• „Konklave“ | Robert Harris

    Titel im Original: „Conclave“
    Autor: Robert Harris
    Aus dem Englischen übersetzt von Wolfgang Müller
    Verlag: Heyne
    Genre: Roman
    Seitenzahl:  349
    ISBN: 978-3-453-27072-5

    Der Papst ist tot. Er war alt, aber die Todesumstände sind mysteriös. Die um den Heiligen Stuhl buhlenden Gegner formieren sich: Traditionalisten, Modernisten, Schwarzafrikaner, Südamerikaner …
    Kardinal Lomeli, den eine Glaubenskrise plagt, leitet das schwierige Konklave. Als sich die Pforten des Sixtinischen Kapelle hinter den 117 Kardinälen schließen, trifft ein allen unbekannter Nachzügler ein. Der verstobene Papst hatte den Bischof von Bagdad im Geheimen zum Kardinal ernannt. Ist der aufrechte Kirchenmann der neue Hoffnungsträger in Zeiten von Krieg und Terror? Oder ein unerbittlicher Rivale mit ganz eigenen Plänen?

    Meine Meinung

    Es fasziniert mich immer wieder aufs Neue, dass es heutzutage noch Orte wie den Vatikan gibt, die über Jahrhunderte ihre Geheimnisse bewahren und deren Mythen allen Krisen und Anfechtungen zum Trotz überlebt haben. Selbst die „unbegrenzten“ Möglichkeiten des World Wide Web schaffen es nicht, hinter die geheimen Abläufe der christlichen Kirche zu schauen. Sie kratzen allerhöchstens an der Oberfläche!

    Als Konklave bezeichnet man die Wahl eines neuen Papstes. Dafür kommen die Bischöfe aus aller Welt zu einem streng durchstrukturierten Wahlregiem zusammen, das seit jeher auf die Außenwelt ebenso geheimnisvoll wie faszinierend wirkt. Daher ist es ein ganz besonders Wagnis von Robert Harris, unsere voyeuristischen Sehnsüchte anzufachen und uns Glauben zu lassen, wir könnten Dank ihm hinter die Geheimnisse dieses strengbehüteten Geheimnisses schauen.

    Auch wenn der Klappentext zwischen den Zeilen etwas anderes suggeriert, in „Konklave“ gibt es keinen Mord im Vatikan. Und auch die Intrigen halten sich in Grenzen. Es wird unheimlich viel gebetet, was das Thema des Buches ja schon klarmacht, dennoch musste ich mich öfters fragen, ob Kardinäle im realen Leben wirklich so bigott und fromm sind, wie man sie uns hier verkaufen möchte. Irgendwann habe ich über die Predigten und Gebete einfach drüber gelesen.
    Dennoch schafft es der Autor, den Leser von Beginn an in den Bann seiner Geschichte zu ziehen. Auch wenn das Buch sehr ruhig erzählt und von den Abläufen der Handlung nur sehr einfach gestrickt ist. In meinen Augen ein schwieriges Unterfangen, da die Abläufe einer Papstwahl alles andere als spektakulär sind. Nichts desto trotz schwanken wir mehr als einmal zwischen göttlichen Höhen und teuflischen Abgründen!

    Robert Harris ist keiner, der den Vorschlaghammer auspackt, wenn er auf Probleme und Missstände in der christlichen Gemeinschaft und ihrer Würdenträger hinweist. Vielmehr gelingt es ihm, den Protagonisten so viel Tiefe und Schärfe, aber auch Stärken und Schwächen einzuverleiben, dass man als Leser Position beziehen kann: Einerseits zustimmend, andererseits ablehnend, aber immer frei von Verachtung oder Häme!

    Auch das Ende der Geschichte konnte mich voll und ganz von sich überzeugen. In großen Teilen war es durchaus vorhersehbar und dennoch konnten die Wendungen auf den letzten Seiten doch überraschen.

    „Konklave“ ist auf jeden Fall eine tolle Unterhaltung, zumal das Buch in keiner Phase seines Bestehens mehr sein möchte, als es wirklich ist!

