• „Winter eines Lebens“ | Jeffrey Archer

    Titel im Original:  „This was a man“
    Autor:  Jeffrey Archer
    Aus dem Englischen übersetzt von Martin Ruf
    Verlag:  Heyne Verlag
    Genre:  Historischer Roman
    Clifton-Saga, Band 7
    Seitenzahl:  606
    ISBN:  978-3-453-42177-6

    Für die Cliftons und Barringtons kommt die Zeit, in der sich die verschlungenen Wege der beiden Familien und vielen Generationen zum letzten Mal kreuzen. Während für Giles Barrington und seine Frau Karin das Glück auf Messers Schneide steht, scheinen Harry und Emma Clifton am Gipfel ihrer Karrieren zu stehen. Doch dann melden sich alte Feinde zurück und das Spiel des Schicksals kommt zu tragischen Finale!

    Meine Meinung

    Nicht nur für uns, auch für die Cliftons und Barringtons kommt die Zeit, in der sich die verschlungenen Wege der beiden Familien zum letzten Mal kreuzen. Während für Giles und seine Frau Karin das Glück über Messers Schneide rutscht, scheinen Harry und Emma am Höhepunkt ihrer Karrieren zu stehen. Natürlich melden sich auch im finalen Band alte Feinde zurück und möchten noch ein letztes Mal aufbegehren!

    Jeffrey Archer hat auch hier wieder seine Schreiberkunst bewiesen und einen würdigen Abschluss seiner Familiengeschichte vorgelegt. Wenn man sich für das britische Bankenwesen, für Aktienkurse und börsennotierter Unternehmen interessiert, wird man in diesem Band wirklich nicht enttäuscht. Aber auch für englische Politik, Macht und Intrigen findet der Autor wieder genügend Platz.
    Und natürlich wartet auch dieser Roman mit einer guten Portion Liebe und Romantik auf …

    „Winter eines Lebens“ verbindet letztendlich alle Handlungsstränge und Personen miteinander und gibt uns auf viele noch offene Fragen die passenden Antworten. Dabei lässt sich die Geschichte wieder sehr flüssig lesen, obwohl sie in rasantem Tempo voran schreitet und eine spannende Wendung von der Nächsten abgelöst wird. Der eine oder andere Zeitsprung hat mich zwar doch etwas verwirrt, machte aber letztendlich Sinn. Die Anziehungskraft der Geschichte ist wie immer perfekt und auch das „Spiel des Schicksals“ kommt zum tragischen Finale!

    Natürlich dürfen wir uns in diesem Buch auch nochmal an den immer wiederkehrenden, abstrusen Intrigen der Virginia Fenwick erfreuen …

    Was soll ich euch jetzt über das Ende der Geschichte erzählen?
    Es ist absolut rund geschrieben, gefühlvoll, mitreißend und endet mit der perfektesten Rede aus Giles Barringtons Feder, die man sich nur denken kann. Die letzten Seiten haben mich vollkommen zerstört und Rotz und Wasser heulend zurückgelassen, was mir schon wirklich lange nicht mehr passiert ist …
    Ein außerordentlich gefühlvoller und ergreifender Abschluss!

    Jeffrey Archer hat sieben Bücher geschrieben und eine Jahrhundertchronik erschaffen!
    Jede Sekunde war ein Vergnügen für mich!

  • „Möge die Stunde kommen“ | Jeffrey Archer

    Titel im Original:  „Comet the hour“
    Autor:  Jeffrey Archer
    Aus dem Englischen übersetzt von Martin Ruf
    Verlag:  Heyne Verlag
    Genre:  Historischer Roman
    Clifton-Saga, Band 6
    Seitenzahl:  589
    ISBN:  978-3-453-42167-7

    Für die Familien der Cliftons und Barringtons, deren Wege seit Jahrzehnten miteinander verbunden sind, kommen schwere Stunden. Giles Barrington setzt seine Karriere als Politiker für eine große und gefährliche Liebe aufs Spiel, während Emma Clifton eine schwere Entscheidung treffen muss, die für ihren Mann Harry alles verändern könnte. Doch dann erfolgt ein Schicksal, mit dem niemand gerechnet hat …

    Meine Meinung

    Auch der inzwischen sechste und vorletzte Band der Clifton-Saga liest sich so spannend wie ein Krimi …

