• „Ein einziges Geheimnis“ | Simona Ahrnstedt

    Titel im Original: „En enda hemlighet“
    Autor: Simona Ahrnstedt
    Aus dem Schwedischen übersetzt von Antje Rieck-Blankenburg
    Verlag: LYX Verlag
    Genre: Liebesgeschichte
    Only One Night, Band 2
    Seitenzahl: 669
    ISBN: 978-3-8025-9946-0

    Zwei Personen, die nicht unterschiedlicher sein können:
    Alexander de la Grip, Schwedens Jetset-Prinz, der vor allem für zwei Dinge bekannt ist: Sein Aussehen und seine Frauengeschichten. Und Isobel Sorensen, eine leidenschaftliche Ärztin, die ihr Leben in gefährlichen Krisenregionen riskiert, um den Menschen dort zu helfen.
    Sie leben in verschiedenen Welten, und sie verbindet nicht …

    Doch als Isobels Hilfsorganisation „Medpax“ plötzlich vor dem finanziellen Aus steht, kreuzen sich ihre Wege. Denn jetzt braucht Isobel das, was Alexander im Überfluss besitzt: Geld

    Meine Meinung

    „Ein einziges Geheimnis“ ist der zweite Teil der „Only One Night“-Trilogie und für mich zwar eine tolle Geschichte aus der Hand von Simona Ahrnstedt, aber ein Buch, dass leider viele unterschiedliche Gefühle in mir hervorgerufen hat.

    Hier geht es um Natalias Bruder Alexander, der ein Lebemann und Selfmade-Millionär ist, es aber als strenges Geheimnis hütet, dass er für sein Geld auch arbeitet. Alle denken, er finanziert sich lediglich aus seinem Erbe und sieht gut aus. So auch Isobel, die alles andere als eine hohe Meinung von ihm hat, aber zwingend eine Geldspritze aus seiner Stiftung benötigt.

    Vergleicht man diesen Band mit dem Vorgänger „Die Erbin“, wird man doch gravierende Unterschiede im Geschichtenaufbau finden. Mich haben diese zwar nicht abgeschreckt, aber sie fallen einem als Leser doch recht schnell ins Auge.

    Auch was die Charaktere angeht, fällt einem ein großer Unterschied auf. Sind Natalia und David aus dem ersten Band noch sehr realistisch und nachvollziehbar gehalten, schießt Simona Ahrnstedt gerade bei der Charakterbildung von Alexander de la Grip in meinen Augen total über das Ziel hinaus. Ein für mich von grundauf unsympathischer aber auch unrealistischer und unangenehmer Charakter. Leider änderte sich dieses Gefühl auch im Laufe des Buches nicht mehr bei mir.
    Ihm gegenüber steht die vegetarische Ärztin Isobel, die die Organisation ihrer Mutter in Krisengebieten unterstützt und leidenden Kindern hilft. Natürlich ist da die Sympathie vorprogrammiert, aber auch ihr Einsatz im Tschad wird in meinen Augen sehr realistisch beschrieben.
    Für mich hat die Harmonie zwischen den beiden Hauptcharakteren leider gar nicht gepasst und so konnte ich auch bei der beginnenden Liebesbeziehung nicht mitfühlen.

    Als zweiten Handlungsstrang erfahren wir sehr viele Neuigkeiten über Peter de la Grip, dem ältesten Sohn der Familie. Im ersten Band besticht dieser noch durch sein negatives Verhalten als Marionette seines Vaters und seinem denkwürdigen Charakter, in diesem Buch erfahren wir aber mehr über die Veränderungen in seinem Leben. Eine Geschichte, die mir wesentlich mehr zu Herzen gegangen ist, als die Hauptstory!

    Dennoch: Simona Ahrnstedt besticht auch in „Ein einziges Geheimnis“ wieder durch ihren unglaublich stilvoll Schreibstil und einer wunderbaren Sprache. Stockholm wird für das innere Auge des Lesers lebendig und man bekommt richtig Lust darauf diese Stadt auf der Stelle einen Besuch abzustatten!

