• „München“ | Robert Harris

    Titel im Original: „Munich“
    Autor: Robert Harris
    Aus dem Englischen übersetzt von Wolfgang Müller
    Verlag: Heyne
    Genre: Thriller
    Seitenzahl:  426
    ISBN: 978-3-453-27143-2

    September 1938. Die Welt auf Kollisionskurs.
    Wie weit muss man gehen, wenn man den drohenden Krieg verhindern will?

    In München treffen sich Hitler, Chamberlain, Mussolini und Daladier zu einer kurzfristig einberufenen Konferenz. De Weltfrieden hängt am seidenen Faden. Im Gefolge des britischen Premierministers Chamberlain befindet sich Hugh Legat aus dem Außenministerium, der ihm als Privatsekretär zugeordnet ist. Auf der deutschen Seite gehört Paul von Hartmann aus dem Auswärtigen Amt in Berlin zum Kreis der Anwesenden. Insgeheim ist er Mitglied einer Widerstandszelle gegen Hitler!

    Meine Meinung

    Dass Robert Harris ein Meister seines Fachs ist, müsste bei den Lesern von Kriminalromanen und Thrillern ja bereits weitgehend bekannt sein. In „München“ verarbeitet er die vergeblichen Bemühungen, Adolf Hitler von dem drohenden Krieg abzuhalten.

    Die Handlung erstreckt sich über die vier ereignisreichen Tage der Münchner Konferenz im September 1923. Wir begleiten unsere beiden Protagonisten Hugh Legat auf der britischen und Paul von Hartmann auf der deutschen Seite, welche sich von ihrem gemeinsamen Studium in Oxford kennen. Legat arbeitet als einer der Privatsekretäre des englischen Premierministers Neville Chamberlain, der die schwierige und angespannte Lage mit seiner Appeasement-Politik retten möchte. Aber auch im deutschen Lager bekommt der Führer Gegenwind: Von Hartmann hat sich einer Gruppe Aufständiger angeschlossen, die scharf gegen die machthungrige und unmenschliche Führung der Nationalsozialisten vorgehen möchten.

    Robert Harris liefert seinen Lesern auch in diesem Buch wieder gut recherchierte und sehr klar ausformulierte Schilderungen der politischen Lage der damaligen Zeit. Ich würde dieses Buch nicht als Thriller, sondern eher als Kriminalroman bzw. als Politkrimi einstufen, ist das Buch doch sehr ruhig und sachlich gehalten. Wer aber Interesse an den Vorgängen des 2. Weltkrieges zeigt, wird hier voll auf seine Kosten kommen.

    Der Roman ist klug konstruiert, spannend erzählt und besticht durch seine klare und schöne Sprache. Die Recherchen sind glaubwürdig, detailreich und zeugen von der Kenntnis des Autors. Auch Atmosphärisch ist er sehr dicht. Die Spannung wurde vielschichtig aufgebaut und hielt mich trotz der sachlichen Ruhe sehr gut in der Geschichte!

    Robert Harris gelingt es wie keinem Anderen, historische Ereignisse und Personen zum Leben zu erwecken!

    Der spätere Premierminister Churchill zieht mit seinem Kommentar ein sehr klares Resümee aus der Münchner Konferenz: „Sie (Neville Chamberlain) hatten die Wahl zwischen Krieg oder Schande. Sie haben die Schande gewählt und werden den Krieg bekommen!“

  • „Der Helicopter Coup“ | Jonas Bonnier

    Titel im Original: „Helikopterranet“
    Autor: Jonas Bonnier
    Aus dem Schwedischen übersetzt von Susanne Dahmann
    Verlag: Piper Verlag
    Genre: Kriminalroman
    Seitenzahl:  402
    ISBN: 978-3-492-05847-6

    Ein Helicopter. Vier Räuber. Ein Bankdepot.

    Am frühen Morgen des 23. September 2009 schrillt im Stockholmer Banknotendepot der Alarm. Auf dem Dach des Gebäudes ist ein Helicopter gelandet. Der ehrgeizige Plan: Die 40 Millionen Kronen aus dem Depot holen und fliehen, bevor die Polizei erscheint. Doch der Plan der vier Räuber ist nicht perfekt – und deshalb nimmt der spektakuläre Überfall eine unglaubliche Wendung.

