• „Brennendes Grab“ | Linda Castillo

    Titel im Original:  „A Gathering of Secrets“
    Autor:  Linda Castillo
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Helga Augustin
    Verlag:  Fischer Verlag
    Genre:  Thriller
    10. Fall von Kate Burkholder
    Seitenzahl:   350
    ISBN:  978-3-596-70426-2

    Der 18jährige Sohn der Familie Gingerich verbrennt bei lebendigem Leib in der Scheune. Daniel galt als tüchtig, freundlich und zuverlässig. Doch die Ermittlungen bringen auch seine dunkle Seite ans Licht. Eine Seite, von der die amische Gemeinde nichts wissen will, aber hinter vorgehaltener Hand wird getuschelt.

    Als Kate Burkholder den Dingen auf den Grund geht, finden sich plötzlich viele Verdächtige. Jemand muss Daniel Gingerich grenzenlos gehasst haben. So sehr, dass er ihn in die Scheune lockte!

    Meine Meinung

    Der junge Amische Daniel Gingerich ist voller Vorfreude auf die romantischen Stunden in der Sattelkammer der elterlichen Scheune. Stattdessen wird er von einem Fremden dort eingeschlossen und das ganze Gebäude in Brand gesteckt. Unter unvorstellbaren Qualen verbrennt er bei lebendigem Leib!
    Natürlich werden Polizeichef Kate Burkholder und ihr Team sofort zu den Ermittlungen hinzugezogen und findet schnell heraus, dass Daniel alles andere als der harmlose freundliche junge Mann von Nebenan war, für den ihn viele hielten …

    Auch wenn Linda Castillos Schreibstil wie gewohnt spannend und leicht von der Seele geht, wirkt die Stimmung doch etwas gedämpfter als gewohnt. Sie verzichtet auch in diesem Buch wieder auf effektheischende Auftritte oder blutige Details und bringt ihrem Leser doch das ganze Grauen der Tat bildlich nahe!
    Wir wissen ja schon von der ersten Stunde an, das Kate so ihre Päckchen zu tragen hat und diese Wunden reißen in „Brennendes Grab“ leider wieder auf. Der Thriller geht also aufgrund seiner Thematik und den Beweggründen der Protagonisten unter die Haut.

    Die Handlung ist in der Erzählweise sehr geradlinig und man bekommt als Leser schnell einen guten Einblick darauf, auf welches Finale wir wohl zusteuern. Dennoch gelingt es der Autorin immer noch, mich mit dem Ausgang der Geschichte zu überraschen …

    Auch Kates Privatleben mit John Tomasetti kommt nicht zu kurz, dem wird aber merkbar weniger Bedeutung beigemessen. Die Beiden haben zu einem geregelten Alltag gefunden und genau so wirkt auch ihr Umgang miteinander. Sie ergänzen sich wunderbar und es war für mich wieder schön, ihnen zu folgen!

    Der Schluss brachte nochmal eine sehr rasante und emotionale Wendung mit sich und ich musste mir nach dem Lesen der letzten Szenen doch selbst Gedanken darüber machen, wie ich entschieden hätte, wäre ich an Kate Burkholders Stelle. Gesetzlich gesehen, hat sie definitiv völlig korrekt gehandelt, aber menschlich? Würde meine Entscheidung genauso ausfallen? … und könnte ich auf lange Sicht damit leben?
    Die, die das Buch gelesen haben, wissen vielleicht, was ich meine …

  • „Der Zopf“ | Laetitia Colombani

    Titel im Original: „La Tresse“
    Autor: Laetitia Colombani
    Aus dem Französischen übersetzt von Claudia Marquardt
    Verlag: Fischer Verlag
    Genre: Roman
    Seitenzahl:  282
    ISBN: 978-3-10-397351-8

    Die Lebenswege von Smita, Giulia und Sarah könnten unterschiedlicher nicht sein. In Indien setzte Smita alles daran, damit ihre Tochter lesen und schreiben lernt. In Sizilien entdeckt Giulia nach dem Unfall ihres Vaters, dass das Familienunternehmen, die letzte Perückenfabrik Palermos, ruiniert ist. Und in Montreal soll die erfolgreiche Anwältin Sarah Partnerin der Kanzlei werden, da erfährt sie von ihrer schweren Erkrankung. Ergreifend und kunstvoll flicht Laetitia Colombani aus den drei außergewöhnlichen Geschichten einen prachtvollen Zopf!

