• „Herzgrab“ | Andreas Gruber

    Autor:  Andreas Gruber
    Verlag:  Goldmann Verlag
    Genre:  Thriller
    Seitenzahl:  540
    ISBN:  978-3-442-48017-3

    Eine Frau reist zum Begräbnis ihrer Brüder in die Toskana – und verschwindet spurlos. Ein berühmter Maler wird vermisst – und sein dubioser Abschiedsbrief legt eine falsche Fährte. Eine Privatdetektivin und ein Kommissar erkennen, dass die Fälle auf äußerst perfide und blutige Weise zusammenhängen – uns sie ihnen auch gemeinsam kaum gewachsen sind …

    Meine Meinung

    „Herzgrab“ ist im Jahre 2013 im Goldmann Verlag erschienen und bis dato der einzige alleinstehende Thriller aus der Feder der österreichischen Bestsellerautoren Andreas Gruber.

    Auf der italienischen Familie De Vecchio scheint ein Fluch zu liegen. Das Wiener BKA schickt Peter Gerink und seinen Kollegen Dino Scatozza nach Italien, um nach der in Wien lebenden Teresa De Vecchio zu suchen, die bei der Trauerfeier ihrer beiden Brüder kürzlich spurlos verschwand. Währenddessen beauftragt Teresas Nichte Monica die Privatdetektivin Elena Gerink, Peters Frau, mit der Suche nach ihrem seit einem Jahr verschwundenen Vater, den berühmten Maler Salvatore De Vecchio. Schon bald müssen Peter und Elena feststellen, dass ihre Fälle miteinander in Zusammenhang stehen und sie einem gefährlichen Gegner auf der Spur sind!

    Von Andreas Gruber bin ich ja bisher nur gute Unterhaltung gewohnt, dennoch bin ich was seine Bücher angeht eine richtige Memme! Ich habe zwar alle Thriller in meinem Regal stehen, bis jetzt konnte ich mich aber nie dazu durchringen, eine andere Reihe als die von Maarten S. Sneijder und Sabine Nemec zu lesen. Nicht weil die Geschichten mir nicht gefallen, ganz im Gegenteil gehört der Autor zu meinen ganz großen Favoriten, aber ich wollte Sabine und Maarten einfach nicht in den Rücken fallen …
    Auch in „Herzgrab“ wird uns ein spannender, undurchschaubarer Thriller mit sympathischen Ermittlern, imposanten Gefahrensituationen und viel gutem Humor geliefert. Der Fall ist komplex, die Ermittler unkonventionell und der Täter perfide!

    Wir lernen hier Peter Gerink und Dino Scatozza näher kennen. Die Beiden sind Ermittler im Wiener BKA und gerade in einer eher schwierigen Situation:  Bereits seit 7 Jahren sind die Beiden ein eingespieltes Team … bis Dino seine Finger nicht von Gerinks Frau Elena lassen konnte. Der Betrug sitzt auf tief und die Spannung, die Enttäuschung und der Unglaube zwischen den Dreien ist für den Leser greifbar.

    Das Buch spielt überwiegend in Italien und beschäftigt sich natürlich auch mit der Mentalität der Italiener im Vergleich zu den bürokratisch handelnden Österreichern. Die jeweiligen Handlungsorte sind sehr gut beschrieben. Der Schreibstil ist gewohnt leicht und mitreißend und auch an Spannung und überraschenden Wendungen wird nicht gespart. Bis zum Schluss überschlagen sich die Ereignisse und sorgen immer wieder für sprachlose Momente. Manchmal erinnert die Geschichte ein wenig an James Bond und seine Bösewichte, die niemals sterben wollen.
    Wenn man das „Dolce Vita“ also zu schätze weiß, wird man sehr viel Spaß mit diesem Buch haben …

    Andreas Gruber wagt es, zwei Erzählstränge über mehrere private Verbindungen zusammenzuführen. Kein uninteressanter Ansatz, man sollte sich allerdings gleich von Beginn an darauf einstellen, dann bekommt man am Ende sogar ein doppeltes „Happy End“ präsentiert!

  • „Für immer die Deine“ | Jana Voosen

    Rezensionsexemplar
    Vielen Dank an den Verlag!

