• „Die Katze und der General“ | Nino Haratischwili

    Autor: Nino Haratischwili
    Verlag: Frankfurter Verlags-Anstalt
    Genre: Roman
    Shortliste Deutscher Buchpreis 2018
    Seitenzahl:  750
    ISBN: 978-3-627-00254-1

    Alexander Orlow, ein russischer Oligarch und von allen »Der General« genannt, hat ein neues Leben in Berlin begonnen. Doch die Erinnerungen an seinen Einsatz im Ersten Tschetschenienkrieg lassen ihn nicht los. Die dunkelste ist jene an die grausamste aller Nächte, nach der von der jungen Tschetschenin Nura nichts blieb als eine große ungesühnte Schuld. Der Zeitpunkt der Abrechnung ist gekommen.

    Meine Meinung

    Was für ein wahnsinnig anstrengendes Buch …

    „Die Katze und der General“ ist das neueste Werk der hochgelobten Autorin Nino Haratischwili von der man in den letzten Jahren nur Lobeshymnen hört. Nachdem das Buch nun auch für die Shortliste des Deutschen Buchpreises 2018 nominiert wurde, habe ich mich mit Feuereifer auf diese Geschichte gestürzt. Und ich bin kläglich daran gescheitert!

    Nachdem uns im ersten Teil des Buches sehr atmosphärisch und authentisch die Geschichte von Nura erzählt wird, beginnt die Geschichte doch recht schnell zu haken und zu stolpern.
    Eine Heerschar von Soldaten macht in einem Tschetschenischen Tal Rast. Angeführt von einem Oberst, der im totalen Alkoholrausch und völlig ab von der realen Welt mit mehreren Gefolgsleuten die 17-jährige Nura schändet und tötet, verändert sich das Leben der beteiligten um 180 Grad. Einer von ihnen ist Alexander Orlow, der von seiner Mutter in den Krieg gedrängt wurde und seine Liebe daheim zurück gelassen musste.

    Die Geschichte ist ausufernd, aber leider überhaupt nicht logisch erzählt. Alexander Orlow, der 2016 an der Spitze seines Erfolgs ist, wird auf „die Katze“ aufmerksam. Einer Schauspielerin, die der getöteten Nura schockierend ähnlich sieht und die er für ein Video gewinnen will, welches er an seine damaligen Kameraden schicken möchte.
    Keine der Figuren ist glaubwürdig oder in ihrem Handeln nachvollziehbar. Zudem sind die Charaktere sehr hölzern und oberflächlich gezeichnet, obwohl jede (selbst kurz) erwähnte Figur eine Vita auf dem Leib gedroschen bekommt, die es in sich hat. Die Dialoge sind schrecklich platt. Die Tränen der Protagonisten fließen gefühlt auf jeder 10ten Seite und jeder Tag verspricht bei Sonnenaufgang immer zu viel was er nicht halten kann.
    Im Allgemeinen hatte ich das Gefühl das das Buch bei jedem Schritt vorwärts wieder zwei zurück macht!

    Ich habe das Buch nach knapp 500 Seiten abgebrochen!
    Dass Nino Haratischwili mit diesem merkwürdigen Märchen für Erwachsene auf der Shortlist gelandet ist, verstehe ich nun wirklich nicht!

  • „Teuflisches Spiel“ | Linda Castillo

    Titel im Original: „Her last Breath“
    Autor: Linda Castillo
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Helga Augustin
    Verlag: Fischer Verlag
    Genre: Thriller
    5. Fall von Kate Burkholder
    Seitenzahl:   349
    ISBN: 978-3-596-19613-5

    Als das gleißende Scheinwerferlicht des entgegenkommenden Fahrzeug sie blendet, bleibt ihnen nicht einmal mehr die Zeit, um zuschreien. Auf der regennassen Straße im ländlichen Ohio sterben in dieser Nacht drei Menschen. Ein amischer Vater und zwei seiner Kinder.
    Als Polizeichefin Kate Burkholder die Unfallstelle genauer untersucht, kommen ihr erste Zweifel: War das wirklich ein Unfall, oder steckt noch etwas anderes dahinter?

