• „Echo der Hoffnung“ | Diana Gabaldon

    Titel im Original:  „An Echo in the Bone“
    Autor: Diana Gabaldon
    Aus dem Englischen übersetzt von Barbara Schnell
    Verlag: Drömer Knaur
    Genre: Historischer Roman
    Outlander-Saga, Band 7
    Seitenzahl:  1.188
    ISBN:  978-3-426-52266-0

    In den amerikanischen Kolonien ist der Krieg ausgebrochen, doch Jamie Fraser und seine geliebte Frau Claire, Zeitreisende aus dem 20. Jahrhundert, weigern sich, zu den Waffen zu greifen. Denn heißt es nicht, die Feder sei mächtiger als das Schwert?

    Jamie beschließt, die Rebellen mit Flugblättern zu unterstützen, aber seine Druckerpresse steht noch in Schottland. Und so nehmen Jamie und Claire Abschied von Fraser`s Ridge und treten eine lange gefährliche Schiffsreise über den Atlantik an

    Meine Meinung

    Mit „Echo der Hoffnung“ bin ich nun am aktuellen Stand der Reihe angelangt!
    Natürlich gibt es noch den Folgeband „Ein Schatten von Verrat und Liebe“ in der ersten deutschen Ausgabe, da ich aber doch schon sehr auf die Übersetzung von Barbara Schnell eingestellt bin, möchte ich bei diesem Buch wieder auf die Neuauflage im nächsten Jahr warten. Vielleicht ist dann auch der Erscheinungstermin des finalen Bandes, an dem Diana Gabaldon gerade noch schreibt, nicht mehr soooo weit entfernt! *klopf auf Holz*

    Wir schreiben das Jahr 1777. Die Chancen für den Sieg der Kolonien im Unabhängigkeitskrieg gegen die Briten stehen schlecht. Nur Claire und ihr Mann Jamie Fraser wissen, wie er ausgehen wird. Jamies Herz schlägt für die Seite der Aufständischen, doch ist er sich sehr wohl bewusst, dass sein unehelicher Sohn William in der britischen Armee kämpft.

    Jamie weigert sich, Hand an seine Waffe zu legen, doch er will mit dem gedruckten Wort in die Revolution eingreifen. Dafür benötigt er seine Druckerpresse, die immer noch in Edinburgh steht. Während es in den Straßen der Kolonien schon nach Pulverdampf riecht, machen sich die Frasers für ihre Rückkehr in die schottischen Highlands bereit.
    Dort – im Jahre 1979 – scheint ihre Tochter Brianna in Sicherheit. Die Kinder haben sich gut in ihrem neuen Zuhause in Lallybroch eingelebt und auch die Ehe zwischen Roger und Brianna ist harmonisch und liebevoll. Doch mysteriöse Zwischenfälle drängen gefährliche Geheimnisse aus der Vergangenheit ihrer Eltern ins Licht der Gegenwart.

    Ich muss ehrlich gestehen, für mich fühlen sich die Charaktere schon gar nicht mehr wie Buchfiguren an. Ich begleite Jamie und Claire nun schon so lang, dass sie für mich wie Freunde sind, die mir bei einem gemütlichen Abendessen erzählen wie es ihnen in den letzten Wochen und Monaten ergangen ist. Diese Verbindung ist für mich etwas Besonderes. Mich konnte ihre persönliche Geschichte, ihre Ehe, ihre Gefühle zueinander immer noch berühren und sehr gut amüsieren.

    Auch die vielen anderen Figuren und ihre Schicksale sind herzerwärmend und spielen auch in „Echo der Hoffnung“ wieder eine große Rolle. Besonders Ian hat sich hier für mich sehr hervorgetan. Er war zwar immer schon ein toller Charakter, aber in diesem Buch wurde seine Geschichte noch einmal lebendiger und für den Leser verständlicher. Diana Gabaldon schafft es hervorragend die Unterschiede zwischen seiner schottischen und seiner indianischen Seite herauszuarbeiten.

    Wie immer eine tolle Geschichte mit viel geschichtlichem Hintergrund. Mit viel Herz und tollen Wendungen!

  • „Augustus“ | John E. Williams

    Titel im Original: „Augustus“
    Autor: John E. Williams
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Bernard Robben
    Verlag: DTV Verlag
    Genre: Historischer Roman
    Seitenzahl: 445
    ISBN: 978-3-423-28089-1

    Octavius ist 19, sensibel und wissbegierig. Er will Schriftsteller und Gelehrter werden. Doch als Großneffe und Adoptivsohn Julius Cäsars fällt ihm nach dessen Ermordung ein gewaltiges politisches Erbe zu. Seine Mutter Atia warnt ihn eindringlich davor, es anzunehmen. Doch ihm, der von schwächlicher Konstitution aber enormer Willenskraft ist, wird es durch Glück, List, Intelligenz und Entschlossenheit gelingen, das riesige Römische Reich in eine Epoche des Wohlstands und Frieden zu führen.

