• „Im Brunnen der Manuskripte“ | Jasper Fforde

    Titel im Original:  „The Well of lost Plots“
    Autor:  Jasper Fforde
    Aus dem Englischen übersetzt von Joachim Stern
    Verlag:  dtv Verlag
    Genre:  Kriminalroman | Fantasy
    3. Fall für Thursday Next
    Seitenzahl:  406
    ISBN:  978-3-423-21295-3

    Ihren Mutterschaftsurlaub will Spezialagentin Thursday Next ganz gemütlich tief im Brunnen der Manuskripte verbringen. Doch ein geheimnisvoller Mörder treibt sein Unwesen. Er ist anscheinend spezialisiert auf Jurisfiktion-Agenten. Niemand ist mehr seines Lebens sicher, am wenigsten Thursday selbst …

    Meine Meinung

    Thursday Next hat sich, nach den turbulenten Ereignissen der vergangenen Monate, in einen drittklassigen Krimi zurückgezogen, um ihr Baby zu bekommen und ihre Ausbildung bei der Jurisfiktion abzuschließen. Doch es sieht so aus, als sollte sie auch hier nicht ungestört sein: Ein Killer geht in der Buchwelt um und sein Ziel sind offensichtlich die Agenten in Thursdays Nähe. Gemeinsam mit ihrer Ausbilderin Miss Havisham macht sie sich daran herauszufinden, wer oder was hinter den Morden steckt. Und dann ist da noch die Sache mit der Einführung des neuen Betriebssystems „UltraWord“ und den drei Hexen aus MacBeth mit ihren rätselhaften Prophezeiungen…
    Und als ob das noch nicht genug wäre, hat sich auch noch Aornis, die kleine Schwester des Erzschurken Archeron Hades, in Thursdays Erinnerungen eingeschlichen und will diese nun nach und nach zerstören. Zum Glück ist Granny Next zur Stelle, um ihrer Enkelin zur Seite zu stehen!

    Es ist einfach herrlich in das Leben der Thursday Next einzutauchen und den Alltag zu vergessen. Die skurrile Welt nimmt mit jedem neuen Buch immer konkretere und strukturiertere Formen an und wird zum wahren Genuss für seine Leser. Die Geschichte ist wieder flüssig und leicht erzählt, spannend bis zur letzten Seite und mit vielen überraschenden Wendungen und neuen Kuriositäten bestückt. Wir erleben immer wieder die Figuren aus bekannten Büchern und bekommen einen Einblick in deren wirklichen Charakter und deren Leben hinter der Geschichte.

    Thursday ist vollkommen in die Buchwelt angekommen und wird von dem Bibliothekar Grinsekatze, bzw. wird er hier „Cheshire Cat“ oder „Warrington Kater“ genannt, in die Geheimnisse der Bibliothek und dem Brunnen der Manuskripte eingeführt. Die Bibliothek der Bücher ist 26 Stockwerke hoch, also für jeden Buchstaben ein Stockwerk und der Brunnen der Manuskripte befindet sich direkt darunter. Dort lernen wir die Rohlinge kennen, die, nach ihrer Ausbildung, eine Charakterrolle in einem Buch zugewiesen bekommen und auch alle anderen Figuren aus unseren liebsten Büchern haben hier ihr Zuhause. Sie können zwar durch Bücher reisen, dürfen dabei aber die Handlung nicht verändern.

    Auch die Versammlungen der Jurisfiktion finden zwischen den Kapiteln in Jane Austen`s „Verstand und Gefühl“ auf Norland Park statt. Dort macht Thursday die Bekanntschaft von Marianne Dashwood. In Brontë`s „Sturmhöhe“ unterstützt sie Miss Havisham bei einer Wutberatung, um die enttäuschten Charaktere davon abzuhalten den egomanischen Heathcliff zu lünchen. Doch die Geschichte beginnt für mich erst so richtig spannend zu werden als Aornis Hades, aus Rache in Thursdays Gedächtnis eindringt …

    Auch dieses Mal, schafft es Jasper Fforde wieder, einen bis ins Detail glänzenden Roman zu erschaffen!

