• „Erste Hilfe“ | Mariana Leky

    Autor: Mariana Leky
    Verlag: Dumont Verlag
    Genre: Roman | Humor
    Seitenzahl:  189
    ISBN: 978-3-8321-6458-4

    Die Erzählerin arbeitet aushilfsweise in einem Kleintierladen. Sie wohnt bei Sylvester, einem Frauenschwarm, der viel damit zu tun hat, sich vor seinen Verehrerinnen verleugnen zu lassen. Bei den beiden klopft eines Abends Matilda an, um zusammen mit dem größten und der Welt Unterschlupf zu suchen. Matilda hat ein Problem: Sie glaubt, den Verstand zu verlieren. Das durch Not und Zuneigung zusammengeschweißte Trio macht sich auf, ein unsichtbares Ungeheuer zu besiegen.

    Meine Meinung

    Nachdem mir ja „Die Herrenausstatterin“ von Mariana Leky schon sehr gut gefallen hat, wollte ich im März gleich mit „Erste Hilfe“ weitermachen. Dieser kurze Roman erschien 2004 und dürfte eine der ersten Geschichten der Autorin gewesen sein.

    Wir begleiten hier unsere namenlose Protagonistin, die zusammen mit ihrem besten Freund, in einer sehr ungewöhnlichen Wohngemeinschaft lebt. Sie ist ein eher stiller, ruhiger und bodenständiger Charakter, der in einer Kleintierhandlung arbeitet, nur sehr ungern ans Telefon geht und große Angst vor allerlei Prüfungen hat. Sylvester hingegen ist ein Sunnyboy wie er im Buche steht, hat ein grünes und ein blaues Auge, weiß alles besser und die Frauen liegen ihm reihenweise zu Füßen. Ein harmonisches Zweiergespann, das sich gut ergänzt und doch für jeden Blödsinn zu haben ist …
    Als eines Tages ihre Freundin Matilda total gehetzt und verstört vor der Tür steht, soll sich das Leben der Beiden jedoch schnell ändern. Noch will Matilda nicht über Nacht bleiben, aber schon bald wird sie gemeinsam mit ihrem überdimensionalen Wolfshund in Sylvesters Zimmer einziehen. Sie hat Angst verrückt zu werden!  Jetzt ist erstmal Hilfe angesagt!

    Mariana Leky besticht auch in diesem Buch wieder mit einem witzigen, aber doch gefühlvollen Schreibstil. Die langen verschachtelten Sätzen und auch die auffallend vielen Wiederholungen sind durchaus etwas gewöhnungsbedürftig, haben für mich aber auch einen Teil des Lesegenusses ausgemacht.

    „Glauben sie, ich werde verrückt?“ Als Mathilda diese Frage stellt, windet sich die angesprochene Therapeutin geschickt aus der Affäre und versucht Matilda mit der Antwort, sie hätte es nur mit verrückten Ängsten zu tun, abzufertigen. Das beruhigt nur anfänglich, denn die Freundin zeigt klare Symptome einer heftigen Angststörung: Sie kann einfach nicht mehr über die Straße gehen!
    Was für Außenstehende sicher einen gewissen Grad von Komik besitzen mag, erweist sich für Betroffene als blanker Horror. Sie kommen nicht gegen ihre Gefühle an, obwohl sie genau wissen, dass es keinen begreifbaren Grund dafür gibt. Dies erscheint ihnen tatsächlich wie der beginnende Wahnsinn!

    Anfänglich fand ich die Kombination dieser doch sehr schweren Thematik und der Komik, die die Autorin immer wieder in die Geschichte einfließen lässt doch etwas schwierig. Im Laufe des Lesens, wird aber klar, dass sehr viele Unsicherheiten unserer „Ersthelfer“ mit Hilfe von Witz und Peinlichkeit überspielt werden sollen. Die Probleme werden sehr direkt angesprochen. Mit mehr oder weniger klaren Ergebnissen, was die therapeutischen Maßnahmen betrifft. Das Geschriebene wirkt nie weinerlich oder oberlehrerhaft.

