• „Brennen muss Salem“ | Stephen King

    Titel im Original:  „Salem`s Lot“
    Autor:  Stephen King
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Peter Robert
    Verlag:  Heyne Verlag
    Genre:  Horror
    Seitenzahl:  638
    ISBN:  978-3-453-44108-8

    Der Schriftsteller Ben Mears kehrt nach Jahren ins beschauliche „Salem`s Lot“ in Maine zurück. Er interessiert sich für das Marsten-Haus, das eine unheimliche Aura umweht. Ist es möglich, dass sich dort ein Vampir eingenistet hat? Ben Mears nimmt den Kampf gegen das Böse auf.

    Meine Meinung

    Romane mit Vampiren gibt es ja mittlerweile wie Sand am Meer, aber meistens leider doch nur in Verbindung mit einer Liebesgeschichte. Vor 10 Jahren fand ich das auch noch toll, doch mittlerweile sind diese Erzählungen nichts mehr für mich.
    „Brennen muss Salem“ beweist, dass auch Stephen King mit diesem Thema umgehen kann. Die 1975 erschienene Geschichte hat mich ganz besonders interessiert, da ich zwar den Film vor vielen Jahren gesehen, aber noch nie das Buch dazu gelesen habe. Und siehe da:  Spannend, gruselig und ein bisschen brutal – ein richtig guter Stephen King!

    Der Schriftsteller Benjamin Mears kehrt nach vielen Jahren in das Städtchen „Salem’s Lot“ zurück, wo er die Kindheit bei seiner Tante verbrachte. Einzig mit dem Ziel, dass als Spukhaus verrufene Marsten-Haus zu kaufen und ihm sein nächstes Buch zu widmen. Dort erschoss Hubert Marsten zuerst seine Frau und erhängte sich dann selbst im Schlafzimmer. Doch der geheimnisvolle Richard Straker ist Ben zuvorgekommen und eröffnet ein Antiquitätengeschäft in der Stadt.
    Schon bald verschwinden Menschen. Andere sterben durch akute Blutarmut. Außer Ben erkennt nur der junge Mark Petrie die große Gefahr …

    „Brennen muss Salem“ wird als einer der bekanntesten Klassiker der modernen Horrorliteratur gehandelt. Auch in meinen Augen, ist dieses Buch ein wahrer Meilenstein. Vor allem wenn man bedenkt, dass es eine der ersten Geschichten ist, die Stephen King zu Beginn seines Karriere veröffentlicht hat. Damals war er als Schriftsteller noch unbekannt und musste noch Qualität abliefern, um ein erfolgreiches Buch herauszubringen.

    Stephen King gelingt es außerordentlich geschickt, die Menschen mit all ihren Eigenarten und Macken zu zeichnen, ihre Geheimnisse offenzulegen und gleichzeitig ein Mysterium um die gesamte Kleinstadt und ihre Vergangenheit zu spinnen. Die Metaphern sind vielseitig und immer wieder treffend, sodass man das ganze Werk fast als ein gigantisches Sammelsurium der Poesie ansehen kann. Noch von keinem anderen Autoren wurde eine Bedrohung so subtil gehalten und doch so treffend umschrieben.

    Auch in diesem Buch stehen wieder mehrere Charaktere im Zentrum des Geschehens. Man hat das Gefühl, ganz „Salem’s Lot“ kennengelernt zu haben, weshalb man sich nicht nur den Einwohnern, sondern auch dem gesamten Städtchen verbunden fühlt. Einige der Charaktere mag man sofort, während man den Anderen am liebsten den Hals umdrehen würde. So geht’s mir immer bei Stephen King. Jeder Charakter besitzt seine Eigenheiten, wodurch sie nicht nur Tiefe, sondern auch Komplexität erlangen.
    Nichtsdestotrotz rückt eine Figur in den Mittelpunkt der Handlung: Ben Mears. Der mehr oder weniger erfolgreiche Schriftsteller, der nach vielen Jahren als „verlorener Sohn“ wieder zurückkehrt!

