• „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ | Joanne K. Rowling

    Titel im Original: „Harry Potter and the Prisoner of Azkaban“
    Autor: Joanne K. Rowling
    Aus dem Englischen übersetzt von Klaus Fritz
    Verlag: Carlsen
    Genre: Jugendbuch
    Harry Potter, Band 3
    Seitenzahl:  448
    ISBN: 978-3-551-55169-6

    Natürlich weiß Harry, dass das Zaubern in den Ferien strengstens verboten ist, und trotzdem befördert er seine schreckliche Tante mit einem Schwebezauber an die Decke. Die Konsequenz ist normalerweise: Schulverweis! Nicht so bei Harry! Im Gegenteil, man behandelt ihn wie ein rohes Ei. Hat es etwa damit zu tun, dass ein gefürchteter Verbrecher in die Schule eingedrungen ist und es auf Harry abgesehen hat?

    Mit seinen Freunden Ron und Hermine versucht Harry ein Geflecht aus Verrat, Rache, Feigheit und Verleumdung aufzudröseln und stößt dabei auf Dinge, die ihn fast an seinem Verstand zweifeln lassen.

    Meine Meinung

    Die Welt der Zauberer ist in Aufruhr: Der gefährliche Verbrecher Sirius Black ist aus dem Gefängnis von Askaban ausgebrochen … und da es Gerüchte gibt, er sei hinter Harry Potter her, wimmelt es auf dem Schulgelände von Hogwarts nur so vor Dementoren.
    Doch es gibt auch gute Neuigkeiten für Harry! Mit Professor Lupin scheint endlich ein brauchbarer Lehrer für das Fach „Verteidigung gegen die dunklen Künste“ eingezogen zu sein. Pünktlich zur neuen Quidditch-Meisterschaft bekommt er von einem unbekannten Spender einen neuen Besen geschenkt und Fred und George überlassen ihm die „Karte der Rumtreiber“. Auch Hermine scheint in diesem Jahr ein Geheimnis vor ihren Freunden zu haben.

    Mit dem Kinderbuch-Flair ist es im dritten Band der Reihe nun endgültig vorbei!
    Harry, Ron und Hermine kehren nach Hogwarts zurück und starten in ein spannendes neues Schuljahr. Die Geschichte wird gewohnt liebevoll erzählt, wirkt aber rasanter und actiongeladener. Die Geschehnisse sind alles andere als offensichtlich oder vorhersehbar, gerade zum Ende hin wird das immer deutlicher! Natürlich kennen wir die Charaktere schon, dennoch ist ein großer Sprung in der Weiterentwicklung zu merken, wie es ja auch im echten Leben bei Teenagern der Fall ist. Sie wirken etwas kerniger und ernster, agieren und reagieren merkbar zackiger und ich mag das Kantige sehr gern.

    Einer meiner Lieblingscharaktere der Reihe ist Sirius Black, der in „Der Gefangene von Askaban“ das erste Mal auftritt. Er ist das beste Bespiel dafür, was man immer hinter die Fassade eines Menschen, aber auch eines Ereignisses blicken sollte und man nicht sofort am offensichtlichen hängenbleiben darf. Einst der beste Freund von Harrys Eltern, nimmt sein Leben im gefühlten Bruchteil einer Sekunde eine Wendung die niemand vorhergesehen hat!

    Ich liebe ja die Geschichte der Rumtreiber: James Potter, Sirius Black, Remus Lupin und Peter Pettigrew. Vier Freunde, die zu ihrer Zeit ein eigenes Gespann in Hogwarts bildeten und die Schule unsicher gemacht haben. Ich wünsche mir immer noch, dass wir irgendwann mehr über deren Vergangenheit lesen dürfen!

