• „Es ist was faul“ | Jasper Fforde

    Titel im Original:  „Something Rotten“
    Autor:  Jasper Fforde
    Aus dem Englischen übersetzt von Joachim Stern
    Verlag:  dtv Verlag
    Genre:  Kriminalroman | Fantasy
    4. Fall für Thursday Next
    Seitenzahl:  427
    ISBN:  978-3-423-21296-0

    Hamlet hat ein Riesenproblem: Ophelia hat sein Stück umgeschrieben! Eindeutig ein Fall für Spezialagentin Thursday Next, die auch sonst ziemlich beschäftigt ist …
    Wird sie die Welt retten können?
    Und wer passt so lange auf ihren Sohn auf?

    Meine Meinung

    Im vierten Band der Reihe hat Thursday Next gleich mehrere Brandherde zu löschen, obwohl sie nach den letzten anstrengenden Monaten schon dringend urlaubsreif wäre. Nicht nur die Jagd nach der stierigen Sagengestalt, die in der Bücherwelt vermehrt für Ärger sorgte, hat an ihren Kräften gezehrt, auch im heimeligen Wessex steht nicht alles beim Besten: Lady Hamilton weilt noch immer im Haus ihrer Mutter, da ihr Geliebter unbedingt den Helden spielen muss und jetzt zieht auch noch der zaudernde dänische Prinz Hamlet in die Abstellkammer ein! Zum Glück ist genug Kuchen für alle da …

    Der zwielichtige Großkonzern „Goliath“ hat beschlossen, sich in eine Religionsgemeinschaft umzuwandeln und möchte bei den Opfern ihrer skrupellosen Vergehen Buße tun. Thursday ist skeptisch, sie versucht aber dennoch einen Antrag auf Entnichtung für ihren Ehemann Landen einzureichen. Vielleicht erfährt sie dabei ja auch, was der Konzern wirklich vorhat! Dabei begegnet sie auch ihrem Vater, der sie vor weiteren Mordanschlägen warnt. Die Auftragskillerin ist ausgerechnet die Ehefrau eines Freundes!
    Thursdays Bruder Joffy, der seinen Glauben der Kirche der globalen Standardgottheit gewidmet hat, wartet einstweilen auf eine eintretende Prophezeiung. Doch als der Mönch St. Zvlxk tatsächlich eintrifft, ist dieser verblüffend vulgär, aber zielstrebig. Seine letzte Vision betrifft nicht nur die Zukunft der gesamten Welt, sondern auch Thursday ganz persönlich …

    „Es ist was faul“ ist der vierte Band der einzigartigen Reihe um die Literatur- und Spezialagentin. Jasper Fforde schildert sein Universum so plastisch, dass man sich trotz aller Kuriositäten, Humor und Abartigkeiten wieder schnell zu Recht findet. Die Geschichte bietet einige spannende Enthüllungen und Wendungen, die den Leser nicht nur zu Tränen rührt, sondern auch zum Denken anregen. Und auch der skurrile gezeichnete Hamlet sorgte bei mir für einige Lacher.
    Von Jenseitsreisen bis hin zu einem flackernden Ehemann und einer Gorilladame als Nanny ist hier wirklich alles vertreten.

    Wie immer bringt der Autor auch Themen aus der Weltgeschichte mit ein. So spielen die Charakterzüge von Thursdays Gegenspieler auf Hitler und dessen Handeln auf das dritte Reich an und auch die Goliath Cooperation erinnert den Leser an eine ganz einschlägige religiöse Sekte aus der realen Welt. Und wie schon gewohnt webt er zum Auflockern auch diesmal wieder Geschichten aus der Welt der Bücher mit ein. Eine Affäre zwischen Lady Hamilton und Hamlet? Emperor Zhark? Wer weiß, wer weiß! Vor allem aber hat mir der Kampf zwischen der Grinsekatze und Yorrick Kaine gefallen!

    Es gibt sie doch, die wirklich guten Bücher, über die man selbst noch als ambitionierter Leser ins Staunen gerät und man einfach Happy ist, sie gefunden zu haben. Die Reihe um die taffe Thursday Next ist ein wahrer Juwel, der einen nicht mehr loslässt!

