• „Die schwarze Frau“ | Simone St. James

    Rezensionsexemplar
    Vielen Dank an den Verlag!

    Titel im Original:  „The broken Girls“
    Autor:  Simone St. James
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Anne Fröhlich
    Verlag:  Goldman Verlag
    Genre:  Horror
    Seitenzahl:  443
    ISBN:  978-3-442-48822-3

    Vermont 1950. In dem abgeschiedenen Mädcheninternat  Idlewild Hall erzählen sich die Schülerinnen Schauergeschichten von der „schwarzen Mary“. Doch als eines Nachts eine von ihnen unter mysteriösen Umständen ums Leben kommt, wird der Schrecken sehr real.

    2014 ist das Internat eine Ruine, aber die Journalistin Fiona Sheridan kann nicht von Idlewild Hall lassen: Hier wurde vor 20 Jahren ihre Schwester ermordet. Als man bei Renovierungsarbeiten eine weitere Mädchenleiche findet, beginnt Fiona zu recherchieren und rührt dabei an einem dunklen Geheimnis.

    Meine Meinung

    Die kanadische Autorin Simone St. James erzählt uns in ihrem Buch „Die schwarze Frau“ die Geschichte von vier jungen Mädchen, die das obskure Internat „Idlewild Hall“ besuchen. In dem es definitiv nicht mit rechten Dingen zugeht!

    Die Journalistin Fiona Sheridan kommt nicht über den Tod ihrer geliebten Schwester hinweg. Immer wieder zieht es sie zum Fundort der Leiche – einem verfallenen Mädcheninternat – zurück. Viele Legenden kursieren um das düstere Gebäude und auch Fiona bleibt nicht von der Erscheinung einer schwarzgekleideten verschleierten Frau verschont.
    Während die alten Gemäuer von einer geheimnisvollen Investorin saniert werden, finden Arbeiter eine weitere Leiche:  die einer jungen Französin, die 1947 als Kriegsflüchtling nach Amerika ausreisen konnte. Genau dieser Fall lässt Fiona weiter über die Geschichte des Internats nachforschen, bis sie düsteren Geheimnissen auf die Spur kommt … und auch die Hintergründe zum Tod ihrer eigenen Schwester rücken näher!

    Simone St. James hat einen tollen flüssigen und für mich absolut fesselndem Schreibstil. Die Geschichte konnte mich mit ihrer düsteren Atmosphäre und dem subtilen Horror von der ersten Seite weg einfangen. Sie bringt die Emotionen der Charaktere glaubhaft zum Ausdruck und ich konnte hier immer wieder miträtseln, mitfiebern und mich auch sehr oft gruseln. Stück für Stück werden Geheimnisse aufgedeckt und man bekommt als Leser sehr viel Spielraum, sich eigene Gedanken über die Vergangenheit der Mädchen zu machen.

    Der Roman transportiert unglaublich viel nostalgische Melancholie. Die Geschichte führt uns immer wieder zurück in die 50er Jahre, als es in der Gesellschaft noch Gang und Gebe war, sich von „unliebsamen“ Familienmitgliedern zu befreien. Allein um den guten Ruf der Familie zu wahren! Dabei ist es gar nicht wichtig, was sie „verbrochen“ haben, es reicht schon, wenn sie für die Öffentlichkeit zu weit in die Aufmerksamkeit rücken …

    Erst Nach und Nach enthüllt „Idlewild Hall“ sein Geheimnis! Das Zusammenspiel der Charaktere und das Ende, das letztendlich Alle miteinander vereint ist großartig! Die Protagonisten verraten dem Leser nie so viel, dass man sofort auf die Lösung schließen kann …

  • „Das Buch der Spiegel“ | Eugene O. Chirovici

    Titel im Original: „The Book of Mirrors“
    Autor: Eugene O. Chirovici
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von S. Morawetz & W. Schmitz
    Verlag: Goldmann Verlag
    Genre: Kriminalroman
    Seitenzahl:  375
    ISBN: 978-3-442-31449-2

    Die Wahrheit ist die Lüge des Anderen!