  • „Der Distelfink“ | Donna Tartt

    Titel im Original: „The Goldfinch“
    Autor: Donna Tartt
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von R. Schmidt und K. Lutze
    Verlag: Goldmann Verlag
    Genre: Roman
    Gewinner Pulizer-Preis 2014
    Seitenzahl:
     1.022
    ISBN: 978-3-442-31239-9

    Es passiert, als Theo Decker 13 Jahre alt ist. An dem Tag, an dem er mit seiner Mutter ein New Yorker Museum besucht, verändert ein schreckliches Unglück sein Leben für immer. Er verliert sie unter tragischen Umständen und bleibt allein und auf sich gestellt zurück, denn sein Vater hat ihn schon längst im Stich gelassen. Theo versinkt in tiefer Trauer, die ihn lange nicht mehr loslässt. Auch das Gemälde, das seit dem fatalen Ereignis verbotenerweise in seinem Besitz ist und ihn an seine Mutter erinnert, kann ihm keinen Trost spenden. Ganz im Gegenteil: Mit jedem Jahr, das vergeht, kommt er immer weiter von seinem Weg ab und droht, in kriminelle Kreise abzurutschen …

    Meine Meinung

    „Der Distelfink“ von Donna Tartt ist eine tolle Charakterstudie über das Leben eines 13-jährigen Jungen, dessen Entwicklung wir in den folgenden 15 Jahren begleiten. Hier wird die ganze Bandbreite menschlicher Gefühle und sozialer Begierden ausgelotet.

    Theo Decker ist 13 Jahre alt, als er seine Mutter auf tragische Weise verliert. Die Beiden waren gerade im Metropolitan Museum of Arts als eine gewaltige Explosion hunderte Menschen in den Tod reißt. Theo gehört zu den wenigen Überlebenden! Auf der Suche nach einem Ausweg aus dem zerstörten Museum nimmt er geistesabwesend das Gemälde „Der Distelfink“ von Carel Fabritius an sich, von dem seine Mutter, die jetzt irgendwo unter Schutt und Asche liegt, zuletzt so geschwärmt hat. Dieses kleine aber sehr wertvolle Gemälde ist von da an Theos heiligster Besitz und seine einzige Erinnerung an ein schönes Leben. Theo gerät zunehmend auf die schiefe Bahn: Nach dem Umzug nach Las Vegas zu seinem alkohol- und spielsüchtigen Vater findet er Halt in einer fragwürdigen Freundschaft zu einem wilden russischen Jugendlichen, der Theo in die Abgründe von Drogen und Kriminalität zieht.

    Ursprünglich hatte Donna Tartt gar nicht beabsichtigt, ihren Roman in der Kunstwelt anzusiedeln, erst die Zerstörung der Buddhastatuen in Bamiyan im Jahre 2001 gaben ihr den Anstoß dazu. Wenn auch außergewöhnlich, finde ich das Umfeld dennoch perfekt gewählt um den Spannungsbogen aufzuzeigen, in dem Theo sich bewegt. Der Umgang mit den Kunstwerken und auch das Restaurieren und Handeln von alten Möbeln machen eine sehr spezielle und schöne Stimmung. Zudem hat die Autorin einen sehr ausschweifenden und blumigen Schreibstil, der vor Details nur so trotzt. Dadurch kommt es zwar an manchen Stellen zu Längen, die für den Leser aber sehr gut zu überstehen sind.

    In dieser Geschichte gibt es sehr viele sympathische Protagonisten, die mir lange Zeit im Kopf geblieben sind, aber ehrlich gesagt gehört unsere Hauptfigur Theo Decker nicht dazu. Vermutlich mag das zum Einen an dem sehr verharmlosten Umgang mit dem Thema Drogen liegen, den ich so gar nicht nachvollziehen konnte. Zum Anderen aber auch am dargestelltem Charakter des jungen Mannes. Würde dieser persönlich vor mir stehen, ich würde ihn eher als aufgesetzt bzw. unecht und fahrig empfinden. Für mich war das jedoch kein Grund, das Buch deswegen schlechter zu beurteilen.
    Wer mir sehr zu Herzen gegangen ist, ist die Figur des James Hobart, der den 18-jährigen Theo nach seiner Rückkehr von Las Vegas nach New York bei sich aufnimmt und zu seinem Lehrherren und Ziehvater wird. Ein Gentleman wie er im Buche steht mit vielen liebevollen Zügen und Eigenheiten. So stell ich mir einen Großvater vor! Ein wahnsinnig toller Mann!

