• „Ensel und Krete“ | Walter Moers

    Autor:  Walter Moers
    Mit Illustrationen von Walter Moers und Florian Biege
    Verlag:  Knaus Verlag
    Genre:  Fantasy
    Geschichten aus Zamonien, Band 2
    Seitenzahl:  255
    ISBN:  978-3-8218-2949-4

    Seitdem die Buntbären den Großen Wald bevölkert haben, gilt die idyllische Gemeinde namens Bauming als eine der anziehendsten Touristenattraktionen Zamoniens. Aber seltsame Dinge gehen vor im dunklen Forst. Des Nachts hört man das Stöhnen der Druidenbirken und der Sternenstauner, man munkelt von der Waldspinnenhexe, die noch immer im unbewohnten Teil des Waldes ihr Unwesen treiben soll. Eines Tages verschlägt es Ensel und Krete, ein junges Geschwisterpaar von Fhernhachenzwergen, in den wilden, von Verbotsschildern umstandenen Teil der Baumwelt, und was sie dort erleben, übersteigt all ihre Erwartungen …

    Meine Meinung

    Nach „Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär“ legt uns Walter Moers mit „Ensel und Krete“ den zweiten, leider etwas kurz geratenen Band aus dem fernen Zamonien vor.

    Urlaub mit den Eltern kann ja sooo langweilig sein! Die beiden Fhernhachen-Kinder Ensel und Krete erleben dies gerade am eigenen Leib. Sie müssen mit ihren Eltern den zamonischen Großen Wald bereisen. Dabei hatten sie gehofft, dort endlich etwas Spannendes zu erleben! Kurzentschlossen ziehen sie auf eigene Faust los, um das Abenteuer zu suchen, verlaufen sich jedoch schon nach kurzer Zeit …

    So nimmt ein rasantes Märchenabenteuer seinen Lauf, bei dem selbst den Gebrüdern Grimm bald die Puste ausgegangen wäre. Natürlich treffen die beiden Geschwister auf einige kuriose Wesen und diverse merkwürdige Gewächse. Aber hier will ich nicht zu viel verraten und ich könnte auch nicht annähernd wiedergeben, wie kreativ und vielfältig diese Kuriositäten sind.
    Am Ende finden sie natürlich auch ein Hexenhaus … und der Showdown kann beginnen!

    Wie der Titel schon erahnen lässt, handelt es sich hier um ein zamonisches Märchen, welches ganz stark an Grimms „Hänsel und Gretel“ erinnert, dass aber weitaus abenteuerlicher und phantastischer erzählt wird. Geschrieben wurde das Ganze von Hildegunst von Mythenmetz, einem literarisch wunderbar versierten Lindwurm aus der Lindwurmfeste, der zwischendurch immer wieder Passagen seiner selbst erdachten „permanenten Abschweifungen“ zum Besten gibt. Ein wirklicher Star unter den Lindwürmern und einer der Besten seiner Zunft!

    Allein schon die Fußnoten mit dem imaginären Quellenverzeichnissen sind der Hammer: „Fünfzehn Wochen überzogen – Die Liste der von Hildegunst von Mythenmetz nachweislich ausgeliehenen Bücher aus der Universität von Gralsund, mit den jeweiligen Überziehungsgebühren und einem Anhang mit faksimilierten Randbemerkungen und Fettflecken des Dichters“.

    Walter Moers versteht es wie kein Anderer, seine Leser durch atemberaubende, phantasievolle und unglaubliche Geschichten von Lebewesen und Nichtlebewesen aller Couleur zu fesseln! Für mich ist er ein Wortkünstler, mit unbändiger Kreativität. Zamonien hat durch ihn seine ganz eigene Sprache bekommen, sowohl in der Erzähl- als auch in der Schreibweise!

    Auch „Ensel und Grete“ konnte mich total begeistern, auch wenn diese etwas ganz anderes zu der Geschichte um Käpt’n Blaubär ist!

  • „Die 13½ Leben des Käpt`n Blaubär“ | Walter Moers

    Autor:  Walter Moers
    Mit Illustrationen von Walter Moers und Florian Biege
    Verlag:  Knaus Verlag
    Genre:  Fantasy
    Geschichten aus Zamonien, Band 1
    Seitenzahl:  701
    ISBN:  978-3-8135-0572-6

    Ein Blaubär, wie ihn keiner kennt, entführt die Leser in eine Welt, in der die Phantasie und der Humor außer Kontrolle geraten sind: Den Kontinent Zamonien, wo Intelligenz eine übertragbare Krankheit ist und die Sandstürme viereckig sind, wo hinter jeder Idylle eine tödliche Gefahr lauert und all jene Wesen hausen, die aus unserem normalen Leben verbannt sind. In dreizehneinhalb Lebensabschnitten kämpft sich der blaue Bär durch ein märchenhaftes Reich, in dem alles möglich ist – nur nicht die Langeweile.

