• „Klosterkind“ | Anna Castronovo

    Autor:  Anna Castronovo
    Verlag:  Books on Demand
    Genre:  Roman
    Seitenzahl:  305
    ISBN:  978-3-752-82109-3

    Sizilien 1981. Die siebenjährige Filomena ist verzweifelt. Ihre Mutter hat sie in ein Klosterinternat gebracht, in dem strenge Klausur herrscht. Um zu fliehen, macht sie sich auf die Suche nach einem unterirdischen Gang, der aus dem Kloster herausführen soll. Bei ihren heimlichen Streifzügen stößt sie auf die Spuren von Suor Crocifissa della Concezione, die vor 300 Jahren im selbe Kloster lebte und in den düsteren Gängen dem Teufel begegnete. Die Geschichte der Nonne zieht Filomena immer mehr in ihren Bann, bis sie eines Tages beginnt, von Madre Crocifissa zu träumen …
    Warum wurde Filomena ins Kloster gebracht? Wird sie ihre Mutter je wiedersehen? Und was hat es mit der geheimnisvollen Nonne auf sich?

    Meine Meinung

    In „Klosterkind“ begegnen wir der junge Filomena, die in den 1980ern, ohne große Erklärungen, mit gerade mal sieben Jahren von ihrer Mutter im Kloster ihres Heimatortes abgegeben wurde. Wir begleiten sie durch ihre Kindheit, lernen mit ihr lesen und schreiben und gehen mit ihr den Weg zu Suor Maria Crocifissa della Concezione, die dem verschüchterten Mädchen indirekt das Herz zu Gott öffnet.
    Filomena verbringt die 11 Jahre bis zu ihrem 18. Geburtstag hinter Klostermauern, dabei verwebt die Autorin geschickt ihre fiktive Lebensgeschichte mit historischen Überlieferungen über die sagenumwobene Nonne die von 1645 bis 1699 im italienischen Agrigento lebte!

    „Klosterkind“ ist ein berührendes und starkes Buch das zu Herzen geht! Anna Castronovo hat einen sehr flüssigen und bildgewaltigen Schreibstil, der zwar klar im Ausdruck ist, in mir aber dennoch starke Emotionen wach gerufen hat. Ich konnte mit Filomena mitfühlen und habe mich immer wieder gefragt, was in ihre Mutter gefahren ist, dass sie einfach so ein Kind weggibt und vom Erdboden verschwindet!

    Das Buch ist eine gekonnte Mischung aus Schicksals- und Entwicklungsroman, der aber auch große Elemente aus der historischen Mystery mitbringt. Er regt die Gedanken der Leser über Schuld, Moral und Glaube an, dabei wird die Geschichte aber niemals aufdringlich, wertend oder unangenehm!
    Die mystischen Elemente, die mit den Träumen und Wahrnehmungen des Mädchens zusammenhängen sind sehr geschickt in die Handlung eingeflochten und lassen dem Leser immer selbst die Entscheidung, ob er sie als real oder als Hirngespinst abtut. Es steckt so viel zwischen den Zeilen und selbst nachdem man das Buch zu Ende gelesen hat, ist Filomena immer noch da …

    Die Lebensgeschichte von Suor Maria Crocifissa della Concezione ist mit kleinen Änderungen ausgesprochen spannend in den Roman eingebettet. Die biografischen Daten sind auch im Anhang des Romans zu finden.

    Anna Castronovo hat es geschafft, eine tolle Protagonistin zu erschaffen, die sehr glaubwürdig und authentisch rüber kommt. Auch das strenge Leben der Nonnen in Klausur und deren Umgang mit den Schülerinnen in den 80er Jahren war in meinen Augen glaubhaft dargestellt. Besonders die ältere Nonne, die im Laufe der Jahre den Stand von Filomenas Ziehmutter annimmt, fand ich wunderbar ausgearbeitet. Natürlich muss man, mit dem Konstrukt der Kirche gut zurechtkommen. Der allgegenwärtige Glaube an Gott ist der Grundpfeiler dieses Romans!