    Meine Meinung

    Es hat wirklich lange gedauert, bis ich meinen ersten John Williams zur Hand genommen habe und die Entscheidung zwischen „Stoner“ und „Augustus“ ist mir gar nicht so leicht gefallen wie gedacht.
    Wer ein gewisses Grundinteresse an Intrigen, Ränkespiele, Verschwörungen und Verleumdungen hat, der wird in der römischen Antike bereits bedient werden.

    Der römische Kaiser Augustus gehört noch heute zu den bedeutendsten Herrschern des Römischen Reichs. In diesem Roman wird er nicht nur als geschichtliche Persönlichkeit, sondern auch als Mensch mit vielen Ecken und Kanten lebendig.
    Das Buch wurde vorwiegend als Briefroman gestaltet und so erhält der Leser viele unterschiedliche Eindrücke von Personen, die große Teile ihres Lebens an der Seite des Kaisers oder in den Schlachten gegen ihn verbracht haben. Wir erfahren über sein Leben als Feldherr, als Politiker, aber auch als Ehemann und Vater. Das Tagebuch seiner Tochter Julia und Augustus eigener Monolog am Schluss runden die Geschichte zu einem gelungen Roman ab.

    John Williams hat einen sehr melancholischen Schreibstil, der auch sprachlich eher anspruchsvoll zu lesen ist, mich konnte er aber von der ersten Seite an mitreißen. Die Schlachten und Intrigen sind nur so an mir vorbeigezogen und auch die Geschichte um Augustus Tochter konnte mich sehr bewegen.
    Durch die Fülle an Namen, die sich sehr oft gleichen, brauchte ich doch meine Ruhe um alle Details genau mitzubekommen. Hier unterstützt uns auch ein Glossar am Ende des Buches.
    Alle Unterlagen in diesem Buch sind fiktiv, entstammen aber einer korrekten geschichtlich belegten Zeittafel, wodurch beim Leser das Gefühl entsteht, einer Zusammenstellung echter Quellen zu folgen.

    „Augustus“ bietet uns interessante Einblicke über die Heiratspolitik der Römer, die Stellung der Frau und das tägliche Leben der Höhergestellten, so dass man meint, selber in der Zeit um Christi Geburt gelebt zu haben.
    Augustus selbst bezeichnet sich als den einsamsten Menschen im Reich, denn er kann niemandem trauen. Mit Geschick und Diplomatie führte der Kaiser das Römische Reich zu Frieden und Wohlstand, änderte die Staatsverfassung, stellte Recht und Ordnung in Rom wieder her. Er umgibt sich mit namenhaften Dichtern und Denkern, wie Cicero, Ovid, Marcus Agrippa, Horaz, Vergil und Homer, um nur einige Namen zu nennen. Seine Liebe galt in erster Linie Rom.

    Mich hat der Roman sehr zum Denken angeregt, fragt man sich am Ende doch, ob sich Augustus diplomatischen Schachzüge und persönlichen Opfer wirklich gelohnt haben.

  • „Ein Hauch von Schnee und Asche“ | Diana Gabaldon

    Titel im Original:  „A Breath of Snow and Ashes“
    Autor: Diana Gabaldon
    Aus dem Englischen übersetzt von Barbara Schnell
    Verlag: Drömer Knaur
    Genre: Historischer Roman
    Outlander-Saga, Band 6
    Seitenzahl:  1.351
    ISBN:  978-3-426-51824-3

    North Carolina 1772. Jamie und Claire Fraser haben sich allen Widerständen zum Trotz auf Fraser`s Ridge eine neue Heimat aufgebaut. Doch es ist ein trügerisches Idyll, denn unter den Siedlern wird der Unmut über die britische Herrschaft immer größer. Nur dank Claires Warnungen vor dem drohenden Unabhängigkeitskrieg bemüht sich Jamie um Neutralität. Doch dann bittet ihn der Gouverneur von North Carolina, das Hinterland für die britische Krone zu einen.

    Wird Jamie erneut auf der Seite der Verlierer stehen? Und was hat es mit jenem Zeitungsartikel aus der Zukunft auf sich, der von Claires und Jamies Tod bei einer Feuersbrunst berichtet?

