• „Wie angelt man sich einen Vampir“ | Kerrelyn Sparks

    Abgebrochenes Buch!

    Titel im Original:  „How to marry a Millionaire Vampire“
    Autor:  Kerrelyn Sparks
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Justine Kapeller
    Verlag:  Mira Verlag
    Genre:  Fantasy
    Seitenzahl:  460
    ISBN:  978-3-89941-450-9

    Ausgerechnet beim Biss in eine Gummipuppe bricht dem Vampir Roman Draganesti einer seiner Fangzähne ab. In den schwarzen Seiten findet er keinen Vampirzahnarzt, seine letzte Hoffnung ist ein normalsterblicher Arzt – vielmehr eine Ärztin! Doch ehe die hinreißende Dr. Shanna Whelan sich um seinen Zahn kümmern kann, muss er sie plötzlich vor einem gefährlichen Auftragskiller retten. Als wäre das nicht schon Aufregung genug für einen Ruhe liebenden Untoten wie Roman, verwirren ihn seine Gefühle für Shanna von Tag zu Tag mehr: Hat er sich am Ende etwa verliebt? In eine Sterbliche, die zu allem Überfluss auch noch kein Blut sehen kann?

    Meine Meinung

    Bei „Wie angelt man sich einen Vampir“ handelt es sich um den ersten Band einer Vampir-Reihe, in der die Romantik und der Humor an erster Stelle stehen. Das Blutvergießen findet hier eher sporadisch statt.

    Die Zahnärztin Shanna Wheelan befindet sich nach einer Aussage vor Gericht im Zeugenschutzprogramm. Als sie eines Nachts in der Zahnklinik angegriffen wird und nur noch in letzter Sekunde von dem Vampir Roman gerettet werden kann, wird ihr klar, dass sie auch in ihrem neuen Leben nicht Sicher ist. Daweil wollte sich Roman Draganesti nur einen seiner Fangzähne reparieren lassen. Er stellt Shanna unter seinen Schutz, da ein gefährlicher Vampir auf sie angesetzt wurde, mit dem er selbst noch eine Rechnung offen hat …
    Allerdings ist es gar nicht so einfach einen Menschen zu beschützen, wenn dieser nicht merken soll, dass er von Vampiren umgeben ist! Erst recht nicht , wenn man für diesen Menschen Gefühle entwickelt!

    Die „Love at Stake“-Reihe habe ich bereits mit Anfang 20, also vor guten 10 Jahren begonnen zu lesen und in meinem Hinterkopf war gerade der erste Band um Shana und Roman immer ein absolutes Highlight. Nachdem ich in den letzten Wochen doch sehr stressige Zeiten und keinen Kopf für schwere Literatur hatte, hätte mir „Wie angelt man sich einen Vampir“ ein leichtes und lustiges Vergnügen bereiten sollen. Aber was soll ich sagen? Ich dürfte aus dieser Reihe wirklich herausgewachsen sein …

    Die Geschichte ist angenehm zu lesen und man ist schnell im Geschehen drin. Man lacht und leidet mit den beiden Protagonisten mit, die definitiv noch mit ihrer Vergangenheit zu kämpfen haben, aber nach einigen Kapiteln merkt man doch, dass dieses Leiden nicht mehr aufhört und Shanna und Roman jede noch so kleine Unstimmigkeit sofort auf sich selbst und ihre Probleme beziehen. Das wird mit der Zeit sehr sehr anstrengend.

    Zudem bin ich einfach kein Fan davon, sich Hals über Kopf in einen Fremden zu verlieben. Anziehung und Lust in Ehren, aber dieses Ewige hin und her ist wirklich nicht mein Fall. Sollte nicht ein 200 Jahre alter Vampir etwas vom Werben und Umgarnen einer Frau verstehen? Noch dazu, wenn er vorher in einem Kloster gelebt hat?

    Die „Love at Stake“-Reihe von Kerrelyn Sparks wird wohl mein Zuhause verlassen …

  • „Auf der Placa del Diamant“ | Mercè Rodoreda

    Rezensionsexemplar
    Vielen Dank an den Verlag!

    Titel im Original:  „La Placa del Diamant“
    Autor:  Mercè Rodoreda
    Aus dem Katalanischen übersetzt von Hans Weiss
    Verlag:  Suhrkamp Verlag
    Genre:  Roman
    Seitenzahl:  318
    ISBN:  978-3-518-46706-0

    Bei einem Tanzfest auf der Placa des Diamant lernt Colometa den exzentrischen Quiment kennen. Von dem Moment an legt die junge Frau die Verantwortung über ihr Leben ganz und gar in seine Hände. Doch Quiment bricht das Versprechen, aus ihr seine „Königin“ zu machen und für Colometa beginnt eine Zeit der Entbehrungen und Demütigung. Bis der Spanische Bürgerkrieg ausbricht und sich alles ändert.