    Als der Literaturagent Peter Katz ein Manuskript des Autors Richard Flynn erhält, ist er sofort fasziniert. Flynn schreibt über die Ermordung des berühmten Professors Joseph Wieder und Princeton vor einem Vierteljahrhundert. Der Fall wurde nie aufgeklärt und Katz vermutet, dass der mittlerweile unheilbar kranke Flynn den Mord gestehen oder den Täter enthüllen wird. Doch Flynns Text endet abrupt …

    Meine Meinung

    Stell dir vor, du liest ein Manuskript, das einen Mord beschreibt. Doch es ist kein gewöhnlicher Krimi, denn das Opfer hat es wirklich gegeben und der Mord ist tatsächlich in den 80er Jahren passiert. Die Polizei konnte den Täter nie überführen!

    Dem Literaturagenten Peter Katz wurde ein Manuskript zugesandt. Darin schreibt Richard Flynn über die Ermordung Professor Joseph Wieders, einer herausragenden Gestalt in der Geschichte der amerikanischen Psychologie. Die Erzählung spielt 1987 an der Universität Princeton und bricht leider unmittelbar nach der Ermordung ab. Von einem zweitem Teil fehlt jede Spur …
    Dennoch:  Peter Katz ist Feuer und Flamme. Da der Autor vor einigen Wochen an einem Krebsleben verstorben ist, bittet er kurzerhand  seinen Freund John Keller, seine journalistischen Netzwerke nach Kontakten von damals Beteiligten, Informanten oder Ermittlungsergebnissen zu durchforsten. Doch was John zutage fördert, hat mit der Geschichte Richards zwar oberflächlich zu tun, gleicht aber eher einem Zerrspiegel dessen, was Richard geschrieben hatte. Doch aller guten Dinge sind bekanntlich Drei und so kommt der pensionierte Polizist Roy Freeman ins Spiel, der damals mit der Ermittlung betreut wurde. Roy soll das Rätsel im Spiegelkabinett schließlich entwirren, denn nichts ist so, wie es zu Beginn erscheint.

    In „Das Buch der Spiegel“ bekommen wir es mit einem sehr kniffligen Kriminalfall zu tun, der auf den ersten Blick und in seinen Motiven sehr eindeutig wirkt. Bei genauerem Hinsehen ist der Roman jedoch psychologisch sehr hintergründig und facettenreich. Alles und Nichts kann wahr sein, da nach der langen Zeit vieles nicht mehr bewiesen werden kann.

    Die eigentliche Ermittlungsarbeit war für mich gar nicht so spannend. Was „Das Buch der Spiegel“ so besonders macht, ist der Umgang mit der Wahrheit und wie unterschiedlich Tatsachen wahrgenommen werden! Wie diese durch Zeit und Erinnerungen manipuliert werden können, bis es so viele Versionen von ihr gibt, dass es fast unmöglich wird, zum Ursprung zurückzukehren. Diese Manipulation geschieht oftmals unbewusst und ist ein Mechanismus des menschlichen Verstandes um sich zu schützen. Beim Lesen fragt man sich dennoch, welche Wahrheit nun wirklich die Richtige ist … und welcher der Erzähler unbewusst durch eine rosarote Brille beeinflusst wird?!

    Eugene O. Chirovici schreibt sehr ruhig und klar, mit vielen Hintergedanken und großem Sprachschatz. Er bringt mit Tempo die Geschichte voran und fügt immer wieder ein neues verwirrendes Mysterium hinzu und fördert so das Unglück, das wohl alle befällt, der manipulativen Kraft Joseph Wieders zu tun hatten. Selbst die Ermittler in der Gegenwart sind noch von seinem Einfluss betroffen.
    Zusätzlich hat mich das Wechseln der Erzählperspektiven besonders mitgerissen. Der Autor gestaltet seine Erzähler sehr unterschiedlich und interessant.

    Ein unterhaltsamer und spannender Roman, der das interessante Thema „Wie funktioniert unser Gedächtnis“ mit Krimi-Elementen verbindet und dem Leser klar macht, dass nicht alles, was als Lüge daher kommt, auch wirklich eine Lüge sein muss.