  • „Der Outsider“ | Stephen King

    Titel im Original:  „The Outsider“
    Autor:  Stephen King
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Bernhard Kleinschmidt
    Verlag:  Heyne Verlag
    Genre:  Horror
    Seitenzahl:  748
    ISBN:  978-3-453-27184-5

    Im Stadtpark von Flint City wird die geschändete Leiche eines 11jährigen Jungen gefunden. Augenzeugenberichte und Tatortspuren deuten unmissverständlich auf einen unbescholtenen Bürger: Terry Maitland, ein allseits beliebter Englischlehrer und zudem Coach der Jugendbaseballmannschaft, verheiratet, zwei kleine Töchter.

    Detective Ralph Anderson, dessen Sohn von Maitland trainiert wurde, ordnet eine sofortige Festnahme an, die in aller Öffentlichkeit sattfindet. Der Verdächtige kann zwar ein Alibi vorweisen, aber Anderson und der Staatsanwalt verfügen nach der Obduktion über eindeutige DNA-Beweise. Ein wasserdichter Fall also?

    Meine Meinung

    Die Geschichte des Outsiders beginnt mit dem schrecklichen Verbrechen an dem 11-jährigen Peter. Als sein grausam missbrauchter und misshandelter Körper in Flint City aufgefunden wird, löst das eine Welle des Entsetzen in der kleinen Stadt aus …
    Dank DNA und Zeugenberichten hat die örtliche Polizei schnell einen Verdächtigen: Terry Maitland, angesehener Lehrer, Baseballtrainer, liebender Ehemann und Vater zweier Töchter. Detective Ralph Anderson veranlasst eine schnelle Verhaftung, um das Monster aus dem Verkehr zu ziehen und weitere Kinder zu schützen. Doch während der weiteren Ermittlungen ergeben sich unwiderlegbare Beweise, dass es Maitland nicht getan haben kann. Oder kann ein Mensch tatsächlich an zwei Orten gleichzeitig sein?

    Bis dahin liest sich „Der Outsider“ wie ein klassischer Thriller. Wir begleiten die Polizei während der Zeugenaussagen und erfahren nähere Einzelheiten über die Beweise, die am Tatort gefunden wurden. Viel Polizeiarbeit, die von Stephen King aber interessant und abwechslungsreich beschrieben wurde.
    Detective Ralph Anderson ist ein pflichtbewusster, realistischer Mann, der fest an das glaubt was er tut und sieht, doch seine Sicht auf die Geschehnisse soll sich schneller ändern, als ihm lieb ist: Aus dem anfangs so klaren Mordfall wird eine immer deutlichere Horrorstory! Diese unaussprechliche mysteriöse Präsenz, die Gestalt annimmt und für die es keine besondere Erklärung zu geben scheint.

    Durch die vielen Perspektivenwechsel nimmt Stephen King den Leser an die Hand. Er zeigt uns grauenhafte Details und lässt uns durch die Augen der Polizei blicken, bis man selbst denkt, der Fall ist wasserdicht. Doch dann sät er die ersten eindringlichen Zweifel. Kann das wirklich sein? Wie kann Coach Maitland den Jungen umbringen und gleichzeitig an einem ganz anderen Ort sein?

    Natürlich kann man bei Stephen King auch mal die Längen in seinen Geschichten bemängeln, aber bei seinen Figuren spart er definitiv nie an Tiefe. Ich bin immer wieder erstaunt, wie es ihm gelingt, seine Charaktere im Laufe der Handlung wachsen zu lassen und einige konnten mich auch hier mit ihrer Entwicklung überraschen. Außerdem liebe ich es, wenn eine Geschichte in einer Kleinstadt spielt, in der jeder jeden kennt und sich durch das Handeln der Protagonisten Konflikte anbahnen, die Großstädter so nicht kennen. Damit setzt er Dynamiken in Gang, deren Ausmaß niemand vorhersehen kann.

    Eine Warnung muss ich allerdings aussprechen:  Wenn ihr die Bill Hodges-Trilogie um den „Mr. Mercedes-Killer“ noch nicht kennt, solltet ihr diese unbedingt vorher lesen, denn in diesem Buch werdet ihr auf jeden Fall über den Ausgang der Trilogie gespoilert …
    In „Der Outsider“ wird Holly Gibney von Finders Keepers die Partnerin des ermittelnden Detectives, der bei der Verhaftung Terry Maitlands in vieler Hinsicht falsch entschieden hat. Er ist nun hoch motiviert, den wirklichen Täter zu fassen und den unschuldigen Familienvater zu rehabilitieren.
    Holly wird Ralph Anderson überzeugen müssen, dass es Phänomene gibt, die seinem bisherigen Denken und Wissen wiedersprechen …