    Autor:  Jana Voosen
    Verlag:  Heyne
    Genre:  Historischer Roman
    Seitenzahl:  348
    ISBN:  978-3-453-42311-4

    Altes Land, 1939: Es ist ein Skandal, der das Dorf Jork wochenland in Atem hält. Die erst 17-jährige Tochter des wohlhabenden Obstbauern Landahl erwartet ein Kind vom Sohn des Pfarrers. Das junge Paar ist glücklich, doch als der Zweite Weltkrieg ausbricht, muss Fritz an die Front, und Klara schlägt sich mit ihrem Sohn alleine in einer keinen Wohnung in Hamburg durch. Als sie entdeckt, dass der alte Mann in der Dachgeschosswohnung über ist nicht der ist, für den er sich ausgibt, trifft Klara eine folgenschwere Entscheidung.

    Hamburg, 2019: Die frisch getrennte Journalistin Marie stößt bei ihren Recherchen zu einem Artikel auf die Lebens- und Liebesgeschichte von Klara und Fritz Hansen. Sie ahnt nicht, dass die Begegnung mit den beiden ihr eigenes Leben maßgeblich beeinflussen wird.

    Meine Meinung

    Schon als Kinder waren Klara und Fritz unzertrennlich. Zusammen machten sie die heimischen Höfe unsicher, spielten „Vater-Mutter-Kind“ und Fritz versprach seiner Klara schon damals „Wenn ich groß bin heirate ich nur dich“. Aus diesem Versprechen wurde die ganz große Liebe! Doch der Beginn des Zweiten Weltkrieges setzt dem jungen Glück ein jähes Ende: Fritz muss an die Front!
    Klara bleibt alleine mit ihrem gemeinsamen Sohn Paul in Hamburg zurück und macht das Beste aus ihrer Situation. Sie freundet sich mit dem älteren Herrn aus der Wohnung über ihr an, doch muss sie schon bald feststellen, dass er nicht der ist, für den er sich ausgibt. Klara trifft eine folgenschwere Entscheidung die ihr Leben in den Grundfesten erschüttern wird!

    „Für immer die Deine“ ist ein wunderbarer zeitgeschichtlicher Roman, über die Liebe und deren Tücken. Die Handlung ist so gefühlvoll und herzschmeichelnd erzählt, dass sich mir viele Szenen ins Herz gebrannt haben!

    Die Geschichte wird dem Leser in Rückblenden aus Klaras Sicht während eines Interviews wiedergegeben. Wir begleiten Sie und ihren Mann durch alle Stationen ihres Lebens, erleben mit wie sich aus der Kinderfreundschaft zuerst Verliebtheit und danach die große Liebe entwickelt und am Ende beide für ihre Gefühle und ihre Zukunft kämpfen müssen.
    Vor der Kulisse des Zweiten Weltkrieges, der ja ohnehin schon viele Entbehrungen mit sich bringt, spinnt Jana Voosen eine sehr interessante und aufwühlende Geschichte. Dabei verlor Klara zwar bei mir einiges an Sympathie, die Autorin findet aber einen sehr guten Weg aus der Dramatik und konnte auch mich am Ende wieder mit unserer Protagonistin versöhnen.

    Fritz wird in Polen schwer verwundet und auch die Szenen im Lazarett konnte mir die Autorin sehr glaubwürdig näher bringen, was für einen Liebesroman in meinen Augen nicht alltäglich ist. Der Marsch der jüdischen Bewohner ins Ghetto, ein Schuss im Wald! Schmerzhaft realistisch dargestellt!

    Das natürlich auch die Journalistin Marie ihr ganz eigenes Päckchen zu tragen hat, muss ich vermutlich nicht dazusagen. Ihre Geschichte ist zwar nicht direkt mit der von Fritz und Klara verstrickt, Marie steht aber vor vielen Entscheidungen und versucht aus Klaras Erzählungen für sich selbst eigene Antworten abzuleiten. So intensiv die Lebensgeschichte im Zweiten Weltkrieg dargestellt wurde, so oberflächlich und in meinen Augen auch falsch fand ich die Geschichte um Marie! Das Interview ist natürlich der Leitfaden durch das Buch, aber ich hätte mir mehr davon erwartet.

    „Für immer die Deine“ zeigt eine Liebe, die trotz aller schicksalhafter Wendungen niemals aufgehört hat zu bestehen und die uns vielleicht auch ein bisschen als Vorbild dienen sollte!