    Mariana Leky ist Realistin mit einer großen Lieben zum Trugbild …
    Sie blickt auf die kleinen Dinge ihrer Geschichte. So lange, bis sie einem fremd werden! Unwirklich erscheint gerade das, was am klarsten ist! Schleierhaft, geradezu gespenstisch!
    Und am Schluss spricht sogar der Hund …

  • „Die Queen von Manhattan“ | Jane Christo

    Autor: Jane Christo
    Verlag: Heartbeat Edition
    Genre: Liebesgeschichte | Roman
    Prinzessin von New York, Band 2
    Seitenzahl: 347
    ISBN: 978-1-5425-6131-0

    Der Mafia den Rücken zu kehren ist nichts für schwache Nerven. Als Julin der Boden zu heiß wird, bringt er Skyler nach St. Petersburg, doch dort fangen die Probleme erst an. Skylers Vater hat einen Profikiller auf sie angesetzt. Cesare, Oberboss aus Chicago, möchht sie dagegen lebend. Allen wollen ihr Geld zurück und nur Skyler kann es ihnen beschaffen. Doch sie denkt nicht daran, der italienischen Mafia zu altem Glanz zu verhelfen. Sie will kämpfen!

    Meine Meinung

    Nachdem mir „Die Prinzessin von New York“ ja wirklich gut gefallen hat, wollte ich in der Geschichte möglichst schnell weiterlesen. Vermutlich waren meine Erwartungen aber doch etwas zu hoch gesteckt!

    Die Verwüstung, die Skylar mit ihrem Virus im Netz der Mafia hinterlassen hat, zieht weite Kreise! Skyler und Julin sind nun schon seit zwei Jahren ein Paar. Eine Zeit, in der sie es geschafft haben, unter dem Radar der Italiener zu bleiben, die es nach wie vor auf sie abgesehen haben! Allem voran ihr verhasster Vater Silvio Rossi, der sogar Killer auf seine Tochter angesetzt hat.
    Auch Matteo hat in ihrem Leben wieder eine größere Rolle eingenommen. Skylers Stiefbruder hat sich bei den Outlow MC`s einen guten Namen gemacht und führt unter der Hand die Geschäfte.
    Nachdem Julin unerwartet vom Erdboden verschwindet und sich auch Skylars Situation drastisch zuspitzt, sind es Matteo und seine Männer, die sie und Claire mit Hilfe der Hacker aus deren explosiven Situationen retten.

    Skyler und Julin sind in diesem Band allgemein etwas weiter in den Hintergrund gerückt. Jane Christo legt ihr Augenmerk viel mehr auf die Entwicklung zwischen Matteo und Claire.

    Die Computerspezialisten der Mafia können den Virus mittlerweile zu Skyler zurückverfolgen und alle möglichen Seiten schmieden Pläne um den bestmöglichen Nutzen daraus zu ziehen! Wir sind hier bei der Maffia, was können wir uns schon anderes von den werten Herrschaften erwarten?!
    Aber dann geraten wir in ein Katz-und-Maus-Spiel der Extraklasse:  Wer nicht für die Sache ist, ist dagegen und muss natürlich beseitigt werde! Oft war mir überhaupt nicht klar, wohin das eigentlich führen soll. Zudem kommt es dann auch noch zu einer Rettungsaktion, die in meinem Augen mit „Rettung“ nicht viel zu tun hatte. Hauptsache man haut ordentlich drauf und zerstört was geht. Wenn noch was in die Luft fliegt, um so besser!

    Hat die Handlung für mich etwas zu viel Biss, sucht man den bei unseren Charakteren leider vergebens! Ich hab keine Ahnung was Jane Christo vor hatte, aber ich glaub, das ist in die Hose gegangen! Julin ist die meiste Zeit des Buches verschollen und Skyler zweifelt an jedem und allem. Vor allem aber an ihrer eigenen Existenz! Matteo soll als knallharter Biker dargestellt werden, aber der gute Junge kann mit einem einzigen Blick schon ganze Walnüsse knacken! Und dann trägt er seine langen Haare auch noch in einem Männerdutt! Jawohl!! Klischee, Olé!

    Dennoch kann ich dem Schreibstil der Autorin immer noch sehr viel abgewinnen. Die Szenen sind, wenn auch übertrieben in der Handlung, sehr gut beschrieben. Bildgewaltig und detailliert, wie auch schon im ersten Band. Sie schreibt spannend mit gut gewählten Formulierungen. Da steckt auf jeden Fall sehr viel Können dahinter!

    Leider war dieses Buch wirklich ein bisschen „Too much“ für mich!

