• „Das Mädchen“ | Stephen King

    Titel im Original:  „The Girl who loved Tom Gordon“
    Autor:  Stephen King
    Aus dem amerikanischen übersetzt von Wulf Bergner
    Verlag:  Heyne
    Genre:  Roman
    Seitenzahl:  286
    ISBN:  978-3-453-44109-3

    Verirrt und Verloren!

    Ich habe keine Angst. Überhaupt keine Angst. Der Wanderweg ist gleich dort vorn. In fünf Minuten bin ich da und renne los. Es ist wirklich ganz unmöglich, sich hier zu verlaufen …

    Meine Meinung

    „Das Mädchen“ ist eine der etwas anderen Geschichten von Stephen King …
    Das Buch erzählt von Trisha. An einem schönen Sommertag beschließt ihre Mutter, einen Ausflug in den Wald zu machen. Ihr Verhältnis zu ihrem Sohn ist nicht das Beste und die täglichen Streitereien belasten die geschiedene Frau zunehmend. Auch Trisha fühlt sich schon lange wie das letzte Rad am Wagen! Vielleicht führt dieser Ausflug ja wieder zu ein bisschen mehr Harmonie in der Familie …
    Natürlich kommt alles anders als geplant: Schon auf der Fahrt geraten die beiden Hitzköpfe wieder in Streit, der sich auch im Laufe des Tages nicht zu bessern scheint. Deswegen haben sie auch keine Augen für Trisha, die gelangweilt und genervt hinter ihnen hertrottet. Als sie dann aufs Klo muss, beschließt sie einfach kurz hinter einen Baum zu verschwinden. Ihr erster Fehler! Damit niemand sie sieht, geht sie ein Stückchen tiefer in den Wald und nimmt danach eine vermeintliche Abkürzung, um möglichst schnell wieder bei ihrer Familie zu sein. Leider ist das genau die falsche Idee, denn Trisha kommt völlig vom Weg ab. In ihrem Versuch zurück zu finden, verläuft sie sich immer weiter. Und mit der Zeit, lassen auch ihre Kräfte nach. Kann es sein, sie etwas in diesem Wald verfolgt?

    An sich ist „Das Mädchen“ wieder einmal wunderbar geschrieben. Stephen King beschreibt die Figuren und die Umgebung in der Trisha umherirrt sehr detailliert, sodass ich mir alles wunderbar vorstellen konnte und schnell das Gefühl bekam, selbst mit im Wald zu sein. Die Geschichte ist mitreißend erzählt, allerdings wirken viele Szenen künstlich in die Länge gezogen. Gerade, die, in denen es um Baseball geht, waren etwas befremdlich, da beim Leser schon deutlich mehr Grundwissen vorausgesetzt wurde, was ich aber persönlich nicht habe. Durch dieses Thema ist zwar nicht grundlegend die Spannung verloren gegangen, aber irgendwie hat es mich doch immer wieder aus dem Lesefluss herausgerissen.

    Die Figuren wurden von Anfang an sehr gut eingeführt, für Charaktere aus der Feder von Stephen King, waren sie aber dennoch zu blass gezeichnet. Der gewohnte King-Flair kommt hier einfach nicht durch. Trisha ist mit ihren 9 Jahren viel zu reif. Werden ihre Gedanken und Gefühle, als sie erkennt, dass sie sich tatsächlich verlaufen hat, noch sehr authentisch beschrieben, kippt ihr Charakter immer mehr in ein Erwachsenenbild. Seien es nun ihre Gedanken zur momentanen Familiensituation oder auch ihr Verhalten in der Wildnis.

    Das Ende passte wunderbar zum Verlauf der Geschichte. Auch wenn ich schon spektakuläreres von Stephen King gelesen habe, fragt man sich zwischendurch dennoch immer wieder, ob das Mädchen auch wirklich gerettet wird und ist sich dabei auch nie ganz sicher.

    Wie schon gesagt: „Das Mädchen“ ist eine etwas andere Geschichte von Stephen King, die ihre Leser auch sicher von sich überzeugen kann, wenn man sich ernsthaft darauf einlässt und ihr die Chance bietet, dass sie sich entfalten kann. Man darf sie sicher nicht mit seinen großen Romanen vergleichen, sie wird mir aber dennoch im Kopf bleiben, wenn ich das nächste mit meiner Familie auf Wanderschaft gehe!