  • „20.000 Meilen unter dem Meer“ | Jules Verne

    Titel im Original:  „Vingt Mille Lieues sous les mers“
    Autor:  Jules Verne
    Aus dem Französischen übersetzt von Volker Dehs
    Mit Illustrationen von Georg Roux
    Verlag:  dtv Verlag
    Genre:  Abenteuerroman
    Seitenzahl:  624
    ISBN:  978-3-423-13795-9

    Es ist das Jahr 1867, als sich Professor Aronnax und seine Gefährten auf hohe See begeben, um dem Geheimnis, das hinter zahlreichen Schiffsunglücken steckt, auf den Grund zu gehen. In den Schlagzeilen ist von einem riesigen Meerungeheuer die Rede, doch das Forscherteam macht auf seiner Expedition eine ganz andere Entdeckung.

    Meine Meinung

    Der französische Naturforscher Professor Aronnax erleidet zusammen mit seinem Diener Conseil und dem kanadischen Harpunier Ned Land Schiffbruch. Anstatt auf einem einsamen Strand angespült zu werden, verschlägt es die drei zunächst auf, dann in ein seltsames Unterwassergefährt, dass sich als riesiges hochmodernes U-Boot entpuppt. Jedoch macht ihnen der enigmatische Kapitän Nemo schnell klar, dass er nicht vorhat jemals wieder irgendwo an Land zu gehen. Seine unfreiwilligen Besucher haben also alle Freiheiten am Bord, können sich frei bewegen und werden bestens versorgt, müssen aber bis zu ihrem Lebensende mit ihm auf dem U-Boot ausharren.

    Ned Land ist wenig begeistert, der immer ruhige Conseil kommt damit klar und auch der anfangs sehr skeptische Professor kann sich zunehmend mit seinen Zukunftsaussichten anfreunden, gibt Kapitän Nemo ihm doch die unglaubliche Möglichkeit seine Unterwasser- und Meeresstudien so intensiv zu betreiben wie nie zuvor. Das U-Boot, die „Nautilus“, ist ein technisches Wunderwerk, dass es so noch nie gegeben hat und auch Ende des 19. Jahrhunderts eigentlich noch gar nicht geben darf. Kapitän Nemo hat ein Wassergefährt konstruiert, das so tief zu tauchen versteht, wie nichts und niemand zuvor, zugleich aber auch wendig und robust ist.

    Jules Verne ist ein Autor, der seine Ideen sehr nah an der Realität ausgerichtet hat. Die Vorstellung ein solches kurioses Gefährt wie die „Nautilus“ zu bewohnen wirkt nicht nur auf seine Leser atemraubend, die Erzählungen und Beschreibungen werden auch sehr realistisch und bildgewaltig wiedergegeben und verbinden sich so harmonisch mit dem Rest der Geschichte!

    Ein toller Roman, der wieder mal beweist, wieviel Wissen sich der Autor über Physik, Chemie, Biologie und Geologie angeeignet hat. Ein U-Boot ist aus heutiger Sicht vielleicht keine große Neuerung mehr, 1869 als der Roman erschienen ist, war diese Technologie aber noch brandneu und steckte noch in der Entwicklung. Der Autor konnte also noch gar nicht wissen, wie man mit einem solchen Gefährt umgeht, wie man daraus unter Wasser aussteigen kann oder auch nicht, wie es sich darin leben lässt. Und doch treffen seine Erklärungen den Punkt ziemlich gut auf den Kopf.

    Auch im Jahre 2020 ist „20.000 Meilen unter dem Meer“ immer noch aktuell und lesenswert. Auch wenn Kapitän Nemo ein wahrer Eremit ist, wie ihn Henry David Thoreau nicht besser hätte zeichnen können, vertritt er doch klar seine Meinung. Der lockere Umgang mit Waffen und auch der Akt des Tötens ist ihm zu Wieder. Und auch das sinnlose Sterben der Wale wird hier immer wieder thematisiert.

    Wie immer gefiel mir auch Jules Vernes Sprachgewalt und seine Art uns Leser an die Thematik heranzuführen wieder besonders gut! Kapitän Nemo und seine „Nautilus“ sind nicht um sonst auch heute noch jedem Leser ein Begriff!

  • „Gullivers Reisen“ | Jonathan Swift

    Rezensionsexemplar
    Vielen Dank an den Verlag!

