• „I Saw a Man“ | Owen Sheers

    Titel im Original: „I Saw a Man“
    Autor: Owen Sheers
    Aus dem Englischen übersetzt von Thomas Mohr
    Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt
    Genre: Roman
    Seitenzahl:  297
    ISBN: 978-3-421-04669-7

    Es war an einem Samstag im Juni, als sich ihrer aller Leben komplett veränderte: Schlagartig, nur wenige Minuten, nachdem Michael Turner das Haus der Nelsons durch die Hintertür betreten hatte. In der Stille wirkte es, als wäre niemand daheim.

    Meine Meinung

    Da sich die Meinungen der Leser zu diesem Buch in alle Richtungen spalten, hat mich die Geschichte ganz besonders interessiert. Und Wirklich: Der Klappentext lässt an eine ganz andere Geschichte denken, als man letztendlich von dem Autor bekommt.
    „I Saw a Man“ ist ein großartiger Roman über die Auswirkungen schicksalhafter Momente und zeigt den Umgang der betroffenen Personen mit ihren dramatisch veränderten Leben auf authentische Art und Weise.

    Nach dem tragischen Tod seiner Frau Caroline gerät Michaels Leben komplett aus den Fugen. Das frisch verheiratete Paar hatte gerade erst begonnen, sich eine gemeinsame Zukunft aufzubauen, als die Journalistin bei einem Auslandsdreh in Afghanistan durch tragische Ereignisse ums Leben kommt.
    Um sich selbst wieder zu finden, zieht Michael zurück nach London. Schnell schließt er dort Freundschaft mit Josh und Samantha Nelson, die mit den beiden Töchtern direkt nebenan leben und schon bald geht Michael bei den Nelsons wie selbstverständlich ein und aus.
    Doch an einem Samstagnachmittag im Juni soll sich ihr aller Leben schlagartig verändern. An diesem Nachmittag betritt Michael das Haus der Nelsons durch die offene Hintertür mit einem äußerst unguten Gefühl. Es scheint niemand im Haus zu sein, doch warum stand dann die Hintertür auf? Das sieht den Nelsons gar nicht ähnlich!

    Das Buch besticht durch seinen rückblickenden Erzählstil, der den Leser sehr gut in der Geschichte fesseln kann. Er ist mit vielen bildhaften Vergleichen gespickt, bleibt dabei aber flüssig und leicht.
    Die Rückblenden sind geschickt eingebaut, so dass man erst allmählich den Menschen hinter Michael Turner kennen lernt. Er erlebt seine Gegenwart und springt dabei gleichzeitig immer wieder zurück in seine Vergangenheit. Durch diese wechselnden Zeiten erfährt der Leser erst nach und nach worum es in dem Buch überhaupt geht. Je mehr man über die gemeinsame Zeit mit seiner Ehefrau erfährt, desto klarer wird wie es zu der aktuellen Situation kommen konnte.

    Ich war nicht immer mit Michaels Reaktionen einverstanden, aber er ist ein interessanter und authentischer Charakter mit einer traurigen Vorgeschichte, die ihn zu dem gemacht hat, was er jetzt ist. Auch Josh und Samantha Nelson haben ihre kleinen Schwächen, wodurch sie ebenfalls authentisch wirken.

    Owen Sheers behandelt und kritisiert in diesem Buch auch ein sehr aktuelles Thema, dass den Leser direkt dazu verleitet, sich seine eigenen Gedanken dazu zu machen.

  • „Der Übergang“ | Justin Cronin

    Titel im Original: „The Passage“
    Autor: Justin Cronin
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Rainer Schmidt
    Verlag: Goldmann Verlag
    Genre: Postapokalypse
    Passage-Trilogie, Band 1
    Seitenzahl:  1.020
    ISBN: 978-3-442-31170-5

    Bevor sie das „Mädchen von Nirgendwo“ wurde – Das Mädchen, das plötzlich auftauchte, die Erste und Letzte und Einzige, die tausend Jahre lebte -, war sie nur ein kleines Mädchen aus Iowa und hieß Amy. Amy Harper Bellafonte.

    Das Mädchen Amy ist gerade einmal 6 Jahre alt, als es von zwei FBI-Agenten entführt und auf ein geheimes medizinisches Versuchsgelände verschleppt wird. Man hat lange nach Amy gesucht: der optimalen Versuchsperson für ein mysteriöses Experiment, das nichts Geringeres zum Ziel hat, als Menschen unsterblich zu machen. Doch dann geht irgendetwas schief – völlig schief. Von einem Tag auf den Anderen rast die Welt dem Untergang entgegen. Und nur eine kann die Menschheit vielleicht noch retten:  Amy Harper Bellafonte!

