• „Vom Himmel zum Meer“ | Lisa Marcks

    Rezensionsexemplar
    Vielen Dank an den Verlag!

    Autor:  Lisa Marcks
    Verlag:  Goldmann Verlag
    Genre:  Historischer Roman
    Seitenzahl:  412
    ISBN:  978-3-442-48829-2

    Hamburg 1892:  Als die Cholera ausbricht, müssen die Pfarrerswitwe Tilly Bevenkamp und ihre Gesellschafterin, die junge Agnes, in eine Kate an der Ostseeküste fliehen. Agnes verdient fortan einen bescheidenen Unterhalt, indem sie selbstgebackene Köstlichkeiten an die reichen Strandgäste verkauft. Dann entdeckt sie ein leerstehendes Herrenhaus mit einer große Küche. Hier würde Agnes gerne die süßen Sachen zubereiten. Das was wird der Besitzer, der gutaussehende Benjamin von Reiker, dazu sagen?

    Meine Meinung

    Die junge Agnes Martin verlässt an ihrem 21. Geburtstag das heimelige Waisenhaus im Elsass, in dem sie glücklich und behütet aufwachsen durfte, um ihre Stellung als Gesellschafterin für die Witwe Bevenkamp in Hamburg anzutreten. Doch als sie die Stadt erreicht, ist ihr erstes Zusammentreffen mit „Tilly“ erst einmal wenig erfolgversprechend, denn diese hat sie gar nicht erwartet und geht weiter ihrer Arbeit im örtlichen Waisenhaus nach. Agnes allerdings lässt sich dadurch nicht einschüchtern. Sie zieht im Bevenkamp`schen Haushalt ein und versucht mit ihren begrenzten Mitteln einen normalen Tagesablauf zu organisieren.

    Als wenige Monate später in Hamburg die Cholera ausbricht, verlässt Agnes in einer Nacht und Nebelaktion mit einigen Waisenkindern und natürlich auch Tilly im Schlepptau die Stadt Richtung Ostsee. Dort ist sie in ihrem Element:  Sie verköstigt mit Hilfe der Dorfbewohner nicht nur die Kinder, sondern backt auch noch für die Strandurlauber, die ihren Köstlichkeiten nicht wiederstehen können und sie ihr gegen gute Bezahlung aus der Hand reißen …

    Lisa Marcks bringt uns mit „Vom Himmel zum Meer“ einen unterhaltsamen und gefühlvollen Roman vor historischer Kulisse. Der Schreibstil ist flüssig, bildgewaltig, was mir die Geschichte sehr schnell näher brachte. Die Beschreibungen sind farbenfroh und ließen auch mich von einem verwunschenen alten Gutshaus mit wildem Garten und Spaziergängen am Strand träumen.
    Die Autorin hat den historischen Hintergrund gut mit ihrer Handlung verwebt und zeigt die gesellschaftlichen Standesunterschiede sehr gut auf. Natürlich wird hierbei auch die damalige Rolle der Frau thematisiert. Das Baden der nackten Füße in der Ostsee stellte für so manche Dame eine Herausforderung dar …

    Die Charaktere in diesem Buch sind ein buntes Sammelsurium an schrulligen und teils skurrilen Typen. Agnes ist eine eigensinnige Frau mit einem Riesenherz, die die Arme aufkrempelt und sich für nichts zu schade ist. Tilly Bevenkamp ist zwar auf ihrer Seite, stellt im Laufe der Geschichte aber doch Agnes Gegenpart dar. Sie ist eine durchweg traumatisierte Frau, die ihre Unsicherheiten nach außen hin, durch ihre herrische und spröde Art zu vertuschen versucht. Und dann gibt es da noch Fräulein Frieda und die anderen
    Dorfbewohner …

    „Vom Himmel zum Meer“ ist ein Roman, der vielleicht nicht in die Tiefe der angeschnittenen Themen geht, aber auf jeden Fall tief ins Herz des Lesers. Eine kurzweilige Lektüre, die mir ein paar sehr unterhaltsame Stunden bescheren konnte!

  • „Nächstes Jahr in Havanna“ | Chanel Cleeton

    Rezensionsexemplar
    Vielen Dank an den Verlag!

    Titel im Original: „Next Year in Havanna“
    Autor: Chanel Cleeton
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Stefanie Fahrner
    Verlag: Heyne Verlag
    Genre: Roman
    Kuba-Saga, Band 1
    Seitenzahl:  460
    ISBN: 978-3-453-42278-0

    Havanna 1958: Elisa, Tochter eines Plantagenbesitzers, verkehrt in den besten Kreisen Havannas und weiß kaum etwas über die Lage des Landes. Bis sie einem Mann begegnet, der tief verstrickt ist in die politischen Umwälzungen, die ihre Zukunft für immer verändern werden.

