• „Die schwarze Frau“ | Simone St. James

    Rezensionsexemplar
    Vielen Dank an den Verlag!

    Titel im Original:  „The broken Girls“
    Autor:  Simone St. James
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Anne Fröhlich
    Verlag:  Goldman Verlag
    Genre:  Horror
    Seitenzahl:  443
    ISBN:  978-3-442-48822-3

    Vermont 1950. In dem abgeschiedenen Mädcheninternat  Idlewild Hall erzählen sich die Schülerinnen Schauergeschichten von der „schwarzen Mary“. Doch als eines Nachts eine von ihnen unter mysteriösen Umständen ums Leben kommt, wird der Schrecken sehr real.

    2014 ist das Internat eine Ruine, aber die Journalistin Fiona Sheridan kann nicht von Idlewild Hall lassen: Hier wurde vor 20 Jahren ihre Schwester ermordet. Als man bei Renovierungsarbeiten eine weitere Mädchenleiche findet, beginnt Fiona zu recherchieren und rührt dabei an einem dunklen Geheimnis.

    Meine Meinung

    Die kanadische Autorin Simone St. James erzählt uns in ihrem Buch „Die schwarze Frau“ die Geschichte von vier jungen Mädchen, die das obskure Internat „Idlewild Hall“ besuchen. In dem es definitiv nicht mit rechten Dingen zugeht!

    Die Journalistin Fiona Sheridan kommt nicht über den Tod ihrer geliebten Schwester hinweg. Immer wieder zieht es sie zum Fundort der Leiche – einem verfallenen Mädcheninternat – zurück. Viele Legenden kursieren um das düstere Gebäude und auch Fiona bleibt nicht von der Erscheinung einer schwarzgekleideten verschleierten Frau verschont.
    Während die alten Gemäuer von einer geheimnisvollen Investorin saniert werden, finden Arbeiter eine weitere Leiche:  die einer jungen Französin, die 1947 als Kriegsflüchtling nach Amerika ausreisen konnte. Genau dieser Fall lässt Fiona weiter über die Geschichte des Internats nachforschen, bis sie düsteren Geheimnissen auf die Spur kommt … und auch die Hintergründe zum Tod ihrer eigenen Schwester rücken näher!

    Simone St. James hat einen tollen flüssigen und für mich absolut fesselndem Schreibstil. Die Geschichte konnte mich mit ihrer düsteren Atmosphäre und dem subtilen Horror von der ersten Seite weg einfangen. Sie bringt die Emotionen der Charaktere glaubhaft zum Ausdruck und ich konnte hier immer wieder miträtseln, mitfiebern und mich auch sehr oft gruseln. Stück für Stück werden Geheimnisse aufgedeckt und man bekommt als Leser sehr viel Spielraum, sich eigene Gedanken über die Vergangenheit der Mädchen zu machen.

    Der Roman transportiert unglaublich viel nostalgische Melancholie. Die Geschichte führt uns immer wieder zurück in die 50er Jahre, als es in der Gesellschaft noch Gang und Gebe war, sich von „unliebsamen“ Familienmitgliedern zu befreien. Allein um den guten Ruf der Familie zu wahren! Dabei ist es gar nicht wichtig, was sie „verbrochen“ haben, es reicht schon, wenn sie für die Öffentlichkeit zu weit in die Aufmerksamkeit rücken …

    Erst Nach und Nach enthüllt „Idlewild Hall“ sein Geheimnis! Das Zusammenspiel der Charaktere und das Ende, das letztendlich Alle miteinander vereint ist großartig! Die Protagonisten verraten dem Leser nie so viel, dass man sofort auf die Lösung schließen kann …

  • „Mind Control“ | Stephen King

    Titel im Original: „End of Watch“
    Autor: Stephen King
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Bernhard Kleinschmidt
    Verlag: Heyne Verlag
    Genre: Thriller
    Bill Hodges-Trilogie, Band 3
    Seitenzahl: 523
    ISBN: 978-3-453-27086-2

    Brady Hartsfield, verantwortlich für das Mercedes-Killer-Massaker mit vielen Toten, liegt seit fünf Jahren in einer Klinik für Neurotraumatologie im Wachkoma. Seinen Ärzten zufolge wird er sich nie erholen. Doch hinter all dem Sabber und In-die-Gegend-Starren ist Brady bei Bewusstsein – und er besitzt tödliche neue Kräfte, mit denen er unvorstellbares Unheil anrichten kann, ohne sein Krankenzimmer je zu verlassen.

