• „Ein Gentleman ein Moskau“ | Amor Towles

    Titel im Original: „A Gentleman in Moscow“
    Autor: Amor Towles
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Susanne Höbel
    Verlag: List Verlag
    Genre: Roman
    Seitenzahl:  559
    ISBN: 978-3-471-35146-8

    1922. Ein Moskauer Volkskommissariat verurteilt Graf Alexander Rostov zu lebenslangem Hausarrest. Er sei moralisch so korrupt wie die ganze begüterte Klasse. Rostov, ein junger Mann und doch Gentleman alter Schule, wohnt im Hotel Metropol. Das geschichtsträchtige Haus wird die nächsten Jahrzehnte seine Welt. Nichts kann seine Höflichkeit und seine Optimismus erschüttern. Bis er für das Glück eines anderen handeln muss.

    Meine Meinung

    Der Klappentext des Buches beschreibt die Handlung schon ganz gut, wobei ich ehrlich gestehen muss, dass es nicht so einfach ist, bei diesem Roman in aller Kürze zu sagen, worum es eigentlich geht: Graf Alexander Rostov ist ein Gentleman wie er im Buche steht! Elegant, mit gutem Benehmen, einer klaren aber feinen Ausdrucksweise und dem gewissen Charme, der Jung und Alt auf eine offene freundliche Art einnimmt. Im Jahre 1922 wird er von der neuen Regierung in Russland, in seinem geliebten Hotel Metropol zu lebenslangem Hausarrest verurteilt. Nur sein zarenregimekritisches Gedicht, das er Jahre zuvor veröffentlicht hat, soll ihn noch vor der Erschießung gerettet haben.
    Alexander Rostov macht also das Beste aus seiner Lage und führt auch weiterhin ein gutes Leben:  Er speist in den feinen Restaurants des Hotels, liest in den klassischen Werken, die er aus seinem Anwesen mitgebracht hat und versucht so gut wie möglich der Langeweile zu entkommen!

    Amor Towles hat einen sehr detailreichen und poetischen Schreibstil, der zwar anspruchsvoll zu lesen, aber sehr leicht für den Leser zugängig ist. Die Sätze sind angenehm verschachtelt und haben bei mir die schönsten Bilder hervorgerufen. In weiten Strecken ist „Ein Gentleman in Moscow“ ein absolutes Wohlfühlbuch für mich geworden.

    Dank seiner großartigen Darstellung wurde auch Alexander Rostov für mich zu einer Figur, die ich in meiner Gedankenwelt nicht mehr missen möchte. Seine feine Art und sein Geschick, mit Problemen größerer und kleinerer Art umzugehen, ist in meinen Augen die Verkörperung der Lebensweisheiten, die wir als Kind immer wieder von den Großeltern mitbekommen haben.
    Zusätzlich lernen wir noch einige andere faszinierende Mitarbeiter des Hotels kennen, die mit ihren Lebensgeschichten die Handlung bereichern und für Rostov zu der Familie werden, die er vor vielen Jahren verloren hat. Ihr Miteinander ist von gegenseitigem Respekt und Wertschätzung geprägt.

    Natürlich wird auch ein sehr wichtiges Stück der russischen Geschichte in diesem Roman erzählt. Dabei wird ganz bewusst der Zweite Weltkrieg außen vor gelassen, den der Graf wegen seinem Arrest gar nicht bewusst wahrnimmt. Wir hangeln uns durch die Geschehnisse zwischen den 20er und 50er Jahren: Stalin, Malenkow, Chruschow, …! Und ihren Kampf um die Führungspositionen an der Parteispitze.

    Ein Gentleman in Moskau ist wahrlich ein Meisterwerk an Erzählkunst und Wortgewandtheit, in der ich mich keine Minute gelangweilt habe!