    Miami 2017: Marisol macht sich auf den Weg nach Kuba. Sie wird zum ersten Mal das Land kennenlernen, in das ihre Großmutter zeit ihres Lebens zurückkehren wollte und in dem sie nun beigesetzt werden soll.

    Meine Meinung

    „Nächstes Jahr in Havanna“ ist ein sehr gefühlvoller, unterhaltsamer und farbenfroher Roman, der den Leser auf die südamerikanische Insel Kuba entführt.

    Es ist Marisols erster Besuch auf Kuba. Zeitlebens war Havanna ein Teil von ihr und hat sie begleitet. Auch wenn sie in Miami lebt, spürt sie ihre Wurzeln auf Schritt und Tritt!
    Während ihres Aufenthalts kommt sie bei der besten Freundin ihrer Großmutter unter, die im Gegensatz zu ihren eigenen Familie in den 50er Jahren in Havanna geblieben ist. Marisol erhofft sich von Ana mehr Informationen über ihre Großmutter zu bekommen. Diese war bis zu ihrem Tode recht verschwiegen, was ihre Jugend in Kuba anging …

    Chanel Cleetons Schreibstil ist flüssig und eindringlich, aber auch atmosphärisch dicht gehalten. Mit den wechselnden Zeitperspektiven gibt die Autorin einen sehr guten Einblick in die politische und gesellschaftliche Lage im Havanna der jeweiligen Zeit. Sowohl im vergangenen Jahrhundert, als auch in der heutigen Zeit wird Kuba vom Umbruch bestimmt. 1958 steht die Insel vor der Revolution durch Fidel Castro. Im Jahr 2017 vor in einer tiefen Rezession, nachdem sich Kuba mehr und mehr von der zentralistischen Staatswirtschaft verabschiedet. Unverändert leidet die Bevölkerung unter Versorgungsengpässen, Gewalt, Folter und Unterdrückung …

    Die Charaktere sind liebevoll und sehr lebendig gezeichnet, sie bestechen durch ihre individuellen Eigenschaften und wirken authentisch und glaubwürdig. Marisol besitzt eine gesunde Neugier, die ihr zwar ab und zu zum Verhängnis wird, ist auf der anderen Seite aber ebenso hartnäckig und einfühlsam. Ihr Gegenpart ist Luiz: Ein Mann der Tat, gebildet und vor allem politisch engagiert.
    Natürlich besteht von Anfang an eine Anziehung zwischen den beiden, dieser Part der Geschichte ist in meinen Augen aber leider etwas in die Hose gegangen. Marisol wirkt hier sehr naiv und überspitzt, hegt sie doch schon nach 36 Stunden die stärksten und emotionalsten Gefühle gegenüber Luiz und spricht schon nach wenigen Tagen von Liebe. Für einem Erwachsenenroman hätte ich mir einen realistischeren Verlauf der Liebesgeschichte gewünscht.

    „Nächstes Jahr in Havanna“ war mein erster Roman von Chanel Cleeton. Die ursprünglich aus Florida stammende Autorin wuchs mit den Geschichten über den Auszug ihrer Familie nach der kubanischen Revolution auf. Ihre Leidenschaft für Politik und Geschichte setzte sich während ihres Studiums fort. Dieser Einfluss macht sich auch in diesem Roman stark bemerkbar. Man spürt beim Lesen wie viel Herzblut sie in die Geschichte gesteckt.

    Der Roman erzählt nicht nur zwei emotionale Liebesgeschichten in verschiedenen Jahrhunderten, sondern wartet auch mit vielen interessanten Informationen über die südamerikanische Insel auf. Eine wunderbare Lektüre, die einen von Havanna träumen lässt.

  • „Wenn der Sommer stirbt“ | Cheryl L. Wilson

    Titel im Original:  „The Winter King, Part 2“
    Autor:  Ceryl L. Wilson
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Anita Nirschl
    Verlag:  Bastei Lübbe
    Genre:  Fantasy | Jugendbuch
    Mistral-Reihe, Band 2
    Seitenzahl:  415
    ISBN:  978-3-404-20801-2

    Erst seit wenigen Wochen herrscht Frieden zwischen den Reichen Sommergrund und Winterfels, besiegelt durch die Ehe von Sommerprinzessin Chamsin und Wynter Atrialan, dem Winterkönig. Doch der Frieden währt nicht lange. Zu Beginn des Krieges hat Wynter das Eisherz, die Essenz eines dunklen Gottes, in sich aufgenommen. Und diese Magie droht nun, ihn zu verschlingen und in einen Todesgott zu verwandeln, eine Bedrohung, schlimmer als alles, dem sich Sommer- und Winterländer je gegenübersahen …

    Meine Meinung

    Nach dem „Der Winter erwacht“ mit einem so bitterbösen Cliffhanger geendet hat, startet Band 2 wieder genau der Stelle, an der wir Chamsin und Wynter zurückgelassen haben. Die Autorin stellt uns zwar ein „Was bisher geschah …“ zur Verfügung, man findet aber auch während des Lesens wieder sehr leicht in die Geschichte zurück.

