• „Halloween“ | Stewart O`Nan

    Titel im Original: „The Night Country“
    Autor: Stewart O`Nan
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Thomas Gunkel
    Verlag: Rowohlt Verlag
    Genre: Roman | Horror
    Seitenzahl:  256
    ISBN: 978-3-498-05033-8

    Dies ist eine Abenteuergeschichte, eine Einladung zum Wahnsinn, ganz natürlich und doch verboten, verlockend, etwas, das auch du noch im Blut hast.
    Bist du nicht gespannt? Willst du es nicht wissen?

    Na dann los, komm mit uns in die Nacht hinaus!

    Meine Meinung

    Heute gruselt es uns! Wir schreiben die Nacht vor Halloween!

    Eine Clique aus fünf Jugendlichen ist unterwegs zu einer Party. Von der guten Laune und dem Nervenkitzel dieser Nacht mitgerissen, fahren sie zu schnell und werden von einem Polizisten ins Visier genommen, der sie zum Anhalten bringen möchte. Toe, der Fahrer des Quintetts, hält nichts von der Idee und drückt nochmal ordentlich aufs Gas um dem unliebsamen Anhängsel zu entkommen. Dies endet in einem grauenhaften Unfall, bei dem nur Tim unverletzt und Kyle mit schweren Kopfverletzungen überleben. Marco, Toe und Danielle sind sofort tot!

    Als wäre die Situation nicht schon bedrückend genug, können die Toten die Kleinstadt Avon nicht verlassen, da ihre Angehörigen und Freunde sie einfach nicht loslassen können. Sie bleiben als Geister zurück und springen von Person zu Person. Stewart O`Nan schafft hier eine ganz besondere Sicht auf die Geschehnisse, lässt er sie doch einen großen Teil der Geschichte selbst erzählen.

    „Halloween“ vermittelt einen unterschwelligen Grusel, jedoch mit ernstem Hintergrund.
    Eine amerikanische Kleinstadt ist traumatisiert. Der tragische Unfalltot bleibt für die Bevölkerung unfassbar und die Toten setzen sich in den Köpfen ihrer Mitmenschen fest. Auf diese Weise suchen die Lebenden auch die Nähe der Toten und sind ihnen schon bald näher als den Lebenden. Über Tim und Kyle schreibt Stewart O’Nan sogar, sie seien wie Monster.

    Auch Brooks ist ein sehr bedeutender Teil der Geschichte. Er ist der Polizist, der damals die Verfolgung des Wagens aufgenommen hat. Gequält von immensen Schuldgefühlen rekonstruiert er immer und immer wieder den Unfall und verfällt geradezu in eine Marnie, was diese Nacht angeht.
    War er wirklich Schuld an dem Unfall?

    Stewart O`Nan schafft es über das gesamte Buch hinweg, eine sehr angespannte Atmosphäre zu schaffen. Man leidet mit den Angehörigen mit und kann deren Gedanken und ihre Ohnmacht sehr gut verstehen.
    Gerade Tim, der die Nacht ohne körperliche Blessuren überstanden hat, hat mich sehr mitgenommen. Ein toller und ehrlicher Charakter! Er muss sehr häufig an seine Freundin Danielle denken, die er verloren hat. Je näher der Jahrestag rückt umso bedrohlicher scheinen sich seine Gedanken zu entwickeln.

    Nur Kyle, der den Unfall vergessen hat, kann als der einzig Glückliche angesehen werden!

  • „Coraline“ | Neil Gaiman

    Titel im Original: „Coraline“
    Autor: Neil Gaiman
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Cornelia Krutz-Arnold
    Verlag: Arena Verlag
    Genre: Horror | Jugendbuch
    Seitenzahl:  175
    ISBN: 978-3-401-06445-1

    Coraline ist mit ihren Eltern in ein düsteres altes Haus gezogen. Die Nachbarn sind reichlich merkwürdig: Der verrückte Herr mit Schnurrbart erzählt von seinem Mäusezirkus, die schrulligen Schauspielerinnen warnen sie vor dem tiefen Brunnen im Garten. Noch merkwürdiger findet Coraline die zugemauerte Tür ihrer Wohnung. Nachts sieht sie dort einen dunklen Schatten verschwinden.
    Was verbirgt sich hinter dieser Tür
    ?

    Meine Meinung

    „Coraline“ von Neil Gaiman habe ich vor einigen Wochen auf dem „Blücher“-Blog entdeckt und spontan wieder Lust auf diese Geschichte bekommen. Ich kannte den Film, aber ich glaube, das Buch stand bisher noch ungelesen in meinem Regal.