  • „Der Distelfink“ | Donna Tartt

    Titel im Original: „The Goldfinch“
    Autor: Donna Tartt
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von R. Schmidt und K. Lutze
    Verlag: Goldmann Verlag
    Genre: Roman
    Gewinner Pulizer-Preis 2014
    Seitenzahl:
     1.022
    ISBN: 978-3-442-31239-9

    Es passiert, als Theo Decker 13 Jahre alt ist. An dem Tag, an dem er mit seiner Mutter ein New Yorker Museum besucht, verändert ein schreckliches Unglück sein Leben für immer. Er verliert sie unter tragischen Umständen und bleibt allein und auf sich gestellt zurück, denn sein Vater hat ihn schon längst im Stich gelassen. Theo versinkt in tiefer Trauer, die ihn lange nicht mehr loslässt. Auch das Gemälde, das seit dem fatalen Ereignis verbotenerweise in seinem Besitz ist und ihn an seine Mutter erinnert, kann ihm keinen Trost spenden. Ganz im Gegenteil: Mit jedem Jahr, das vergeht, kommt er immer weiter von seinem Weg ab und droht, in kriminelle Kreise abzurutschen …

    Meine Meinung

    „Der Distelfink“ von Donna Tartt ist eine tolle Charakterstudie über das Leben eines 13-jährigen Jungen, dessen Entwicklung wir in den folgenden 15 Jahren begleiten. Hier wird die ganze Bandbreite menschlicher Gefühle und sozialer Begierden ausgelotet.

    Theo Decker ist 13 Jahre alt, als er seine Mutter auf tragische Weise verliert. Die Beiden waren gerade im Metropolitan Museum of Arts als eine gewaltige Explosion hunderte Menschen in den Tod reißt. Theo gehört zu den wenigen Überlebenden! Auf der Suche nach einem Ausweg aus dem zerstörten Museum nimmt er geistesabwesend das Gemälde „Der Distelfink“ von Carel Fabritius an sich, von dem seine Mutter, die jetzt irgendwo unter Schutt und Asche liegt, zuletzt so geschwärmt hat. Dieses kleine aber sehr wertvolle Gemälde ist von da an Theos heiligster Besitz und seine einzige Erinnerung an ein schönes Leben. Theo gerät zunehmend auf die schiefe Bahn: Nach dem Umzug nach Las Vegas zu seinem alkohol- und spielsüchtigen Vater findet er Halt in einer fragwürdigen Freundschaft zu einem wilden russischen Jugendlichen, der Theo in die Abgründe von Drogen und Kriminalität zieht.

    Ursprünglich hatte Donna Tartt gar nicht beabsichtigt, ihren Roman in der Kunstwelt anzusiedeln, erst die Zerstörung der Buddhastatuen in Bamiyan im Jahre 2001 gaben ihr den Anstoß dazu. Wenn auch außergewöhnlich, finde ich das Umfeld dennoch perfekt gewählt um den Spannungsbogen aufzuzeigen, in dem Theo sich bewegt. Der Umgang mit den Kunstwerken und auch das Restaurieren und Handeln von alten Möbeln machen eine sehr spezielle und schöne Stimmung. Zudem hat die Autorin einen sehr ausschweifenden und blumigen Schreibstil, der vor Details nur so trotzt. Dadurch kommt es zwar an manchen Stellen zu Längen, die für den Leser aber sehr gut zu überstehen sind.

    In dieser Geschichte gibt es sehr viele sympathische Protagonisten, die mir lange Zeit im Kopf geblieben sind, aber ehrlich gesagt gehört unsere Hauptfigur Theo Decker nicht dazu. Vermutlich mag das zum Einen an dem sehr verharmlosten Umgang mit dem Thema Drogen liegen, den ich so gar nicht nachvollziehen konnte. Zum Anderen aber auch am dargestelltem Charakter des jungen Mannes. Würde dieser persönlich vor mir stehen, ich würde ihn eher als aufgesetzt bzw. unecht und fahrig empfinden. Für mich war das jedoch kein Grund, das Buch deswegen schlechter zu beurteilen.
    Wer mir sehr zu Herzen gegangen ist, ist die Figur des James Hobart, der den 18-jährigen Theo nach seiner Rückkehr von Las Vegas nach New York bei sich aufnimmt und zu seinem Lehrherren und Ziehvater wird. Ein Gentleman wie er im Buche steht mit vielen liebevollen Zügen und Eigenheiten. So stell ich mir einen Großvater vor! Ein wahnsinnig toller Mann!