    Bereits in den ersten Seiten geht die Handlung spannend und actionreich weiter …
    Chamsin gilt noch immer als unbeliebte Außenseiterin und versucht ihre Situation bestmöglich zu ihren Gunsten zu verändern. Dabei legen ihr nicht nur die stolzen und eigensinnigen Dorfbewohner Steine in den Weg, auch Wynter macht ihr unbeabsichtigt das Leben schwer.
    Habe ich im ersten Band noch die Oberflächlichkeit der Geschichte bekrittelt, erfahren wir in „Wenn der Sommer stirbt“ viele Details über die politische Situation in Winterfels, über dessen Feindschaft mit Sommergrund und über die verzwickten Intrigen am Hof, aber auch das Familienleben und die Kindheit unserer beiden Protagonisten bekommen hier Platz! Ebenso wird das mysteriöse Eisherz, das in Wynters Brust schlummert ausführlich und gut erklärt.

    Im Laufe dieses Buches entwickelt sich die Geschichte weg vom pornösen Groschenroman hin zu wirklich guter Fantasy. Schonungslos müssen Menschen ihr Leben lassen und auch das Liebespaar muss kämpfen und einige Wunden wegstecken.

    Chamsin ist eine Frau ganz nach meinem Geschmack. Sie lässt sich noch nicht einmal vom Winterkönig einschüchtern und wächst an ihrer Aufgabe als Königin. Aber auch Wynter hat etwas an sich, dass mich trotz seiner Kälte an ihn bindet.
    Besonders gut hat mir Krystis Figur gefallen. Ein Junge, der in Chamsins Diensten steht und sie bestmöglich unterstützt. Ein Charakter der von kindlicher Unschuld und gnadenloser Ehrlichkeit geprägt ist. Liebenswürdig, ein wenig aufgedreht und durch und durch loyal. Meiner Meinung nach einer der größten Helden in dieser Geschichte!
    Abgesehen von Krysti, erfährt man aber auch mehr über anderen Nebencharaktere, die zusammengenommen ein rundes Bild aus den Taten und Handlungen in dieser doch sehr vielfältigen Geschichte entstehen lassen!

  • „Der Winter erwacht“ | Cheryl L. Wilson

    Titel im Original:  „The Winter King, Part 1“
    Autor:  Ceryl L. Wilson
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Anita Nirschl
    Verlag:  Bastei Lübbe
    Genre:  Fantasy | Jugendbuch
    Mistral-Reihe, Band 1
    Seitenzahl:  381
    ISBN:  978-3-404-20800-5

    Die Sommerprinzessin Chamsin kann nicht glauben, was ihr Vater von ihr verlangt: Sie soll Wynter Atrialan heiraten. Den Mann, der ihre geliebte Heimat mit einem grausamen Krieg überzog. Der das Reich durch seine Magie im ewigen Winter erstarren ließ. Und der jetzt als Tribut eine Sommerprinzessin fordert. Niemals! Lieber stirbt sie, als ihn zu heiraten. Sie ahnt nicht, dass ihr Vater sie tatsächlich vor diese Wahl stellen wird …

    Meine Meinung

    In „Der Winter erwacht“ verfolgen wir die Geschichte zweier Königreiche: Winterfels, dass nördlich in den eisigen Berge liegt und Sommergrund, das den heißen Süden einnimmt! Einst lebten beiden Königreiche in Eintracht nebeneinander und waren durch den regen Handel freundschaftlich miteinander verbündet.
    Ausgelöst durch die verräterische Tat des Sommerprinzen, überzieht Wynter Atrialan, der König von Winterfels, mit seiner tödlichen Armee das Land. Mit der göttlichen Macht des Eisherzes zwingt er Sommergrund in die Knie. Als Wiedergutmachung an der Ermordung seines Bruders fordert er die Hand einer der Sommerprinzessinen. Auch König Verdan soll erfahren, wie groß der Kummer ist, wenn einem das Liebste genommen wird. Doch noch ahnt er nichts von der vierter Tochter des Königs: Chamsin! Nach einigen Intrigen und Ränkespielen verlässt sie mit Wynter ihre Heimat und muss sich als ungeliebte Königin in einem unbekannten Land dem Kampf um Akzeptanz stellen, die noch dazu über ihr Leben oder ihren Tod entscheiden!