    Titel im Original:  „Travels into several remote nations of the world in four parts by Lemuel Gulliver, first a surgeon, and then a captain of several ship“
    Autor:  Jonathan Swift
    Aus dem Englischen übersetzt von Christa Schuenke
    Verlag:  Manesse Verlag
    Genre:  Roman
    Seitenzahl:  644
    ISBN:  978-3-7175-2078-8

    Gullivers Reisen nach Lilliput und zu den Riesen kennt jedes Kind. Und doch ist dieser Kardinalklassiker viel mehr als eine fantastische Abenteuergeschichte. Die Erlebnisse des Helden, realistisch ausfabuliert, sind gespickt mit Seitenhieben auf Kirche, Politik und Gesellschaft.
    Jonathan Swift gelingt das einzigartige Kunststück mit einem „Roman der Menschenfeindschaft“ bestens zu unterhalten.

    Meine Meinung

    Bei „Gullivers Reisen“ aus dem Manesse Verlag handelt es sich um die Originalausgabe aus dem Jahre 1726, die wenig mit der Kindergeschichte zu tun hat, die wir vermutlich alle aus unserer Jugendzeit kennen. Jonathan Swift hat hier ein sehr sozialkritisches Buch geschrieben, dass die Missstände der herrschenden Oberklasse und der Menschen im Allgemeinen auf den Punkt bringt. Eine Satire der Extraklasse!

    Der Wundarzt Lemuel Gulliver begibt sich auf vier Schiffsreisen und bei jeder gerät er in Seenot.
    Als erstes strandet er in Lilliput. Dort gilt er als Riese, da die Lilliputaner selbst nicht größer sind als sein Finger. Ich fand es beeindruckend, mit welchen subtilen Stilmittel Swift hier die damalige Regierung unter König Georg I. anprangert.
    Seine zweite Reise führt ihn nach Brobdingnag, ins Land der Riesen. Hier ist Gulliver nicht größer als eine Maus. Diese Geschichte ist großartig geschrieben, aber man benötigt viel Denkvermögen, um sich immer wieder die herrschenden Maße vorzustellen zu können. Das Gefühl, auf etwas hinunter zu schauen ist uns vertraut, aber nach oben zu schauen und selbst der Kleine zu sein, ist etwas ganz anderes.
    In Laputa, einer fliegenden Insel, lernt Gulliver Bewohner kennen, die sich fast ausschließlich mit naturwissenschaftlichen Problemen befassen und so gut wie keine zwischenmenschlichen Beziehungen mehr pflegen.
    Und könnt ihr euch noch an die „Yahoos“ erinnern? Das ist nicht nur eine der ersten Suchmaschinen des Internet. So werden die Menschen im Land der Hoyhnhnmms genannt, in dem die Menschen den Pferden (Hoyhnhnmms) untergeordnet sind. Für mich persönlich war dies die lehrreichste Reise. Die Lebensweise und das Verhalten der Hoyhnhnmms machen deutlich, wie der Mensch im Inneren tickt. Nicht unbedingt die schönste Erkenntnis!

    „Gullivers Reisen“ hat eine wunderbare Erzählstimme, ist aber durch seine langen und verschachtelten Sätze nicht leicht zu lesen. Wenn man sich aber an das Konstruierte erstmal gewöhnt hat, kann man die Geschichte in vollen Zügen genießen und kommt sehr schnell voran. Außerdem ziehen sich diverse Fußnoten durch das ganze Buch, hinter denen Erklärungen und Anspielungen die auf die soziale und politische Lage im damaligen England, aber auch auf den Autoren selbst hinweisen. Diese Anmerkungen sind Gold wert! Es ist ein ganz anderes, aber reizvolleres Lesen, als wir es heute üblicherweise gewohnt sind.

    Auch wenn Jonathan Swift in seinem Buch selbst mit erhobenen Zeigefinger durch die Welt läuft, merkt man im Laufe der Geschichte doch, dass auch er nur ein Kind seiner Zeit ist und bei Frauen, Dienern und anderen Ethnien, dieselben Denkmuster inne hat, wie sie zu seiner Zeit gang und gebe waren.

    Diese wunderschöne Ausgabe aus dem Manesse Verlag ist ein Muss für jeden Leser und natürlich auch für jeden Nostalgiker!