    Meine Meinung

    In Kate Burkholders fünften Fall wird auf regennasser Fahrbahn der Buggy eines amischen Familienvaters von einem Auto erfasst und durch die immense Wucht bis zur Unkenntlichkeit zerstört. Auch seine 3 Kinder waren mit ihm auf der Kutsche. Der Unfallverursacher begeht Fahrerflucht!
    Als Kate am Tatort eintrifft findet sie ein Bild des Grauen vor:  Zwei tote Kinder und auch der Vater stirbt noch vor Ort in ihren Armen. Nur der 8-jährige Sohn kämpft noch schwerverletzt um sein Leben und hält mit Kates Hilfe durch, bis der Notarzt eintrifft. Mit Schrecken muss die Polizeichefin feststellen, dass ihre ehemals beste Freundin die Mutter und Ehefrau der Opfer ist. Tief erschüttert macht sie sich daran, den Fall aufzuklären!

    Linda Castillo konnte mich wieder durch ihren sehr flüssigen Schreibstil begeistern, der eher ruhig und wenig effektheischend auftritt. Sie legt keinen Wert auf blutige Details und bringt ihrem Leser doch das ganze Grauen der Tat bildlich nahe. Der Thriller geht aufgrund seiner Thematik und den Beweggründen der Protagonisten unter die Haut.

    Die Geschichte wird, wie schon in den Bänden zuvor, zum größten Teil aus der Ich-Perspektive der Polizeichefin erzählt. Sie ist dabei eher nüchtern und klar in ihrer Ausdrucksweise. Linda Castillo lässt Kate hier sehr stark zwischen inniger Anteilnahme ihrer Freundin gegenüber und der professionellen Distanziertheit wanken, was mir sehr gut gefallen hat. Wie immer wirken der Fall selbst und die handelnden Personen sehr realitätsnah und glaubwürdig.

    Mit dem Fall des Fahrerflüchtigen nicht genug, werden nach 15 Jahren auch die sterblichen Überreste von Daniel Lapp in einem Kornspeicher gefunden. Ein Mann, der Kates Leben binnen weniger Stunden zur Hölle gemacht hat und der nun ihre Gefühlswelt schwanken lässt. Eine sehr neue überraschende Seite an unserer Protagonistin, von der ich gerne mehr sehen würde!

    „Teuflisches Spiel“ setzt gekonnt an den Vorgängern an, zeigt große Entwicklungen bei den Charakteren auf und führt die Rahmenhandlung konsequent weiter!

  • „Harry Potter und der Stein der Weisen“ | Joanne K. Rowling

    Titel im Original: „Harry Potter and the Philosopher`s Stone“
    Autor: Joanne K. Rowling
    Aus dem Englischen übersetzt von Klaus Fritz
    Verlag: Carlsen
    Genre: Jugendbuch
    Harry Potter, Band 1
    Seitenzahl:  335
    ISBN: 978-3-551-55167-2

    Eigentlich hatte Harry geglaubt, er sei ein ganz normaler Junge. Zumindest bis zu seinem 11. Geburtstag. Da erfährt er, dass er sich an der Schule für Hexerei und Zauberei einfinden soll. Und warum? Weil Harry ein Zauberer ist!

    Und so wird für Harry das erste Jahr in der Schule das spannendste, aufregendste und lustigste in seinem Leben. Er stürzt von einem Abenteuer in die nächste ungeheuerliche Geschichte, muss gegen Bestien, Mitschüler und Fabelwesen kämpfen. Da ist es gut, dass er schon Freunde gefunden hat, die ihm im Kampf gegen die dunklen Mächte zur Seite stehen.

    Meine Meinung

    Die kalte Jahreszeit hat begonnen und auch dieses Jahr stürze ich mich wieder auf meine Harry Potter-Bücher. Irgendwie ist es schon zur Tradition geworden, das ich im November mit den ersten Bänden beginne und die ganze Geschichte bis in den Januar mitnehme.