  • „Ensel und Krete“ | Walter Moers

    Autor:  Walter Moers
    Mit Illustrationen von Walter Moers und Florian Biege
    Verlag:  Knaus Verlag
    Genre:  Fantasy
    Geschichten aus Zamonien, Band 2
    Seitenzahl:  255
    ISBN:  978-3-8218-2949-4

    Seitdem die Buntbären den Großen Wald bevölkert haben, gilt die idyllische Gemeinde namens Bauming als eine der anziehendsten Touristenattraktionen Zamoniens. Aber seltsame Dinge gehen vor im dunklen Forst. Des Nachts hört man das Stöhnen der Druidenbirken und der Sternenstauner, man munkelt von der Waldspinnenhexe, die noch immer im unbewohnten Teil des Waldes ihr Unwesen treiben soll. Eines Tages verschlägt es Ensel und Krete, ein junges Geschwisterpaar von Fhernhachenzwergen, in den wilden, von Verbotsschildern umstandenen Teil der Baumwelt, und was sie dort erleben, übersteigt all ihre Erwartungen …

    Meine Meinung

    Nach „Die 13½ Leben des Käpt’n Blaubär“ legt uns Walter Moers mit „Ensel und Krete“ den zweiten, leider etwas kurz geratenen Band aus dem fernen Zamonien vor.

    Urlaub mit den Eltern kann ja sooo langweilig sein! Die beiden Fhernhachen-Kinder Ensel und Krete erleben dies gerade am eigenen Leib. Sie müssen mit ihren Eltern den zamonischen Großen Wald bereisen. Dabei hatten sie gehofft, dort endlich etwas Spannendes zu erleben! Kurzentschlossen ziehen sie auf eigene Faust los, um das Abenteuer zu suchen, verlaufen sich jedoch schon nach kurzer Zeit …

    So nimmt ein rasantes Märchenabenteuer seinen Lauf, bei dem selbst den Gebrüdern Grimm bald die Puste ausgegangen wäre. Natürlich treffen die beiden Geschwister auf einige kuriose Wesen und diverse merkwürdige Gewächse. Aber hier will ich nicht zu viel verraten und ich könnte auch nicht annähernd wiedergeben, wie kreativ und vielfältig diese Kuriositäten sind.
    Am Ende finden sie natürlich auch ein Hexenhaus … und der Showdown kann beginnen!

    Wie der Titel schon erahnen lässt, handelt es sich hier um ein zamonisches Märchen, welches ganz stark an Grimms „Hänsel und Gretel“ erinnert, dass aber weitaus abenteuerlicher und phantastischer erzählt wird. Geschrieben wurde das Ganze von Hildegunst von Mythenmetz, einem literarisch wunderbar versierten Lindwurm aus der Lindwurmfeste, der zwischendurch immer wieder Passagen seiner selbst erdachten „permanenten Abschweifungen“ zum Besten gibt. Ein wirklicher Star unter den Lindwürmern und einer der Besten seiner Zunft!

    Allein schon die Fußnoten mit dem imaginären Quellenverzeichnissen sind der Hammer: „Fünfzehn Wochen überzogen – Die Liste der von Hildegunst von Mythenmetz nachweislich ausgeliehenen Bücher aus der Universität von Gralsund, mit den jeweiligen Überziehungsgebühren und einem Anhang mit faksimilierten Randbemerkungen und Fettflecken des Dichters“.

    Walter Moers versteht es wie kein Anderer, seine Leser durch atemberaubende, phantasievolle und unglaubliche Geschichten von Lebewesen und Nichtlebewesen aller Couleur zu fesseln! Für mich ist er ein Wortkünstler, mit unbändiger Kreativität. Zamonien hat durch ihn seine ganz eigene Sprache bekommen, sowohl in der Erzähl- als auch in der Schreibweise!

    Auch „Ensel und Grete“ konnte mich total begeistern, auch wenn diese etwas ganz anderes zu der Geschichte um Käpt’n Blaubär ist!

  • „Die 13½ Leben des Käpt`n Blaubär“ | Walter Moers

    Autor:  Walter Moers
    Mit Illustrationen von Walter Moers und Florian Biege
    Verlag:  Knaus Verlag
    Genre:  Fantasy
    Geschichten aus Zamonien, Band 1
    Seitenzahl:  701
    ISBN:  978-3-8135-0572-6

    Ein Blaubär, wie ihn keiner kennt, entführt die Leser in eine Welt, in der die Phantasie und der Humor außer Kontrolle geraten sind: Den Kontinent Zamonien, wo Intelligenz eine übertragbare Krankheit ist und die Sandstürme viereckig sind, wo hinter jeder Idylle eine tödliche Gefahr lauert und all jene Wesen hausen, die aus unserem normalen Leben verbannt sind. In dreizehneinhalb Lebensabschnitten kämpft sich der blaue Bär durch ein märchenhaftes Reich, in dem alles möglich ist – nur nicht die Langeweile.

    Meine Meinung

    Ich denke, vom Käpt’n Blaubär hat wohl jeder schon mal was gehört, oder?
    Und doch hat das Buch von Walter Moers nur sehr wenig mit dem zu tun, was in der Sendung mit der Maus von ihm gezeigt wird.

