• „Christmasland“ | Joe Hill

    Titel im Original: „NOS4A2“
    Autor: Joe Hill
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Sara und Hannes Riffel
    Verlag: Heyne
    Genre: Weihnachten  |  Horror
    Seitenzahl:  793
    ISBN: 978-3-453-26882-1

    Kinder, wollt ihr ewig leben?

    Charlie Manx ist ein sehr sehr böser Mann mit einem sehr sehr bösen Auto. Er entführt Kinder nach „Christmasland“ wo ewige Weihnacht herrschen soll. Die Kinder erwartet dort jedoch etwas Schreckliches, und es gibt keinen Weg zurück.
    Oder doch? Man sollte nie aufhören, an seine Träume zu glauben …

    Meine Meinung

    Weihnachten ist für mich jedes Jahr eine besinnliche und schöne Zeit. Und Horror geht in buchiger Form eigentlich auch immer. Aber Weihnachten mit Horror kombiniert? Das musste ich unbedingt lesen …
    Na dann! Lasst uns doch gemeinsam ins Christmasland reisen!

    Charles Talant Manx ist der Erschaffer des Christmasland! Zusammen mit seinem magischen 1938er Rolls Royce ist er auf der Pirsch nach unschuldigen Kinderseelen, die er mit Hilfe eines Risses in der Realität in seinen weihnachtlich-gruseligen Vergnügungspark entführen kann. Immerwährender Winter, Schneeballschlachten, tausende Lichter und jeden Tag ein wunderbares Weihnachtsfest! Dort können sie für immer als glückliche Kinder weiterleben. Doch natürlich hat die Sache einen Haken, der Preis dafür: Deren reine Seele!
    Nur Victoria McQueen kann Charlie Manx noch aufhalten! Vor vielen Jahren schafft sie das, was keinem anderen Kind vor ihr gelang: Sie entkommt ihm! Doch man sieht sich bekanntlich immer zwei Mal im Leben …

    „Christmasland“ war 2016 mein erstes Buch von Joe Hill, dem Sohn von Stephen King!
    Die Handlung der Geschichte ist doch recht komplex und man merkt in der Grundform starke Ähnlichkeit zu seinem Vater. Die Szenen werden sehr detailliert beschrieben und auch die Charakterzeichnung der Protagonisten braucht seine Zeit. Im Lauf der Geschichte wechseln wir nicht nur zwischen den erzählenden Personen hin und her, auch in den Zeiten an sich wird regelmäßig gesprungen. Den Gruselfaktor konnte Joe Hill wunderbar halten und die Geschichte hatte für mich genau die richtige Kombination aus Realität und Fiktion!

    Bereits in den ersten Seiten merkt man den eigenständigen Schreibstil des Autors, der um einiges direkter ist, als der vom Stephen King. Seine Wortwahl ist äußert präzise und Situationen, Unterhaltungen und Gefühlsstimmungen werden durch nur wenige, aber umso effektivere Worte treffend beschrieben.
    Das ganze Buch über, bleibt die Geschichte sehr rasant und mitreißend. Selbst anspruchsvolle Szenen bei denen das genaue Lesen wichtig für die weitere Handlung ist, wurden für mich nicht zäh, sondern blieben im Grundtempo aufrecht.

    Anders als in so manchen Büchern seines Vaters, konnte mich Joe Hill auch mit dem Showdown voll und ganz überzeugen! Leute, „Christmasland“ hat ein unglaublich gutes und zerstörendes Ende!

    Joe Hill braucht sich auf gar keinen Fall hinter seinem Vater verstecken!

  • „Mr. Mercedes“ | Stephen King

    Titel im Original: „Mr. Mecedes“
    Autor: Stephen King
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Bernhard Kleinschmidt
    Verlag: Heyne Verlag
    Genre: Thriller
    Bill Hodges-Trilogie, Band 1
    Seitenzahl:  590
    ISBN: 978-3-453-26941-5

    In den frühen Morgenstunden haben sich auf dem Parkplatz vor der Stadthalle Hunderte verzweifelte Arbeitssuchende eingefunden. Jeder will der Erste sein, wenn die Jobbörse ihre Tore öffnet. Im Morgendunst blendet ein Autofahrer auf. Ohne Vorwarnung pflügt er mit einem gestohlenen Mercedes durch die wartende Menge, setzt zurück und nimmt erneut Anlauf. Es gibt viele Tote und Verletzte, der Mörder entkommt!

