• „Der Anschlag“ | Stephen King

    Titel im Original:  „11/22/63“
    Autor:  Stephen King
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Wulf Bergner
    Verlag:  Heyne Verlag
    Genre:  Zeitreiseroman
    Seitenzahl:  1. 048
    ISBN:  978-3-453-43716-6

    Jake Epping lebt ein normales Leben, bis sein Freund Al ihm ein großes Geheimnis enthüllt:  Er kennt ein Portal, das ins Jahr 1958 führt. Und Al gewinnt ihn für eine wahnsinnige Mission. Jake soll in die Vergangenheit zurückkehren und das Attentat auf John F. Kennedy vereiteln, um den Gang der Geschichte positiv zu korrigieren.
    So beginnt für Jake ein neues Leben in einer für ihn neuen Welt …

    Meine Meinung

    Was wäre, wenn man in den Lauf der Zeit eingreifen könnte, um Verbrechen, Attentate oder Naturkatastrophen ungeschehen zu machen?
    Jake Epping, ein Lehrer der im Jahre 2011 auf einer amerikanischen High-School unterrichtet, möchte dies versuchen und schreitet durch ein Zeitportal, um in einem heruntergekommenen Imbiss in den 1950er Jahren zu landen. Doch das Zeitgeschehen lässt sich nicht ohne Widerstand manipulieren. Auf beiden Seiten der Geschichte begegnet Jake mehr als einmal Katastrophen und menschlichen Abgründen!

    Wer mit „Der Anschlag“ einen klassischen Horror-Roman im altbewährten Stil von Stephen Kings erwartet, wird hier leider enttäuscht sein. In „Der Anschlag“ zeigt er uns nochmal einen ganz anderen und vor allem noch unbekannten Blickwinkel auf die amerikanische Geschichte! Mich konnte er mit diesem Buch total fesseln. Einmalig von der ersten Seite weg …

    „Der Anschlag“ spiegelt die amerikanische Gesellschaft in den späten 50er und frühen 60er Jahren wieder, mit allen Vor- und Nachteilen. Die Charaktere sind wie immer hervorragend ausgearbeitet und man freut sich auf jede neue Szene mit den Protagonisten. Auf vielen Seiten konnte ich den Mief der Fabriken riechen und die Musik aus den Tanzlokalen hören. Selbst Nebencharaktere wie die Schüler aus Jakes Schule oder der alter humpelnder Hausmeister sind mir im Gedächtnis geblieben und total ans  Herz gewachsen.

    Eine weitere Stärke dieses Buches ist die Darstellung des Kennedy-Attentäters Lee Harvey Oswald. Er wirkte auf mich menschlich und greifbar. Auch wenn er definitiv kein freundlicher Geselle ist, mit dem man abends auf ein Bier gehen möchte, bekam ich doch ein bisschen das Gefühl ihn zu verstehen. Bei manchen Charakteren greift Stephen King ganz gezielt zur Schwarz-Weiß-Malerei, das lässt er hier aber ganz bleiben. Lee Harvey Oswald bleibt wandelbar.
    Auch die Beschattung Oswalds durch Jake Epping, die wir über mehrere Jahre begleiten, war für mich interessant und spannend nach zu verfolgen.

    Es ist schon einige Jahre her, dass ich dieses Buch zum letzten Mal gelesen habe und doch ist mir die Geschichte präsent, wie kaum eine Andere. Stephen King hat hier in meinen Augen alles richtig gemacht! Er schafft es, in über 1000 Seiten sein hohes Niveau sowohl sprachlich als auch im Erzählstil zu halten und den Leser komplett in seinen Bann zu ziehen. Und ich vermisse Jake und Sadie immer wieder!
    Ich glaube, ich muss das Buch ganz bald wieder zur Hand nehmen …

  • „Der Outsider“ | Stephen King

    Titel im Original:  „The Outsider“
    Autor:  Stephen King
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Bernhard Kleinschmidt
    Verlag:  Heyne Verlag
    Genre:  Horror
    Seitenzahl:  748
    ISBN:  978-3-453-27184-5

    Im Stadtpark von Flint City wird die geschändete Leiche eines 11jährigen Jungen gefunden. Augenzeugenberichte und Tatortspuren deuten unmissverständlich auf einen unbescholtenen Bürger: Terry Maitland, ein allseits beliebter Englischlehrer und zudem Coach der Jugendbaseballmannschaft, verheiratet, zwei kleine Töchter.