    In „Die 13½ Leben des Käpt`n Blaubär“ lässt uns eben dieser einen Blick auf sein bisheriges Leben werfen. Er wächst bei den Zwergpiraten auf, erlangt das Wohlwollen der Klabautergeister, flieht auf die Feinschmeckerinsel und wird zum Navigator eines Flugdrachens. Natürlich besucht er auch die Nachtschule. Er lebt im großen Wald, im Dimensionsloch, aber auch über der Tornadostadt. Zwischendurch gelangt er nach Atlantis, wo er zum amtierenden Lügengladiator aufsteigt und letzten Endes auf die Moloch verbannt wird. Gibt es von dort noch eine Rettung?

    Zamonien ist eine Parallelwelt zu der Unsrigen, in der viele Fabelwesen und düstere Gestalten ihr Zuhause finden. Walter Moers fungiert hier nur als Übersetzer der alten Zamonischen Literatur.

    Die 13½ Leben sind in ebensoviele Kapitel unterteilt. Manche sind lustig, manche sind traurige, sehr viele sind aber auch einfach nur abstrus. Einige Passagen erfordern selbst für Erwachsene ein wenig Nachdenken und ein abstraktes Verständnis von Physik, aber es macht einfach Spaß das Leben des Blaubären gemeinsam zu erleben.

    Auch das Buch an sich ist etwas ganz Besonderes! Der Text wird in mehrere Schriftarten unterteilt, die zusätzlich durch unterschiedliche Farben hervorgehoben werden. Die Geschichte wird immer wieder mit Illustrationen von Walter Moers aufgelockert und anschaulich gemacht, was das Buch wirklich zu einem visuellen Erlebnis machen. Außerdem werden die einzelnen Fabelwesen in fiktive Lexikonartikel in Form von Fußnoten erklärt.

    Walter Mores hat eine klare und eingängige Sprache, mit viel Humor und Sarkasmus. Er führt seine Leser leicht und wie selbstverständlich in die zamonische Welt ein. Wobei der Aufbau ganz einfach in den Verlauf der doch sehr spannenden und aktionreichen Geschichte übergeht und lässt tolle Bilder im Kopf seiner Leser zurück! Die Charaktere zeichnen sich oft durch ihre eigene Sprache aus und keiner ist hier perfekt! Wir lesen auch zahlreiche Anspielungen auf Mythen und Märchen.

    Alles in allem ist das Buch ein Unterhaltungsroman mit hohem literarischem Anspruch. Eine kunstvolle Prosa und durchaus auch ein Buch mit weltliterarischen Ambitionen!

  • „Alle sieben Wellen“ | Daniel Glattauer

    Autor:  Daniel Glattauer
    Verlag:  Deuticke Verlag
    Genre:  Roman
    Seitenzahl:  222
    Fortsetzung von „Gut gegen Nordwind“
    ISBN:  978-3-552-06093-7

    Sie kennen Emmi Rothner und Leo Leike? Dann haben Sie also „Gut gegen Nordwind“ gelesen, jene ungewöhnliche Liebesgeschichte, in der sich zwei Menschen, die einander nie gesehen haben, per E-Mail rettungslos verlieben.

    Für sie ist die Geschichte von Emmi und Leo abgeschlossen? Mag sein! Aber nicht für Emmi und Leo!!

    Meine Meinung

    Nach dem fulminanten halboffenen Ende von „Gut gegen Nordwind“ geht mit „Alle sieben Wellen“ die Geschichte um Emmi Rothner und Leo Leike ins große Finale! Daniel Glattauer kann nahtlos an den Zauber des Vorgängers anschließen und nimmt seine Leser gleich direkt wieder mit in die Geschichte …

    Emmi und Leo: Eine Geschichte wie sie schöner nicht sein kann!
    Nachdem sich Emmi nun seit einige Zeit mit dem Systemadministrator von Leos Postfachs unterhalten hat, antwortet dieser plötzlich und unerwartet doch wieder selbst …
    Die Beiden leben mittlerweile ihre eigenen Leben, in denen der Andere nur noch ein Schemen der Vergangenheit ist! Und doch dauert es nicht lange und sie können wieder nicht voneinander lassen. Schon nach kurzer Zeit stellt sich die gewohnte Zweisamkeit ein und die Vertrautheit nimmt neuen Platz im Leben des Anderen ein. Aber ein kleiner Wehmutstropfen bleibt: Leo hält lange Zeit an einer imaginären Mauer fest, die Emmi nicht zu überwinden weiß …

    Daniel Glattauer schafft es, wie kaum ein Anderer, Liebesgefühle in Worte zu fassen und diese zum größten Teil auch nicht kitschig klingen zu lassen. Die Sprache ist frech, gefühlvoll, sarkastisch, zynisch und romantisch, aber auch eloquent und mitreißend. Auch der Sprachwitz und die doppeldeutigen Formulierungen, die wir schon aus dem ersten Band kennen, haben hier wieder ihren angestandenen Platz und sind einfach nur erfrischend.