    Ceryl L. Wilson erschafft in dieser Buchreihe eine bildgewaltige Fantasywelt, die trotz der starken Kontraste auf mich harmonisch und einladend wirkt. Dieses wird natürlich auch durch den einfachen, aber sehr flüssigen und lebendigen Schreibstil unterstützt! Ihr solltet aber nicht den hohen Gehalt an erotischen Szenen in diesem Buch unterschätzen!
    Die Geschichte ist mitreißend geschrieben, bleibt im Großen und Ganzen aber eher oberflächlich. Ich hätte gerne mehr über die politischen Intrigen erfahren und auch über die Art und Weise, wie sich die beiden Völker in ihrer Lebensart unterscheiden. Diese Details werden nur kurz angeschnitten, die Geschichte fokussiert sich gezielt auf die Beziehung zwischen unseren beiden Protagonisten!

    Leider fand ich auch die häufigen Sexszenen an manchen Stellen etwas deplatziert. Der leicht ordinäre Stil und die fehlende Scham passen allerdings perfekt in das Gesamtbild, spielt die Geschichte doch zu einer mittelalterlichen Zeit, in der Ritter und Könige frei forderten, was sie wollten …

    Das Hauptaugenmerk bleibt also auf Chamsin und Wynter! … und die Beiden sind wirklich sehr gut ausgearbeitet! Der Grund für Chamsins Zurückhaltung gegenüber des Hofadels und ihre Angst vor der eigenen Wettergabe werden schon früh im Buch erklärt, was die starke und temperamentvolle Prinzessin etwas weicher wirken lässt. Dennoch umkreist sie immer wieder ein Hauch von Naivität!
    Auch Wynter durfte die Vorzüge seiner Wettergabe kennenlernen, wenn auch nicht in natürlicher Form. Sein Eisblick ist durch und durch tödlich, was ihn zum schrecklichsten Eroberer seiner Zeit macht. Durch Chamsin erinnert er sich, wie es ist zu lieben. Doch die verzwickte Geschichte der beiden Königreiche, lässt ihn auf vorsichtige Distanz gehen.

    Ein wirklich guter Start in eine neue Reihe, gerade für Leser die die Kombination aus Fantasy und dem klassischen Groschenroman zu schätzen wissen!

  • „Der Glanz der Dunkelheit“ | Mary E. Pearson

    Titel im Original:  „The Beauty of Darkness II“
    Autor:  Mary E. Pearson
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Barbara Imgrund
    Verlag:  Bastei Lübbe | One Verlag
    Genre:  Fantasy | Jugendbuch
    Chroniken der Verbliebenen, Band 4
    Seitenzahl:  448
    ISBN:  978-3-8466-0060-3

    Lia hat sich entschieden. Statt die Königin an Rafes Seite zu werden, kehrt sie nach Morrighan zurück. Sie muss ihrem Heimatland beistehen, auch wenn das bedeutet, dass sie in die Schlacht ziehen wird. Während sie einer ungewissen Zukunft entgegenreitet, quälen sie viele Fragen. Kann sie den Königreichen Morrighan, Venda und Dalbreck endlich Frieden finden? Wie soll sie im Kampf gegen den Komizar von Venda bestehen? Und wird es für sie und Rafe eine Zukunft geben?

    Meine Meinung

    Nachdem sich Lia und Rafe endgültig getrennt haben, macht sich die junge Frau nun zusammen mit Kaden auf den Weg zurück in ihre Heimat. Trotz anfänglichem Misstrauen hat er sich zu ihrem engsten Vertrauten entwickelt, der bedingungslos an ihrer Seite steht. Sowohl Dahlbreck, als auch Morrighan müssen vor dem bevorstehenden Krieg und den brutalen Machenschaften des Komizars gewarnt werden.
    Lias Ziel ist es, die Verschwörung und somit auch die Verräter an der Krone aufzudecken und die korrupten Mitglieder im Rat von Morrighan zu stürzen.

    Nachdem das Finale im letzten Band so grandios aufgebaut wurde, spitzt sich die Lage im Königreich Morrighan immer weiter zu. Freude, Liebe, Spannung, Angst und Trauer! Aber auch bitterböse Intrigen und blutige Kämpfe brechen hier Bahn! Viele Personen aus den Vorgängerbänden bekommen in „Der Glanz der Dunkelheit“ ihre große Stunde und ungeahnte Wendungen erschüttern unsere Protagonisten!