    Nachdem der Prozess gegen Virginia Fenwick endlich überstanden ist, versucht Emma Clifton sich wieder voll und ganz auf ihre Arbeit als Vorstandsvorsitzende des Familienunternehmens zu konzentrieren. Doch in ihrem Leben gibt es schon bald einige einschneidende Veränderungen und Emma muss wichtige Entscheidungen treffen. Eine davon könnte auch das Leben von ihrem Mann Harry für immer verändern. Dieser ist nach wie vor als Schriftsteller sehr erfolgreich und auch sein furchtloser Einsatz für den in Sibirien inhaftierten Anatoli Babakow hat seine Stellung und Bekanntheit nochmal gesteigert.
    Giles Barrington setzt indessen seine politische Karriere für seine große Liebe aufs Spiel und auch Sebastian, der Sohn von Emma und Harry, versucht sein privates Glück zu finden.
    Sie alle ahnen noch nicht, dass so Manches ganz anders laufen wird, als von ihnen gedacht …

    Auch „Möge die Stunde kommen“ schließt wieder nahtlos an die Geschehnisse des Vorgängers an, der mit einem großen Cliffhanger endete. Hilfreich ist hier der Prolog, der die letzten Seiten des 5. Bandes nochmals zur Erinnerung wiedergibt. So ist man sofort wieder mitten in der Geschichte, die wie gewohnt schnell an Fahrt aufnimmt!

    Im Mittelpunkt stehen weiterhin Emma und Harry Clifton und ihr Sohn Sebastian, der inzwischen erwachsen ist und ebenfalls zu den Hauptfiguren gehört. Ein Charakter der sich immer tiefer in mein Herz schleicht und den ich wirklich gerne verfolge. Und natürlich sind auch Giles und Grace Barrington wieder mit von der Partie. Jeder von ihnen hat mit eigenen, teils dramatischen Ereignissen zu kämpfen, die für mich wie immer sehr spannend zu verfolgen waren. Freud und Leid liegen oft nah beieinander. Neue Intrigen und Verschwörungen werden gesponnen und auch viele alte Bekannte kommen wieder ins Spiel.

    Jeffrey Archers Schreibstil ist wie gewohnt flüssig und bildgewaltig. Er kommt bei den einzelnen Abschnitten sehr schnell auf den Punkt, wird dadurch niemals langatmig und alles ist unheimlich gut miteinander verknüpft. Dennoch wartet er mit Wendungen auf, auf die ich so nie gekommen wäre. Gerade das mag ich an der Clifton-Saga sehr!

    Ein großes Highlight war für mich auch die Rede von Harry Clifton, als er in Vertretung für Anatoli Babakow dem Nobelpreis entgegen nahm. Grandios von Jeffrey Archer geschrieben, spiegelt sie in meinen Augen auch heute noch den Zeitgeist wieder.

    Der Autor schafft es auf wunderbare Art, diese Familiengeschichte vor einem historischen Gesamtbild zu erzählen, das mich als Leser wirklich fasziniert und mitnimmt.

  • „Für immer die Deine“ | Jana Voosen

    Rezensionsexemplar
    Vielen Dank an den Verlag!

    Autor:  Jana Voosen
    Verlag:  Heyne
    Genre:  Historischer Roman
    Seitenzahl:  348
    ISBN:  978-3-453-42311-4

    Altes Land, 1939: Es ist ein Skandal, der das Dorf Jork wochenland in Atem hält. Die erst 17-jährige Tochter des wohlhabenden Obstbauern Landahl erwartet ein Kind vom Sohn des Pfarrers. Das junge Paar ist glücklich, doch als der Zweite Weltkrieg ausbricht, muss Fritz an die Front, und Klara schlägt sich mit ihrem Sohn alleine in einer keinen Wohnung in Hamburg durch. Als sie entdeckt, dass der alte Mann in der Dachgeschosswohnung über ist nicht der ist, für den er sich ausgibt, trifft Klara eine folgenschwere Entscheidung.

    Hamburg, 2019: Die frisch getrennte Journalistin Marie stößt bei ihren Recherchen zu einem Artikel auf die Lebens- und Liebesgeschichte von Klara und Fritz Hansen. Sie ahnt nicht, dass die Begegnung mit den beiden ihr eigenes Leben maßgeblich beeinflussen wird.