    Meine Meinung

    In „Der Zopf“ bekommen wir einen Einblick in das Leben von drei mutigen, entschlossenen und starken Frauen, die unbeirrt ihren Weg gehen …
    Smita ist eine indische „Unberührbare“, die ihrer Tochter mit aller Macht eine bessere Zukunft bieten möchte. Giulia, eine junge Sizilianerin, arbeitet in der Perückenknüpferei ihres Vaters und muss nach einem schweren Schicksalsschlag ihre Professionalität und Kampfeslust beweisen. Sarah ist eine aufstrebende und erfolgreiche Anwältin aus Montreal, die am Höhepunkt ihrer Karriere ihre Gesundheit verlässt.
    Drei verschiedene Leben! Drei Frauen mit vollkommen unterschiedlichen Hintergründen!

    Natürlich ahnt man schon früh, in welche Richtung die Leben unserer Protagonisten zusammenlaufen, anhand der spannenden Erzählweise von Laetitia Colombani bleibt das aber nebensächlich. Die Autorin hat einen sehr klaren und teilweise sogar sachlichen Schreibstil. Ruhig im Erzählstil, dennoch werden die Emotionen einfach und transparent an den Leser weitertransportiert.

    Besonders berührt hat mich die Erzählung um die Indische Smita. Die Autorin hat die Lebensumstände der „Unberührbaren“ wirklich gut recherchiert. Smita hat wirklich nichts! Weder genug zu essen, noch Bildung, noch Perspektiven für ihre 6-jährige Tochter. Eine grausame Wahrheit, die für mich nicht immer leicht zu ertragen war.
    Auch die beiden anderen Erzählstränge sind lesenswert und interessant. Die junge Giulia muss, nach einem schweren Unfall und dem Tod ihres Vaters, sehr früh ihren eigenen Weg im Leben finden. Ihre Familie steht vor dem nichts, dennoch stellen sie die junge Frau vor eine schwere Prüfung. Und Giulia wird diese mit Bravour Meistern! Sarah will mit Durchhaltevermögen und eisernem Willen der Diagnose Brustkrebs trotzen, obwohl sie ihr chauvinistischer Chef nach Bekanntwerden ihrer Erkrankung schnell aufs Abstellgleis setzt. Sie muss erst auf die harte Tour lernen, was in ihrem Leben wirklich wichtig ist und wofür es sich lohnt, die letzten Kräfte einzusetzen.

    „Der Zopf“ zeigt uns, dass sich viele Dinge gegenseitig beeinflussen, auch wenn man das selbst vielleicht gar nicht so aktiv wahrnimmt. Selbst unscheinbare Dinge oder Taten können für Andere schon eine große Hilfe sein!

  • „Chroniken von Azuhr: Die weiße Königin“ | Bernhard Hennen

    Autor:  Bernhard Hennen
    Verlag:  Fischer Tor Verlag
    Genre:  Fantasy
    Seitenzahl:  623
    Chroniken von Azuhr, Band 2
    ISBN:  978-3-596-70365-4

    Auf der Insel Cilia eskaliert der Konflikt zwischen der Liga der Stadtstaaten und den Herzögen des Schwertwaldes. Die militärische Übermacht der Liga ist erdrückend, und die Hoffnung der Waldbewohner ruht auf einer alten Sage, dass in der Stunde der größten Not die Weiße Königin, die ehemalige Herrscherin des Waldes, zurückkehren wird. Doch wie groß muss die Not werden, bis sich dies erfüllt?
    Milan Tormeno versucht, den Wirren des Krieges zu entgehen, denn in seinen Augen kämpft keine von beiden Seiten für eine gerechte Sache. Doch es droht eine weitere Gefahr: Überall auf der Insel erwachen Märengestalten zu neuem Leben.