    Meine Meinung

    Wie ihr vielleicht schon bemerkt habe, lese ich nur sehr selten Bücher, die in eine fantastische Richtung gehen, aber bei der Passage-Trilogie mache ich definitiv gerne eine Ausnahme. Diese Bücher sind anders als alles, das ich zuvor aus diesem Genre gelesen habe!
    Abgesehen von einer sich langsam, aber beständig aufbauenden Spannung, besticht „Der Übergang“ durch seine Sprache, die sehr einfühlsam eine postapokalyptische Welt beschreibt, in der sich die letzten Menschen ein neues Leben zwischen all den Gefahren aufgebaut haben.

    Da der Klappentext bereits sehr viel vorwegnimmt, möchte ich den weiteren Inhalt gar nicht zusammenfassen. Das Buch wird in zwei Teilgeschichten aufgearbeitet: Der Erste berichtet wie es zu der Verbreitung des Virus kam und wie die Verursacher und Beteiligten darauf reagieren. Wogegen der zweite Teil eine Gesellschaft präsentiert, in der man sich mit dem Kampf gegen die Virals bereits einigermaßen arrangiert hat, nachdem die Menschheit so gut wie ausgelöscht wurde.

    Ja, es handelt sich um einen Roman, in dem vampirähnliche Kreaturen vorkommen. Dennoch würde ich dieses Buch niemals als Vampirroman einstufen. In Wirklichkeit geht es darum, wie Menschen mit einer globalen Katastrophe umgehen, wie sie während und nach dieser Katastrophe agieren und reagieren. Die Gesellschaft muss neu entwickelt werden, mit neuen Gesetzen und neuen Strukturen. Und gleichzeitig muss das Böse bekämpft werden.

    Justin Cronin schildert die Umstände und Lebensweisen dieser neuen Gesellschaft mit ihren Charakteren so gekonnt, dass man sich direkt hineinversetzt fühlt. Man bangt, leidet und fiebert mit den Bewohnern der Kolonie mit und ist immer wieder fasziniert, wie schnell die Anarchie in einer solchen, selbst gebildeten Gesellschaft ausbrechen kann. Dies wird dem Leser subtil und klar rübergebracht.

    Besonders gefiel mir die detaillierte Charakterzeichnung, für die sich Justin Cronin sehr viel Zeit nimmt. Die Figuren werden dem Leser wunderbar nahe gebracht. Die Vampire spielen dabei nur eine nebensächliche Rolle und sind Mittel zum Zweck. Der Autor scheut sich auch nicht davor, einen liebgewonnen Protagonisten sterben zu lassen.

    Bitte lasst euch nicht vor der hohen Seitenzahl abschrecken, ihr bekommt einen gelungenen und fesselnden Roman mit riesigem Suchtpotential!

  • „Der Ruf der Trommel“ | Diana Gabaldon

    Titel im Original:  „Drums of Autumn“
    Autor: Diana Gabaldon
    Aus dem Englischen übersetzt von Barbara Schnell
    Verlag: Drömer Knaur
    Genre: Historischer Roman
    Outlander-Saga, Band 4
    Seitenzahl:   1.190
    ISBN:  978-3-426-51826-7

    Claires Liebe zum rebellischen schottischen Clanführer Jamie hat sie aus der modernen Zeit zurück ins 18. Jahrhundert geführt. Nach einer abenteuerlichen Reise über den Atlantik erreichen die beiden im Jahr 1767 die amerikanischen Kolonien. In der Wildnis von North Carolina erkämpfen sich Claire und Jamie schließlich ein neues Leben fernab der Zivilisation. Doch der Atem der Vergangenheit reicht weit. Denn auch ihre gemeinsame Tochter Brianna ist dem Ruf der Trommel in die Vergangenheit gefolgt.

    Meine Meinung

    Und weiter geht’s mit dem 4. Band der Outlander-Saga!

    Nach ihrer Ankunft in Amerika im Frühjahr 1767 schlagen sich Jamie und Claire zur Plantage „River Run“ an der Ostküste durch. Diese wird von den Camerons bewirtschaftet, die entfernt mit den schottischen MacKenzies – und somit auch mit Jamie – verwandt sind. Unterwegs werden sie von dem englischen Piraten Stephen Bonnet ihres letzten Besitzes beraubt und auch in „River Run“ spielt die blinde, herrschsüchtige Jocasta Cameron keine sehr offene Partie.
    Jamie und Claire bekommen die Möglichkeit, sich mit ihren Gefolgsleuten in einer noch unberührten Gegend anzusiedeln. Wir begleiten die Beiden, wenn „Fraser`s Ridge“ erste Züge annimmt!

