genre: Roman  |  Humor
    Don Tillman, Band 2
    Seitenzahl:  557
    ISBN: 978-3-596-52118-0

    Don Tillman, sozial ungelenker Wissenschaftler auf der Suche nach der großen Liebe, hat es geschafft: sein „Ehefrau-Projekt“ ist abgeschlossen, er lebt mit der umwerfenden Rosie glücklich verheiratet in New York. Und dann gibt es Neuigkeiten:  Rosie ist schwanger!

    Selbstverständlich will Don der perfekteste werdende Vater sein, den es je gab …

    Meine Meinung

    Herzlich Willkommen in der Welt von Rosie und Don! Es geht weiter …

    „Der Rosie-Effekt“ spielt einige Monate nach seinem Vorgängerband. Der kühle und rational denkende Genetiker Don Tillman und seine ihm frisch angetraute Ehefrau Rosie, sind nach New York gezogen. Dort möchte sie ihre Doktorarbeit zu Ende schreiben und Don hat eine gute Anstellung an ihrer Universität bekommen. Natürlich arbeiten die Beide auch noch immer in einer Cocktailbar und mixen Drinks, eine Leidenschaft, die Rosie in Don geweckt hat und dem beide treu geblieben sind!
    Doch schon nach wenigen Monaten wird Rosie schwanger! Von der Neuigkeit unerwartet getroffen, schlittert Don mit seiner schwangeren und damit nur noch halb so geduldigen Frau in eine handfeste Ehekrise …

    Mit seiner bereits im ersten Buch hervorstechenden logischen Denkweise macht sich Don an die Lösung seiner Probleme. Da ihm empathische Fähigkeiten weitgehend fremd sind, kann er nur durch Beobachtung lernen oder sich das nötige Wissen anlernen. „Der Rosie-Effekt“ ist genau wie sein Vorgänger aus Dons Ich-Perspektive geschrieben, so kann der Leser sehr gut nachvollziehen, welche Gedanken ihn bei seinen Weg beschäftigen. Mit Hilfe von Auflistungen und Tabellen erfasst er alles strukturiert und ohne emotionale Störungen. Ihr könnt euch denken, dass er mit seinem ungewöhnlichen Verhalten oft aneckt und in so manch schwierige Situation kommt …
    Eigentlich sollte man meinen, dass Rosie ihn mittlerweile kennt und seine Reaktionen einschätzen kann, doch Dons allerwichtigstes Anliegen ist es, allen Stress von ihr fern zu halten um seinem Kind nicht zu schaden. So beginnt Don viele Dinge zu verheimlichen und Missverständnisse auf allen Ebenen sind vorprogrammiert!

    Auch in diesem Buch hat der Autor auffallend gut über den Charakter und die Gedankengänge eines Aspergerpatienten recherchiert und geschrieben. Schon im ersten Band konnte Graeme Simsion mich überzeugen und das zieht sich hier grandios weiter. Das Tolle darin ist, dass er den Humor und nicht das Defizitäre einer Asperger-Persönlichkeit hervorhebt. Menschen mit Asperger haben es in unserer Gesellschaft nicht immer leicht und erfahren viel Ablehnung aufgrund ihrer Art zu Denken, zu Fühlen und zu Handeln. Gleichzeitig werden sie aber auch oft wegen ihrer Inselbegabung bewundert.
    Graeme Simsions Humor wirkt weder beleidigend noch zieht er Situationen unangenehm ins Lächerliche.

    Auch Dons Männerrunde Gene, George und Dave sorgen für manch humorvolle Szene!

    Insgesamt gesehen ist „Der Rosie-Effekt“ ein würdiger Nachfolger für „Das Rosie-Projekt“!

  • „Böse Seelen“ | Linda Castillo

    Titel im Original: „Among the Wicked“
    Autor: Linda Castillo
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Helga Augustin
    Verlag: Fischer Verlag
    Genre: Thriller
    8. Fall von Kate Burkholder
    Seitenzahl:   350
    ISBN: 978-3-596-29801-3

    Wenn das Böse im Verborgenen lauert!

    Polizeichefin Kate Burkholder, die selbst als Amische aufgewachsen ist, wird in eine abgelegenen Amisch-Gemeinde im Bundesstaat New York gerufen, um dort undercover zu ermitteln. Immer wieder tauchen von dort Gerüchte auf, dass es in diesem Ort nicht mit rechten Dingen zugehen soll. Drei Mitglieder der Amisch-Gemeinde sind verschwunden. Und jetzt ist die 15-jährige Rachel Esh tot. Man fand sie erfroren im Wald. Allein und auf sich selbst gestellt taucht Kate in eine Welt ein, die voller Grausamkeit und Verbrechen ist.

    Meine Meinung

    Immer wieder gleich und doch sooooo gut!