  • „Die Herrenausstatterin“ | Mariana Leky

    Autor: Mariana Leky
    Verlag: Dumont Verlag
    Genre: Roman
    Seitenzahl:  207
    ISBN: 978-3-8321-6165-1

    Katja Wiesberg verschwimmt die Welt vor Augen. Ihr Mann ist fort, sie ist ihren Job los und allein. Da sitzt auf einmal ein Herr auf dem Rand ihrer Badewanne. Und noch ein Fremder taucht auf: ein Feuerwehrmann, der behauptet, zu einem Brand gerufen worden zu sein. Mit entwaffnender Zutraulichkeit nisten die beiden sich in Katjas Leben ein, und eine abenteuerliche Dreiecksgeschichte nimmt ihren Lauf …

    Meine Meinung

    Die allgemein etwas unschlüssige Übersetzerin Katja Wiesberg trifft während ihrer Zahnbehandlung auf Jakob. Ein selbstsicherer und doch sensibler Zahnarzt, der sie von der ersten Sekunde an fasziniert. Schon bald werden die Beiden ein glückliches Paar und heiraten, aber das Zusammenwohnen ist so gar nicht Jakobs Sache, er zeltet lieber in Katjas Garten. Wie sich bald herausstellt, hält Jakob auch von Treue nicht sehr viel. Aber bevor die Beiden noch über Scheidung nachdenken können, beendet ein Verkehrsunfall Jakobs Leben und Katjas Ehe. Und eigentlich auch alles Andere!
    Nach Jakobs tot verliert Katja jeglichen Sinn für die Realität. Daher ist sie auch gar nicht groß überrascht, als eines Abends Herr Blank auf dem Rand ihrer Badewanne sitzt und versucht, sie aus ihrem seelischen Tief herauszuholen. Leider ist der gute Mann selbst bereits verstorben! Als dann auch noch der Feuerwehr Armin mit seiner Obsession für Karatefilme in ihr Leben tritt, scheint das Chaos perfekt. Die beiden Männer werden für die nächsten Wochen ihre ständigen Begleiter auf dem Weg zurück ins Leben.

    Mariana Lekys Schreibstil ist wirklich einzigartig! Einfachen, aber doch aussagekräftig und präzise. Sie schmückt ihre Sätze nur sehr selten aus, daher wirken diese etwas hart und bockig, die fulminante Aussagekraft ihres Schreibens kommt dadurch aber definitiv beim Leser an. Die Sprache ist oft spartanisch, auch das macht einen besonderen Reiz aus. „Die Herrenausstatterin“ war mein erstes Buch der Autorin und ich fand es großartig.

    Die Autorin kombiniert starke Szenen, die mich durchaus zum nachdenken gebracht haben und einen absolut grandiosen Humor. Beides sehr fein nuanciert und gezielt auf dem Punkt gebracht. Die subtile Ironie macht das Buch zu einem abgründigen Vergnügen!

    Ich habe mich beim Lesen schon einige Male gefragt, ob es den toten Blank nun wirklich gibt oder ob er nur ein Hirngespinst Katjas ist, mit dessen Hilfe sie mit Jakobs Tod fertig wird. Ein Wackelkontakt mit der Realität, wie Armin es sehr treffend im Buch genannt hat. Im Endeffekt spielt das aber überhaupt keine Rolle, denn wenn man sich auf die Geschichte einlässt, dann ist sie einfach so.

    Besonders gut hat mir die Idee gefallen, Ralph McQuincey, einen fiktiven Karatefilmdarsteller aus den Achtzigern und Armins großes Idol, einen kleinen Gastauftritt zu verschaffen. Die Szenen sind sehr sehr lustig und machen deutlich, dass definitiv nicht nur Katja einen kleinen Schlag in der Realität hat.

    Ich wurde durch ihrem Bestseller „Was man von hier aus sehen kann“ auf Mariana Leky aufmerksam, der sie auch sicher zu einer der bekanntesten deutschen Autorinnen der letzten Jahre gemacht hat. Daher ist es für mich erstaunlich, dass ihre davor erschienen Romane eher vor sich dümpeln und vom breiten Publikum noch nicht entdeckt wurden. Leute, lest Mariana Leky!

  • „Die Prinzessin von New York“ | Jane Christo

    Autor: Jane Christo
    Verlag: Heartbeat Edition
    Genre: Liebesgeschichte | Roman
    Prinzessin von New York, Band 1
    Seitenzahl:  302
    ISBN: 978-1-5234-2378-1

    Skyler ist die einzige Tochter von Silvio Rossi, Oberhaupt eines der mächtigsten Syndikate in New York City. Um seine Position zu behaupten, muss ihr Vater sie mit einer der führenden Mafia-Familien verheiraten. Doch Skyler denkt nicht daran, sich an den Höchstbietenden verschachern zu lassen und taucht unter. In L. A. versucht sie einen Neuanfang, geht an die Uni und lernt Julin kennen.