  • „Im Brunnen der Manuskripte“ | Jasper Fforde

    Titel im Original:  „The Well of lost Plots“
    Autor:  Jasper Fforde
    Aus dem Englischen übersetzt von Joachim Stern
    Verlag:  dtv Verlag
    Genre:  Kriminalroman | Fantasy
    3. Fall für Thursday Next
    Seitenzahl:  406
    ISBN:  978-3-423-21295-3

    Ihren Mutterschaftsurlaub will Spezialagentin Thursday Next ganz gemütlich tief im Brunnen der Manuskripte verbringen. Doch ein geheimnisvoller Mörder treibt sein Unwesen. Er ist anscheinend spezialisiert auf Jurisfiktion-Agenten. Niemand ist mehr seines Lebens sicher, am wenigsten Thursday selbst …

    Meine Meinung

    Thursday Next hat sich, nach den turbulenten Ereignissen der vergangenen Monate, in einen drittklassigen Krimi zurückgezogen, um ihr Baby zu bekommen und ihre Ausbildung bei der Jurisfiktion abzuschließen. Doch es sieht so aus, als sollte sie auch hier nicht ungestört sein: Ein Killer geht in der Buchwelt um und sein Ziel sind offensichtlich die Agenten in Thursdays Nähe. Gemeinsam mit ihrer Ausbilderin Miss Havisham macht sie sich daran herauszufinden, wer oder was hinter den Morden steckt. Und dann ist da noch die Sache mit der Einführung des neuen Betriebssystems „UltraWord“ und den drei Hexen aus MacBeth mit ihren rätselhaften Prophezeiungen…
    Und als ob das noch nicht genug wäre, hat sich auch noch Aornis, die kleine Schwester des Erzschurken Archeron Hades, in Thursdays Erinnerungen eingeschlichen und will diese nun nach und nach zerstören. Zum Glück ist Granny Next zur Stelle, um ihrer Enkelin zur Seite zu stehen!

    Es ist einfach herrlich in das Leben der Thursday Next einzutauchen und den Alltag zu vergessen. Die skurrile Welt nimmt mit jedem neuen Buch immer konkretere und strukturiertere Formen an und wird zum wahren Genuss für seine Leser. Die Geschichte ist wieder flüssig und leicht erzählt, spannend bis zur letzten Seite und mit vielen überraschenden Wendungen und neuen Kuriositäten bestückt. Wir erleben immer wieder die Figuren aus bekannten Büchern und bekommen einen Einblick in deren wirklichen Charakter und deren Leben hinter der Geschichte.

    Thursday ist vollkommen in die Buchwelt angekommen und wird von dem Bibliothekar Grinsekatze, bzw. wird er hier „Cheshire Cat“ oder „Warrington Kater“ genannt, in die Geheimnisse der Bibliothek und dem Brunnen der Manuskripte eingeführt. Die Bibliothek der Bücher ist 26 Stockwerke hoch, also für jeden Buchstaben ein Stockwerk und der Brunnen der Manuskripte befindet sich direkt darunter. Dort lernen wir die Rohlinge kennen, die, nach ihrer Ausbildung, eine Charakterrolle in einem Buch zugewiesen bekommen und auch alle anderen Figuren aus unseren liebsten Büchern haben hier ihr Zuhause. Sie können zwar durch Bücher reisen, dürfen dabei aber die Handlung nicht verändern.

    Auch die Versammlungen der Jurisfiktion finden zwischen den Kapiteln in Jane Austen`s „Verstand und Gefühl“ auf Norland Park statt. Dort macht Thursday die Bekanntschaft von Marianne Dashwood. In Brontë`s „Sturmhöhe“ unterstützt sie Miss Havisham bei einer Wutberatung, um die enttäuschten Charaktere davon abzuhalten den egomanischen Heathcliff zu lünchen. Doch die Geschichte beginnt für mich erst so richtig spannend zu werden als Aornis Hades, aus Rache in Thursdays Gedächtnis eindringt …

    Auch dieses Mal, schafft es Jasper Fforde wieder, einen bis ins Detail glänzenden Roman zu erschaffen!