    Harry Potter ist ein ganz normaler Junge, zumindest glaubt er das!
    Nach dem Tod seiner Eltern wächst er bei seiner Tante Petunia und deren Familie auf, die ihm alles andere als gut gesinnt sind. Nach einer Reihe mysteriöser Ereignisse steht – genau an seinem 11. Geburtstag – der hünenhafte Hagrid vor seiner Tür und eröffnet ihm ein Zauberer zu sein. Er möchte Harry nach Hogwarts begleiten, einer Schule für Magie und Zauberei, wo er alles Wichtige für seine Zukunft lernen soll!
    So verfolgen wir den tapferen kleinen Jungen in seinem ersten Schuljahr, wo er seiner Vergangenheit auf die Spur kommt und zum ersten Mal in seinem Leben wahre Freunde, aber auch treue Feinde findet!

    Ich bin zwar nicht mit Harry Potter aufgewachsen, aber auch als Teenager und junge Erwachsene konnten mich die Abenteuer von Harry, Ron und Hermine begeistern. Ich bekomme noch heute vor lauter Vorfreude ein Kribbeln in der Magengegend, wenn er das erste Mal die Winkelgasse besucht und zittere mit ihm, wenn er sich der Entscheidung des sprechenden Hutes stellen muss.

    Joanne K. Rowling hat einen ganz einzigartigen Schreibstil. Die Bücher sind an ein jüngeres Publikum gerichtet, das möchte ich gar nicht bestreiten, ich finde ihre Schreibweise aber dennoch weder schlicht oder einfach. Nur wenige Fantasiegeschichten sind in meinen Augen mit so viel Herzblut, Kreativität und Vielfalt erzählt, wie die um Harry Potter. Es gibt zahlreiche Elemente in diesem Buch, die den Leser damals wie heute mit ihrer Komplexität und Genialität überzeugen. Große Worte, ich weiß, aber hier finde ich sie absolut gerechtfertigt!

    Ich kann diese Bücher nur jedem Jugendlichen und Junggebliebenen empfehlen, der eine tolle Geschichte über Zauberei, Magie und Freundschaft erfahren möchte!

  • „Der Schatten des Windes“ | Carlos Ruiz Zafón

    Titel im Original: „La sombra del viento“
    Autor: Carlos Ruiz Zafón
    Aus dem Spanischen übersetzt von Peter Schwaar
    Verlag: Fischer Verlag
    Genre: Roman
    Der Friedhof der vergessenen Bücher, Band 1
    Seitenzahl:  527
    ISBN: 978-3-458-17170-3

    Daniel Semperes Leben im grauen Barcelona der Nachkriegszeit erfährt eine drastische Wende, als er die Schicksalsbahn eines geheimnisvollen Buches kreuzt. Er gerät in ein Labyrinth abenteuerlich verknüpfter Lebensläufe, und es ist, als wiederholen sich vergangene Geschichten in seinem eigenen Leben. Die Menschen, denen er bei seiner Suche nach dem verschollenen Autor begegnet, die Frauen, in die er sich verliebt – sie alle scheinen Figuren in einem großen Spiel, dessen Fäden erst ganz am Schluss sichtbar werden.

    Meine Meinung

    Über „Der Schatten des Windes“, haben schon tausende von Lesern geschrieben und gesprochen. Die meisten begeistert, verzaubert und hoffnungslos gefangen im Barcelona der damaligen Zeit. Und auch für mich ist dieses Buch etwas ganz Besonderes!

    Wir verfolgen den junge Daniel Sempere, der aus einer alteingesessenen und gutangesehenen Buchhändlerfamilie stammt. Er wird von seinem Vater zu einer verborgenen Bibliothek, dem „Friedhof der vergessenen Bücher“ geführt, wo er sich ein Buch heraussuchen darf. Eines, das ihm bester Freund und treuer Begleiter sein soll. Daniel wählt den Roman „Der Schatten des Windes“ des unbekannten Autors Julián Carax. Total gebannt und fasziniert von der Geschichte, möchte er mehr über den Schriftsteller in Erfahrung bringen und gerät in einen Strudel aus Geheimnissen und Gewalt des Barcelonas der frühen 1920er Jahre.