    Detective Ralph Anderson, dessen Sohn von Maitland trainiert wurde, ordnet eine sofortige Festnahme an, die in aller Öffentlichkeit sattfindet. Der Verdächtige kann zwar ein Alibi vorweisen, aber Anderson und der Staatsanwalt verfügen nach der Obduktion über eindeutige DNA-Beweise. Ein wasserdichter Fall also?

    Meine Meinung

    Die Geschichte des Outsiders beginnt mit dem schrecklichen Verbrechen an dem 11-jährigen Peter. Als sein grausam missbrauchter und misshandelter Körper in Flint City aufgefunden wird, löst das eine Welle des Entsetzen in der kleinen Stadt aus …
    Dank DNA und Zeugenberichten hat die örtliche Polizei schnell einen Verdächtigen: Terry Maitland, angesehener Lehrer, Baseballtrainer, liebender Ehemann und Vater zweier Töchter. Detective Ralph Anderson veranlasst eine schnelle Verhaftung, um das Monster aus dem Verkehr zu ziehen und weitere Kinder zu schützen. Doch während der weiteren Ermittlungen ergeben sich unwiderlegbare Beweise, dass es Maitland nicht getan haben kann. Oder kann ein Mensch tatsächlich an zwei Orten gleichzeitig sein?

    Bis dahin liest sich „Der Outsider“ wie ein klassischer Thriller. Wir begleiten die Polizei während der Zeugenaussagen und erfahren nähere Einzelheiten über die Beweise, die am Tatort gefunden wurden. Viel Polizeiarbeit, die von Stephen King aber interessant und abwechslungsreich beschrieben wurde.
    Detective Ralph Anderson ist ein pflichtbewusster, realistischer Mann, der fest an das glaubt was er tut und sieht, doch seine Sicht auf die Geschehnisse soll sich schneller ändern, als ihm lieb ist: Aus dem anfangs so klaren Mordfall wird eine immer deutlichere Horrorstory! Diese unaussprechliche mysteriöse Präsenz, die Gestalt annimmt und für die es keine besondere Erklärung zu geben scheint.

    Durch die vielen Perspektivenwechsel nimmt Stephen King den Leser an die Hand. Er zeigt uns grauenhafte Details und lässt uns durch die Augen der Polizei blicken, bis man selbst denkt, der Fall ist wasserdicht. Doch dann sät er die ersten eindringlichen Zweifel. Kann das wirklich sein? Wie kann Coach Maitland den Jungen umbringen und gleichzeitig an einem ganz anderen Ort sein?

    Natürlich kann man bei Stephen King auch mal die Längen in seinen Geschichten bemängeln, aber bei seinen Figuren spart er definitiv nie an Tiefe. Ich bin immer wieder erstaunt, wie es ihm gelingt, seine Charaktere im Laufe der Handlung wachsen zu lassen und einige konnten mich auch hier mit ihrer Entwicklung überraschen. Außerdem liebe ich es, wenn eine Geschichte in einer Kleinstadt spielt, in der jeder jeden kennt und sich durch das Handeln der Protagonisten Konflikte anbahnen, die Großstädter so nicht kennen. Damit setzt er Dynamiken in Gang, deren Ausmaß niemand vorhersehen kann.

    Eine Warnung muss ich allerdings aussprechen:  Wenn ihr die Bill Hodges-Trilogie um den „Mr. Mercedes-Killer“ noch nicht kennt, solltet ihr diese unbedingt vorher lesen, denn in diesem Buch werdet ihr auf jeden Fall über den Ausgang der Trilogie gespoilert …
    In „Der Outsider“ wird Holly Gibney von Finders Keepers die Partnerin des ermittelnden Detectives, der bei der Verhaftung Terry Maitlands in vieler Hinsicht falsch entschieden hat. Er ist nun hoch motiviert, den wirklichen Täter zu fassen und den unschuldigen Familienvater zu rehabilitieren.
    Holly wird Ralph Anderson überzeugen müssen, dass es Phänomene gibt, die seinem bisherigen Denken und Wissen wiedersprechen …