    Noch Monate später quält den inzwischen pensionierten Detective Bill Hodges, dass er den Fall des Mercedes-Killers nicht aufklären konnte. Auf einmal bekommt er Post von Jemanden, der sich selbst der Tat bezichtigt und ein noch diabolischeres Verbrechen ankündigt!

    Meine Meinung

    Shame on me!  Natürlich war mir die Trilogie bekannt, ich nahm sie aber nie zur Hand, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass Stephen King seine Leser auch mit einem Thriller überzeugen kann! Nun kam dieses Jahr „Der Outsider“ auf den Markt und ich wurde von meinen Buchhändlern gleich vorgewarnt, dass ich unbedingt die Reihe um Bill Hodges und den Mercedes-Killer vorher lesen soll, damit ich mir nicht selbst etwas vorwegnehme. Na dann tun wir das doch mal ….

    Der Klappentext beschreibt die Ausgangssituation schon sehr präzise. In den Morgenstunden fährt ein Unbekannter mit einem gestohlenen Mercedes in eine wartende Menschenmenge. Ohne Vorwarnung reißt er die Menschen in den Tot, setzt zurück und fährt erneut drauf zu.
    Ein Jahr später sitzt der pensionierte Detective Bill Hodges auf dem Sofa und weiß sich mit seiner vielen Zeit nichts anzufangen. Seinen letzten Fall – den des Mercedes-Killers – konnten er und sein Partner nie aufklären und das macht ihn auch Monate später noch schwer zu schaffen. Da erreicht ihn ein Brief, in dem sich eben gerade Dieser zu erkennen gibt und ein Spiel mit ihm spielen möchte!

    Obwohl man von Beginn an weiß, wer der Mercedes-Killer ist, wurde die Geschichte sehr spannend erzählt! Im Wesentlichen verfolgen wir die beiden Kontrahenten Bill Hodges und Brady Hartsfield bei ihrem Schlagabtausch. Bill, der nach seiner Pensionierung in einer Krise steckt und sein Leben am liebsten beenden möchte, bekommt dank der sarkastischen Briefe des Killers neuen Aufschwung und stürzt sich mit Feuereifer in die Ermittlungen. Das diese im stillen und geheimen von Statten gehen müssen, erklärt sich von selbst!

    Stephen King macht kein großes Geheimnis um die Identität des Mörders. Wir wissen wie er heißt, wo er arbeitet und im Großen und Ganzen sogar, was seine Probleme sind. Warum es trotzdem irrsinnig spannend bleibt, liegt an der Tatsache, dass es unser Protagonist Bill Hodges nicht weiß!
    King verstand es immer schon meisterlich einen am Innenleben von Psychopathen teilhaben zu lassen. Er zelebriert das „Katz und Maus“-Spiel, lässt den Leser selbst mitfiebern und nicht nur einmal an krassen Situationen verzweifeln.

    Brady Hartsfield war für mich ein hervorragender Bösewicht! Dank seiner Vorgeschichte, bleibt er für den Leser sehr menschlich, auch wenn man seinen Wahnsinn aus jeder Hauptporen dampfen sieht. Je mehr Aufmerksamkeit er von Bill bekommt (wenn auch nicht immer in der Form, die er gerne hätte), desto extremere Züge legt er an den Tag und einige Gedankengänge ließen mir regelrecht die Haare im Nacken aufstehen!

    Allgemein ist die Charakterzeichnung in diesem Buch wieder gewohnt meisterlich. Jede Person hat seine Eigenheiten, geht dem Leser nahe und hat einen guten Grund ein Teil dieser Geschichte zu sein!

    Ich war wirklich erstaunt, wie intensiv Stephen King dieses leider doch sehr aktuelle Thema umgesetzt hat!