  • „Brennen muss Salem“ | Stephen King

    Titel im Original:  „Salem`s Lot“
    Autor:  Stephen King
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Peter Robert
    Verlag:  Heyne Verlag
    Genre:  Horror
    Seitenzahl:  638
    ISBN:  978-3-453-44108-8

    Der Schriftsteller Ben Mears kehrt nach Jahren ins beschauliche „Salem`s Lot“ in Maine zurück. Er interessiert sich für das Marsten-Haus, das eine unheimliche Aura umweht. Ist es möglich, dass sich dort ein Vampir eingenistet hat? Ben Mears nimmt den Kampf gegen das Böse auf.

    Meine Meinung

    Romane mit Vampiren gibt es ja mittlerweile wie Sand am Meer, aber meistens leider doch nur in Verbindung mit einer Liebesgeschichte. Vor 10 Jahren fand ich das auch noch toll, doch mittlerweile sind diese Erzählungen nichts mehr für mich.
    „Brennen muss Salem“ beweist, dass auch Stephen King mit diesem Thema umgehen kann. Die 1975 erschienene Geschichte hat mich ganz besonders interessiert, da ich zwar den Film vor vielen Jahren gesehen, aber noch nie das Buch dazu gelesen habe. Und siehe da:  Spannend, gruselig und ein bisschen brutal – ein richtig guter Stephen King!

    Der Schriftsteller Benjamin Mears kehrt nach vielen Jahren in das Städtchen „Salem’s Lot“ zurück, wo er die Kindheit bei seiner Tante verbrachte. Einzig mit dem Ziel, dass als Spukhaus verrufene Marsten-Haus zu kaufen und ihm sein nächstes Buch zu widmen. Dort erschoss Hubert Marsten zuerst seine Frau und erhängte sich dann selbst im Schlafzimmer. Doch der geheimnisvolle Richard Straker ist Ben zuvorgekommen und eröffnet ein Antiquitätengeschäft in der Stadt.
    Schon bald verschwinden Menschen. Andere sterben durch akute Blutarmut. Außer Ben erkennt nur der junge Mark Petrie die große Gefahr …

    „Brennen muss Salem“ wird als einer der bekanntesten Klassiker der modernen Horrorliteratur gehandelt. Auch in meinen Augen, ist dieses Buch ein wahrer Meilenstein. Vor allem wenn man bedenkt, dass es eine der ersten Geschichten ist, die Stephen King zu Beginn seines Karriere veröffentlicht hat. Damals war er als Schriftsteller noch unbekannt und musste noch Qualität abliefern, um ein erfolgreiches Buch herauszubringen.

    Stephen King gelingt es außerordentlich geschickt, die Menschen mit all ihren Eigenarten und Macken zu zeichnen, ihre Geheimnisse offenzulegen und gleichzeitig ein Mysterium um die gesamte Kleinstadt und ihre Vergangenheit zu spinnen. Die Metaphern sind vielseitig und immer wieder treffend, sodass man das ganze Werk fast als ein gigantisches Sammelsurium der Poesie ansehen kann. Noch von keinem anderen Autoren wurde eine Bedrohung so subtil gehalten und doch so treffend umschrieben.

    Auch in diesem Buch stehen wieder mehrere Charaktere im Zentrum des Geschehens. Man hat das Gefühl, ganz „Salem’s Lot“ kennengelernt zu haben, weshalb man sich nicht nur den Einwohnern, sondern auch dem gesamten Städtchen verbunden fühlt. Einige der Charaktere mag man sofort, während man den Anderen am liebsten den Hals umdrehen würde. So geht’s mir immer bei Stephen King. Jeder Charakter besitzt seine Eigenheiten, wodurch sie nicht nur Tiefe, sondern auch Komplexität erlangen.
    Nichtsdestotrotz rückt eine Figur in den Mittelpunkt der Handlung: Ben Mears. Der mehr oder weniger erfolgreiche Schriftsteller, der nach vielen Jahren als „verlorener Sohn“ wieder zurückkehrt!

