• „Der Leuchtturm am Ende der Welt“ | Jules Verne

    Titel im Original:  „Le Phare du bout du monde“
    Autor:  Jules Verne
    Aus dem Französischen übersetzt vom A. Hartlebens Verlag
    Mit Illustrationen von Georg Roux
    Verlag:  Nikol Verlag
    Genre:  Abenteuerroman
    Seitenzahl:  269
    ISBN:  978-3-86820-264-9

    In der Nähe des Kap Hoorn, dem südlichen Ende von Südamerika, hat Argentinien einen Leuchtturm bauen lassen. Dieser wird von einer dreiköpfigen Besatzung betrieben, die im Vierteljahresrythmus ausgewechselt wird. Aber auch eine Bande von Seeräubern hat in der Nähe des Leuchtturms ihren Unterschlupf. Diese fühlen sich durch die Wachmannschaft des Leuchtturms gestört und so kommt es, dass die Seeräuber planen, den Leuchtturm zu überfallen.

    Meine Meinung

    „Der Leuchtturm am Ende der Welt“ ist mit seinen 270 Seiten einer der kürzeren und auch weniger bekannteren Romane von Jules Verne. Wer den Autor aber zu schätzen weiß, dem lege ich diese Geschichte natürlich ans Herz.
    Auch für mich war dieses Buch eine kleine Neuentdeckung. Ich wusste zwar, dass ich die Geschichte schon einmal in meiner Jugend gelesen hatte, ich konnte mich aber überhaupt nicht mehr an den Inhalt erinnern.

    Die Geschichte führt uns in die Nähe des Kap Hoorns und handelt von drei Leuchtturmwärtern,  welche zusammen mit einer Räuberbande auf der Insel festsitzen. Sie wird abwechselnd aus der Sicht der Wärter und der Räuber erzählt und entwickelt sich, nach einigen eher ruhigeren Passagen, die mich aber mit vielen Beschreibungen und Ausschmückungen überzeugen konnten, doch sehr schnell zu einem spannenden Abenteuerroman.

    Wie es für Jules Verne immer typisch ist, werden auch in diesem Buch die Flora, Fauna und die Topographie der Umgebung sehr genau beschrieben. Ebenso auch die Schiffe. Für manche Leser mag das vielleicht etwas schleppend sein, für mich macht das aber gerade den Reiz aus. Zusammen mit den schönen altertümlichen Formulierungen einfach ein Lesegenuss.

    Jules Verne erzählt sehr lebendig und mitreißend, mit vielen tollen Dialogen. Dadurch bringt er uns auch die Charaktere in dieser Geschichte wunderbar nahe. Dieses Mal konnte mein Herz sogar für die fiese Räuberbande erwärmen.

    Natürlich ist „Der Leuchtturm am Ende der Welt“ auch wieder mit vielen ansprechenden Originalillustrationen von Georg Roux versehen. Bilder, die die Geschichte toll komplimentieren und das Buch für mich aufwerten.

    Ein toller Klassiker aus dem Jahre 1906, den man sich unbedingt anschauen sollte!

  • „Der Fall Jane Eyre“ | Jasper Fforde

    Titel im Original:  „The Eyre Affaire“
    Autor:  Jasper Fforde
    Aus dem Englischen übersetzt von Lorenz Stern
    Verlag:  dtv Verlag
    Genre:  Kriminalroman | Fantasy
    1. Fall für Thursday Next
    Seitenzahl:  376
    ISBN:  978-3-423-21293-9

    Der Erzschurke Acheron Hades hat Jane Eyre aus dem berühmten Roman von Charlotte Bronte entführt, um ein gigantisches Lösegeld zu erpressen. Eine Katastrophe für England! Und eine Herausforderung für Spezialagentin Thursday Next, die den Bösewicht dingfest machen soll.

    Meine Meinung

    Thursday Next lebt in einer Welt, in der die Literatur so wichtig genommen wird, dass es dafür sogar eine eigene Abteilung bei der Polizei gibt. Sie ist Geheimagentin und stets Literaturverbrechern auf den Fersen. Allerdings beschränken sich diese Verbrechen meist auf Fälschungen großer Werke. Als aber eines Tages ein Originalmanuskript von Charles Dickens gestohlen und eine darin vorkommende Nebenfigur plötzlich ermordet aufgefunden wird, steht Thursday Next vor der größten Herausforderung ihrer Karriere. Sie weiß, wer hinter den Verbrechen steckt: Acheron Hades, ihr ehemaliger Professor auf der Universität!
    Thursday riskiert ihr eigenes Leben, um den Schurken zur Strecke zu bringen. Dieser plant allerdings schon seinen nächsten großen Coup. Er will Jane Eyre aus dem weltberühmten Roman von Charlotte Brontë entführen …