    Meine Meinung

    Ach ja, wer einmal mit den Büchern von Diana Gabaldon anfängt, kommt nicht mehr davon los!
    Der glatte Übergang zum vorhergehenden Band hat dafür gesorgt, dass ich wieder gut in die Geschichte gefunden habe.

    Josiah Martin, der Gouverneur der englischen Kolonie North Carolina, will die Bevölkerung einigen und Jamie Fraser soll ihm dabei helfen, die blutigen Auseinandersetzungen zwischen den mittellosen, aber nach Siedlungsmöglichkeiten suchenden Bewohnern des Hinterlandes und den reichen Plantagenbesitzern an der Küste zu beenden. Durch Claire und Briannas Wissen, was die Zukunft begrifft, ist Jamie bewusst, dass sich die Amerikaner gegen die britischen Kolonialherren erheben und die Königstreuen in einem blutigen Krieg – dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg – besiegen werden.
    Schon vor der Schlacht bei Culloden im April 1746 hatte Jamie versucht, eine militärische Auseinandersetzung zu verhindern und war dabei kläglich gescheitert. Soll sich das jetzt wiederholen?
    In der angespannten Lage drohen die Fraser`s und deren Familie zwischen die Fronten zu geraten!

    Schon zu Beginn der Geschichte wirft uns Diana Gabaldon in einen schrecklichen Szenerie, die mich gleich mal mit angehaltenem Atem durch die ersten 100 Seiten rasen ließ … und ich musste stellenweise Szenen doppelt und dreifach lesen, weil ich dachte, mein Herz bleibt stehen.
    Eine Bande gesetzloser überfallen die Siedlung um Jamies wertvollen Whisky zu stehlen. Zu ihrem Pech sind ausgerechnet Claire und Marsali beim Malzschuppen. Während Marsali niedergeschlagen wird nehmen sie Claire gefangen damit sie ihnen das Whiskyversteck zeigen kann. Die Befreiung Claires nimmt einige Tage in Anspruch, in denen sie den rohen Männern schutzlos ausgesetzt ist und endet mit einem Massaker an der Bande durch Jamie und seine Männer.

    Diana Gabaldon lässt uns auch in diesem Band wieder am Leben, Lieben, Streben und Handeln der Fraser`s und ihrer Pächter teilhaben. Natürlich finden wir auch in diesem Buch wieder die gewohnt wechselnde Erzählsicht vor, da die Familienbande aber wieder von etlichen Seiten durchgerüttelt wird, bekommen wir den Hauptteil der Geschichte aus Claires Sicht erzählt.
    Es gibt Stellen zum Lachen, aber auch zum Weinen, absolute Überraschungsmomente und viele Erklärungen zu Geheimnissen aus den vorangegangenen Büchern.

  • „Das flammende Kreuz“ | Diana Gabaldon

    Titel im Original:  „The Fiery Cross“
    Autor: Diana Gabaldon
    Aus dem Englischen übersetzt von Barbara Schnell
    Verlag: Drömer Knaur
    Genre: Historischer Roman
    Outlander-Saga, Band 5
    Seitenzahl:  1.356
    ISBN:  978-3-426-51822-9

    North Carolina 1770. Jamie und Claire Fraser haben in den britischen Kolonien Nordamerikas Fuß gefasst, doch die Ruhe und der Frieden auf ihrem Anwesen Fraser`s Ridge sind trügerisch. Denn unter den immer zahlreicher einwandernden Siedlern gärt es, zunehmend unwillig nehmen die Einwohner der Kolonien die Bevormundung durch die britische Zentralregierung hin. Als es zu ersten Aufständen kommt, muss auch Jamie sich entscheiden, auf wessen Seite er stehen will.

    Für Claire ist die Situation noch schlimmer: Sie weiß, dass der Regulatorenkrieg ihre und Jamies Liebe auf die härteste Probe seit langem stellen wird.

    Meine Meinung

    „Das flammende Kreuz“ ist für mich auf jeden Fall der familiärste Teil der Reihe. Endlich hetzt man nicht mehr nur von einer Katastrophe zur Nächsten, sondern kann sich auch mal am aufregenden Alltag der Frasers und MacKenzies laben. Auch die neuen Pächterfamilien sind eine interessante Fassette in diesem Buch, da sie unterschiedlicher nicht sein können.