  • „In einem anderen Buch“ | Jasper Fforde

    Titel im Original:  „Lost in a Good Book“
    Autor:  Jasper Fforde
    Aus dem Englischen übersetzt von Joachim Stern
    Verlag:  dtv Verlag
    Genre:  Kriminalroman | Fantasy
    2. Fall für Thursday Next
    Seitenzahl:  417
    ISBN:  978-3-423-21294-6

    Spezialagentin Thursday Next steckt in Schwierigkeiten: Erst fällt ihr fast ein Oldtimer auf den Kopf, dann ist auch noch ihr Ehemann verschwunden. Will sie ihn zurückbekommen, muss sie einen Weg in das Gedicht „Der Rabe“ von Edgar Allan Poe finden. Wie soll sie es nur anstellen, da hineinzukommen?

    Meine Meinung

    Durch ihre spektakuläre Lösung im Fall „Jane Eyre“ mutierte Thursday Next über Nacht zur nationalen Berühmtheit und tingelt nun von Fernsehshow zur Fernsehshow. Doch damit nicht genug: Plötzlich ist nicht nur ihr Mann verschwunden, seine gesamte Zeitlinie wurde aus der Realität gelöscht. Was sie wiederum zur schwierigen Frage führt, von welchem Mann sie nun ein Kind erwartet!? Schnell bemerkt sie auch, dass jemand hinter ihr her ist, der sich die Entropie zu Nutze macht, um sie umzubringen. So fällt ihr erst fast ein Auto auf den Kopf und wird kurz darauf von einem SO14-Agenten erschossen …
    Ihr Vater rettet sie im letzten Moment und bringt seine Tochter an einen kritischen Punkt der Zeitgeschichte, an der ein Radfahrer verunglückt, was weitläufig zur Folge habt, dass sich die  komplette Erde in rosa Schleim verwandelt …

    Doch zunächst muss sie erstmal in „Der Rabe“ von Edgar Allan Poe gelangen, um ihren Mann zu retten. Das Prosaportal ist zwar zerstört, doch Thursday erfährt, dass es eine Organisation gibt, die sich in Bücher hineinlesen kann: Die sogenannte „Jurisfiktion“. Die Spezialagentin lässt sich anheuern. Aber ist sie wirklich bereit, ihren Mann zu retten?

    Im Mittelpunkt der Geschichte steht auch diesmal wieder die Liebe zur Literatur, die man auch, in ihren unterschiedlichsten Facetten, aus jeder Seite herauslesen kann. Vielleicht sogar noch mehr als im ersten Band, weil sich diese Geschichte nicht so sehr auf einen einzigen Roman bezieht.
    Wenn man sich an „Der Fall Jane Eyre“ zurückerinnert, zeigt diese Geschichte schon viele verrückte Elemente in seiner Handlung, aber „In einem anderen Buch“ steigert dies nochmal um ein vielfaches! Natürlich im positivsten Sinne. Man hat das Gefühl, der Autor bedient sich vermehrt an Ideen von Douglas Adams oder Cornelia Funke und bauscht diese nochmals mit seiner eigenen brillanten Fantasie auf.

    Jasper Fforde legt viel Wert auf Thursdays Umwelt und ihr Familie. Jeder kennt diesen einen verschrobenen, leicht verrückten Onkel. Bei Thursday zeigen alle Familienmitglieder ihre besonderen Eigenheiten. Absolut sympathisch und am liebsten möchte man selbst ein Teil davon sein.
    Außerdem zeigt der Autor eine unglaubliche Detailverliebtheit für die Welt und die Gesellschaft. Selbst vermeintlich alltägliche Dinge werden zum Erlebnis. Allein die Szene, in der bei einem Buchverkauf in einem modernen Antiquariat das absolute Chaos ausbricht und die Herzkönigin zur Furiere mutiert, ist gewaltig. Und diese Art von Szenen findet man immer wieder.
    Und natürlich wird sehr viel Fokus auf das Zeitreisen gelegt …

    Literarisch ist der Roman zwar nicht im klassischen Sinne anspruchsvoll, man tut sich aber auf jeden Fall leichter, wenn man vorher Charles Dickens „Große Erwartungen“ und Kafkas „Prozess“ gelesen oder zumindest schon einmal etwas davon gehört hat. Das hilft auch ungemein bei Jasper Ffordes grandioser Wortakrobatik!