  • „Die Braut“ | Anita Terpstra

    Titel im Original: „Samen“
    Autor: Anita Terpstra
    Aus dem Niederländischen übersetzt von Simone Schroth
    Verlag: Blanvalet
    Genre: Thriller
    Seitenzahl: 411
    ISBN: 978-3-7341-0576-0

    Als Mackenzie Walker und Matt Ayers heiraten, reagiert ihr Umfeld mit Unverständnis. Warum geht eine junge Frau die Ehe mit einem Mann ein der angeklagt ist, mehrere Frauen entführt und festgehalten zu haben – und deshalb in der Todeszelle sitzt? Mckenzie wird öffentlich beleidigt und sogar bedroht, doch sie versucht unbeirrt, Matts Unschuld zu beweisen und damit sein Leben zu retten. Als ihr das nicht gelingt, beschließt sie, ihm bei der Flucht aus dem Hochsicherheitsgefängnis zu helfen. Denn für sie steht viel mehr dem Spiel, als irgendjemand ahnt.

    Meine Meinung

    „Die Braut“ ist ein Thriller der niederländischen Autorin Anita Terpstra, die bereits mit „Anders“ unter Beweis gestellt hat, dass sie auch ohne viel Blutvergießen die Tiefen menschlicher Abgründe ausloten kann. Dies ist ihr zweiter Roman, der im Juli 2018 erschienen ist.

    Matt Ayers sitzt in der Todeszelle. Er soll mehrere Frauen entführt und jahrelang missbraucht haben. Doch ist er wirklich der Täter? Matt beteuert auch Jahre später noch seine Unschuld.
    Mackenzie Walker ist eine junge hübsche Frau, die ehrenamtlich in einem Projekt mitarbeitet, bei dem misshandelte Hunde durch die Unterstützung von Strafgefangenen wieder resozialisiert werden sollen. Im Zuge dieser Besuche trifft sie auf Matt und sie beginnen sich regelmäßig Briefe zu schreiben. Trotz aller Einwände heiraten die Beiden und Mackenzie setzt alles daran, die Unterschuld ihres Mannes zu beweisen. Als dann auch noch ein Hinrichtungstermin bekannt gegeben wird, beschließt sie, Matt zur Flucht zu verhelfen.
    Doch Mackenzie hat mehr Beweggründe als nur ihre Liebe zu Matt …

    Anita Terpstra hat einen tollen spannenden und bildgewaltigen Schreibstil, der den Leser fesselt und mit klaren Bildern im Kopf versorgt. Ich musste die 411 Seiten an 2 Abenden verschlingen, ich konnte das Buch überhaupt nicht mehr aus der Hand legen. Die Spannung wurde immer wieder gesteigert und gipfelte dann in vielen überraschenden Wendungen, die das bisher gelesene komplett auf den Kopf stellen.

    Besonders gelungen fand ich auch die unterschiedlichen Sichtweisen. Wir erfahren in dem Buch nicht nur die Geschichte rund um Mackenzie, sondern in wechselnden Kapiteln auch die Sicht der Opfer während ihrer Gefangenschaft. Das macht die Handlung besonders fesselnd und mitreißend. Ich finde auch, dass gerade diese Kapitel sehr authentisch beschrieben wurde, sofern ich das beurteilen kann.

    Die Charaktere, die Anita Terpstra in diesem Buch entstehen lässt, sind überaus facettenreich, wobei für mich kein einziger wirklich sympathisch war. Einerseits macht aber auch gerade das den Reiz aus, andererseits werden die Protagonisten dadurch erst recht undurchschaubar. Jeder Charakter hat sowohl gute als auch schlechte Seiten, wirken aber teilweise so verschlossen, dass sie den Leser komplett in die Irre führen.

    „Die Braut“ ist ein vielschichtiger Thriller hinter dem ein absolut durchtriebener Plan steckt!

  • „Tödliche Wut“ | Linda Castillo

    Titel im Original: „Gone Missing“
    Autor: Linda Castillo
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Helga Augustin
    Verlag: Fischer Verlag
    Genre: Thriller
    4. Fall von Kate Burkholder
    Seitenzahl:   346
    ISBN: 978-3-596-19612-8

    Du hättest dich wehren müssen.
    Du hättest mehr beten sollen.
    Jetzt ist dein Schicksal besiegelt!