    Meine Meinung

    Schon als Kinder waren Klara und Fritz unzertrennlich. Zusammen machten sie die heimischen Höfe unsicher, spielten „Vater-Mutter-Kind“ und Fritz versprach seiner Klara schon damals „Wenn ich groß bin heirate ich nur dich“. Aus diesem Versprechen wurde die ganz große Liebe! Doch der Beginn des Zweiten Weltkrieges setzt dem jungen Glück ein jähes Ende: Fritz muss an die Front!
    Klara bleibt alleine mit ihrem gemeinsamen Sohn Paul in Hamburg zurück und macht das Beste aus ihrer Situation. Sie freundet sich mit dem älteren Herrn aus der Wohnung über ihr an, doch muss sie schon bald feststellen, dass er nicht der ist, für den er sich ausgibt. Klara trifft eine folgenschwere Entscheidung die ihr Leben in den Grundfesten erschüttern wird!

    „Für immer die Deine“ ist ein wunderbarer zeitgeschichtlicher Roman, über die Liebe und deren Tücken. Die Handlung ist so gefühlvoll und herzschmeichelnd erzählt, dass sich mir viele Szenen ins Herz gebrannt haben!

    Die Geschichte wird dem Leser in Rückblenden aus Klaras Sicht während eines Interviews wiedergegeben. Wir begleiten Sie und ihren Mann durch alle Stationen ihres Lebens, erleben mit wie sich aus der Kinderfreundschaft zuerst Verliebtheit und danach die große Liebe entwickelt und am Ende beide für ihre Gefühle und ihre Zukunft kämpfen müssen.
    Vor der Kulisse des Zweiten Weltkrieges, der ja ohnehin schon viele Entbehrungen mit sich bringt, spinnt Jana Voosen eine sehr interessante und aufwühlende Geschichte. Dabei verlor Klara zwar bei mir einiges an Sympathie, die Autorin findet aber einen sehr guten Weg aus der Dramatik und konnte auch mich am Ende wieder mit unserer Protagonistin versöhnen.

    Fritz wird in Polen schwer verwundet und auch die Szenen im Lazarett konnte mir die Autorin sehr glaubwürdig näher bringen, was für einen Liebesroman in meinen Augen nicht alltäglich ist. Der Marsch der jüdischen Bewohner ins Ghetto, ein Schuss im Wald! Schmerzhaft realistisch dargestellt!

    Das natürlich auch die Journalistin Marie ihr ganz eigenes Päckchen zu tragen hat, muss ich vermutlich nicht dazusagen. Ihre Geschichte ist zwar nicht direkt mit der von Fritz und Klara verstrickt, Marie steht aber vor vielen Entscheidungen und versucht aus Klaras Erzählungen für sich selbst eigene Antworten abzuleiten. So intensiv die Lebensgeschichte im Zweiten Weltkrieg dargestellt wurde, so oberflächlich und in meinen Augen auch falsch fand ich die Geschichte um Marie! Das Interview ist natürlich der Leitfaden durch das Buch, aber ich hätte mir mehr davon erwartet.

    „Für immer die Deine“ zeigt eine Liebe, die trotz aller schicksalhafter Wendungen niemals aufgehört hat zu bestehen und die uns vielleicht auch ein bisschen als Vorbild dienen sollte!

  • „Nacht über Tanger“ | Christine Mangan

    Rezensionsexemplar
    Vielen Dank an den Verlag!

    Titel im Original:  „Tangerine“
    Autor:  Christine Mangan
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Irene Eisenhut
    Verlag:  Blessing Verlag
    Genre:  Roman
    Seitenzahl:  367
    ISBN:  978-3-89667-603-0

    Alice und Lucy haben sich ein Jahr nicht gesehen, als sie sich Mitte der Fünfzigerjahre in Marokko wiedertreffen. Diese Begegnung weckt Erinnerungen an einen tiefen Verlust und fördert längst verdrängte Gefühle zu Tage, die sich in der drückenden, engen und politisch aufgeladenen Atmosphäre Tangers in eine gefährliche Obsession verwandeln …

