• „Friedhof der Kuscheltiere“ | Stephen King

    Titel im Original:  „Pet Sematary“
    Autor:  Stephen King
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Christel Wiemken
    Verlag:  Heyne
    Genre:  Horror
    Seitenzahl:  606
    ISBN:  978-3-453-43579-7

    Als die junge Familie Creed ihr neues Zuhause erblickt, sind die Strapazen des Umzugs von Chicago nach Ludlow, vergessen. Das weiße Haus ist von einem großen Garten umgeben, hinter dem sich unendlich weite Wälder erstrecken – Gebiet der Micmac-Indianer.
    Nur die Schnellstraße direkt von dem Gartentor stört die Idylle. Dem Kater der Creeds wird sie bald zum Verhängnis: Church wird von einem Tanklaster überfahren. Louis Creed begräbt den Kater auf einem Tierfriedhof im Wald, ohne seiner Tochter Ellie vom Tod des geliebten Tieres zu erzählen. Und tatsächlich scheint zu stimmen, was man sich Unheimliches von dem alten Friedhof erzählt, denn schon bald kehrt Church zurück – etwas aggressiver, doch offensichtlich sehr lebendig. Louis weiß genau, dass er den toten Kater in einem Müllbeutel beerdigt hat.

    Über welche Kräfte verfügt der Friedhof?
    Und wird eine derartige wunderbare Erweckung auch bei einem Menschen möglich sein?

    Meine Meinung

    Der „Friedhof der Kuscheltiere“ ist in meinen Augen, eine der eingängigsten Geschichten von Stephen King. Er gehört zu den Büchern, die am längsten im Unterbewusstsein nachhallen und die bei mir auf jeden Fall einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben.
    Stephen King geht in diesem Buch dem größten Mysterium des Lebens auf den Grund:  Dem Tod!
    Was wäre, wenn man verstorbene Familienmitglieder zurückholen könnte?
    Ist es nicht das, was wir alle wollen? Was wäre, wenn wir es tatsächlich könnten …

    In dieser Geschichte ist es nicht die Brutalität, die einem eine Gänsehaut über den Rücken laufen lässt, sondern der unterschwellige Horror, der schon auf den ersten Seiten langsam aus dem Roman herauszukriechen beginnt. Der dem Leser sachte über den Nacken streicht und ihm zu guter Letzt eine eiskalte Hand auf die Schulter legt und „Liebling“ flüstert!

    Die Handlung wird direkt vom Familienvater Louis erzählt, ein sehr offener und lockerer Typ. Durch seine ungezwungene Erzählweise, bekommt die Geschichte sehr viel Leben und man kommt als Leser sehr gut an. Stephen King lässt uns gemeinsam mit der Familie Creed in Ludlow das Haus einrichten, wir lernen die Nachbarn besser kennen und begleiten Louis bei seinem ersten Arbeitstag. Er gibt seiner Geschichte genügend Zeit um sich zu entfalten … und lässt genau in dem Moment das Grauen zuschlagen, wenn man denkt, dass es gerade so schön heimelig geworden ist. Allerdings hält er sich damit nicht lange auf, sondern setzt dem Ganzen noch eine schaurig schöne Krone auf.

    In meinen Augen ist der „Friedhof der Kuscheltiere“ keine einfache Horrorgeschichte. Es bietet dem Leser eine glaubhafte Erklärung, wie man Kindern den Tod nahe bringt und wie Menschen mit Trauer umgehen sollten. Und nein: Ich möchte nicht damit sagen, dass man dieses Buch einem Kind in die Hand geben sollte, aber Stephen King lässt seine Figuren wie immer für seine Leser real werden und man kann durchaus seine klaren Schlüsse daraus ziehen.

    Im Original heißt das Buch „Pet Sematary“ und nicht korrekterweise „Pet Cemetery“. Diesen Schreibfehler hat Stephen King bewusst gewählt, denn das Schild am Eingang des „Haustier-Fritof“ wurde von kleinen Kindern aufgestellt, denen dieser Schreibfehler unterlaufen ist. Ich persönlich finde die Idee richtig gut, dass der Titel so übernommen wurde! Und ihr?

    Zu guter Letzt könnte man dem Buch noch gewisse Längen ankreiden, aber das wäre wirklich Meckern auf hohem Niveau. Für mich wäre es nicht mehr so wichtig gewesen, den vierten Aufstieg zum Fritof noch genauso ausführlich zu schildern, wie beim ersten Mal, aber das ändert nichts am Gesamturteil: Das Buch ist klassischer Horror vom Feinsten! Einfach Toll!!

  • „Der Kinderdieb“ | Brom

    Titel im Original:  „The Child Thief“
    Autor:  Brom
    Aus dem Englischen übersetzt von Jakob Schmidt
    Mit Illustrationen von Brom
    Verlag:  Drömer Knaur
    Genre:  Märchenadaption | Horror
    Seitenzahl:  655
    ISBN:  978-3-426-50688-2

    Leise wie ein Schatten streift ein Junge durch die Straße von New York. Er nennt sich Peter und ist auf der Suche nach Kindern und Teenagern, die dringend Hilfe brauchen. Peter rettet sie – und bietet ihnen an, sie in sein magisches Reich zu führen, in dem niemand je erwachsen werden muss. Doch er verrät ihnen nicht, dass dieses Land im Sterben liegt und dort nicht nur magische Geschöpfe und das Abenteuer ihres Lebens auf sie warten, sondern auch größte Gefahr …

    Meine Meinung

    Jedes Kind kennt und liebt wohl das Märchen vom Peter Pan! Dem Jungen, der niemals erwachsen werden wollte und seinem Nimmerland, wo er mit den verlorenen Kindern gegen den Bösewicht Kapitän Hook gekämpft hat.
    In „Der Kinderdieb“ bekommen wir eine Märchenadaption der düsteren Art, mit vielen Horrorelementen und einer Verschmelzung aus dem Avalon-Mythos und der Arthus-Saga.