  • „In einer kleinen Stadt“ | „Needful Thinks“ | Stephen King

    Titel im Original:  „Needful Things“
    Autor:  Stephen King
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Christel Wiemken
    Verlag:  Heyne Verlag
    Genre:  Horror
    Seitenzahl:  860
    ISBN:  978-3-453-43399-1

    Leland Gaunt, ein mysteriöser Fremder, eröffnet in Castle Rock einen Laden mit dem Namen „Needful Things“, in dem jeder das bekommen kann, wovon er schon lange träumt. Doc alles hat seinen Preis – und Gaunt bestimmt ihn, denn er kennt die verborgenen Sehnsüchte und Schwächen jedes Einzelnen.
    Der Albtraum beginnt …

    Meine Meinung

    „Needful Thinks“ gehört bereits seit vielen Jahren zu meinen Lieblingsbüchern von Stephen King!

    Leland Gaunt eröffnet in dem Städtchen Castle Rock einen kleinen Laden namens »Needful Things«, in dem man allerlei Krimskrams und Antiquitäten kaufen kann. Bereits vor der Eröffnung entdecken schon die ersten Bewohner Dinge, die sie unbedingt haben wollen. Kurioserweise kosten diese stets mehr als der Interessent zur Verfügung hat, daher überlässt er ihnen den heißersehnten Gegenstand nur unter der Bedingung, dass er einem seiner Mitbürger einen harmlosen Streich spielt.
    Was anfänglich noch harmlos klingt, entpuppt sich schnell als perfides Spiel eines bösen Wesens in Gestalt eines gut gekleideten Mannes!

    Bereits von der ersten Seite an, beginnt die Geschichte interessant zu werden!
    Stephen King hat die einzelnen Charaktere sehr gut gezeichnet und miteinander in Verbindung gebracht. Beinah jeder in Castle Rock hat eine dunkle Vergangenheit: Angefangen bei der Frau, die ihren brutalen Ehemann erstochen hat, bis hin zum Polizeibeamten, der schon lange mit dem Stadtrat im Clinch liegt.
    Wir bekommen hier ein verworrenes Spiel aus Kleinstadtintrigen, Neid und Ablehnung bis hin zum abgrundtiefen Hass. Die Lage spitzt sich mehr und mehr zu, doch der Leser erfährt tatsächlich erst ganz zum Schluss, was Leland Gaunts Beweggründe für seine Geschäfte sind. Bis dahin ist es ein langer und teils brutaler Weg, der die Bevölkerung von Castle Rock spaltet und in ihren Grundfesten erschüttert.

    Neben den detaillierten Beschreibungen und dem gezielten Aufbau der Spannung fand ich auch den psychologischen Aspekt sehr gut umgesetzt. Wir folgen den Personen in ihren Gedankengängen, sowohl bei der Ausübung des Streichs, aber auch wenn sie hinter der Bosheit sofort zu wissen glauben, wer ihnen etwas angetan hat. Man lernt schnell, dass man nicht immer sofort vom Offensichtlichen ausgehen sollte. Es hilft auch miteinander zu sprechen!

    „Needful Things“ ist definitiv eines der gemeinsten Bücher, die Stephen King je geschrieben hat …
    Wer möchte seinem ungeliebten Nachbarn, nicht auch mal einen harmlosen Streich spielen, ohne dass dieser weiß, wer es wirklich war? Wenn euch genau solche Gedanken plagen, könntet ihr euch mit diesem Buch unter Umständen sogar eine teure oder zeitaufwendige Therapie ersparen …

  • „Mind Control“ | Stephen King

    Titel im Original: „End of Watch“
    Autor: Stephen King
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Bernhard Kleinschmidt
    Verlag: Heyne Verlag
    Genre: Thriller
    Bill Hodges-Trilogie, Band 3
    Seitenzahl: 523
    ISBN: 978-3-453-27086-2

    Brady Hartsfield, verantwortlich für das Mercedes-Killer-Massaker mit vielen Toten, liegt seit fünf Jahren in einer Klinik für Neurotraumatologie im Wachkoma. Seinen Ärzten zufolge wird er sich nie erholen. Doch hinter all dem Sabber und In-die-Gegend-Starren ist Brady bei Bewusstsein – und er besitzt tödliche neue Kräfte, mit denen er unvorstellbares Unheil anrichten kann, ohne sein Krankenzimmer je zu verlassen.

