• „Terror“ | Ferdinand von Schirach

    Autor: Ferdinand von Schirach
    Verlag: btb Verlag
    Genre: Roman als Theaterstück
    Seitenzahl:  164
    ISBN: 978-3-442-71496-4

    Ein Terrorist kapert eine Maschine der Lufthansa und zwingt den Piloten, Kurs auf die vollbesetzte Allianz-Arena zu nehmen. Gegen den Befehl seiner Vorgesetzten schießt ein Kampfpilot der Luftwaffe das Flugzeug ab, alle Passagiere sterben. Der Mann muss sich vor Gericht für sein Handeln verantworten. Seine Richter sind die Leser, sie müssen über Schuld und Unschuld urteilen.

    Rezensionsexemplar  –  Vielen Dank an den Verlag!

    Meine Meinung

    Auch wenn mich „Terror“ von Ferdinand von Schirach in diesem Monat absolut von sich überzeugt hat, kann ich euch bei 164 Seiten und einem so detaillierten Klappentext gar nicht mehr ausführlicher von der Geschichte berichten.
    Ich würde „Terror“ für Jeden empfehlen, der sich intensiver mit ethischen Fragen auseinandersetzen möchte. In diesem Buch entscheidet ihr als Leser über das Urteil des Kampfpiloten Lars Koch. Wir verfolgen die gesamte Gerichtsverhandlung, bei der die unterschiedlichsten Standpunkte vertreten und sehr detailliert aufgezeigt werden, wobei uns der Autor am Ende selbst die Entscheidung über schuldig oder unschuldig überlässt!

    Wie hätte man selbst gehandelt?
    Welche Moralvorstellungen würden bei einem selbst die Oberhand übernehmen?
    Würde man selbst den Kampfpiloten freisprechen? … oder eher verurteilen?

    Die Geschichte ist in Form eines Drehbuchs oder Theaterstücks verfasst, jedoch ist die Geschichte sehr gut und flüssig lesbar. Ferdinand von Schirach hat eine wunderbar klare und eindringliche Sprache und, obwohl es sich hier um einen fiktiven Fall handelt, spricht er auch unangenehme Themen bzw. Überzeugungen klar und ohne Verschönungen an.

    Die Geschichte wirkt unheimlich real und trifft in meinen Augen den heutigen Zeitgeist auf den Punkt! Es entstehen einige gute Gesprächsthemen für Diskussionen, jedoch sollte sich im Nachhinein jeder Einzelne im Stillen mit seiner Meinung selbst beschäftigen und sich über seine Überzeugung im Klaren werden …

    Im gleichen Buch ist auch die Preisrede des Autoren zur Verleihung des M100-Sanssouci Medien Preises an „Charlie Hebdo“ abgedruckt. Hier zeigt sich seine rechtstaatliche Verwurzelung und sein starkes Engagement für Besonnenheit. Er warnt mit Benjamin Franklin Worten „Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren!“

    Wieder ein sehr interessantes und gelungenes Buch von Ferdinand von Schirach und sicher nicht mein Letztes!

  • „Der Fall Collini“ | Ferdinand von Schirach

    Autor: Ferdinand von Schirach
    Verlag: Piper Verlag
    Genre: Roman
    Seitenzahl:  193
    ISBN: 978-3-492-30146-6

    34 Jahre hat der Italiener Fabrizio Collini als Werkzeugmacher bei Mercedes-Benz gearbeitet. Unauffällig und unbescholten. Und dann ermordet er in einem Berliner Luxushotel einen alten Mann. Grundlos wie es aussieht. Als der junge Anwalt Caspar Leinen die Pflichtverteidigung für Fabrizio Collini zugewiesen bekommt, erscheint im der Fall die vielversprechende Karrierechance zu sein, auf die er gewartet hat. Doch als er erfährt, um wen es sich bei dem Mordopfer handelt, wird der Prozess zu seinem persönlichen Albtraum!

    Meine Meinung

    Ferdinand von Schirach zeigt uns in seinem Buch „Der Fall Collini“ eine verheerende Geschichte, die im 2. Weltkrieges ihren Anfang nimmt und dessen Spuren sich noch bis in die heutige Zeit ziehen.

    Die Geschichte handelt von einem jungen Anwalt, der seinen ersten Fall als Pflichtverteidiger übernimmt. Als dieser voller Eifer loslegen will muss er jedoch feststellen, dass sein Mandant gar nicht anwaltlich vertreten werden möchte. Rechtsanwalt Caspar Leinen macht sich also selbst auf die Suche nach der Wahrheit.
    Bei einem so kurzen Roman möchte man gar nicht zu viel verraten. Es geht um die große Frage, was einen Menschen dazu treibt, einen Mord zu begehen, wenn er doch selbst bis dahin nie gewalttätig und irgendwie anders auffällig wurde. Jeder Leser wird seinen eigenen Schwerpunkt in der Geschichte setzen …

    Das Buch ist voller Spannung und endet, wie man es definitiv nicht vorhergesehen hat. Das Kernthema behandelt die nachlässige Gesetzgebung, mit der in Deutschland mit NS-Verbrechen bzw. den ausführenden Soldaten in den ersten Jahrzehnten nach dem 2. Weltkrieg umgegangen wurde. Neben dem lehrreichen Aspekt, der mich als Leser total in den Bann gezogen hat, fand ich die Art, wie der Autor die Geschichte erzählt, äußerst unterhaltsam. Auch das Verhalten der Anwälte untereinander trägt zur Intensivierung der Geschichte bei.

    Ferdinand von Schirach arbeitet selbst als Anwalt, daher habe etwas vermehrt mein Augenmerk auf die Szenen im Gericht gelegen. Diese fand ich gut ausgearbeitet, sehr sachlich und klar präsentiert. Jedoch ohne viel Schnickschnack, der uns die Geschichte unnötig verschönert.

    Oberflächlichkeiten sind mitunter die Merkmale unserer heutigen Zeit. In die Tiefe zu gehen bedeutet oft, auf Dinge zu stoßen, die Zweifel, Wut und Schmerzen verursachen könnten. Ist es unserer Gemütlichkeit geschuldet, dass wir heutzutage lieber die Dinge so zur Kenntnis nehmen, wie wir sie auf den ersten Blick sehen?
    Beharrlichkeit und der eiserne Wille, einer Sache auf den Grund zu gehen, ist zwar manchmal unbequem, lohnt sich aber letztendlich doch …