    Peter ist der Kinderdieb. Er hält im New York unserer Zeit Ausschau nach hoffnungslosen Straßenkindern, die er durch den Nebel in das Land „Avalon“ bringen kann. In eine Welt voller Magie, in der man niemals erwachsen wird. Dort begegnen wir Elfen, Trollen, Hexen, Feen und etlichen anderen wunderlichen Geschöpfen. Beherrscht wird sie von der Dame des Sees: Die Göttin, die den Nebel erschuf um das Land zu verbergen. Doch Avalon steht kurz vor der Zerstörung, denn die Fleischfresser drohen alles zu vernichten …
    Peter bildet die gestohlenen Kinder zu seiner „Armee der Teufel“ aus. Wilde, skrupellose Krieger, mit dem Ziel, die Feinde auszurotten und ihr Land zu retten!

    „Der Kinderdieb“ hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gepackt und nur so durch die Geschichte rasen lassen. Der Schreibstil ist sehr düster und grob und beschönigt Gräueltaten in keinster Weise. Die Szenen sind sehr detailliert und oft blutig beschreiben!
    Rasant, actionreich, blutrünstig, brutal und bildgewaltig, damit sollte man umgehen können. Brom hält sich beim Erzählen seiner Geschichte nicht lange mit unwichtigen Details auf und beschreibt die Dinge genau so wie sie sind. Klar und Deutlich!

    Zudem hat er seine Protagonisten sehr lebendig gezeichnet. Ganz Besonders Peters Taten, Gedanken und Gefühle, die er allerdings nur sehr selten zeigt. Er ist keine nette Person, er versucht mit aller Macht Avalon zu retten, auch wenn dafür hundert Kinder sterben müssen. Ihm ist es egal!
    Definitiv einer der interessantesten Charaktere, der ich während meiner Leselaufbahn begegnen durfte!

    Zu Beginn eines jeden Kapitels finden wir Illustrationen von Brom. Tolle Bilder mit schönen Details.

  • „Marina“ | Carlos Ruiz Zafón

    Titel im Original:  „Marina“
    Autor:  Carlos Ruiz Zafón
    Aus dem Spanischen übersetzt von Peter Schwaar
    Verlag:  Fischer Verlag
    Genre:  Horror
    Seitenzahl:  350
    ISBN:  978-3-10-095401-5

    Als Oscar Drai das Mädchen Marina trifft, ahnt er nicht, dass sie sein Leben für immer verändern wird. Mit ihrem Vater lebt sie in einer alten Villa wie in einer vergangenen Zeit. Marina bringt Oscar auf die Spur einer mysteriösen Dame in Schwarz, und bald befinden sich die beiden mitten in einem Albtraum aus Trauer, Wut und Größenwahn, der alles Glück zu zerstören droht.

    Meine Meinung

    Carlos Ruiz Zafón ist einer meiner absoluten Lieblingsautoren!
    Bei ihm kann man ganz klar von den ersten Werken zu seinen Neueren unterscheiden. Die Nebel-Trilogie ist eher für ältere Kinder und Jugendliche gedacht wohingegen die Reihe um den „Friedhof der vergessenen Bücher“ für eine erwachsene Leserschaft geschrieben wurde. „Marina“ ist hier genau in der Mitte zu finden. Die Sprache ist viel ernsthafter und weniger märchenhaft umschrieben als bei seinen Jugendbüchern aber noch nicht so philosophisch und tiefgründig zum Beispiel im „Schatten des Windes“.

    Carlos Ruiz Zafón sagt im Vorwort selbst, dass „Marina“ sein großer Liebling ist und wohl zu seinen ehrgeizigsten und persönlichsten Romanen gehört …
    Habt ihr das Buch gelesen?  … Irgendwie macht mir diese Aussage ja ein bisschen Angst!

    „Marina“ ist überwiegend im Horrorgenre zuhause und besticht durch seine tolle bildliche Sprache, die aber in vielen Fällen weder weich, noch melodisch wirkt. Ich würde den sprachlichen Ausdruck eher als eindringlich und direkt beschreiben, mit einer, für den Stil des Autors sehr typischen philosophischen Härte.
    Die Geschichte an sich erinnert ein bisschen an Mary Shelley`s Frankenstein und dessen Suche nach der Unsterblichkeit. Carlos Ruiz Zafón versteht es, diese Geschichte auf seine ganz eigene Art und Weise zu erzählen und vermischt dabei ganz gezielt die jugendliche Perspektive unserer beiden Hauptprotagonisten mit einer knallharten Realität, die dem Leser die Gänsehaut über den Rücken laufen lässt. Die feine Art des Schreibens, die die Realität unscharf und märchenhaft erscheinen lassen, unterstützt die Geschichte nochmal positiv. Ebenso die sehr offene Denkweise.

    Auch Barcelona als Handlungsort ist eine Reise wert. Wir begleiten Oscar und Marina, wenn sie durch die Straßen ziehen oder einen gemeinsamen Tag mit Marinas Vater an einem wunderschönen See verbringen. Der Roman bringt seinen Leser in eine ganz andere Welt… weit ab von touristischen Orten.
    Wart ihr schon mal in Barcelona? Ist die Stadt wirklich so mystisch und mitreißend?