    „Fraser’s Ridge“ entwickelt sich zu einer starken Gemeinschaft. Die Pächter bewirtschaften die Ländereien. Werkstätten werden errichtet. Jamie geht voll und ganz in seiner Stellung als Gutsherr und Verwalter auf und Claire betätigt sich als Ärztin. Natürlich zeigt sie dabei Kenntnisse, die ihrer Zeit weit voraus sind, da sie aus der Zukunft stammen.
    Aber auch der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg steht kurz vor dem Ausbruch. Darüber sind vor allem Claire und Jamie besorgt, denn sie wissen aus eigener Erfahrung, wie grausam militärische Auseinandersetzungen sind.

    Doch im Jahre 1771 ist der bevorstehende Krieg noch nicht die Hauptsorge der Bewohner von „Fraser’s Ridge“. Mehr zu schaffen macht ihnen der bereits entbrannte Konflikt zwischen den reichen Plantagenbesitzern an der Küste und den mittellosen, nach Siedlungsmöglichkeiten suchenden Bewohnern des Hinterlandes. Die Regulatoren wollen mit allen Mitteln an die Macht!

    Die Liebesgeschichte um Brianna und Roger ist für mich eine wunderbare Zugabe und auch der Schriftverkehr zwischen Jamie und Lord John gefiel mir sehr gut.

    Auch in diesem Band war ich wieder ein Teil der Frasers. An manchen Stellen kamen mir so plötzlich die Tränen, dass ich die Buchstaben nicht mehr erkennen konnte und an Anderen wiederum, konnte ich vor Lachen gar nicht mehr aufhören. Als Leser kann man gar nicht anders, als sich von der Geschichte mitreißen zu lassen!

    Diana Gabaldon konnte mir auch in „Das flammende Kreuz“ wieder die damaligen Lebensumstände bis ins kleinste Detail näherbringen. Ihr witziger und dennoch sehr detailreicher und spannender Schreibstil ist perfekt. Einmalig sind auch ihre Beschreibungen der Gerüche oder Geschmäcker. Ich würde sagen, sie steigert sich mit jedem Band!

  • „Der Ruf der Trommel“ | Diana Gabaldon

    Titel im Original:  „Drums of Autumn“
    Autor: Diana Gabaldon
    Aus dem Englischen übersetzt von Barbara Schnell
    Verlag: Drömer Knaur
    Genre: Historischer Roman
    Outlander-Saga, Band 4
    Seitenzahl:   1.190
    ISBN:  978-3-426-51826-7

    Claires Liebe zum rebellischen schottischen Clanführer Jamie hat sie aus der modernen Zeit zurück ins 18. Jahrhundert geführt. Nach einer abenteuerlichen Reise über den Atlantik erreichen die beiden im Jahr 1767 die amerikanischen Kolonien. In der Wildnis von North Carolina erkämpfen sich Claire und Jamie schließlich ein neues Leben fernab der Zivilisation. Doch der Atem der Vergangenheit reicht weit. Denn auch ihre gemeinsame Tochter Brianna ist dem Ruf der Trommel in die Vergangenheit gefolgt.

    Meine Meinung

    Und weiter geht’s mit dem 4. Band der Outlander-Saga!

    Nach ihrer Ankunft in Amerika im Frühjahr 1767 schlagen sich Jamie und Claire zur Plantage „River Run“ an der Ostküste durch. Diese wird von den Camerons bewirtschaftet, die entfernt mit den schottischen MacKenzies – und somit auch mit Jamie – verwandt sind. Unterwegs werden sie von dem englischen Piraten Stephen Bonnet ihres letzten Besitzes beraubt und auch in „River Run“ spielt die blinde, herrschsüchtige Jocasta Cameron keine sehr offene Partie.
    Jamie und Claire bekommen die Möglichkeit, sich mit ihren Gefolgsleuten in einer noch unberührten Gegend anzusiedeln. Wir begleiten die Beiden, wenn „Fraser`s Ridge“ erste Züge annimmt!

    Brianna Fraser hingegen kann ihre Mutter nicht vergessen. Der Historiker Roger Wakefield, mit dem sie in Verbindung geblieben ist, stößt 1970 auf einen mysteriösen Zeitungsartikel, der 1776 ein schreckliches Inferno ankündigt. Zunächst möchte er seine Entdeckung vor Briana verheimlichen, aber diese kommt dahinter und lässt sich im Steinkreis auf dem „Craigh na Dun“ in die Vergangenheit versetzen. Als Roger begreift was sie getan hat, folgt er ihr überstürzt!