    Aufgrund ihrer Vergangenheit in der amischen Gemeinde wird Polizeichefin Kate Burkholder gebeten, undercover im Fall eines toten amischen Mädchens in New York State zu ermitteln. Die 15-jährige Rachel Esh ist in tiefster Nacht erfroren, hatte ein starkes Schmerzmittel im Körper und der Gerichtsmediziner konnte frische Spuren eine Abtreibung feststellen. Für Kate sind dies genug Indizien, dass in der Amischen Gemeinde etwas ganz und gar nicht in Ordnung ist. Alleine auf sich gestellt und unter widrigsten Voraussetzungen will Kate hinter die Geheimnisse kommen.
    Mit Unterstützung des dortigen Sheriffs nimmt sie die Tarnung einer amischen Witwe an und schon bald kommen die ersten Ungereimtheiten auf …

    Nach mittlerweile 8 Fällen gelingt es Linda Castillo immer noch, mich mit dem Ausgang der Geschichte zu überraschen. Auch wenn ich ganz klar gestehen muss, dass „Böse Seelen“ einer der schwächeren Bände der Reihe ist. Zum Einen hat das für mich ganz klar mit der unbekannten Umgebung außerhalb von Painters Mill zu tun, aber auch das liebgewonnen Team in Kates Heimatstadt habe ich beim Lesen sehr vermisst.
    Das Buch ist in der Erzählweise ruhiger bzw. geradliniger, dadurch fehlen die spannenden Wendungen und die Geschichte bekommt leider ab und an ihre Längen.

    Dennoch: Die nahe Ich-Perspektive aus Kates Sicht, deren Undercovereinsatz ein noch neues und unentdecktes Element in dieser Thriller-Reihe ist, konnte mich sehr gut am Ball halten und ich bin zügig durch das Buch gekommen. Man ist hautnah dabei und erlebt mit, wie erstaunlich leicht es ihr fällt ,wieder in ihr „altes Leben“ als Amische hineinzuschlüpfen. Durch die räumliche Entfernung zu Painters Mill ist auch John Tomasetti nicht unmittelbar mit von der Partie und so steht hier der Fall etwas mehr im Vordergrund und nicht so sehr die Beziehung der beiden.

    Leider wird auch Kate in diesem Band sehr weinerlich und oft unzufrieden dargestellt. Fast wirkt sie ein bisschen wehmütig, was ihre Vergangenheit betrifft! Diese Stimmungsschwankungen waren selbst mir etwas zu viel!

    Der Schreibstil von Linda Castillo ist jedoch gewohnt lebendig und es gab auch viele witzige und emotionale Momente!

  • „Grausame Nacht“ | Linda Castillo

    Titel im Original: „After the Storm“
    Autor: Linda Castillo
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Helga Augustin
    Verlag: Fischer Verlag
    Genre: Thriller
    7. Fall von Kate Burkholder
    Seitenzahl:   398
    ISBN: 978-3-596-03263-1

    Als ein Tornado über Painters Mill in Ohio hinwegfegt, legt er nicht nur die halbe Stadt in Schutt und Asche. Er bringt auch etwas zum Vorschein, das besser in der Erde geblieben wäre. Unter einer eingefallenen Scheune werden die Überreste eines menschlichen Skeletts gefunden.
    Wer ist der Tote? Und warum lag er jahrelang hier vergraben?

    Meine Meinung

    Mittlerweile bin ich beim 7. Band der Reihe um Kate Burkholder angekommen.
    Die Autorin blieb ihrem spannenden und flüssigen Schreibstil treu und ich musste das Buch binnen kürzester Zeit weginhalieren.

    Die 9-jährige Sally Ferman weiß zwar nicht, ob die Gerüchte über die alte verfallene Scheune ihrer Nachbarn stimmen, aber kennen tut sie sie alle. Für sie gibt es keinen unheimlicheren Ort als dieses Gebäude mit seinem steinernen Fundament und den dunklen Fenstern!
    Als ein Tornado über Ohio hinwegfegt, legt er nicht nur die halbe Stadt in Schutt und Asche, er bringt auch die Überreste eines menschlichen Skeletts zum Vorschein. Als Doc Coblenz die Leiche obduziert, wird klar, dass der Mann keines natürlichen Todes gestorben ist und Polizeichefin Kate Burkholder muss einen 30 Jahre alten Fall neu aufrollen. Sie stößt auf ein altes Familiengeheimnis und ein ungesühntes Verbrechen!

    Die Gemeinschaft der Amischen machen es dem Team der Polizei nicht leicht. Die Ermittlungen ziehen sich hin und werden immer wieder durch Anschläge auf Kates Leben in den Hintergrund gedrängt. Haben die Schüsse etwas mit dem aktuellen Fall zu tun? Oder hat es ein Außenstehender auf sie abgesehen?

    Linda Castillo eröffnet ihren Lesern in diesem Buch einen etwas detaillierteren Blickwinkel auf die Amische Lebensweise: Wir erfahren viel über das Gedankengut der konservativen Mennoniten, die jeglichen modernen Schnickschnack in ihrem Leben ablehnen, aber auch die Unterschiede zu den Amischen der neuen Ordnung, die sich mit Hilfe von Autos und motorisierte Fuhrwerke die tägliche Arbeit erleichtern, werden aufgegriffen. Die Autorin ist dabei nie wertend, sondern schildert sehr sachlich wie die Mitglieder der Gemeinde ihr Leben gestalten.

    In „Grausame Nacht“ spielt auch die Hintergrundgeschichte der Hauptprotagonisten eine zentrale Rolle, was mir sehr gut gefallen hat. In Kates Privatleben mit John Tomasetti läuft nicht alles rund, so dass sie auch hier an einer harten Front zu kämpfen hat!

    Wie immer ein spannend geschriebenes Buch und kein bisschen langweilig!