    Meine Meinung

    „Der Helicopter Coup“ ist der neueste Roman von Jonas Bonnier und beruht auf einer wahren Begebenheit. Ein unterhaltsamer Kriminalroman mit dem Flair von „Ocean`s Eleven“!

    Im September 2009 detoniert auf dem Dach des Stockholmer Banknotendepots ein Sprengstoffpaket. Es eröffnet vier Räubern den Weg zu 40 Millionen Kronen. Der Plan sieht vor, mit einem Helicopter zu fliehen und die Beute an einem sicheren Ort zu verstecken. Mehr als acht Monate haben Niklas Nordgren, Michel Malouf, Sami Farhan und Zoran Petrovic in die minutiöse Vorbereitung des Millionencoups gesteckt, der als spektakulärster Raubüberfall in der Geschichte Schwedens eingehen soll. Doch damit ist die Beute noch nicht in Sicherheit …

    Jonas Bonnier erzählt die Geschichte chronologisch von der Planung bis zur Ausführung, mit vielen spannenden und mitreißenden Wendungen, die beweisen, dass die Realität oft spannendere Geschichten schreibt, als es mancher Autor kann. Bei der Recherche für diesen Thriller fuhr er sogar direkt zu den verurteilten Täter um diese nach dem Ende ihrer Gefängnisstrafen ausführlich zu befragen. Allerdings sollte man sich vorab bewusst sein, dass das Buch nicht das gesamte Geschehen wahrheitsgetreu wiedergibt: Es ist vielmehr eine Kombination aus Realität, angereichert mit Fiktion, um ungeklärte Fragen zu beantworten, wie etwa der nach der verschollenen Beute.

    Der Autor hat eine sehr angenehme Art seine Geschichte, aber auch die Spannung darin aufzubauen. Das Tempo steigert sich langsam aber stetig und passt sich so den Geschehnissen wunderbar an. Auch die Protagonisten blieben nicht unscheinbar: Jeder hat seine eigene Geschichte und man erfährt viele Details aus deren Privatleben, aber auch die Gründe für deren Mitwirken bei dem Coup.

    Zu Beginn der Geschichte erfassen die Kapitel ganze Monate und sind dementsprechend ausführlicher. Vermutlich werden einige Leser hier auch kleine Längen finden.
    Zum Ende hin umfassen sie nur noch Stunden bzw. Minuten und wir sind direkt im Geschehen mit dabei!
    Leider gab es auch einige Handlungsstränge, deren Bedeutung ich bis heute nicht herausgefunden habe. Sie wurden irgendwann in die Handlung eingewoben und verliefen dann im Sande. Das wirkte ein bisschen chaotisch!

    Bis heute haben die vier Räuber nie über ihre Tat gesprochen, in deren atemberaubendem Verlauf es der Polizei nicht gelang, sie aufzuhalten. So sind der 23. September 2009 zu einem schwedischen Mythos und die Täter zu nationalen Helden geworden!

  • „Das Spiel des Engels“ | Carlos Ruiz Zafón

    Titel im Original: „El Juego del Ángel“
    Autor: Carlos Ruiz Zafón
    Aus dem Spanischen übersetzt von Peter Schwaar
    Verlag: Fischer Verlag
    Genre: Roman
    Der Friedhof der vergessenen Bücher, Band 2
    Seitenzahl: 711
    ISBN: 978-3-10-095400-8

    Der junge David Martin fristet sein Leben indem er unter falschem Namen Schauerromane schreibt. Plötzlich erhält er einen mit dem Zeichen eines Engels versiegelten Brief, in dem im der Mysteriöse Verleger Andreas Corelli einlädt. Angelockt von dem Talent des jungen Autors hat er einen Auftrag für ihn, dem David nicht widerstehen kann.
    Aber David ahnt nicht, in welchen Strudel furchterregender Ereignisse er gerät …

    Meine Meinung

    Mit „Das Spiel des Engels“ geht es in der Geschichte rund um die Familie Sempere weiter. Wobei hier der Friedhof der vergessenen Bücher nur kurz angeschnitten wird, jedoch keine so gewichtige Rolle wie in „Der Schatten des Windes“ einnimmt.