    Meine Meinung

    Auch in „Die weiße Königin“ wird die Insel Cilia wieder Schauplatz eines großen Krieges. Gleich mehrere Feldherren versuchen die Rebellen des Schwertwaldes zu vernichten. Allen voran der Erzpriester Nandus, dem von Anfang an klar ist, dass in der entscheidenden Schlacht geweissagt wurde, dass die weiße Königin erscheinen und ihr Volk retten wird. Trotzdem versucht er alles, um den Kampf für sich zu entscheiden …
    Währenddessen versucht sein Sohn Milan, die aus dem Ruder laufenden Märengestalten in den Griff zu bekommen und einen Weg zu finden, um seine geliebte Felicia wieder zum Leben zu erwecken. Dabei bekämpft er nicht nur die Mären, er verändert auch die Geschichten und spinnt neue Gestalten. Er beeinflusst die Realität so aktiv, dass selbst lebende Menschen sich charakterlich verändern ohne es zu merken …

    Bernhard Hennen schreibt wie gewohnt rasant und kampfeslustig, mit tollen Dialogen und actionreichen Wendungen. Die Kapitel sind angenehm kurz und anhand der Überschrift erkennt man sofort wann und wo man sich befindet.
    Wie schon im Vorgängerband erzählen die ersten 100 Seiten eine Rückblende:  Wir erfahren die dramatischen Geschehnisse, die mit der Geburt der Kaiserin Sasmira einhergehen, die in der aktuellen Zeit gerade zum zweiten Mal die Macht an sich gerissen hat. Dies ist besonders wichtig um die Gegenwart besser zu verstehen.

    Die Geschichte besticht deutlich durch seine starken Kontraste. Die mittelalterlich angehauchten Handlungsorte schwanken zwischen Asien, Italien und Spanien und kreuzen immer wieder die Wege der Märchen und Mythen. Wir lernen Meerhexen, Gryme, Basilisken, Riesen, und Waldtrolle kennen, die ihr Unwesen in Cilia treiben.

    In der Gegenwart entwickeln sich Milan und Nandus deutlich weiter. Was mich sehr überrascht hat, war die Tatsache, dass sie sich ähnlicher sind als zunächst gedacht. Alle Charaktere, bis hin zu den kleinsten Nebendarsteller, sind stark und tiefgründig gestaltet. Brüche in den Persönlichkeiten, Reifungsprozesse, psychologische Abgründe. Der Leser wird dabei auf eine Achterbahn der Gefühle geschickt.

    Bernhard Hennen schreibt wunderbar spannende und vielfältige Geschichten, die voll Dramatik und Leben sind. Auch die „Chroniken von Azuhr“ stehen seinen Elfen und Drachenelfen in nichts nach  …

  • „Chroniken von Azuhr: Der Verfluchte“ | Bernhard Hennen

    Autor: Bernhard Hennen
    Verlag: Fischer Tor Verlag
    Genre: Fantasy
    Seitenzahl:  570
    Chroniken von Azuhr, Band 1
    ISBN: 978-3-596-70243-5

    Der junge Milan Tormeno ist dazu ausersehen, seinem Vater Nandus in das Amt des Erzpriesters zu folgen: Er soll einer jener mächtigen Auserwählten werden, die die Geschicke der Welt Azuhr lenken.
    Doch Milan kann nicht akzeptieren, dass sein Schicksal vorherbestimmt ist. Er rebelliert – und verstrickt sich mit der Meisterdiebin Felicia und der geheimnisvollen Konkubine Nok in ein gefährliches Netz von Intrigen.
    Gemeinsam geraten sie in den Bann einer alten Prophezeiung – einer Prophezeiung, nach der die Ankunft des »Schwarzen Mondes« in Azuhr ein neues Zeitalter der Magie einläuten wird …

    Meine Meinung

    Bernhard Hennen ist in meinen Augen einer der ganz großen deutschen Fantasy-Autoren unserer Zeit. Seine Protagonisten, seine Welten und auch die Geschichten an sich sind immer wieder ein Spektakel! So auch der erste Band der „Chroniken von Azuhr“ …