    Eine Geschichte wie die von Emmi und Leo könnte jedem von uns im realen Leben schon einmal begegnet sein. Gerade im Zeitalter der modernen Kommunikation! Es ist schon fantastisch was trotz der Anonymität im World Wide Web und den virtuellen Begrenzungen, alles entstehen kann!

    An manchen Stellen hätte ich Leo ganz gerne mal in den Hintern getreten, damit er endlich zur Sache kommt und zeigt was er wirklich will. Die arme Emmi hat hier viel mehr Engagement und Herzblut bewiesen, aber vielleicht liegt es doch daran, dass der Roman von einem Mann geschrieben wurde, denen ja nachgesagt wird, dass sie es ja insgeheim mögen, wenn eine Frau hinter ihnen herjagt! Aber auch wir wollen ab und an erobert werden!  Zum Glück war Emmi so hartnäckig und wurde dafür letztendlich mit einem Happy-End belohnt …

    „Alle sieben Wellen“ steht „Gut gegen Nordwind“ in nichts nach. Man fühlt mit den Protagonisten mit! Man lacht! Man weint! … und eigentlich soll es doch bitte niemals enden!

  • „Gut gegen Nordwind“ | Daniel Glattauer

    Autor:  Daniel Glattauer
    Verlag:  Deuticke Verlag
    Genre:  Roman
    Seitenzahl:  223
    ISBN:  978-3-552-06041-8

    Gibt es in einer vom Alltag besetzen Wirklichkeit einen besser geschützt Raum für gelebte Sehnsüchte als den virtuellen?

    Bei Leo Leike landen irrtümlich E-Mails einer ihm unbekannten Emmi Rothner. Aus Höflichkeit antwortet er ihr. Und weil sich Emmi von ihm angezogen fühlt, schreibt sie zurück. Schon bald gesteht Leo: „Ich interessiere mich wahnsinnig für Sie, liebe Emmi! Ich weiß aber auch, wie absurd dieses Interesse ist.“

    Meine Meinung

    Auch wenn ich auf meinem Blog noch nicht viele Rezensionen zu Daniel Glattauers Büchern hochgeladen habe, so habe ich doch jedes Einzelne von ihnen gelesen … und in den meisten Fällen auch absolut gefeiert! Da nun bald der Kinofilm zu „Gut gegen Nordwind“ startet, möchte ich euch nicht meine Rezension zu diesem Buch vorenthalten …

    Alles beginnt mit einem Tippfehler! Eigentlich wollte Emmi nur das Zeitschriften-Abo ihrer Mutter kündigen, doch stattdessen landet ihre Email bei Leo Leike. Es folgt ein lustiger und schlagfertiger Emailwechsel, aus dem sich langsam und stetig mehr entwickelt. Mehr Zuneigung! Mehr Vertrautheit! Mehr Nähe! Mehr Gefühle!
    Beide entschließen sich, dem Gegenüber keine Details über ihre Person zu offenbaren sondern für den Anderen eine Phantasiegestalt zu bleiben. Doch schon bald tauschen Emmi und Leo immer intimere Gedanken aus, verbringen Stunden vor dem Bildschirm und überlegen irgendwann, sich doch einmal persönlich zu treffen. Nur eine Frage stellt sich: kann die Realität der Phantasie gegenüber überhaupt standhalten?

    „Gut gegen Nordwind“ gehört auf jeden Fall zu den Büchern, die ich immer wieder zur Hand nehme und die mir bei jedem Lesen ein Lächeln auf die Lippen zaubern. Jedes Mal nehmen mich Emmi und Leo von Beginn an für sich ein. Nicht etwa weil sie makellos sind. Ganz im Gegenteil, sind sie vielschichtig, zögerlich, zweifeln oft an sich selbst und ihrer Umgebung und sind in gewissen Maßen auch oft unaufrichtig. Alles in Allem wirken die Beiden gerade deswegen so glaubwürdig!