    Drei verschwundene Personen. Weiblich. Teenager. Amisch.
    Es gibt keinen Verdächtigen, kein Motiv, keine Leiche – NOCH NICHT!

    Meine Meinung

    Los geht’s mit einem neuen Fall in Painters Mill!

    Kate Burkholder wird zu später Stunde zu einer Schlägerei zwischen Jugendlichen gerufen. Zum Entsetzen erkennt sie in einem der raufwütigen Mädchen Sadie Miller, eine junge Amische und die Nichte ihres Schwagers.
    Einige Stunden später wird Kate vom Bureau of Criminal Identification and Investigation (BCI) kontaktiert, die dringend ihre Unterstützung als Beraterin brauchen. Dabei handelt es sich um mehrere vermisste Jugendliche aus der Amischen Gemeinde. Voller Euphorie, nicht nur wegen der Aussicht mit John Tomasetti zusammenzuarbeiten, fährt sie nach Ohio und sieht sich schnell den Eltern der Vermissten gegenüber. Kate ist wie gelähmt, da sie keinerlei Spuren haben, um die jungen Mädchen zu finden.
    Gerade als sie Beginnen erste Fortschritte zu erzielen verschwindet in Painters Mill die junge Sadie. Kate kehrt natürlich auf der Stelle zurück und ermittelt auf Hochtouren.

    „Tödliche Wut“ ist – im Gegensatz zu den bisherigen Fällen – ein eher ruhiges Buch. Kate Burkholder bekommt die Chance sich selbst weiter zu bilden und sich als Beraterin in einem anderen County zu profilieren. Sie wirkt dabei aber keines Falls fehl am Platz. Ganz im Gegenteil ist sie professionell und zielstrebig bei der Sache. Man merkt sehr schnell eine Veränderung in ihrer Person und eine tolle charakterliche Weiterentwicklung.
    Auch ihre Beziehung zwischen John Tomasetti dürfte nun in festeren Händen liegen.

    Wir verfolgen die akribischen Ermittlungen aus der Ich-Perspektive von Kate, die wiederholt bei den Amischen auf eine Wand des Schweigens trifft, doch bald schon fallen ihr einige Gemeinsamkeiten auf, die alle Jugendliche verbinden. Zwar könnte daraus durchaus ein Motiv abgeleitet werden, auf die Spur des Täters führt sie ihr Verdacht jedoch noch lange nicht.

    Die Spannung baut sich langsam, aber kontinuierlich auf. Durch die wendungsreiche Story, die lange Zeit mehr Fragen als Antworten aufwirft, bietet der Thriller viel Zeit für eigene Theorien und Grübeleien.

  • „Die Wunderübung“ | Daniel Glattauer

    Autor: Daniel Glattauer
    Verlag: Deuticke
    Genre: Roman | Komödie
    Seitenzahl:  111
    ISBN: 978-3-552-06239-9

     „Sie sehen ja, wo Verständnis hinführt, wenn nicht beide das gleiche darunter verstehen!“

    Eine Frau und ein Mann, beide um die vierzig, haben im Arbeitsraum eines Paartherapeuten Platz genommen. Der Therapeut ihnen gegenüber. Die Stimmung ist geladen – die Komödie kann beginnen!

    Meine Meinung

    Für mich ist Daniel Glattauer seit „Gut gegen Nordwind“ eine absolute Institution am österreichischen Autorenhimmel. Ich mag ihn unheimlich gern!
    „Die Wunderübung“ ist ein dünnes kleines Büchlein, das seinen Leser wieder in den Alltag der Protagonisten mitnimmt und bei mir durch seinen Witz und der glattauertypischen Satire punkten kann.

    Die Beziehung von Joana und Valentin ist am Tiefpunkt angelangt und die hilflosen Versuche des Paartherapeuten, die beiden Streithähne in den Griff zu kriegen sind zwar unterhaltsam, aber anscheinend ganz und gar nicht erfolgreich. Joana weiß eigentlich immer schon vorher, was ihr Ehemann sagen will, und sorgt mit ihrem Redeschwall obendrein dafür, dass er oft gar nicht erst zu Wort kommt. Valentin straft sie dafür mit Gefühlskälte und leidenschaftsloser Ignoranz. Er nimmt die Missstände offenbar als gegeben hin und sieht keinen Grund für große Veränderungen. Wodurch sich Joana nur noch mehr provoziert fühlt.
    Doch nicht nur Joana und Valentin haben ein Problem, auch der Therapeut selbst scheint in gröberen Schwierigkeiten zu stecken.