    Auch mit diesem Buch konnte mich Donna Tartt wieder von ihrem Können überzeugen. „Der Distelfink“ ist ein würdiger Vertreter der modernen Literatur und wurde nicht umsonst 2014 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet.

  • „Menschenwerk“ | Han Kang

    Titel im Original: „Sonyeoni onda“
    Autor: Han Kang
    Aus dem Koreanischen übersetzt von Ki-Hyang Lee
    Verlag: Aufbau Verlag
    Genre: Roman
    Seitenzahl:  214
    ISBN: 978-3-351-03683-6

    „Ich kämpfe, jeden Tag. Ich kämpfe gegen die Schande, überlebt zu haben und immer noch am Leben zu sein. Ich kämpfe gegen die Tatsache, dass ich ein Mensch bin. Und Sie, ebenso ein Mensch wie ich, welche Antworten können Sie mir geben?“

    Ein Junge ist gestorben, und die Hinterbliebenen müssen weiterleben. Doch was ist ihnen ihr Leben noch wert?

    Meine Meinung

    Nachdem ich „Die Vegetarierin“ so grandios fand, musste ich sofort mit „Menschenwerk“ weitermachen. Mich auf dieses Buch einzulassen war alles andere als leicht, da es sich hier um einen Tatsachenbericht handelt. Genau so ist es wirklich passiert!

    Im Mai 1980 fanden in Gwangju anfangs friedliche Demonstrationen von Studenten gegen die damals herrschende Militärdiktatur statt. Das Militär reagierte mit äußerst brutaler Gewalt, worauf es zu weiteren Aufständen der Bevölkerung kam. Auch diese wurden ohne Rücksicht auf Menschenleben niedergeschlagen. Die Soldaten benutzten Bajonette und feuerten wahllos in Menschenmengen, woraufhin sich die Aufständischen ebenfalls bewaffneten.
    Das Militär sprach damals offiziell von 170 Todesopfern und 730 Verhaftungen, während eine 1988 herausgegebene Broschüre des Hilfswerk Terre des Hommes von über 2.000 Todesopfern ausgeht, was auch andere Quellen bestätigen.

    Han Kang wurde in Gwangju geboren, ihre Eltern zogen jedoch im Jahr der Aufstände nach Seoul. Dennoch verspürte sie stets eine innere Verbundenheit mit dem Geschehenen und besuchte mit 19 Jahren das Grab eines Jungen, der als 15-Jähriger während der Massaker getötet wurde und vorher mit seinen Eltern in dem Haus lebte, in dem sie selber bis zu ihrem achten Lebensjahr gewohnt hatte. Dieser Junge ist auch ein zentraler Charakter in „Menschenwerk“!

    Trotz der Schwere des Themas hat dieses Buch eine gewisse Leichtigkeit. Die Autorin spielt nicht mit Worten, sie nutzt sie ganz unkompliziert um den Leser in die Geschichte zu ziehen. Die einzelnen Kapitel sind kurz und mit dem Namen des Erzählers und der Jahreszahl markiert, so weist es einem den Weg durch die Zeit. Beeindruckend schonungslos und schonungslos beeindruckend.

    Han Kang schildert die Geschehnisse aus verschiedenen Blickwinkeln, die auch stilistisch ihre kleinen Eigenheiten aufweisen. Teilweise folgen wir den Erzählern in der „Du-Form“, teilweise in der klassischeren „Sie-Form“. Auch bei den seelische und körperliche Foltermethoden nimmt die Autorin kein Blatt vor den Mund.

    Die Geschehnisse sind von Beginn an fesselnd, wenn auch schrecklich bedrückend und traurig.
    Als Leser sollte man sich darauf einstellen, dass die Autorin das Thema schonungslos aufarbeitet!

