• „Rotes Gold“ | Tom Hillenbrand

    Autor:  Tom Hillenbrand
    Verlag:  Kiepenheuer & Witsch
    Genre:  Kulinarischer Kriminalroman
    2. Fall von Xavier Kieffer
    Seitenzahl:  348
    ISBN:  978-3-462-04412-6

    Bei einem Galadinner in Paris soll Europas größter Sushimeister ausgezeichnet werden – aber noch vor dem Hauptgang bricht er tot zusammen. Diagnose: Fischvergiftung!
    Der Luxemburger Koch Xavier Kieffer hat Zweifel und ermittelt. Die Spuren führen ihn in die unbekannte Welt der japanischen Küche. Er merkt, dass es Fische gibt, die teurer sind als Gold – und wertvoller als ein Menschenleben.

    Meine Meinung

    Oh Yes, Xavier Kieffer geht wieder auf Ermittlungstour!

    Diesmal rutscht der sympathische Koch mehr oder weniger unfreiwillig in die Machenschaften skrupelloser Verbrecher, die auch vor Mord nicht zurückschrecken.
    Während eines Galadinner bricht der weltberühmte Sushikoch Mifune vor der erlesenen Pariser Gesellschaft tot zusammen. Er soll sich am Fisch, den er gerade zubereiten wollte, vergiftet haben. Die Polizei glaubt an einen Unfall. Xavier hat da aber seine Zweifel und beginnt Fragen zu stellen. Und prompt soll er für den Pariser Bürgermeister, dem der „Unfall“ ebenso fragwürdig erscheint, Nachforschungen anstellen!

    Wisst ihr, was mir bei dieser Reihe am allerbesten gefällt?
    Dass die Kriminalhandlung zwar eine schöne und spannende Begleiterscheinung ist, durch das kulinarische Metier wird man aber immer wieder auf neue Speisen aufmerksam gemacht, man bekommt selbst Lust zu kochen, man googelt diverse Sachgebiete und ich erwisch mich immer wieder dabei, dass ich mir zu den erwähnten Speisen Rezepte anschaue!

    Wie auch beim ersten Fall von Xavier Kieffer bekommt der Leser hier unheimlich viel Hintergrundwissen. Tom Hillenbrand muss sehr genau recherchiert haben. Dem Leser wird ein großen Einblick in das Geschäft mit dem Bluefin geboten, ob die Geschäfte jetzt legal oder illegal sind. Und das Thema regt wirklich zum Nachdenken an. Wie weit ist der Mensch bereit in die Natur einzugreifen, nur um den perfekten Fisch auf dem Teller zu bekommen? Aber auch kochtechnisches Wissen wird vermittelt: Wie filetiert man einen Thunfisch richtig und welche jahrhundertealten Methoden haben die Japaner um ihre Fische zu verarbeiten? Ich wusste wirklich nicht, dass dieses Thema so interessant ist!

    „Rotes Gold“ ist ein wunderbar leichtes Buch, dass man am besten abends auf dem Balkon oder im Garten mit einem schönen Glas Wein genießen sollte. Der Autor beschreibt seinenHauptcharaktere so menschlich und mit so liebenswerten Schwächen und Macken, das man sie einfach gernhaben muss. Der Schreibstil ist spannend und wendungsreich. Der Kriminalfall wurde sehr detailliert und umfangreich aufgebraut und Alles in Allem passen die Ermittlungen mit der Liebe zur Kulinarik einfach perfekt zusammen! Außerdem beschreibt Tom Hillenbrand Luxemburg wunderbar bildlich und man merkt seine Leidenschaft zu diesem Land.

    Ein großartiges Buch, bei dem mir das Wasser im Munde zusammenlief!

  • „Teufelsfrucht“ | Tom Hillenbrand

    Autor:  Tom Hillenbrand
    Verlag:  Kiepenheuer & Witsch
    Genre:  Kulinarischer Kriminalroman
    1. Fall von Xavier Kieffer
    Seitenzahl:  298
    ISBN:  978-3-462-04287-0

    Ein Glas Rivaner, ein Stück Rieslingpastete und bloß nicht zu viel Stress – der Koch Xavier Kieffer führt ein beschauliches Leben in der Luxemburger Unterstadt. Als eines Tages die Leiche eines Gastro-Kritikers in seinem Restaurant liegt, ist es mit der Ruhe vorbei. Der tote Tester, eine mysteriöse Brandserie und das Verschwinden seines ehemaligen Lehrmeisters zwingen Kieffer, auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen. Bei seinen Recherchen, die ihn bis nach Paris und Genf führen, kommt er einem ungeheuerlichen kulinarischen Skandal auf die Spur – und gerät selbst in Lebensgefahr!

    Meine Meinung

    In „Teufelsfrucht“ liegt der wahre Genuss zwischen genormten Erdbeeren und milchfreiem Laborkäse!