    Julin „The Killer“ ist der Star der illegalen Untergrundkämpfe und mit seinen brutalen Siegen weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Die beiden beginnen ein stürmisches Verhältnis und Skyler ist auf dem besten Weg, ihr Herz an den ungeschliffenen Champion zu verlieren, bis sie erfährt, wer er wirklich ist.

    Meine Meinung

    Tüllkleid, Sneakers und Patronen! Nicht nur der Klappentext, der schon sehr viel von unseren beiden Protagonisten preis gibt, sondern auch das Cover dieses Buchen, machen klar, dass es sich hier nicht um eine romantische Prinzessinnengeschichte handelt.

    Mit „Die Prinzessin von New York“ entführt uns Jane Christo in die Unterwelt des Big Apple, wo sich die italienische und die russische Maffia eiskalt bekriegen. Beiden Seiten möchten den größten Vorteil aus ihren Machenschaften herausschlagen und dafür ist ihnen jedes Mittel recht. Ganz nach dem Vorbild von Al Capone? Auf jeden Fall!
    Nicht sehr bildgewaltig oder gar ausschweifend, dafür aber mit rasanten Szenen, einem geraden und spritzigen Erzählstil und einer rotzfrechen Schnauze leitet uns die Autorin durch ihre Geschichte und bringt uns Skyler und Julin sehr authentisch näher. Zudem spielt sie sehr schön mit bewährten Klischees, die wir nur zu gut aus den alten schwarz/weißen Maffia-Filmen kennen!

    Skyler möchte ihren eigenen Platz in der Welt finden und sich entfalten. Einfach nur sie selbst sein, ohne ständig über die Schulter schauen zu müssen. Und Julin muss lernen, dass sie nicht das verwöhnte Püppchen ist, für das er sie immer gehalten hat. Beide haben sie die harte Schule ihrer Familien hinter sich, aber genau das brauchen sie in dieser Welt. Jede Schwäche könnte ausgenutzt werden. Dementsprechend nehmen sie kein Blatt vor den Mund und wissen sich ihrer Haut zu erwehren, denn Zurückhaltung ist hier nicht angebracht.

    Wer in diesem Buch rosaroten Wolken und Liebesgesäusel sucht, wird leider enttäuscht. Genau wie die Geschichte, so ist auch die Sprache oft derb und hart aber nicht unnötig brutal in ihrer Beschreibung. Es wird nichts beschönigt, aber auch nicht versucht den Leser zu schockieren.

    Natürlich kommt ein Roman mit dieser Hintergrundgeschichte auch nicht ohne erotische Szenen aus, aber diese sind wirklich knisternd und schön beschrieben.

    „Die Prinzessin von New York“ ist wieder mal ein Beweis dafür, dass es nicht immer tiefgründig und aussageschwanger sein muss. Ich konnte mich richtig gut in die Geschichte fallen lassen und habe jede Minute genossen.

  • „Das Rosie-Effekt“ | Graeme Simsion

    Titel im Original: „The Rosie-Effect“
    Autor: Graeme Simsion
    Aus dem australischen Englisch übersetzt von Annette Hahn
    Verlag: Fischer Verlag
    Genre: Roman  |  Humor
    Don Tillman, Band 2
    Seitenzahl:  557
    ISBN: 978-3-596-52118-0

    Don Tillman, sozial ungelenker Wissenschaftler auf der Suche nach der großen Liebe, hat es geschafft: sein „Ehefrau-Projekt“ ist abgeschlossen, er lebt mit der umwerfenden Rosie glücklich verheiratet in New York. Und dann gibt es Neuigkeiten:  Rosie ist schwanger!

    Selbstverständlich will Don der perfekteste werdende Vater sein, den es je gab …

    Meine Meinung

    Herzlich Willkommen in der Welt von Rosie und Don! Es geht weiter …

    „Der Rosie-Effekt“ spielt einige Monate nach seinem Vorgängerband. Der kühle und rational denkende Genetiker Don Tillman und seine ihm frisch angetraute Ehefrau Rosie, sind nach New York gezogen. Dort möchte sie ihre Doktorarbeit zu Ende schreiben und Don hat eine gute Anstellung an ihrer Universität bekommen. Natürlich arbeiten die Beide auch noch immer in einer Cocktailbar und mixen Drinks, eine Leidenschaft, die Rosie in Don geweckt hat und dem beide treu geblieben sind!
    Doch schon nach wenigen Monaten wird Rosie schwanger! Von der Neuigkeit unerwartet getroffen, schlittert Don mit seiner schwangeren und damit nur noch halb so geduldigen Frau in eine handfeste Ehekrise …