    Da ich die gesamte Reihe bereits gelesen habe, kann ich euch verraten, dass ihr dieses Buch nicht mit dem Ersten vergleichen solltet. Natürlich besteht eine Verbindung in der Geschichte, aber der Inhalt ist viel mystischer und surrealer! Auch der Erzählstil ist schwammiger und „theatralischer“. Dies ist durchaus vom Autor so gewollt und ihr werden die Erklärung hierfür auf jeden Fall im nächsten Band „Der Gefangene des Himmels“ finden, das kann ich euch versprechen. Grade was das Ende betrifft!
    Nehmt das Buch einfach so wie es ist und wartet ab, was danach weiter passiert …

    Wir schreiben das Jahr 1930 in Barcelona, während der turbulenten Jahre des Bürgerkrieges!
    Der junge David Martín, der als ernsthafter Schriftsteller verkannt wird, fristet sein Dasein als Verfasser von gruseligen Groschenromanen. Sein bester Freund schnappt ihm die Liebe seines Lebens weg und er muss zu alledem noch erfahren, dass er unter einer tödlichen Krankheit leidet. Kann das Leben noch trostloser verlaufen?
    Doch ein mysteriöser Anhänger glaubt beständig an sein Talent:  Der Verleger Andreas Corelli, der ihm ein ungewöhnliches Projekt vorschlägt. David kann nicht widerstehen, hat er doch auch nichts zu verlieren. Er ahnt noch nicht, auf was er sich da eingelassen hat …

    Inhaltlich ist „Das Spiel des Engels“ gute 15 Jahre vor dem Auftakt der Reihe angesiedelt. Wir erfahren hier überwiegend über das Leben der Eltern von Daniel Sempere, aber vor allem von seiner früh verstorbenen Mutter Isabella, die als junges Mädchen eine Zeitlang mit David Martín zusammengelebt hat.

    Wie auch bei „Der Schatten des Windes“ besticht dieser Roman durch seine Charaktere, die einen ganz besonderen Charme mit sich bringen und seine ganz eigene harmonische und bildliche Sprache, die für mich einen unheimlichen Sog entwickelt. Am liebsten hätte ich mich gleich direkt nach Barcelona gewünscht!

    Carlos Ruiz Zafón transportiert einen wunderbar zarten Humor, der unglaublichen Spaß beim Lesen macht.

    Auch die Handlung ist toll aufgebaut und schon jetzt tauchen immer mehr Verknüpfungen und Erklärungen zum Vorgängerband auf!

    „Das Spiel des Engels“ ist sehr magisch mit viel gruseliger Atmosphäre und Spannung.

  • „Ewige Schuld“ | Linda Castillo

    Titel im Original: „Down a Dark Road“
    Autor: Linda Castillo
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Helga Augustin
    Verlag: Fischer Verlag
    Genre: Thriller
    9. Fall von Kate Burkholder
    Seitenzahl:   365
    ISBN: 978-3-596-29802-0

    Seit zwei Jahren sitzt Joseph King wegen des Mordes an seiner Frau Naomi hinter Gittern. Er gilt als ein „gefallener“ Amischer, einer der ständig mit dem Gesetz in Konflikt geriet. Jetzt ist er ausgebrochen und hat seine fünf Kinder als Geiseln genommen. Als Kate Burkholder die Kinder auf eigene Faust befreien will, wird sie von King überwältigt. Seine Forderung lautet: Du kannst gehen, aber finde den Mörder meiner Frau!

    Meine Meinung

    Joseph King – ein Nachbar und Jugendfreund von Kate Burkholder – sitzt wegen dem Mord an seiner Frau seit zwei Jahren im Gefängnis. Obwohl er die Tat von der ersten Minute an und auch noch die Jahre danach bestreitet, wird er Schuldig gesprochen. Die Gemeinde der Amischen verstößt ihn und auch sonst will ihm Niemand zuhören …
    Als sich die Möglichkeit ergibt, flieht Joseph kurzerhand aus dem Gefängnis. Er kehrt nach Painters Mill zurück um seine Kinder zu sehen und nimmt Kate, die bereits vor der Farm seiner Familie auf sein Auftauchen wartet, als Geisel. Mit ihrer Hilfe möchte er seine Unschuld beweisen!
    Alle – auch Kate – sind von seiner Schuld überzeugt, doch sie hält ihr Versprechen und forscht nach!