    Nach dem Ende der Chronik kann ich auch bestätigen, dass sich die Handlung der ganzen Buchreihe sehr stark auf einen Strang konzentriert und nicht groß in die Ferne abschweift. Gerade bei so vielen Seiten hätte sich die Geschichte viel weiter verzweigen und in die Länge ziehen können. Aber ganz im Gegenteil konzentriert sich Mary E. Pearson hier bewusst auf ihre Linie und besticht mit starken Beschreibungen und detaillierten Kampfszenen, die aber in keinster Weise langatmig oder schwerfällig auf mich gewirkt haben!

    Wie schon in den Vorgängerbänden gefällt mir auch ihr Schreibstil wieder sehr gut. Durch ihre bildgewaltige Art, erzeugt sie wunderbare Szenen und lässt in unseren Köpfen ganze Königreiche entstehen. Auch die häufigen Wechsel zwischen den Erzählperspektiven beleben die Geschichte und regen immer wieder zum Weiterlesen an.

    Rückblickend ist Lias Entwicklung einfach bemerkenswert. Ihr Handeln war zwar gerade zu Beginn der Geschichte nicht immer nachvollziehbar und wirkte eher trotzig, sie verändert sich aber mit jedem Band und wird mit der Zeit glaubhafter und deutlich bestimmter! Sie hat ihre Rolle angenommen und wirkt in dieser sehr authentisch.
    Die Liebesgeschichte, die im ersten Band der Reihe noch viel Platz eingenommen hat, wird im Laufe der Handlung immer mehr zur Nebensache und flackert nur zwischen den einzelnen Szenen kurz auf. Gerade Kaden macht hier einen großen Schritt nach vorne, der sich für mich zu meinem absoluten Liebling gemausert hat!

    „Der Glanz der Dunkelheit“ ist ein absolut gelungenes Ende der Reihe! Und doch bin ich irgendwie traurig, dass die Geschichte nun zu Ende ist!

  • „Die Gabe der Auserwählten“ | Mary E. Pearson

    Titel im Original:  „The Beauty of Darkness I“
    Autor:  Mary E. Pearson
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Barbara Imgrund
    Verlag:  Bastei Lübbe | One Verlag
    Genre:  Fantasy | Jugendbuch
    Chroniken der Verbliebenen, Band 3
    Seitenzahl:  348
    ISBN:  978-3-8466-0052-8

    Lia und Rafe konnten aus Venda fliehen, aber verletzt und durchgefroren haben sie einen ungewissen Weg vor sich. Ihr Ziel ist Dalbreck, Rafes Königreich. Unterwegs hört Lia immer deutlicher, wie die innere Stimme zu ihr spricht. Und sie spürt, dass sie schon viel zu lang weit weg ist von Morrighan, ihrer Heimat. Rafe verspricht ihr eine Zukunft als Königin an seiner Seite. Doch Lia ist innerlich zerrissen zwischen wiederstreitenden Gefühlen. Wie wird sie sich entscheiden?

    Meine Meinung

    Nachdem ich in den letzten Jahren schon etwas aus dem Jugendbuch-Genre hinausgewachsen bin und nur noch wenige Bücher in meinen Regalen behalten habe, bin ich von der „Chronik der Verbliebenen“ wirklich begeistert.

    Bei „Die Gabe der Auserwählten“ wurde ein englisches Original mit knappen 800 Seiten vom deutschen Verlag in zwei Bücher aufgesplittet. Daher merkt man auch an der Handlung ganz klar, dass die Geschehnisse und Wendungen gezielt auf das Finale im letzten Band hinarbeiten sollen!
    Lia und Rafe konnten aus Venda fliehen, doch verletzt und durchgefroren liegt ein ungewisser Weg vor ihnen. Während die Beiden Rafes Heimat, mit jedem Kilometer näher kommen, spürt Lia, dass sie schon viel zu lang von ihrem Zuhause entfernt ist. Alles deutet darauf hin, dass das Land kurz vor einem Krieg steht! Obwohl Rafe ihr eine Zukunft als Königin an seiner Seite verspricht, ahnt Lia, dass sie ihrer Bestimmung folgen muss. Sie möchte als „Erste Tochter“ von Morrighan ihrem Volk zur Seite stehen und für ihr Land kämpfen!