    Coraline Jones ist mit ihren Eltern in ein neues Haus gezogen. Die Sommerferien sind lang und sie hat absolut keine Lust die restlichen freien Tage in ihren öden vier Wänden zu verbringen. Ihre Eltern sind beruflich sehr eingespannt und für neue Freundschaften war bisher noch nicht die Zeit. Die beiden anderen Wohnungen werden von zwei älteren Damen und einem älteren Herrn mit Schnurrbart bewohnt, die zwar skurril und lustig sind, aber bei ihrem Tatendrang einfach nicht mehr mithalten können. So begibt sich Coraline alleine auf Entdeckungsreise und findet eine verschlossene Tür mitten in der guten Stube ihrer Wohnung. Einmal geöffnet, verbirgt sich dahinter eine exakte Kopie ihres eigenen Hauses, nur das hier ihre „andere Mutter“ lebt. Und mit einem Mal ist Coralines Welt nicht mehr so, wie sie einmal war.

    Das kleine Mädchen, dessen Namen all die Erwachsenen nicht richtig aussprechen können, beweist unglaublich viel Mut auf ihrem Abenteuer und muss sich einigen bitterbösen Aufgaben stellen, die die „andere Mutter“ mit List zu durchkreuzen versucht. Auch wenn ihre Eltern nur selten Zeit für sie haben, so will sie diese doch behalten, anstatt in einer Welt zu leben, in der sie angeblich alles haben kann. Ein Spiel auf Leben und Tod beginnt!

    Auf ihrem Abenteuer bekommt Coraline die Hilfe eines schwarzen Katers, der von Anfang an durch seine katzenhafte Überheblichkeit glänzt, sie aber gekonnt durch ihr Aufgaben begleitet und ihr nicht nur einmal aus der Patsche hilft.

    Es handelt es sich hier um ein Kinderbuch mit einer gigantischen Portion Horror. Ich empfehle den Eltern die Geschichte erst mal selbst zu lesen und dann für sich zu entscheiden, ob ihr Kind dafür reif genug ist. Ich kann mir gut vorstellen, dass so mancher Volksschüler davon Alpträume bekommen könnten. Daher möchte ich „Coraline“ auch eher unter das Genre „Jugendbuch“ einstufen.

    Natürlich hat Neil Gaiman hier eine sehr einfache Sprache gewählt, er erzählt die Geschichte aber sehr eindringlich und bildgewaltig! Ich war begeistert!

  • „A Head Full of Ghosts“ | Paul Tremblay

    Titel im Original: „A Head Full of Ghosts“
    Autor: Paul Tremblay
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Manfred Sanders
    Verlag: Festa Verlag
    Genre: Horror
    Seitenzahl:  397
    ISBN: 978-3-86552-659-5

    Head Full of Ghosts schildert auf mehreren Zeit- und Personenebenen die Erlebnisse der 14-jährigen Marjorie. Als sie Anzeichen einer Geisteskrankheit zeigt, gipfelt die Hilflosigkeit ihrer Familie und der Ärzte in einem Exorzismus, der als Show live im TV ausgeschlachtet wird.

    Jahre später gibt Merry, die jüngere Schwester von Marjorie, ein Interview und spricht über die tragischen und unheimlichen Geschehnisse, die seither zur urbanen Legende wurde.

    Meine Meinung

    Mit „A Head Full of Gosts“ ist mein erstes Buch aus dem Festa Verlag bei mir eingezogen. Der Autor war mir noch zur Gänze unbekannt, aber der Klappentext hat sehr schnell mein Interesse geweckt. Dieser Verlag ist nicht nur für seine besonderen Geschichten bekannt, auch die Qualität der Bücher wird immer wieder hervorgehoben. Und beides kann ich nur bestätigen!

    Marjorie ist 14 Jahre alt, als sich ihr Verhalten schlagartig ins Negative verändert. Anfänglich noch als pubertären Zug abgestempelt, wissen schon bald weder ihre Eltern noch ihre Lehrer, wie sie mit ihr umgehen sollen. Ihre Familie gerät mehr und mehr an die Grenzen ihrer Belastbarkeit und selbst Marjories Therapeut ist mit seinem Latein am Ende. Hat sie tatsächlich eine Geisteserkrankung?
    Für den streng religiösen Vater ist der Fall klar: Seine Tochter ist von einem Dämon besessen!
    Zudem wird die Familie von Geldsorgen geplagt, die mit der Ausstrahlung einer Reality Show mit einem Satz beseitigt werden könnten.