  • „In einer kleinen Stadt“ | „Needful Thinks“ | Stephen King

    Titel im Original:  „Needful Things“
    Autor:  Stephen King
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Christel Wiemken
    Verlag:  Heyne Verlag
    Genre:  Horror
    Seitenzahl:  860
    ISBN:  978-3-453-43399-1

    Leland Gaunt, ein mysteriöser Fremder, eröffnet in Castle Rock einen Laden mit dem Namen „Needful Things“, in dem jeder das bekommen kann, wovon er schon lange träumt. Doc alles hat seinen Preis – und Gaunt bestimmt ihn, denn er kennt die verborgenen Sehnsüchte und Schwächen jedes Einzelnen.
    Der Albtraum beginnt …

    Meine Meinung

    „Needful Thinks“ gehört bereits seit vielen Jahren zu meinen Lieblingsbüchern von Stephen King!

    Leland Gaunt eröffnet in dem Städtchen Castle Rock einen kleinen Laden namens »Needful Things«, in dem man allerlei Krimskrams und Antiquitäten kaufen kann. Bereits vor der Eröffnung entdecken schon die ersten Bewohner Dinge, die sie unbedingt haben wollen. Kurioserweise kosten diese stets mehr als der Interessent zur Verfügung hat, daher überlässt er ihnen den heißersehnten Gegenstand nur unter der Bedingung, dass er einem seiner Mitbürger einen harmlosen Streich spielt.
    Was anfänglich noch harmlos klingt, entpuppt sich schnell als perfides Spiel eines bösen Wesens in Gestalt eines gut gekleideten Mannes!

    Bereits von der ersten Seite an, beginnt die Geschichte interessant zu werden!
    Stephen King hat die einzelnen Charaktere sehr gut gezeichnet und miteinander in Verbindung gebracht. Beinah jeder in Castle Rock hat eine dunkle Vergangenheit: Angefangen bei der Frau, die ihren brutalen Ehemann erstochen hat, bis hin zum Polizeibeamten, der schon lange mit dem Stadtrat im Clinch liegt.
    Wir bekommen hier ein verworrenes Spiel aus Kleinstadtintrigen, Neid und Ablehnung bis hin zum abgrundtiefen Hass. Die Lage spitzt sich mehr und mehr zu, doch der Leser erfährt tatsächlich erst ganz zum Schluss, was Leland Gaunts Beweggründe für seine Geschäfte sind. Bis dahin ist es ein langer und teils brutaler Weg, der die Bevölkerung von Castle Rock spaltet und in ihren Grundfesten erschüttert.

    Neben den detaillierten Beschreibungen und dem gezielten Aufbau der Spannung fand ich auch den psychologischen Aspekt sehr gut umgesetzt. Wir folgen den Personen in ihren Gedankengängen, sowohl bei der Ausübung des Streichs, aber auch wenn sie hinter der Bosheit sofort zu wissen glauben, wer ihnen etwas angetan hat. Man lernt schnell, dass man nicht immer sofort vom Offensichtlichen ausgehen sollte. Es hilft auch miteinander zu sprechen!

    „Needful Things“ ist definitiv eines der gemeinsten Bücher, die Stephen King je geschrieben hat …
    Wer möchte seinem ungeliebten Nachbarn, nicht auch mal einen harmlosen Streich spielen, ohne dass dieser weiß, wer es wirklich war? Wenn euch genau solche Gedanken plagen, könntet ihr euch mit diesem Buch unter Umständen sogar eine teure oder zeitaufwendige Therapie ersparen …

  • „Der Berg“ | Dan Simmons

    Titel im Original:  „The Abominable“
    Autor:  Dan Simmons
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Friedrich Mader
    Verlag:  Heyne Verlag
    Genre:  Historischer Roman
    Seitenzahl:  759
    ISBN:  978-3-453-26896-8

    Wir schreiben das Jahr 1924. Auf der Nordostseite des Mount Everest machen sich die beiden britischen Bergsteiger George Mallory und Andrew Irvine auf den Weg zum Gipfel – und verschwinden spurlos!