    Zusätzlich zu dem Aufbau des großen Showdowns, nimmt sich Mary E. Pearson in diesem Band sehr viel Zeit für die Charakterentwicklungen. So sehr ich einzelne starke Charaktere zu schätzen weiß, bin ich doch immer begeistert, wenn eine Horde an Protagonisten zu einer geschlossenen Einheit zusammenwachsen und Seite an Seite um ihre Ziele kämpfen. In „Die Gaber der Auserwählten“ entwickeln sie eine starke und einflussreiche Motorik. Dennoch lernt man die einzelnen Figuren besser kennen und auch Personen, die in der bisherigen Erzählung eher am Rand standen, rücken näher ins Zentrum.

    Die Autorin schreibt wie gewohnt bildgewaltig, locker und leicht. So bringt sie einem die fremden Königreiche näher und man findet sehr schnell in die Geschichte zurück …

    Trotz Zwischenband bekommen wir viele Wendungen und spannende Handlungen in diesem Buch erzählt. Nach Venda, lernen wir nun Dahlbreck und dessen Gesinnung etwas besser kennen und so schließt sich auch der Kreis um die drei Königreiche!

  • „Sterne über Rom“ | Karen Swan

    Rezensionsexemplar
    Vielen Dank an den Verlag!

    Titel im Original: „The Rome Affair“
    Autor: Karen Swan
    Aus dem Englischen übersetzt von Gertrud Wittich
    Verlag: Goldmann Verlag
    Genre: Roman
    Seitenzahl:  539
    ISBN: 978-3-442-48778-3

    Die Engländerin Cesca lebt in Rom und betreibt einen erfolgreichen Blog, der eine Hommage an die ewige Stadt und das Dolce Vita ist. Als sie Bekanntschaft mit ihrer Nachbarin macht, der berühmten Viscontessa Elena, sind sich beide sofort sympathisch. Cesca willigt sogar ein, ihre Memoiren zu verfassen. Doc je mehr Zeit sie miteinander verbringen, desto mehr beschleicht Cesca das Gefühl, dass Elena etwas vor ihr verbirgt. Als auf einer Baustelle ein wertvoller Diamantring gefunden wird, der angeblich Elena gehört, stellt Cesca zusammen mit dem attraktiven Archäologen Nico Nachforschungen an – und fördert ein tragisches Geheimnis zu Tage …

    Meine Meinung

    Francesca, kurz Cesca genannt, hat ihren Beruf als Rechtsanwältin in London an den Nagel gehängt und möchte sich in Rom ein neues Leben aufbauen. Dort schreibt sie einen erfolgreichen Blog über die ewige Stadt und arbeitet nebenbei als Fremdenführerin. Ihr ganzer Stolz ist die kleine Wohnung auf der Piazza Angelica, unmittelbar neben dem prachtvollen Palazzo der Familie Damiani.
    Durch Zufall lernt sie die Bewohnerin, die Viscontessa Elena Damiani kennen. Diese macht ihr das verlockende Angebot, für sie zu arbeiten: Cesca soll ihre Memoiren verfassen.
    Schon bald muss sie jedoch feststellen, dass es die Viscontessa nicht immer ganz so ehrlich mit ihrer Vergangenheit nimmt …
    Als nach einem Erdbeben auch noch eine Sinkhöhle im Garten des Palazzo entsteht, in der der Speläologe Nico einige unglaublich wertvolle Funde macht, sucht Cesca verbissen nach der Wahrheit!

    Karen Swan erzählt uns die Geschichte der beiden Frauen in abwechselnden Kapiteln auf zwei Zeitebenen. Wir begleiten sie in der Gegenwart vom Juli bis zum Oktober 2017, erfahren im zweiten Handlungsstrang aber auch von Elenas bewegter Lebensgeschichte zwischen den 60er und 90er Jahren.
    Die Kapitel sind recht kurz gehalten, was beim Lesen zwar für Abwechslung sorgt, lässt aber leider nur wenig Spannung in den einzelnen Handlungssträngen entstehen. Das macht die Geschichte an manchen Stellen leider doch etwas langatmig! Für mich war Elenas Vergangenheit deutlich fesselnder. Cescas Geschichte konnte mich erst mit Nicos auftauen so richtig mitreißen. Auch wenn sich die beiden anfangs gar nicht ausstehen konnten, sprühen doch schon bald die Funken.
    Zusätzlich überrascht der Roman mit einer intensiven Kriminalgeschichte, rund um Tod, Geld und Macht!