    „A Head Full of Ghosts“ wird uns rückblickend von der jüngeren Tochter der Familie erzählt. Diese gibt Jahre später ein Interview und spricht von den tragischen und unheimlichen Ereignissen in ihrer Vergangenheit. Dabei darf man nicht vergessen das Merry damals gerade mal 8 Jahre alt war:  Einige ihrer Erinnerungen sind verschwommen, teilweise sogar lückenhaft. Dieser Aspekt machte die Geschichte unheimlich spannend für mich. Ist das Ganze wirklich so geschehen? … oder spielt ihr die Fantasie nur einen Streich?
    Paul Tremblay hat das Rad nicht neu erfunden, aber die Idee wurde sehr gut umgesetzt und überzeugt mit einigen Überraschungen. Die Geschichte ist erschreckend detailgetreu geschildert und als Leser fragt man sich sehr schnell, ob man nicht doch eine wahre Lebensgeschichte erzählt bekommt. Der Verlauf der Handlung ist an manchen Stellen verwirrend und man weiß selbst nicht mehr so genau, was nun wirklich Realität ist.

    Der Schreibstil ist eher nüchtern und sachlich, das sollte einem als Leser schon zusagen. Die Charaktere bleiben eher oberflächlich, dennoch konnte ich mich gut in sie hineinversetzten und besonders die Hilflosigkeit der Eltern nachvollziehen. Doch auch Merry konnte ich verstehen, die in ihrem Alter von den ganzen Ereignissen einfach nur überfordert war.

    „A Head Full of Ghosts“ spielt mit unserer Psyche! Wer hier jetzt den blanken Horror erwartet den muss ich enttäuschen, denn hier geht es rein auf der psychologischen Ebene zu!

  • „Friedhof der Kuscheltiere“ | Stephen King

    Titel im Original:  „Pet Sematary“
    Autor:  Stephen King
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Christel Wiemken
    Verlag:  Heyne
    Genre:  Horror
    Seitenzahl:  606
    ISBN:  978-3-453-43579-7

    Als die junge Familie Creed ihr neues Zuhause erblickt, sind die Strapazen des Umzugs von Chicago nach Ludlow, vergessen. Das weiße Haus ist von einem großen Garten umgeben, hinter dem sich unendlich weite Wälder erstrecken – Gebiet der Micmac-Indianer.
    Nur die Schnellstraße direkt von dem Gartentor stört die Idylle. Dem Kater der Creeds wird sie bald zum Verhängnis: Church wird von einem Tanklaster überfahren. Louis Creed begräbt den Kater auf einem Tierfriedhof im Wald, ohne seiner Tochter Ellie vom Tod des geliebten Tieres zu erzählen. Und tatsächlich scheint zu stimmen, was man sich Unheimliches von dem alten Friedhof erzählt, denn schon bald kehrt Church zurück – etwas aggressiver, doch offensichtlich sehr lebendig. Louis weiß genau, dass er den toten Kater in einem Müllbeutel beerdigt hat.

    Über welche Kräfte verfügt der Friedhof?
    Und wird eine derartige wunderbare Erweckung auch bei einem Menschen möglich sein?

    Meine Meinung

    Der „Friedhof der Kuscheltiere“ ist in meinen Augen, eine der eingängigsten Geschichten von Stephen King. Er gehört zu den Büchern, die am längsten im Unterbewusstsein nachhallen und die bei mir auf jeden Fall einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben.
    Stephen King geht in diesem Buch dem größten Mysterium des Lebens auf den Grund:  Dem Tod!
    Was wäre, wenn man verstorbene Familienmitglieder zurückholen könnte?
    Ist es nicht das, was wir alle wollen? Was wäre, wenn wir es tatsächlich könnten …

    In dieser Geschichte ist es nicht die Brutalität, die einem eine Gänsehaut über den Rücken laufen lässt, sondern der unterschwellige Horror, der schon auf den ersten Seiten langsam aus dem Roman herauszukriechen beginnt. Der dem Leser sachte über den Nacken streicht und ihm zu guter Letzt eine eiskalte Hand auf die Schulter legt und „Liebling“ flüstert!