    Das Buch ist in Form eines Theaterstücks geschrieben und lässt sich durch seine 111 Seiten auch sehr locker an einen gemütlichen Abend wegsuchten. Daniel Glattauer wirft seinen Leser mitten in den Arbeitsraum des Paartherapeuten und wir sind sofort mit von der Partie. Natürlich bekommen wir hier keine hochtrabende schwere Literatur, aber vielleicht ist dieses Buch gerade deshalb ein toller Wegbegleiter. Präzise und Treffliche Formulierungen. Ein toller Humor, der mich sehr oft zum Lachen gebracht hat. Was wünscht man sich mehr?

    Solange man nicht selbst von so einer Situation betroffen ist, darf man sich genüsslich zurücklehnen – natürlich etwas schadenfroh – und selbst den bedauernswerten Paartherapeuten ob seiner hilflosen Versuche der Schadensbegrenzung belächeln.
    Ist doch alles halb so wild! Etwas anderes hat Daniel Glattauer sicher nicht gewollt …

  • „Echo der Hoffnung“ | Diana Gabaldon

    Titel im Original:  „An Echo in the Bone“
    Autor: Diana Gabaldon
    Aus dem Englischen übersetzt von Barbara Schnell
    Verlag: Drömer Knaur
    Genre: Historischer Roman
    Outlander-Saga, Band 7
    Seitenzahl:  1.188
    ISBN:  978-3-426-52266-0

    In den amerikanischen Kolonien ist der Krieg ausgebrochen, doch Jamie Fraser und seine geliebte Frau Claire, Zeitreisende aus dem 20. Jahrhundert, weigern sich, zu den Waffen zu greifen. Denn heißt es nicht, die Feder sei mächtiger als das Schwert?

    Jamie beschließt, die Rebellen mit Flugblättern zu unterstützen, aber seine Druckerpresse steht noch in Schottland. Und so nehmen Jamie und Claire Abschied von Fraser`s Ridge und treten eine lange gefährliche Schiffsreise über den Atlantik an

    Meine Meinung

    Mit „Echo der Hoffnung“ bin ich nun am aktuellen Stand der Reihe angelangt!
    Natürlich gibt es noch den Folgeband „Ein Schatten von Verrat und Liebe“ in der ersten deutschen Ausgabe, da ich aber doch schon sehr auf die Übersetzung von Barbara Schnell eingestellt bin, möchte ich bei diesem Buch wieder auf die Neuauflage im nächsten Jahr warten. Vielleicht ist dann auch der Erscheinungstermin des finalen Bandes, an dem Diana Gabaldon gerade noch schreibt, nicht mehr soooo weit entfernt! *klopf auf Holz*

    Wir schreiben das Jahr 1777. Die Chancen für den Sieg der Kolonien im Unabhängigkeitskrieg gegen die Briten stehen schlecht. Nur Claire und ihr Mann Jamie Fraser wissen, wie er ausgehen wird. Jamies Herz schlägt für die Seite der Aufständischen, doch ist er sich sehr wohl bewusst, dass sein unehelicher Sohn William in der britischen Armee kämpft.

    Jamie weigert sich, Hand an seine Waffe zu legen, doch er will mit dem gedruckten Wort in die Revolution eingreifen. Dafür benötigt er seine Druckerpresse, die immer noch in Edinburgh steht. Während es in den Straßen der Kolonien schon nach Pulverdampf riecht, machen sich die Frasers für ihre Rückkehr in die schottischen Highlands bereit.
    Dort – im Jahre 1979 – scheint ihre Tochter Brianna in Sicherheit. Die Kinder haben sich gut in ihrem neuen Zuhause in Lallybroch eingelebt und auch die Ehe zwischen Roger und Brianna ist harmonisch und liebevoll. Doch mysteriöse Zwischenfälle drängen gefährliche Geheimnisse aus der Vergangenheit ihrer Eltern ins Licht der Gegenwart.