    Brianna Fraser hingegen kann ihre Mutter nicht vergessen. Der Historiker Roger Wakefield, mit dem sie in Verbindung geblieben ist, stößt 1970 auf einen mysteriösen Zeitungsartikel, der 1776 ein schreckliches Inferno ankündigt. Zunächst möchte er seine Entdeckung vor Briana verheimlichen, aber diese kommt dahinter und lässt sich im Steinkreis auf dem „Craigh na Dun“ in die Vergangenheit versetzen. Als Roger begreift was sie getan hat, folgt er ihr überstürzt!

    „Der Ruf der Trommel“ ist einer meiner Lieblingsbände der Reihe. Die Geschichte wird bedeutend langsamer und ruhiger erzählt und auch die schlagkräftige Action lässt merkbar nach. Jamie und Claire werden endlich sesshaft und können ihr gemeinsames Leben genießen. Natürlich verliert die Erzählung nicht ihren bildlichen Charakter, er verlagert sich nur von den Schlachten und Intrigen auf das Leben in einer Gemeinschaft und den Aufbau einer neuen Siedlung. Wobei: Was Intrigen und dramatischen Situationen angeht, kommt dieses Buch wirklich nicht zu kurz!

    Das ruhige Leben auf „Fraser`s Ridge“ wird natürlich zur Gänze gestört, als Brianna in ankommt. Es war schon für Claire nicht einfach, sich mit den Lebensbedingungen im 18. Jahrhundert anzufreunden, aber mit Brianna trifft eine selbstbewusste, emanzipierte junge Frau auf den sturen und starken schottischen Highlander James MacKenzie Fraser.

    Auch das Auftrauen des von Jamie sogleich mit blindem Hass verfolgten Roger Wakefield führt zu gefährlichen Verwicklungen!

  • „Tyll“ | Daniel Kehlmann

    Autor:  Daniel Kehlmann
    Verlag: Rowohlt Verlag
    Genre: Roman
    Seitenzahl: 474
    ISBN: 978-3-498-03567-9

    Tyll Ulenspiegel – Vagant, Schausteller und Provokateur – wird zu Beginn des 17. Jahrhunderts als Müllerssohn in einen kleinen Dorf geboren. Sein Vater, ein Magier und Welterforscher, gerät schon bald mit der Kirche in Konflikt. Tyll muss fliehen und die Bäckerstochter Nele begleitet ihn.

    Auf seinen Wegen durch das von den Religionskriegen verheerte Land begegnen sie vielen kleinen Leuten und einigen der sogenannten Großen: dem jungen Gelehrten und Schriftsteller Martin von Wolkenstein, der für sein Leben gern den Krieg kennenlernen möchte, dem melancholischen Henker Tilman und Pirmin, dem Jongleur, dem sprechenden Esel Origenes, aber auch dem dem exilierten Königspaar Elisabeth und Friedrich von Böhmen, deren Ungeschick den Krieg einst ausgelöst hat.

    Meine Meinung

    Mit „Tyll“ bekommen wir ein wunderbar skurriles Buch, dass uns tief in die Gedankenwelt des Dreißigjährigem Krieges eintauchen lässt. In meinen Augen, ist Daniel Kehlmann ein Meister der Sprache!

    Tyll Ulenspiegel wächst als Sohn einer Müllersfamilie auf. In seinem Vater brennt ein wissbegieriger Geist, der sich oft mit der Frage beschäftigt, wie die Welt wirklich funktioniert. Leider fehlt es ihm an Vorwissen und er sucht nach Erklärungen für den Lauf der Zeit, für die Ursache von Krankheiten, für die wirkliche Natur der Dinge. Mit jeder Frage, die er stellt, macht er sich zunehmend in den Augen der Kirche verdächtig, die die alleinige Deutungshoheit beanspruchen. Die Gelehrten sorgen dafür, dass Tylls Vater als Hexer hingerichtet wird, worauf sich der Junge auf den Weg ins Ungewisse macht. Aus seinen zaghaften Versuchen, auf einem Seil zu gehen und zu jonglieren, wird ein Beruf, den er auf die harte Tour von einem brutalen Gaukler beigebracht bekommt.