    Emmi und Leo sind zu Gefühlen fähig, um die ich sie in manchen Lebensphasen oft beneidet habe. Obwohl sie zunächst nur ein lapidares Missverständnis verbindet, fühlen sie sich zueinander hingezogen. Eine Anziehung die aber nicht nur in Worten funktioniert, sondern Eine deren Funke weit über sein Ziel hinausschießt!

    Tatsächlich durchzieht das Buch auch eine feine Erotik, die nie aufgesetzt wirkt, aber auch nicht rein vergeistigt bleibt. Vor allem Emmi steckt durch ihre Lebenssituation in einem Zwiespalt, dem sie auch in „Alle sieben Wellen“ nicht entkommen kann!

    Ich bin ein Freund wirklich guter Sprache! In der Geschichte stecken Sprachwitz und doppeldeutige Formulierungen … und es macht einfach Spaß! Auch die unerwarteten Wendungen machen das Buch spannend. Zudem gibt es an vielen Kapitelenden mitreißende Cliffhanger.

    „Liebe auf die erste E-Mail“
    Wem so etwas noch nie passiert ist, der kann sich vielleicht nicht hineindenken, aber ich kann es auf jeden Fall …

  • „Die Krone der Elemente“ | Matthias Oden

    Rezensionsexemplar
    Vielen Dank an den Verlag!

    Autor:  Matthias Oden
    Verlag:  Heyne Verlag
    Genre:  Fantasy
    Die Krone der Elemente, Band 1
    Seitenzahl:  731
    ISBN:  978-3-453-31956-1

    Viele Jahrhunderte wuchs das Heilige Reich Salischer Völker, bis es beinahe ganz Elyrdan umschloss. Nun ist der Vormarsch seiner Armeen zum Erliegen gekommen. Sein Herrscher, der alte Kaiser ist gebrechlich, die Fürsten streiten sich um ihre Pfründe, und die Seher kehren immer öfter ohne Antworten von den Traumfeldern zurück. Doch die eigentliche Gefahr ahnt noch niemand. Denn unbemerkt hat die ehrgeizige Oberbefehlshaberin des Nachbarlandes Chimrien ein Artefakt erlangt, das ihr unbegrenzte Macht zu verheißen scheint – eine seltsam schimmernde Krone.

    Meine Meinung

    Der amtierende Kaiser des Salenreiches ist alt und wurde bereits seit Wochen nicht mehr unter seinen Gefolgsleuten gesehen. Natürlich verbreitet sich da das Gerücht, er läge im Sterben, wie ein Lauffeuer unter den Landesfürsten, die in Zeiten von Krieg und Armut nach mehr Einfluss am Hof streben. Doch am Ende ist es eine junge Heeresführerin, die den Grenzkonflikt im Westen zwischen dem Kaiserreich und dem benachbartem Herzogtum anfeuert. Niemand ahnt, dass sie im Besitz der sagenumwobenen „Krone der Elemente“ gelangt ist, mit deren magischen Kräften sie Natur und Menschen gleichermaßen zu unterwerfen vermag! Schon bald setzt sie die Macht der Krone rücksichtslos ein und ein unerbittlicher Krieg entbrennt. Ein Krieg, der das Schicksal aller Menschen und das Antlitz der Welt für immer verändern wird …

    „Die Krone der Elemente“ war mein erstes Buch aus der Hand von Matthias Oden. Der Autor hat sich bereits mit seinem Erstlingswerk „Junktown“ in Deutschland einen Namen gemacht und auch sein zweites Buch hat mir sehr gut gefallen.

    Die Handlung springt zwischen den benachbarten Reichen hin und hier. Dabei begleiten wir viele unterschiedliche Protagonisten, deren Handeln für mich zu Beginn keinen Zusammenhang erahnen ließ. So haben wir unter Anderem einen Fürsten, der im Wald eine ungeheuliche Entdeckung macht. Einen Kaufmann, der eine enorme Waffenlieferung abfertigen soll. Eine Soldatin, die einen Geächteten jagt. Aber auch einen junger Seher, der versucht, aus Träumen einen Sinn zu ziehen. Jeder einzelne dieser Charaktere hat vom Autor seine eigene Persönlichkeit bekommen, die Schwung und Leben in die Geschichte gebracht und wirklich gut miteinander harmoniert haben. Alles in Allem für mich der wichtigste Kern der Geschichte..

    Man merkt auch deutlich, dass sich Matthias Oden mit Politik und Ethnologie auskennt, denn die Welt, die er erschaffen hat, ist so komplex und kulturreich, dass ich voll und ganz damit einverstanden bin, eine über 700 Seiten lange Einführung in diese Welt bekommen zu haben.
    Auch die Karten im Buch, waren für mich sehr wichtig, um mich jederzeit zu orientieren.