    Ich muss ehrlich gestehen, für mich fühlen sich die Charaktere schon gar nicht mehr wie Buchfiguren an. Ich begleite Jamie und Claire nun schon so lang, dass sie für mich wie Freunde sind, die mir bei einem gemütlichen Abendessen erzählen wie es ihnen in den letzten Wochen und Monaten ergangen ist. Diese Verbindung ist für mich etwas Besonderes. Mich konnte ihre persönliche Geschichte, ihre Ehe, ihre Gefühle zueinander immer noch berühren und sehr gut amüsieren.

    Auch die vielen anderen Figuren und ihre Schicksale sind herzerwärmend und spielen auch in „Echo der Hoffnung“ wieder eine große Rolle. Besonders Ian hat sich hier für mich sehr hervorgetan. Er war zwar immer schon ein toller Charakter, aber in diesem Buch wurde seine Geschichte noch einmal lebendiger und für den Leser verständlicher. Diana Gabaldon schafft es hervorragend die Unterschiede zwischen seiner schottischen und seiner indianischen Seite herauszuarbeiten.

    Wie immer eine tolle Geschichte mit viel geschichtlichem Hintergrund. Mit viel Herz und tollen Wendungen!

  • „Coraline“ | Neil Gaiman

    Titel im Original: „Coraline“
    Autor: Neil Gaiman
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Cornelia Krutz-Arnold
    Verlag: Arena Verlag
    Genre: Horror | Jugendbuch
    Seitenzahl:  175
    ISBN: 978-3-401-06445-1

    Coraline ist mit ihren Eltern in ein düsteres altes Haus gezogen. Die Nachbarn sind reichlich merkwürdig: Der verrückte Herr mit Schnurrbart erzählt von seinem Mäusezirkus, die schrulligen Schauspielerinnen warnen sie vor dem tiefen Brunnen im Garten. Noch merkwürdiger findet Coraline die zugemauerte Tür ihrer Wohnung. Nachts sieht sie dort einen dunklen Schatten verschwinden.
    Was verbirgt sich hinter dieser Tür
    ?

    Meine Meinung

    „Coraline“ von Neil Gaiman habe ich vor einigen Wochen auf dem „Blücher“-Blog entdeckt und spontan wieder Lust auf diese Geschichte bekommen. Ich kannte den Film, aber ich glaube, das Buch stand bisher noch ungelesen in meinem Regal.

    Coraline Jones ist mit ihren Eltern in ein neues Haus gezogen. Die Sommerferien sind lang und sie hat absolut keine Lust die restlichen freien Tage in ihren öden vier Wänden zu verbringen. Ihre Eltern sind beruflich sehr eingespannt und für neue Freundschaften war bisher noch nicht die Zeit. Die beiden anderen Wohnungen werden von zwei älteren Damen und einem älteren Herrn mit Schnurrbart bewohnt, die zwar skurril und lustig sind, aber bei ihrem Tatendrang einfach nicht mehr mithalten können. So begibt sich Coraline alleine auf Entdeckungsreise und findet eine verschlossene Tür mitten in der guten Stube ihrer Wohnung. Einmal geöffnet, verbirgt sich dahinter eine exakte Kopie ihres eigenen Hauses, nur das hier ihre „andere Mutter“ lebt. Und mit einem Mal ist Coralines Welt nicht mehr so, wie sie einmal war.

    Das kleine Mädchen, dessen Namen all die Erwachsenen nicht richtig aussprechen können, beweist unglaublich viel Mut auf ihrem Abenteuer und muss sich einigen bitterbösen Aufgaben stellen, die die „andere Mutter“ mit List zu durchkreuzen versucht. Auch wenn ihre Eltern nur selten Zeit für sie haben, so will sie diese doch behalten, anstatt in einer Welt zu leben, in der sie angeblich alles haben kann. Ein Spiel auf Leben und Tod beginnt!

    Auf ihrem Abenteuer bekommt Coraline die Hilfe eines schwarzen Katers, der von Anfang an durch seine katzenhafte Überheblichkeit glänzt, sie aber gekonnt durch ihr Aufgaben begleitet und ihr nicht nur einmal aus der Patsche hilft.

