• „In einem anderen Buch“ | Jasper Fforde

    Titel im Original:  „Lost in a Good Book“
    Autor:  Jasper Fforde
    Aus dem Englischen übersetzt von Joachim Stern
    Verlag:  dtv Verlag
    Genre:  Kriminalroman | Fantasy
    2. Fall für Thursday Next
    Seitenzahl:  417
    ISBN:  978-3-423-21294-6

    Spezialagentin Thursday Next steckt in Schwierigkeiten: Erst fällt ihr fast ein Oldtimer auf den Kopf, dann ist auch noch ihr Ehemann verschwunden. Will sie ihn zurückbekommen, muss sie einen Weg in das Gedicht „Der Rabe“ von Edgar Allan Poe finden. Wie soll sie es nur anstellen, da hineinzukommen?

    Meine Meinung

    Durch ihre spektakuläre Lösung im Fall „Jane Eyre“ mutierte Thursday Next über Nacht zur nationalen Berühmtheit und tingelt nun von Fernsehshow zur Fernsehshow. Doch damit nicht genug: Plötzlich ist nicht nur ihr Mann verschwunden, seine gesamte Zeitlinie wurde aus der Realität gelöscht. Was sie wiederum zur schwierigen Frage führt, von welchem Mann sie nun ein Kind erwartet!? Schnell bemerkt sie auch, dass jemand hinter ihr her ist, der sich die Entropie zu Nutze macht, um sie umzubringen. So fällt ihr erst fast ein Auto auf den Kopf und wird kurz darauf von einem SO14-Agenten erschossen …
    Ihr Vater rettet sie im letzten Moment und bringt seine Tochter an einen kritischen Punkt der Zeitgeschichte, an der ein Radfahrer verunglückt, was weitläufig zur Folge habt, dass sich die  komplette Erde in rosa Schleim verwandelt …

    Doch zunächst muss sie erstmal in „Der Rabe“ von Edgar Allan Poe gelangen, um ihren Mann zu retten. Das Prosaportal ist zwar zerstört, doch Thursday erfährt, dass es eine Organisation gibt, die sich in Bücher hineinlesen kann: Die sogenannte „Jurisfiktion“. Die Spezialagentin lässt sich anheuern. Aber ist sie wirklich bereit, ihren Mann zu retten?

    Im Mittelpunkt der Geschichte steht auch diesmal wieder die Liebe zur Literatur, die man auch, in ihren unterschiedlichsten Facetten, aus jeder Seite herauslesen kann. Vielleicht sogar noch mehr als im ersten Band, weil sich diese Geschichte nicht so sehr auf einen einzigen Roman bezieht.
    Wenn man sich an „Der Fall Jane Eyre“ zurückerinnert, zeigt diese Geschichte schon viele verrückte Elemente in seiner Handlung, aber „In einem anderen Buch“ steigert dies nochmal um ein vielfaches! Natürlich im positivsten Sinne. Man hat das Gefühl, der Autor bedient sich vermehrt an Ideen von Douglas Adams oder Cornelia Funke und bauscht diese nochmals mit seiner eigenen brillanten Fantasie auf.

    Jasper Fforde legt viel Wert auf Thursdays Umwelt und ihr Familie. Jeder kennt diesen einen verschrobenen, leicht verrückten Onkel. Bei Thursday zeigen alle Familienmitglieder ihre besonderen Eigenheiten. Absolut sympathisch und am liebsten möchte man selbst ein Teil davon sein.
    Außerdem zeigt der Autor eine unglaubliche Detailverliebtheit für die Welt und die Gesellschaft. Selbst vermeintlich alltägliche Dinge werden zum Erlebnis. Allein die Szene, in der bei einem Buchverkauf in einem modernen Antiquariat das absolute Chaos ausbricht und die Herzkönigin zur Furiere mutiert, ist gewaltig. Und diese Art von Szenen findet man immer wieder.
    Und natürlich wird sehr viel Fokus auf das Zeitreisen gelegt …

    Literarisch ist der Roman zwar nicht im klassischen Sinne anspruchsvoll, man tut sich aber auf jeden Fall leichter, wenn man vorher Charles Dickens „Große Erwartungen“ und Kafkas „Prozess“ gelesen oder zumindest schon einmal etwas davon gehört hat. Das hilft auch ungemein bei Jasper Ffordes grandioser Wortakrobatik!