    Der Dreißigjährige Krieg war eine Zeit der inneren und äußeren Auflösung. Europa war im Begriff sich selbst zu zermalmen. Aus Bauernsöhnen wurden Söldner, anders konnten viele nicht überleben. Die Soldaten wechselten manchmal mehrfach am Tag die Fronten. Der Feind, das waren immer die anderen, und jedem Gerücht wurde geglaubt, auch an magische Amulette, die Kugeln fernhielten, und an die Gewissheit der Hölle.
    Und so begleitet Tyll auch den dümmsten der Mächtigen, den glücklosen König von Böhmen, der durch die Annahme seiner Krone den Dreißigjährigem Krieg ausgelöst hat, und auch seine Frau, die ihn wohl dazu überredete, sich gegen den Kaiser zu stellen.

    Für mich gibt es in diesem Buch eine ganz große Kernaussage:  „Zuerst kommen die Gaukler, dann kommt der Krieg!“ Das Volk will nicht regiert werden, es will unterhalten werden. Die Herrschenden umgeben sich mit Hofnarren, weil es ihren guten Status unterstreicht. Also bietet sich Tyll gleich mehr als einmal als Hofnarr an, weil ihm das ein relativ sicheres Leben ermöglicht.

    Das Buch ist gespickt mit, auf den ersten Blick absurden, aber auf den zweiten Blick doch immer schlüssigen Gedankenspielen auf der Basis des damaligen Aberglaubens bzw. der noch in den Kinderschuhen befindlichen Wissenschaft. Die Geschichte wird bildgewaltig erzählt, obwohl es kaum ein sprachliches Bild enthält. Man stapft durch Schnee und Dreck und riecht die Dummheit und das Blut.

    „Tyll“ ist ein trickreicher und extrem gut recherchierter Roman von Daniel Kehlmann, welcher mit klarer Sprache von Schauplatz zu Schauplatz reist und wichtige Figuren in ein spannendes Licht rückt.

  • „Rendezvous im Café de Flore“ | Caroline Bernard

    Autor: Caroline Bernard
    Verlag: Aufbau Verlag
    Genre: Zeitgeschichtlicher Roman
    Seitenzahl:  424
    ISBN: 978-3-7466-3271-1

    Paris, 1928: Vianne träumt davon, Botanikerin zu werden – im renommierten Jardin des Plantes. Als sie sich in den aufstrebenden Maler David verliebt und mit ihm in das schillernde Bohéme-Leben der französischen Avantgarde eintaucht, scheint ihr Glück perfekt. Doch dann nimmt ihr Leben eine tragische Wendung …

    Jahrzehnte später steht Marlène im Musée d`Orsay vor dem Bild einer Frau, die ihr zum Verwechseln ähnlich sieht. Fasziniert von der Ausstrahlung der Fremden, begibt sich Marlène auf die Suche, bei der sie nach und nach ihr Leben verändern wird.

    Meine Meinung

    Nachdem ich im Juni „Die Muse von Wien“ gelesen habe, wollte ich nun auch das Erstlingswerk von Caroline Bernard „Rendezvous im Café de Flore“ entdecken. Es handelt sich hier um eine Geschichte auf zwei Zeitebenen. Eine Erzählform, die ich zwar nur sehr selten lese, die mir hier aber sehr gut gefallen hat.

    Lili Marlène Roussel wird von ihrem Mann zum 15. Hochzeitstag mit einer Reise nach Paris überrascht. Sie liebt diese Stadt, seit sie während ihres Studiums dort die schöne Zeit ihres Lebens verbracht hat. Doch ausgerechnet an ihrem Hochzeitstag kommt es zu einem Streit und Marlène geht allein ins Museum. Plötzlich steht sie vor dem Gemälde „Nach dem Ball“ des Malers David Marlowe Scott und ist geschockt:  Die junge Frau auf dem Bild könnte sie selbst sein!
    Der Gedanke lässt sie nicht mehr los und sie beginnt näheres über das Model in Erfahrung zu bringen. In dem Auktionator Etienne Viardot findet sie nicht nur starke Unterstützung, er gibt ihr auch die Schmetterlinge zurück, die sie schon so lange in ihrer Ehe vermisst.
    Im Geburtenregister entdecken sie einen Namen:  Vianne Renard. Wer ist diese Frau? Und gibt es eine Verbindung zu Marlène?