    Obwohl man schon recht früh in der Geschichte ahnt, wie der Hase am Ende läuft, waren die Zusammenhänge und die Ermittlungsarbeit toll und bis zur letzten Seite spannend beschrieben. Kate Burkholder sticht bei ihren Nachforschungen geradewegs in ein Nest aus Korruption, Vertuschung und Skrupellosigkeit, was allerdings nicht ungefährlich für sie ist. Ziemlich rasant jagt sie von einer Gefahr zur Nächsten und auch in diesem Buch bekamen wir wieder einige dieser fiesen Schockmomente, in denen einem beim Lesen die Luft stehen bleibt und man sich reflexartig an den Kopf fasst.

    Mir gefiel es auch, wieder etwas mehr aus Kats Vergangenheit bzw. ihrer Kindheit zu erfahren. Sie war schon damals ein kleiner Trotzkopf und wusste, wie sie mit ihren größeren Geschwistern mithalten konnte. Auch was ihre Freundschaft zu Joseph King anging!

    Natürlich mag ich John Tomasetti als Charakter sehr, aber ich hab es lieber, wenn er in den Büchern etwas zurückgenommen wird, was in „Ewige Schuld“ durchaus der Fall ist. Er hat natürlich seine Berechtigung in Kates Leben und bereichert die Geschichte durch seine liebevolle Art, er ist als Polizist aber doch ein sehr klischeebehafteter Charakter, der seine Lebensgefährtin mit aller Macht beschützen und behüten will.

    Kats Handlungen werden gefühlt von Band zu Band impulsiver und teilweise auch leichtsinniger, blieben für mich als Leser aber doch verständlich und nachvollziehbar. Linda Castillo hat eine tolle Art gerade dieses Stilmittel sehr gut an den Leser zu transportieren.
    Was den restlichen Schreibstil betrifft muss ich nicht mehr viel sagen, oder? Sie ist eine Meisterin ihres Fachs. Ich liebe ihre Art Spannung auf vollkommen unblutige Art und Weise aufzubauen und Szenen bildlich zu gestalten. Sie schreibt rasant und die Seiten fliegen nur so dahin!

  • „Harry Potter und der Orden des Phönix“ | Joanne K. Rowling

    Titel im Original: „Harry Potter and the Order of the Phoenix“
    Autor: Joanne K. Rowling
    Aus dem Englischen übersetzt von Klaus Fritz
    Verlag: Carlsen
    Genre: Jugendbuch
    Harry Potter, Band 5
    Seitenzahl:  1.021
    ISBN: 978-3-551-55555-7

    Es sind Sommerferien und wieder einmal sitzt Harry bei den unsäglichen Dursleys im Ligusterweg fest. Doch diesmal treibt ihn größere Unruhe denn je – warum schreiben seine Freunde Ron und Hermine nur so rätselhafte Briefe? Und vor allem: Warum erfährt er nichts über die dunklen Mächte, die inzwischen neu entstanden sind? Noch ahnt er nicht, was der geheimnisvolle Orden des Phönix gegen Voldemort ausrichten kann …

    Als Harrys fünftes Schuljahr in Hogwarts beginnt, werden seine Sorgen nur noch größer. Und dann schlägt der Dunkle Lord wieder zu. Harry muss seine Freunde um sich scharen, sonst gibt es kein Entrinnen.

    Meine Meinung

    Auch seine vierten Sommerferien muss Harry Potter wieder bei den Dursleys verbringt. Als er und sein Cousin eines Abends von Dementoren angegriffen werden, wird Harry kurzerhand in den „Orden des Phönix“ gebracht, der von Albus Dumbledore zur Bekämpfung von Lord Voldemort und seinen Totessern gegründet wurde. Dessen Sitz ist im Elternhaus von Harrys Paten Sirius Black in London untergebracht.
    In der Zwischenzeit erweckte der Zaubereiminister in der Magiergemeinde den Eindruck, Harry sei verrückt geworden und möchten sich nur aufspielen, denn nur so sei seine Behauptung zu verstehen, Lord Voldemort habe seine Macht zurückerlangt.