    Es handelt es sich hier um ein Kinderbuch mit einer gigantischen Portion Horror. Ich empfehle den Eltern die Geschichte erst mal selbst zu lesen und dann für sich zu entscheiden, ob ihr Kind dafür reif genug ist. Ich kann mir gut vorstellen, dass so mancher Volksschüler davon Alpträume bekommen könnten. Daher möchte ich „Coraline“ auch eher unter das Genre „Jugendbuch“ einstufen.

    Natürlich hat Neil Gaiman hier eine sehr einfache Sprache gewählt, er erzählt die Geschichte aber sehr eindringlich und bildgewaltig! Ich war begeistert!

  • „Augustus“ | John E. Williams

    Titel im Original: „Augustus“
    Autor: John E. Williams
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Bernard Robben
    Verlag: DTV Verlag
    Genre: Historischer Roman
    Seitenzahl: 445
    ISBN: 978-3-423-28089-1

    Octavius ist 19, sensibel und wissbegierig. Er will Schriftsteller und Gelehrter werden. Doch als Großneffe und Adoptivsohn Julius Cäsars fällt ihm nach dessen Ermordung ein gewaltiges politisches Erbe zu. Seine Mutter Atia warnt ihn eindringlich davor, es anzunehmen. Doch ihm, der von schwächlicher Konstitution aber enormer Willenskraft ist, wird es durch Glück, List, Intelligenz und Entschlossenheit gelingen, das riesige Römische Reich in eine Epoche des Wohlstands und Frieden zu führen.

    Meine Meinung

    Es hat wirklich lange gedauert, bis ich meinen ersten John Williams zur Hand genommen habe und die Entscheidung zwischen „Stoner“ und „Augustus“ ist mir gar nicht so leicht gefallen wie gedacht.
    Wer ein gewisses Grundinteresse an Intrigen, Ränkespiele, Verschwörungen und Verleumdungen hat, der wird in der römischen Antike bereits bedient werden.

    Der römische Kaiser Augustus gehört noch heute zu den bedeutendsten Herrschern des Römischen Reichs. In diesem Roman wird er nicht nur als geschichtliche Persönlichkeit, sondern auch als Mensch mit vielen Ecken und Kanten lebendig.
    Das Buch wurde vorwiegend als Briefroman gestaltet und so erhält der Leser viele unterschiedliche Eindrücke von Personen, die große Teile ihres Lebens an der Seite des Kaisers oder in den Schlachten gegen ihn verbracht haben. Wir erfahren über sein Leben als Feldherr, als Politiker, aber auch als Ehemann und Vater. Das Tagebuch seiner Tochter Julia und Augustus eigener Monolog am Schluss runden die Geschichte zu einem gelungen Roman ab.

    John Williams hat einen sehr melancholischen Schreibstil, der auch sprachlich eher anspruchsvoll zu lesen ist, mich konnte er aber von der ersten Seite an mitreißen. Die Schlachten und Intrigen sind nur so an mir vorbeigezogen und auch die Geschichte um Augustus Tochter konnte mich sehr bewegen.
    Durch die Fülle an Namen, die sich sehr oft gleichen, brauchte ich doch meine Ruhe um alle Details genau mitzubekommen. Hier unterstützt uns auch ein Glossar am Ende des Buches.
    Alle Unterlagen in diesem Buch sind fiktiv, entstammen aber einer korrekten geschichtlich belegten Zeittafel, wodurch beim Leser das Gefühl entsteht, einer Zusammenstellung echter Quellen zu folgen.

    „Augustus“ bietet uns interessante Einblicke über die Heiratspolitik der Römer, die Stellung der Frau und das tägliche Leben der Höhergestellten, so dass man meint, selber in der Zeit um Christi Geburt gelebt zu haben.
    Augustus selbst bezeichnet sich als den einsamsten Menschen im Reich, denn er kann niemandem trauen. Mit Geschick und Diplomatie führte der Kaiser das Römische Reich zu Frieden und Wohlstand, änderte die Staatsverfassung, stellte Recht und Ordnung in Rom wieder her. Er umgibt sich mit namenhaften Dichtern und Denkern, wie Cicero, Ovid, Marcus Agrippa, Horaz, Vergil und Homer, um nur einige Namen zu nennen. Seine Liebe galt in erster Linie Rom.