    Die Erzählstränge sind wunderbar flüssig und in einer sehr angenehmen Sprache verfasst, die dem Leser den mittelalterlichen Charakter der Geschichte sehr gut näher bringt. Wir befinden uns so gut wie durchgehend auf Schlachtfeldern und trotzdem wurde die Geschichte nicht eintönig und schwerfällig.

    Matthias Oden setzt Frauen und Männer absolut gleich, das ist mir bereits in den ersten Kapiteln aufgefallen. Wir finden beide Geschlechter in Herrscherrollen, aber auch als aktive Fußsoldaten wieder, ohne dass je darauf angespielt wird, dass das jemals anders war.

    Auch Spiritualität, Religion und Magie nehmen in diesem Buch eine sehr fein gezeichnete Rolle ein. Nebensächlich, aber immer wieder in guten Dosen eingestreut. Die Geschichte blieb, für einen Roman aus dem „Fantasy“-Genre, wirklich stark am Boden.

    Ich werde die Reihe auf jeden Fall weiter verfolgen und bin sehr froh, dass ich „Die Krone der Elemente“ gelesen habe!

  • „Nacht über Tanger“ | Christine Mangan

    Rezensionsexemplar
    Vielen Dank an den Verlag!

    Titel im Original:  „Tangerine“
    Autor:  Christine Mangan
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Irene Eisenhut
    Verlag:  Blessing Verlag
    Genre:  Roman
    Seitenzahl:  367
    ISBN:  978-3-89667-603-0

    Alice und Lucy haben sich ein Jahr nicht gesehen, als sie sich Mitte der Fünfzigerjahre in Marokko wiedertreffen. Diese Begegnung weckt Erinnerungen an einen tiefen Verlust und fördert längst verdrängte Gefühle zu Tage, die sich in der drückenden, engen und politisch aufgeladenen Atmosphäre Tangers in eine gefährliche Obsession verwandeln …

    Meine Meinung

    Nach dem frühen Tod der Eltern wächst die junge Alice Shipley sehr behütet im Hause ihrer Tante Maude auf. Als sie Jahre später zum Studium nach Bennington zieht, ist sie froh, gleich am ersten Tag die lebenslustige Lucy kennen zu lernen. Beide teilen sich ein Zimmer und werden beste Freundinnen. Doch die Zeit dort endet für Alice abrupt und mit einer großen Katastrophe!
    Im Jahre 1956 zieht Alice mit ihrem frisch angetrauten Ehemann John nach Tanger. Obwohl er nicht der Mann ihrer Träume ist, hofft sie dennoch, an seiner Seite die schrecklichen Bilder hinter sich zu lassen. Doch als eines Tages völlig überraschend ihre ehemalige Zimmergenossin vor ihrer Tür steht, wird ihr klar, dass sie vor ihrer Vergangenheit nicht weglaufen kann. Schon gar nicht, als kurze Zeit später ihr Ehemann spurlos verschwindet …

    Mit „Nacht über Tanger“ bringt uns Christine Mangan einen tollen atmosphärischen Roman, der uns tief ins Marokko der 50er Jahre zieht. Die Ereignisse werden abwechselnd aus Alices und Lucys Sicht erzählt. Dabei erinnern sich die beiden Frauen in Rückblenden auch an ihre gemeinsame Zeit auf dem College. Auf diese Weise entsteht ein immer detaillierteres Bild ihrer Persönlichkeiten, die sich doch grundlegend voneinander unterscheiden.
    Man bekommt auch sehr schnell ein Bild davon, wie es damals zu dem mysteriösen Unfall kam, der Alice Leben so einschneidend verändern sollte!

    Christine Mangan hat einen sehr bildlichen und detaillierten Erzählstil, der mich sofort fesseln konnte. Dennoch ist die Geschichte eher ruhig erzählt und verströmt den zeitgeschichtlichen Flair Marokkos. „Nacht über Tanger“ steht und fällt mit seinen Protagonisten. Die Autorin zeichnet sehr vielschichtige Charaktere, mit Ecken und Kanten, die mir persönlich zwar nicht immer sympathisch waren, mich aber dennoch von sich überzeugen konnten. Die Geschichte wird auch durch die interessanten Wendungen unterstützt.

    Das Hauptaugenmerk liegt ganz klar auf Lucys obsessiver Liebe gegenüber Alice. Einer Liebe, die schon in der Realität nur in den seltensten Fällen auf Gegenseitigkeit beruht und daher auch in diesem Fall unweigerlich zum Scheitern verurteilt ist. Die daraus resultierende Eifersucht ist nicht nur gefährlich, auch deren Erscheinungsformen und Auswirkungen werden in diesem Buch sehr gut thematisiert. Es ist der Autorin gelungen, die Problematik psychologisch tiefgründig und vielschichtig zu veranschaulichen.