    Ex-Detective Bill Hodges, der pensionierte Ermittler aus Mr. Mercedes und Finderlohn, kann die Selbstmordepidemie in der Stadt mit Brady in Verbindung bringen, aber da ist es schon zu spät!

    Meine Meinung

    Brady Hartsfield ist zurück. Der Attentäter, dessen Amokfahrt acht unschuldige Menschen das Leben gekostet hat und zahlreiche Schwerverletzte hinterließ. Bill Hodges, Holly Gibney und Jerome Robinson waren es, die den Verrückten schlagkräftig aus dem Gefecht gezogen haben. Nachdem Bill mit seinen Freunden die erfolgreiche Privatagentur „Finders Keepers“ gegründet hat, werden er und Holly erneut an einen Tatort gerufen: Bills ehemaliger Partner bei der Polizei setzt die Beiden auf einen doppelten Suizid an. Und die Opfer sind für ihn keine Unbekannten …
    Schnell wird klar, dass es nicht bei diesen zwei Toten bleiben wird. Täglich gehen neue Meldungen von Selbstmorden ein. Warum findet Holly bei jedem Toten eine alte Spielkonsole, die eigentlich schon lange vom Markt genommen wurde?

    Seit fünf Jahren liegt Brady Hartsfield nun mit einem Schädel-Hirn-Trauma in einer neurologischen Klinik im Koma … und das ist auch gut so. Aber allmählich fallen dem Klinikpersonal eigenartige Veränderungen im Verhalten ihres Patienten auf, die Bill Hodges auf den Plan rufen. Er ist überzeugt davon, dass Hartsfield das personifizierte Böse und selbst in seinem komatösen Zustand äußerst gefährlich ist!

    Natürlich ist „Mind Control“ wieder ein Plot, den so nur Stephen King ersinnen und spannend zu Papier bringen kann. Anfangs habe ich mich doch sehr darüber geärgert, dass der Titel und der Klappentext schon so viel von der eigentlichen Geschichte verraten. „Mind Control“! Ein Wachkomapatient, der übersinnliche Fähigkeiten entwickelt. Da ist es nicht schwer zu erraten, wer oder was hintern den vermeintlichen Suiziden steckt. Dennoch muss ich eingestehen, dass die Geschichte viel cleverer und strategischer durchdacht wurde, als man nach den Ereignissen in „Finderlohn“ und den Angaben am Buch schon mitbekommt!

    In diesem Buch kehrt der Autor wieder zu seinen Ursprüngen zurück. Vieles hat mich an seine früheren Geschichten erinnert, die auch für mich noch immer zu den Besten gehören! Stephen King schreibt wie gewohnt bildlich und mitreißend. In einer wunderbar fließenden und intensiven Sprache, die genau die richtige Spannung und Atmosphäre aufkommen lässt. Aber auch die für ihn so typische Leichtigkeit ist in diesem Buch wieder zu finden.

    Der Autor verzichtet in „Mind Control“ nahezu auf Nebencharaktere, er fokussiert sich voll und ganz auf seine vier Protagonisten. Zumindest entstand für mich schon sehr schnell dieser Eindruck, da auch Nebenschauplätze deutlich weniger Raum als gewohnt bekommen. Dadurch ist die Geschichte sehr geballt.

    Treten die beiden Vorgänger noch eher als Kriminalromane bzw. Thriller mit Schwerpunkt auf der Ermittlerfigur an den Plan, überwiegen im letzten Teil die übernatürlichen Elemente, die ganz klar in Richtung Horror weisen. Er arbeitet mit leisem Grauen, das sich allmählich in die Geschichte einschleicht und von ihr Besitz ergreift …

  • „Die blaue Auferstehung“ | Frank Martin

    Abgebrochenes Buch!

    Autor: Frank Martin
    Verlag: Selbstpublisher
    Genre: Horror  |  Historischer Roman
    Seitenzahl:  570
    ISBN: 978-1-587-1158-2

    Franken, 10. Jahrhundert, Wintereinbruch. Feindliche Heere ziehen durch das trostlose Hungerland. Der Leibeigene Richard ist auf der Suche nach einer Ziege als unweit von ihm ein blau schimmernder Meteorit einschlägt. Kurz darauf erheben sich die Toten aus ihren Gräbern und trachten als grausige Wiedergänge nach dem Fleisch jeglichen Lebens.