    Zurück in Hogwarts, müssen die Schüler mit viel Elan in das neue Schuljahr starten. Die ZAGs, die ihren weiteren Berufsweg maßgebend beeinflussen, stehen an der Tagesordnung und die Lehrer ziehen ihr Programm straff an.
    Dolores Umbridge ist die neue Lehrerin im Fach „Verteidigung gegen die dunklen Künste“ und frei nach den Richtlinien des Zauberministeriums so gar nicht damit einverstanden, dass praktische Übungen das Können der Schüler fördert! Daher übernimmt Harry in einer Nacht und Nebelaktion das wöchentliche Training seiner Freunde und vermittelt ihnen das nötige Wissen.
    Sobald diese Zusammentreffen auffliegen, wird Dumbledore der Schule verwiesen und Umbridge übernimmt als Großinquisitorin die Leitung!

    Ich dachte wirklich, dass kein Lehrer meine Abneigung gegen Gilderoy Lockhart noch übertreffen kann, aber Dolores Umbridge steigert das Level nochmal um Einiges! Ihr andauerndes „chrm, chrm“ (piepsiges räuspern) ging mir so richtig auf die Nerven. Die Figur an sich und auch die Art wie sie die Kinder und natürlich im speziellen unseren Harry quält, ließ mich stark an den Ausartungen und die Methoden des 2. Weltkrieges denken! Auch was das Hörbuch betrifft: Umbridge wird mit einem österreichisch/deutschen Dialekt gesprochen, was auch wieder stark in diese Richtung geht!
    Ihr „Abhandenkommen“ war für mich eine Wohltat und ich konnte die ganzen Seiten über vor mich hin schmunzeln!

    Während einer Prüfung schläft Harry ein und träumt, dass Sirius Black in die Gewalt von Lord Voldemort gerät. Um Diesen zu Retten, machen sich die Freunde auf nach London!

    Ich finde das Buch wirklich spannend und gut erzählt. Ausnahmslos alle Protagonisten haben sich weiterentwickelt und auch die neu eingeführten Charaktere scheinen sich in der Geschichte sichtlich wohl zu fühlen!

  • „Die blaue Auferstehung“ | Frank Martin

    Abgebrochenes Buch!

    Autor: Frank Martin
    Verlag: Selbstpublisher
    Genre: Horror  |  Historischer Roman
    Seitenzahl:  570
    ISBN: 978-1-587-1158-2

    Franken, 10. Jahrhundert, Wintereinbruch. Feindliche Heere ziehen durch das trostlose Hungerland. Der Leibeigene Richard ist auf der Suche nach einer Ziege als unweit von ihm ein blau schimmernder Meteorit einschlägt. Kurz darauf erheben sich die Toten aus ihren Gräbern und trachten als grausige Wiedergänge nach dem Fleisch jeglichen Lebens.

    Richard kann, alleine mit seiner Hirtenschleuder bewaffnet fliehen – ihm bleibt nur eine Chance, wenn er überleben will: die Flucht durch das mit Untoten verseuchte Moor!

    Meine Meinung

    Auch wenn ich „Die blaue Auferstehung“ von Frank Martin nicht bis zum bitteren Ende durchgehalten habe, ist es dennoch ein wirklich lesenswertes und interessantes Buch.

    Wir befinden uns im winterlichen Franken des 10. Jahrhunderts. Feindliche Heere ziehen vom Hunger ausgezehrt durch das trostlose Land. Der Leibeigene Richard ist auf der Suche nach einer Ziege, als unweit von ihm ein blau schimmernder Meteorit einschlägt. Kurz darauf erheben sich die Toten aus ihren Gräbern und trachten als Wiedergänger nach dem Fleisch jeglichen Lebens.
    Auch Wulf, ein Verbrecher und skrupelloser Krieger, der nach einer verlorenen Schlacht gegen die Ungarn von seinen Kameraden zum Sterben zurückgelassen und von dem Geistlichen Bruder Martinus gesund gepflegt wurde, stellt sich gemeinsam mit dem Mönch dem Kampf gegen die Untoten!

    Die Zombies in „Die blaue Auferstehung“ sind absolut Old School: Hirntot, Staksend und Instinktgesteuert! Anders als in manch bekannten Verlagsbüchern funktioniert hier die Apokalypse im tiefsten Mittelalter aber wirklich gut. Das Frankenreich lag damals schon in den letzten Zügen und der Krieg war allgegenwertig. Auf Grund der altertümlichen Waffen sind die Kämpfe gegen die Untoten sehr klassisch und auch von Frank Martin sehr gut und zackig beschrieben.
    Auch die Gesellschaftsordnung in dieser Zeit und der raue Umgang der Menschen wurden gut in die Handlung mit eingebaut und brachten zusätzlich noch den gewünschten Charme mit.