    Mit seiner bereits im ersten Buch hervorstechenden logischen Denkweise macht sich Don an die Lösung seiner Probleme. Da ihm empathische Fähigkeiten weitgehend fremd sind, kann er nur durch Beobachtung lernen oder sich das nötige Wissen anlernen. „Der Rosie-Effekt“ ist genau wie sein Vorgänger aus Dons Ich-Perspektive geschrieben, so kann der Leser sehr gut nachvollziehen, welche Gedanken ihn bei seinen Weg beschäftigen. Mit Hilfe von Auflistungen und Tabellen erfasst er alles strukturiert und ohne emotionale Störungen. Ihr könnt euch denken, dass er mit seinem ungewöhnlichen Verhalten oft aneckt und in so manch schwierige Situation kommt …
    Eigentlich sollte man meinen, dass Rosie ihn mittlerweile kennt und seine Reaktionen einschätzen kann, doch Dons allerwichtigstes Anliegen ist es, allen Stress von ihr fern zu halten um seinem Kind nicht zu schaden. So beginnt Don viele Dinge zu verheimlichen und Missverständnisse auf allen Ebenen sind vorprogrammiert!

    Auch in diesem Buch hat der Autor auffallend gut über den Charakter und die Gedankengänge eines Aspergerpatienten recherchiert und geschrieben. Schon im ersten Band konnte Graeme Simsion mich überzeugen und das zieht sich hier grandios weiter. Das Tolle darin ist, dass er den Humor und nicht das Defizitäre einer Asperger-Persönlichkeit hervorhebt. Menschen mit Asperger haben es in unserer Gesellschaft nicht immer leicht und erfahren viel Ablehnung aufgrund ihrer Art zu Denken, zu Fühlen und zu Handeln. Gleichzeitig werden sie aber auch oft wegen ihrer Inselbegabung bewundert.
    Graeme Simsions Humor wirkt weder beleidigend noch zieht er Situationen unangenehm ins Lächerliche.

    Auch Dons Männerrunde Gene, George und Dave sorgen für manch humorvolle Szene!

    Insgesamt gesehen ist „Der Rosie-Effekt“ ein würdiger Nachfolger für „Das Rosie-Projekt“!

  • „Das Rosie-Projekt“ | Graeme Simsion

    Titel im Original: „The Rosie-Project“
    Autor: Graeme Simsion
    Aus dem australischen Englisch übersetzt von Annette Hahn
    Verlag: Fischer Verlag
    Don Tillman, Band 1
    Genre: Roman  |  Humor
    Seitenzahl:  432
    ISBN: 978-3-536-52083-1

    Don Tillman will heiraten. Allerdings findet er menschliche Beziehungen oft höchst verwirrend und irrational. Was tun? Don entwickelt das „Ehefrau-Projekt“: Mit einem 16-seitigen Fragebogen will er auf wissenschaftlich exakte Weise die ideale Frau finden. Also keine, die raucht, trinkt, unpünktlich oder Veganer ist.
    Und dann kommt Rosie! Unpünktlich, Barkeeperin, Raucherin, Offensichtlich ungeeignet. Aber Rosie verfolgt ihr eigenes Projekt:  Sie sucht ihren biologischen Vater. Dafür braucht sie Dons Kenntnisse als Genetiker. Ohne recht zu verstehen, wie ihm geschieht, lernt Don staunend die Welt jenseits beweisbarer Fakten kennen und stellt fest: Gefühle haben ihre eigene Logik!

    Meine Meinung

    „Das Rosie-Projekt“ steht nun schon seit langer Zeit in meinem Regal und wartet darauf gelesen zu werden. Graeme Simson liefert uns hier eine Geschichte, die den Leser zwar zum Schmunzeln, aber in weiterer Folge doch sehr zum Nachdenken bringt.