    Richard kann, alleine mit seiner Hirtenschleuder bewaffnet fliehen – ihm bleibt nur eine Chance, wenn er überleben will: die Flucht durch das mit Untoten verseuchte Moor!

    Meine Meinung

    Auch wenn ich „Die blaue Auferstehung“ von Frank Martin nicht bis zum bitteren Ende durchgehalten habe, ist es dennoch ein wirklich lesenswertes und interessantes Buch.

    Wir befinden uns im winterlichen Franken des 10. Jahrhunderts. Feindliche Heere ziehen vom Hunger ausgezehrt durch das trostlose Land. Der Leibeigene Richard ist auf der Suche nach einer Ziege, als unweit von ihm ein blau schimmernder Meteorit einschlägt. Kurz darauf erheben sich die Toten aus ihren Gräbern und trachten als Wiedergänger nach dem Fleisch jeglichen Lebens.
    Auch Wulf, ein Verbrecher und skrupelloser Krieger, der nach einer verlorenen Schlacht gegen die Ungarn von seinen Kameraden zum Sterben zurückgelassen und von dem Geistlichen Bruder Martinus gesund gepflegt wurde, stellt sich gemeinsam mit dem Mönch dem Kampf gegen die Untoten!

    Die Zombies in „Die blaue Auferstehung“ sind absolut Old School: Hirntot, Staksend und Instinktgesteuert! Anders als in manch bekannten Verlagsbüchern funktioniert hier die Apokalypse im tiefsten Mittelalter aber wirklich gut. Das Frankenreich lag damals schon in den letzten Zügen und der Krieg war allgegenwertig. Auf Grund der altertümlichen Waffen sind die Kämpfe gegen die Untoten sehr klassisch und auch von Frank Martin sehr gut und zackig beschrieben.
    Auch die Gesellschaftsordnung in dieser Zeit und der raue Umgang der Menschen wurden gut in die Handlung mit eingebaut und brachten zusätzlich noch den gewünschten Charme mit.

    Leider geht im Laufe des Buches die Handlung zu Gunsten von Action und Metzeleien verloren!
    Die Seiten sind gespickt von spritzendem Blut, splitternden Knochen und freigelegten Gedärmen … und das gefühlt in jedem zweiten Absatz! Unsere Protagonisten machen sich auf die Reise, werden von Wiedergängern in die Enge getrieben und schlachten diese ab. Dann laufen sie wieder weiter um drei Seiten später in den nächsten Hinterhalt zu geraten! Und so zieht es sich durch die Kapitel …
    Nach den ersten 20 gespaltenen Schädeln ist der Reiz nur noch halb so schön …

    Es bauen sich zwar mehrere Handlungsstränge auf, die auch zusammengeführt werden, aber durch das andauernde auftauchen von neuen Untoten kommt die eigentliche Geschichte nicht mehr in den Vordergrund!

    Wenn ihr mit diesem Faktor gut umgehen könnt, ist dieses Buch sicher genau das Richtige für euch! Die Story ist wirklich toll, die Charaktere sind schön ausgearbeitet und der Schreibstil ist mitreißend und flüssig! Nur die Umsetzung war für mich das Problem!

  • „Katie“ | Christine Wunnicke

    Autor: Christine Wunnicke
    Verlag: Berenberg
    Genre: Horror
    Longliste Deutscher Buchpreis 2017
    Seitenzahl:  174
    ISBN:  978-3-946334-13-2

    Vielleicht liegt es am Nebel. Davon jedenfalls gibt es in London auch um 1870 herum genug, und wer weiß, vielleicht trübt er der Stadt kollektiv die Sonne. Kaum einer, der nicht dem Medium seiner Wahl vertraut, um in schummrigen Séancen mit dem Jenseits zu parlieren. Florence Cook ist das It-Girl der Branche – streng verschnürt im Schrank bringt sie die aufregendste aller Erscheinungen zutage: Katie, 200 Jahre jung und in gleißendes weiß gewandet, früher Piratentochter, heute eine unruhige Seele auf der Suche nach Erlösung.

    Meine Meinung

    Wir schreiben das Jahr 1870 im düsteren London. Die Stadt liegt im tiefsten Nebel, als ein junges Medium während einer Séance die knallharte Piratentochter Katie aus dem Jenseits heraufbeschwört.