  • „Alles oder Nichts“ | Simona Ahrnstedt

    Titel im Original:  „En enda risk“
    Autor: Simona Ahrnstedt
    Aus dem Schwedischen übersetzt von Antje Rieck-Blankenburg
    Verlag: LYX Verlag
    Genre: Liebesgeschichte
    Only One Night, Band 3
    Seitenzahl: 697
    ISBN: 978-3-8025-9947-7

    Ambra ist eine erfolgreiche Journalistin auf der Suche nach einer heißen Story. Tom ein ehemaliger Elitesoldat, dem Schreckliches zugestoßen ist. Ambra muss beruflich an den Ort zurückkehren, an dem sie niemals wieder sein wollte. Tom versucht in der gleichen Stadt, sich ins Leben zurück zu kämpfen.

    In Kiruna, im Norden Schwedens, wo klirrende Kälte und ewige Dunkelheit herrschen, begegnen sich zwei Menschen, die auf der Flucht vor ihrer eigenen Vergangenheit sind. Zwei Menschen, die tiefe Wunden tragen. Und Niemanden vertrauen!

    Meine Meinung

    Mit „Alles oder Nichts“ verabschiedet sich Simona Ahrnstedt vom bisher gut funktionierenden Geschichtenaufbau. Die Liebe und Erotik wird auf ein Minimum zurückgeschraubt, dafür thematisiert sie einige gesellschaftlichen Zustände auf sehr offene und kritische Art: Von Behörden ignorierte Kindesmisshandlungen, patriarchale Strukturen unter einer scheinbar intakten demokratischen Oberfläche, Sektenverhalten im religiösen Schutzmantel, Frauenverachtung, …
    Aber auch die Kehrseite des Social Media werden hier angesprochen und die Auswirkungen von Hass-Kommentaren!

    In „Alles oder Nichts“ kehren wir zu Tom Lexington zurück, der bereits in den beiden vorherigen Bänden immer wieder als Fachmann für die Security der Familie de la Grip auftritt und so auch ein guter Freund von David Hammar ist. Nach den schlimmen Ereignissen zum Ende des zweiten Bandes finden wir Tom nun in Kiruna wieder, der nördlichsten Stadt Schwedens. Aus dem starken, muskulösen und imposanten Elitesoldaten ist ein gebrochener Mann geworden, der mit Angstzuständen und Panikattacken zu kämpfen hat und sich nichts sehnlicher wünscht, als die Uhr nochmal zurück zu drehen und einen großen Teil seiner Vergangenheit ändern zu können.
    Zur selben Zeit hält sich auch die Journalistin Ambra Vinter in Kiruna auf. Sie soll hier ein Interview für ihre Zeitung führen, muss sich aber sehr schnell ihrer persönlichen Geschichte stellen, die unweigerlich mit diesem Ort verbinden ist!

    Die Liebesgeschichte an sich beginnt gemächlich, entwickelt sich bedeutend langsamer als gewohnt und ist in meinen Augen nachvollziehbar und glaubhaft. Es ist ein langsames Vorantasten, nichts wird überstürzt!

    Natürlich muss ich auch in diesem Buch wieder den Schreibstil von Simona Ahrnstedt loben. Sie versteht es die Emotionen ihrer Protagonisten zum Leser zu transportieren, dennoch liest sich dieses Buch schwermütiger als die Vorgänger. Dennoch konnte mich die Geschichte und auch die Weiterentwicklung der Autorin von der ersten Seite an überzeugen.

  • „Die Vegetarierin“ | Han Kang

    Titel im Original: „Vegetarierin, Ch`angbi“
    Autor: Han Kang
    Aus dem Koreanischen übersetzt von Ki-Hyang Lee
    Verlag: Aufbau Verlag
    Genre: Roman
    Seitenzahl: 190
    ISBN: 978-3-351-03653-9

    Ein seltsam verstörendes, hypnotisierendes Buch über eine Frau, die laut ihrem Ehemann an Durchschnittlichkeit kaum zu übertreffen ist – bis sie eines Tages beschließt, kein Fleisch zu essen.