    Bis heute weiß man nicht, was damals geschehen ist. Führten die schlechten Wetterbedingungen zum Scheitern der Expedition? Lag es an der mangelhaften Ausrüstung der beiden Bergsteiger? Oder war vielleicht etwas dort oben bei ihnen auf dem Berg?
    Diese Fragen lassen den Bergsteiger Richard Deacon nicht los, und so organisiert er ein Jahr später eine weitere Expedition, um das Schicksal der beiden Verschollenen aufzuklären – und um den höchsten Berg der Welt endlich zu bezwingen.

    Meine Meinung

    Dan Simmons ist ein begnadeter Erzähler und gilt in meinen Augen völlig zurecht als einer der ganz Großen seiner Zunft. Ich lese seine Romane wahnsinnig gern! Er besitzt die Fähigkeit seine Leser mit fließenden und mitreißenden Bildern gefangen zu nehmen.

    Vor allem Kletterer und Alpinisten kennen die historischen Geschehnisse rund um die Erstbesteigung des Mount Everest. „Der Berg“ erzählt die schrecklichen Begebenheiten, die zum Verschwinden der britischen Bergsteiger George Mallory und Andrew Irvine geführt haben. Bei ihrem Versuch Mitte der 1920er Jahre, verschwanden die beiden Männer spurlos! George Mallorys Leiche wurde erst 1999 gefunden, die allerdings keine typischen Absturzverletzungen aufwies, lediglich einen gebrochenen Unterschenkel.
    Mit diesem historischen Hintergrund erschuf Dan Simmons einen fiktiven Roman, der den Leser in die damalige Zeit und in einen rauen Teil der Bergsteigergeschichte eintauchen lässt …

    Wer jedoch einen spannenden Abenteuerroman erwartet, wird hier wohl eher enttäuscht sein!
    Dan Simmons schreibt authentische, detailreiche und vor allem bildgewaltig, konzentriert sich aber vor allem auf seine Charaktere und die beeindruckenden und doch atmosphärischen Natur- und Bergbeschreibungen. Wir lernen den „Alspinstil“ kennen und sind bei den Vorbereitungen der Expedition hautnah dabei. So erhält man einen großen Einblick in die damalige Ausrüstung und die Weiterentwicklung der wichtigsten Gegenstände.

    Gegen Ende des Buches wird die Geschichte dann doch nochmal sehr temporeich und der Roman entwickelte sich zu einer spannenden Spionagegeschichte mit waghalsigen und beklemmenden Kletterpartien, die mir mehr als einmal den Atem geraubt haben.

    Ein toller Roman, der mein Kopfkino ordentlich auf Touren gebracht hat!

  • „Scharnow“ | Bela B. Felsenheimer

    Rezensionsexemplar
    Vielen Dank an den Verlag!

    Autor: Bela B. Felsenheimer
    Mit Illustrationen von Bela B. Felsenheimer
    Verlag: Heyne Hardcore
    Genre: Roman
    Seitenzahl:  414
    ISBN: 978-3-453-27136-4

    In Scharnow, einem Dorf nördlich von Berlin, in der Hund begraben. Scheinbar! Tatsächlich wird hier gerade die Welt gewendet:  Schützen liegen auf der Lauer um die Agenten einer Universalmacht zu vernichten, mordlustige Bücher richtigen blutige Verheerungen an und mittendrin hat ein Pakt der Glücklichen plötzlich kein Bier mehr.

    Wenn sich dann ein syrischer Praktikant für ein Mangamädchen stark macht, ist auch die Liebe nicht weit. Und was ist eigentlich mit den beiden homosexuellen Eichhörnchen?

    Meine Meinung

    Bela B. Felsenheimer dürfte den Jugendlichen meiner Generation überwiegend als Mitglied der Band „Die Ärzte“ bekannt sein. Durch viele Interviews und Reportagen wusste ich schon im Vorfeld, dass der Schlagzeuger ein sehr fantasievoller und vielschichtiger Mensch ist, mit einem skurrilen Sinn für Humor. Daher war ich sehr begeistert, als ich vor einigen Monaten das Veröffentlichungsdatum von „Scharnow“ entdeckt habe!

    Das Buch schildert das Leben in einer deutschen Kleinstadt, vor den Toren von Berlin, voller schräger Vögel und noch viel unglaublicherer Ereignisse. Es erzählt keine klassisch-flüssige Geschichte, sondern setzt sich aus vielen individuellen Handlungen zusammen, die sich aber konsequent miteinander verflechten. Die Protagonisten sind sowohl positiv wie negativ denkwürdige und durchgeknallte Charaktere, deren oft haarsträubende Gedanken und Taten ein absolut einzigartiges Gesamtpaket ergeben.