    Stephen King weiß, wie man für Spannung, Nervenkitzel und Gänsehaut sorgt. Dabei baut er beinahe mühelos einen Spannungsbogen auf, den man als Leser kaum noch aushält. „Brennen muss Salem“ schürt Ängste die ganz tief in uns verwurzelt sind und die so manchen zum Zittern bringen werden …

  • „Sleeping Beauties“ | Stephen King & Owen King

    Titel im Original:  „Sleeping Beauties“
    Autor:  Stephen King | Owen King
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Bernhard Kleinschmidt
    Verlag:  Heyne Verlag
    Genre:  Horror | Fantasy
    Seitenzahl:  959
    ISBN:  978-3-453-43955-9

    Eine mysteriöse Schlafepidemie stürzt die Menschheit weltweit ins Chaos. An einem einzigen Tag sind alle Frauen – und nur Frauen – davon befallen. Und wehe, sie werden wieder geweckt!

    Meine Meinung

    Der Roman „Sleeping Beauties“ steht nun schon seit seinem Erscheinungstag auf meiner Wunschliste, aber irgendwie habe ich nie die Hände nach ihm ausgestreckt. Ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen, wie man aus dem Thema der schlafenden Frauen, die zu Bestien werden, wenn man sie aufweckt, einen über 900 Seiten starken Roman gestalten will. Da mir aber eine Freundin kürzlich das Buch mitgebracht hat, war die Neugierde dann doch zu groß!

    In der Stadt Dooling in West Virginia ist plötzlich nichts mehr, wie es war: Alle Frauen, die einschlafen, wachen nicht mehr auf und werden in eine Art Kokon eingesponnen. Doch damit nicht genug: Entfernt man diesen und weckt die Frauen auf, werden sie zu Furien und töten alles, was ihnen in die Quere kommt! Eine Welt ohne Frauen? Für viele völlig unvorstellbar!
    Das Chaos bricht endgültig aus, als zwischen den Männern und den wenigen, noch übrigen Frauen ein Kampf ausbricht, der alles entscheiden wird: Aggression und blinde Wut gegen den Versuch, alles zu erhalten. Und mittendrin steht Evie Black, die einzige Frau, die ganz normal einschlafen und wieder aufwachen kann und hält die Fäden in der Hand!

    Stephen Kings große Stärke ist es, seine Charaktere für den Leser unheimlich nahe aufzubauen. Auch in diesem Buch macht er sich, was seine Protagonisten betrifft, alle Ehre. Wer Horden von rasenden Frauen erwartet, wird sicher enttäuscht werden, denn dieses Detail spielt zwar eine Rolle und kommt auch hier und da vor, ist aber nicht der Aufhänger für die Spannung. Viel mehr beschäftigt sich der Roman mit dem gesellschaftskritischen Hintergrund: Wie würde eine Welt aussehen, die nur von Männern bevölkert wird? Und was würde passieren, wenn die Männer herausfinden, dass es doch noch eine Frau gibt, die nicht schläft und scheinbar Kräfte besitzt, die für den ganzen Schlamassel verantwortlich sind?

    Stephen King und sein Sohn Owen haben einen sehr flüssigen Schreibstil und ich persönlich konnte beim Lesen überhaupt keine Unterschiede feststellen. Was natürlich auch von der deutschen Übersetzung beeinflusst wird. Die Geschichte entwickelt sich eher langsam, mit vielen Details und Feinheiten. Dadurch steigert sich wunderbar die Spannung. Bis zum Schluss konnte ich nicht vollständig erahnen, was wohl passiert.

    Der ausschlaggebende Teil der Handlung spielt in einem Frauengefängnis, welches vom Psychiater Dr. Clint Norcross und ein paar Verbündeten besetzt wird. Auf der anderen Seite steht die Polizei, deren Deputys am liebsten wild um sich schießen und alles schnell beenden würde! Dieses Aufeinanderprallen wird noch von einer starken Fantasy-Komponente durchmischt, denn die Frauen schlafen nicht einfach vor sich hin, sie befinden sich in einer parallelen Welt, die ihnen die Möglichkeit bietet, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und ihr Leben neu zu beginnen!

    Besonders interessant fand ich auch die teilweise sehr skurrilen Gedankengänge der Männern, die sich selbst eine Scheinwelt ausmalen und sich als die eigentlichen Opfer sehen, obwohl deren Verhalten in der Realität das genaue Gegenteil ist!