    Wie man sich vielleicht denken kann, ist die Liebe zur Literatur ein wichtiges Grundthema dieses Buches, das mich als Leserin natürlich sofort angesprochen hat. Hat man die ersten Seiten hinter sich gelassen, kann man sich der grandiosen Geschichte nur noch schwer entziehen. Carlos Ruiz Zafón hat einen wunderbaren Sinn für Sprache und Ausdruck, den man aus tausenden anderen Büchern wiedererkennen würde. Der Schreibstil ist klar, lebendig und bildgewaltig. Wir bekommen hier viele unerwarteten Wendungen und unterschwellige Bedrohungen, die die Emotionen aufkochen lassen.

    Die Charaktere sind sehr gut gezeichnet und jeder hat seine Ecken und Kanten. So neigt der junge Daniel dazu, sich in aussichtslose Liebelein zu stürzen, sein Vater hängt immer wieder seiner Vergangenheit und seinen Ängsten nach, aber mein absoluter Lieblingscharakter ist Fermín Romero de Torres. Ein ehemaliger Geheimdienstmitarbeiter, der auf der Straße lebt und überraschend gebildet und eloquent ist. Sein Potential wird von Daniel entdeckt, wodurch er von dessen Vater in der Buchhandlung beschäftigt wird, um seltene Bücher aufzuspüren. Er wird Daniels bester Freund und hilft ihm bei seinen Nachforschungen zu Julián Carax. Ich habe selten einen so nervig-verworrenen, aber doch sympathischen und liebenswürdigen Charakter gelesen!

    Wer in die Welt der Schriftstellerei abtauchen und sich von einer spannenden Geschichte durch das Barcelona um 1920 entführen lassen will, ist hier goldrichtig.

  • „Die Spiegelstadt“ | Justin Cronin

    Titel im Original: „City of Mirrors“
    Autor: Justin Cronin
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Rainer Schmidt
    Verlag: Goldmann Verlag
    Genre: Postapokalypse
    Passage-Trilogie, Band 3
    Seitenzahl: 987
    ISBN: 978-3-442-31180-4

    Die Zwölf – Wesen der Dunkelheit, Todfeinde der Menschen – sind vernichtet. Nach und nach wagen sich die Überlebenden aus ihrer eng ummauerten Zuflucht. Auf den Trümmern der Zivilisation wollen sie eine neue, eine bessere Gesellschaft aufbauen: der älteste Traum der Menschheit.
    Doch in einer fernen, verlassenen Stadt lauert der Eine: Zero. Der Erste. Der Vater der Zwölf, der den Ursprung des Virus in sich trägt. Einst ein hochbegabter Wissenschaftler, der, seit er seine große Liebe verlor, nur noch von Rachedurst und Wurt erfüllt ist. Er will die Menschheit endgültig auslöschen. Und seine Truppen stehen bereit!

    Meine Meinung

    Nachdem mich „Die Zwölf“ so mitgerissen hat und ich unbedingt wissen wollte, was aus Amy und ihren Gefährten wurde, musste ich ganz schnell weiterlesen. „Die Spiegelstadt“ macht als Finale der Trilogie alles richtig. Der Autor spielt hier noch einmal alle Trümpfe aus, die für mich schon „Der Übergang“ so einzigartig gemacht haben.

    Die Zwölf waren einst Schwerstkriminelle, die durch ein schiefgelaufenes Experiment zu unsterblichen Wesen und Todfeinden wurden. Nun, 20 Jahre nach dessen Vernichtung, trauen sich die Überlebenden endlich wieder aufzuatmen und beginnen ein neues Leben in Freiheit. Sie fassen neuen Mut und wollen die in Trümmern liegende Welt wieder aufbauen. Doch nur wenige ahnen, dass es noch nicht vorbei ist. In einer fernen, längst verlassenen Metropole hält sich Zero versteckt.