    Milan Tormeno kann sich mit seinem vorherbestimmten Schicksal nicht anfreunden. Er soll in die Fußstapfen seines Vaters treten: Ein Tyrann und Schlächter, der die Welt von Azuhr mit strenger Hand und offen für Lügen und Intrigen lenkt. Doch schon früh weiß Milan, dass ein Leben als angesehener Erzpriester nicht seine wahre Bestimmung ist. Er rebelliert gegen sein Schicksal und schon bald führt ihn sein Weg in den Bann einer alten Prophezeiung …

    Nach einem etwas holprigen Start nimmt die Handlung rasant Fahrt auf und im weiteren Verlauf wird schnell klar, warum der Beginn der Geschichte so gewählt wurde. Die Entwicklung der Charaktere ist sehr gut herausgearbeitet und auch die italienisch-angehauchten Handlungsorte werden schön beschrieben. Milans Geschichte ist eng mit der seines Vaters verbunden. Die Beiden versuchen stets, sich gegenseitig zu behindern. Beide sind sehr starke Protagonisten, ebenso wie die vielen tollen Nebencharaktere.
    Der Autor hat einen schwungvollen, spritzigen und flüssigen Schreibstil. Wie gewohnt schafft er es eine lebhafte und authentische Handlung zu gestalten!

    Bernhard Hennen beschreibt „Azuhr“ sehr malerisch. Man findet sich in den einzelnen Ländern schnell zurecht und auch die Atmosphäre, die vor Ort herrscht, wird von ihm sehr gut zum Leser transportiert. Dabei verzichtet er anfangs komplett auf übernatürliche Elemente, welche sich erst im Verlauf der Handlung auf interessante Weise in die Geschichte einschleichen.
    Ebenso verzichtet er auf jegliche Klischees, was Elfen, Orks und Zwerge betreffen …

    Eine beeindruckende Fähigkeit des Autors ist es, Kritik an der realen Welt, sowie politische, historische und soziale Ereignisse in seine Geschichten einzubauen. Auch in „Die Chroniken von Azuhr“ wirken einige Handlungsorte und Ereignisse wie ein Spiegel unserer Zeit.

    Ein weiterer Bonus dieses Buches ist das offensichtliche Verständnis für mittelalterliche Waffen und Rüstungen! Was sich von der ersten Seite an, nicht nur in der Verwendung der korrekten Bezeichnungen zeigt, sondern auch darin, dass der Autor einschätzen kann, wozu Rüstungen und Waffen tatsächlich in der Lage sind!

    „Der Verfluchte“ ist eine Geschichte über das Suchen und das Finden der eigenen Prinzipien.
    Mal düster, mal heldenhaft … aber durchgehend mitreißend und großartig!

  • „Das Labyrinth der Lichter“ | Carlos Ruiz Zafón

    Titel im Original:  „El Laberinto de los Espíritos“
    Autor:  Carlos Ruiz Zafón
    Aus dem Spanischen übersetzt von Peter Schwaar
    Verlag:  Fischer Verlag
    Genre:  Roman
    Der Friedhof der vergessenen Bücher, Band 4
    Seitenzahl:  939
    ISBN:  978-3-10-002283-7

    Barcelona in den kalten Wintertagen des Jahres 1959.
    Die junge Alicia Gris kehrt in ihre Heimatstadt zurück, um das überraschende Verschwinden des einflussreichen Ministers Mauricio Valls aufzuklären. In dessen Besitz befand sich ein geheimnisvolles Buch, das Alicia in die Buchhandlung „Sempere & Söhne“ führt, tief ins Herz Barcelonas. Der Zauber dieses Ortes nimmt sie gefangen, und wie durch dichten Nebel steigen Bilder ihrer Kindheit in ihr auf. Doch die Antworten, die Alicia findet öffnen die Tür zu einer finsteren Intrige und bringen all jene in Gefahr, die Alicia am meisten liebt.

    Meine Meinung

    Der aktuellste Roman des spanischen Autoren Carlos Ruiz Zafón stellt den Abschluss seiner Tetralogie um den „Friedhofes der vergessenen Bücher“ dar.