    Die Welt der Gefühle ist für Don Tillman, einem hochintelligenten Professor für Genetik, wie ein weißer Fleck auf einer Landkarte. Er liebt seinen durchstrukturieren und minutiös verplanten Alltag und hat so überhaupt kein Verständnis für notorische Zuspätkommer, Raucher oder Frauen mit gefärbten Haaren. Jede Form von Chaos ist ihm ein Graus! Dennoch hat er den Gedanken bzw. die gesellschaftliche Konvention einer Eher noch nicht ad acta gelegt. Er startet das Projekt „Ehefrau“!
    Als die Barkeeperin, Raucherin und bekennende Vegetarierin Rosie in sein Leben tritt begibt er sich in das größte Abenteuer seines Lebens, in dem ein Highlight das Nächste jagt … und seine strukturierte Welt sehr schnell zum bröckeln beginnt!

    Bereits seit Sheldon Cooper versuchen uns die Medien, Menschen mit einer schweren sozialen Disharmonie, die auf die Diagnose Autismus bzw. Asperger zurückzuführen ist, auf einfachen Weg näher zu bringen. Auch wenn wir gerne über sie schmunzeln, sollen sie ihre Zuschauer und Leser für die Bedürfnisse, die mit diesem Krankheitsbild einhergehen sensibilisieren!
    Auch Graeme Simsion zeigt uns aus Dons Sicht die Welt und hält unserer eigenen Reaktion den Spiegel vor. Und das auf eine Weise, die mit Dons staubtrockenen, emotionslosen Kommentaren jede Menge Emotionen, aber auch Verständnis hervorruft. Allein schon die Erklärung, warum man nach 15:48 Uhr keinen Kaffee mehr trinken sollte, hat mich schwer überzeugt!

    Don glaubt von sich selbst, er sei nicht fähig Gefühle zu haben. Auch bezeichnet er sich selbst als sozial nicht kompatibel, da er mangels Gesellschaft sich nicht mit dessen Verhaltensregeln auskennt und sie auch gar nicht versteht. Aber genau diese Ausrutscher und seine ungewöhnliche Art die Welt zu organisieren machen Don sehr sympathisch und haben mir wieder in einigen Situationen die Augen geöffnet. Auf der einen Seite schafft sein Verhalten Unverständnis, auf der anderen Seite Bewunderung und je weniger die Menschen seine Eigenarten beachten, umso normaler wird Don!

    Der Schreibstil des Autors gefällt mir sehr gut. Er ist direkt, treffend, flüssig und ausdrucksstark!

    „Das Rosie-Projekt“ ist ein kluges Buch über Beziehungen, wie sie zustande kommen und der Tatsache, dass es schön ist, ein bisschen anders und verrückter zu sein!

  • „Alles oder Nichts“ | Simona Ahrnstedt

    Titel im Original:  „En enda risk“
    Autor: Simona Ahrnstedt
    Aus dem Schwedischen übersetzt von Antje Rieck-Blankenburg
    Verlag: LYX Verlag
    Genre: Liebesgeschichte
    Only One Night, Band 3
    Seitenzahl: 697
    ISBN: 978-3-8025-9947-7

    Ambra ist eine erfolgreiche Journalistin auf der Suche nach einer heißen Story. Tom ein ehemaliger Elitesoldat, dem Schreckliches zugestoßen ist. Ambra muss beruflich an den Ort zurückkehren, an dem sie niemals wieder sein wollte. Tom versucht in der gleichen Stadt, sich ins Leben zurück zu kämpfen.

    In Kiruna, im Norden Schwedens, wo klirrende Kälte und ewige Dunkelheit herrschen, begegnen sich zwei Menschen, die auf der Flucht vor ihrer eigenen Vergangenheit sind. Zwei Menschen, die tiefe Wunden tragen. Und Niemanden vertrauen!

    Meine Meinung

    Mit „Alles oder Nichts“ verabschiedet sich Simona Ahrnstedt vom bisher gut funktionierenden Geschichtenaufbau. Die Liebe und Erotik wird auf ein Minimum zurückgeschraubt, dafür thematisiert sie einige gesellschaftlichen Zustände auf sehr offene und kritische Art: Von Behörden ignorierte Kindesmisshandlungen, patriarchale Strukturen unter einer scheinbar intakten demokratischen Oberfläche, Sektenverhalten im religiösen Schutzmantel, Frauenverachtung, …
    Aber auch die Kehrseite des Social Media werden hier angesprochen und die Auswirkungen von Hass-Kommentaren!