    Zum Einen wird die Geschichte von den Zwölf und den letzten Überlebenden in Amerika fortgesetzt. Zum Anderen erfahren wir wie die Geschichte 1000 Jahre nach dem Virus, in der die Menschen versuchen, dem tatsächlichen Ursprung und dem Verlauf der Pandemie auf die Spur zu kommen.
    Als dritten Strang haben wir aber auch die Lebensgeschichte von Dr. Tim Fanning, der als „Zero“ die treibende Kraft der Zwölf war.

    Auch „Die Spiegelstadt“ besticht wieder durch seine melancholische und nostalgische Grundstimmung, die großartige Interaktion der Charaktere und vollendet eine über tausend Jahre umspannende, epische Geschichte über die Liebe. Gerade in diesem Buch wird dem Leser sehr bewusst, dass der Autor selbst seine behutsam eingeführten Nebencharaktere nie ganz vergessen oder aus den Augen verloren hat.
    Auch der Schreibstil ist wieder beeindruckend. Zwischendurch wird Justin Cronin leicht poetisch, dann wieder sehr detailreich, dann wieder schnell, dramatisch und packend. Eine sehr gute Mischung.

    Die Passage-Trilogie ist eine Reihe für anspruchsvolle Leser, die lebende und atmende Geschichte erfahren wollen!

  • „Der Schlüssel“ | Junichiro Tanizaki

    Titel im Original: „Kagi“
    Autor: Junichiro Tanizaki
    Aus dem Japanischen von Sachiko Yatsushiro und Gerhard Knauss
    Verlag: Kein & Aber Verlag
    Genre: Roman | Klassiker
    Seitenzahl:  187
    ISBN: 978-3-0369-5748-7

    Unfähig, über ihre geheimsten Sehnsüchte und Fantasien zu sprechen, beginnen ein Professor und seine Frau jeweils, ein Tagebuch zu führen – ahnend, dass der andere das Geschriebene lesen wird. Auf die Weise können sie ich Inneres ungehemmt offenbaren: Sie legen Geständnisse ab, provozieren, täuschen bewusst. Und tatsächlich kommen sich die beiden dadurch körperlich wieder näher – nur ganz anders, als sie es sich vorgestellt haben.

    Meine Meinung

    „Der Schlüssel“ von Junichiro Tanizaki ist eines der Bücher, die ich im Februar zum Geburtstag bekommen hatte und ich schätze genau so lange lag dieses Buch jetzt schon auf meinem Lesetischchen, damit ich möglichst bald dazu greife.

    Wir lernen hier einen 65-jährigen Professor kennen, der vor 20 Jahren mit seiner attraktiven Frau zwangsverheiratet wurde. Seine Gattin ist zwar um vieles jünger, wurde aber sehr streng im alten japanischen Glauben erzogen und wirkt für ihren Mann in sexuellen Angelegenheiten immer sehr prüde und zurückhaltend, womit er nie wirklich umzugehen wusste. Zu Beginn des neuen Jahres fangen beide an, ein Tagebuch zu führen, ganz bewusst um den Anderen zu animieren und die intimsten Geheimnisse preiszugeben.

    Ich habe noch nicht viele japanische Autoren gelesen, aber bei so manchen war ich von ihren verschachtelten und anstrengenden Schreibstilen überfordert. Vielleicht hat mich das so lange vor der Geschichte zurückschrecken lassen, zumal der Autor auch noch 1886 geboren wurde und der Roman 1956 erstmals erschienen ist. Aber ganz im Gegenteil glänzt dieses Buch durch seine sehr flüssige Schreibweise. Es ist nicht sehr bildgewaltig und eher klar im Ausdruck, aber das hat mich auf keiner einzigen Seite stocken lassen. Zudem ist der gesamte Roman in Form eines Tagebuches verfasst und daher wirklich angenehm zu lesen.

    Da wir die Einträge der beiden Ehepartner abwechselnd zu lesen bekommen, nimmt die Geschichte eine tolle Dynamik an und bringt einem dadurch auch die Charaktere näher. Die Beiden schildern ihre Sicht der Dinge und man bekommt immer mehr ein Gefühl dafür, in was für einer verfahrenen Situation sie stecken. Es war erschreckend, wie die Ansichten der Eheleute trotz so vieler gemeinsamer Jahre auseinander gehen, aber auch spannend dabei zu sein, wie sich ihre Beziehung durch die Führung der Tagebücher verändert.