    Alles in Allem ist „Sleeping Beauties“ subtiler Horror, mit vielen philosophischen, mystischen und fantasielastigen Elementen. Ein tolles, vielschichtiges und modernes Werk, das zum Nachdenken anregt!

  • „Der dunkle Wächter“ | Carlos Ruiz Zafón

    Titel im Original:  „Las Luces de Septiembre“
    Autor:  Carlos Ruiz Zafón
    Aus dem Spanischen übersetzt von Lisa Grüneisen
    Verlag:  Fischer Verlag
    Genre:  Horror  |  Jugendbuch
    Nebel-Trilogie, Band 3
    Seitenzahl:  344
    ISBN:  978-3-596-85388-5

    Cravenmoore – so heißt das geheimnisvolle Anwesen am Meer, auf dem der Spielzeugfabrikant Lazarus Jann mit Hunderten mechanischen Figuren lebt. Schnell wird klar:  Cravenmoore ist ein Ort voller Abgründe. Dunkle Schatten jagen durchs Haus, im Wald treibt eine mächtige Kreatur ihr Unwesen, und vom Leuchtturm drohen die rätselhaften Septemberlichter. Als Irene und ihr neuer Freund Ismael dem Geheimnis um Lazarus Jann auf die Spur kommen, ist es fast zu spät:  Dieser Sommer könnte ihr letzter werden …

    Meine Meinung

    Mit „Der dunkle Wächter“ darf ich euch den dritten Band der Nebel-Trilogie vorstellen. Ein schaurig schöner Roman, der sich hervorragend in abendlichen Dämmerungsstimmungen lesen lässt und einem dabei einen wohligen Schauer über den Rücken jagt. Ein würdiges Ende für diese tolle Jugendbuchreihe!

    Alles beginnt mit einem Teufelspakt. Irene und ihre Familie ziehen nach einem schicksalshaften Jahr weg aus der Pariser Großstadt, in ein Dorf an der Küste Frankreichs. Irenes Mutter findet dort eine Stelle als Hausdame bei dem Spielzeugfabrikanten Lazarus Jann, dessen Haus ein düsteres Geheimnis verbirgt, dass eng mit seinem Besitzer verwoben ist.
    Auch Irene findet ihr Glück, in Form des jungen Fischers Ismael. Doch schon bald müssen sie um ihre Liebe kämpfen. Werden sie es schaffen die Septemberlichter und die mysteriösen Dämonen zu besiegen?

    Für mich war es unheimlich interessant zu sehen, wie sich der Schreibstil des Autoren im Laufe der Trilogie entwickelt hat. War „Der Fürst des Nebels“ noch teilweise etwas holprig, erinnert diese Geschichte schon an den später erschienen Roman „Marina“ und die Reihe um den „Friedhof der vergessenen Bücher“. Ich hatte sofort alle Personen vor meinem inneren Auge und bestaunte natürlich auch Lazarus Automaten. Ich ging mit Ismael und Irene in der blauen Bucht tauchen, lachte über den Dorftratsch und gruselte mich zusammen mit Irenes Bruder vor dem Wald um das Anwesen „Cravenmoore“. Und natürlich merkt man beim Lesen schnell, dass mit Lazarus Jann etwas so ganz und gar nicht stimmt.

    Auch in diesem Buch finden wir wieder die für Carlos Ruiz Zafón so typische poetische Erzählweise. Die Sprache wirkt in vielen Szenen wie aus einer anderen Zeit. Älter und schwerer, aber auch bunter und tiefgründiger. Raffiniert verwebt er die verschiedenen Handlungsstränge miteinander und erzählt außer der Liebesgeschichte von Irene und Ismael, auch die Vorgeschichte des Spielzeugfabrikanten und die Legende um die Septemberlichter. Dahinter steckt die Geschichte einer jungen Frau, die vor 20 Jahren im Meer vor dem Leuchtturm ertrunken ist, und deren Tagebuch Ismael und Irene in die Hände fällt.

    Auch die Nebel-Trilogie beweist wieder, dass Carlos Ruiz Zafón ein Meister der Wortakrobatik und der Satzkompositionen ist. Eigentlich ist es unbeschreibbar, was dieser Mann, nur durch Worte, zu erschaffen in der Lage ist!