    In der heutigen Zeit, sind wir weitverbreitet der Meinung, dass sich Naturgesetze und Geister ausschließen. Im 19. Jahrhundert jedoch war das noch anders: Selbst in der altehrwürdigen Royal Society in London wurde die Verbindung von Elektrizität, Strahlenforschung und paranormalen Erscheinungen ernsthaft diskutiert. So auch Sir William Crookes, der sich eigentlich mit der Spektroskopie beschäftigt und der gegen seinen Willen mit dem Medium Florence Cook konfrontiert wird. Diese beschwört in spiritistischen Sitzungen den Geist der Kindsmörderin und Piratentochter Katie hervor und wird in der Londoner Gesellschaft binnen kürzester Zeit zum gefeierten aber auch kritisierten Phänomen! Kann das noch mit rechten Dingen zugehen?
    Sir William Crookes macht es sich zur Aufgabe, Florence Cook des Betruges zu überführen!

    Christine Wunnicke hat einen herrlichen Roman geschrieben, der mit Augenzwinkern die Grenze zwischen Wissenschaft und Aberglauben verwischt. Wo hört die Wissenschaft auf? Und wo fängt übersinnliche Spekulation an? Jede Erkenntnis beginnt mit einer wilden Theorie und führt nicht selten in eine Sackgasse! Der Autorin schafft hier ein herrliches Spektrum skurriler Gestalten. Ihr gelingt es, mit einer präzisen und klaren Sprache, die doch sehr schwere historische Erzählweise aufzulockern. Sie formuliert auf den Punkt und das auch noch mit Humor und Sarkasmus.

    Ein Satz auf der Rückseite des Buches hat mein Interesse geweckt: „Eine herrlich übersinnliche Geschichte. Und das Beste: Es ist alles wahr. Wirklich.“
    Natürlich half Meister Google weiter:  Florence Cook gab es seinerzeit wirklich, ebenso den Geist namens Katie. Auch den Physiker und Gelehrten Sir William Crookes und seinen Gehilfen Pratt, die den Nachweis des Betruges antreten wollten.

    Besonders verblüffend und unterhaltsam fand ich den damals unfassbar sorglosen Umgang mit Medikamenten und Chemikalien! Quecksilberkügelchen als Spielzeug für zwischendurch, Arsenik in der Wandfarbe und das seinerzeit gängige Chlorodyne: eine Mischung aus Opium, Canabis und Chloroform, das als Allheilmittel nahezu jeder wie Bonbons schluckte.
    Da brauchte es eigentlich keinen Geist mehr, um Absonderliches zu sehen oder zu erleben …

    Insgesamt ein atmosphärisch dichtes und unterhaltsames Lesevergnügen!

  • „Christmasland“ | Joe Hill

    Titel im Original: „NOS4A2“
    Autor: Joe Hill
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Sara und Hannes Riffel
    Verlag: Heyne
    Genre: Weihnachten  |  Horror
    Seitenzahl:  793
    ISBN: 978-3-453-26882-1

    Kinder, wollt ihr ewig leben?

    Charlie Manx ist ein sehr sehr böser Mann mit einem sehr sehr bösen Auto. Er entführt Kinder nach „Christmasland“ wo ewige Weihnacht herrschen soll. Die Kinder erwartet dort jedoch etwas Schreckliches, und es gibt keinen Weg zurück.
    Oder doch? Man sollte nie aufhören, an seine Träume zu glauben …

    Meine Meinung

    Weihnachten ist für mich jedes Jahr eine besinnliche und schöne Zeit. Und Horror geht in buchiger Form eigentlich auch immer. Aber Weihnachten mit Horror kombiniert? Das musste ich unbedingt lesen …
    Na dann! Lasst uns doch gemeinsam ins Christmasland reisen!