    Die Handlung wird direkt vom Familienvater Louis erzählt, ein sehr offener und lockerer Typ. Durch seine ungezwungene Erzählweise, bekommt die Geschichte sehr viel Leben und man kommt als Leser sehr gut an. Stephen King lässt uns gemeinsam mit der Familie Creed in Ludlow das Haus einrichten, wir lernen die Nachbarn besser kennen und begleiten Louis bei seinem ersten Arbeitstag. Er gibt seiner Geschichte genügend Zeit um sich zu entfalten … und lässt genau in dem Moment das Grauen zuschlagen, wenn man denkt, dass es gerade so schön heimelig geworden ist. Allerdings hält er sich damit nicht lange auf, sondern setzt dem Ganzen noch eine schaurig schöne Krone auf.

    In meinen Augen ist der „Friedhof der Kuscheltiere“ keine einfache Horrorgeschichte. Es bietet dem Leser eine glaubhafte Erklärung, wie man Kindern den Tod nahe bringt und wie Menschen mit Trauer umgehen sollten. Und nein: Ich möchte nicht damit sagen, dass man dieses Buch einem Kind in die Hand geben sollte, aber Stephen King lässt seine Figuren wie immer für seine Leser real werden und man kann durchaus seine klaren Schlüsse daraus ziehen.

    Im Original heißt das Buch „Pet Sematary“ und nicht korrekterweise „Pet Cemetery“. Diesen Schreibfehler hat Stephen King bewusst gewählt, denn das Schild am Eingang des „Haustier-Fritof“ wurde von kleinen Kindern aufgestellt, denen dieser Schreibfehler unterlaufen ist. Ich persönlich finde die Idee richtig gut, dass der Titel so übernommen wurde! Und ihr?

    Zu guter Letzt könnte man dem Buch noch gewisse Längen ankreiden, aber das wäre wirklich Meckern auf hohem Niveau. Für mich wäre es nicht mehr so wichtig gewesen, den vierten Aufstieg zum Fritof noch genauso ausführlich zu schildern, wie beim ersten Mal, aber das ändert nichts am Gesamturteil: Das Buch ist klassischer Horror vom Feinsten! Einfach Toll!!

  • „Der Kinderdieb“ | Brom

    Titel im Original:  „The Child Thief“
    Autor:  Brom
    Aus dem Englischen übersetzt von Jakob Schmidt
    Mit Illustrationen von Brom
    Verlag:  Drömer Knaur
    Genre:  Märchenadaption | Horror
    Seitenzahl:  655
    ISBN:  978-3-426-50688-2

    Leise wie ein Schatten streift ein Junge durch die Straße von New York. Er nennt sich Peter und ist auf der Suche nach Kindern und Teenagern, die dringend Hilfe brauchen. Peter rettet sie – und bietet ihnen an, sie in sein magisches Reich zu führen, in dem niemand je erwachsen werden muss. Doch er verrät ihnen nicht, dass dieses Land im Sterben liegt und dort nicht nur magische Geschöpfe und das Abenteuer ihres Lebens auf sie warten, sondern auch größte Gefahr …

    Meine Meinung

    Jedes Kind kennt und liebt wohl die das Märchen von Peter Pan: Der Junge, der niemals erwachsen werden wollte und seinem Nimmerland, wo er mit den verlorenen Kindern gegen den Bösewicht Kapitän Hook gekämpft hat. Und natürlich darf auch die kleine Fee „Naseweiß“ nicht fehlen.
    Mit „Der Kinderdieb“ bekommen wir eine Märchenadaption der düsteren Art. Mit vielen Horrorelementen und einer Verschmelzung aus dem Avalon-Mythos und der Arthus-Saga.

    Peter ist der Kinderdieb. Er hält im gegenwärtigen New York Ausschau nach hoffnungslosen Straßenkindern, die er durch den Nebel nach Avalon bringen kann. In eine Welt voller Magie, in der man niemals erwachsen wird. Dort begegnen wir Elfen, Trollen, Hexen, Feen und etlichen anderen wunderlichen Geschöpfen. Beherrscht wird diese Welt von der Dame des Sees: Der Göttin, die den Nebel erschuf um Avalon zu verbergen. Es ist von der Zerstörung bedroht, denn die Fleischfresser drohen alles zu vernichten …
    Peter bildet die gestohlenen Kinder zu seiner „Armee der Teufel“ aus. Wilde, skrupellose Krieger, mit dem Ziel, die Fleischfresser auszurotten und Avalon zu retten!