    Auch mit diesem Buch konnte mich Donna Tartt wieder von ihrem Können überzeugen. „Der Distelfink“ ist ein würdiger Vertreter der modernen Literatur und wurde nicht umsonst 2014 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet.

  • „Die Spiegelstadt“ | Justin Cronin

    Titel im Original: „City of Mirrors“
    Autor: Justin Cronin
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Rainer Schmidt
    Verlag: Goldmann Verlag
    Genre: Postapokalypse
    Passage-Trilogie, Band 3
    Seitenzahl: 987
    ISBN: 978-3-442-31180-4

    Die Zwölf – Wesen der Dunkelheit, Todfeinde der Menschen – sind vernichtet. Nach und nach wagen sich die Überlebenden aus ihrer eng ummauerten Zuflucht. Auf den Trümmern der Zivilisation wollen sie eine neue, eine bessere Gesellschaft aufbauen: der älteste Traum der Menschheit.
    Doch in einer fernen, verlassenen Stadt lauert der Eine: Zero. Der Erste. Der Vater der Zwölf, der den Ursprung des Virus in sich trägt. Einst ein hochbegabter Wissenschaftler, der, seit er seine große Liebe verlor, nur noch von Rachedurst und Wurt erfüllt ist. Er will die Menschheit endgültig auslöschen. Und seine Truppen stehen bereit!

    Meine Meinung

    Nachdem mich „Die Zwölf“ so mitgerissen hat und ich unbedingt wissen wollte, was aus Amy und ihren Gefährten wurde, musste ich ganz schnell weiterlesen. „Die Spiegelstadt“ macht als Finale der Trilogie alles richtig. Der Autor spielt hier noch einmal alle Trümpfe aus, die für mich schon „Der Übergang“ so einzigartig gemacht haben.

    Die Zwölf waren einst Schwerstkriminelle, die durch ein schiefgelaufenes Experiment zu unsterblichen Wesen und Todfeinden wurden. Nun, 20 Jahre nach dessen Vernichtung, trauen sich die Überlebenden endlich wieder aufzuatmen und beginnen ein neues Leben in Freiheit. Sie fassen neuen Mut und wollen die in Trümmern liegende Welt wieder aufbauen. Doch nur wenige ahnen, dass es noch nicht vorbei ist. In einer fernen, längst verlassenen Metropole hält sich Zero versteckt.

    Zum Einen wird die Geschichte von den Zwölf und den letzten Überlebenden in Amerika fortgesetzt. Zum Anderen erfahren wir wie die Geschichte 1000 Jahre nach dem Virus, in der die Menschen versuchen, dem tatsächlichen Ursprung und dem Verlauf der Pandemie auf die Spur zu kommen.
    Als dritten Strang haben wir aber auch die Lebensgeschichte von Dr. Tim Fanning, der als „Zero“ die treibende Kraft der Zwölf war.

    Auch „Die Spiegelstadt“ besticht wieder durch seine melancholische und nostalgische Grundstimmung, die großartige Interaktion der Charaktere und vollendet eine über tausend Jahre umspannende, epische Geschichte über die Liebe. Gerade in diesem Buch wird dem Leser sehr bewusst, dass der Autor selbst seine behutsam eingeführten Nebencharaktere nie ganz vergessen oder aus den Augen verloren hat.
    Auch der Schreibstil ist wieder beeindruckend. Zwischendurch wird Justin Cronin leicht poetisch, dann wieder sehr detailreich, dann wieder schnell, dramatisch und packend. Eine sehr gute Mischung.

    Die Passage-Trilogie ist eine Reihe für anspruchsvolle Leser, die lebende und atmende Geschichte erfahren wollen!