    Auch die exotische Atmosphäre Tangers mit dem Labyrinth aus engen Gassen, den pulsierenden, farbenfrohen und geruchsintensiven Souks, den Pfefferminztees, den kleinen urigen Cafés und der brütenden Hitze wurden wunderbar für den Leser eingefangen.

    „Nacht über Tanger“ ist eine psychologische Charakterstudie, an der auch Alfred Hitchcock und Daphne du Maurier ihre Freude gehabt hätten!

  • „Die Wege der Macht“ | Jeffrey Archer

    Titel im Original:  „Mightier than the Sword“
    Autor:  Jeffrey Archer
    Aus dem Englischen übersetzt von Martin Ruf
    Verlag:  Heyne Verlag
    Genre:  Historischer Roman
    Clifton-Saga, Band 5
    Seitenzahl:  587
    ISBN:  978-3-453-41992-6

    Die Wege der Familie Clifton und Barrington sind gezeichnet von Glück und Leid, von Machtspielen und Schicksalsschlägen. Während sich sein Jugendfreund Giles in eine Frau mit dunkler Vergangenheit verliebt, reist Harry Clifton nach Sibirien. Harry will dem dort inhaftierten Schriftsteller Babakow helfen – und bringt sich damit in große Gefahr. Auch für seine Frau Emma, die der Barrington-Gesellschaft vorsteht, schlägt eine schwere Stunde …

    Meine Meinung

    „Die Wege der Macht“ ist inzwischen der 5. Band der packenden Clifton-Saga und schließt nahtlos an die dramatischen Ereignisse am Ende des Vorgängers an.

    Nachdem die Jungfernfahrt des Passagierschiffes „MV Buckingham“, dem ersten Luxusliner der Barrington Schifffahrtsgesellschaft, nur knapp einer entsetzlichen Katastrophe entkommen konnte, versucht die Vorstandsvorsitzende Emma Clifton weiterhin alles, um das traditionsreiche Familienunternehmen am Laufen zu halten und den Vorstand auf ihrer Seite zu behalten. Doch neue Intrigen lassen nicht lange auf
    sich warten …
    In der Zwischenzeit versucht Harry, der sich als erfolgreicher Schriftsteller einen Namen machen konnte, alles, um den in Sibirien inhaftierten Autor Anatoli Babakov zu helfen. Dafür nimmt er eine gefährliche Reise in Kauf und gerät in eine Situation, mit der er niemals gerechnet hätte…
    Auch die Wege der anderen Familienmitglieder sind nicht immer einfach, wie es Sebastian Clifton und sein Onkel Giles Barrington schon bald zu spüren bekommen!

    Um dem Leser den Einstieg in die Geschichte zu erleichtern, gibt uns der Prolog nochmal einen sehr hilfreichen Rückblick auf die letzten Geschehnisse und so wird auch der fiese Cliffhanger aus dem letzten Band gleich zu Beginn des Buches aufgelöst. Auch danach geht es sofort packend weiter:  Die Schwerpunkte der Geschichte wurden sehr gut zwischen den Protagonisten aufgeteilt.  Alle haben ihre unterschiedlichen Themen, die von Jeffrey Archer spannend und mitreißend, aber dennoch locker und leicht erzählt wurden. Freude und Erfolg, aber auch Leid und Missgunst haben hier ihren Platz! Intrigen und Verschwörungen, die auch diesmal für mich nie langweilig wurden. Die ganzen Verwicklungen sind raffiniert und völlig unvorhersehbar.

    Leider konnte mich der Handlungsstrang um Harry und Anatoli Babakov nur bedingt überzeugen. Hier haben mir leider die konkreten Anhaltspunkte für Harrys Aktionismus gefehlt. Wie kam er auf Babakov? Warum gerade er? Und Warum verbeißt er sich so in dessen Lebensgeschichte?
    Ein kleiner Kritikpunkt meinerseits!

    Der Schreibstil ist dennoch flüssig, die Handlung an vielen Stellen rasant und in Kombination mit den kurzen ruhigeren Abschnitten ein tolles Leseerlebnis. Es gibt ein fesselndes Ende und natürlich auch den schon berühmten bitterbösen Cliffhanger …

    Wieder ein gelungener Band der Clifton-Saga!
    Ein Roman, der im historischen Bereich angesiedelt ist, sich aber so spannend wie ein Krimi liest!