  • „Der Fall Jane Eyre“ | Jasper Fforde

    Titel im Original:  „The Eyre Affaire“
    Autor:  Jasper Fforde
    Aus dem Englischen übersetzt von Lorenz Stern
    Verlag:  dtv Verlag
    Genre:  Kriminalroman | Fantasy
    1. Fall für Thursday Next
    Seitenzahl:  376
    ISBN:  978-3-423-21293-9

    Der Erzschurke Acheron Hades hat Jane Eyre aus dem berühmten Roman von Charlotte Bronte entführt, um ein gigantisches Lösegeld zu erpressen. Eine Katastrophe für England! Und eine Herausforderung für Spezialagentin Thursday Next, die den Bösewicht dingfest machen soll.

    Meine Meinung

    Thursday Next lebt in einer Welt, in der die Literatur so wichtig genommen wird, dass es dafür sogar eine eigene Abteilung bei der Polizei gibt. Sie ist Geheimagentin und stets Literaturverbrechern auf den Fersen. Allerdings beschränken sich diese Verbrechen meist auf Fälschungen großer Werke. Als aber eines Tages ein Originalmanuskript von Charles Dickens gestohlen und eine darin vorkommende Nebenfigur plötzlich ermordet aufgefunden wird, steht Thursday Next vor der größten Herausforderung ihrer Karriere. Sie weiß, wer hinter den Verbrechen steckt: Acheron Hades, ihr ehemaliger Professor auf der Universität!
    Thursday riskiert ihr eigenes Leben, um den Schurken zur Strecke zu bringen. Dieser plant allerdings schon seinen nächsten großen Coup. Er will Jane Eyre aus dem weltberühmten Roman von Charlotte Brontë entführen …

    Ich persönlich würde  den Autor irgendwo zwischen Monty Python und Douglas Adams ansiedeln. Jasper Fforde verbindet phantastische Literatur auf sehr eigene actionreiche, aber doch elegant-britische Art und Weise mit einem knallharten Kriminalfall. Dabei lässt er in diesem Fall aber den englischen Klassiker „Jane Eyre“ immer die Hauptrolle spielen! Schräg, schrill und einfach phantastisch. Zeppeline statt Flugzeugen, ein über 100 Jahre währender Krim-Krieg und Menschen, die die Zeit einfrieren können. Alles ganz normal in diesem alternativen England …
    Jasper Ffordes schräger Humor und die verrückte Welt, die er hier erschaffen hat, treffen auf wirklich sympathische Protagonisten und eine tolle, aber völlig wahnwitzige Handlung. Und gleichzeitig ist „Der Fall Jane Eyre“ natürlich auch eine Liebeserklärung an die Literatur!

    Wer nun denkt, dass sich die Geschichte durch diese wirre Mischung an Genres irgendwie anstrengend lesen lässt, den kann ich beruhigen:  Das Buch liest sich flott, die Erzählstimme ist modern und mitreißend und der Humor ist in meinen Augen grandios. Es macht unheimlichen Spaß, Thursday Next auf ihrer irrwitzigen Missionen zu begleiten!

    Wenn ich so überlege, gibt es im Großen und Ganzen eigentlich nichts, dass mir an diesem Buch nicht gefallen hätte. Einzig zu erwähnen wäre, dass die Entführung der Jane Eyre tatsächlich erst sehr spät in der Geschichte stattfindet und das Augenmerk zunächst auf anderen Dingen liegt, die aber selbstverständlich nötig sind, um zur eigentlichen Entführung zu gelangen. Trotzdem wurde ich zwischendurch schon mal etwas ungeduldig …

    Jasper Fforde macht seine Leser definitiv auch auf die angesprochene Literatur neugierig. Und wenn Thursday Next Andere dazu anregen kann, „Jane Eyre“ – einen meiner Lieblingsklassiker – zur Hand zu nehmen, macht mir das den Autor nur noch sympathischer!