    Meine Meinung

    Da man viele unterschiedliche Meinungen über „Die Vegetarierin“ hört, war es nun auch für mich an der Zeit, mir selbst ein Bild über dieses Buch zu machen.

    Der Roman spielt zum größten Teil in der Hauptstadt Seoul. Chongs Frau, Yong-Hye, zieht sich zurück und wird über Nacht zur Vegetarierin. Ihre konservative Familie kann dieses Verhalten nicht verstehen und ihr anhaltender Protest führt bis zur häuslichen Gewalt. Bereits als Kind hatte sie in ihrer Familie grausame Erlebnisse erfahren, die sie seit einiger Zeit in ihren Träumen heimsuchen. Im zweiten Teil des Buches lernen wir den Mann ihrer Schwester kennen, einem Videokünstler. Selbst ein Außenseiter in der Familie, entwickelt er eine Obsession für Yong-Hye, kann sie ihm doch genau das Außergewöhnliche bieten, was er im Leben mit seiner Frau vermisst. Trotz der wenigen Seiten, erzählt Han Kang eine intensive und außergewöhnliche Geschichte.
    Zum Ende hin nimmt das Buch eine erneute Wendung und wir springen 2 Jahre in die Zukunft. Hier erfahren wir was aus Yong-Hye und ihrer Familie geworden ist!

    „Eine Frau verabschiedet sich von der Durchschnittlichkeit!“ Durch ihren Verzicht zieht sie die Aufmerksamkeit ihres doch sehr konservativen und prüden Umfelds auf sich. Das Interessante ist die Wahrnehmung: Während ihr Mann und ihr Vater es als pervers empfinden, wird sie für ihren Schwager zu einer begehrenswerten Person. Ihre Schwester hingegen sieht sie als jemanden, der ihren Schutz braucht.

    Han Kangs Sprache würde ich persönlich als nüchtern und klar beschreiben. Die Geschichte wurde gradlinig und ohne grobe Ausschweifungen geschrieben. Für mich scheint die Erzählweise sehr realistisch zu sein, driftet aber doch oft ins Surrealistische ab. Hier zählen besonders die „floralen Motive“ dazu, die den Roman durchziehen. Am Ende meint Yong-Hye, selbst zur Pflanze geworden zu sein.

    In mir hat das Buch viele Emotionen hervorgerufen. Einerseits war ich an vielen Stellen irritiert und verstört, gerade was die Radikalität, die verbohrten Blickwinkel und die gewaltbereitschaft angeht. Andererseits ist aber auch der Aufruf zur persönlichen, individuellen Befreiung bei mir angekommen. Yong-Hye`s Vorliebe für die Pflanzen und die Schönheit der Blumen wird ganz wunderbar dargestellt, aber auch ihr Aufblühen und der spätere Verfall werden für den Leser greifbar.

    In der westeuropäischen und besonders in der französischen Literaturtradition könnte der zweite Abschnitt des Buches durchaus als erotischer und prickelnder Inhalt einer Obsession oder auch als Verführung mit Raffinesse gehandelt werden.

  • „Mörderische Angst“ | Linda Castillo

    Titel im Original: „The Dead will tell“
    Autor: Linda Castillo
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Helga Augustin
    Verlag: Fischer Verlag
    Genre: Thriller
    6. Fall von Kate Burkholder
    Seitenzahl:   346
    ISBN: 978-3-596-03240-2

    1979: Ein amischer Vater und vier seiner Kinder sterben bei einem missglückten Raubüberfall. Seine Frau wird von den Tätern entführt und nie wieder gesehen. Allein der 14-jährige Sohn Billy Hochstedtler überlebt diese grausame Nacht.

    2014: Jeder in Painters Mill weiß, dass es auf der verlassenen Farm der Familie Hochstetler spukt. Aber nur einige wenige wissen, was damals tatsächlich geschah. Doch jetzt werden sie einer nach dem anderen auf grausame Weise ermordet. Wer ist ihrem Geheimnis auf die Spur gekommen?