    Quetscheflued, Gromperekichelcher, Huisenziwwi und Mummentaart.
    Wie, Sie verstehen nicht? Na, dann: Willkommen in Luxemburg! Dem Großherzogtum, dass kochtechnisch erst durch die Sterneköchin Lea Linster bekannt wurde, die weltweit als einzige Frau mit dem goldenen Bocuse ausgezeichnet wurde!

    „Teufelsfrucht“ war mein erster kulinarischer Krimi und ich bin absolut begeistert von dem Start in diese Reihe! Hauptprotagonist ist der liebenswerte und gemütliche Koch Xavier Kieffer, der trotz bester Prognosen und Voraussetzungen lieber exzellente Hausmannskost serviert, als sich mit den überbewerteten Sternen der Haute Cuisine herumzuplagen.

    Sein Restaurant „Zwei Kirchen“ gilt als Geheimtipp in der Luxemburgischen Unterstadt. Laufkundschaft verirrt sich hier nur sehr selten hin, umso erstaunter ist er, einen schlecht gelaunten Gastrokritiker an seinem Tische zu entdecken. Die Freude allerdings währt nur kurz, denn Agathon Ricard fällt im Schankraum einfach um und bleibt tot liegen. Zunächst tut sich die Polizei mit ihren Ermittlungen schwer, wäre da nicht die auffällige Spur zu Kieffers Ausbilder und Ziehvater. Eine Sackgasse, wie sich bald herausstellt, aber nicht für Xavier! In dessen Ferienhaus findet er in zwei Tupperdosen eine höchst bemerkenswerte Frucht … und damit nimmt die Geschichte erst so richtig Fahrt auf!

    Tom Hillenbrand hat hier einen gut durchdachten und spannenden Kriminalroman geschrieben, der uns tief in die Welt der Sterneküche, aber auch in eine Welt aus Schein und Intrigen hineinzieht.  Eine Geschichte mit sympathischen Protagonisten, einer spannenden und ungewöhnlichen Story und sehr viel Humor! Ähnlichkeiten mit dem einen oder anderen wohlbekannten Fernsehkoch sind garantiert und auch die knackigen Seitenhiebe auf die EU-Kommission und „Dr. Frankensteinkäse“ haben diesen Roman für mich zum hochkarätigen Genuss gemacht!

    Frank Rosin würde Xaviers Kochkünste wohl als „voll auf die Fresse gekocht“ bezeichnen, was er aber sicher als höchstes Lob gemeint hätte. Küche muss deftig und einfach sein und auch in Xaviers Restaurant wird einfach gut gekocht!

  • „Sophia, der Tod und Ich“ | Thees Uhlmann

    Autor: Thees Uhlmann
    Verlag: Kiepenheuer & Witsch
    Genre: Roman  |  Humor
    Seitenzahl:  318
    ISBN: 978-3-462-05061-5

    Was passiert, wenn eines Tages der Tot bei einem klingelt und sagt, dass man nur noch ein paar Minuten zu leben hat?

    „Sophia, der Tod und ich“ ist ein rasanter, hochkomischer, berührender Roman über all das, was im Leben wirklich zählt. Ein Roadtrip quer durch die Republik, hin zu den Menschen, die uns wichtig sind. Man liest, lacht, zerfließt vor Melancholie und freut sich, dass man dabei ist, bei dieser großartigen Sache namens Leben.

    Meine Meinung

    Das Thees Uhlmann zu meinen Lieblingssängern gehört, ist in meinem Freundeskreis mittlerweile doch bekannt. Zu meinem Geburtstag wurde ich nun mit seinem ersten Buch überrascht und musste es natürlich sofort lesen!

    Es klingelt an der Tür und im Treppenhaus riecht es nach frisch gebrühtem Kaffee. Als unser namenloser Protagonist öffnet, steht der lebendige Tod vor ihm und verkündet, dass er nur noch drei Minuten zu leben habe. Aber was wünscht man sich in den letzten Minuten seines Lebens?
    Unser Held – ein nachdenklicher, fußballliebender Altenpfleger – weiß nun wirklich nichts mit dieser Situation anzufangen. Seine Beziehung mit Sophia ist vorbei, sein Job ist so lala und er selber weiß nicht, ob sein 8-jähriger Sohn die Postkarten, die er ihm täglich schreibt, überhaupt bekommt.
    Mitten in seinen “letzten” Gedanken klingelt es erneut. Sophia erscheint und erinnert ihn, dass sie gemeinsam seine Mutter besuchen wollten. Der Tod ist völlig perplex, ist er es doch gar nicht gewöhnt, bei seiner Arbeit gestört zu werden. Irgendwas läuft hier gewaltig schief …
    Und so nimmt die superwitzige und toll geschriebene morbide Geschichte ihren Lauf!

    Wie nicht anders von dem Sänger zu erwarten, ist Thees Uhlmanns Schreibstil sehr erfrischend und leicht verständlich. Manchmal lyrisch, manchmal trocken, aber immer auf dem Boden der Tatsachen. Die Grundgeschichte ist skurril und außergewöhnlich, das Tempo eher zurückgenommen, was aber das eigene Gedankenkarussell sehr gut anregt. Der Inhalt war in manchen Szenen so dicht, dass ich einige Absätze mehrmals lesen musste.