    Leider geht im Laufe des Buches die Handlung zu Gunsten von Action und Metzeleien verloren!
    Die Seiten sind gespickt von spritzendem Blut, splitternden Knochen und freigelegten Gedärmen … und das gefühlt in jedem zweiten Absatz! Unsere Protagonisten machen sich auf die Reise, werden von Wiedergängern in die Enge getrieben und schlachten diese ab. Dann laufen sie wieder weiter um drei Seiten später in den nächsten Hinterhalt zu geraten! Und so zieht es sich durch die Kapitel …
    Nach den ersten 20 gespaltenen Schädeln ist der Reiz nur noch halb so schön …

    Es bauen sich zwar mehrere Handlungsstränge auf, die auch zusammengeführt werden, aber durch das andauernde auftauchen von neuen Untoten kommt die eigentliche Geschichte nicht mehr in den Vordergrund!

    Wenn ihr mit diesem Faktor gut umgehen könnt, ist dieses Buch sicher genau das Richtige für euch! Die Story ist wirklich toll, die Charaktere sind schön ausgearbeitet und der Schreibstil ist mitreißend und flüssig! Nur die Umsetzung war für mich das Problem!

  • „Der Vollstrecker“ | Chris Carter

    Titel im Original: „The Executioner“
    Autor: Chris Carter
    Aus dem Englsichen übersetzt von Sybille Uplegger
    Verlag: Ullstein Verlag
    Genre: Thriller
    2. Fall von Robert Hunter & Carlos Garcia
    Seitenzahl: 488
    ISBN: 978-3-548-28110-0

    Los Angeles, kurz vor Weihnachten:  Ein katholischer Priester wird brutal ermordet. Vom Kopf des Toten fehlt jede Spur. Der Täter hat ihm stattdessen einen Hundekopf aufgesetzt. Als Hunter und Garcia an den Tatort, eine kleine Kirche, kommen, gibt ihnen nicht nur die Inszenierung der Leiche Rätsel auf. Kryptische Blutspuren befinden sich am Boden und auf der Brust des Toten steht, mit Blut geschrieben, die Zahl Drei. Beim Durchforsten der Tagebuchaufzeichnungen  des Toten stoßen sie auf ungeahnte Parallele.

    Meine Meinung

    „Der Vollstrecker“ … und w0er den ersten Band der Reihe um die Ermittler Robert Hunter und Carlos Garcia kennt, der weiß, dass Chris Carter für Spannung und Nervenkitzel garantiert.

    Ein brutaler und skrupelloser Killer macht Los Angeles unsicher! Hunter und Garcia werden zu früher Stunde an einem Tatort gerufen: Vater Fabian wird nach der Beichtstunde in seiner Kirche enthauptet. Und als ob das noch nicht brutal genug wäre, setzt ihm der Mörder einen Hundekopf auf. Alles deutet auf einem Ritualmord hin. Der Mörder ist schlau, gut durchdacht und auf jeden Fall ist er von der grausamen Sorte!
    Schon bald stoßen Robert Hunter und Carlos Garcia auf ein weiteres Opfer und es scheint eine Verbindung zwischen den beiden Toten zu geben …

    Nachdem Chief Bolten in seinen wohlverdienten Ruhestand geschickt wurde, ist mit Barbara Blake auch ein neuer Captain mit von der Partie. Eine starke Frau, die ihrem Job gewachsen ist. Sie wird gleich zu Dienstantritt mit dem grausamen Fall konfrontiert und greift bei den Mitarbeitern des Morddezernats streng durch, um ihre neue Linie durchzusetzen. Sie ist ihrem Team gegenüber durchaus ein loyaler Vorgesetzter und wirkt sehr sympathisch auf mich.

    Mir hat der zweite Fall von Chris Carter sehr gut gefallen! Anders als das schlichte Cover, strotzt der Inhalt in diesem Buch wieder mit einem rasanten Schreibstil, der genau die richtigen Bilder in die Köpfe der Leser transportiert. Der Spannungsaufbau ist ebenso gelungen und zieht sich konstant durch das Buch. Auch die Geschichte, die letztendlich hinter allem steckt ist schlüssig, aber nicht so offensichtlich das man zu früh ahnt, wer hinter den Morden steckt. Es passieren immer wieder Situationen die den Leser zum nachdenken bringen!