    Ich kann verstehen, dass dieser Roman 1956 als absolut „skandalöses Werk“ gehandelt wurde und gerade in Japan zu einigen Sittenstreitigkeiten geführt hat. Selbst wenn viele sexuelle Szenen nur angedeutet und dem Leser durch schöne Umschreibungen vermittelt wurden, bleibt genug Raum für eigene Gedanken.

    „Der Schlüssel“ zeigt sehr deutlich, wie wichtig es ist, in einer Partnerschaft offen und ehrlich mit seinem Gegenüber zu reden. Schon allein deshalb ist der Roman zeitlos!

  • „Halloween“ | Stewart O`Nan

    Titel im Original: „The Night Country“
    Autor: Stewart O`Nan
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Thomas Gunkel
    Verlag: Rowohlt Verlag
    Genre: Roman | Horror
    Seitenzahl:  256
    ISBN: 978-3-498-05033-8

    Dies ist eine Abenteuergeschichte, eine Einladung zum Wahnsinn, ganz natürlich und doch verboten, verlockend, etwas, das auch du noch im Blut hast.
    Bist du nicht gespannt? Willst du es nicht wissen?

    Na dann los, komm mit uns in die Nacht hinaus!

    Meine Meinung

    Heute gruselt es uns! Wir schreiben die Nacht vor Halloween!

    Eine Clique aus fünf Jugendlichen ist unterwegs zu einer Party. Von der guten Laune und dem Nervenkitzel dieser Nacht mitgerissen, fahren sie zu schnell und werden von einem Polizisten ins Visier genommen, der sie zum Anhalten bringen möchte. Toe, der Fahrer des Quintetts, hält nichts von der Idee und drückt nochmal ordentlich aufs Gas um dem unliebsamen Anhängsel zu entkommen. Dies endet in einem grauenhaften Unfall, bei dem nur Tim unverletzt und Kyle mit schweren Kopfverletzungen überleben. Marco, Toe und Danielle sind sofort tot!

    Als wäre die Situation nicht schon bedrückend genug, können die Toten die Kleinstadt Avon nicht verlassen, da ihre Angehörigen und Freunde sie einfach nicht loslassen können. Sie bleiben als Geister zurück und springen von Person zu Person. Stewart O`Nan schafft hier eine ganz besondere Sicht auf die Geschehnisse, lässt er sie doch einen großen Teil der Geschichte selbst erzählen.

    „Halloween“ vermittelt einen unterschwelligen Grusel, jedoch mit ernstem Hintergrund.
    Eine amerikanische Kleinstadt ist traumatisiert. Der tragische Unfalltot bleibt für die Bevölkerung unfassbar und die Toten setzen sich in den Köpfen ihrer Mitmenschen fest. Auf diese Weise suchen die Lebenden auch die Nähe der Toten und sind ihnen schon bald näher als den Lebenden. Über Tim und Kyle schreibt Stewart O’Nan sogar, sie seien wie Monster.

    Auch Brooks ist ein sehr bedeutender Teil der Geschichte. Er ist der Polizist, der damals die Verfolgung des Wagens aufgenommen hat. Gequält von immensen Schuldgefühlen rekonstruiert er immer und immer wieder den Unfall und verfällt geradezu in eine Marnie, was diese Nacht angeht.
    War er wirklich Schuld an dem Unfall?

    Stewart O`Nan schafft es über das gesamte Buch hinweg, eine sehr angespannte Atmosphäre zu schaffen. Man leidet mit den Angehörigen mit und kann deren Gedanken und ihre Ohnmacht sehr gut verstehen.
    Gerade Tim, der die Nacht ohne körperliche Blessuren überstanden hat, hat mich sehr mitgenommen. Ein toller und ehrlicher Charakter! Er muss sehr häufig an seine Freundin Danielle denken, die er verloren hat. Je näher der Jahrestag rückt umso bedrohlicher scheinen sich seine Gedanken zu entwickeln.