  • „Harold“ | Einzlkind

    Autor:  Einzlkind
    Verlag:  Heyne
    Genre:  Komödie
    Seitenzahl:  222
    ISBN:  978-3-453-43597-1

    Harold bringt sich gerne um. Er hat das gleich Hobby wie sein Namensvetter aus „Harold und Maude“, einem amerikanischen Film aus den 70ern. Ansonsten hat er nichts mit ihm zu tun. Er ist 49 Jahre alt, lebt in London und hat gerade seine Anstellung als Wurstfachverkäufer verloren. Donnerstag spielt er Bridge mit drei alten Damen. Ein ganz normales Leben, bis der 11jähre Melvin an seine Tür klopft.

    Melvin sucht seinen Vater, und Harold willigt ein, ihn bei der Suche quer durch England und Irland zu begleiten. Sie treffen Humphrey Bogart, Jonny Danger, das Rosarote Badeschaf und Miss Pink Flamingo. Und das geht nicht immer gut aus …
    Harold bereut seine Hilfsbereitschaft spätestens, als er die Queen überfährt!

    Meine Meinung

    Mit „Harold“ bekommen wir einen wahren Schatz, was rabenschwarzen Humor und bitterbösen Sarkasmus angeht. Ich habe mittlerweile alle erschienen Bücher dieses Autoren gelesen, aber Harold ist mein ganz besonderer Liebling: Ein Protagonist mit dem Faible für öffentliches Erhängen? … am besten im Treppenaufgang seines Wohnhauses?  Das hört sich nicht nur skurril an, Harold ist es auch!

    Über den Autor Einzlkind ist bisher nur sehr wenig bekannt und selbst diese Informationen sind eher umstritten. Es dürfte sich hier um einen deutschsprachigen, männlichen Erdenbürger handeln, der in England oder Deutschland lebt. Angeblich ist er militanter Nichtraucher und schwer übergewichtig.
    Seine auf Deutsch erschienenen Bücher sind nach Angaben des Verlags keine Übersetzungsarbeiten.

    In dem Buch begleiten wir Harold und Melvin auf ihrem gemeinsamen Road-Trip, der in England startet und die Beiden bis ins tiefste Irland führt. Wie Harold in diese verzwickte Situation kommt, kann er sich selbst nicht ganz erklären, denn eigentlich sollte er doch nur ein paar Stunden Babysitten. Aber Melvin weiß schon, wo es lang geht: Er ist auf der Suche nach seinem Vater! Der Junge, der an verbaler Diarrhö gepaart mit enormer Eloquenz leidet, bringt sich und seinen Begleiter regelmäßig in lebensbedrohliche Situationen. Lebensbedrohlich vor allem für Herold!

    Der Autor hat einen wunderbaren Schreibstil. Sehr bildlich und sprachgewaltig. Am auffälligsten besticht das Buch aber durch seinen rabenschwarzen britischen Humor und bitterbösen Sarkasmus!
    Erfrischen, politisch unkorrekt und bezaubernd! Ein wahrer Schatz für Sprachfetischisten!

    Harold und Melvin sind zwei liebenswürdige schräge Vögel, die man einfach gern haben muss. Als Leser identifiziert man sich zwangsläufig mit den Hauptfiguren, ohne jedoch dessen Schwermut zu übernehmen. Zusätzlich bekommen wir einem außergewöhnlichen und hochgebildeten Wortschatz. Melvin entwirft für sich und seinen neuen besten Freund eine ganz eigene Welt, die die genialsten Dinge und Situationen offenbart.

    So viel schwarzen Humor hätte ich einem Deutschen gar nicht zu getraut. Auch wenn der Autor sich nicht zu erkennen gibt, gehe ich doch davon aus, dass er ein Deutscher ist, da das Buch im englischen noch nicht erhältlich ist!