    Meine Meinung

    Nach dem frühen Tod der Eltern wächst die junge Alice Shipley sehr behütet im Hause ihrer Tante Maude auf. Als sie Jahre später zum Studium nach Bennington zieht, ist sie froh, gleich am ersten Tag die lebenslustige Lucy kennen zu lernen. Beide teilen sich ein Zimmer und werden beste Freundinnen. Doch die Zeit dort endet für Alice abrupt und mit einer großen Katastrophe!
    Im Jahre 1956 zieht Alice mit ihrem frisch angetrauten Ehemann John nach Tanger. Obwohl er nicht der Mann ihrer Träume ist, hofft sie dennoch, an seiner Seite die schrecklichen Bilder hinter sich zu lassen. Doch als eines Tages völlig überraschend ihre ehemalige Zimmergenossin vor ihrer Tür steht, wird ihr klar, dass sie vor ihrer Vergangenheit nicht weglaufen kann. Schon gar nicht, als kurze Zeit später ihr Ehemann spurlos verschwindet …

    Mit „Nacht über Tanger“ bringt uns Christine Mangan einen tollen atmosphärischen Roman, der uns tief ins Marokko der 50er Jahre zieht. Die Ereignisse werden abwechselnd aus Alices und Lucys Sicht erzählt. Dabei erinnern sich die beiden Frauen in Rückblenden auch an ihre gemeinsame Zeit auf dem College. Auf diese Weise entsteht ein immer detaillierteres Bild ihrer Persönlichkeiten, die sich doch grundlegend voneinander unterscheiden.
    Man bekommt auch sehr schnell ein Bild davon, wie es damals zu dem mysteriösen Unfall kam, der Alice Leben so einschneidend verändern sollte!

    Christine Mangan hat einen sehr bildlichen und detaillierten Erzählstil, der mich sofort fesseln konnte. Dennoch ist die Geschichte eher ruhig erzählt und verströmt den zeitgeschichtlichen Flair Marokkos. „Nacht über Tanger“ steht und fällt mit seinen Protagonisten. Die Autorin zeichnet sehr vielschichtige Charaktere, mit Ecken und Kanten, die mir persönlich zwar nicht immer sympathisch waren, mich aber dennoch von sich überzeugen konnten. Die Geschichte wird auch durch die interessanten Wendungen unterstützt.

    Das Hauptaugenmerk liegt ganz klar auf Lucys obsessiver Liebe gegenüber Alice. Einer Liebe, die schon in der Realität nur in den seltensten Fällen auf Gegenseitigkeit beruht und daher auch in diesem Fall unweigerlich zum Scheitern verurteilt ist. Die daraus resultierende Eifersucht ist nicht nur gefährlich, auch deren Erscheinungsformen und Auswirkungen werden in diesem Buch sehr gut thematisiert. Es ist der Autorin gelungen, die Problematik psychologisch tiefgründig und vielschichtig zu veranschaulichen.

    Auch die exotische Atmosphäre Tangers mit dem Labyrinth aus engen Gassen, den pulsierenden, farbenfrohen und geruchsintensiven Souks, den Pfefferminztees, den kleinen urigen Cafés und der brütenden Hitze wurden wunderbar für den Leser eingefangen.

    „Nacht über Tanger“ ist eine psychologische Charakterstudie, an der auch Alfred Hitchcock und Daphne du Maurier ihre Freude gehabt hätten!

  • „Die Wege der Macht“ | Jeffrey Archer

    Titel im Original:  „Mightier than the Sword“
    Autor:  Jeffrey Archer
    Aus dem Englischen übersetzt von Martin Ruf
    Verlag:  Heyne Verlag
    Genre:  Historischer Roman
    Clifton-Saga, Band 5
    Seitenzahl:  587
    ISBN:  978-3-453-41992-6

    Die Wege der Familie Clifton und Barrington sind gezeichnet von Glück und Leid, von Machtspielen und Schicksalsschlägen. Während sich sein Jugendfreund Giles in eine Frau mit dunkler Vergangenheit verliebt, reist Harry Clifton nach Sibirien. Harry will dem dort inhaftierten Schriftsteller Babakow helfen – und bringt sich damit in große Gefahr. Auch für seine Frau Emma, die der Barrington-Gesellschaft vorsteht, schlägt eine schwere Stunde …

    Meine Meinung

    „Die Wege der Macht“ ist inzwischen der 5. Band der packenden Clifton-Saga und schließt nahtlos an die dramatischen Ereignisse am Ende des Vorgängers an.