    Meine Meinung

    Colometa lernt auf der Placa del Diamant ihren zukünftigen Ehemann kennen. Woher sie weiß, dass sie heiraten werden? Weil Quimet bestimmt, dass sie seine Frau wird. Das akzeptiert sie genauso, wie sie es hinnimmt, dass er sie Colometa nennt, obwohl sie sich ihm mit ihren richtigen Namen – Natàlia – vorgestellt hat. Das ist bezeichnend für ihren Charakter und so verläuft auch ihre Ehe …
    Traditionell nicht anders gewöhnt, fügt sich Colometa in ein Leben, das der Mann mit großer Selbstgefälligkeit bestimmt. Sie nimmt ihre eigene Person völlig zurück, erträgt die Ungerechtigkeiten ihres Mannes, seine Wutausbrüche, seine Unzuverlässigkeit und auch seine Taubenzucht, die er kurzerhand vom Dachboden in ihre eigene Wohnung verlegt und das Leben für seine Frau damit unerträglich macht. Doch dann kommt der Bürgerkrieg und Quimet schließt sich der Miliz an. Er kommt nicht zurück und von heute auf morgen, ist Colometa auf sich selbst gestellt. Sie muss sich und ihre Kinder trotz großer Entbehrungen durch den Krieg bringen … und vor allem muss endlich zu sich selbst finden!

    In „Auf der Placa del Diamant“ wird das Leben unserer Protagonistin in aller Eindringlichkeit erzählt. Dabei ist der Erzählstil alles andere als emotional: Zu Beginn wirkte er auf mich holzig und ohne Rhythmus. Ich brauchte doch einige Zeit um mich daran zu gewöhnen. Die Geschichte wird in kurzen, groben Sätzen erzählt, so als würde man selbst seine Erinnerungen aufschreiben und dabei fallen einem zwischendurch doch noch Dinge ein, die man hinzufügen möchte. Dennoch ist das Buch flüssig lesbar und fesselnd, mit einer schlichten, aber schönen Sprache verfasst.

    Oft hat man das Gefühl, die Geschehnisse betreffen Colometa gar nicht, so sehr nimmt sie sich aus ihrer Person heraus. Aber gerade das bewirkt beim Lesen diese Eindringlichkeit. Das Weglassen von Gefühlsregungen erzeugt hier große Emotionen. Man leidet mit ihr und möchte sie soft einfach nur schütteln!

    Colometa berichtet von ihren Erlebnissen vor und während der Revolution, die sie in den 1930ern in Barcelona erlebt. Dadurch erfährt man nur sehr wenig über die Geschehnisse außerhalb ihrer kleinen Welt. Ab und zu werden ihr Einzelheiten durch die Berichte Anderer nähergebracht, doch das sind nur kurze Randgeschehnisse, die sich auf ihr Leben nur wenig auswirken.

    Die Mühen, die Colometa auf sich nimmt, um ihre Kinder zu ernähren, lassen das Buch für mich lebensnah wirken und man fühlt mit ihr. Das Leben ist entbehrungsreich und hart, hat aber auch seine schönen Seiten, die Mercè Rodoreda fast schon nebensächlich einfließen lässt.

    Es ist genau diese Einfachheit, die besticht und die Stimmung der Zeit so dicht und spürbar macht! Ein sehr beeindruckendes Buch!

  • „Für immer die Deine“ | Jana Voosen

    Rezensionsexemplar
    Vielen Dank an den Verlag!

    Autor:  Jana Voosen
    Verlag:  Heyne
    Genre:  Historischer Roman
    Seitenzahl:  348
    ISBN:  978-3-453-42311-4

    Altes Land, 1939: Es ist ein Skandal, der das Dorf Jork wochenland in Atem hält. Die erst 17-jährige Tochter des wohlhabenden Obstbauern Landahl erwartet ein Kind vom Sohn des Pfarrers. Das junge Paar ist glücklich, doch als der Zweite Weltkrieg ausbricht, muss Fritz an die Front, und Klara schlägt sich mit ihrem Sohn alleine in einer keinen Wohnung in Hamburg durch. Als sie entdeckt, dass der alte Mann in der Dachgeschosswohnung über ist nicht der ist, für den er sich ausgibt, trifft Klara eine folgenschwere Entscheidung.

    Hamburg, 2019: Die frisch getrennte Journalistin Marie stößt bei ihren Recherchen zu einem Artikel auf die Lebens- und Liebesgeschichte von Klara und Fritz Hansen. Sie ahnt nicht, dass die Begegnung mit den beiden ihr eigenes Leben maßgeblich beeinflussen wird.