    Bela B. rockt schreibender Weise einfach mal drauf los! Ohne sich großartig um die Konventionen eines Genres oder einer sinnvollen Geschichte zu kümmern. Dennoch merkt man dem Roman an, dass das Ganze durchaus eine klare und gute Struktur hat. Es besticht mit einer skurrilen Geschichte und überraschenden Wendungen. Erst bei näherem Hinsehen eröffnet sich dem Leser ein Kosmos aus Büchern, Filmen und der flimmernden Welt von Comics und Pulp Fiction, der sich erstaunlich greifbar in unseren Köpfen festsetzt!

    Der Schreibstil ist durchaus anspruchsvoll, mit vielen tollen Phrasen und Umschreibungen, passt aber dennoch perfekt zu den unglaublichen Handlungen der Geschichte. Die Szenen sind bildlich und lebendig. Zudem hat der Autor ein enormes Talent, die Szenen unterhaltsam und ironisch zu gestalten. Vermutlich kein Humor für Jedermann, aber bei mir hat er total ins Schwarze getroffen.

    Obwohl ich mir den Debütroman von Bela B. Felsenheimer schon so in etwa so vorgestellt habe, wurde ich doch positiv überrascht. Ein bisschen hat sich „Scharnow“ auch in meine Seele gebrannt … und wenn mir in Zukunft irgendwo das Lied „Fiesta Mexicana“ unterkommt, werde ich wohl unweigerlich an dieses Buch denken müssen!

  • „Mind Control“ | Stephen King

    Titel im Original: „End of Watch“
    Autor: Stephen King
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Bernhard Kleinschmidt
    Verlag: Heyne Verlag
    Genre: Thriller
    Bill Hodges-Trilogie, Band 3
    Seitenzahl: 523
    ISBN: 978-3-453-27086-2

    Brady Hartsfield, verantwortlich für das Mercedes-Killer-Massaker mit vielen Toten, liegt seit fünf Jahren in einer Klinik für Neurotraumatologie im Wachkoma. Seinen Ärzten zufolge wird er sich nie erholen. Doch hinter all dem Sabber und In-die-Gegend-Starren ist Brady bei Bewusstsein – und er besitzt tödliche neue Kräfte, mit denen er unvorstellbares Unheil anrichten kann, ohne sein Krankenzimmer je zu verlassen.

    Ex-Detective Bill Hodges, der pensionierte Ermittler aus Mr. Mercedes und Finderlohn, kann die Selbstmordepidemie in der Stadt mit Brady in Verbindung bringen, aber da ist es schon zu spät!

    Meine Meinung

    Brady Hartsfield ist zurück. Der Attentäter, dessen Amokfahrt acht unschuldige Menschen das Leben gekostet hat und zahlreiche Schwerverletzte hinterließ. Bill Hodges, Holly Gibney und Jerome Robinson waren es, die den Verrückten schlagkräftig aus dem Gefecht gezogen haben. Nachdem Bill mit seinen Freunden die erfolgreiche Privatagentur „Finders Keepers“ gegründet hat, werden er und Holly erneut an einen Tatort gerufen: Bills ehemaliger Partner bei der Polizei setzt die Beiden auf einen doppelten Suizid an. Und die Opfer sind für ihn keine Unbekannten …
    Schnell wird klar, dass es nicht bei diesen zwei Toten bleiben wird. Täglich gehen neue Meldungen von Selbstmorden ein. Warum findet Holly bei jedem Toten eine alte Spielkonsole, die eigentlich schon lange vom Markt genommen wurde?

    Seit fünf Jahren liegt Brady Hartsfield nun mit einem Schädel-Hirn-Trauma in einer neurologischen Klinik im Koma … und das ist auch gut so. Aber allmählich fallen dem Klinikpersonal eigenartige Veränderungen im Verhalten ihres Patienten auf, die Bill Hodges auf den Plan rufen. Er ist überzeugt davon, dass Hartsfield das personifizierte Böse und selbst in seinem komatösen Zustand äußerst gefährlich ist!