    Und Chris Carter? Er ist ein wirklich guter Schriftsteller!
    Er weiß ganz genau wie er seine Leser auf das nächste Kapitel neugierig machen kann. Diese schließen meistens mit einem offenen Ende, was mich automatisch zum weiterlesen animiert hat. „Was haben die Ermittler herausgefunden?“, „Gibt es einen neuen Tatort?“ und „Wie geht es in der spannenden Nebengeschichte weiter?“
    SCHRECKLICH!! Mir fiel es immer wieder schwer das Buch zur Seite zu legen …

  • „Das Rosie-Effekt“ | Graeme Simsion

    Titel im Original: „The Rosie-Effect“
    Autor: Graeme Simsion
    Aus dem australischen Englisch übersetzt von Annette Hahn
    Verlag: Fischer Verlag
    Genre: Roman  |  Humor
    Don Tillman, Band 2
    Seitenzahl:  557
    ISBN: 978-3-596-52118-0

    Don Tillman, sozial ungelenker Wissenschaftler auf der Suche nach der großen Liebe, hat es geschafft: sein „Ehefrau-Projekt“ ist abgeschlossen, er lebt mit der umwerfenden Rosie glücklich verheiratet in New York. Und dann gibt es Neuigkeiten:  Rosie ist schwanger!

    Selbstverständlich will Don der perfekteste werdende Vater sein, den es je gab …

    Meine Meinung

    Herzlich Willkommen in der Welt von Rosie und Don! Es geht weiter …

    „Der Rosie-Effekt“ spielt einige Monate nach seinem Vorgängerband. Der kühle und rational denkende Genetiker Don Tillman und seine ihm frisch angetraute Ehefrau Rosie, sind nach New York gezogen. Dort möchte sie ihre Doktorarbeit zu Ende schreiben und Don hat eine gute Anstellung an ihrer Universität bekommen. Natürlich arbeiten die Beide auch noch immer in einer Cocktailbar und mixen Drinks, eine Leidenschaft, die Rosie in Don geweckt hat und dem beide treu geblieben sind!
    Doch schon nach wenigen Monaten wird Rosie schwanger! Von der Neuigkeit unerwartet getroffen, schlittert Don mit seiner schwangeren und damit nur noch halb so geduldigen Frau in eine handfeste Ehekrise …

    Mit seiner bereits im ersten Buch hervorstechenden logischen Denkweise macht sich Don an die Lösung seiner Probleme. Da ihm empathische Fähigkeiten weitgehend fremd sind, kann er nur durch Beobachtung lernen oder sich das nötige Wissen anlernen. „Der Rosie-Effekt“ ist genau wie sein Vorgänger aus Dons Ich-Perspektive geschrieben, so kann der Leser sehr gut nachvollziehen, welche Gedanken ihn bei seinen Weg beschäftigen. Mit Hilfe von Auflistungen und Tabellen erfasst er alles strukturiert und ohne emotionale Störungen. Ihr könnt euch denken, dass er mit seinem ungewöhnlichen Verhalten oft aneckt und in so manch schwierige Situation kommt …
    Eigentlich sollte man meinen, dass Rosie ihn mittlerweile kennt und seine Reaktionen einschätzen kann, doch Dons allerwichtigstes Anliegen ist es, allen Stress von ihr fern zu halten um seinem Kind nicht zu schaden. So beginnt Don viele Dinge zu verheimlichen und Missverständnisse auf allen Ebenen sind vorprogrammiert!

    Auch in diesem Buch hat der Autor auffallend gut über den Charakter und die Gedankengänge eines Aspergerpatienten recherchiert und geschrieben. Schon im ersten Band konnte Graeme Simsion mich überzeugen und das zieht sich hier grandios weiter. Das Tolle darin ist, dass er den Humor und nicht das Defizitäre einer Asperger-Persönlichkeit hervorhebt. Menschen mit Asperger haben es in unserer Gesellschaft nicht immer leicht und erfahren viel Ablehnung aufgrund ihrer Art zu Denken, zu Fühlen und zu Handeln. Gleichzeitig werden sie aber auch oft wegen ihrer Inselbegabung bewundert.
    Graeme Simsions Humor wirkt weder beleidigend noch zieht er Situationen unangenehm ins Lächerliche.