    Ich persönlich würde  den Autor irgendwo zwischen Monty Python und Douglas Adams ansiedeln. Jasper Fforde verbindet phantastische Literatur auf sehr eigene actionreiche, aber doch elegant-britische Art und Weise mit einem knallharten Kriminalfall. Dabei lässt er in diesem Fall aber den englischen Klassiker „Jane Eyre“ immer die Hauptrolle spielen! Schräg, schrill und einfach phantastisch. Zeppeline statt Flugzeugen, ein über 100 Jahre währender Krim-Krieg und Menschen, die die Zeit einfrieren können. Alles ganz normal in diesem alternativen England …
    Jasper Ffordes schräger Humor und die verrückte Welt, die er hier erschaffen hat, treffen auf wirklich sympathische Protagonisten und eine tolle, aber völlig wahnwitzige Handlung. Und gleichzeitig ist „Der Fall Jane Eyre“ natürlich auch eine Liebeserklärung an die Literatur!

    Wer nun denkt, dass sich die Geschichte durch diese wirre Mischung an Genres irgendwie anstrengend lesen lässt, den kann ich beruhigen:  Das Buch liest sich flott, die Erzählstimme ist modern und mitreißend und der Humor ist in meinen Augen grandios. Es macht unheimlichen Spaß, Thursday Next auf ihrer irrwitzigen Missionen zu begleiten!

    Wenn ich so überlege, gibt es im Großen und Ganzen eigentlich nichts, dass mir an diesem Buch nicht gefallen hätte. Einzig zu erwähnen wäre, dass die Entführung der Jane Eyre tatsächlich erst sehr spät in der Geschichte stattfindet und das Augenmerk zunächst auf anderen Dingen liegt, die aber selbstverständlich nötig sind, um zur eigentlichen Entführung zu gelangen. Trotzdem wurde ich zwischendurch schon mal etwas ungeduldig …

    Jasper Fforde macht seine Leser definitiv auch auf die angesprochene Literatur neugierig. Und wenn Thursday Next Andere dazu anregen kann, „Jane Eyre“ – einen meiner Lieblingsklassiker – zur Hand zu nehmen, macht mir das den Autor nur noch sympathischer!

  • „In 80 Tagen um die Welt“ | Jules Verne

    Titel im Original:  „Le Tour du Monde en quatre-vingts jours“
    Autor:  Jules Verne
    Aus dem Französischen übersetzt von Sabine Hübner
    Mit Illustrationen von Léon Benett und Alphonse de Neuville
    Verlag:
      dtv Verlag
    Genre:  Abenteuerroman | Klassiker
    Seitenzahl:  301
    ISBN:  978-3-423-13545-0

    Sind es wirklich 80 Tage oder nur 79 wegen der Zeitverschiebung?
    Der spleenige Engländer Phileas Fogg will jedenfalls seine Wette gewinnen. Ob Witwenrettung, Seesturm oder Indianerüberfall – nichts darf die spannende Jagd um die Welt gefährden!

    Meine Meinung

    Meine letzte Jule Verne-Phase ist ja mittlerweile schon einige Jahre her und nachdem mir schon im April sein Kurzroman „Von der Erde bis zum Mond“ so gut gefallen hat, mache ich im Mai gleich mit meinem Lieblingsbuch des französischen Autoren weiter.

    In „In 80 Tagen um die Welt“ verfolgen wir die Reise des exzentrischen Gentleman Phileas Fogg. Jules Verne war seiner Zeit weit voraus. Das merkt man, wenn man sich vor Augen führt, dass der gute Mann von 1823 bis 1905 gelebt hat.
    Phileas Fogg ist ein Mann der englischen Upper Class, der seine Tage am liebsten beim Whist spielen in einem exklusiven Londoner Herrenclub verbringt. Am 2. Oktober 1872 kommt das Gespräch der Runde auf einen Ganoven, der 55.000 Pfund Sterlingsilber aus einer Londoner Bank erbeutet hat. Die Chance, den Räuber zu fassen, ist eher gering, da die Welt ja auch groß genug ist, um sich zu verstecken. Eine hitzige Diskussion entspringt und Phileas Fogg wettet 20.000 Pfund, dass es ihm, mit Hilfe der modernen Verkehrsmittel gelingt, in 80 Tagen um die Welt zu reisen. Diese 20.000 Pfund sind die Hälfte seines Vermögens, die andere Hälfte benötigt er für die Durchführung der Weltreise. Falls er die Wette verliert, ist er also finanziell ruiniert!
    Wenn man bedenkt, dass man im England des 19. Jahrhunderts mit 100 Pfund Jahreseinkommen sehr gut leben konnte, ist die Wette schon phänomenal …

    Da das endende 19. Jahrhundert vom beschleunigten technischen Fortschritt und zugleich von den letzten großen Entdeckungsreisen geprägt wurde, ist es verständlich, dass gerade „In 80 Tagen um die Welt“ als eines der populärsten Bücher von Jules Verne gilt. Er beschreibt hier eine Zeit, in der die meisten Menschen ihr Leben lang nicht aus ihrem Geburtsort heraus kamen und technische Wunderwerke wie die US-Eisenbahn „Coast to Coast“ oder die Eröffnung des Suez-Kanals die Fantasie der Menschen beflügelten.