    Charles Talant Manx ist der Erschaffer des Christmasland! Zusammen mit seinem magischen 1938er Rolls Royce ist er auf der Pirsch nach unschuldigen Kinderseelen, die er mit Hilfe eines Risses in der Realität in seinen weihnachtlich-gruseligen Vergnügungspark entführen kann. Immerwährender Winter, Schneeballschlachten, tausende Lichter und jeden Tag ein wunderbares Weihnachtsfest! Dort können sie für immer als glückliche Kinder weiterleben. Doch natürlich hat die Sache einen Haken, der Preis dafür: Deren reine Seele!
    Nur Victoria McQueen kann Charlie Manx noch aufhalten! Vor vielen Jahren schafft sie das, was keinem anderen Kind vor ihr gelang: Sie entkommt ihm! Doch man sieht sich bekanntlich immer zwei Mal im Leben …

    „Christmasland“ war 2016 mein erstes Buch von Joe Hill, dem Sohn von Stephen King!
    Die Handlung der Geschichte ist doch recht komplex und man merkt in der Grundform starke Ähnlichkeit zu seinem Vater. Die Szenen werden sehr detailliert beschrieben und auch die Charakterzeichnung der Protagonisten braucht seine Zeit. Im Lauf der Geschichte wechseln wir nicht nur zwischen den erzählenden Personen hin und her, auch in den Zeiten an sich wird regelmäßig gesprungen. Den Gruselfaktor konnte Joe Hill wunderbar halten und die Geschichte hatte für mich genau die richtige Kombination aus Realität und Fiktion!

    Bereits in den ersten Seiten merkt man den eigenständigen Schreibstil des Autors, der um einiges direkter ist, als der vom Stephen King. Seine Wortwahl ist äußert präzise und Situationen, Unterhaltungen und Gefühlsstimmungen werden durch nur wenige, aber umso effektivere Worte treffend beschrieben.
    Das ganze Buch über, bleibt die Geschichte sehr rasant und mitreißend. Selbst anspruchsvolle Szenen bei denen das genaue Lesen wichtig für die weitere Handlung ist, wurden für mich nicht zäh, sondern blieben im Grundtempo aufrecht.

    Anders als in so manchen Büchern seines Vaters, konnte mich Joe Hill auch mit dem Showdown voll und ganz überzeugen! Leute, „Christmasland“ hat ein unglaublich gutes und zerstörendes Ende!

    Joe Hill braucht sich auf gar keinen Fall hinter seinem Vater verstecken!

  • „Halloween“ | Stewart O`Nan

    Titel im Original: „The Night Country“
    Autor: Stewart O`Nan
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Thomas Gunkel
    Verlag: Rowohlt Verlag
    Genre: Roman | Horror
    Seitenzahl:  256
    ISBN: 978-3-498-05033-8

    Dies ist eine Abenteuergeschichte, eine Einladung zum Wahnsinn, ganz natürlich und doch verboten, verlockend, etwas, das auch du noch im Blut hast.
    Bist du nicht gespannt? Willst du es nicht wissen?

    Na dann los, komm mit uns in die Nacht hinaus!

    Meine Meinung

    Heute gruselt es uns! Wir schreiben die Nacht vor Halloween!

    Eine Clique aus fünf Jugendlichen ist unterwegs zu einer Party. Von der guten Laune und dem Nervenkitzel dieser Nacht mitgerissen, fahren sie zu schnell und werden von einem Polizisten ins Visier genommen, der sie zum Anhalten bringen möchte. Toe, der Fahrer des Quintetts, hält nichts von der Idee und drückt nochmal ordentlich aufs Gas um dem unliebsamen Anhängsel zu entkommen. Dies endet in einem grauenhaften Unfall, bei dem nur Tim unverletzt und Kyle mit schweren Kopfverletzungen überleben. Marco, Toe und Danielle sind sofort tot!

    Als wäre die Situation nicht schon bedrückend genug, können die Toten die Kleinstadt Avon nicht verlassen, da ihre Angehörigen und Freunde sie einfach nicht loslassen können. Sie bleiben als Geister zurück und springen von Person zu Person. Stewart O`Nan schafft hier eine ganz besondere Sicht auf die Geschehnisse, lässt er sie doch einen großen Teil der Geschichte selbst erzählen.

    „Halloween“ vermittelt einen unterschwelligen Grusel, jedoch mit ernstem Hintergrund.
    Eine amerikanische Kleinstadt ist traumatisiert. Der tragische Unfalltot bleibt für die Bevölkerung unfassbar und die Toten setzen sich in den Köpfen ihrer Mitmenschen fest. Auf diese Weise suchen die Lebenden auch die Nähe der Toten und sind ihnen schon bald näher als den Lebenden. Über Tim und Kyle schreibt Stewart O’Nan sogar, sie seien wie Monster.