    Wie schon in den Vorgängerbänden spielt auch diese Geschichte wieder vor der Kulisse von Barcelona. Wir befinden uns Ende der 50er bzw. Anfang der 60er Jahre und die Schrecken der Franco Diktatur sind immer noch spürbar. Lange Rückblicke in diese Zeit des Bürgerkrieges bilden die Metapher über die Zufluchtsorte in der katalanischen Stadt, wie etwa die Buchhandlung der Familie Sempere. Sehr präsent ist auch das soziale Geschehen, das Elend, die Aussichtslosigkeit, aber auch der Zauber der Stadt!

    In „Das Labyrinth der Lichter“ folgen wir der schönen Alicia Gris. Eine unnahbare Amazone, die in Zusammenarbeit mit der Polizei Ermittlungen um das Verschwinden des Politikers Valls führt. Der Minister war zuvor Direktor des berüchtigten „Castille den Montjuich“ und entführte und verkaufte die Kinder der politischen Gefangenen. Unter anderem auch ein Grund, warum die Mafia ihr Interesse an Alicia bekundet.
    Sie erforscht den Verbleib des verbotenen Buches Labyrinth der Lichter“ in Barcelona und wird dabei immer wieder an furchtbare Szenen ihrer eigenen Kindheit erinnert. Schon bald soll ihr klar werden, dass auch Fermín Romero de Torre ein Teil ihrer Vergangenheit ist …

    Der Autor führt hier tatsächlich alle noch offenen Handlungsstränge aus den Vorgängerbänden zusammen. Sehr gekonnt und mit spannenden Wendungen!
    So erfahren wir mehr über David Martin und seine Verbindung zu der Familie Sempere, aber auch Julian Carax bekommt hier wieder seinen Auftritt und wird für den Leser menschlicher und vertrauter.

    Die Handlungen sind wie gewohnt verschachtelt, unerwartet und absolut nicht linear, aber wie immer gut zu verfolgen. Die Dialoge sind auffallend intensiv und spannend gestaltet und Carlos Ruiz Zafón verwendet auch in diesem Buch wieder viel Poesie um seine Geschichte aufzubauen. Man könnte meinen, die Protagonisten sitzen beim Lesen des Buches neben einen …

  • „Der Fürst des Parnass“ | Carlos Ruiz Zafón

    Titel im Original: „El Príncipe de Parnaso“
    Autor:
      Carlos Ruiz Zafón
    Aus dem Spanischen übersetzt von Peter Schwaar
    Verlag:
      Fischer Verlag
    Genre: Roman
    Der Friedhof der vergessenen Bücher, Band 3.5
    Seitenzahl: 83
    ISBN: 978-3-596-19882-5

    Carlos Ruiz Zafón schrieb sich mit seinen großen Romanen in die Herzen der Leser rund um den Globus. Überall tauchten die Menschen ein in die betörende Atmosphäre Barcelonas – Mittelpunkt seiner Welt.

    In „Der Fürst des Parnass“ erzählt er davon, wie diese unnachahmliche Welt ihren Anfang nimmt. Eine unwiderstehliche Welt ihren Anfang nimmt. Eine unwiderstehliche Geschichte von Ehrgeiz und Scheitern, von Wahnsinn und unsterblicher Liebe, eine Hommage an eine verwunschene Stadt am Meer und an die universelle Magie der Bücher.

    Meine Meinung

    „Der Fürst von Parnass“ ist ein kleiner Zusatzband zu der Reihe um Daniel Sempere und dem Friedhof der vergessenen Bücher. Wie im Vorwort beschrieben, möchte sich der Autor mit dieser Kurzgeschichte bei seinen Lesern für ihre Treue bedanken.

    Es handelt sich hier um eine Erzählung über den großen spanischen Schriftsteller Miguel de Cervantes Saavedra, gleichzeitig ist das Buch aber auch ein wichtiger Schlüssel zum „Friedhof der vergessenen Bücher“ und zu guter Letzt eine Lektion hinsichtlich der Versuchung Eitelkeit.