    Mich hat der Roman sehr zum Denken angeregt, fragt man sich am Ende doch, ob sich Augustus diplomatischen Schachzüge und persönlichen Opfer wirklich gelohnt haben.

  • „Ein Hauch von Schnee und Asche“ | Diana Gabaldon

    Titel im Original:  „A Breath of Snow and Ashes“
    Autor: Diana Gabaldon
    Aus dem Englischen übersetzt von Barbara Schnell
    Verlag: Drömer Knaur
    Genre: Historischer Roman
    Outlander-Saga, Band 6
    Seitenzahl:  1.351
    ISBN:  978-3-426-51824-3

    North Carolina 1772. Jamie und Claire Fraser haben sich allen Widerständen zum Trotz auf Fraser`s Ridge eine neue Heimat aufgebaut. Doch es ist ein trügerisches Idyll, denn unter den Siedlern wird der Unmut über die britische Herrschaft immer größer. Nur dank Claires Warnungen vor dem drohenden Unabhängigkeitskrieg bemüht sich Jamie um Neutralität. Doch dann bittet ihn der Gouverneur von North Carolina, das Hinterland für die britische Krone zu einen.

    Wird Jamie erneut auf der Seite der Verlierer stehen? Und was hat es mit jenem Zeitungsartikel aus der Zukunft auf sich, der von Claires und Jamies Tod bei einer Feuersbrunst berichtet?

    Meine Meinung

    Ach ja, wer einmal mit den Büchern von Diana Gabaldon anfängt, kommt nicht mehr davon los!
    Der glatte Übergang zum vorhergehenden Band hat dafür gesorgt, dass ich wieder gut in die Geschichte gefunden habe.

    Josiah Martin, der Gouverneur der englischen Kolonie North Carolina, will die Bevölkerung einigen und Jamie Fraser soll ihm dabei helfen, die blutigen Auseinandersetzungen zwischen den mittellosen, aber nach Siedlungsmöglichkeiten suchenden Bewohnern des Hinterlandes und den reichen Plantagenbesitzern an der Küste zu beenden. Durch Claire und Briannas Wissen, was die Zukunft begrifft, ist Jamie bewusst, dass sich die Amerikaner gegen die britischen Kolonialherren erheben und die Königstreuen in einem blutigen Krieg – dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg – besiegen werden.
    Schon vor der Schlacht bei Culloden im April 1746 hatte Jamie versucht, eine militärische Auseinandersetzung zu verhindern und war dabei kläglich gescheitert. Soll sich das jetzt wiederholen?
    In der angespannten Lage drohen die Fraser`s und deren Familie zwischen die Fronten zu geraten!

    Schon zu Beginn der Geschichte wirft uns Diana Gabaldon in einen schrecklichen Szenerie, die mich gleich mal mit angehaltenem Atem durch die ersten 100 Seiten rasen ließ … und ich musste stellenweise Szenen doppelt und dreifach lesen, weil ich dachte, mein Herz bleibt stehen.
    Eine Bande gesetzloser überfallen die Siedlung um Jamies wertvollen Whisky zu stehlen. Zu ihrem Pech sind ausgerechnet Claire und Marsali beim Malzschuppen. Während Marsali niedergeschlagen wird nehmen sie Claire gefangen damit sie ihnen das Whiskyversteck zeigen kann. Die Befreiung Claires nimmt einige Tage in Anspruch, in denen sie den rohen Männern schutzlos ausgesetzt ist und endet mit einem Massaker an der Bande durch Jamie und seine Männer.

    Diana Gabaldon lässt uns auch in diesem Band wieder am Leben, Lieben, Streben und Handeln der Fraser`s und ihrer Pächter teilhaben. Natürlich finden wir auch in diesem Buch wieder die gewohnt wechselnde Erzählsicht vor, da die Familienbande aber wieder von etlichen Seiten durchgerüttelt wird, bekommen wir den Hauptteil der Geschichte aus Claires Sicht erzählt.
    Es gibt Stellen zum Lachen, aber auch zum Weinen, absolute Überraschungsmomente und viele Erklärungen zu Geheimnissen aus den vorangegangenen Büchern.