    Nachdem die Jungfernfahrt des Passagierschiffes „MV Buckingham“, dem ersten Luxusliner der Barrington Schifffahrtsgesellschaft, nur knapp einer entsetzlichen Katastrophe entkommen konnte, versucht die Vorstandsvorsitzende Emma Clifton weiterhin alles, um das traditionsreiche Familienunternehmen am Laufen zu halten und den Vorstand auf ihrer Seite zu behalten. Doch neue Intrigen lassen nicht lange auf
    sich warten …
    In der Zwischenzeit versucht Harry, der sich als erfolgreicher Schriftsteller einen Namen machen konnte, alles, um den in Sibirien inhaftierten Autor Anatoli Babakow zu helfen. Dafür nimmt er eine gefährliche Reise in Kauf und gerät in eine Situation, mit der er niemals gerechnet hätte…
    Auch die Wege der anderen Familienmitglieder sind nicht immer einfach, wie es Sebastian Clifton und sein Onkel Giles Barrington schon bald zu spüren bekommen!

    Um dem Leser den Einstieg in die Geschichte zu erleichtern, gibt uns der Prolog nochmal einen sehr hilfreichen Rückblick auf die letzten Geschehnisse und so wird auch der fiese Cliffhanger aus dem letzten Band gleich zu Beginn des Buches aufgelöst. Auch danach geht es sofort packend weiter:  Die Schwerpunkte der Geschichte wurden sehr gut zwischen den Protagonisten aufgeteilt.  Alle haben ihre unterschiedlichen Themen, die von Jeffrey Archer spannend und mitreißend, aber dennoch locker und leicht erzählt wurden. Freude und Erfolg, aber auch Leid und Missgunst haben hier ihren Platz! Intrigen und Verschwörungen, die auch diesmal für mich nie langweilig wurden. Die ganzen Verwicklungen sind raffiniert und völlig unvorhersehbar.

    Leider konnte mich der Handlungsstrang um Harry und Anatoli Babakov nur bedingt überzeugen. Hier haben mir leider die konkreten Anhaltspunkte für Harrys Aktionismus gefehlt. Wie kam er auf Babakov? Warum gerade er? Und Warum verbeißt er sich so in dessen Lebensgeschichte?
    Ein kleiner Kritikpunkt meinerseits!

    Der Schreibstil ist dennoch flüssig, die Handlung an vielen Stellen rasant und in Kombination mit den kurzen ruhigeren Abschnitten ein tolles Leseerlebnis. Es gibt ein fesselndes Ende und natürlich auch den schon berühmten bitterbösen Cliffhanger …

    Wieder ein gelungener Band der Clifton-Saga!
    Ein Roman, der im historischen Bereich angesiedelt ist, sich aber so spannend wie ein Krimi liest!

  • „Im Schatten unserer Wünsche“ | Jeffrey Archer

    Titel im Original:  „Be careful what you wish for“
    Autor:  Jeffrey Archer
    Aus dem Englischen übersetzt von Martin Ruf
    Verlag:  Heyne Verlag
    Genre:  Historischer Roman
    Clifton-Saga, Band 4
    Seitenzahl:  540
    ISBN:  978-3-453-41991-9

    Bristol 1957: Der Vorsitzende der Barrington Schifffahrtgesellschaft wird zum Rücktritt gezwungen – für Emma Clifton ist dies die Gelegenheit, den Posten zu übernehmen und Macht über die Gesellschaft zu gewinnen. Doch die tragischen Ereignisse um ihren Sohn Sebastian, der in einen Autounfall verwickelt wurde, legen einen Schaffen über Emma und ihren Mann Harry …

    Meine Meinung

    Im vierten Band der Clifton-Saga bekommt Harrys und Emmas Sohn Sebastian den größten Raum. Er hat seinen Autounfall überlebt und lernt während seines langen Krankenhausaufenthaltes den Bankier Cedric Hardcastle kennen. Dieser ist aufmerksam, spitzfindig und bekommt sehr schnell mehr von den intriganten Machenschaften des Industriellen Don Martinez mit. Er hilft dem Vorstand der Barrington Schifffahrtsgesellschaft und damit auch der Familie Clifton gegen dessen Angriffe zu bestehen. Für mich war es wirklich Spannend gerade die Geschäfte an der Böse mitzuverfolgen und daraus alle weiteren Strippen zu ziehen. Und am Ende sticht ein neu gebautes Passagierschiff in See …

    Die Charaktere sind inzwischen gut bekannt und haben ihren Platz im Leben gefunden. Giles kandidiert fürs Oberhaus, Harry ist Bestsellerautor und Emma die Vorstandsvorsitzende des Familienunternehmens. Ihre Kinder Sebastian und Jessica sind erwachsen, erfolgreich und haben ihre eigenen Sorgen. Natürlich bekommen auch einige der Nebenfiguren aus den vorherigen Bänden wieder eine tragende Rolle: So handelt Major Alex Fisher schon wieder mit Aktienpaketen und Lady Virginia versprüht ihr Gift.