    Stephen King weiß, wie man für Spannung, Nervenkitzel und Gänsehaut sorgt. Dabei baut er beinahe mühelos einen Spannungsbogen auf, den man als Leser kaum noch aushält. „Brennen muss Salem“ schürt Ängste die ganz tief in uns verwurzelt sind und die so manchen zum Zittern bringen werden …

  • „Sleeping Beauties“ | Stephen King & Owen King

    Titel im Original:  „Sleeping Beauties“
    Autor:  Stephen King | Owen King
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Bernhard Kleinschmidt
    Verlag:  Heyne Verlag
    Genre:  Horror | Fantasy
    Seitenzahl:  959
    ISBN:  978-3-453-43955-9

    Eine mysteriöse Schlafepidemie stürzt die Menschheit weltweit ins Chaos. An einem einzigen Tag sind alle Frauen – und nur Frauen – davon befallen. Und wehe, sie werden wieder geweckt!

    Meine Meinung

    Der Roman „Sleeping Beauties“ steht nun schon seit seinem Erscheinungstag auf meiner Wunschliste, aber irgendwie habe ich nie die Hände nach ihm ausgestreckt. Ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen, wie man aus dem Thema der schlafenden Frauen, die zu Bestien werden, wenn man sie aufweckt, einen über 900 Seiten starken Roman gestalten will. Da mir aber eine Freundin kürzlich das Buch mitgebracht hat, war die Neugierde dann doch zu groß!

    In der Stadt Dooling in West Virginia ist plötzlich nichts mehr, wie es war: Alle Frauen, die einschlafen, wachen nicht mehr auf und werden in eine Art Kokon eingesponnen. Doch damit nicht genug: Entfernt man diesen und weckt die Frauen auf, werden sie zu Furien und töten alles, was ihnen in die Quere kommt! Eine Welt ohne Frauen? Für viele völlig unvorstellbar!
    Das Chaos bricht endgültig aus, als zwischen den Männern und den wenigen, noch übrigen Frauen ein Kampf ausbricht, der alles entscheiden wird: Aggression und blinde Wut gegen den Versuch, alles zu erhalten. Und mittendrin steht Evie Black, die einzige Frau, die ganz normal einschlafen und wieder aufwachen kann und hält die Fäden in der Hand!

    Stephen Kings große Stärke ist es, seine Charaktere für den Leser unheimlich nahe aufzubauen. Auch in diesem Buch macht er sich, was seine Protagonisten betrifft, alle Ehre. Wer Horden von rasenden Frauen erwartet, wird sicher enttäuscht werden, denn dieses Detail spielt zwar eine Rolle und kommt auch hier und da vor, ist aber nicht der Aufhänger für die Spannung. Viel mehr beschäftigt sich der Roman mit dem gesellschaftskritischen Hintergrund: Wie würde eine Welt aussehen, die nur von Männern bevölkert wird? Und was würde passieren, wenn die Männer herausfinden, dass es doch noch eine Frau gibt, die nicht schläft und scheinbar Kräfte besitzt, die für den ganzen Schlamassel verantwortlich sind?

    Stephen King und sein Sohn Owen haben einen sehr flüssigen Schreibstil und ich persönlich konnte beim Lesen überhaupt keine Unterschiede feststellen. Was natürlich auch von der deutschen Übersetzung beeinflusst wird. Die Geschichte entwickelt sich eher langsam, mit vielen Details und Feinheiten. Dadurch steigert sich wunderbar die Spannung. Bis zum Schluss konnte ich nicht vollständig erahnen, was wohl passiert.

    Der ausschlaggebende Teil der Handlung spielt in einem Frauengefängnis, welches vom Psychiater Dr. Clint Norcross und ein paar Verbündeten besetzt wird. Auf der anderen Seite steht die Polizei, deren Deputys am liebsten wild um sich schießen und alles schnell beenden würde! Dieses Aufeinanderprallen wird noch von einer starken Fantasy-Komponente durchmischt, denn die Frauen schlafen nicht einfach vor sich hin, sie befinden sich in einer parallelen Welt, die ihnen die Möglichkeit bietet, die Vergangenheit hinter sich zu lassen und ihr Leben neu zu beginnen!

    Besonders interessant fand ich auch die teilweise sehr skurrilen Gedankengänge der Männern, die sich selbst eine Scheinwelt ausmalen und sich als die eigentlichen Opfer sehen, obwohl deren Verhalten in der Realität das genaue Gegenteil ist!