    Meine Meinung

    Schon als Kinder waren Klara und Fritz unzertrennlich. Zusammen machten sie die heimischen Höfe unsicher, spielten „Vater-Mutter-Kind“ und Fritz versprach seiner Klara schon damals „Wenn ich groß bin heirate ich nur dich“. Aus diesem Versprechen wurde die ganz große Liebe! Doch der Beginn des Zweiten Weltkrieges setzt dem jungen Glück ein jähes Ende: Fritz muss an die Front!
    Klara bleibt alleine mit ihrem gemeinsamen Sohn Paul in Hamburg zurück und macht das Beste aus ihrer Situation. Sie freundet sich mit dem älteren Herrn aus der Wohnung über ihr an, doch muss sie schon bald feststellen, dass er nicht der ist, für den er sich ausgibt. Klara trifft eine folgenschwere Entscheidung die ihr Leben in den Grundfesten erschüttern wird!

    „Für immer die Deine“ ist ein wunderbarer zeitgeschichtlicher Roman, über die Liebe und deren Tücken. Die Handlung ist so gefühlvoll und herzschmeichelnd erzählt, dass sich mir viele Szenen ins Herz gebrannt haben!

    Die Geschichte wird dem Leser in Rückblenden aus Klaras Sicht während eines Interviews wiedergegeben. Wir begleiten Sie und ihren Mann durch alle Stationen ihres Lebens, erleben mit wie sich aus der Kinderfreundschaft zuerst Verliebtheit und danach die große Liebe entwickelt und am Ende beide für ihre Gefühle und ihre Zukunft kämpfen müssen.
    Vor der Kulisse des Zweiten Weltkrieges, der ja ohnehin schon viele Entbehrungen mit sich bringt, spinnt Jana Voosen eine sehr interessante und aufwühlende Geschichte. Dabei verlor Klara zwar bei mir einiges an Sympathie, die Autorin findet aber einen sehr guten Weg aus der Dramatik und konnte auch mich am Ende wieder mit unserer Protagonistin versöhnen.

    Fritz wird in Polen schwer verwundet und auch die Szenen im Lazarett konnte mir die Autorin sehr glaubwürdig näher bringen, was für einen Liebesroman in meinen Augen nicht alltäglich ist. Der Marsch der jüdischen Bewohner ins Ghetto, ein Schuss im Wald! Schmerzhaft realistisch dargestellt!

    Das natürlich auch die Journalistin Marie ihr ganz eigenes Päckchen zu tragen hat, muss ich vermutlich nicht dazusagen. Ihre Geschichte ist zwar nicht direkt mit der von Fritz und Klara verstrickt, Marie steht aber vor vielen Entscheidungen und versucht aus Klaras Erzählungen für sich selbst eigene Antworten abzuleiten. So intensiv die Lebensgeschichte im Zweiten Weltkrieg dargestellt wurde, so oberflächlich und in meinen Augen auch falsch fand ich die Geschichte um Marie! Das Interview ist natürlich der Leitfaden durch das Buch, aber ich hätte mir mehr davon erwartet.

    „Für immer die Deine“ zeigt eine Liebe, die trotz aller schicksalhafter Wendungen niemals aufgehört hat zu bestehen und die uns vielleicht auch ein bisschen als Vorbild dienen sollte!

  • „Nächstes Jahr in Havanna“ | Chanel Cleeton

    Rezensionsexemplar
    Vielen Dank an den Verlag!

    Titel im Original: „Next Year in Havanna“
    Autor: Chanel Cleeton
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Stefanie Fahrner
    Verlag: Heyne Verlag
    Genre: Roman
    Kuba-Saga, Band 1
    Seitenzahl:  460
    ISBN: 978-3-453-42278-0

    Havanna 1958: Elisa, Tochter eines Plantagenbesitzers, verkehrt in den besten Kreisen Havannas und weiß kaum etwas über die Lage des Landes. Bis sie einem Mann begegnet, der tief verstrickt ist in die politischen Umwälzungen, die ihre Zukunft für immer verändern werden.

    Miami 2017: Marisol macht sich auf den Weg nach Kuba. Sie wird zum ersten Mal das Land kennenlernen, in das ihre Großmutter zeit ihres Lebens zurückkehren wollte und in dem sie nun beigesetzt werden soll.

    Meine Meinung

    „Nächstes Jahr in Havanna“ ist ein sehr gefühlvoller, unterhaltsamer und farbenfroher Roman, der den Leser auf die südamerikanische Insel Kuba entführt.