    „Der Ruf der Trommel“ ist einer meiner Lieblingsbände der Reihe. Die Geschichte wird bedeutend langsamer und ruhiger erzählt und auch die schlagkräftige Action lässt merkbar nach. Jamie und Claire werden endlich sesshaft und können ihr gemeinsames Leben genießen. Natürlich verliert die Erzählung nicht ihren bildlichen Charakter, er verlagert sich nur von den Schlachten und Intrigen auf das Leben in einer Gemeinschaft und den Aufbau einer neuen Siedlung. Wobei: Was Intrigen und dramatischen Situationen angeht, kommt dieses Buch wirklich nicht zu kurz!

    Das ruhige Leben auf „Fraser`s Ridge“ wird natürlich zur Gänze gestört, als Brianna in ankommt. Es war schon für Claire nicht einfach, sich mit den Lebensbedingungen im 18. Jahrhundert anzufreunden, aber mit Brianna trifft eine selbstbewusste, emanzipierte junge Frau auf den sturen und starken schottischen Highlander James MacKenzie Fraser.

    Auch das Auftrauen des von Jamie sogleich mit blindem Hass verfolgten Roger Wakefield führt zu gefährlichen Verwicklungen!

  • „Tyll“ | Daniel Kehlmann

    Autor:  Daniel Kehlmann
    Verlag: Rowohlt Verlag
    Genre: Roman
    Seitenzahl: 474
    ISBN: 978-3-498-03567-9

    Tyll Ulenspiegel – Vagant, Schausteller und Provokateur – wird zu Beginn des 17. Jahrhunderts als Müllerssohn in einen kleinen Dorf geboren. Sein Vater, ein Magier und Welterforscher, gerät schon bald mit der Kirche in Konflikt. Tyll muss fliehen und die Bäckerstochter Nele begleitet ihn.

    Auf seinen Wegen durch das von den Religionskriegen verheerte Land begegnen sie vielen kleinen Leuten und einigen der sogenannten Großen: dem jungen Gelehrten und Schriftsteller Martin von Wolkenstein, der für sein Leben gern den Krieg kennenlernen möchte, dem melancholischen Henker Tilman und Pirmin, dem Jongleur, dem sprechenden Esel Origenes, aber auch dem dem exilierten Königspaar Elisabeth und Friedrich von Böhmen, deren Ungeschick den Krieg einst ausgelöst hat.

    Meine Meinung

    Mit „Tyll“ bekommen wir ein wunderbar skurriles Buch, dass uns tief in die Gedankenwelt des Dreißigjährigem Krieges eintauchen lässt. In meinen Augen, ist Daniel Kehlmann ein Meister der Sprache!

    Tyll Ulenspiegel wächst als Sohn einer Müllersfamilie auf. In seinem Vater brennt ein wissbegieriger Geist, der sich oft mit der Frage beschäftigt, wie die Welt wirklich funktioniert. Leider fehlt es ihm an Vorwissen und er sucht nach Erklärungen für den Lauf der Zeit, für die Ursache von Krankheiten, für die wirkliche Natur der Dinge. Mit jeder Frage, die er stellt, macht er sich zunehmend in den Augen der Kirche verdächtig, die die alleinige Deutungshoheit beanspruchen. Die Gelehrten sorgen dafür, dass Tylls Vater als Hexer hingerichtet wird, worauf sich der Junge auf den Weg ins Ungewisse macht. Aus seinen zaghaften Versuchen, auf einem Seil zu gehen und zu jonglieren, wird ein Beruf, den er auf die harte Tour von einem brutalen Gaukler beigebracht bekommt.

    Der Dreißigjährige Krieg war eine Zeit der inneren und äußeren Auflösung. Europa war im Begriff sich selbst zu zermalmen. Aus Bauernsöhnen wurden Söldner, anders konnten viele nicht überleben. Die Soldaten wechselten manchmal mehrfach am Tag die Fronten. Der Feind, das waren immer die anderen, und jedem Gerücht wurde geglaubt, auch an magische Amulette, die Kugeln fernhielten, und an die Gewissheit der Hölle.
    Und so begleitet Tyll auch den dümmsten der Mächtigen, den glücklosen König von Böhmen, der durch die Annahme seiner Krone den Dreißigjährigem Krieg ausgelöst hat, und auch seine Frau, die ihn wohl dazu überredete, sich gegen den Kaiser zu stellen.

    Für mich gibt es in diesem Buch eine ganz große Kernaussage:  „Zuerst kommen die Gaukler, dann kommt der Krieg!“ Das Volk will nicht regiert werden, es will unterhalten werden. Die Herrschenden umgeben sich mit Hofnarren, weil es ihren guten Status unterstreicht. Also bietet sich Tyll gleich mehr als einmal als Hofnarr an, weil ihm das ein relativ sicheres Leben ermöglicht.