  • „Die Zwölf“ | Justin Cronin

    Titel im Original: „The Twelve“
    Autor: Justin Cronin
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Rainer Schmidt
    Verlag: Goldmann Verlag
    Genre: Postapokalypse
    Passage-Trilogie, Band 2
    Seitenzahl: 822
    ISBN: 978-3-442-31179-8

    Zu Anfang waren es zwölf Kriminelle, die auf die Todesstrafe warteten. Doch dann werden sie für ein geheimes Experiment auserwählt. Es sollte den Fortschritt bringen, aus ihnen sollten mehr als nur Menschen werden. Doch es schlug fehl. Jetzt sind es diese Zwölf, die das Leben auf der Erde bedrohen und das Ende der Menschheit bedeuten könnten. Und die letzte Hoffnung ruht auf einem Mädchen. Amy ist die Einzig, die sich der Macht der Zwölf entgegenstellen kann. Aber der Gegner ist stark, und ihre Kraft scheint mehr und mehr zu schwinden

    Meine Meinung

    Auch beim wiederholten Leser konnte mich Justin Cronin mit „Der Übergang“ wieder total mitreißen und ich musste sofort den zweiten Teil zur Hand nehmen. Wer aber bei „Die Zwölf“ ein Buch erwartet, dass die Geschichte einfach nahtlos weiterführt, wird sich hier wirklich wundern. Dieses Buch hebt die Trilogie nochmal auf ein neues Level!

    Anstatt unseren Protagonisten auf ihrer Jagt auf die zwölf Urväter der Epidemie zu folgen, springt die Geschichte zu Beginn für eine sehr lange Zeit wieder an den Anfang zurück und erklärt dem Leser, was zwischen dem Ausbruch der Infektion und den ersten 100 Jahren geschehen ist. Was macht eine Bevölkerung, in der plötzlich alle Maßstäbe von Richtig und Falsch zusammenbrechen? Und warum konnten einige Wenige überleben?
    Erst in der zweiten Hälfte des Romans befinden wir uns 5 Jahre nach den Hauptgeschehnissen des ersten Bandes und erfahren, wie die Geschichte unserer Protagonisten weitergeht. Die Stränge fügen sich zu einer klaren Linie zusammen. Viele schreckliche Details die im ersten Band noch übersprungen wurde und für den Leser unklar blieben, werden hier aufgelöst und man muss sich der konkreten Vernichtung und dem Wahnsinn der Menschheit stellen.

    Justin Cronin schafft es in seiner bewährten Art immer wieder eine grandiose Spannung aufzubauen. Der Schreibstil ist leicht verständlich und durch die tolle Charakterzeichnung merken wir schnell eine Weiterentwicklung unserer Protagonisten, die zwar nicht immer positiv ist, aber sehr ans Herz geht.
    Schon der Prolog, in dem ein weit in der Zukunft spielendes Werk biblischen Charakters zitiert wird, macht durch seine Anspielungen neugierig auf das, was uns in diesem Buch erwartet und gibt im Endeffekt auch Hoffnung auf ein heilbringendes Ende der Trilogie.

    Auch in die „Die Zwölf“ wird die Gewalt nicht immer direkt ausgesprochen, aber sie kommt greifbar näher. Alles, das uns bisher noch im Hinterkopf herumgegeistert ist, aber von Justin Cronin nicht konkret formuliert wurde, erscheint uns nun schon direkter vor Augen. Schon alleine deshalb ist dieses Buch eine ganze Stufe stärker und eindrücklicher.
    Eine Botschaft geht ganz klar vorraus: Die Bestien sind nicht nur Diejenigen, die sich in Virals verwandeln. Menschen müssen auch in lebensbedrohlichen Situationen nicht unweigerlich auf der gleichen Seite stehen.

    Ich konnte sehr oft Ähnlichkeiten aus Systemen des 2. Weltkrieges finden, die mir ein beklemmendes Gefühl in der Brust beschert haben.

    Einige Protagonisten entwickeln sich in Richtungen, die lange Zeit völlig unvorhersehbar im Raum mitschwingen und den Leser total schockiert zurücklassen.