    In diesem Buch wird Rom wunderbar dargestellt! Die Autorin transportiert die vielen schönen Orte und Sehenswürdigkeiten, das Dolce Vita und das Leben der Menschen dort zielsicher an ihre Leser. Ich konnte regelrecht die Geräuschkulisse hören und die Sonne in meinem Gesicht spüren. Karen Swan konnte auch das besondere Flair dieser tollen Stadt in ihrer Erzählweise auffangen.
    Der Palazzo und die Piazza, also die Orte, an denen „Sterne über Rom“ hauptsächlich spielt, sind laut Nachwort der Autorin zwar fiktiv aber die weitere Umgebung hat sie selbst vor Ort recherchiert und dementsprechend schön beschrieben.

    „Sterne über Rom“ ist eine Hommage an das Temperament der Italiener, an die wahre Liebe und an eine tolle Stadt!

  • „Das Herz des Verräters“ | Mary E. Pearson

    Titel im Original: „The Heart of Betrayal“
    Autor: Mary E. Pearson
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Barbara Imgrund
    Verlag: Bastei Lübbe | One Verlag
    Genre: Fantasy | Jugendbuch
    Chroniken der Verbliebenen, Band 2
    Seitenzahl: 527
    ISBN: 978-3-8466-0042-9

    Du bist stark, stärker als dein Schmerz. Stärker als dein Kummer, stärker als sie alle. Lia trägt die Gabe der Vorsehung in sich. Das was kann sie damit ausrichten – gefangen hinter den Mauern von Venda?

    Seit Lia in den feindlichen Palast verschleppt wurde, muss sie um ihr Leben fürchten. Rafe ist zwar an ihrer Seite, aber ihrer kann auch er sie nicht mehr beschützen. Der Komizar von Venda will Lias Tod – und erst als Kaden in verrät, dass Lia die Gabe der Vorsehung besitzt, steigert das in den Augen ihres Feindes Lias Wert. Sie gewinnt Zeit – doch was sagt ihr der Blick in die Zukunft? Lia muss wichtige Entscheidungen treffen – und einen Weg finden, um endlich ihrem Gefängnis zu entfliehen …

    Meine Meinung

    Da mich ja schon „Der Kuss der Lüge“ von Mary E. Pearson vor einigen Wochen sehr begeistern konnte, musste ich im April auf jeden Fall mit der Chronik der Verbliebenen weitermachen.

    Gerade finde ich es ein bisschen schwierig näher auf den Inhalt des Buches einzugehen, ohne hier ungewollt zu viel zu erzählen. Ich kann euch aber verraten, dass ich wirklich gut unterhalten wurde!
    Nach ihrer Entführung werden Lia und Rafe nun in Venda gefangen gehalten. Die Prinzessin gilt als die wichtigste Beute des Komizars und soll ihm einige verschlossene Türen in seiner Regierung, aber auch im bevorstehenden Krieg öffnen. In der Hoffnung, Rafe zu schützen, spielt sie das gefährliche Spiel mit! Gleichzeitig warten die Beiden natürlich auf die erstbeste Gelegenheit zur Flucht! Doch der Komizar hat ihre Pläne längst durchschaut!

    Während im ersten Band noch überwiegend die Liebesgeschichte im Vordergrund steht, lernen wir in diesem Buch das düstere und trostlose Königreich Venda und dessen sagenumwogene Vergangenheit besser kennen!

    Auch in „Das Herz des Verräters“ ist Mary E. Pearsons Schreibstil wieder leicht und flüssig. Sie schreibt sehr detailliert, bildlich und actionreich, sodass ich wieder gut in die Welt zurückfinden konnte.
    Da das Buch wieder aus diversen Ich-Perspektiven erzählt wird, bekommen wir die unterschiedlichsten Einblicke in das Geschehen. Auch die Gedanken der einzelnen Protagonisten drehen die Spannung nochmal ordentlich hoch.
    Neben Venda, erfahren wir auch neue Einzelheiten über Pauline, die für Lia eine Rettungsaktion plant.

    War ich noch im ersten Band etwas distanzierter bzw. vermutlich auch ein bisschen überfordert mit einigen Charakteren, gingen sie mir im zweiten Band schon viel näher. Sowohl die Guten, als auch die weniger Freundlichen! Die Autorin zeigt hier viel Liebe zum Detail: Jeder Charakter bekommt seine eigene Tiefe, die nicht selten auf einen Abgrund zusteuern. Gerade Lia lernt ihre Gabe immer besser zu beherrschen und entwickelt sich rasant weiter.

    Nur was ihre Männergeschichten angeht, hatte ich doch das Gefühl, das sie sich noch nicht so ganz zwischen Rafe und Kaden entscheiden möchte …

  • „Willkommen im Fairvale Ladies Buchclub“ | Sophie Green

    Rezensionsexemplar
    Vielen Dank an den Verlag!