    Auch Brooks ist ein sehr bedeutender Teil der Geschichte. Er ist der Polizist, der damals die Verfolgung des Wagens aufgenommen hat. Gequält von immensen Schuldgefühlen rekonstruiert er immer und immer wieder den Unfall und verfällt geradezu in eine Marnie, was diese Nacht angeht.
    War er wirklich Schuld an dem Unfall?

    Stewart O`Nan schafft es über das gesamte Buch hinweg, eine sehr angespannte Atmosphäre zu schaffen. Man leidet mit den Angehörigen mit und kann deren Gedanken und ihre Ohnmacht sehr gut verstehen.
    Gerade Tim, der die Nacht ohne körperliche Blessuren überstanden hat, hat mich sehr mitgenommen. Ein toller und ehrlicher Charakter! Er muss sehr häufig an seine Freundin Danielle denken, die er verloren hat. Je näher der Jahrestag rückt umso bedrohlicher scheinen sich seine Gedanken zu entwickeln.

    Nur Kyle, der den Unfall vergessen hat, kann als der einzig Glückliche angesehen werden!

  • „Coraline“ | Neil Gaiman

    Titel im Original: „Coraline“
    Autor: Neil Gaiman
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Cornelia Krutz-Arnold
    Verlag: Arena Verlag
    Genre: Horror | Jugendbuch
    Seitenzahl:  175
    ISBN: 978-3-401-06445-1

    Coraline ist mit ihren Eltern in ein düsteres altes Haus gezogen. Die Nachbarn sind reichlich merkwürdig: Der verrückte Herr mit Schnurrbart erzählt von seinem Mäusezirkus, die schrulligen Schauspielerinnen warnen sie vor dem tiefen Brunnen im Garten. Noch merkwürdiger findet Coraline die zugemauerte Tür ihrer Wohnung. Nachts sieht sie dort einen dunklen Schatten verschwinden.
    Was verbirgt sich hinter dieser Tür
    ?

    Meine Meinung

    „Coraline“ von Neil Gaiman habe ich vor einigen Wochen auf dem „Blücher“-Blog entdeckt und spontan wieder Lust auf diese Geschichte bekommen. Ich kannte den Film, aber ich glaube, das Buch stand bisher noch ungelesen in meinem Regal.

    Coraline Jones ist mit ihren Eltern in ein neues Haus gezogen. Die Sommerferien sind lang und sie hat absolut keine Lust die restlichen freien Tage in ihren öden vier Wänden zu verbringen. Ihre Eltern sind beruflich sehr eingespannt und für neue Freundschaften war bisher noch nicht die Zeit. Die beiden anderen Wohnungen werden von zwei älteren Damen und einem älteren Herrn mit Schnurrbart bewohnt, die zwar skurril und lustig sind, aber bei ihrem Tatendrang einfach nicht mehr mithalten können. So begibt sich Coraline alleine auf Entdeckungsreise und findet eine verschlossene Tür mitten in der guten Stube ihrer Wohnung. Einmal geöffnet, verbirgt sich dahinter eine exakte Kopie ihres eigenen Hauses, nur das hier ihre „andere Mutter“ lebt. Und mit einem Mal ist Coralines Welt nicht mehr so, wie sie einmal war.

    Das kleine Mädchen, dessen Namen all die Erwachsenen nicht richtig aussprechen können, beweist unglaublich viel Mut auf ihrem Abenteuer und muss sich einigen bitterbösen Aufgaben stellen, die die „andere Mutter“ mit List zu durchkreuzen versucht. Auch wenn ihre Eltern nur selten Zeit für sie haben, so will sie diese doch behalten, anstatt in einer Welt zu leben, in der sie angeblich alles haben kann. Ein Spiel auf Leben und Tod beginnt!

    Auf ihrem Abenteuer bekommt Coraline die Hilfe eines schwarzen Katers, der von Anfang an durch seine katzenhafte Überheblichkeit glänzt, sie aber gekonnt durch ihr Aufgaben begleitet und ihr nicht nur einmal aus der Patsche hilft.

    Es handelt es sich hier um ein Kinderbuch mit einer gigantischen Portion Horror. Ich empfehle den Eltern die Geschichte erst mal selbst zu lesen und dann für sich zu entscheiden, ob ihr Kind dafür reif genug ist. Ich kann mir gut vorstellen, dass so mancher Volksschüler davon Alpträume bekommen könnten. Daher möchte ich „Coraline“ auch eher unter das Genre „Jugendbuch“ einstufen.