    „Der Kinderdieb“ hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gepackt und nur so durch die Geschichte laufen lassen. Zu Beginn bin ich nur sehr schwer in die Geschichte hineingekommen, da der Schreibstil sehr düster und grob ist und in keinster Weise beschönigt, aber wenn man sich erst daran gewöhnt hat, fliegen die Seiten nur so dahin. Die Szenen sind sehr detailliert beschreiben: Ja, auch die eher grauslichen!
    Die Geschichte ist rasant, actionreich, blutrünstig, brutal und bildgewaltig. Damit sollte man umgehen können. Der Autor hält sich nicht lange mit unwichtigen Details auf und beschreibt die Dinge genau so wie sie sind.

    Brom hat seinen Peter sehr lebendig geschrieben, mit seinen Taten, Gedanken und Gefühlen, die er allerdings nur sehr selten zeigt. Er ist keine nette Person, er versucht mit aller Gewalt sein Avalon zu retten, auch wenn dafür hundert Kinder sterben müssen. Ihm ist es egal!
    Peter ist definitiv einer der interessantesten Charaktere, der ich während meiner Leselaufbahn begegnen durfte!

    Zu Beginn eines jeden Kapitels finden wir Illustrationen von Brom. Tolle Bilder mit schönen Details.

  • „Marina“ | Carlos Ruiz Zafón

    Titel im Original:  „Marina“
    Autor:  Carlos Ruiz Zafón
    Aus dem Spanischen übersetzt von Peter Schwaar
    Verlag:  Fischer Verlag
    Genre:  Horror
    Seitenzahl:  350
    ISBN:  978-3-10-095401-5

    Als Oscar Drai das Mädchen Marina trifft, ahnt er nicht, dass sie sein Leben für immer verändern wird. Mit ihrem Vater lebt sie in einer alten Villa wie in einer vergangenen Zeit. Marina bringt Oscar auf die Spur einer mysteriösen Dame in Schwarz, und bald befinden sich die beiden mitten in einem Albtraum aus Trauer, Wut und Größenwahn, der alles Glück zu zerstören droht.

    Meine Meinung

    Carlos Ruiz Zafón ist einer meiner absoluten Lieblingsautoren!
    Bei ihm kann man ganz klar von den ersten Werken zu seinen Neueren unterscheiden. Die Nebel-Trilogie ist eher für ältere Kinder und Jugendliche gedacht wohingegen die Reihe um den „Friedhof der vergessenen Bücher“ für eine erwachsene Leserschaft geschrieben wurde. „Marina“ ist hier genau in der Mitte zu finden. Die Sprache ist viel ernsthafter und weniger märchenhaft umschrieben als bei seinen Jugendbüchern aber noch nicht so philosophisch und tiefgründig zum Beispiel im „Schatten des Windes“.

    Carlos Ruiz Zafón sagt im Vorwort selbst, dass „Marina“ sein großer Liebling ist und wohl zu seinen ehrgeizigsten und persönlichsten Romanen gehört …
    Habt ihr das Buch gelesen?  … Irgendwie macht mir diese Aussage ja ein bisschen Angst!

    „Marina“ ist überwiegend im Horrorgenre zuhause und besticht durch seine tolle bildliche Sprache, die aber in vielen Fällen weder weich, noch melodisch wirkt. Ich würde den sprachlichen Ausdruck eher als eindringlich und direkt beschreiben, mit einer, für den Stil des Autors sehr typischen philosophischen Härte.
    Die Geschichte an sich erinnert ein bisschen an Mary Shelley`s Frankenstein und dessen Suche nach der Unsterblichkeit. Carlos Ruiz Zafón versteht es, diese Geschichte auf seine ganz eigene Art und Weise zu erzählen und vermischt dabei ganz gezielt die jugendliche Perspektive unserer beiden Hauptprotagonisten mit einer knallharten Realität, die dem Leser die Gänsehaut über den Rücken laufen lässt. Die feine Art des Schreibens, die die Realität unscharf und märchenhaft erscheinen lassen, unterstützt die Geschichte nochmal positiv. Ebenso die sehr offene Denkweise.

    Auch Barcelona als Handlungsort ist eine Reise wert. Wir begleiten Oscar und Marina, wenn sie durch die Straßen ziehen oder einen gemeinsamen Tag mit Marinas Vater an einem wunderschönen See verbringen. Der Roman bringt seinen Leser in eine ganz andere Welt… weit ab von touristischen Orten.
    Wart ihr schon mal in Barcelona? Ist die Stadt wirklich so mystisch und mitreißend?