  • „Friedhof der Kuscheltiere“ | Stephen King

    Titel im Original:  „Pet Sematary“
    Autor:  Stephen King
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Christel Wiemken
    Verlag:  Heyne
    Genre:  Horror
    Seitenzahl:  606
    ISBN:  978-3-453-43579-7

    Als die junge Familie Creed ihr neues Zuhause erblickt, sind die Strapazen des Umzugs von Chicago nach Ludlow, vergessen. Das weiße Haus ist von einem großen Garten umgeben, hinter dem sich unendlich weite Wälder erstrecken – Gebiet der Micmac-Indianer.
    Nur die Schnellstraße direkt von dem Gartentor stört die Idylle. Dem Kater der Creeds wird sie bald zum Verhängnis: Church wird von einem Tanklaster überfahren. Louis Creed begräbt den Kater auf einem Tierfriedhof im Wald, ohne seiner Tochter Ellie vom Tod des geliebten Tieres zu erzählen. Und tatsächlich scheint zu stimmen, was man sich Unheimliches von dem alten Friedhof erzählt, denn schon bald kehrt Church zurück – etwas aggressiver, doch offensichtlich sehr lebendig. Louis weiß genau, dass er den toten Kater in einem Müllbeutel beerdigt hat.

    Über welche Kräfte verfügt der Friedhof?
    Und wird eine derartige wunderbare Erweckung auch bei einem Menschen möglich sein?

    Meine Meinung

    Der „Friedhof der Kuscheltiere“ ist in meinen Augen, eine der eingängigsten Geschichten von Stephen King. Er gehört zu den Büchern, die am längsten im Unterbewusstsein nachhallen und die bei mir auf jeden Fall einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben.
    Stephen King geht in diesem Buch dem größten Mysterium des Lebens auf den Grund:  Dem Tod!
    Was wäre, wenn man verstorbene Familienmitglieder zurückholen könnte?
    Ist es nicht das, was wir alle wollen? Was wäre, wenn wir es tatsächlich könnten …

    In dieser Geschichte ist es nicht die Brutalität, die einem eine Gänsehaut über den Rücken laufen lässt, sondern der unterschwellige Horror, der schon auf den ersten Seiten langsam aus dem Roman herauszukriechen beginnt. Der dem Leser sachte über den Nacken streicht und ihm zu guter Letzt eine eiskalte Hand auf die Schulter legt und „Liebling“ flüstert!

    Die Handlung wird direkt vom Familienvater Louis erzählt, ein sehr offener und lockerer Typ. Durch seine ungezwungene Erzählweise, bekommt die Geschichte sehr viel Leben und man kommt als Leser sehr gut an. Stephen King lässt uns gemeinsam mit der Familie Creed in Ludlow das Haus einrichten, wir lernen die Nachbarn besser kennen und begleiten Louis bei seinem ersten Arbeitstag. Er gibt seiner Geschichte genügend Zeit um sich zu entfalten … und lässt genau in dem Moment das Grauen zuschlagen, wenn man denkt, dass es gerade so schön heimelig geworden ist. Allerdings hält er sich damit nicht lange auf, sondern setzt dem Ganzen noch eine schaurig schöne Krone auf.

    In meinen Augen ist der „Friedhof der Kuscheltiere“ keine einfache Horrorgeschichte. Es bietet dem Leser eine glaubhafte Erklärung, wie man Kindern den Tod nahe bringt und wie Menschen mit Trauer umgehen sollten. Und nein: Ich möchte nicht damit sagen, dass man dieses Buch einem Kind in die Hand geben sollte, aber Stephen King lässt seine Figuren wie immer für seine Leser real werden und man kann durchaus seine klaren Schlüsse daraus ziehen.

    Im Original heißt das Buch „Pet Sematary“ und nicht korrekterweise „Pet Cemetery“. Diesen Schreibfehler hat Stephen King bewusst gewählt, denn das Schild am Eingang des „Haustier-Fritof“ wurde von kleinen Kindern aufgestellt, denen dieser Schreibfehler unterlaufen ist. Ich persönlich finde die Idee richtig gut, dass der Titel so übernommen wurde! Und ihr?

    Zu guter Letzt könnte man dem Buch noch gewisse Längen ankreiden, aber das wäre wirklich Meckern auf hohem Niveau. Für mich wäre es nicht mehr so wichtig gewesen, den vierten Aufstieg zum Fritof noch genauso ausführlich zu schildern, wie beim ersten Mal, aber das ändert nichts am Gesamturteil: Das Buch ist klassischer Horror vom Feinsten! Einfach Toll!!