  • „Der Übergang“ | Justin Cronin

    Titel im Original: „The Passage“
    Autor: Justin Cronin
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Rainer Schmidt
    Verlag: Goldmann Verlag
    Genre: Postapokalypse
    Passage-Trilogie, Band 1
    Seitenzahl:  1.020
    ISBN: 978-3-442-31170-5

    Bevor sie das „Mädchen von Nirgendwo“ wurde – Das Mädchen, das plötzlich auftauchte, die Erste und Letzte und Einzige, die tausend Jahre lebte -, war sie nur ein kleines Mädchen aus Iowa und hieß Amy. Amy Harper Bellafonte.

    Das Mädchen Amy ist gerade einmal 6 Jahre alt, als es von zwei FBI-Agenten entführt und auf ein geheimes medizinisches Versuchsgelände verschleppt wird. Man hat lange nach Amy gesucht: der optimalen Versuchsperson für ein mysteriöses Experiment, das nichts Geringeres zum Ziel hat, als Menschen unsterblich zu machen. Doch dann geht irgendetwas schief – völlig schief. Von einem Tag auf den Anderen rast die Welt dem Untergang entgegen. Und nur eine kann die Menschheit vielleicht noch retten:  Amy Harper Bellafonte!

    Meine Meinung

    Wie ihr vielleicht schon bemerkt habe, lese ich nur sehr selten Bücher, die in eine fantastische Richtung gehen, aber bei der Passage-Trilogie mache ich definitiv gerne eine Ausnahme. Diese Bücher sind anders als alles, das ich zuvor aus diesem Genre gelesen habe!
    Abgesehen von einer sich langsam, aber beständig aufbauenden Spannung, besticht „Der Übergang“ durch seine Sprache, die sehr einfühlsam eine postapokalyptische Welt beschreibt, in der sich die letzten Menschen ein neues Leben zwischen all den Gefahren aufgebaut haben.

    Da der Klappentext bereits sehr viel vorwegnimmt, möchte ich den weiteren Inhalt gar nicht zusammenfassen. Das Buch wird in zwei Teilgeschichten aufgearbeitet: Der Erste berichtet wie es zu der Verbreitung des Virus kam und wie die Verursacher und Beteiligten darauf reagieren. Wogegen der zweite Teil eine Gesellschaft präsentiert, in der man sich mit dem Kampf gegen die Virals bereits einigermaßen arrangiert hat, nachdem die Menschheit so gut wie ausgelöscht wurde.

    Ja, es handelt sich um einen Roman, in dem vampirähnliche Kreaturen vorkommen. Dennoch würde ich dieses Buch niemals als Vampirroman einstufen. In Wirklichkeit geht es darum, wie Menschen mit einer globalen Katastrophe umgehen, wie sie während und nach dieser Katastrophe agieren und reagieren. Die Gesellschaft muss neu entwickelt werden, mit neuen Gesetzen und neuen Strukturen. Und gleichzeitig muss das Böse bekämpft werden.

    Justin Cronin schildert die Umstände und Lebensweisen dieser neuen Gesellschaft mit ihren Charakteren so gekonnt, dass man sich direkt hineinversetzt fühlt. Man bangt, leidet und fiebert mit den Bewohnern der Kolonie mit und ist immer wieder fasziniert, wie schnell die Anarchie in einer solchen, selbst gebildeten Gesellschaft ausbrechen kann. Dies wird dem Leser subtil und klar rübergebracht.

    Besonders gefiel mir die detaillierte Charakterzeichnung, für die sich Justin Cronin sehr viel Zeit nimmt. Die Figuren werden dem Leser wunderbar nahe gebracht. Die Vampire spielen dabei nur eine nebensächliche Rolle und sind Mittel zum Zweck. Der Autor scheut sich auch nicht davor, einen liebgewonnen Protagonisten sterben zu lassen.

    Bitte lasst euch nicht vor der hohen Seitenzahl abschrecken, ihr bekommt einen gelungenen und fesselnden Roman mit riesigem Suchtpotential!