    Der Roman besticht nicht nur durch seinen tollen Schreibstil, auch die große Portion Wissenschaft und Fiktion machen die Geschichte immer wieder aufs Neue lesenswert. Ein Erzählstil, den man heutzutage natürlich auch gut in die klassische Science Fiction packen könnte. Es erstaunt mich immer wieder, dass auch Jules Verne manche später realisierte Entwicklung vorher gesehen hat.

    Phileas Fogg und sein Französischer Diener „Passepartout“ wurden liebenswürdig und scharf gezeichnet. Sie bleiben sich in jeder Situation treu und sind mir dadurch auch noch lange im Gedächtnis geblieben.
    Die bereisten Länder und Landschaften werden im Roman leider nur kurz und prägnant beschrieben, aber die Reise wird ja auch aufgrund einer Wette unternommen und die Männer stehen unter Zeitdruck. Das steigert die Spannung des Romans!

    „In 80 Tagen um die Welt“ in ein zeitloser Klassiker, der mich immer wieder begeistert!

  • „Der Schimmelreiter“ | Theodor Storm

    Autor:  Theodor Storm
    Verlag:  Insel Verlag
    Genre:  Novelle
    Seitenzahl:  144
    ISBN:  978-3-458-36216-6

    Hauke Haien ist ein Mann des Fortschritts und baut einen modernen Deich. Das ehrgeizige Projekt weckt jedoch den Aberglauben der Dorfbewohner, die hinter dem neuartigen Damm Unglück wittern. Schon bald sehen sie in Hauke und seinem weißen Pferd einen gespenstischen Schimmelreiter, die Verkörperung des Dämonischen, der Unglück über das Dorf bringen wird …

    Meine Meinung

    Nach mehr als 15 Jahren und mit meinem heutigen Erfahrungsschatz habe ich im April endlich wieder zu Theodor Storms „Der Schimmelreiter“ gegriffen.

    Hauke, Sohn eines nordfriesischen Bauern und Landvermessers, ist bereits als Kind sehr wissbegierig. Er befasst sich mit Mathematik und Geometrie und wird nicht müde, die Flutwellen zu beobachten, die auf den Deich aufschlagen. Mit achtzehn Jahren ergreift er seine Chance und tritt als Knecht in den Dienst des gutmütigen, aber trägen Deichgrafen Tede Volkerts ein, wo er schon bald seinen scharfen Blick für die Angelegenheiten des Deichs beweisen kann. Er weist den ihn auf Missstände hin und arbeitet sich in die Verwaltungsaufgaben ein. Bei manchen der Anrainer macht sich Hauke damit unbeliebt, was natürlich auch sein Konkurrent Ole Peters noch zu schüren weiß …
    Als Tede Volkert stirbt nimmt Hauke dessen Tochter zur Frau und tritt seine Nachfolge an. Beide arbeiten hart in den kommenden Jahren und Hauke entwirft einen ehrgeizigen Plan zum Bau eines neuen Deiches mit einem flacheren Profil. Gegen den Widerstand der Bauern wird mit den zeitintensiven und anstrengenden Arbeiten begonnen. Als er dann auch noch einem mysteriösen Unbekannten einen elenden Schimmel abkauft, in dem die Dorfbewohner ein auferstandenes Pferdegerippe zu erkennen glauben, das zuvor im Watt gelegen hatte, ist der Unmut gegen ihm nicht mehr zu verhehlen …

    Die Beschreibung des Lebens im Norddeutschland des 19. Jahrhunderts lässt den Leser in eine Welt eintauchen, die es so nicht mehr gibt. Damals wie heute ist es nicht immer einfach, das “Neue“ durchzusetzen und ehrliche Mitstreiter für diese Ideen zu gewinnen. Aberglaube und Gehässigkeit sind hier an der Tagesordnung und auch die Unterdrückung durch Angst wird deutlich thematisiert. Hauke Haien ist ein tapfererund mutiger, aber wohl auch ein einsamer Charakter, der für seine Mitmenschen schwer zu verstehen ist.