    Meine Meinung

    Ich denke, vom Käpt’n Blaubär hat wohl jeder schon mal was gehört, oder?
    Und doch hat das Buch von Walter Moers nur sehr wenig mit dem zu tun, was in der Sendung mit der Maus von ihm gezeigt wird.

    In „Die 13½ Leben des Käpt`n Blaubär“ lässt uns eben dieser einen Blick auf sein bisheriges Leben werfen. Er wächst bei den Zwergpiraten auf, erlangt das Wohlwollen der Klabautergeister, flieht auf die Feinschmeckerinsel und wird zum Navigator eines Flugdrachens. Natürlich besucht er auch die Nachtschule. Er lebt im großen Wald, im Dimensionsloch, aber auch über der Tornadostadt. Zwischendurch gelangt er nach Atlantis, wo er zum amtierenden Lügengladiator aufsteigt und letzten Endes auf die Moloch verbannt wird. Gibt es von dort noch eine Rettung?

    Zamonien ist eine Parallelwelt zu der Unsrigen, in der viele Fabelwesen und düstere Gestalten ihr Zuhause finden. Walter Moers fungiert hier nur als Übersetzer der alten Zamonischen Literatur.

    Die 13½ Leben sind in ebensoviele Kapitel unterteilt. Manche sind lustig, manche sind traurige, sehr viele sind aber auch einfach nur abstrus. Einige Passagen erfordern selbst für Erwachsene ein wenig Nachdenken und ein abstraktes Verständnis von Physik, aber es macht einfach Spaß das Leben des Blaubären gemeinsam zu erleben.

    Auch das Buch an sich ist etwas ganz Besonderes! Der Text wird in mehrere Schriftarten unterteilt, die zusätzlich durch unterschiedliche Farben hervorgehoben werden. Die Geschichte wird immer wieder mit Illustrationen von Walter Moers aufgelockert und anschaulich gemacht, was das Buch wirklich zu einem visuellen Erlebnis machen. Außerdem werden die einzelnen Fabelwesen in fiktive Lexikonartikel in Form von Fußnoten erklärt.

    Walter Mores hat eine klare und eingängige Sprache, mit viel Humor und Sarkasmus. Er führt seine Leser leicht und wie selbstverständlich in die zamonische Welt ein. Wobei der Aufbau ganz einfach in den Verlauf der doch sehr spannenden und aktionreichen Geschichte übergeht und lässt tolle Bilder im Kopf seiner Leser zurück! Die Charaktere zeichnen sich oft durch ihre eigene Sprache aus und keiner ist hier perfekt! Wir lesen auch zahlreiche Anspielungen auf Mythen und Märchen.

    Alles in allem ist das Buch ein Unterhaltungsroman mit hohem literarischem Anspruch. Eine kunstvolle Prosa und durchaus auch ein Buch mit weltliterarischen Ambitionen!

  • „Die Stadt der Träumenden Bücher“ | Walter Moers

    Rezensionsexemplar
    Vielen Dank an den Verlag!

    Autor: Walter Moers
    Mit Illustrationen von Walter Moers & Florian Biege
    Verlag: Knaus Verlag
    Genre: Grafic Novelle
    Seitenzahl:  109
    ISBN: 978-3-8135-0502-3

    Als der Pate des jungen Dichters Hildegunst von Mythenmetz stirbt, hinterlässt er ihm ein geheimnisvolles Manuskript. Dieses ist so makellos, dass Hildegunst nicht anders kann, als dem Geheimnis seiner Herkunft nachzugehen. Die Spur führt nach Buchhaim, der „Stadt der Träumenden Bücher“ wo Bücher nicht nur spannend oder komisch sind, sondern in den Wahnsinn treiben und sogar töten können.

    Teil 2 erzählt, wie Hildegunst in den Katakomben bei den Buchlingen das Ormen kennenlernt, von den bösartigen Bücherjägern fliehen muss, dem geheimnisvollen Schattenkönig begegnet und schließlich nach Buchhaim zurückkehrt.

    Meine Meinung

    Nach dem tollen Start der Geschichte im ersten Band habe ich mich natürlich sehr auf die Fortsetzung gefreut. Und ich wurde wirklich nicht enttäuscht!

    Die Bilder orientieren sich wieder stark an den Originalen von Walter Moers und entwickeln doch einen ganz eigenen Charme: Die detailreichen Zeichnungen quellen über vor phantasievollen Einfällen und lassen die düsteren Katakomben von Buchhain mit seinen liebenswerten und unheimlichen Bewohnern lebendig werden. Hildegunst von Mythenmetz und auch der Schattenkönig bringen sich in diesem Band in immer gefährlichere und aufregende Situationen, dies spiegelt sich auch in den düsteren und gedeckten Farben wieder. Beim Lesen konnte ich so richtig in der Atmosphäre aufgehen und Walter Moers ist es auch in diesem Band wieder sehr gut gelungen, die Handlung geschickt zu verkürzen, ohne dass der rote Faden verloren geht oder der Erzählfluss hektisch wird. Auch die etwas längeren Textpassagen, die in diesem Band doch vermehrt vorkommen, haben sich gut in das Gesamtbild eingefügt!