    Auch in „Im Schatten unserer Wünsche“ wird die Geschichte wieder in mehreren Hauptkapiteln aus den diversen Sichten unterschiedlicher Personen erzählt, die den Weg unserer Protagonisten zwischen den Jahren 1957 bis 1964 begleiten. Dabei lesen wir von schicksalhaften Wendungen und wichtigen Entscheidungen, die das Leben Vieler betreffen.
    Diese Perspektiven beziehen sich selten auf ein und dieselbe Handlung, wodurch es zu einem sehr zielgerichteten und flotten Handlungsfortlauf kommt. Die angesprochenen Themen sind vielschichtig und werden interessant an den Mann gebracht. Dabei tut die bildgewaltige Sprache natürlich ihr übriges!

    Der Autor nimmt an entscheidenden Stellen immer wieder Bezug auf bisher wesentliche Geschehnisse und hilft damit dem Leser wieder gut in die Geschichte zurück zu finden.

    Leider werden die zeitgeschichtlichen Fakten zugunsten der Liebesgeschichten, Affären und familiärer Skandale im Laufe der Reihe merkbar weniger, Jeffrey Archer leistet aber dennoch eine sehr gute Reche was die angeschnittenen Themen betrifft.

  • „Erbe und Schicksal“ | Jeffrey Archer

    Titel im Original:  „Best kept Secret“
    Autor:  Jeffrey Archer
    Aus dem Englischen übersetzt von Martin Ruf
    Verlag:  Heyne Verlag
    Genre:  Historischer Roman
    Clifton-Saga, Band 3
    Seitenzahl:  510
    ISBN:  978-3-453-47136-8

    England, 1945: Der Zweite Weltkrieg ist beendet. Harry Clifton, der sich aus den Hafendocks Bristols hochgearbeitet hat, und sein treuer Jugendfreund Giles Barrington, haben diese finstere Zeit überlebt. Harry scheint endlich sein Glück mit Emma Barrington finden zu können, Giles beschreitet voller Hoffnung den steinigen Weg in die Politik. Doch lange Schatten drohen auf beide Familien zu fallen. Es beginnt eine neue Epoche voller Intrigen und Verrat.

    Meine Meinung

    In „Erbe und Schicksal“ geht die spannende Geschichte um die Familien Barrington und Clifton weiter und umfasst diesmal die Jahre von 1945-1957. Wir befassen uns mit Sir Giles politischer Karriere, seiner Ehe mit Lady Virginia Fenwick und dem unrühmlichen Ende dieser.
    Auch das Schifffahrtsunternehmen der Barringtons musste während des Zweiten Weltkrieges starke Veränderungen hinnehmen, was gerade für Emma eine neue Zeit in ihrem Leben einläutet!

    Auch die nächste Generation, also Harrys und Emmas Sohn Sebastian, bekommt  in diesem Buch das erste Mal einen festen und durchaus sehr großen Platz in der Geschichte. Ein Teil der mir besonders gut gefallen hat.

    Jeffrey Archer hat ein Talent dafür, seine Charaktere in immer wieder neue gesellschaftliche Konflikte hineinzuführen. Auch wenn diese oft sehr schwerwiegend sind, wirken die Szenen dennoch leicht und mitreißend und wurde von dem Autor mit der genau richtigen Dosis an Details versehen. So begleiten wir auch die  dramatischen Verhandlung um die Erbfolge der Barringtons. Dabei obliegt es dem „Haus of Lords“ festzustellen, wer das Vermögen rechtmäßig erben soll. Harry sitzt im Verhandlungssaal direkt neben seinem besten Freund und ist sich sehr bewusst, dass die Entscheidung der Lords seine Verbindung zu Emma für immer zerstören könnte …
    Dabei kann man wirklich froh sein, dass es Ende der 40er Jahre noch keine DNA-Forschung gab und es nicht möglich war, aufgrund von medizinischen Untersuchungen eine genaue Zuordnung der Familien festzustellen. Wer weiß, wie die Entscheidung sonst ausgefallen wäre!