  • „Mitternachtspalast“ | Carlos Ruiz Zafón

    Titel im Original:  „El Palacio de la Medianoche“
    Autor:  Carlos Ruiz Zafón
    Aus dem Spanischen übersetzt von Lisa Grüneisen
    Verlag:  Fischer Verlag
    Genre:  Horror  |  Jugendbuch
    Nebel-Trilogie, Band 2
    Seitenzahl:  393
    ISBN:  978-3-8414-4002-0

    Kalkutta 1932:  Ben und seine Freunde von der geheimen Chowbar Society sind gerade 16 geworden. Es ist Zeit, das Waisenhaus zu verlassen, in dem sie aufgewachsen sind. Bei der Abschiedsfeier taucht plötzlich eine alte Frau mit einem jungen Mädchen auf, das Ben sofort fasziniert. Wer ist sie?

    Als die beiden dahinterkommen, was sie tatsächlich miteinander verbindet, befinden sie sich schon mitten in einem mörderischen Strudel, der sie tief in die Unterwelt Kalkuttas zieht. Ein Schatten aus der Vergangenheit trachtet ihnen nach dem Leben. Und er ist ihnen näher, als sie ahnen …

    Meine Meinung

    Im Jahre 1916 erblickt in Kalkutta ein Zwillingspaar unter unheimlichen Umständen und unter größter Lebensgefahr das Licht der Welt. Leutnant Peake rettet die Babys und bringt sie zu ihrer Großmutter. Zum Schutz der Kinder, trennt sie die beiden. Der Junge wächst als Ben in einem Waisenhaus auf und das Mädchen Sheere bleibt bei der Großmutter, die allerdings permanent auf der Flucht vor dem geheimnisvollen Jawahal ist, der es auf das Leben der Kinder abgesehen hat.
    Kalkutta 1932: Ben ist 16 Jahre alt und soll aus dem Schutz des Heims entlassen werden. Bei einer Abschiedsfeier mit seinen Freunden der „Chowbar Society“, lernt er seine Schwester kennen. Die Beiden finden sofort einen Draht zueinander und gemeinsam nehmen sie den Kampf gegen den Jawahal und seinen Feuervogel auf …

    In „Mitternachtspalast“ erschafft Carlos Ruiz Zafón eine geheimnisvolle Kulisse, die mich stark an „1001 Nacht“ erinnert. Schon zu Beginn der Geschichte, spürt man die Spannung und das Mystische. Ohne lang zu fackeln, zieht er seine Leser direkt in die Geschehnisse hinein und kann man kann sich dem Sog nicht mehr entziehen.
    „Mitternachtspalast“ ist mein Lieblingsbuch aus der Nebel-Trilogie und ist mir von Allen am Stärkten im Gedächtnis geblieben!

    Carlos Ruiz Zafón zieht gekonnt einen roten Faden, der uns von der Vergangenheit in die Gegenwart führt. Die Handlung ist schlüssig durchdacht und seine besondere Sichtweise auf die Geschehnisse passt sich prima dem fein nuancierten Horror an!
    Wie gewohnt schreibt der Autor sehr bildhaft und erzeugt dadurch eine tolle Spannung. Die Atmosphäre ist zum greifen dicht und die poetische Sprache lässt die tollsten Bilder in den Köpfen der Leser entstehen. Die Geschichte ist dunkel und düster, kommt aber dennoch sehr real rüber.

    Der Roman erzählt viele unterschiedliche Geschichten, sodass man gespannt darauf wartet, wie sich dieses oder jenes Ereignis wohl vor langer Zeit zugetragen hat und am Ende zu erklären ist.
    Auch die Charaktere sind lebhaft, facettenreich und herzlich dargestellt. Im Mittelpunkt des Romans steht die „Chowbar Society“. Ein Geheimbund mehrerer Waisenkinder, die beste Freunde sind und doch unterschiedlicher kaum sein könnten. Eine Gemeinschaft, die sich auf ewig Treue geschworen hat. Gemeinsam müssen sie das größte Abenteuer ihres Lebens bestehen, welches ihren Zusammenhalt auf eine harte Probe stellt.
    Mit Jawahal erfindet der Autor nicht einfach eine gruselige Hauptfigur. Nein, er ist ein regelrechter Albtraum. Auch heute noch, Jahre nach dem ersten Lesen, verfolgte mich in manchen Nächten der Feuergeist in meinen Träumen!