    „Der Schimmelreiter“ ist eine Novelle, die weniger durch ihre atemberaubende Handlung als durch die genaue Zeichnung ihrer Charaktere fesselt und zum Weiterlesen anregt. Insbesondere die der Hauptfigur, die der Handlung ständig neue Facetten verleiht und für den Leser immer unheimlicher wird. Das dramatische Ende der Geschichte wird dadurch zwar immer wahrscheinlicher, der Leser weiß aber bis zur letzten Szene nicht, wie dieses aussehen wird.

    Theodor Storm schreibt in einem schönen altertümlichen Deutsch, das trotz längerer Beschreibungen nie langweilig wird. Was wohl auch der tollen Wortwahl geschuldet ist. Sie zaubert eine dichte und mystische Atmosphäre. Für mich hat die Geschichte mehr als nur einmal vor Spannung geknistert.

    „Der Schimmelreiter“ ist genau das richtige Buch, wenn es darum geht die menschlichen Schwächen, den Neids und auch den Hochmut zu verstehen!

  • „Von der Erde zum Mond“ | Jules Verne

    Titel im Original:  „De la terre á la lune“
    Autor:  Jule Verne
    Aus dem Französischen übersetzt von William Matheson
    Mit Illustrationen von H. de Montaut
    Verlag:  Diogenes Verlag
    Genre:  Science-Fiction
    Seitenzahl:  302
    ISBN:  978-3-257-20242-7

    Drei kühne Astronauten starten in Florida, unweit vom heutigen Cape Canaveral, werden von einem Teleskop auf Mount Palomar beobachtet und landen programmgemäß im Pazifischen Ozean:  Jules Verne hatte 1865 fast alles vorausgesehen. Dem Dichter der Mondfahrt zu Ehren heißt heute ein Mondkrater ›Jules Verne‹

    Meine Meinung

    Jules Verne ist für mich einer der zeitlosesten Autoren und ein wunderbarer Geschichtenerzähler. Selbst nach mehr als 100 Jahren lohnt es sich noch, seine Zukunftsromane zu lesen.

    „Von der Erde zum Mond“ beginnt kurz nach dem Ende des Bürgerkriegs in den USA. Die großen Köpfe der Rüstungsindustrie haben sich zu dem sagenumwobenen „Gun Club“ zusammengeschlossen. Deren treffen dienen nicht nur zum Wissensaustausch, nachdem die Mitglieder mit ihrer neugewonnen Zeit nicht wirklich viel anzufangen wissen, spinnt deren Vorsitzender Barbicane einen neuen Plan:  Die USA sollte versuchen denn Mond zu erobern!
    Schnell werden erste Pläne ausgearbeitet und dank dem Zusammenspiel zwischen Ballistik und Astronomie kann in Florida bereits nach wenigen Wochen mit dem Bau einer riesigen Kanone – der „Columbiade“ – begonnen werden. Doch die Pläne ändern sich, als der Franzose Micheal Ardant nach Amerika reist um die Kanonenkugel zu besteigen. Er möchte freiwillig als erster Mensch die Reise zum Mond anzutreten!

    Jules Verne starb 1905, er konnte also noch nichts von den technischen Möglichkeiten des 20. Jahrhunderts und der heute realen Raumfahrt erahnen. Und doch bietet dieser Roman einen unterhaltsamen Einblick in das Denken und Fühlen technisch interessierter Menschen, deren Vorstellungskraft weit über das Wissen des 19. Jahrhunderts hinaus geht.

    Die Geschichte des „Gun Clubs“ verpackt  den Spott auf den damaligen Militarismus und würzt ihn mit übertriebenem Nationalbewusstsein. Wobei sich dieser Roman hauptsächlich mit den Vorbereitungen der Mondreise befasst. Er bietet also viel Platz für technische Hintergründe, waghalsige Mutmaßungen und mathematische Spielereien! Alles in Allem genau die richtigen Zutaten, die die heutige Science-Fiction ausmachen. Noch heute nimmt diese Geschichte weitreichenden Einfluss auf das Genre und inspiriert Menschen ihren Vorstellungen freien Lauf zu lassen.

    „Von der Erde zum Mond“ liest sich wunderbar leicht. Nicht zuletzt dank des ironischen Humors in der Geschichte. Anders als gewohnt wirken Jules Vernes Beschreibungen in diesem Buch aber etwas flach. Es mag vermutlich dem technischen Thema geschuldet sein, dass seine Erzählungen ein wenig ihre Bildhaftigkeit einbüßen. Nichtsdestotrotz ist die Geschichte mitreißend und ich habe immer wieder auf den nächsten skurrilen Einfall gewartet.

    Wer gerne fantastische Reisen erleben möchte ohne dabei den Bezug zur Realität zu verlieren, der ist mit diesem Buch wirklich gut bedient!