    Es ist Marisols erster Besuch auf Kuba. Zeitlebens war Havanna ein Teil von ihr und hat sie begleitet. Auch wenn sie in Miami lebt, spürt sie ihre Wurzeln auf Schritt und Tritt!
    Während ihres Aufenthalts kommt sie bei der besten Freundin ihrer Großmutter unter, die im Gegensatz zu ihren eigenen Familie in den 50er Jahren in Havanna geblieben ist. Marisol erhofft sich von Ana mehr Informationen über ihre Großmutter zu bekommen. Diese war bis zu ihrem Tode recht verschwiegen, was ihre Jugend in Kuba anging …

    Chanel Cleetons Schreibstil ist flüssig und eindringlich, aber auch atmosphärisch dicht gehalten. Mit den wechselnden Zeitperspektiven gibt die Autorin einen sehr guten Einblick in die politische und gesellschaftliche Lage im Havanna der jeweiligen Zeit. Sowohl im vergangenen Jahrhundert, als auch in der heutigen Zeit wird Kuba vom Umbruch bestimmt. 1958 steht die Insel vor der Revolution durch Fidel Castro. Im Jahr 2017 vor in einer tiefen Rezession, nachdem sich Kuba mehr und mehr von der zentralistischen Staatswirtschaft verabschiedet. Unverändert leidet die Bevölkerung unter Versorgungsengpässen, Gewalt, Folter und Unterdrückung …

    Die Charaktere sind liebevoll und sehr lebendig gezeichnet, sie bestechen durch ihre individuellen Eigenschaften und wirken authentisch und glaubwürdig. Marisol besitzt eine gesunde Neugier, die ihr zwar ab und zu zum Verhängnis wird, ist auf der anderen Seite aber ebenso hartnäckig und einfühlsam. Ihr Gegenpart ist Luiz: Ein Mann der Tat, gebildet und vor allem politisch engagiert.
    Natürlich besteht von Anfang an eine Anziehung zwischen den beiden, dieser Part der Geschichte ist in meinen Augen aber leider etwas in die Hose gegangen. Marisol wirkt hier sehr naiv und überspitzt, hegt sie doch schon nach 36 Stunden die stärksten und emotionalsten Gefühle gegenüber Luiz und spricht schon nach wenigen Tagen von Liebe. Für einem Erwachsenenroman hätte ich mir einen realistischeren Verlauf der Liebesgeschichte gewünscht.

    „Nächstes Jahr in Havanna“ war mein erster Roman von Chanel Cleeton. Die ursprünglich aus Florida stammende Autorin wuchs mit den Geschichten über den Auszug ihrer Familie nach der kubanischen Revolution auf. Ihre Leidenschaft für Politik und Geschichte setzte sich während ihres Studiums fort. Dieser Einfluss macht sich auch in diesem Roman stark bemerkbar. Man spürt beim Lesen wie viel Herzblut sie in die Geschichte gesteckt.

    Der Roman erzählt nicht nur zwei emotionale Liebesgeschichten in verschiedenen Jahrhunderten, sondern wartet auch mit vielen interessanten Informationen über die südamerikanische Insel auf. Eine wunderbare Lektüre, die einen von Havanna träumen lässt.

  • „Erste Hilfe“ | Mariana Leky

    Autor: Mariana Leky
    Verlag: Dumont Verlag
    Genre: Roman | Humor
    Seitenzahl:  189
    ISBN: 978-3-8321-6458-4

    Die Erzählerin arbeitet aushilfsweise in einem Kleintierladen. Sie wohnt bei Sylvester, einem Frauenschwarm, der viel damit zu tun hat, sich vor seinen Verehrerinnen verleugnen zu lassen. Bei den beiden klopft eines Abends Matilda an, um zusammen mit dem größten und der Welt Unterschlupf zu suchen. Matilda hat ein Problem: Sie glaubt, den Verstand zu verlieren. Das durch Not und Zuneigung zusammengeschweißte Trio macht sich auf, ein unsichtbares Ungeheuer zu besiegen.

    Meine Meinung

    Nachdem mir ja „Die Herrenausstatterin“ von Mariana Leky schon sehr gut gefallen hat, wollte ich im März gleich mit „Erste Hilfe“ weitermachen. Dieser kurze Roman erschien 2004 und dürfte eine der ersten Geschichten der Autorin gewesen sein.