    Carlos Ruiz Zafón nutzt seine Fantasie, um Lücken im Lebenslauf von Miguel de Cervantes Saavedra, dem späteren Autor des Don Quijote, zu schließen. Er integriert diese Figur in sein Barcelona und verarbeitet literarisch die Tatsache, dass Cervantes Saavedra erst in späteren Jahren seines Lebens Erfolg hatte. Und natürlich bekommt auch ein geheimnisvoller Verleger mit Engelsbrosche auf dem Revers wieder seinen Auftritt.
    Manche Geheimnisse werden gelüftet, andere Rätsel bleiben aber weiterhin im Nebel verborgen. Die Erzählungen bewegen sich auf verschiedenen Ebenen und lassen viel Spielraum für eigene Interpretationen.

    Zafòn versteht es meisterlich, Atmosphäre und Spannung zu erzeugen. Phantasievoll und doch im Bereich des Möglichen, mit bildreichen Beschreibungen und einer für den Autor unverkennbaren Wortvielfalt und Harmonie. Auch der dürftige Umfang ändert nichts an der Qualität des Inhalts!

    Selbst in der Kürze dieser Geschichte beweist Carlos Ruiz Zafón, dass er schreiben kann und nicht viele Seiten braucht um seine Leser zum Nachdenken anzuregen!

  • „Der Gefangene des Himmels“ | Carlos Ruiz Zafón

    Titel im Original: „El Prisionero del Cielo“
    Autor: Carlos Ruiz Zafón
    Aus dem Spanischen übersetzt von Peter Schwaar
    Verlag: Fischer Verlag
    Genre: Roman
    Der Friedhof der vergessenen Bücher, Band 3
    Seitenzahl: 403
    ISBN: 978-3-10-095402-2

    Barcelona, 1957.
    Ein Fremder betritt die Buchhandlung „Sempere & Söhne“. Er ersteht das teuerste Buch im Laden eine Ausgabe des „Grafen von Monte Christo“, und widmet sie Fermín, über den er mehr zu wissen scheint, als gut ist.

    Für Fermín und Daniel Sempere ist es der Auftakt einer dramatischen Geschichte von Verfolgung und Heimsuchung, die sie an schmerzliche Punkte der Vergangenheit führen und ihr ganzes Glück bedrohen wird. Fermín muss sich seiner dunkelsten Zeit stellen und ein anderer werden, um schließlich ganz er selbst zu sein.

    Meine Meinung

    Schon in „Der Schatten des Windes“ und dem Folgeband „Das Spiel des Engels“ bekommen wir immer wieder kleine Einblicke über Fermín Romero de Torres. Nachdem ihn der junge Daniel Sempere von der Straße geholt und ihm eine Anstellung in der Buchhandlung seiner Familie gegeben hat, wird er zu seinem engsten Freund und Vertrauten. Im dritten Band erfahren wir nun Genaueres über Fermíns Vergangenheit. Über die Jahre der Gefangenschaft in dem berüchtigtem Castille den Montjuich, aber auch wie seine Taten ihn schon als jungen Mann unumgänglich mit der Familie Sempere verbunden haben.

    Wie schon seine Vorgänger baut auch „Der Gefangene des Himmels“ in sehr geringem Maße auf einem magischen Grundbaustein auf. Natürlich muss man das mögen. Ich bin normalerweise auch eher skeptisch, wenn fantastische Elemente in einen belletristischen Roman eingearbeitet werden, aber hier fand ich es wieder hervorragend umgesetzt.
    Carlos Ruiz Zafón besticht mit seiner wunderbaren poetischen und bildlichen Sprache und der dichten Atmosphäre in diesem Buch. Er schildert mitreißend von den mächtigen politischen Ungeheuern, die damals in Francos unbarmherziger Regierung herrschten und zieht geschickt die Fäden zwischen der Buchhandlung der Familie Sempere und dem Friedhof der vergessenen Bücher.

    Auch Fermins philosophische Kommentare sind immer wieder eine Freude zu lesen!

    Natürlich haben auch Liebe, Drama und Leid in diesem Buch seinen Platz, werden aber so harmonisch in der Geschichte eingearbeitet, dass sie nie zu viel oder übertrieben wirken. Wir erfahren viele erschütternde Details über den Tod von Isabella Sempere, Daniels Mutter. Doch alle Antworten werfen neue Fragen auf und ihr Sohn steht letztendlich vor einer schweren Entscheidung.