    Ex-Detective Bill Hodges, der pensionierte Ermittler aus Mr. Mercedes und Finderlohn, kann die Selbstmordepidemie in der Stadt mit Brady in Verbindung bringen, aber da ist es schon zu spät!

    Meine Meinung

    Brady Hartsfield ist zurück. Der Attentäter, dessen Amokfahrt acht unschuldige Menschen das Leben gekostet hat und zahlreiche Schwerverletzte hinterließ. Bill Hodges, Holly Gibney und Jerome Robinson waren es, die den Verrückten schlagkräftig aus dem Gefecht gezogen haben. Nachdem Bill mit seinen Freunden die erfolgreiche Privatagentur „Finders Keepers“ gegründet hat, werden er und Holly erneut an einen Tatort gerufen: Bills ehemaliger Partner bei der Polizei setzt die Beiden auf einen doppelten Suizid an. Und die Opfer sind für ihn keine Unbekannten …
    Schnell wird klar, dass es nicht bei diesen zwei Toten bleiben wird. Täglich gehen neue Meldungen von Selbstmorden ein. Warum findet Holly bei jedem Toten eine alte Spielkonsole, die eigentlich schon lange vom Markt genommen wurde?

    Seit fünf Jahren liegt Brady Hartsfield nun mit einem Schädel-Hirn-Trauma in einer neurologischen Klinik im Koma … und das ist auch gut so. Aber allmählich fallen dem Klinikpersonal eigenartige Veränderungen im Verhalten ihres Patienten auf, die Bill Hodges auf den Plan rufen. Er ist überzeugt davon, dass Hartsfield das personifizierte Böse und selbst in seinem komatösen Zustand äußerst gefährlich ist!

    Natürlich ist „Mind Control“ wieder ein Plot, den so nur Stephen King ersinnen und spannend zu Papier bringen kann. Anfangs habe ich mich doch sehr darüber geärgert, dass der Titel und der Klappentext schon so viel von der eigentlichen Geschichte verraten. „Mind Control“! Ein Wachkomapatient, der übersinnliche Fähigkeiten entwickelt. Da ist es nicht schwer zu erraten, wer oder was hintern den vermeintlichen Suiziden steckt. Dennoch muss ich eingestehen, dass die Geschichte viel cleverer und strategischer durchdacht wurde, als man nach den Ereignissen in „Finderlohn“ und den Angaben am Buch schon mitbekommt!

    In diesem Buch kehrt der Autor wieder zu seinen Ursprüngen zurück. Vieles hat mich an seine früheren Geschichten erinnert, die auch für mich noch immer zu den Besten gehören! Stephen King schreibt wie gewohnt bildlich und mitreißend. In einer wunderbar fließenden und intensiven Sprache, die genau die richtige Spannung und Atmosphäre aufkommen lässt. Aber auch die für ihn so typische Leichtigkeit ist in diesem Buch wieder zu finden.

    Der Autor verzichtet in „Mind Control“ nahezu auf Nebencharaktere, er fokussiert sich voll und ganz auf seine vier Protagonisten. Zumindest entstand für mich schon sehr schnell dieser Eindruck, da auch Nebenschauplätze deutlich weniger Raum als gewohnt bekommen. Dadurch ist die Geschichte sehr geballt.