    Das Buch ist gespickt mit, auf den ersten Blick absurden, aber auf den zweiten Blick doch immer schlüssigen Gedankenspielen auf der Basis des damaligen Aberglaubens bzw. der noch in den Kinderschuhen befindlichen Wissenschaft. Die Geschichte wird bildgewaltig erzählt, obwohl es kaum ein sprachliches Bild enthält. Man stapft durch Schnee und Dreck und riecht die Dummheit und das Blut.

    „Tyll“ ist ein trickreicher und extrem gut recherchierter Roman von Daniel Kehlmann, welcher mit klarer Sprache von Schauplatz zu Schauplatz reist und wichtige Figuren in ein spannendes Licht rückt.

  • „Ferne Ufer“ | Diana Gabaldon

    Titel im Original:  „Voyager“
    Autor: Diana Gabaldon
    Aus dem Englischen übersetzt von Barbara Schnell
    Verlag: Drömer Knaur
    Genre: Historischer Roman
    Outlander-Saga, Band 3
    Seitenzahl:   1.228
    ISBN: 978-3-426-51823-6

    20 Jahre lang hielt Claire ihre große Liebe Jamie Fraser für tot. Nun findet sie heraus, dass er die Schlacht von Culloden überlebt hat. Unterstützt von ihrer Tochter Brianna, kehrt sie durch den Steinkreis zu ihm ins 18. Jahrhundert zurück.

    Aber Jamie hat in all der Zeit sein eigenes Leben geführt, außerdem kämpft er weiterhin für Schottlands Unabhängigkeit. Und so müssen die beiden früher, als ihnen lieb ist, aus dem Hochland fliehen und sich aufmachen zu neuen, fernen Ufern. Doch sie wissen, dass ihre Liebe und ihre Leidenschaft füreinander sie jedes Hindernis überwinden lassen wird.

    Meine Meinung

    Mit „Ferne Ufer“ sind wir nun beim 3. Band der Outlander-Saga angekommen.
    Für mich macht die Geschichte Hier einen Cut. Die Erzählung springt in beiden Zeitebenen um 20 Jahre in die Zukunft – nicht rasant, aber doch merkbar – und wir verlassen Schottland zusammen mit Jamie und Claire, ohne genau zu erfahren, ob wir jemals wieder zurückkehren werden.
    Wir bekommen sehr reife Charaktere, die vieles aus ihrer Vergangenheit mit sich schleppen. Der jugendliche Enthusiasmus, den man in den Bänden davor oft zu spüren bekommen hat, ist hier fast zu Gänze verschwunden.

    Culloden 1746: Über die Hälfte der Highlander hat auf dem Schlachtfeld ihr Leben gelassen. Jamie Fraser lebt, wurde aber schwer verwundet. Als er sich, zusammen mit einer Handvoll Männer zur Genesung in eine Bauernkate zurückgezogen hat, werden sie von Major Lord Melton gefunden und des Hochverrats angeklagt. Als dieser Jamies richtigen Namen erfährt, wendet sich jedoch das Blatt.

    Inverness 1968: Claire, Brianna und der Historiker Roger Wakefield finden immer mehr Beweise, dass Jamie die Schlacht überlebt hat.  Hin- und hergerissen zwischen der Liebe zu ihrer Tochter und Jamie fällt Claire eine Entscheidung:  Sie wird zurück in die Vergangenheit reisen. Brianna ist inzwischen alt genug um auch ohne Claire ihre Leben meistern zu können und auch Roger ist an ihrer Seite.

    Zwei Tage nach ihrem Zeitsprung erreicht Claire Edinburgh, wo Jamie als Buchdrucker seinen Lebensunterhalt bestreitet. Die Liebe zu seiner Frau war nie fort. Nicht zu wissen, ob die schwangere Claire die Reise durch die Steine überlebt hat, hat ihn seitdem gequält. Dennoch müssen die Beiden nach der langen Trennung erst wieder zueinander finden. Beide haben ihre Leben gelebt und müssen sich neu kennenlernen.
    Als Jennys Sohn Ians von Piraten entführt wird, begeben sich sie sich an Bord der Artemis, auf Kurs nach Westindien um diesen zu retten. Auch der mittlerweile erwachsen gewordene Fergus begleitet sie wieder auf ihrer Reise und wir lernen viele neue, aber wichtige Personen kennen.
    Nachdem Jamie und Claire in der Karibik auf Lord John Grey, dem ehemaligen Kommandanten von Ardsmur, treffen, können sie mit einem kleinen Schiff fliehen, landen in Georgia und erreichen endlich die Neue Welt.