    Alles in Allem ist „Sleeping Beauties“ subtiler Horror, mit vielen philosophischen, mystischen und fantasielastigen Elementen. Ein tolles, vielschichtiges und modernes Werk, das zum Nachdenken anregt!

  • „Der Anschlag“ | Stephen King

    Titel im Original:  „11/22/63“
    Autor:  Stephen King
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Wulf Bergner
    Verlag:  Heyne Verlag
    Genre:  Zeitreiseroman
    Seitenzahl:  1. 048
    ISBN:  978-3-453-43716-6

    Jake Epping lebt ein normales Leben, bis sein Freund Al ihm ein großes Geheimnis enthüllt:  Er kennt ein Portal, das ins Jahr 1958 führt. Und Al gewinnt ihn für eine wahnsinnige Mission. Jake soll in die Vergangenheit zurückkehren und das Attentat auf John F. Kennedy vereiteln, um den Gang der Geschichte positiv zu korrigieren.
    So beginnt für Jake ein neues Leben in einer für ihn neuen Welt …

    Meine Meinung

    Was wäre, wenn man in den Lauf der Zeit eingreifen könnte, um Verbrechen, Attentate oder Naturkatastrophen ungeschehen zu machen?
    Jake Epping, ein Lehrer der im Jahre 2011 auf einer amerikanischen High-School unterrichtet, möchte dies versuchen und schreitet durch ein Zeitportal, um in einem heruntergekommenen Imbiss in den 1950er Jahren zu landen. Doch das Zeitgeschehen lässt sich nicht ohne Widerstand manipulieren. Auf beiden Seiten der Geschichte begegnet Jake mehr als einmal Katastrophen und menschlichen Abgründen!

    Wer mit „Der Anschlag“ einen klassischen Horror-Roman im altbewährten Stil von Stephen Kings erwartet, wird hier leider enttäuscht sein. In „Der Anschlag“ zeigt er uns nochmal einen ganz anderen und vor allem noch unbekannten Blickwinkel auf die amerikanische Geschichte! Mich konnte er mit diesem Buch total fesseln. Einmalig von der ersten Seite weg …

    „Der Anschlag“ spiegelt die amerikanische Gesellschaft in den späten 50er und frühen 60er Jahren wieder, mit allen Vor- und Nachteilen. Die Charaktere sind wie immer hervorragend ausgearbeitet und man freut sich auf jede neue Szene mit den Protagonisten. Auf vielen Seiten konnte ich den Mief der Fabriken riechen und die Musik aus den Tanzlokalen hören. Selbst Nebencharaktere wie die Schüler aus Jakes Schule oder der alter humpelnder Hausmeister sind mir im Gedächtnis geblieben und total ans  Herz gewachsen.

    Eine weitere Stärke dieses Buches ist die Darstellung des Kennedy-Attentäters Lee Harvey Oswald. Er wirkte auf mich menschlich und greifbar. Auch wenn er definitiv kein freundlicher Geselle ist, mit dem man abends auf ein Bier gehen möchte, bekam ich doch ein bisschen das Gefühl ihn zu verstehen. Bei manchen Charakteren greift Stephen King ganz gezielt zur Schwarz-Weiß-Malerei, das lässt er hier aber ganz bleiben. Lee Harvey Oswald bleibt wandelbar.
    Auch die Beschattung Oswalds durch Jake Epping, die wir über mehrere Jahre begleiten, war für mich interessant und spannend nach zu verfolgen.

    Es ist schon einige Jahre her, dass ich dieses Buch zum letzten Mal gelesen habe und doch ist mir die Geschichte präsent, wie kaum eine Andere. Stephen King hat hier in meinen Augen alles richtig gemacht! Er schafft es, in über 1000 Seiten sein hohes Niveau sowohl sprachlich als auch im Erzählstil zu halten und den Leser komplett in seinen Bann zu ziehen. Und ich vermisse Jake und Sadie immer wieder!
    Ich glaube, ich muss das Buch ganz bald wieder zur Hand nehmen …

  • „Der Outsider“ | Stephen King

    Titel im Original:  „The Outsider“
    Autor:  Stephen King
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Bernhard Kleinschmidt
    Verlag:  Heyne Verlag
    Genre:  Horror
    Seitenzahl:  748
    ISBN:  978-3-453-27184-5

    Im Stadtpark von Flint City wird die geschändete Leiche eines 11jährigen Jungen gefunden. Augenzeugenberichte und Tatortspuren deuten unmissverständlich auf einen unbescholtenen Bürger: Terry Maitland, ein allseits beliebter Englischlehrer und zudem Coach der Jugendbaseballmannschaft, verheiratet, zwei kleine Töchter.