    Trotz der Schwere des Themas, ist die Stimmung in diesem Buch näher am Leben als man ahnt!

    „Sophia, der Tod und ich“ lebt durch seine Charaktere! In jeden einzelnen hätte ich mich vom Fleck weg verlieben können, dennoch sind sie alle von Grund auf verschieden und ich musste mich beim Lesen mehr als einmal fragen, warum die Harmonie trotzdem so gut klappt!
    Ihr werdet euch selbst in mindestens einer dieser Personen wiederfinden!

    Thees Uhlmann ist ein großartiger Erzähler. Jemand der unterhalten kann, ohne den Ernst außen vor zu lassen. Oder besser gesagt, ihn geschickt zu verpacken weiß! Sein Humor ist von trockener, lässiger Art, obwohl sein Protagonist eher einen Stock im Hintern hat und der Tod in seiner überschwänglichen Lebensfreude zu platzen droht.

    Das Sterben ist schon eine ernste Sache. Vor allem für Diejenigen, die zurückbleiben! Und doch ist er allgegenwärtig! Aber vorher bietet uns das Leben so viele Möglichkeiten es in vollen Zügen zu genießen. Und genau das ist es, was Thees Uhlmann in seinem Buch vermittelt. Einem Roman, der vor Leben nur so strotzt!

  • „Der Mann, der nicht mitspielt“ | Christof Weigold

    Autor: Christof Weigold
    Verlag: Kiepenheuer & Witsch
    Genre: Kriminalroman
    1. Fall von Hardy Engel
    Seitenzahl:  629
    ISBN: 978-3-462-05103-2

    Hollywood in den Roaring Twenties: Ein wahres Sündenbabel zur Zeit der Stummfilme und der Prohibition. Rätselhafte Todesfälle erschüttern die Stadt. Mittendrin:  Ein deutscher Privatdetektiv.

    Die junge Schauspielerin Virginia Rappe stirbt unter mysteriösen Umständen nach einer Party des beliebten Komikers Roscoe „Fatty“ Arbuckle. Der Skandal droht ganz Hollywood in den Abgrund zu ziehen. Hardy Engel ermittelt in rivalisierenden Filmstudios und in der Kolonie der Deutschen rund um Universal-Gründer Carl Laemmle. Als er schließlich die Wahrheit herausfindet, die allzu viele Leute vertuschen wollen, ist nicht nur sein Leben in Gefahr …

    Meine Meinung

    Mit „Der Mann, der nicht mitspielt“ liefert uns Christof Weigold einen interessanten Kriminalroman, der im Strickmuster denen von Volker Kutscher gleicht. Mit einem lebendigen Setting, dass das Hollywood der frühen 20er Jahren in den Köpfen der Leser wieder aufleben lässt. Kernig, kantig und absolut lesenswert!

    Privatdetektiv Hardy Engel, ein gescheiterter deutscher Schauspieler, wird von der bildhübschen Pepper Murphy beauftragt, das verschwundene Starlet Virginia Rappe zu finden. Kurz darauf stirbt Virginia unter mysteriösen Umständen, nachdem sie eine Party des beliebten Komikers »Fatty« Arbuckle besucht hat. Dieser wird beschuldigt, sie brutal vergewaltigt und tödlich verletzt zu haben. Angefacht von den Boulevardzeitungen entwickelt sich der Fall zum größten Skandal der Stummfilmzeit, der ganz Hollywood in den Abgrund zu ziehen droht.

    Natürlich kannte ich schon vor diesem Roman den Begriff der „goldenen 20er Jahre“, daher habe ich mich schon sehr auf diese Geschichte gefreut. Der Fall Virginia Rappe begründet sich auf eine wahre Begebenheit und ging in die Skandalgeschichte von Hollywood ein. Noch heute scheint er nicht eindeutig gelöst. Das Buch zieht seinen Leser in einen Sumpf aus Korruption, Skandalen und Drogenrausch, aber auch Alkohol und sexuelle Ausbeutung waren damals wie heute an der Tagesordnung.

    Die Geschichte um den deutschen Einwanderer und erfolglosen Schauspieler Hardy Engel, der eher widerwillig in das Metier des Privatdetektivs einsteigt ist mit viel Detailwissen und ganz im Stil der hardboiled Krimis erzählt. Christof Weigold hat eine sehr bildliche und ansprechende Art, seine Geschichte zu erzählen. Er hat seine Vorbilder sehr gut studiert und trifft genau den Ton dieser desillusionierten und hartgesottenen Detektive. Seine Sprache ist schnell, die Dialoge direkt und zynisch. Die Handlung ist komplex ausgearbeitet und die vielen Anspielungen auf reale Ereignisse und Personen der Filmgeschichte machen den Detektivroman auch zu einem Buch für Filmfreunde.