    Carlos Ruiz Zafón stellt mit diesem Buch ganz gekonnt eine Verbindung zu den beiden Vorgängern her und schafft sowohl in den Szenen als auch bei den Charakteren eine sehr besondere Vertrautheit. Spätestens jetzt versinkt man als Leser in die damalige Zeit und lernt Barcelona mit seinem düsteren, morbiden und tiefgründigen Charme zu lieben. Die Charaktere wirken reifer und ausdrucksstärker.
    Auch die gesellschaftskritischen Dimensionen stechen hier viel stärker heraus!

  • „Das Spiel des Engels“ | Carlos Ruiz Zafón

    Titel im Original: „El Juego del Ángel“
    Autor: Carlos Ruiz Zafón
    Aus dem Spanischen übersetzt von Peter Schwaar
    Verlag: Fischer Verlag
    Genre: Roman
    Der Friedhof der vergessenen Bücher, Band 2
    Seitenzahl: 711
    ISBN: 978-3-10-095400-8

    Der junge David Martin fristet sein Leben indem er unter falschem Namen Schauerromane schreibt. Plötzlich erhält er einen mit dem Zeichen eines Engels versiegelten Brief, in dem im der Mysteriöse Verleger Andreas Corelli einlädt. Angelockt von dem Talent des jungen Autors hat er einen Auftrag für ihn, dem David nicht widerstehen kann.
    Aber David ahnt nicht, in welchen Strudel furchterregender Ereignisse er gerät …

    Meine Meinung

    Mit „Das Spiel des Engels“ geht es in der Geschichte rund um die Familie Sempere weiter. Wobei hier der Friedhof der vergessenen Bücher nur kurz angeschnitten wird, jedoch keine so gewichtige Rolle wie in „Der Schatten des Windes“ einnimmt.

    Da ich die gesamte Reihe bereits gelesen habe, kann ich euch verraten, dass ihr dieses Buch nicht mit dem Ersten vergleichen solltet. Natürlich besteht eine Verbindung in der Geschichte, aber der Inhalt ist viel mystischer und surrealer! Auch der Erzählstil ist schwammiger und „theatralischer“. Dies ist durchaus vom Autor so gewollt und ihr werden die Erklärung hierfür auf jeden Fall im nächsten Band „Der Gefangene des Himmels“ finden, das kann ich euch versprechen. Grade was das Ende betrifft!
    Nehmt das Buch einfach so wie es ist und wartet ab, was danach weiter passiert …

    Wir schreiben das Jahr 1930 in Barcelona, während der turbulenten Jahre des Bürgerkrieges!
    Der junge David Martín, der als ernsthafter Schriftsteller verkannt wird, fristet sein Dasein als Verfasser von gruseligen Groschenromanen. Sein bester Freund schnappt ihm die Liebe seines Lebens weg und er muss zu alledem noch erfahren, dass er unter einer tödlichen Krankheit leidet. Kann das Leben noch trostloser verlaufen?
    Doch ein mysteriöser Anhänger glaubt beständig an sein Talent:  Der Verleger Andreas Corelli, der ihm ein ungewöhnliches Projekt vorschlägt. David kann nicht widerstehen, hat er doch auch nichts zu verlieren. Er ahnt noch nicht, auf was er sich da eingelassen hat …

    Inhaltlich ist „Das Spiel des Engels“ gute 15 Jahre vor dem Auftakt der Reihe angesiedelt. Wir erfahren hier überwiegend über das Leben der Eltern von Daniel Sempere, aber vor allem von seiner früh verstorbenen Mutter Isabella, die als junges Mädchen eine Zeitlang mit David Martín zusammengelebt hat.

    Wie auch bei „Der Schatten des Windes“ besticht dieser Roman durch seine Charaktere, die einen ganz besonderen Charme mit sich bringen und seine ganz eigene harmonische und bildliche Sprache, die für mich einen unheimlichen Sog entwickelt. Am liebsten hätte ich mich gleich direkt nach Barcelona gewünscht!

    Carlos Ruiz Zafón transportiert einen wunderbar zarten Humor, der unglaublichen Spaß beim Lesen macht.