    Natürlich ist „Mind Control“ wieder ein Plot, den so nur Stephen King ersinnen und spannend zu Papier bringen kann. Anfangs habe ich mich doch sehr darüber geärgert, dass der Titel und der Klappentext schon so viel von der eigentlichen Geschichte verraten. „Mind Control“! Ein Wachkomapatient, der übersinnliche Fähigkeiten entwickelt. Da ist es nicht schwer zu erraten, wer oder was hintern den vermeintlichen Suiziden steckt. Dennoch muss ich eingestehen, dass die Geschichte viel cleverer und strategischer durchdacht wurde, als man nach den Ereignissen in „Finderlohn“ und den Angaben am Buch schon mitbekommt!

    In diesem Buch kehrt der Autor wieder zu seinen Ursprüngen zurück. Vieles hat mich an seine früheren Geschichten erinnert, die auch für mich noch immer zu den Besten gehören! Stephen King schreibt wie gewohnt bildlich und mitreißend. In einer wunderbar fließenden und intensiven Sprache, die genau die richtige Spannung und Atmosphäre aufkommen lässt. Aber auch die für ihn so typische Leichtigkeit ist in diesem Buch wieder zu finden.

    Der Autor verzichtet in „Mind Control“ nahezu auf Nebencharaktere, er fokussiert sich voll und ganz auf seine vier Protagonisten. Zumindest entstand für mich schon sehr schnell dieser Eindruck, da auch Nebenschauplätze deutlich weniger Raum als gewohnt bekommen. Dadurch ist die Geschichte sehr geballt.

    Treten die beiden Vorgänger noch eher als Kriminalromane bzw. Thriller mit Schwerpunkt auf der Ermittlerfigur an den Plan, überwiegen im letzten Teil die übernatürlichen Elemente, die ganz klar in Richtung Horror weisen. Er arbeitet mit leisem Grauen, das sich allmählich in die Geschichte einschleicht und von ihr Besitz ergreift …

  • „Finderlohn“ | Stephen King

    Titel im Original: „Finders Keepers“
    Autor: Stephen King
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Bernhard Kleinschmidt
    Verlag: Heyne Verlag
    Genre: Thriller
    Bill Hodges-Trilogie, Band 2
    Seitenzahl: 539
    ISBN: 978-3-453-27009-1

    John Rothstein hat in den 60er Jahren drei berühmte Romane veröffentlicht, seither aber nichts mehr. Morris Bellamy, ein psychopathischer Verehrer, ermordet den Autor aus Wut über dessen „Verrat“. Seine Beute besteht aus einer großen Menge Geld und einer wahren Fundgrube an Notizbüchern. Bellamy vergräbt vorerst alles – und wandert dummerweise für ein völlig anderes Verbrechen in den Knast. Jahre später stößt der junge Peter Saubers auf den „Schatz“ und unterstützt mit dem Geld bis auf den letzten Cent seine Not leidende Familie.

    Nach 35 Jahren Haft wird Bellamy entlassen. Er kommt Peter, der nun die Notizbücher zu Geld machen will, auf die Spur und macht Jagd auf ihn.

    Meine Meinung

    Es gibt Bücher, die prägen ihre Leser maßgeblich. Man ist vernarrt in die Protagonisten, die Geschichte ist immer wieder von Neuem spannend und obwohl man sie schon etliche Male gelesen hat, findet man immer wieder neue Details. Genau so geht es Pete Saubers, nachdem er im Wald einen Koffer mit Notizbüchern von John Rothstein findet und die darin enthaltenen Manuskripte liest. Auch Morris Bellamy, der 30 Jahre zuvor in das Haus des Autors einbricht und diesen ermordet, war ein ebenso großer Narr. Warum dann diese irre Tat? Nicht des Geldes wegen, sondern aus reiner Rache, da der Autor Morris‘ Lieblingscharakter nicht das von ihm gewünschte Ende gegönnt hat. Er war es, der die Notizbücher im Wald vergrub, die viele Jahre später Peter Saubers Leben so maßgebend verändern sollen …

    Ich verfolge die Hodges-Trilogie wirklich gern. Dass Stephen King klassischen Horror schreiben kann, wissen wir ja schon, aber auch bei Kriminalgeschichten macht er seine Sache wirklich hervorragend. Zudem ist dieses Buch für mich eine Art Liebeserklärung an das geschriebene Wort. Wir alle haben Bücher, aus denen wir Kraft schöpfen und bei denen wir es lieben über weitere Erzählstränge zu sinnieren. Das macht für mich einen großen Teil der Magie von „Finderlohn“ aus.