    Wie bereits erwähnt spielt die Geschichte auf zwei Zeitebenen. Einerseits in der Zeit von 1926 bis 1945, andererseits in der Jetzt-Zeit und erzählt uns die Geschichten von zwei sehr starken Frauen.
    Sowohl die mutige Vianne, als auch Marlène schließt man als Leser rasch ins Herz. Die Handlungen und Entscheidungen der Protagonistinnen sind nachvollziehbar erklärt und stimmig, wobei die Erzählung um Vianne  den Schwerpunkt der Geschichte bildet.

    „Rendezvous im Café de Flore“ gibt einen guten Einblick in das vergangene Paris der Künstler und auch der Frauen, die ihren Platz im männerdominierten Bereich der Forschung, wie in Vianns Fall der Botanik, suchen. Aber auch das Leben in Frankreich während des Regimes der Nationalsozialisten und das Eingreifen der Resistance nehmen hier einen großen Platz ein.

    Schon in ihrem Erstlingswerk lässt Caroline Bernard ihr schriftstellerisches Können erkennen. Der Schreibstil ist wunderbar flüssig und mitreißend. Die Umgebung wird so detailliert beschreiben, dass der Leser fast blind durch die Gassen und Boulevards streifen könnte.
    Dennoch kann man eine deutliche Steigerung zwischen ihren beiden Büchern erkennen. Die Geschichte hat noch nicht die nötige Tiefe und gerade bei den Dialogen zwischen Lili Marlène und ihrem Mann fehlt es noch etwas an Raffinesse.

    „Rendezvous im Café de Flore“ bringt euch den Zauber von Paris in eure Herzen!

  • „Ferne Ufer“ | Diana Gabaldon

    Titel im Original:  „Voyager“
    Autor: Diana Gabaldon
    Aus dem Englischen übersetzt von Barbara Schnell
    Verlag: Drömer Knaur
    Genre: Historischer Roman
    Outlander-Saga, Band 3
    Seitenzahl:   1.228
    ISBN: 978-3-426-51823-6

    20 Jahre lang hielt Claire ihre große Liebe Jamie Fraser für tot. Nun findet sie heraus, dass er die Schlacht von Culloden überlebt hat. Unterstützt von ihrer Tochter Brianna, kehrt sie durch den Steinkreis zu ihm ins 18. Jahrhundert zurück.

    Aber Jamie hat in all der Zeit sein eigenes Leben geführt, außerdem kämpft er weiterhin für Schottlands Unabhängigkeit. Und so müssen die beiden früher, als ihnen lieb ist, aus dem Hochland fliehen und sich aufmachen zu neuen, fernen Ufern. Doch sie wissen, dass ihre Liebe und ihre Leidenschaft füreinander sie jedes Hindernis überwinden lassen wird.

    Meine Meinung

    Mit „Ferne Ufer“ sind wir nun beim 3. Band der Outlander-Saga angekommen.
    Für mich macht die Geschichte Hier einen Cut. Die Erzählung springt in beiden Zeitebenen um 20 Jahre in die Zukunft – nicht rasant, aber doch merkbar – und wir verlassen Schottland zusammen mit Jamie und Claire, ohne genau zu erfahren, ob wir jemals wieder zurückkehren werden.
    Wir bekommen sehr reife Charaktere, die vieles aus ihrer Vergangenheit mit sich schleppen. Der jugendliche Enthusiasmus, den man in den Bänden davor oft zu spüren bekommen hat, ist hier fast zu Gänze verschwunden.

    Culloden 1746: Über die Hälfte der Highlander hat auf dem Schlachtfeld ihr Leben gelassen. Jamie Fraser lebt, wurde aber schwer verwundet. Als er sich, zusammen mit einer Handvoll Männer zur Genesung in eine Bauernkate zurückgezogen hat, werden sie von Major Lord Melton gefunden und des Hochverrats angeklagt. Als dieser Jamies richtigen Namen erfährt, wendet sich jedoch das Blatt.

    Inverness 1968: Claire, Brianna und der Historiker Roger Wakefield finden immer mehr Beweise, dass Jamie die Schlacht überlebt hat.  Hin- und hergerissen zwischen der Liebe zu ihrer Tochter und Jamie fällt Claire eine Entscheidung:  Sie wird zurück in die Vergangenheit reisen. Brianna ist inzwischen alt genug um auch ohne Claire ihre Leben meistern zu können und auch Roger ist an ihrer Seite.