    Wir begleiten hier unsere namenlose Protagonistin, die zusammen mit ihrem besten Freund, in einer sehr ungewöhnlichen Wohngemeinschaft lebt. Sie ist ein eher stiller, ruhiger und bodenständiger Charakter, der in einer Kleintierhandlung arbeitet, nur sehr ungern ans Telefon geht und große Angst vor allerlei Prüfungen hat. Sylvester hingegen ist ein Sunnyboy wie er im Buche steht, hat ein grünes und ein blaues Auge, weiß alles besser und die Frauen liegen ihm reihenweise zu Füßen. Ein harmonisches Zweiergespann, das sich gut ergänzt und doch für jeden Blödsinn zu haben ist …
    Als eines Tages ihre Freundin Matilda total gehetzt und verstört vor der Tür steht, soll sich das Leben der Beiden jedoch schnell ändern. Noch will Matilda nicht über Nacht bleiben, aber schon bald wird sie gemeinsam mit ihrem überdimensionalen Wolfshund in Sylvesters Zimmer einziehen. Sie hat Angst verrückt zu werden!  Jetzt ist erstmal Hilfe angesagt!

    Mariana Leky besticht auch in diesem Buch wieder mit einem witzigen, aber doch gefühlvollen Schreibstil. Die langen verschachtelten Sätzen und auch die auffallend vielen Wiederholungen sind durchaus etwas gewöhnungsbedürftig, haben für mich aber auch einen Teil des Lesegenusses ausgemacht.

    „Glauben sie, ich werde verrückt?“ Als Mathilda diese Frage stellt, windet sich die angesprochene Therapeutin geschickt aus der Affäre und versucht Matilda mit der Antwort, sie hätte es nur mit verrückten Ängsten zu tun, abzufertigen. Das beruhigt nur anfänglich, denn die Freundin zeigt klare Symptome einer heftigen Angststörung: Sie kann einfach nicht mehr über die Straße gehen!
    Was für Außenstehende sicher einen gewissen Grad von Komik besitzen mag, erweist sich für Betroffene als blanker Horror. Sie kommen nicht gegen ihre Gefühle an, obwohl sie genau wissen, dass es keinen begreifbaren Grund dafür gibt. Dies erscheint ihnen tatsächlich wie der beginnende Wahnsinn!

    Anfänglich fand ich die Kombination dieser doch sehr schweren Thematik und der Komik, die die Autorin immer wieder in die Geschichte einfließen lässt doch etwas schwierig. Im Laufe des Lesens, wird aber klar, dass sehr viele Unsicherheiten unserer „Ersthelfer“ mit Hilfe von Witz und Peinlichkeit überspielt werden sollen. Die Probleme werden sehr direkt angesprochen. Mit mehr oder weniger klaren Ergebnissen, was die therapeutischen Maßnahmen betrifft. Das Geschriebene wirkt nie weinerlich oder oberlehrerhaft.

    Mariana Leky ist Realistin mit einer großen Lieben zum Trugbild …
    Sie blickt auf die kleinen Dinge ihrer Geschichte. So lange, bis sie einem fremd werden! Unwirklich erscheint gerade das, was am klarsten ist! Schleierhaft, geradezu gespenstisch!
    Und am Schluss spricht sogar der Hund …

  • „Die Queen von Manhattan“ | Jane Christo

    Autor: Jane Christo
    Verlag: Heartbeat Edition
    Genre: Liebesgeschichte | Roman
    Prinzessin von New York, Band 2
    Seitenzahl: 347
    ISBN: 978-1-5425-6131-0

    Der Mafia den Rücken zu kehren ist nichts für schwache Nerven. Als Julin der Boden zu heiß wird, bringt er Skyler nach St. Petersburg, doch dort fangen die Probleme erst an. Skylers Vater hat einen Profikiller auf sie angesetzt. Cesare, Oberboss aus Chicago, möchht sie dagegen lebend. Allen wollen ihr Geld zurück und nur Skyler kann es ihnen beschaffen. Doch sie denkt nicht daran, der italienischen Mafia zu altem Glanz zu verhelfen. Sie will kämpfen!

    Meine Meinung

    Nachdem mir „Die Prinzessin von New York“ ja wirklich gut gefallen hat, wollte ich in der Geschichte möglichst schnell weiterlesen. Vermutlich waren meine Erwartungen aber doch etwas zu hoch gesteckt!

    Die Verwüstung, die Skylar mit ihrem Virus im Netz der Mafia hinterlassen hat, zieht weite Kreise! Skyler und Julin sind nun schon seit zwei Jahren ein Paar. Eine Zeit, in der sie es geschafft haben, unter dem Radar der Italiener zu bleiben, die es nach wie vor auf sie abgesehen haben! Allem voran ihr verhasster Vater Silvio Rossi, der sogar Killer auf seine Tochter angesetzt hat.
    Auch Matteo hat in ihrem Leben wieder eine größere Rolle eingenommen. Skylers Stiefbruder hat sich bei den Outlow MC`s einen guten Namen gemacht und führt unter der Hand die Geschäfte.
    Nachdem Julin unerwartet vom Erdboden verschwindet und sich auch Skylars Situation drastisch zuspitzt, sind es Matteo und seine Männer, die sie und Claire mit Hilfe der Hacker aus deren explosiven Situationen retten.