    Meine Meinung

    Na, was haltet ihr von dem Cover?  Acht Frauen in traditionell-amischen Kleidern, düsterer Nebel über dem Feld und die Vögeln, die sie lauernd umkreisen …
    Eigentlich wollte ich mir ja ein paar Wochen Pause mit nächsten Kate Burkholder-Fall lassen, da sich die Reihe schon langsam dem Ende zuneigt, aber gerade bei unserem kalten grauslichen Wetter, hat mir das Cover unheimliche Lust auf die Geschichte gemacht!

    Der Prolog versetzt uns ins Jahr 1979, als der 14-jährige Billy Hochstedtler mit ansehen muss, wie zuerst sein Vater erschossen und dann seine Mutter entführt wird. Beim Versuch sie zu retten kommt es zu einem tragischen Unfall und seine jüngeren Geschwister verbrennen qualvoll. Zurück bleibt die Frage, weshalb die Mutter entführt und nie wieder aufgetaucht ist!

    Mit dieser Frage gleitet der Leser ohne Umwege direkt in das erste Kapitel und damit in die Gegenwart, wo ein Mann erhängt auf seinem Scheunenboden gefunden wird. Selbstmord? Nein! Kate Burkholder findet an seiner Kleidung Blutspuren und in seinem Rachen eine Holzpuppe, die in den 70er Jahren von der Familie Hochstedtler hergestellt wurden.
    Schon bald werden auch andere Bürger in Painters Mill bedroht und mit ihrer Vergangenheit konfrontiert!

    Anders als bei den vorherigen Bänden kann man in „Mörderische Angst“ schon sehr schnell eine klare Linie zum Täter erkennen, was von der Autorin in meinen Augen aber auch bewusst so geschrieben wurde. Für mich hat das die Geschichte aber in keinster Weise geschwächt. Sie wird sehr fesselnd und auffallend gruselig erzählt. Die Kapitel gehen so rasant zu Ende, das man unbedingt mehr erfahren möchte.

    Ich bin immer wieder von dem Pennsylvaniadeutsch der Amischen fasziniert. Die Kombination aus Deutsch, Niederländisch und Englisch macht das Lesen der Bücher interessant und wird locker leicht in die Geschichte mit eingeworfen. Auch die Amische Lebensart ist deutlich zu spüren. Anfangs noch etwas befremdlich fühlt man sich von Band zu Band immer mehr zu der Amischen Gemeinde hingezogen und versteht die Grundsätze besser.

  • „Flut“ | Daniel Galera

    Titel im Original: „Barba ensopada de sangue“
    Autor: Daniel Galera
    Aus dem Brasil. Portugiesischen von Nicolai v. Schweder-Schreiner
    Verlag: Suhrkamp Verlag
    Genre: Roman
    Seitenzahl:  423
    ISBN: 978-3-518-42409-4

    Sein Vater bittet ihn um einen letzten Gefallen. Und was als Aufbruch in ein neues Leben an der Küste beginnt, treibt ihn schon bald in die sonderbaren Tiefen einer Vergangenheit, die nicht vergangen ist.
    Mit lichter, hypnotisierender Kraft erzählt „Flut“ die epische Geschichte einer Suche über drei Generationen, die an der Grenze des Menschenmöglichen führt.

    Meine Meinung

    Mit Daniel Galera nehme ich nach vielen Jahren wieder meinen ersten portugiesischen Autor zur Hand.