    Zwei Tage nach ihrem Zeitsprung erreicht Claire Edinburgh, wo Jamie als Buchdrucker seinen Lebensunterhalt bestreitet. Die Liebe zu seiner Frau war nie fort. Nicht zu wissen, ob die schwangere Claire die Reise durch die Steine überlebt hat, hat ihn seitdem gequält. Dennoch müssen die Beiden nach der langen Trennung erst wieder zueinander finden. Beide haben ihre Leben gelebt und müssen sich neu kennenlernen.
    Als Jennys Sohn Ians von Piraten entführt wird, begeben sich sie sich an Bord der Artemis, auf Kurs nach Westindien um diesen zu retten. Auch der mittlerweile erwachsen gewordene Fergus begleitet sie wieder auf ihrer Reise und wir lernen viele neue, aber wichtige Personen kennen.
    Nachdem Jamie und Claire in der Karibik auf Lord John Grey, dem ehemaligen Kommandanten von Ardsmur, treffen, können sie mit einem kleinen Schiff fliehen, landen in Georgia und erreichen endlich die Neue Welt.

    Das Leben im 18. Jahrhundert wird von Diana Gabaldon wie immer sehr eindrucksvoll geschildert. Durch ihren schönen Schreibstil, kann man sich die Zeit bildlich deutlich vorstellen. Auch die neuen Protagonisten werden dem Leser wie gewohnt sehr eindrucksvoll nahe gebracht und man hat sofort eine Verbindung zu ihnen. Einige liebt man vom ersten Moment an, bei anderen wird das Misstrauen des Lesers geschürt.

    Auch „Ferne Ufer“ besticht wieder durch Detailgenauigkeit und historischer Authentizität.

    Leider haben mich die letzten Szenen, sprich wie sie den Weg in die neue Welt gefunden haben, etwas gestört. Ich finde, da hätte es eine bessere bzw. glaubwürdigere Lösung geben müssen. Ich möchte niemanden spoilern, aber vielleicht wisst ihr ja schon was ich meine!

  • „Das letzte Geständnis des Raphael Ignatius Phoenix“ | Paul Sussmann

    Titel im Original: „The Final Testimony of Raphael Ignatius Phoenix“
    Autor: Paul Sussmann
    Aus dem Englischen übersetzt von Michaela Grabinger
    Verlag: Drömer Knaur
    Genre: Roman  |  Humor
    Seitenzahl:  430
    ISBN: 978-3-426-30439-6

    Raphael Ignatius Phoenix hat Stil. Manchmal lebt er seinen leichten Hang zur Exzentrik aus, aber letztlich geht ihm nichts über Eleganz und geordnete Verhältnisse. Daher ist es selbstverständlich, dass er zu seinem bevorstehenden 100. Geburtstag ein Geständnis ablegt. Denn sein Ehrentag wird der Tag seines Todes sein. Und da es sich nicht schickt, einfach so aus der Welt zu scheiden, schreibt er zuvor den längsten Abschiedsbrief aller Zeiten – und beichtet ganz nebenbei zehn Morde, die ihm unter anderem mit Hilfe eines Halloween-Kürbisses, der Reißleine eines Heißluftballons und eines Erdbeer-Sahnehörnchens unterlaufen sind.

    Meine Meinung

    Als der britische Journalist und Autor Paul Sussmann im Jahre 2012 plötzlich verstarb, fand man in seinem Nachlass ein unveröffentlichtes Manuskript, das zu seinen Lebzeiten keinen Verleger gefunden hat. Da seine bisherigen Veröffentlichungen hauptsächlich Bereiche der Archäologie zum Thema hatten, war „Das letzte Geständnis des Raphael Ignatius Phönix“ mit seinem schwarzen Humor eine Kuriosität aus der Hand des Autors.

    Stell dir vor, du besuchst eine alte Burg in England. Du läufst durch die rustikalen Räume, hörst die hallenden Schritte und entdeckst eine alte verglaste Aussichtskuppel aus der man die Sterne beobachten kann. Aber am faszinierendsten ist die spezielle Wandgestaltung im inneren der Burg: Hier findest du das letzte Geständnis des 99-jährigen Raphael Ignatius Phönix! Nach 100 Jahren auf Erden und 10 begangenen Morden möchte nun auch er seinen Frieden finden und aus der Welt scheiden. Eineinhalb Gran Strychnin, eineinhalb Gran Arsen, ein halbes Gran Zyankali und ein halbes Gran zerstoßene Brechwurzel, geformt in einer Tablette, soll ihm dabei behilflich sein.