    „Erbe und Schicksal“ ist auch bei den Widersachern unserer Protagonisten stark aufgestellt. Der zwielichtige Major Alex Fisher, ein Vorgesetzter von Sir Giles aus Kriegstagen aber auch der Argentinier Don Pedro Martinez, dessen Sohn ein Schulfreund Sebastians ist, kommen hinzu und sorgen für temporeiche Wendungen und uneingeschränkte Spannung.

    Auch wenn ich erst beim dritten Band dieser Familiensaga bin, kann ich doch sagen, das sie mit Abstand das spannendste ist, dass ich in letzter Zeit gelesen habe. Jeffrey Archer hat mich endlich wieder zu den historischen Epen zurückgebracht und dafür bin ich ihm wirklich sehr dankbar …

  • „Der Wintersoldat“ | Daniel Mason

    Rezensionsexemplar
    Vielen Dank an den Verlag!

    Titel im Original:  „The Winter Soldier“
    Autor:  Daniel Mason
    Aus dem Englischen übersetzt von Sky Nonhoff und Judith Schwaab
    Verlag:  C. H. Beck Verlag
    Genre:  Historischer Roman
    Seitenzahl:  428
    ISBN:  978-3-406-73961-3

    Der hochbegabte Wiener Medizinstudent Lucius meldet sich beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges freiwillig und landet im eisigen Winter 1914 in einem Behelfslazarett in den Karpaten, wo ihm die junge Nonne Margarete erst alles beibringen muss. Als ein schwer traumatisierter, aber äußerlich unverletzter Soldat eingeliefert wird, begeht Lucius einen gravierenden Fehler.

    Meine Meinung

    Entgegen dem Willen seiner Eltern schreibt sich der junge Lucius an der Universität in Wien ein. Sein Herz gehört schon lange der Medizin, doch obwohl er das Studium interessant findet, möchte er auch so schnell wie möglich mit richtigen Patienten arbeiten. Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbricht wittert er seine Chance und meldet sich als Sanitätsoffizier. In seiner Vorstellung kommt er in ein gut ausgestattetes Lazarett, wo er unter ärztlicher Anleitung Verwundete betreut. Doch die Realität sieht gravierend anders aus …
    Nach einer langen und beschwerlichen Reise kommt er in den bitterkalten Karpaten an und soll in einer umfunktionierten Kirche seinen Dienst tun. Margarete, eine Nonne und Krankenschwester, die seit der Flucht des letzten Arztes die Patienten allein betreut hat, merkt schnell, dass Lucius bisher noch nie ein Skalpell in der Hand gehalten hat …

    Auch wenn die Geschichte anfänglich an die Reise des jungen Mediziners Robert Cole aus „Der Medicus“ erinnert, unterscheiden sich die Geschichten doch grundlegend voneinander.
    „Der Wintersoldat“ ist mir erst vor kurzen über den Weg gelaufen und konnte sofort mein Interesse wecken. Und das mit Recht: Daniel Mason hat einen wunderbar bildlichen und klaren Schreibstil, der nicht nur ganze Kriegslager in meinem Kopf entstehen ließ, sondern auch durch seine sachlichen und ausdrucksstarken Beschreibungen und Dialoge das Grauen des Ersten Weltkrieges transportieren konnte.

    Natürlich ist ein Kriegslazarett kein angenehmer Ort, der Autor vermittelt uns die Geschehnisse aber so realistisch und zermürbend, das ich sehr oft das Buch aus der Hand legen und tief durchatmen musste. Anstatt zu heilen geht es in der österreichischen Armee hauptsächlich darum, die Soldaten so gut wie möglich „zusammen zu flicken“ um ihre Leistung für den nächsten Fronteinsatz wieder herzustellen. Noch verstörender waren für mich aber die Patienten, die keine erkennbaren Wunden hatten, sondern an Kriegsneurosen litten: Männer, die im Kampf um ihr Leben unvorstellbare Grauen miterlebten und auf einmal nicht mehr sprechen, nicht mehr gehen oder zu keiner klaren Regungen mehr im Stande waren. Bei einem dieser Patienten geschieht Lucius auch ein folgenschwerer Fehler, der ihn noch jahrelang verfolgen soll …

    Daniel Masons Charaktere sind detailreich und abgerundet. Besonders Margarete hat es mir neben unserem Hauptprotagonisten angetan. Die beiden ergänzen sich perfekt und erst ihr menschliches Engagement lässt Lucius zu dem Mann werden, der er am Ende ist.