    „Flut“ ist ein sehr intensiver und mitreißender Roman, der im heutigen Brasilien spielt. Wir begleiten unseren männlichen Erzähler auf der Suche nach seiner Familiengeschichte. Ein eher stiller und introvertierter Mann, der nur wenig Wert auf die Außenwelt legt. Nach dem Selbstmord seines Vaters, nimmt er dessen Hündin bei sich auf und zieht mit ihr direkt ans Meer, in den kleinen Ort Garopaba in der Nähe von Santa Catarina. Dort soll sein Großvater in den 60er Jahren ermordet worden sein, doch seine Leiche wurde nie gefunden.
    Nach all den Schicksalsschlägen hat er kaum noch einen Plan für sein Leben. Neben der Leidenschaft zum Schwimmen und dem Meer scheint diese Tragödie der letzte Halt für ihn zu sein. Schon bald soll er merken, wie wichtig ihm die alte Hündin seines Vaters geworden ist … und wie verstrickt das Leben eines einzigen Menschen sein kann!

    Der Autor zeigt uns den Schwimmer zwischen seinem Alltag und der Suche nach dem Leben des Großvaters. Der größte Pluspunkt ist die Erzählperspektive des Romans: Der Autor schreibt in der dritten Person Singular und diese Person bleibt namenlos. Dies liest sich zunächst vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, doch das ist meiner Meinung nach genau der Kniff, der den Roman vor jeglichem Kitsch bewahrt. Der Leser ist dem Schwimmer gleichzeitig nah und fern. Auch in Kombination mit der „Gesichtsamnesie“ unseres Erzählers (Prosopagnosie) funktioniert die Erzählperspektive hervorragend!

    Unser Protagonist ist in einem tiefen Strudel gefangen. Er kämpft und schwimmt ohne voran zu kommen. Obwohl er nicht unbedingt sympathisch ist, schafft es Daniel Galera, dass er einem ans Herz wächst. Er sucht mit seinem Großvater auch nach seiner eigenen Identität.

    „Flut“ ist kein Buch, dass man mal so nebenbei liest, man muss sich darauf einlassen, aber dann wird es einen nicht mehr loslassen …

  • „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“ | Joanne K. Rowling

    Titel im Original: „Harry Potter and the Chamber of Secrets“
    Autor: Joanne K. Rowling
    Aus dem Englischen übersetzt von Klaus Fritz
    Verlag: Carlsen
    Genre: Jugendbuch
    Harry Potter, Band 2
    Seitenzahl:  352
    ISBN: 978-3-551-55168-9

    Endlich wieder Schule!! Einen solchen Seufzer kann nur der ausstoßen, dessen Ferien scheußlich und die Erinnerungen an das vergangene Schuljahr wunderbar waren: Harry Potter!
    Doch wie im Vorjahr stehen nicht nur Zaubertrankunterricht und Verwandlung auf dem Programm. Ein grauenhaftes Etwas treibt sein Unwesen in den Gemäuern der Schule – ein Ungeheuer, für das niemand, nicht einmal der mächtigste Zauberer, eine Erklärung findet. Wird Harry mit Hilfe seiner Freunde Ron und Hermine das Rätsel lösen und Hogwarts aus der Umklammerung durch die dunklen Mächte befreien können
    ?

    Meine Meinung

    Für Harry Potter beginnt das zweite Schuljahr alles andere als glücklich. Zuerst wird er von den Dursleys für eine Katastrophe nach der Anderen verantwortlich gemacht und dann verhindert eine höhere Macht seine Reise nach Hogwarts. Da er und Ron daraufhin auch noch das fliegende Auto von Rons Vater entwenden und damit eine uralte peitschende Weide in Hogwarts beschädigen, droht ihnen der Schulverweis.
    Als ob das noch nicht genug wäre kommt Harry in den Besitz eines verzauberten Tagebuchs, das  einst einem gewissen Tom Riddel gehört hat. Harry hört Stimmen, die sonst niemand hören kann und an den Schulwänden werden Drohungen gegen „Schlammblüter“ geschmiert, die verkünden, dass die Kammer des Schreckens wieder geöffnet wurde. Etwas, das vor 50 Jahren bereits für Angst und Schrecken und sogar einen Todesfall sorgte!