    Auch die Handlung ist toll aufgebaut und schon jetzt tauchen immer mehr Verknüpfungen und Erklärungen zum Vorgängerband auf!

    „Das Spiel des Engels“ ist sehr magisch mit viel gruseliger Atmosphäre und Spannung.

  • „Ewige Schuld“ | Linda Castillo

    Titel im Original: „Down a Dark Road“
    Autor: Linda Castillo
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Helga Augustin
    Verlag: Fischer Verlag
    Genre: Thriller
    9. Fall von Kate Burkholder
    Seitenzahl:   365
    ISBN: 978-3-596-29802-0

    Seit zwei Jahren sitzt Joseph King wegen des Mordes an seiner Frau Naomi hinter Gittern. Er gilt als ein „gefallener“ Amischer, einer der ständig mit dem Gesetz in Konflikt geriet. Jetzt ist er ausgebrochen und hat seine fünf Kinder als Geiseln genommen. Als Kate Burkholder die Kinder auf eigene Faust befreien will, wird sie von King überwältigt. Seine Forderung lautet: Du kannst gehen, aber finde den Mörder meiner Frau!

    Meine Meinung

    Joseph King – ein Nachbar und Jugendfreund von Kate Burkholder – sitzt wegen dem Mord an seiner Frau seit zwei Jahren im Gefängnis. Obwohl er die Tat von der ersten Minute an und auch noch die Jahre danach bestreitet, wird er Schuldig gesprochen. Die Gemeinde der Amischen verstößt ihn und auch sonst will ihm Niemand zuhören …
    Als sich die Möglichkeit ergibt, flieht Joseph kurzerhand aus dem Gefängnis. Er kehrt nach Painters Mill zurück um seine Kinder zu sehen und nimmt Kate, die bereits vor der Farm seiner Familie auf sein Auftauchen wartet, als Geisel. Mit ihrer Hilfe möchte er seine Unschuld beweisen!
    Alle – auch Kate – sind von seiner Schuld überzeugt, doch sie hält ihr Versprechen und forscht nach!

    Obwohl man schon recht früh in der Geschichte ahnt, wie der Hase am Ende läuft, waren die Zusammenhänge und die Ermittlungsarbeit toll und bis zur letzten Seite spannend beschrieben. Kate Burkholder sticht bei ihren Nachforschungen geradewegs in ein Nest aus Korruption, Vertuschung und Skrupellosigkeit, was allerdings nicht ungefährlich für sie ist. Ziemlich rasant jagt sie von einer Gefahr zur Nächsten und auch in diesem Buch bekamen wir wieder einige dieser fiesen Schockmomente, in denen einem beim Lesen die Luft stehen bleibt und man sich reflexartig an den Kopf fasst.

    Mir gefiel es auch, wieder etwas mehr aus Kats Vergangenheit bzw. ihrer Kindheit zu erfahren. Sie war schon damals ein kleiner Trotzkopf und wusste, wie sie mit ihren größeren Geschwistern mithalten konnte. Auch was ihre Freundschaft zu Joseph King anging!

    Natürlich mag ich John Tomasetti als Charakter sehr, aber ich hab es lieber, wenn er in den Büchern etwas zurückgenommen wird, was in „Ewige Schuld“ durchaus der Fall ist. Er hat natürlich seine Berechtigung in Kates Leben und bereichert die Geschichte durch seine liebevolle Art, er ist als Polizist aber doch ein sehr klischeebehafteter Charakter, der seine Lebensgefährtin mit aller Macht beschützen und behüten will.

    Kats Handlungen werden gefühlt von Band zu Band impulsiver und teilweise auch leichtsinniger, blieben für mich als Leser aber doch verständlich und nachvollziehbar. Linda Castillo hat eine tolle Art gerade dieses Stilmittel sehr gut an den Leser zu transportieren.
    Was den restlichen Schreibstil betrifft muss ich nicht mehr viel sagen, oder? Sie ist eine Meisterin ihres Fachs. Ich liebe ihre Art Spannung auf vollkommen unblutige Art und Weise aufzubauen und Szenen bildlich zu gestalten. Sie schreibt rasant und die Seiten fliegen nur so dahin!