  • „In einem anderen Buch“ | Jasper Fforde

    Titel im Original:  „Lost in a Good Book“
    Autor:  Jasper Fforde
    Aus dem Englischen übersetzt von Joachim Stern
    Verlag:  dtv Verlag
    Genre:  Kriminalroman | Fantasy
    2. Fall für Thursday Next
    Seitenzahl:  417
    ISBN:  978-3-423-21294-6

    Spezialagentin Thursday Next steckt in Schwierigkeiten: Erst fällt ihr fast ein Oldtimer auf den Kopf, dann ist auch noch ihr Ehemann verschwunden. Will sie ihn zurückbekommen, muss sie einen Weg in das Gedicht „Der Rabe“ von Edgar Allan Poe finden. Wie soll sie es nur anstellen, da hineinzukommen?

    Meine Meinung

    Durch ihre spektakuläre Lösung im Fall „Jane Eyre“ mutierte Thursday Next über Nacht zur nationalen Berühmtheit und tingelt nun von Fernsehshow zur Fernsehshow. Doch damit nicht genug: Plötzlich ist nicht nur ihr Mann verschwunden, seine gesamte Zeitlinie wurde aus der Realität gelöscht. Was sie wiederum zur schwierigen Frage führt, von welchem Mann sie nun ein Kind erwartet!? Schnell bemerkt sie auch, dass jemand hinter ihr her ist, der sich die Entropie zu Nutze macht, um sie umzubringen. So fällt ihr erst fast ein Auto auf den Kopf und wird kurz darauf von einem SO14-Agenten erschossen …
    Ihr Vater rettet sie im letzten Moment und bringt seine Tochter an einen kritischen Punkt der Zeitgeschichte, an der ein Radfahrer verunglückt, was weitläufig zur Folge habt, dass sich die  komplette Erde in rosa Schleim verwandelt …

    Doch zunächst muss sie erstmal in „Der Rabe“ von Edgar Allan Poe gelangen, um ihren Mann zu retten. Das Prosaportal ist zwar zerstört, doch Thursday erfährt, dass es eine Organisation gibt, die sich in Bücher hineinlesen kann: Die sogenannte „Jurisfiktion“. Die Spezialagentin lässt sich anheuern. Aber ist sie wirklich bereit, ihren Mann zu retten?

    Im Mittelpunkt der Geschichte steht auch diesmal wieder die Liebe zur Literatur, die man auch, in ihren unterschiedlichsten Facetten, aus jeder Seite herauslesen kann. Vielleicht sogar noch mehr als im ersten Band, weil sich diese Geschichte nicht so sehr auf einen einzigen Roman bezieht.
    Wenn man sich an „Der Fall Jane Eyre“ zurückerinnert, zeigt diese Geschichte schon viele verrückte Elemente in seiner Handlung, aber „In einem anderen Buch“ steigert dies nochmal um ein vielfaches! Natürlich im positivsten Sinne. Man hat das Gefühl, der Autor bedient sich vermehrt an Ideen von Douglas Adams oder Cornelia Funke und bauscht diese nochmals mit seiner eigenen brillanten Fantasie auf.

    Jasper Fforde legt viel Wert auf Thursdays Umwelt und ihr Familie. Jeder kennt diesen einen verschrobenen, leicht verrückten Onkel. Bei Thursday zeigen alle Familienmitglieder ihre besonderen Eigenheiten. Absolut sympathisch und am liebsten möchte man selbst ein Teil davon sein.
    Außerdem zeigt der Autor eine unglaubliche Detailverliebtheit für die Welt und die Gesellschaft. Selbst vermeintlich alltägliche Dinge werden zum Erlebnis. Allein die Szene, in der bei einem Buchverkauf in einem modernen Antiquariat das absolute Chaos ausbricht und die Herzkönigin zur Furiere mutiert, ist gewaltig. Und diese Art von Szenen findet man immer wieder.
    Und natürlich wird sehr viel Fokus auf das Zeitreisen gelegt …

    Literarisch ist der Roman zwar nicht im klassischen Sinne anspruchsvoll, man tut sich aber auf jeden Fall leichter, wenn man vorher Charles Dickens „Große Erwartungen“ und Kafkas „Prozess“ gelesen oder zumindest schon einmal etwas davon gehört hat. Das hilft auch ungemein bei Jasper Ffordes grandioser Wortakrobatik!