    Das Leben im 18. Jahrhundert wird von Diana Gabaldon wie immer sehr eindrucksvoll geschildert. Durch ihren schönen Schreibstil, kann man sich die Zeit bildlich deutlich vorstellen. Auch die neuen Protagonisten werden dem Leser wie gewohnt sehr eindrucksvoll nahe gebracht und man hat sofort eine Verbindung zu ihnen. Einige liebt man vom ersten Moment an, bei anderen wird das Misstrauen des Lesers geschürt.

    Auch „Ferne Ufer“ besticht wieder durch Detailgenauigkeit und historischer Authentizität.

    Leider haben mich die letzten Szenen, sprich wie sie den Weg in die neue Welt gefunden haben, etwas gestört. Ich finde, da hätte es eine bessere bzw. glaubwürdigere Lösung geben müssen. Ich möchte niemanden spoilern, aber vielleicht wisst ihr ja schon was ich meine!

  • „Die geliehene Zeit“ | Diana Gabaldon

    Titel im Original: „Dragenfly in Amber“
    Autor: Diana Gabaldon
    Aus dem Englischen übersetzt von Barbara Schnell
    Verlag: Drömer Knaur
    Genre: Historischer Roman
    Outlander-Saga, Band 2
    Seitenzahl: 1.224
    ISBN: 978-3-426-51810-6

    Schottland 1968: Zwanzig Jahre, nachdem Claire Randall aus der Vergangenheit zurückgekehrt ist, bringt sie ihre Tochter Briana in die Highlands. Briana soll endlich das Land ihres Vaters kennenlernen. Außerdem sucht Claire die Antwort auf eine Frage, die sie seit über zwanzig Jahren quält: Hat ihre große Liebe Jamie Fraser die schreckliche Schlacht bei Culloden überlebt?

    Meine Meinung

    Also eines kann ich euch garantieren: Wer „Feuer und Stein“ gelesen hat, wird auch dieses Buch verschlingen! Wie bereits in der ersten Rezension angedeutet, hat der erste Band zwar kein offenes Ende, hört aber sehr abrupt und unbefriedigend auf.

    „Die geliehene Zeit“ beginnt 1968, also 20 Jahre nach Claires Rückkehr!
    Auf Einladung von Roger Wakefield, dem Sohn eines verstorbenen Reverend, der viele Jahre ein Freund der Familie war, reisen Claire und ihre 19-jährige Tochter Brianna nach Schottland. Gemeinsam forschen sie in der Vergangenheit und erwecken für Claire altgeliebte Menschen und tragische Zeiten wieder zum Leben. Sie wird mit dem Verlust ihrer großen Liebe James Fraser konfrontiert und bricht an ihrem Kummer zusammen. Sie erzählt Brianna von ihrem wirklichen Vater und ihren Erlebnissen.

    Wir begleiten sie und Jamie zurück ins alte Frankreich. Nach seiner Genesung fungiert er als Verbindungsoffizier zwischen dem Hof König Ludwig XV von Frankreich, den schottischen Rebellen und Prinz Karl Eduard Stuart, dem Enkel des 1689 aus Schottland vertriebenen König Jakob II. Jamie soll dem Prinzen die finanziellen Mittel für die Rückkehr in die Heimat und die Rückeroberung des Throns von den Engländern beschaffen. Dadurch setzt er sich allerdings der Gefahr aus, für einen Verräter gehalten zu werden.
    Jamie und Claire fallen vielen Intrigen zum Opfer, die ihre Bemühungen die Schlacht von Culloden zu verhindern scheitern lassen. Um Claires Leben und das ihres ungeborenen Kindes zu retten, ringt Jamie sich zu einem schmerzhaften Entschluss durch.

    Auch in „Die geliehene Zeit“ konnte Diana Gabaldon mich wieder direkt ab der ersten Seite einfangen und hat mich zum Ende nicht mehr losgelassen. Es ist Spannend den Menschen und der gehobenen Gesellschaft zu dieser Zeit über die Schulter zu schauen. Man merkt, dass die Umgebung ein ganz anderes Temperament hat. Zudem kommen viele neue Charaktere hinzu, die es erst zu durchschauen gilt.

    Claire und Jamie entwickeln sich weiter. Ihre Beziehung durchlebt Höhen und Tiefen und an manchen Stellen muss man einfach mitfiebern. Die Beiden werden sehr authentisch dargestellt, sie leben eine ganz gewöhnliche Beziehung, in der sich gestritten und geliebt wird. Das macht Beide auch sehr sympathisch.