    „Der Wintersoldat“ hat mich absolut sprachlos zurückgelassen. Ein hervorragender, medizinisch und geschichtlich sehr gut recherchierter Roman, der mich Rundum überzeugen konnte! Detailreich und erschreckend! Und eine Liebesgeschichte gibt es gratis noch dazu …

  • „Vom Himmel zum Meer“ | Lisa Marcks

    Rezensionsexemplar
    Vielen Dank an den Verlag!

    Autor:  Lisa Marcks
    Verlag:  Goldmann Verlag
    Genre:  Historischer Roman
    Seitenzahl:  412
    ISBN:  978-3-442-48829-2

    Hamburg 1892:  Als die Cholera ausbricht, müssen die Pfarrerswitwe Tilly Bevenkamp und ihre Gesellschafterin, die junge Agnes, in eine Kate an der Ostseeküste fliehen. Agnes verdient fortan einen bescheidenen Unterhalt, indem sie selbstgebackene Köstlichkeiten an die reichen Strandgäste verkauft. Dann entdeckt sie ein leerstehendes Herrenhaus mit einer große Küche. Hier würde Agnes gerne die süßen Sachen zubereiten. Das was wird der Besitzer, der gutaussehende Benjamin von Reiker, dazu sagen?

    Meine Meinung

    Die junge Agnes Martin verlässt an ihrem 21. Geburtstag das heimelige Waisenhaus im Elsass, in dem sie glücklich und behütet aufwachsen durfte, um ihre Stellung als Gesellschafterin für die Witwe Bevenkamp in Hamburg anzutreten. Doch als sie die Stadt erreicht, ist ihr erstes Zusammentreffen mit „Tilly“ erst einmal wenig erfolgversprechend, denn diese hat sie gar nicht erwartet und geht weiter ihrer Arbeit im örtlichen Waisenhaus nach. Agnes allerdings lässt sich dadurch nicht einschüchtern. Sie zieht im Bevenkamp`schen Haushalt ein und versucht mit ihren begrenzten Mitteln einen normalen Tagesablauf zu organisieren.

    Als wenige Monate später in Hamburg die Cholera ausbricht, verlässt Agnes in einer Nacht und Nebelaktion mit einigen Waisenkindern und natürlich auch Tilly im Schlepptau die Stadt Richtung Ostsee. Dort ist sie in ihrem Element:  Sie verköstigt mit Hilfe der Dorfbewohner nicht nur die Kinder, sondern backt auch noch für die Strandurlauber, die ihren Köstlichkeiten nicht wiederstehen können und sie ihr gegen gute Bezahlung aus der Hand reißen …

    Lisa Marcks bringt uns mit „Vom Himmel zum Meer“ einen unterhaltsamen und gefühlvollen Roman vor historischer Kulisse. Der Schreibstil ist flüssig, bildgewaltig, was mir die Geschichte sehr schnell näher brachte. Die Beschreibungen sind farbenfroh und ließen auch mich von einem verwunschenen alten Gutshaus mit wildem Garten und Spaziergängen am Strand träumen.
    Die Autorin hat den historischen Hintergrund gut mit ihrer Handlung verwebt und zeigt die gesellschaftlichen Standesunterschiede sehr gut auf. Natürlich wird hierbei auch die damalige Rolle der Frau thematisiert. Das Baden der nackten Füße in der Ostsee stellte für so manche Dame eine Herausforderung dar …

    Die Charaktere in diesem Buch sind ein buntes Sammelsurium an schrulligen und teils skurrilen Typen. Agnes ist eine eigensinnige Frau mit einem Riesenherz, die die Arme aufkrempelt und sich für nichts zu schade ist. Tilly Bevenkamp ist zwar auf ihrer Seite, stellt im Laufe der Geschichte aber doch Agnes Gegenpart dar. Sie ist eine durchweg traumatisierte Frau, die ihre Unsicherheiten nach außen hin, durch ihre herrische und spröde Art zu vertuschen versucht. Und dann gibt es da noch Fräulein Frieda und die anderen
    Dorfbewohner …

    „Vom Himmel zum Meer“ ist ein Roman, der vielleicht nicht in die Tiefe der angeschnittenen Themen geht, aber auf jeden Fall tief ins Herz des Lesers. Eine kurzweilige Lektüre, die mir ein paar sehr unterhaltsame Stunden bescheren konnte!