    Titel im Original:
    „The Inaugural Meeting of the Fairvale Ladies Bookclub“
    Autor: Sophie Green
    Aus dem Englischen übersetzt von Claudia Franz
    Verlag: Goldmann Verlag
    Genre: Roman
    Seitenzahl:  506
    ISBN: 978-3-442-48784-4

    Australiens Northern Territory verlangt seinen Bewohnern viel ab. Doch fünf Frauen finden einen Weg, dem harten Alltag und der Einsamkeit zu trotzen: Sibyl, die mit ihrem Mann die Farm „Fairvale Station“ leitet, ruft einen Buchclub ins Leben, dem sich vier Frauen anschließen. Sibyls Schwiegertochter Kate, ihre Freundin Rita, die abenteuerlustige Della und die dreifache Mutter Sallyanne. Jede der Frauen bringt ihre Träume und Sorgen zu den Treffen mit, und im Laufe der Jahr werden sie zu besten Freundinnen, die Schicksalsschläge, Liebeswirren und Neuanfänge zusammen meistern.

    Meine Meinung

    „Willkommen im Fairvale Ladies Buchclub“ ist der erste Roman von Sophie Green, der ins Deutsche übersetzt wurde. Er handelt von fünf ganz unterschiedlichen Frauen, die sich aufgrund ihres einsamen Lebens, das sie überwiegend den weiten Distanzen des australischen Outbacks, aber auch ihren eigenen Lebensbegebenheiten schulden, durch einen Buchclub kennenlernen.

    Sybil Baxter ist die Hausherrin der Fairvale Station, eine Farm für Rinder und Pferde, die von ihrem Ehemann Joe und dem jüngsten Sohn Ben bewirtschaftet wird. Bens Ehefrau Kate ist erst kürzlich von England auf die Farm gezogen und muss sich noch mit den rauen Begebenheiten und vor allem dem isolierten Leben im Northern Territory zurecht finden. Um ihr die Eingewöhnung etwas zu erleichtern, gründet Sybil einen Buchclub, mit den Hintergedanken neue Freundinnen zu finden …
    Natürlich ist auch Rita, Sybils beste Freundin, mit von der Partie. Sie sehen sich zwar nur selten, pflegen ihre Freundschaft aber seit vielen Jahren. Sallyanne wohnt Zeit ihres Lebens in Katherine, ist mit dem alkoholkranken Mick verheiratet und Mutter von drei Kinder. Obwohl sie in der Stadt lebt, ist auch sie allein und gefühlt nur für ihre Kinder da. Della soll die fünfte im Bunde werden. Sie arbeitet als Viehtreiberin auf der benachbarten Ranch und fühlt sich als einzige Frau unter vielen Männern oft überfordert.
    Die Frauen treffen sich in regelmäßigen Abständen und tauschen sich bei einer guten Tasse Tee nicht nur über Bücher aus. Sie entwickeln ein enges freundschaftliches Band und schließen sich zu einer starken Gemeinschaft zusammen. Das Besprechen der Bücher wird schnell zur Nebensache, vielmehr findet ein Austausch über die Sorgen und Nöte jeder einzelnen und vor allem eine ganz selbstverständliche gegenseitige Unterstützung statt.

    Sophie Green zeigt uns, wie wichtig eine verlässliche Gemeinschaft ist. Nicht nur in den Weiten des australischen Outbacks! Es gibt immer wieder Probleme im Leben, aber nicht immer muss man diese allein bewältigen. Unsere Protagonistinnen erleben viele Schicksalsschläge, lassen sich davon aber nicht unterkriegen. Sie stürzen sich in die Arbeit oder gehen andere Wege und finden immer wieder Halt in ihrer Freundschaft.

    Die Handlung ist abwechslungsreich, aber nicht sehr aufregend, dennoch wurde die Geschichte für mich nie langweilig. Ich bin den Geschehnissen gerne gefolgt und konnte mein Herz sehr schnell an die Frauen verschenken. Die Schicksale wurden uns glaubwürdig und gefühlvoll, aber vor allem auch schlüssig von der Autorin näher gebracht. Und natürlich konnte ich auch ihre Liebe zu den Büchern sehr gut nachvollziehen!

    Nebenbei bekommen wir auch einen guten Einblick in das Leben der Australier zum Ende der 1970er Jahre. Man erlebt die Isolation der einzelnen Farmen, die Abhängigkeit vom Wetter und den Jahreszeiten und die Widrigkeiten aufgrund der großen Distanzen. Wie man damals Notsituationen im Alltag bewältigen musste, aber auch wie lange Regenperioden vorzuplanen sind!

    „Willkommen im Fairvale Ladies Buchclub“ war für mich wie ein kleiner Urlaub in Down Under!