    Auch Dons Männerrunde Gene, George und Dave sorgen für manch humorvolle Szene!

    Insgesamt gesehen ist „Der Rosie-Effekt“ ein würdiger Nachfolger für „Das Rosie-Projekt“!

  • „Katie“ | Christine Wunnicke

    Autor: Christine Wunnicke
    Verlag: Berenberg
    Genre: Horror
    Longliste Deutscher Buchpreis 2017
    Seitenzahl:  174
    ISBN:  978-3-946334-13-2

    Vielleicht liegt es am Nebel. Davon jedenfalls gibt es in London auch um 1870 herum genug, und wer weiß, vielleicht trübt er der Stadt kollektiv die Sonne. Kaum einer, der nicht dem Medium seiner Wahl vertraut, um in schummrigen Séancen mit dem Jenseits zu parlieren. Florence Cook ist das It-Girl der Branche – streng verschnürt im Schrank bringt sie die aufregendste aller Erscheinungen zutage: Katie, 200 Jahre jung und in gleißendes weiß gewandet, früher Piratentochter, heute eine unruhige Seele auf der Suche nach Erlösung.

    Meine Meinung

    Wir schreiben das Jahr 1870 im düsteren London. Die Stadt liegt im tiefsten Nebel, als ein junges Medium während einer Séance die knallharte Piratentochter Katie aus dem Jenseits heraufbeschwört.

    In der heutigen Zeit, sind wir weitverbreitet der Meinung, dass sich Naturgesetze und Geister ausschließen. Im 19. Jahrhundert jedoch war das noch anders: Selbst in der altehrwürdigen Royal Society in London wurde die Verbindung von Elektrizität, Strahlenforschung und paranormalen Erscheinungen ernsthaft diskutiert. So auch Sir William Crookes, der sich eigentlich mit der Spektroskopie beschäftigt und der gegen seinen Willen mit dem Medium Florence Cook konfrontiert wird. Diese beschwört in spiritistischen Sitzungen den Geist der Kindsmörderin und Piratentochter Katie hervor und wird in der Londoner Gesellschaft binnen kürzester Zeit zum gefeierten aber auch kritisierten Phänomen! Kann das noch mit rechten Dingen zugehen?
    Sir William Crookes macht es sich zur Aufgabe, Florence Cook des Betruges zu überführen!

    Christine Wunnicke hat einen herrlichen Roman geschrieben, der mit Augenzwinkern die Grenze zwischen Wissenschaft und Aberglauben verwischt. Wo hört die Wissenschaft auf? Und wo fängt übersinnliche Spekulation an? Jede Erkenntnis beginnt mit einer wilden Theorie und führt nicht selten in eine Sackgasse! Der Autorin schafft hier ein herrliches Spektrum skurriler Gestalten. Ihr gelingt es, mit einer präzisen und klaren Sprache, die doch sehr schwere historische Erzählweise aufzulockern. Sie formuliert auf den Punkt und das auch noch mit Humor und Sarkasmus.

    Ein Satz auf der Rückseite des Buches hat mein Interesse geweckt: „Eine herrlich übersinnliche Geschichte. Und das Beste: Es ist alles wahr. Wirklich.“
    Natürlich half Meister Google weiter:  Florence Cook gab es seinerzeit wirklich, ebenso den Geist namens Katie. Auch den Physiker und Gelehrten Sir William Crookes und seinen Gehilfen Pratt, die den Nachweis des Betruges antreten wollten.

    Besonders verblüffend und unterhaltsam fand ich den damals unfassbar sorglosen Umgang mit Medikamenten und Chemikalien! Quecksilberkügelchen als Spielzeug für zwischendurch, Arsenik in der Wandfarbe und das seinerzeit gängige Chlorodyne: eine Mischung aus Opium, Canabis und Chloroform, das als Allheilmittel nahezu jeder wie Bonbons schluckte.
    Da brauchte es eigentlich keinen Geist mehr, um Absonderliches zu sehen oder zu erleben …

    Insgesamt ein atmosphärisch dichtes und unterhaltsames Lesevergnügen!