    In „Alles oder Nichts“ kehren wir zu Tom Lexington zurück, der bereits in den beiden vorherigen Bänden immer wieder als Fachmann für die Security der Familie de la Grip auftritt und so auch ein guter Freund von David Hammar ist. Nach den schlimmen Ereignissen zum Ende des zweiten Bandes finden wir Tom nun in Kiruna wieder, der nördlichsten Stadt Schwedens. Aus dem starken, muskulösen und imposanten Elitesoldaten ist ein gebrochener Mann geworden, der mit Angstzuständen und Panikattacken zu kämpfen hat und sich nichts sehnlicher wünscht, als die Uhr nochmal zurück zu drehen und einen großen Teil seiner Vergangenheit ändern zu können.
    Zur selben Zeit hält sich auch die Journalistin Ambra Vinter in Kiruna auf. Sie soll hier ein Interview für ihre Zeitung führen, muss sich aber sehr schnell ihrer persönlichen Geschichte stellen, die unweigerlich mit diesem Ort verbinden ist!

    Die Liebesgeschichte an sich beginnt gemächlich, entwickelt sich bedeutend langsamer als gewohnt und ist in meinen Augen nachvollziehbar und glaubhaft. Es ist ein langsames Vorantasten, nichts wird überstürzt!

    Natürlich muss ich auch in diesem Buch wieder den Schreibstil von Simona Ahrnstedt loben. Sie versteht es die Emotionen ihrer Protagonisten zum Leser zu transportieren, dennoch liest sich dieses Buch schwermütiger als die Vorgänger. Dennoch konnte mich die Geschichte und auch die Weiterentwicklung der Autorin von der ersten Seite an überzeugen.

  • „Ein einziges Geheimnis“ | Simona Ahrnstedt

    Titel im Original: „En enda hemlighet“
    Autor: Simona Ahrnstedt
    Aus dem Schwedischen übersetzt von Antje Rieck-Blankenburg
    Verlag: LYX Verlag
    Genre: Liebesgeschichte
    Only One Night, Band 2
    Seitenzahl: 669
    ISBN: 978-3-8025-9946-0

    Zwei Personen, die nicht unterschiedlicher sein können:
    Alexander de la Grip, Schwedens Jetset-Prinz, der vor allem für zwei Dinge bekannt ist: Sein Aussehen und seine Frauengeschichten. Und Isobel Sorensen, eine leidenschaftliche Ärztin, die ihr Leben in gefährlichen Krisenregionen riskiert, um den Menschen dort zu helfen.
    Sie leben in verschiedenen Welten, und sie verbindet nicht …

    Doch als Isobels Hilfsorganisation „Medpax“ plötzlich vor dem finanziellen Aus steht, kreuzen sich ihre Wege. Denn jetzt braucht Isobel das, was Alexander im Überfluss besitzt: Geld

    Meine Meinung

    „Ein einziges Geheimnis“ ist der zweite Teil der „Only One Night“-Trilogie und für mich zwar eine tolle Geschichte aus der Hand von Simona Ahrnstedt, aber ein Buch, dass leider viele unterschiedliche Gefühle in mir hervorgerufen hat.

    Hier geht es um Natalias Bruder Alexander, der ein Lebemann und Selfmade-Millionär ist, es aber als strenges Geheimnis hütet, dass er für sein Geld auch arbeitet. Alle denken, er finanziert sich lediglich aus seinem Erbe und sieht gut aus. So auch Isobel, die alles andere als eine hohe Meinung von ihm hat, aber zwingend eine Geldspritze aus seiner Stiftung benötigt.

    Vergleicht man diesen Band mit dem Vorgänger „Die Erbin“, wird man doch gravierende Unterschiede im Geschichtenaufbau finden. Mich haben diese zwar nicht abgeschreckt, aber sie fallen einem als Leser doch recht schnell ins Auge.

    Auch was die Charaktere angeht, fällt einem ein großer Unterschied auf. Sind Natalia und David aus dem ersten Band noch sehr realistisch und nachvollziehbar gehalten, schießt Simona Ahrnstedt gerade bei der Charakterbildung von Alexander de la Grip in meinen Augen total über das Ziel hinaus. Ein für mich von grundauf unsympathischer aber auch unrealistischer und unangenehmer Charakter. Leider änderte sich dieses Gefühl auch im Laufe des Buches nicht mehr bei mir.
    Ihm gegenüber steht die vegetarische Ärztin Isobel, die die Organisation ihrer Mutter in Krisengebieten unterstützt und leidenden Kindern hilft. Natürlich ist da die Sympathie vorprogrammiert, aber auch ihr Einsatz im Tschad wird in meinen Augen sehr realistisch beschrieben.
    Für mich hat die Harmonie zwischen den beiden Hauptcharakteren leider gar nicht gepasst und so konnte ich auch bei der beginnenden Liebesbeziehung nicht mitfühlen.