    Er schreibt seine Memoiren mit Filzstift auf die Wände seiner Burg und verrät dem Leser, wen er wann umgebracht hat. Natürlich nicht ohne den gewissen Spott und mit der Selbstverliebtheit eines Mörders, der ungewöhnliche Methoden angewendet hat, um Personen ins Jenseits zu befördern. Er rühmt sich mit seinen Taten, berichtet rational und emotionslos, wie er sich gewisser Leute entledigt hat und lässt dabei keine Illusionen aufkommen, warum er die Taten begangen hat.

    Wir erfahren die Geschichte nicht chronologisch. Nein, das wäre viel zu einfach für Raphael Ignatius Phönix! Er beginnt beim letzten seiner Morde, die er übrigens so gut wie alle nicht vorsätzlich begangen hat. Fast klingt es an einigen Stellen so, als sei Phönix ein unbescholtener Bürger, dem einzig und allein das böse Schicksal seine weiße Weste befleckt hat.

    Der Roman ist spannend und einfühlsam geschrieben, verzichtet auf billige Effekte und widmet sich lieber dem Innenleben seines skurrilen Protagonisten. Der Schreibstil lässt die Seiten nur so fliegen, wobei es auch einige Längen gibt, diese haben sich für mich aber doch recht einfach umschiffen lassen. Paul Sussmann schreibt sich die Geschichte mit großer Leidenschaft aus der Seele. Er skizziert, charakterisiert und zerlegt das Böse in Raphael und versucht am Rande doch immer auch Verständnis für seinen Protagonisten zu finden.

    Die Geschichte ist amüsant, bitterböse, sarkastisch und zynisch.
    Auf jeden Fall ist sie Anders!

  • „Wenn die Nacht verstummt“ | Linda Castillo

    Titel im Original: „Breaking Silence“
    Autor: Linda Castillo
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Helga Augustin
    Verlag: Fischer Verlag
    Genre: Thriller
    3. Fall von Kate Burkholder
    Seitenzahl:   331
    ISBN: 978-3-596-18452-1

    Abgeschlachtete Tiere auf der Weide, ein Farmer, der an sein umgekipptes Fuhrwerk gefesselt fast erfriert: In Painter`s Mill häufen sich die Verbrechen gegen die Amischen. Dann werden auf der Farm der Familie Slabaugh drei Leichen in der Güllegrube gefunden:  Vater, Mutter und ein Onkel.
    Ist auch dies ein Verbrechen aus Hass gegen die Glaubensgemeinschaft? Oder steckt etwas ganz anderes dahinter?

    Polizeichefin Kate Burkholder, die bis zu ihrem 18. Lebensjahr selbst eine Amische war, kennt die Menschen dort nur zu gut. Mit ihrem Freund John Tomasetti löst sie ihren persönlichsten Fall.

    Meine Meinung

    Nachdem sich Anfang September, durch den ganzen Stress mit meinem kranken Hund und der dadurch aufgestauten Arbeit bei mir eine ziemliche Müdigkeit und Leseunlust durchgesetzt haben, musste schnellsten ein Wohlfühlbuch her. Also folgte im September nach „Blutige Stille“ auch gleich der dritte Fall von Kate Burkholder.

    In „Wenn die Nacht verstummt“ müssen sich Kate und ihr Team mit einigen Gewaltdelikten gegenüber der amischen Gemeinde auseinandersetzen. Und natürlich ist auch John Tomasetti in diesem Fall wieder mit involviert. Ausgelöst durch Unverständnis und Verachtung werden die Taten gegenüber den Amischen immer radikaler und unbegreiflicher. Abgeschlachtete Tiere, Schwerstverletzte Männer bis hin zum Mord an den Eltern von vier unschuldigen Kindern. Wie kann der Hass auf eine Gruppe von Minderheiten nur so ausufern?
    Kate Burkholder kommt hier ihre Vergangenheit zu Gute. Sie versteht wie die amischen Menschen, fest verankert in ihrer Glaubensgemeinschaft, agieren und reagieren, aber auch wo sie mit deren Hilfe rechnen kann und wo nicht.

    „Wenn die Nacht verstummt“ ist sicher einer der ruhigeren Teile dieser Reihe. Nicht was die Geschehnisse und Grausamkeiten angeht, aber wie auch schon im Klappentext angedeutet, zeigt dieses Buch sehr viel mehr Fassetten aus Kates Privatleben, ihrem Charakter und teilweise auch aus ihrer Vergangenheit. Auch was ihre Beziehung zu John Tomasetti angeht, wird für den Leser einiges klarer und durchsichtiger.
    Ich finde allerdings nicht, dass diese Passagen die spannende Handlung im Groben stören.