    Bill Hodges ist nach den vergangenen Geschehnissen wieder ruhiger geworden und hat einen neuen Lebensmittelpunkt gefunden. Er arbeitet als privater Ermittler bei seiner Firma „Finders Keepers“ wo auch Holly als seine große Unterstützung mit von der Partie ist. Nachdem sie vor einigen Jahren gemeinsam Brady Hartsfield zur Strecke gebracht haben, hat sich ihre platonische Freundschaft gefestigt und auch Holly blüht in ihrem neuen selbstständigen Leben auf. Sie verliert immer mehr ihre Schüchternheit und ist anderen Menschen gegenüber offener und fröhlicher.

    „Mr. Mercedes“ war ein spannender Kriminalroman mit starken Thriller-Elementen. „Finderlohn“ geht hier einen Schritt zurück und bedient sich nur noch sehr wenigen Krimivorgaben. Es wirkt dadurch beinahe stärker, obwohl die Spannung im ersten Buch deutlich größer war. Dennoch solltet ihr die Geschichte nicht unterschätzen. Es ist ein grandios geschriebenes Buch über Wahnsinn, Abhängigkeit und einer großen Portion jugendlichen Leichtsinns, das fesselt und für ausreichend Tiefgang sorgt.

    Natürlich setzt Stephen King auch in diesem Buch wieder auf einige kingtypischen Elemente, wie beispielsweise auf den Schriftsteller, der eine große Rolle spielt, aber auch das er sich für das Kennenlernen der Protagonisten und der Geschichte sehr viel Zeit nimmt, aber genau das erwarte ich mir mittlerweile von diesem Autor und macht für mich das „Heimkommen“-Gefühl aus!

  • „München“ | Robert Harris

    Titel im Original: „Munich“
    Autor: Robert Harris
    Aus dem Englischen übersetzt von Wolfgang Müller
    Verlag: Heyne
    Genre: Thriller
    Seitenzahl:  426
    ISBN: 978-3-453-27143-2

    September 1938. Die Welt auf Kollisionskurs.
    Wie weit muss man gehen, wenn man den drohenden Krieg verhindern will?

    In München treffen sich Hitler, Chamberlain, Mussolini und Daladier zu einer kurzfristig einberufenen Konferenz. De Weltfrieden hängt am seidenen Faden. Im Gefolge des britischen Premierministers Chamberlain befindet sich Hugh Legat aus dem Außenministerium, der ihm als Privatsekretär zugeordnet ist. Auf der deutschen Seite gehört Paul von Hartmann aus dem Auswärtigen Amt in Berlin zum Kreis der Anwesenden. Insgeheim ist er Mitglied einer Widerstandszelle gegen Hitler!

    Meine Meinung

    Dass Robert Harris ein Meister seines Fachs ist, müsste bei den Lesern von Kriminalromanen und Thrillern ja bereits weitgehend bekannt sein. In „München“ verarbeitet er die vergeblichen Bemühungen, Adolf Hitler von dem drohenden Krieg abzuhalten.

    Die Handlung erstreckt sich über die vier ereignisreichen Tage der Münchner Konferenz im September 1923. Wir begleiten unsere beiden Protagonisten Hugh Legat auf der britischen und Paul von Hartmann auf der deutschen Seite, welche sich von ihrem gemeinsamen Studium in Oxford kennen. Legat arbeitet als einer der Privatsekretäre des englischen Premierministers Neville Chamberlain, der die schwierige und angespannte Lage mit seiner Appeasement-Politik retten möchte. Aber auch im deutschen Lager bekommt der Führer Gegenwind: Von Hartmann hat sich einer Gruppe Aufständiger angeschlossen, die scharf gegen die machthungrige und unmenschliche Führung der Nationalsozialisten vorgehen möchten.

    Robert Harris liefert seinen Lesern auch in diesem Buch wieder gut recherchierte und sehr klar ausformulierte Schilderungen der politischen Lage der damaligen Zeit. Ich würde dieses Buch nicht als Thriller, sondern eher als Kriminalroman bzw. als Politkrimi einstufen, ist das Buch doch sehr ruhig und sachlich gehalten. Wer aber Interesse an den Vorgängen des 2. Weltkrieges zeigt, wird hier voll auf seine Kosten kommen.