    Treten die beiden Vorgänger noch eher als Kriminalromane bzw. Thriller mit Schwerpunkt auf der Ermittlerfigur an den Plan, überwiegen im letzten Teil die übernatürlichen Elemente, die ganz klar in Richtung Horror weisen. Er arbeitet mit leisem Grauen, das sich allmählich in die Geschichte einschleicht und von ihr Besitz ergreift …

  • „Finderlohn“ | Stephen King

    Titel im Original: „Finders Keepers“
    Autor: Stephen King
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Bernhard Kleinschmidt
    Verlag: Heyne Verlag
    Genre: Thriller
    Bill Hodges-Trilogie, Band 2
    Seitenzahl: 539
    ISBN: 978-3-453-27009-1

    John Rothstein hat in den 60er Jahren drei berühmte Romane veröffentlicht, seither aber nichts mehr. Morris Bellamy, ein psychopathischer Verehrer, ermordet den Autor aus Wut über dessen „Verrat“. Seine Beute besteht aus einer großen Menge Geld und einer wahren Fundgrube an Notizbüchern. Bellamy vergräbt vorerst alles – und wandert dummerweise für ein völlig anderes Verbrechen in den Knast. Jahre später stößt der junge Peter Saubers auf den „Schatz“ und unterstützt mit dem Geld bis auf den letzten Cent seine Not leidende Familie.

    Nach 35 Jahren Haft wird Bellamy entlassen. Er kommt Peter, der nun die Notizbücher zu Geld machen will, auf die Spur und macht Jagd auf ihn.

    Meine Meinung

    Es gibt Bücher, die prägen ihre Leser maßgeblich. Man ist vernarrt in die Protagonisten, die Geschichte ist immer wieder von Neuem spannend und obwohl man sie schon etliche Male gelesen hat, findet man immer wieder neue Details. Genau so geht es Pete Saubers, nachdem er im Wald einen Koffer mit Notizbüchern von John Rothstein findet und die darin enthaltenen Manuskripte liest. Auch Morris Bellamy, der 30 Jahre zuvor in das Haus des Autors einbricht und diesen ermordet, war ein ebenso großer Narr. Warum dann diese irre Tat? Nicht des Geldes wegen, sondern aus reiner Rache, da der Autor Morris‘ Lieblingscharakter nicht das von ihm gewünschte Ende gegönnt hat. Er war es, der die Notizbücher im Wald vergrub, die viele Jahre später Peter Saubers Leben so maßgebend verändern sollen …

    Ich verfolge die Hodges-Trilogie wirklich gern. Dass Stephen King klassischen Horror schreiben kann, wissen wir ja schon, aber auch bei Kriminalgeschichten macht er seine Sache wirklich hervorragend. Zudem ist dieses Buch für mich eine Art Liebeserklärung an das geschriebene Wort. Wir alle haben Bücher, aus denen wir Kraft schöpfen und bei denen wir es lieben über weitere Erzählstränge zu sinnieren. Das macht für mich einen großen Teil der Magie von „Finderlohn“ aus.

    Bill Hodges ist nach den vergangenen Geschehnissen wieder ruhiger geworden und hat einen neuen Lebensmittelpunkt gefunden. Er arbeitet als privater Ermittler bei seiner Firma „Finders Keepers“ wo auch Holly als seine große Unterstützung mit von der Partie ist. Nachdem sie vor einigen Jahren gemeinsam Brady Hartsfield zur Strecke gebracht haben, hat sich ihre platonische Freundschaft gefestigt und auch Holly blüht in ihrem neuen selbstständigen Leben auf. Sie verliert immer mehr ihre Schüchternheit und ist anderen Menschen gegenüber offener und fröhlicher.

    „Mr. Mercedes“ war ein spannender Kriminalroman mit starken Thriller-Elementen. „Finderlohn“ geht hier einen Schritt zurück und bedient sich nur noch sehr wenigen Krimivorgaben. Es wirkt dadurch beinahe stärker, obwohl die Spannung im ersten Buch deutlich größer war. Dennoch solltet ihr die Geschichte nicht unterschätzen. Es ist ein grandios geschriebenes Buch über Wahnsinn, Abhängigkeit und einer großen Portion jugendlichen Leichtsinns, das fesselt und für ausreichend Tiefgang sorgt.

    Natürlich setzt Stephen King auch in diesem Buch wieder auf einige kingtypischen Elemente, wie beispielsweise auf den Schriftsteller, der eine große Rolle spielt, aber auch das er sich für das Kennenlernen der Protagonisten und der Geschichte sehr viel Zeit nimmt, aber genau das erwarte ich mir mittlerweile von diesem Autor und macht für mich das „Heimkommen“-Gefühl aus!