  • „Liebe und andere Zufälle“ | Jennifer Crusie

    Titel im Original:  „Bet me“
    Autor:  Jennifer Crusie
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Eva Kornbichler
    Verlag:  Goldmann Verlag
    Genre:  Liebesgeschichte  |  Roman
    Seitenzahl:  446
    ISBN:  978-3-442-46716-7

    Die selbstbewusste 33jährige Min Dobbs traut ihren Ohren nicht: Der Zufall will es, dass sie mit anhören muss, wie um sie gewettet wird. Calvin Morrissay, der Schwarm aller Frauen, soll ausgerechnet sie – mit ihrer unübersehbaren Vorliebe für gutes Essen und deutlichen Abneigung gegen zu viel männlichen Charme – innerhalb eines Monats verführen. Zuerst ist Min empört, aber dann plant sie, Calvin mit seinen eigenen Waffen zuschlagen. Doc das Schicksal hält für beide eine große Überraschung bereit …

    Meine Meinung

    „Liebe und andere Zufälle“ habe ich vor gefühlten 100 Jahren von einer Schulfreundin geschenkt bekommen und meine derzeitige Ausgabe, ist mittlerweile schon meine 5te, weil ich es immer wieder in regelmäßigen Abständen schaffe dieses Buch zu Tode zu lesen …
    Für mich ist es dieses eine Buch, das mich gleichzeitig zum Lachen und zum Weinen bringt, dass ich im Jahr mindestens 3 mal lese und dass mir niemals langweilig werden wird!
     „Liebe und andere Zufälle“ von Jennifer Crusie ist mein persönliches „Gute Laune“-Buch!

    Jennifer Crusie hat einen tollen Schreibstil. Sehr atmosphärisch, fröhlich und bildlich, und dennoch mitreißend und spannend. Die Autorin verbreitet einen Wortwitz, der den Leser zum Lachen bringt und hat eine sehr subtile Art und Weise, die Szenen für den Leser bis in die Tiefe aufzubauen! Einfach Toll!!

    Die Charaktere sind gut ausgearbeitet und passen perfekt zueinander. Ich glaube, ich kenne keine Frau, die sich nicht in irgendeiner Art und Weise mit Min Dobbs identifizieren kann. Sie ist klug und hübsch, hat aber so wie wir alle ihre Zweifel und Unsicherheiten. Dennoch ist sie frech, aktiv und lässt ihrem Gegenüber nicht viel Atem um sich gegen sie zu währen. Was Calvin angeht: Jede Frau braucht in ihrem Leben einen Calvin Morrissay! Er ist ein offener und witziger Typ, ein kleiner Sunnyboy, dem man es aber glaubhaft abnimmt, wenn er Gefühle zeigt und der auch seine Probleme mit sich mitschleppt! Ich liebe ihn!

    Die Beiden sind mit den dazupassenden besten Freunden jeweils ein 3er-Gespann, die super miteinander harmonieren und untereinander agieren. Beim Lesen möchte ich immer wieder ein Teil dieser Gemeinsacht werden. Aber auch die Familien und Ex-Partner bekommen hier ihren Raum:  Manche liebt man, manche feiert man, manchen würde man einfach nur gern an die Gurgel gehen … und einer ganz speziellen Person würde man am liebsten weh tun, weil sie einen so aufregt …
    Hast du das Buch gelesen? Wen könnte ich da wohl meinen?

    Ein weiterer Pluspunkt:
    Ich liebe es, wie Jennifer Crusie mit dem Thema Essen umgeht. Ich bin ja der totale Genussmensch … und bei dem Buch bekommt man auf gefühlt jeder zweiten Seite Hunger! Sie schafft es ein Mittagessen zwischen unseren Protagonisten so toll zu beschreiben, das der Leser einfach hin und weg ist. Und das macht nicht nur der äußerst charmante Restaurantbesitzer! 😉

    Kann mir jemand von euch verraten, wo ich Marsala herbekomme? Den finde ich in Österreich in keinem Supermarkt, aber das Rezept für Chicken Marsala muss ich unbedingt mal versuchen nachzukochen! 🙂

    Wenn ihr die Möglichkeit habt „Liebe und andere Zufälle“ von Jennifer Crusie in die Finger zu bekommen, dann schnappt zu! Ihr werdet sicher nicht enttäuscht werden