    Nur Kyle, der den Unfall vergessen hat, kann als der einzig Glückliche angesehen werden!

  • „Boy in the Park“ | A. J. Grayson

    Titel im Original: „Boy in the Park“
    Autor: A. J. Grayson
    Aus dem Englischen übersetzt von Karl-Heinz Ebnet
    Verlag: Drömer Knaur
    Genre: Roman
    Seitenzahl:  363
    ISBN: 978-3-426-30571

    Ein kleiner Junge verschwindet. Am helllichten Tag wird er aus dem Botanischen Garten in San Francisco entführt. Der einzige Zeuge des Verbrechens ist Dylan, der dort eigentlich in Ruhe seine Mittagspause verbringen wollte.
    Je weiter er bei seiner Suche ins kalifornische Hinterland dringt, je näher er dem mutmaßlichen Versteck kommt, desto verstörender und blutiger werden seine Alpträume.

    Meine Meinung

    Es tut mir leid, aber ich habe absolut keine Ahnung ob dieser Roman das grenzgenialste Buch des Universums ist … oder die allergrößte Pflaume meines bisherigen Leselebens! Ihr seht mich hier ratlos auf meinem Sessel sitzen. Selbst Tage nach dem Beenden bin ich noch immer überfordert. Aber mit dem gesamten Buch. Von Vorne bis Hinten!

    In „Boy in the Park“ begleiten wir Dylan während seiner Mittagspause, die er tagtäglich an einem ruhigen Plätzchen im Botanischen Garten von San Franzisco verbringt. Eine einsame Bank an einem idyllischen Teich. Jeden Tag zur selben Zeit taucht ein kleiner Junge auf, der für Dylan ein fester Bestandteil geworden ist. Doch eines Tages ist der Junge verletzt und am Tag drauf sogar verschwunden. Da die Polizei seine Vermisstenanzeige nicht ernst nimmt, beschließt er die Sache selbst in die Hand zu nehmen und sucht auf eigene Faust nach dem Jungen.

    Gleich zu Beginn baut der Roman eine Frage nach der Anderen auf und über lange Zeit blieben Diese für den Leser auch unbeantwortet. Die Geschichte springt in eine reißerische und wüste Erzählung, die mich total reizüberflutet zurückgelassen hat, was jedoch recht schnell von Verwirrung zu Verärgerung umgeschlagen ist. Wann denkt der Autor denn die ersten Unklarheiten aufzulösen? Mal ein bisschen Licht ins Dunkle zu werfen, anstatt immer neue Rätsel aufzugeben? Darf ich euch die Frage beantworten? … erst im letzten Viertel des Buches!!

    Mal ehrlich! Ich bin Thriller-Leserin, daher liebe ich es, von einem Buch in die Irre geführt zu werden, aber was A. J. Grayson hier fabriziert, nagt schwer an den Gedankengängen eines Frettchens auf Koks! Dazu kommen ein recht literarischer Erzählstil, dem man oft nur schwer folgen kann und Gedankensprünge, die teilweise schon weh tun.
    Jedoch positiv zu erwähnen sind auf jeden Fall die recht kurzen Kapitel, die mich zum weiterlesen animiert und für das nötige Tempo gesorgt haben. Ich möchte auch gar nicht behaupten, dass mir der Schreibstil an sich nicht gefallen hat, er geht nur in der Fülle der Emotionen total unter.

    Die Charaktere waren eher flach gezeichnet, aber sie waren ok. Ich fühlte mich mit keinem so richtig verbunden, was aber vermutlich eher dem Verlauf der Geschichte geschuldet war. Ich konnte mich auf keinen so richtig einlassen und fand sie teilweise sehr skurril. Die Umgebungsbeschreibungen dagegen waren sehr gut.

    Obwohl ich das Ende durchaus befriedigend und originell fand, wenn auch in Teilen vorhersehbar, konnte es mich nicht vollständig mit der Geschichte versöhnen!