    Die blutigen Geschehnisse und vor allem die davon betroffenen Kinder, lassen Kate Burkholder zeitweise die unbedingt notwendige Distanz zwischen Polizistin und Opfern verlieren. Linda Castillo beschreibt die Gefühle der Trauer und ihre Wut auf die Täter sehr realistisch und gefühlvoll.

    Obwohl sich so viele Verdächtige anbieten, diese schrecklichen Taten begangen zu haben, kommt es dann im Endeffekt doch ganz anders und noch viel schockierender als man sich vorstellen kann!

  • „Die geliehene Zeit“ | Diana Gabaldon

    Titel im Original: „Dragenfly in Amber“
    Autor: Diana Gabaldon
    Aus dem Englischen übersetzt von Barbara Schnell
    Verlag: Drömer Knaur
    Genre: Historischer Roman
    Outlander-Saga, Band 2
    Seitenzahl: 1.224
    ISBN: 978-3-426-51810-6

    Schottland 1968: Zwanzig Jahre, nachdem Claire Randall aus der Vergangenheit zurückgekehrt ist, bringt sie ihre Tochter Briana in die Highlands. Briana soll endlich das Land ihres Vaters kennenlernen. Außerdem sucht Claire die Antwort auf eine Frage, die sie seit über zwanzig Jahren quält: Hat ihre große Liebe Jamie Fraser die schreckliche Schlacht bei Culloden überlebt?

    Meine Meinung

    Also eines kann ich euch garantieren: Wer „Feuer und Stein“ gelesen hat, wird auch dieses Buch verschlingen! Wie bereits in der ersten Rezension angedeutet, hat der erste Band zwar kein offenes Ende, hört aber sehr abrupt und unbefriedigend auf.

    „Die geliehene Zeit“ beginnt 1968, also 20 Jahre nach Claires Rückkehr!
    Auf Einladung von Roger Wakefield, dem Sohn eines verstorbenen Reverend, der viele Jahre ein Freund der Familie war, reisen Claire und ihre 19-jährige Tochter Brianna nach Schottland. Gemeinsam forschen sie in der Vergangenheit und erwecken für Claire altgeliebte Menschen und tragische Zeiten wieder zum Leben. Sie wird mit dem Verlust ihrer großen Liebe James Fraser konfrontiert und bricht an ihrem Kummer zusammen. Sie erzählt Brianna von ihrem wirklichen Vater und ihren Erlebnissen.

    Wir begleiten sie und Jamie zurück ins alte Frankreich. Nach seiner Genesung fungiert er als Verbindungsoffizier zwischen dem Hof König Ludwig XV von Frankreich, den schottischen Rebellen und Prinz Karl Eduard Stuart, dem Enkel des 1689 aus Schottland vertriebenen König Jakob II. Jamie soll dem Prinzen die finanziellen Mittel für die Rückkehr in die Heimat und die Rückeroberung des Throns von den Engländern beschaffen. Dadurch setzt er sich allerdings der Gefahr aus, für einen Verräter gehalten zu werden.
    Jamie und Claire fallen vielen Intrigen zum Opfer, die ihre Bemühungen die Schlacht von Culloden zu verhindern scheitern lassen. Um Claires Leben und das ihres ungeborenen Kindes zu retten, ringt Jamie sich zu einem schmerzhaften Entschluss durch.

    Auch in „Die geliehene Zeit“ konnte Diana Gabaldon mich wieder direkt ab der ersten Seite einfangen und hat mich zum Ende nicht mehr losgelassen. Es ist Spannend den Menschen und der gehobenen Gesellschaft zu dieser Zeit über die Schulter zu schauen. Man merkt, dass die Umgebung ein ganz anderes Temperament hat. Zudem kommen viele neue Charaktere hinzu, die es erst zu durchschauen gilt.

    Claire und Jamie entwickeln sich weiter. Ihre Beziehung durchlebt Höhen und Tiefen und an manchen Stellen muss man einfach mitfiebern. Die Beiden werden sehr authentisch dargestellt, sie leben eine ganz gewöhnliche Beziehung, in der sich gestritten und geliebt wird. Das macht Beide auch sehr sympathisch.

    Die geschichtlichen und politischen Entwicklungen nehmen rasant zu und man sollte immer aufmerksam bei der Sache sein, um die Handlung nicht zu verlieren!