    Die geschichtlichen und politischen Entwicklungen nehmen rasant zu und man sollte immer aufmerksam bei der Sache sein, um die Handlung nicht zu verlieren!

  • „Feuer und Stein“ | Diana Gabaldon

    Titel im Original: „Outlander“
    Autor: Diana Gabaldon
    Aus dem Englischen übersetzt von Barbara Schnell
    Verlag: Drömer Knaur
    Genre: Historischer Roman
    Outlander-Saga, Band 1
    Seitenzahl: 1.129
    ISBN: 978-3-426-51802-1

    Schottland 1946:
    Die englische Krankenschwester Claire Randall verbringt mit ihrem Ehemann eine Urlaub in den Highlands. Eines Tages betritt sie neugierig einen alten Steinkreis und wird darin ohnmächtig. Als sie wieder zu sich kommt, befindet sie sich im Jahr 1743 – und ist von jetzt auf gleich eine Fremde, ein „Outlander“

    Meine Meinung

    Als ich „Feuer und Stein“ vor sehr langer Zeit zum ersten Mal zur Hand genommen habe, war ich in eher skeptischer Stimmung. Egal mit wem man über die Bücher gesprochen hat, jeder war total begeistert und man wurde von Lobeshymnen nur so überschwemmt. Heute muss ich ehrlich zugeben: Nicht ohne Grund!
    Da ich in den letzten Jahren immer nur sehr sporadisch zu den Büchern gegriffen habe, wollte ich mir 2018 das Ziel setzen, die jetzt neu erschienen Übersetzungen ohne große Unterbrechungen weg zu lesen!

    Die Geschichte beginnt in Schottland, im Jahre 1945. Hier verbringt die junge Claire Randall zusammen mit ihrem Mann Frank nach den Schrecken des zweiten Weltkrieges, ihre Flitterwochen. Auf einem ihrer Spaziergänge stößt sie auf einen alten Steinkreis, den „Craigh na Dun“. Als sie näher kommt, vernimmt sie ein tiefes, summendes Geräusch, als würden die Steine für sie singen. Claire weicht instinktiv zurück, doch ihr wird schwindelig und sie rutscht stolpernd den Hügel hinunter. Benommen hört sie das Wiehern von Pferde und den Lärm einer Schlacht. Von der Situation überfordert versteckt sie sich im Wald, wird dort aber plötzlich von einem Fremden im scharlachroten Dragonerrock entdeckt. Panisch ergreift Claire die Flucht und wird von unbekannten Reitern gerettet.
    Der junge James Alexander Fraser, wird des Mordes verdächtigt. Er ist charmant, gutaussehend und fällt Claire wegen seines besonnen Auftretens sofort ins Auge. Um den Engländern zu entkommen, zieht sie mit Jamie und seinen Gefährten weiter. Auf der Burg Leoch angekommen, bestätigt sich das bereits vermutete: Sie befindet sich nicht mehr in ihrer Zeit, sondern im Jahre 1743.

    Diana Gabaldon hat einen sehr klaren und flüssigen Schreibstil, der durch bildgewaltige Umschreibungen der Landschaft, der Menschen und Pflanzen, aber auch der Kriege zwischen den Schotten und den Engländern besticht.
    Gerade ihre Charakterzeichnungen stechen für mich sehr hervor. Die Protagonisten sind mit viel Liebe gestaltet und der Leser bekommt von der Autorin auf jeden Fall das richtige Bild in den Kopf gesetzt. Ich liebe den Stolz und die Kraft der Highlander, aber auch die Unterschiede zwischen den Clans sind toll ausgearbeitet.

    „Feuer und Stein“ erzählt uns aber auch die Geschichte des „Bonnie Prince Charlie“. Charles Edward Louis Philip Casimir Stuart – was für ein Name! – war der Sohn des im Exil lebenden englischen Thronprätendenten James Francis Edward. Seine zweifelhafte Berühmtheit erlangte er nach dem Versuch einer Invasion um den schottischen und englischen Thron für die Stuarts zurückzugewinnen.
    Die Recherchearbeit ist hervorragend und Diana Gabaldon bereitet die geschichtlichen Fakten sehr spannend für ihre Leser auf.

    Für mich endet das Buch leider etwas unglücklich, mit einem abgeschlossenen und doch offenen Ende. Ich würde euch daher raten, auf jeden Fall den zweiten Band schon zu Hause haben!