    Natürlich hat Neil Gaiman hier eine sehr einfache Sprache gewählt, er erzählt die Geschichte aber sehr eindringlich und bildgewaltig! Ich war begeistert!

  • „A Head Full of Ghosts“ | Paul Tremblay

    Titel im Original: „A Head Full of Ghosts“
    Autor: Paul Tremblay
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Manfred Sanders
    Verlag: Festa Verlag
    Genre: Horror
    Seitenzahl:  397
    ISBN: 978-3-86552-659-5

    Head Full of Ghosts schildert auf mehreren Zeit- und Personenebenen die Erlebnisse der 14-jährigen Marjorie. Als sie Anzeichen einer Geisteskrankheit zeigt, gipfelt die Hilflosigkeit ihrer Familie und der Ärzte in einem Exorzismus, der als Show live im TV ausgeschlachtet wird.

    Jahre später gibt Merry, die jüngere Schwester von Marjorie, ein Interview und spricht über die tragischen und unheimlichen Geschehnisse, die seither zur urbanen Legende wurde.

    Meine Meinung

    Mit „A Head Full of Gosts“ ist mein erstes Buch aus dem Festa Verlag bei mir eingezogen. Der Autor war mir noch zur Gänze unbekannt, aber der Klappentext hat sehr schnell mein Interesse geweckt. Dieser Verlag ist nicht nur für seine besonderen Geschichten bekannt, auch die Qualität der Bücher wird immer wieder hervorgehoben. Und beides kann ich nur bestätigen!

    Marjorie ist 14 Jahre alt, als sich ihr Verhalten schlagartig ins Negative verändert. Anfänglich noch als pubertären Zug abgestempelt, wissen schon bald weder ihre Eltern noch ihre Lehrer, wie sie mit ihr umgehen sollen. Ihre Familie gerät mehr und mehr an die Grenzen ihrer Belastbarkeit und selbst Marjories Therapeut ist mit seinem Latein am Ende. Hat sie tatsächlich eine Geisteserkrankung?
    Für den streng religiösen Vater ist der Fall klar: Seine Tochter ist von einem Dämon besessen!
    Zudem wird die Familie von Geldsorgen geplagt, die mit der Ausstrahlung einer Reality Show mit einem Satz beseitigt werden könnten.

    „A Head Full of Ghosts“ wird uns rückblickend von der jüngeren Tochter der Familie erzählt. Diese gibt Jahre später ein Interview und spricht von den tragischen und unheimlichen Ereignissen in ihrer Vergangenheit. Dabei darf man nicht vergessen das Merry damals gerade mal 8 Jahre alt war:  Einige ihrer Erinnerungen sind verschwommen, teilweise sogar lückenhaft. Dieser Aspekt machte die Geschichte unheimlich spannend für mich. Ist das Ganze wirklich so geschehen? … oder spielt ihr die Fantasie nur einen Streich?
    Paul Tremblay hat das Rad nicht neu erfunden, aber die Idee wurde sehr gut umgesetzt und überzeugt mit einigen Überraschungen. Die Geschichte ist erschreckend detailgetreu geschildert und als Leser fragt man sich sehr schnell, ob man nicht doch eine wahre Lebensgeschichte erzählt bekommt. Der Verlauf der Handlung ist an manchen Stellen verwirrend und man weiß selbst nicht mehr so genau, was nun wirklich Realität ist.

    Der Schreibstil ist eher nüchtern und sachlich, das sollte einem als Leser schon zusagen. Die Charaktere bleiben eher oberflächlich, dennoch konnte ich mich gut in sie hineinversetzten und besonders die Hilflosigkeit der Eltern nachvollziehen. Doch auch Merry konnte ich verstehen, die in ihrem Alter von den ganzen Ereignissen einfach nur überfordert war.

    „A Head Full of Ghosts“ spielt mit unserer Psyche! Wer hier jetzt den blanken Horror erwartet den muss ich enttäuschen, denn hier geht es rein auf der psychologischen Ebene zu!