    Dieser Roman hat einfach alles, das man sich von einem Jugendbuch erwarten kann. Die Handlung ist spannend und man merkt von Anfang bis Ende, das die Geschichte bis ins Kleinste durchdacht ist. Die magische Welt wird wunderbar dargestellt und auch die Handlungen unserer Protagonisten sind in meinen Augen sehr gut nachvollziehbar.
    Dennoch ist dieser Teil der Harry Potter-Reihe doch merkbar an ein jüngeres Publikum gerichtet, was sich in den nächsten Büchern noch stark ändern wird.

    Eine wunderschöne Geschichte über Freundschaft, Mut, Loyalität und dem Einstehen für das Richtige. All die kleinen Dinge, die Menschen zu etwas besonderem machen und das Beste im Menschen zeigen. Aber auch die schlechten Seiten kommen nicht zu kurz!

    Etwas Böses ist nach Hogwarts zurückgekehrt und Dobby soll Recht behalten …

  • „Der Insasse“ | Sebastian Fitzek

    Autor: Sebastian Fitzek
    Verlag: Drömer Knaur
    Genre: Thriller
    Seitenzahl:  377
    ISBN: 978-3-426-28153-6

    Um die Wahrheit zu finden, muss er seinen Verstand verlieren.

    Vor einem Jahr verschwand der kleine Max Berkhoff. Nur der Täter weiß, was mit im geschah. Doch der sitzt im Hochsicherheitstrakt der Psychiatrie und schweigt. Max` Vater bleibt nur ein Weg, um endlich Gewissheit zu haben: Er muss selbst zum Insassen werden!

    Meine Meinung

    Im neuen Psychothriller von Sebastian Fitzek begeben wir uns in den Hochsicherheitstrakt einer psychiatrischen Anstalt, in die das Gericht nur die schwersten Straftäter einweisen lässt.

    Einer von Ihnen ist Guido Tramitz. Ein gefühlloser Mann, der viele Kinder brutal gequält und vor einem Jahr auch den kleinen Max Berghoff entführt und wohl auch getötet hat. Doch während Tramitz der Polizei zu den Leichen seiner früheren Opfer geführt hat, verweigert er zu Max auf Anraten seiner Anwältin jegliche Auskunft.
    Till Berghoff, Max verzweifelter Vater, sieht keinen anderen Ausweg, als sich mit Hilfe seines bei der Polizei arbeitenden Schwager als Insasse in die Klinik einweisen zu lassen, in der Tramitz sich befindet. So will er herausfinden, was mit seinem Sohn geschehen ist und wo seine Leiche zu finden ist.

    Kaum in der Klinik angekommen, tut sich für Till ein Abgrund auf, der den Leser gleich von Anfang an gefangen nimmt. In dieser Klinik ist nichts so, wie es zu sein sollte. Hass, Bosheit und Korruption sind an der Tagesordnung, die es Till zunächst fast unmöglich machen, an Tramitz heranzukommen.

    Nach vielen gesellschaftskritischen Romanen, liefert uns Sebastian Fitzek mit „Der Insasse“ wieder einen Psychothriller, der sehr an seine Erfolgsbücher wie „Die Therapie“ oder „Der Augensammler“ herankommt. Fitzek bedient sich auch in diesem Buch wieder einem alt bewährten Konzept: Dem, des verschwundenen Kindes, dessen Vater mit aller Macht herauszufinden versucht, was passiert ist. Ich persönlich finde jedoch, dass der Autor mit diesem Buch einen großen Schritt vorwärts gemacht hat. Seine Sprache ist bildhaft, authentisch und bewegend, wie man es von ihm kennt, aber auch viel direkter und erwachsener. Der Thriller ist gespickt mit brutalen Szenen, die auch klar und ausdrucksstark an den Leser kolportiert werden. Zusätzlich sorgen kurze Kapitel und unerwartete Perspektivenwechsel für Verwirrungen.

    Die Story war unglaublich spannend und ich habe bei so mancher Szene die Luft angehalten.

    Auch was die Danksagung betrifft, die bei Sebastian Fitzek ja öfters etwas spezieller ausfällt, hat er sich hier wieder selbst übertroffen!