  • „Die Zwölf“ | Justin Cronin

    Titel im Original: „The Twelve“
    Autor: Justin Cronin
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Rainer Schmidt
    Verlag: Goldmann Verlag
    Genre: Postapokalypse
    Passage-Trilogie, Band 2
    Seitenzahl: 822
    ISBN: 978-3-442-31179-8

    Zu Anfang waren es zwölf Kriminelle, die auf die Todesstrafe warteten. Doch dann werden sie für ein geheimes Experiment auserwählt. Es sollte den Fortschritt bringen, aus ihnen sollten mehr als nur Menschen werden. Doch es schlug fehl. Jetzt sind es diese Zwölf, die das Leben auf der Erde bedrohen und das Ende der Menschheit bedeuten könnten. Und die letzte Hoffnung ruht auf einem Mädchen. Amy ist die Einzig, die sich der Macht der Zwölf entgegenstellen kann. Aber der Gegner ist stark, und ihre Kraft scheint mehr und mehr zu schwinden

    Meine Meinung

    Auch beim wiederholten Leser konnte mich Justin Cronin mit „Der Übergang“ wieder total mitreißen und ich musste sofort den zweiten Teil zur Hand nehmen. Wer aber bei „Die Zwölf“ ein Buch erwartet, dass die Geschichte einfach nahtlos weiterführt, wird sich hier wirklich wundern. Dieses Buch hebt die Trilogie nochmal auf ein neues Level!

    Anstatt unseren Protagonisten auf ihrer Jagt auf die zwölf Urväter der Epidemie zu folgen, springt die Geschichte zu Beginn für eine sehr lange Zeit wieder an den Anfang zurück und erklärt dem Leser, was zwischen dem Ausbruch der Infektion und den ersten 100 Jahren geschehen ist. Was macht eine Bevölkerung, in der plötzlich alle Maßstäbe von Richtig und Falsch zusammenbrechen? Und warum konnten einige Wenige überleben?
    Erst in der zweiten Hälfte des Romans befinden wir uns 5 Jahre nach den Hauptgeschehnissen des ersten Bandes und erfahren, wie die Geschichte unserer Protagonisten weitergeht. Die Stränge fügen sich zu einer klaren Linie zusammen. Viele schreckliche Details die im ersten Band noch übersprungen wurde und für den Leser unklar blieben, werden hier aufgelöst und man muss sich der konkreten Vernichtung und dem Wahnsinn der Menschheit stellen.

    Justin Cronin schafft es in seiner bewährten Art immer wieder eine grandiose Spannung aufzubauen. Der Schreibstil ist leicht verständlich und durch die tolle Charakterzeichnung merken wir schnell eine Weiterentwicklung unserer Protagonisten, die zwar nicht immer positiv ist, aber sehr ans Herz geht.
    Schon der Prolog, in dem ein weit in der Zukunft spielendes Werk biblischen Charakters zitiert wird, macht durch seine Anspielungen neugierig auf das, was uns in diesem Buch erwartet und gibt im Endeffekt auch Hoffnung auf ein heilbringendes Ende der Trilogie.

    Auch in die „Die Zwölf“ wird die Gewalt nicht immer direkt ausgesprochen, aber sie kommt greifbar näher. Alles, das uns bisher noch im Hinterkopf herumgegeistert ist, aber von Justin Cronin nicht konkret formuliert wurde, erscheint uns nun schon direkter vor Augen. Schon alleine deshalb ist dieses Buch eine ganze Stufe stärker und eindrücklicher.
    Eine Botschaft geht ganz klar vorraus: Die Bestien sind nicht nur Diejenigen, die sich in Virals verwandeln. Menschen müssen auch in lebensbedrohlichen Situationen nicht unweigerlich auf der gleichen Seite stehen.

    Ich konnte sehr oft Ähnlichkeiten aus Systemen des 2. Weltkrieges finden, die mir ein beklemmendes Gefühl in der Brust beschert haben.

    Einige Protagonisten entwickeln sich in Richtungen, die lange Zeit völlig unvorhersehbar im Raum mitschwingen und den Leser total schockiert zurücklassen.