    Skyler und Julin sind in diesem Band allgemein etwas weiter in den Hintergrund gerückt. Jane Christo legt ihr Augenmerk viel mehr auf die Entwicklung zwischen Matteo und Claire.

    Die Computerspezialisten der Mafia können den Virus mittlerweile zu Skyler zurückverfolgen und alle möglichen Seiten schmieden Pläne um den bestmöglichen Nutzen daraus zu ziehen! Wir sind hier bei der Maffia, was können wir uns schon anderes von den werten Herrschaften erwarten?!
    Aber dann geraten wir in ein Katz-und-Maus-Spiel der Extraklasse:  Wer nicht für die Sache ist, ist dagegen und muss natürlich beseitigt werde! Oft war mir überhaupt nicht klar, wohin das eigentlich führen soll. Zudem kommt es dann auch noch zu einer Rettungsaktion, die in meinem Augen mit „Rettung“ nicht viel zu tun hatte. Hauptsache man haut ordentlich drauf und zerstört was geht. Wenn noch was in die Luft fliegt, um so besser!

    Hat die Handlung für mich etwas zu viel Biss, sucht man den bei unseren Charakteren leider vergebens! Ich hab keine Ahnung was Jane Christo vor hatte, aber ich glaub, das ist in die Hose gegangen! Julin ist die meiste Zeit des Buches verschollen und Skyler zweifelt an jedem und allem. Vor allem aber an ihrer eigenen Existenz! Matteo soll als knallharter Biker dargestellt werden, aber der gute Junge kann mit einem einzigen Blick schon ganze Walnüsse knacken! Und dann trägt er seine langen Haare auch noch in einem Männerdutt! Jawohl!! Klischee, Olé!

    Dennoch kann ich dem Schreibstil der Autorin immer noch sehr viel abgewinnen. Die Szenen sind, wenn auch übertrieben in der Handlung, sehr gut beschrieben. Bildgewaltig und detailliert, wie auch schon im ersten Band. Sie schreibt spannend mit gut gewählten Formulierungen. Da steckt auf jeden Fall sehr viel Können dahinter!

    Leider war dieses Buch wirklich ein bisschen „Too much“ für mich!

  • „Die Herrenausstatterin“ | Mariana Leky

    Autor: Mariana Leky
    Verlag: Dumont Verlag
    Genre: Roman
    Seitenzahl:  207
    ISBN: 978-3-8321-6165-1

    Katja Wiesberg verschwimmt die Welt vor Augen. Ihr Mann ist fort, sie ist ihren Job los und allein. Da sitzt auf einmal ein Herr auf dem Rand ihrer Badewanne. Und noch ein Fremder taucht auf: ein Feuerwehrmann, der behauptet, zu einem Brand gerufen worden zu sein. Mit entwaffnender Zutraulichkeit nisten die beiden sich in Katjas Leben ein, und eine abenteuerliche Dreiecksgeschichte nimmt ihren Lauf …

    Meine Meinung

    Die allgemein etwas unschlüssige Übersetzerin Katja Wiesberg trifft während ihrer Zahnbehandlung auf Jakob. Ein selbstsicherer und doch sensibler Zahnarzt, der sie von der ersten Sekunde an fasziniert. Schon bald werden die Beiden ein glückliches Paar und heiraten, aber das Zusammenwohnen ist so gar nicht Jakobs Sache, er zeltet lieber in Katjas Garten. Wie sich bald herausstellt, hält Jakob auch von Treue nicht sehr viel. Aber bevor die Beiden noch über Scheidung nachdenken können, beendet ein Verkehrsunfall Jakobs Leben und Katjas Ehe. Und eigentlich auch alles Andere!
    Nach Jakobs tot verliert Katja jeglichen Sinn für die Realität. Daher ist sie auch gar nicht groß überrascht, als eines Abends Herr Blank auf dem Rand ihrer Badewanne sitzt und versucht, sie aus ihrem seelischen Tief herauszuholen. Leider ist der gute Mann selbst bereits verstorben! Als dann auch noch der Feuerwehr Armin mit seiner Obsession für Karatefilme in ihr Leben tritt, scheint das Chaos perfekt. Die beiden Männer werden für die nächsten Wochen ihre ständigen Begleiter auf dem Weg zurück ins Leben.

    Mariana Lekys Schreibstil ist wirklich einzigartig! Einfachen, aber doch aussagekräftig und präzise. Sie schmückt ihre Sätze nur sehr selten aus, daher wirken diese etwas hart und bockig, die fulminante Aussagekraft ihres Schreibens kommt dadurch aber definitiv beim Leser an. Die Sprache ist oft spartanisch, auch das macht einen besonderen Reiz aus. „Die Herrenausstatterin“ war mein erstes Buch der Autorin und ich fand es großartig.