  • „Der Fürst des Nebels“ | Carlos Ruiz Zafón

    Titel im Original:  „El Principe de la Niebla“
    Autor:  Carlos Ruiz Zafón
    Aus dem Spanischen übersetzt von Lisa Grüneisen
    Verlag:  Fischer Verlag
    Genre:  Horror  |  Jugendbuch
    Nebel-Trilogie, Band 1
    Seitenzahl:  270
    ISBN:  978-3-8414-4001-3

    Max und seine Familie ziehen in ein verschlafenes Fischerdörfchen. Doch schon bald trübt sich das friedliche Bild, denn ein kleiner Junge ist unter rätselhaften Umständen ertrunken. Eine geheimnisvolle Macht bedroht nun auch Max und seine Familie. Aber als er mit seinem neuen Freund Roland zu einem versunkenen Schiff taucht, spürt Max, wie etwas Schreckliches in der Tiefe lauert. Gibt es eine Verbindungen zum finsteren „Fürst des Nebels“, von dem der Leuchtturmwärter erzählt? Bald ist das Leben eines geliebten Menschen in Gefahr …

    Meine Meinung

    Bevor sich Carlos Ruiz Zafón mit „Marina“ in die Herzen seiner Leser schrieb, hatte der Autor bereits mehrere Schauerromane für junge Erwachsene auf den Markt gebracht. „Der Fürst des Nebels“  war sein erstes Buch, das bereits 1993 in Spanien veröffentlicht wurde. Mit ihm startete er seine Nebel-Trilogie.

    Hier geht um den Zusammenhalt in der Familie, um Freundschaften und um die erste große Liebe. Aber auch darum, keine Versprechungen zu geben, die man nicht halten kann!
    Um vor den Gefahren und den Unruhen des Krieges zu fliehen, zieht die Familie des jungen Max weg aus Madrid, hinaus ans Meer. In einem verschlafenen Schifferdörfchen beziehen sie ein altes Haus in unmittelbarer Nähe zum Strand. Aus dem Fenster seines Zimmers entdeckt er einen verlassenen Garten, in dem seltsame Steinfiguren stehen, die die mysteriösen Artisten eines Zirkus darstellen. Als Max den Garten erkundet, spürt er sofort eine seltsame Kraft, die ihm Angst macht.

    Max schließt Freundschaft mit Roland, dem Sohn des Leuchtturmwärters. Dieser kennt jeden Winkel der Insel und zeigt ihm das Wrack eines vor vielen Jahren vor der Insel versunkenen Schiffes. Gemeinsam tauchen sie hinunter und Roland erzählt ihm von dem kleinen Jungen, der vor einigen Jahren unter rätselhaften Umständen verschwand. Dessen Verschwinden begründet auch den Leerstand des Hauses, in das nun Max und seine Familie leben.
    Die geheimnisvolle und böse Macht nimmt immer mehr zu und versetzen nicht nur die beiden Jungs in Angst und Schrecken …

    Wie auch in den anderen Büchern von Carlos Ruiz Zafón ist die Sprache das Auffälligste und Prägnanteste, aber auch der durchblitzende Grusel und unterschwellige Horror machen die Geschichte absolut lesenswert. Natürlich ist der Erzählton für Jugendliche zurechtgemacht, die Handlung ist dennoch sehr spannend, fesselnd und überhaupt nicht „kindlich“ oder seicht. Ich finde, man erkennt schon hier die spätere Handschrift des Autoren in jeder Zeile wieder!

    Carlos Ruiz Zafón zeichnet seine Charaktere hier nur sehr knapp, sie erscheinen aber dennoch lebensnah, daher hat mich das in keinster Weise gestört. Er nimmt seine Protagonisten trotzdem ernst und viele Eigenschaften lassen sich aus dem Kontext erschließen. Besonders faszinierend fand ich die Figur des Doktor Cain.

    Man merkt schnell, dass der Roman noch nicht die episch Kraft wie zum Beispiel „Der Schatten des Windes“ hat, aber den Vergleich möchte „Der Fürst des Nebels“ auch gar nicht antreten. Es ist in erster Linie eine unterhaltsame Geschichte, die dem Leser im Gedächtnis bleibt, da Gut und Böse hier auf ganz besondere Art dargestellt und von einander getrennt werden.