  • „Ein einziges Geheimnis“ | Simona Ahrnstedt

    Titel im Original: „En enda hemlighet“
    Autor: Simona Ahrnstedt
    Aus dem Schwedischen übersetzt von Antje Rieck-Blankenburg
    Verlag: LYX Verlag
    Genre: Liebesgeschichte
    Only One Night, Band 2
    Seitenzahl: 669
    ISBN: 978-3-8025-9946-0

    Zwei Personen, die nicht unterschiedlicher sein können:
    Alexander de la Grip, Schwedens Jetset-Prinz, der vor allem für zwei Dinge bekannt ist: Sein Aussehen und seine Frauengeschichten. Und Isobel Sorensen, eine leidenschaftliche Ärztin, die ihr Leben in gefährlichen Krisenregionen riskiert, um den Menschen dort zu helfen.
    Sie leben in verschiedenen Welten, und sie verbindet nicht …

    Doch als Isobels Hilfsorganisation „Medpax“ plötzlich vor dem finanziellen Aus steht, kreuzen sich ihre Wege. Denn jetzt braucht Isobel das, was Alexander im Überfluss besitzt: Geld

    Meine Meinung

    „Ein einziges Geheimnis“ ist der zweite Teil der „Only One Night“-Trilogie und für mich zwar eine tolle Geschichte aus der Hand von Simona Ahrnstedt, aber ein Buch, dass leider viele unterschiedliche Gefühle in mir hervorgerufen hat.

    Hier geht es um Natalias Bruder Alexander, der ein Lebemann und Selfmade-Millionär ist, es aber als strenges Geheimnis hütet, dass er für sein Geld auch arbeitet. Alle denken, er finanziert sich lediglich aus seinem Erbe und sieht gut aus. So auch Isobel, die alles andere als eine hohe Meinung von ihm hat, aber zwingend eine Geldspritze aus seiner Stiftung benötigt.

    Vergleicht man diesen Band mit dem Vorgänger „Die Erbin“, wird man doch gravierende Unterschiede im Geschichtenaufbau finden. Mich haben diese zwar nicht abgeschreckt, aber sie fallen einem als Leser doch recht schnell ins Auge.

    Auch was die Charaktere angeht, fällt einem ein großer Unterschied auf. Sind Natalia und David aus dem ersten Band noch sehr realistisch und nachvollziehbar gehalten, schießt Simona Ahrnstedt gerade bei der Charakterbildung von Alexander de la Grip in meinen Augen total über das Ziel hinaus. Ein für mich von grundauf unsympathischer aber auch unrealistischer und unangenehmer Charakter. Leider änderte sich dieses Gefühl auch im Laufe des Buches nicht mehr bei mir.
    Ihm gegenüber steht die vegetarische Ärztin Isobel, die die Organisation ihrer Mutter in Krisengebieten unterstützt und leidenden Kindern hilft. Natürlich ist da die Sympathie vorprogrammiert, aber auch ihr Einsatz im Tschad wird in meinen Augen sehr realistisch beschrieben.
    Für mich hat die Harmonie zwischen den beiden Hauptcharakteren leider gar nicht gepasst und so konnte ich auch bei der beginnenden Liebesbeziehung nicht mitfühlen.

    Als zweiten Handlungsstrang erfahren wir sehr viele Neuigkeiten über Peter de la Grip, dem ältesten Sohn der Familie. Im ersten Band besticht dieser noch durch sein negatives Verhalten als Marionette seines Vaters und seinem denkwürdigen Charakter, in diesem Buch erfahren wir aber mehr über die Veränderungen in seinem Leben. Eine Geschichte, die mir wesentlich mehr zu Herzen gegangen ist, als die Hauptstory!

    Dennoch: Simona Ahrnstedt besticht auch in „Ein einziges Geheimnis“ wieder durch ihren unglaublich stilvoll Schreibstil und einer wunderbaren Sprache. Stockholm wird für das innere Auge des Lesers lebendig und man bekommt richtig Lust darauf diese Stadt auf der Stelle einen Besuch abzustatten!