    Die Autorin kombiniert starke Szenen, die mich durchaus zum nachdenken gebracht haben und einen absolut grandiosen Humor. Beides sehr fein nuanciert und gezielt auf dem Punkt gebracht. Die subtile Ironie macht das Buch zu einem abgründigen Vergnügen!

    Ich habe mich beim Lesen schon einige Male gefragt, ob es den toten Blank nun wirklich gibt oder ob er nur ein Hirngespinst Katjas ist, mit dessen Hilfe sie mit Jakobs Tod fertig wird. Ein Wackelkontakt mit der Realität, wie Armin es sehr treffend im Buch genannt hat. Im Endeffekt spielt das aber überhaupt keine Rolle, denn wenn man sich auf die Geschichte einlässt, dann ist sie einfach so.

    Besonders gut hat mir die Idee gefallen, Ralph McQuincey, einen fiktiven Karatefilmdarsteller aus den Achtzigern und Armins großes Idol, einen kleinen Gastauftritt zu verschaffen. Die Szenen sind sehr sehr lustig und machen deutlich, dass definitiv nicht nur Katja einen kleinen Schlag in der Realität hat.

    Ich wurde durch ihrem Bestseller „Was man von hier aus sehen kann“ auf Mariana Leky aufmerksam, der sie auch sicher zu einer der bekanntesten deutschen Autorinnen der letzten Jahre gemacht hat. Daher ist es für mich erstaunlich, dass ihre davor erschienen Romane eher vor sich dümpeln und vom breiten Publikum noch nicht entdeckt wurden. Leute, lest Mariana Leky!

  • „Die Prinzessin von New York“ | Jane Christo

    Autor: Jane Christo
    Verlag: Heartbeat Edition
    Genre: Liebesgeschichte | Roman
    Prinzessin von New York, Band 1
    Seitenzahl:  302
    ISBN: 978-1-5234-2378-1

    Skyler ist die einzige Tochter von Silvio Rossi, Oberhaupt eines der mächtigsten Syndikate in New York City. Um seine Position zu behaupten, muss ihr Vater sie mit einer der führenden Mafia-Familien verheiraten. Doch Skyler denkt nicht daran, sich an den Höchstbietenden verschachern zu lassen und taucht unter. In L. A. versucht sie einen Neuanfang, geht an die Uni und lernt Julin kennen.

    Julin „The Killer“ ist der Star der illegalen Untergrundkämpfe und mit seinen brutalen Siegen weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Die beiden beginnen ein stürmisches Verhältnis und Skyler ist auf dem besten Weg, ihr Herz an den ungeschliffenen Champion zu verlieren, bis sie erfährt, wer er wirklich ist.

    Meine Meinung

    Tüllkleid, Sneakers und Patronen! Nicht nur der Klappentext, der schon sehr viel von unseren beiden Protagonisten preis gibt, sondern auch das Cover dieses Buchen, machen klar, dass es sich hier nicht um eine romantische Prinzessinnengeschichte handelt.

    Mit „Die Prinzessin von New York“ entführt uns Jane Christo in die Unterwelt des Big Apple, wo sich die italienische und die russische Maffia eiskalt bekriegen. Beiden Seiten möchten den größten Vorteil aus ihren Machenschaften herausschlagen und dafür ist ihnen jedes Mittel recht. Ganz nach dem Vorbild von Al Capone? Auf jeden Fall!
    Nicht sehr bildgewaltig oder gar ausschweifend, dafür aber mit rasanten Szenen, einem geraden und spritzigen Erzählstil und einer rotzfrechen Schnauze leitet uns die Autorin durch ihre Geschichte und bringt uns Skyler und Julin sehr authentisch näher. Zudem spielt sie sehr schön mit bewährten Klischees, die wir nur zu gut aus den alten schwarz/weißen Maffia-Filmen kennen!

    Skyler möchte ihren eigenen Platz in der Welt finden und sich entfalten. Einfach nur sie selbst sein, ohne ständig über die Schulter schauen zu müssen. Und Julin muss lernen, dass sie nicht das verwöhnte Püppchen ist, für das er sie immer gehalten hat. Beide haben sie die harte Schule ihrer Familien hinter sich, aber genau das brauchen sie in dieser Welt. Jede Schwäche könnte ausgenutzt werden. Dementsprechend nehmen sie kein Blatt vor den Mund und wissen sich ihrer Haut zu erwehren, denn Zurückhaltung ist hier nicht angebracht.