    Detective Ralph Anderson, dessen Sohn von Maitland trainiert wurde, ordnet eine sofortige Festnahme an, die in aller Öffentlichkeit sattfindet. Der Verdächtige kann zwar ein Alibi vorweisen, aber Anderson und der Staatsanwalt verfügen nach der Obduktion über eindeutige DNA-Beweise. Ein wasserdichter Fall also?

    Meine Meinung

    Die Geschichte des Outsiders beginnt mit dem schrecklichen Verbrechen an dem 11-jährigen Peter. Als sein grausam missbrauchter und misshandelter Körper in Flint City aufgefunden wird, löst das eine Welle des Entsetzen in der kleinen Stadt aus …
    Dank DNA und Zeugenberichten hat die örtliche Polizei schnell einen Verdächtigen: Terry Maitland, angesehener Lehrer, Baseballtrainer, liebender Ehemann und Vater zweier Töchter. Detective Ralph Anderson veranlasst eine schnelle Verhaftung, um das Monster aus dem Verkehr zu ziehen und weitere Kinder zu schützen. Doch während der weiteren Ermittlungen ergeben sich unwiderlegbare Beweise, dass es Maitland nicht getan haben kann. Oder kann ein Mensch tatsächlich an zwei Orten gleichzeitig sein?

    Bis dahin liest sich „Der Outsider“ wie ein klassischer Thriller. Wir begleiten die Polizei während der Zeugenaussagen und erfahren nähere Einzelheiten über die Beweise, die am Tatort gefunden wurden. Viel Polizeiarbeit, die von Stephen King aber interessant und abwechslungsreich beschrieben wurde.
    Detective Ralph Anderson ist ein pflichtbewusster, realistischer Mann, der fest an das glaubt was er tut und sieht, doch seine Sicht auf die Geschehnisse soll sich schneller ändern, als ihm lieb ist: Aus dem anfangs so klaren Mordfall wird eine immer deutlichere Horrorstory! Diese unaussprechliche mysteriöse Präsenz, die Gestalt annimmt und für die es keine besondere Erklärung zu geben scheint.

    Durch die vielen Perspektivenwechsel nimmt Stephen King den Leser an die Hand. Er zeigt uns grauenhafte Details und lässt uns durch die Augen der Polizei blicken, bis man selbst denkt, der Fall ist wasserdicht. Doch dann sät er die ersten eindringlichen Zweifel. Kann das wirklich sein? Wie kann Coach Maitland den Jungen umbringen und gleichzeitig an einem ganz anderen Ort sein?

    Natürlich kann man bei Stephen King auch mal die Längen in seinen Geschichten bemängeln, aber bei seinen Figuren spart er definitiv nie an Tiefe. Ich bin immer wieder erstaunt, wie es ihm gelingt, seine Charaktere im Laufe der Handlung wachsen zu lassen und einige konnten mich auch hier mit ihrer Entwicklung überraschen. Außerdem liebe ich es, wenn eine Geschichte in einer Kleinstadt spielt, in der jeder jeden kennt und sich durch das Handeln der Protagonisten Konflikte anbahnen, die Großstädter so nicht kennen. Damit setzt er Dynamiken in Gang, deren Ausmaß niemand vorhersehen kann.

    Eine Warnung muss ich allerdings aussprechen:  Wenn ihr die Bill Hodges-Trilogie um den „Mr. Mercedes-Killer“ noch nicht kennt, solltet ihr diese unbedingt vorher lesen, denn in diesem Buch werdet ihr auf jeden Fall über den Ausgang der Trilogie gespoilert …
    In „Der Outsider“ wird Holly Gibney von Finders Keepers die Partnerin des ermittelnden Detectives, der bei der Verhaftung Terry Maitlands in vieler Hinsicht falsch entschieden hat. Er ist nun hoch motiviert, den wirklichen Täter zu fassen und den unschuldigen Familienvater zu rehabilitieren.
    Holly wird Ralph Anderson überzeugen müssen, dass es Phänomene gibt, die seinem bisherigen Denken und Wissen wiedersprechen …