    Die Graphic Novel ist ein völlig anderes Medium als der Roman, aber sie vermittelt die gleiche Intensität und Detailfreude, die die Bücher des Autors oft ausmachen!

    Im Nachwort finden wir auch eine Beschreibung des Herstellungsprozesses. Während ich im ersten Band noch der Meinung war, dass Moers nur die Texte verfasst hat, erfahren wir hier, dass er sämtliche Vorzeichnungen bis ins Detail ausgearbeitet und diese dann mit Florian Biege farbig umgesetzt hat, wobei dann in den Hintergründen oder bei Ausstattungsdetails auch eigene Ideen des Zeichners einflossen …
    Den Beiden gebührt also zu gleichen Teilen die Ehre, Schöpfer dieses Comics zu sein, in dem erkennbar viel Herzblut und unglaublich viel Arbeit steckt.

    „Die Stadt der träumenden Bücher“ ist ein wahnsinnig schön gezeichneter Comic, der sowohl Erwachsene als auch Kinder in seinen Bann zieht!

  • „Die Stadt der Träumenden Bücher“ | Walter Moers

    Rezensionsexemplar
    Vielen Dank an den Verlag!

    Autor:  Walter Moers
    Mit Illustrationen von Walter Moers & Florian Biege
    Verlag:  Knaus Verlag
    Genre:  Grafic Novelle
    Seitenzahl:  109
    ISBN:  978-3-8135-0501-6

    Als der Pate des jungen Dichters Hildegunst von Mythenmetz stirbt, hinterlässt er ihm ein geheimnisvolles Manuskript. Dieses ist so makellos, dass Hildegunst nicht anders kann, als dem Geheimnis seiner Herkunft nachzugehen. Die Spur führt nach Buchhaim, der „Stadt der Träumenden Bücher“ wo Bücher nicht nur spannend oder komisch sind, sondern in den Wahnsinn treiben und sogar töten können.

    Meine Meinung

    Natürlich kann man keinen Roman mit 456 Seiten Satz für Satz in einen Comic pressen, das wäre utopisch! … doch was Walter Moers und Florian Biege hier in dieser Graphic Novel geleistet haben, ist wirklich enorm! Hervorragend umgesetzt, ohne allzu starke Kürzungen!

    Der junge Hildegunst von Mythenmetz ist wie alle Großechsen auf der Lindwurmfeste aufgewachsen. Einem Ort, an dem jeder davon träumt, einmal ein großer Schriftsteller zu werden. Nach dem Tot seines Dichterpate Danzelot von Silbendrechsler vermacht ihm dieser ein Manuskript, das im Ausdruck und Stil so einzigartig und vollkommen ist, das es in ihm die stärksten Emotionen hervorruft. Um den Verfasser ausfindig zu machen, beschließt Hildegunst nach Buchhaim, in die Stadt der träumenden Bücher zu reisen, wo an jeder Straßenecke finstere Antiquariate auf Kunden lauern, wo magisch begabte Buchimisten ihr Unwesen treiben und auch sonst zahllose Gefahren auf  ihn warten! Das Abenteuer kann beginnen …

    In diesem ersten Band von „Die Stadt der Träumenden Bücher“ kann der Leser auf jeder einzelnen Seite qualitativ hochwertige und künstlerisch anspruchsvolle Grafiken bewundern. Selbst die Schrift wurde eigens für diesen Comic entworfen. Die Umsetzung ist opulent, detailverliebt und auch von der Farbgestaltung her sehr passend zum Inhalt der Geschichte. Es war spannend mit zu verfolgen, wie die beiden Autoren die doch blumige und spaßige Vielfalt in Walter Moers Sprache in Bildform umgesetzt haben!
    Ich hatte beim Lesen des Romans zwar nie Probleme mir Hildegunst von Mythenmetz als am Schreibtisch sitzenden Schriftsteller vorzustellen, doch wie er sich bewegt, wie er läuft und rennt, das wurde mir erst in dieser Graphic Novel so richtig bewusst!

    Natürlich wäre es ratsam, die zamonischen Werke bereits zu kennen, sonst muss man einfach kleine Abstriche hinnehmen. So bekommen zum Beispiel die Auftritte von Hachmed Ben Kibitzer oder Inazea Anazazi nicht die gewünschte Erklärung bzw. die Wichtigkeit, die sie noch im Roman haben. Maßnahmen, die der Kürzung des Romans geschuldet sind. Auch bildnerische Anspielungen auf nicht weiter erwähnte Charaktere werden so im Verborgenen bleiben …

    Vielleicht wäre es taktisch klüger gewesen, das doch sehr ausführliche Glossar, das am Ende des Buches auf den Leser wartet, an den Anfang zu setzen? Dadurch würde der Leser schon mit etwas mehr Detailwissen in die Geschichte einsteigen. Aber würde das nicht auch das Bild und den Aufbau der Graphic Novel zerstören?