    Wer in diesem Buch rosaroten Wolken und Liebesgesäusel sucht, wird leider enttäuscht. Genau wie die Geschichte, so ist auch die Sprache oft derb und hart aber nicht unnötig brutal in ihrer Beschreibung. Es wird nichts beschönigt, aber auch nicht versucht den Leser zu schockieren.

    Natürlich kommt ein Roman mit dieser Hintergrundgeschichte auch nicht ohne erotische Szenen aus, aber diese sind wirklich knisternd und schön beschrieben.

    „Die Prinzessin von New York“ ist wieder mal ein Beweis dafür, dass es nicht immer tiefgründig und aussageschwanger sein muss. Ich konnte mich richtig gut in die Geschichte fallen lassen und habe jede Minute genossen.

  • „Das Rosie-Effekt“ | Graeme Simsion

    Titel im Original: „The Rosie-Effect“
    Autor: Graeme Simsion
    Aus dem australischen Englisch übersetzt von Annette Hahn
    Verlag: Fischer Verlag
    Genre: Roman  |  Humor
    Don Tillman, Band 2
    Seitenzahl:  557
    ISBN: 978-3-596-52118-0

    Don Tillman, sozial ungelenker Wissenschaftler auf der Suche nach der großen Liebe, hat es geschafft: sein „Ehefrau-Projekt“ ist abgeschlossen, er lebt mit der umwerfenden Rosie glücklich verheiratet in New York. Und dann gibt es Neuigkeiten:  Rosie ist schwanger!

    Selbstverständlich will Don der perfekteste werdende Vater sein, den es je gab …

    Meine Meinung

    Herzlich Willkommen in der Welt von Rosie und Don! Es geht weiter …

    „Der Rosie-Effekt“ spielt einige Monate nach seinem Vorgängerband. Der kühle und rational denkende Genetiker Don Tillman und seine ihm frisch angetraute Ehefrau Rosie, sind nach New York gezogen. Dort möchte sie ihre Doktorarbeit zu Ende schreiben und Don hat eine gute Anstellung an ihrer Universität bekommen. Natürlich arbeiten die Beide auch noch immer in einer Cocktailbar und mixen Drinks, eine Leidenschaft, die Rosie in Don geweckt hat und dem beide treu geblieben sind!
    Doch schon nach wenigen Monaten wird Rosie schwanger! Von der Neuigkeit unerwartet getroffen, schlittert Don mit seiner schwangeren und damit nur noch halb so geduldigen Frau in eine handfeste Ehekrise …

    Mit seiner bereits im ersten Buch hervorstechenden logischen Denkweise macht sich Don an die Lösung seiner Probleme. Da ihm empathische Fähigkeiten weitgehend fremd sind, kann er nur durch Beobachtung lernen oder sich das nötige Wissen anlernen. „Der Rosie-Effekt“ ist genau wie sein Vorgänger aus Dons Ich-Perspektive geschrieben, so kann der Leser sehr gut nachvollziehen, welche Gedanken ihn bei seinen Weg beschäftigen. Mit Hilfe von Auflistungen und Tabellen erfasst er alles strukturiert und ohne emotionale Störungen. Ihr könnt euch denken, dass er mit seinem ungewöhnlichen Verhalten oft aneckt und in so manch schwierige Situation kommt …
    Eigentlich sollte man meinen, dass Rosie ihn mittlerweile kennt und seine Reaktionen einschätzen kann, doch Dons allerwichtigstes Anliegen ist es, allen Stress von ihr fern zu halten um seinem Kind nicht zu schaden. So beginnt Don viele Dinge zu verheimlichen und Missverständnisse auf allen Ebenen sind vorprogrammiert!

    Auch in diesem Buch hat der Autor auffallend gut über den Charakter und die Gedankengänge eines Aspergerpatienten recherchiert und geschrieben. Schon im ersten Band konnte Graeme Simsion mich überzeugen und das zieht sich hier grandios weiter. Das Tolle darin ist, dass er den Humor und nicht das Defizitäre einer Asperger-Persönlichkeit hervorhebt. Menschen mit Asperger haben es in unserer Gesellschaft nicht immer leicht und erfahren viel Ablehnung aufgrund ihrer Art zu Denken, zu Fühlen und zu Handeln. Gleichzeitig werden sie aber auch oft wegen ihrer Inselbegabung bewundert.
    Graeme Simsions Humor wirkt weder beleidigend noch zieht er Situationen unangenehm ins Lächerliche.

    Auch Dons Männerrunde Gene, George und Dave sorgen für manch humorvolle Szene!

    Insgesamt gesehen ist „Der Rosie-Effekt“ ein würdiger Nachfolger für „Das Rosie-Projekt“!