    „Klosterkind“ ist ein mitreißendes Buch über zwei interessante sizilianische Frauen, das die Gedanken und Gefühle der Leser anregt!

  • „Das Buch der seltsamen neuen Dinge“ | Michel Faber

    Titel im Original:  „The Book of strange new Thinks“
    Autor:  Michel Faber
    Aus dem Englischen übersetzt von Malte Krutzsch
    Verlag:  Kein & Aber
    Genre:  Roman | Science Fiction | Religion | Apokalypse
    Seitenzahl:  679
    ISBN:  978-3-0369-5779-1

    Der junge Pastor Peter Leigh wird auf die Reise seines Lebens geschickt – nur darf seine Frau Bea ihn nicht begleiten. Um in Kontakt zu bleiben, schicken sie sich Briefe. Doch nie zuvor in der Geschichte der Menschheit musste eine Liebe eine derart große Distanz überbrücken.

    Meine Meinung

    Als ich den Klappentext zu diesem Buch das erste Mal las, hatte ich sofort ein klares Bild der Geschichte im Kopf. Und ich lag ja sowas von Falsch! So beeindruckend schlicht und flüssig die Sprache Michel Fabers auch ist, so ungewöhnlich und unvorhersehbar ist die Geschichte, die hier erzählt wird …

    Wir begleiten den Geistlichen Peter Leigh, der von einem NASA-inspirierten Großkonzern auf einen ferne Planten namens „Oasis“ geschickt wird. Zu seiner großen Überraschung nehmen die dortigen Bewohner seine biblischen Erzählungen begierig auf und möchten ganz nach dem Wort Gottes leben. Sie nennen die Bibel „Das Buch der seltsamen neuen Dinge“!
    In vielen Briefen berichtet er seiner zu Hause gebliebenen Frau von dieser offensichtlich bequemen Mission. Sie dagegen schreibt von einer veränderten Welt, in der Erdbeben und Flutwellen ganze Staaten vernichten und wo Lebensmittel zur Mangelware werden. Doch für Peter ist das alles sehr weit weg …

    Michel Faber liefert uns einen tollen Roman, der nicht wirklich einem Genre zuzuteilen ist. Die Science Fiction war für mich zwar immer präsent, ist im Großen und Ganzen aber nur ein gut eingesetztes Stilmittel des Autors. Ebenso die apokalyptischen Geschehnisse auf der Erde. Das Buch besticht auch nicht durch seine rasante Action: Sie ist eher ruhig und intensiv erzählt und verlässt nur selten das Seelenleben unseres Hauptprotagonisten. Die Sprache ist schlicht und angenehm flüssig. Das Hauptaugenmerk liegt gezielt auf dem christlichen Glauben. Darum, wie er sich in einem Menschen manifestiert und was ein gläubiger Mensch mit Gottes Beistand alles zu ertragen weiß. Der Roman kreist um Erinnern und Vergessen, Fremdheit und Vertrautheit, um Nähe und Abschied.

    Eigentlich habe ich mir vom Leben auf der Oasis mehr Abenteuer, Spannung und Gefahren erwartet, stattdessen stellt sich dieser als friedlicher Ort heraus. Beinahe schon idyllisch! Auf der Erde hingegen ereignet sich eine Naturkatastrophe nach der Anderen. Es wird zwar nie ausgesprochen, doch liegt es nahe, dass diese durch die Klimaerwärmung ausgelöst wurden. Bea durchleidet Dramen, die für Peter in immer weitere Ferne rücken. Wie kann der Partner nachvollziehen, was einem selbst widerfährt? … man spürt in den Briefen deutlich, wie die Beiden voneinander wegdriften und die Realität des Anderen sich entfernt.

    Während andere Schriftsteller fast jährlich einen neuen Roman veröffentlichen, hat sich Michel Faber für sein aktuelles Buch mehr als sechs Jahre Zeit gelassen. An vielen Stellen schimmert die Trauer um seine an Krebs verstorbene Frau durch. Dennoch hat Michel Faber eine wunderbare Geschichte geschaffen, in dem man als Leser auch ohne strengen Glauben ganz aufgeht.