    Als zweiten Handlungsstrang erfahren wir sehr viele Neuigkeiten über Peter de la Grip, dem ältesten Sohn der Familie. Im ersten Band besticht dieser noch durch sein negatives Verhalten als Marionette seines Vaters und seinem denkwürdigen Charakter, in diesem Buch erfahren wir aber mehr über die Veränderungen in seinem Leben. Eine Geschichte, die mir wesentlich mehr zu Herzen gegangen ist, als die Hauptstory!

    Dennoch: Simona Ahrnstedt besticht auch in „Ein einziges Geheimnis“ wieder durch ihren unglaublich stilvoll Schreibstil und einer wunderbaren Sprache. Stockholm wird für das innere Auge des Lesers lebendig und man bekommt richtig Lust darauf diese Stadt auf der Stelle einen Besuch abzustatten!

  • „Die Erbin“ | Simona Ahrnstedt

    Titel im Original: „En enda natt“
    Autor: Simona Ahrnstedt
    Aus dem Schwedischen übersetzt von Antje Rieck-Blankenburg
    Verlag: LYX Verlag
    Genre: Liebesgeschichte
    Only One Night, Band 1
    Seitenzahl: 604
    ISBN: 978-3-8025-9945-3

    Natalia de la Grip ist ein aufgehender Stern am schwedischen Wirtschafshimmel: Sie ist klug, tough und schon jetzt eine der angesehensten Unternehmensberaterinnen des Landes. Doch diesen Erfolg musste sie sich hart erarbeiten. Denn obwohl sie als Tochter des mächtigsten Unternehmers Schwedens in die Elite der Finanzbranche hineingeboren wurde, hat ihr Vater nie einen Hehl daraus gemacht, dass Frauen seiner Meinung nach in der Wirtschaft nichts zu suchen haben.
    Als sie eines Tages von niemand Geringerem als David Hammar, einem der erfolgreichsten Risikokapitalgeber Europas, zum Lunch eingeladen wird, ist sie zunächst sehr überrascht!

    Meine Meinung

    Für mich ist Simona Ahrnstedt die schwedische Queen der Romantik! Sie hat einen tollen und lebendigen Schreibstil, der sich aber ganz klar von amerikanischen und deutsche Autorinnen dieses Genres unterscheidet. In „Die Erbin“ konnte sie mich nicht nur mit ihrer Geschichte fesseln, sondern schafft es auch auf ihre ganz eigene Weise Szenen bildgewaltig greifbar zu machen.

    Wir bekommen hier einen sehr intensiven Einblick in die Welt der Reichen und Schönen in Schweden, der so manchen menschlichen Abgrund offenbart. Es gibt Schattenseiten, die man am liebsten nie betreten würde und auf einmal ist man doch ganz froh, ein normaler Mensch zu sein.

    Leider verrät uns der Klappentext schon sehr viel von der Geschichte!
    Natalia de la Grip ist eine sehr sympathische Frau. Stark, ehrgeizig und karriereorientiert! Sie weiß um ihren Stand im Leben und hat einen doch recht guten Plan, wie sie ihre Ziele erreichen kann. Natürlich kommt dieser Charakter nicht von irgendwo her:  Die strenge Erziehung ihres Vaters Gustav und sein altbackenes Frauenbild haben nicht nur sie merklich geprägt, auch ihre Brüder ziehen daraus ihre Schlüsse.
    Als männlichen Gegenpart finde ich David Hammar sehr gut gewählt. Er ist charamant, sexy und musste sich seinen Erfolg im Geschäftsleben wirklich hart erarbeiten. Ich würde seinen Charakter durchaus als facettenreich beschreiben. Ein Mann mit Vergangenheit und Geheimnissen. Und genau diese Erlebnisse haben ihn zu dem erfolgreichen Geschäftsmann gemacht, der er heute ist! Ohne Klischees wäre so ein Buch doch wirklich langweilig, oder?

    Der erotische Anteil in diesem Buch war sehr intensiv und sinnlich und auch die Beschreibungen der Gefühle, haben mich unheimlich berührt. Klare Aussagen, Klare Handlungen!
    Die Wendungen waren nicht immer Unvorhersehbar, aber dennoch toll beschrieben und spannend. Nur der gute Gustav hat mich des Öfteren mit seinen Aussagen zur Weißglut gebracht.

    Taucht auf jeden Fall in Schwedens Upperclass ein und seht selbst, ob wirklich alles Gold ist, was glänzt!