    Der Roman ist klug konstruiert, spannend erzählt und besticht durch seine klare und schöne Sprache. Die Recherchen sind glaubwürdig, detailreich und zeugen von der Kenntnis des Autors. Auch Atmosphärisch ist er sehr dicht. Die Spannung wurde vielschichtig aufgebaut und hielt mich trotz der sachlichen Ruhe sehr gut in der Geschichte!

    Robert Harris gelingt es wie keinem Anderen, historische Ereignisse und Personen zum Leben zu erwecken!

    Der spätere Premierminister Churchill zieht mit seinem Kommentar ein sehr klares Resümee aus der Münchner Konferenz: „Sie (Neville Chamberlain) hatten die Wahl zwischen Krieg oder Schande. Sie haben die Schande gewählt und werden den Krieg bekommen!“

  • „Christmasland“ | Joe Hill

    Titel im Original: „NOS4A2“
    Autor: Joe Hill
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Sara und Hannes Riffel
    Verlag: Heyne
    Genre: Weihnachten  |  Horror
    Seitenzahl:  793
    ISBN: 978-3-453-26882-1

    Kinder, wollt ihr ewig leben?

    Charlie Manx ist ein sehr sehr böser Mann mit einem sehr sehr bösen Auto. Er entführt Kinder nach „Christmasland“ wo ewige Weihnacht herrschen soll. Die Kinder erwartet dort jedoch etwas Schreckliches, und es gibt keinen Weg zurück.
    Oder doch? Man sollte nie aufhören, an seine Träume zu glauben …

    Meine Meinung

    Weihnachten ist für mich jedes Jahr eine besinnliche und schöne Zeit. Und Horror geht in buchiger Form eigentlich auch immer. Aber Weihnachten mit Horror kombiniert? Das musste ich unbedingt lesen …
    Na dann! Lasst uns doch gemeinsam ins Christmasland reisen!

    Charles Talant Manx ist der Erschaffer des Christmasland! Zusammen mit seinem magischen 1938er Rolls Royce ist er auf der Pirsch nach unschuldigen Kinderseelen, die er mit Hilfe eines Risses in der Realität in seinen weihnachtlich-gruseligen Vergnügungspark entführen kann. Immerwährender Winter, Schneeballschlachten, tausende Lichter und jeden Tag ein wunderbares Weihnachtsfest! Dort können sie für immer als glückliche Kinder weiterleben. Doch natürlich hat die Sache einen Haken, der Preis dafür: Deren reine Seele!
    Nur Victoria McQueen kann Charlie Manx noch aufhalten! Vor vielen Jahren schafft sie das, was keinem anderen Kind vor ihr gelang: Sie entkommt ihm! Doch man sieht sich bekanntlich immer zwei Mal im Leben …

    „Christmasland“ war 2016 mein erstes Buch von Joe Hill, dem Sohn von Stephen King!
    Die Handlung der Geschichte ist doch recht komplex und man merkt in der Grundform starke Ähnlichkeit zu seinem Vater. Die Szenen werden sehr detailliert beschrieben und auch die Charakterzeichnung der Protagonisten braucht seine Zeit. Im Lauf der Geschichte wechseln wir nicht nur zwischen den erzählenden Personen hin und her, auch in den Zeiten an sich wird regelmäßig gesprungen. Den Gruselfaktor konnte Joe Hill wunderbar halten und die Geschichte hatte für mich genau die richtige Kombination aus Realität und Fiktion!

    Bereits in den ersten Seiten merkt man den eigenständigen Schreibstil des Autors, der um einiges direkter ist, als der vom Stephen King. Seine Wortwahl ist äußert präzise und Situationen, Unterhaltungen und Gefühlsstimmungen werden durch nur wenige, aber umso effektivere Worte treffend beschrieben.
    Das ganze Buch über, bleibt die Geschichte sehr rasant und mitreißend. Selbst anspruchsvolle Szenen bei denen das genaue Lesen wichtig für die weitere Handlung ist, wurden für mich nicht zäh, sondern blieben im Grundtempo aufrecht.

    Anders als in so manchen Büchern seines Vaters, konnte mich Joe Hill auch mit dem Showdown voll und ganz überzeugen! Leute, „Christmasland“ hat ein unglaublich gutes und zerstörendes Ende!

    Joe Hill braucht sich auf gar keinen Fall hinter seinem Vater verstecken!