  • „Friedhof der Kuscheltiere“ | Stephen King

    Titel im Original:  „Pet Sematary“
    Autor:  Stephen King
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Christel Wiemken
    Verlag:  Heyne
    Genre:  Horror
    Seitenzahl:  606
    ISBN:  978-3-453-43579-7

    Als die junge Familie Creed ihr neues Zuhause erblickt, sind die Strapazen des Umzugs von Chicago nach Ludlow, vergessen. Das weiße Haus ist von einem großen Garten umgeben, hinter dem sich unendlich weite Wälder erstrecken – Gebiet der Micmac-Indianer.
    Nur die Schnellstraße direkt von dem Gartentor stört die Idylle. Dem Kater der Creeds wird sie bald zum Verhängnis: Church wird von einem Tanklaster überfahren. Louis Creed begräbt den Kater auf einem Tierfriedhof im Wald, ohne seiner Tochter Ellie vom Tod des geliebten Tieres zu erzählen. Und tatsächlich scheint zu stimmen, was man sich Unheimliches von dem alten Friedhof erzählt, denn schon bald kehrt Church zurück – etwas aggressiver, doch offensichtlich sehr lebendig. Louis weiß genau, dass er den toten Kater in einem Müllbeutel beerdigt hat.

    Über welche Kräfte verfügt der Friedhof?
    Und wird eine derartige wunderbare Erweckung auch bei einem Menschen möglich sein?

    Meine Meinung

    Der „Friedhof der Kuscheltiere“ ist in meinen Augen, eine der eingängigsten Geschichten von Stephen King. Er gehört zu den Büchern, die am längsten im Unterbewusstsein nachhallen und die bei mir auf jeden Fall einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben.
    Stephen King geht in diesem Buch dem größten Mysterium des Lebens auf den Grund:  Dem Tod!
    Was wäre, wenn man verstorbene Familienmitglieder zurückholen könnte?
    Ist es nicht das, was wir alle wollen? Was wäre, wenn wir es tatsächlich könnten …

    In dieser Geschichte ist es nicht die Brutalität, die einem eine Gänsehaut über den Rücken laufen lässt, sondern der unterschwellige Horror, der schon auf den ersten Seiten langsam aus dem Roman herauszukriechen beginnt. Der dem Leser sachte über den Nacken streicht und ihm zu guter Letzt eine eiskalte Hand auf die Schulter legt und „Liebling“ flüstert!

    Die Handlung wird direkt vom Familienvater Louis erzählt, ein sehr offener und lockerer Typ. Durch seine ungezwungene Erzählweise, bekommt die Geschichte sehr viel Leben und man kommt als Leser sehr gut an. Stephen King lässt uns gemeinsam mit der Familie Creed in Ludlow das Haus einrichten, wir lernen die Nachbarn besser kennen und begleiten Louis bei seinem ersten Arbeitstag. Er gibt seiner Geschichte genügend Zeit um sich zu entfalten … und lässt genau in dem Moment das Grauen zuschlagen, wenn man denkt, dass es gerade so schön heimelig geworden ist. Allerdings hält er sich damit nicht lange auf, sondern setzt dem Ganzen noch eine schaurig schöne Krone auf.

    In meinen Augen ist der „Friedhof der Kuscheltiere“ keine einfache Horrorgeschichte. Es bietet dem Leser eine glaubhafte Erklärung, wie man Kindern den Tod nahe bringt und wie Menschen mit Trauer umgehen sollten. Und nein: Ich möchte nicht damit sagen, dass man dieses Buch einem Kind in die Hand geben sollte, aber Stephen King lässt seine Figuren wie immer für seine Leser real werden und man kann durchaus seine klaren Schlüsse daraus ziehen.

    Im Original heißt das Buch „Pet Sematary“ und nicht korrekterweise „Pet Cemetery“. Diesen Schreibfehler hat Stephen King bewusst gewählt, denn das Schild am Eingang des „Haustier-Fritof“ wurde von kleinen Kindern aufgestellt, denen dieser Schreibfehler unterlaufen ist. Ich persönlich finde die Idee richtig gut, dass der Titel so übernommen wurde! Und ihr?

    Zu guter Letzt könnte man dem Buch noch gewisse Längen ankreiden, aber das wäre wirklich Meckern auf hohem Niveau. Für mich wäre es nicht mehr so wichtig gewesen, den vierten Aufstieg zum Fritof noch genauso ausführlich zu schildern, wie beim ersten Mal, aber das ändert nichts am Gesamturteil: Das Buch ist klassischer Horror vom Feinsten! Einfach Toll!!