• „Die Spiegelstadt“ | Justin Cronin

    Titel im Original: „City of Mirrors“
    Autor: Justin Cronin
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Rainer Schmidt
    Verlag: Goldmann Verlag
    Genre: Postapokalypse
    Passage-Trilogie, Band 3
    Seitenzahl: 987
    ISBN: 978-3-442-31180-4

    Die Zwölf – Wesen der Dunkelheit, Todfeinde der Menschen – sind vernichtet. Nach und nach wagen sich die Überlebenden aus ihrer eng ummauerten Zuflucht. Auf den Trümmern der Zivilisation wollen sie eine neue, eine bessere Gesellschaft aufbauen: der älteste Traum der Menschheit.
    Doch in einer fernen, verlassenen Stadt lauert der Eine: Zero. Der Erste. Der Vater der Zwölf, der den Ursprung des Virus in sich trägt. Einst ein hochbegabter Wissenschaftler, der, seit er seine große Liebe verlor, nur noch von Rachedurst und Wurt erfüllt ist. Er will die Menschheit endgültig auslöschen. Und seine Truppen stehen bereit!

    Meine Meinung

    Nachdem mich „Die Zwölf“ so mitgerissen hat und ich unbedingt wissen wollte, was aus Amy und ihren Gefährten wurde, musste ich ganz schnell weiterlesen. „Die Spiegelstadt“ macht als Finale der Trilogie alles richtig. Der Autor spielt hier noch einmal alle Trümpfe aus, die für mich schon „Der Übergang“ so einzigartig gemacht haben.

    Die Zwölf waren einst Schwerstkriminelle, die durch ein schiefgelaufenes Experiment zu unsterblichen Wesen und Todfeinden wurden. Nun, 20 Jahre nach dessen Vernichtung, trauen sich die Überlebenden endlich wieder aufzuatmen und beginnen ein neues Leben in Freiheit. Sie fassen neuen Mut und wollen die in Trümmern liegende Welt wieder aufbauen. Doch nur wenige ahnen, dass es noch nicht vorbei ist. In einer fernen, längst verlassenen Metropole hält sich Zero versteckt.

    Zum Einen wird die Geschichte von den Zwölf und den letzten Überlebenden in Amerika fortgesetzt. Zum Anderen erfahren wir wie die Geschichte 1000 Jahre nach dem Virus, in der die Menschen versuchen, dem tatsächlichen Ursprung und dem Verlauf der Pandemie auf die Spur zu kommen.
    Als dritten Strang haben wir aber auch die Lebensgeschichte von Dr. Tim Fanning, der als „Zero“ die treibende Kraft der Zwölf war.

    Auch „Die Spiegelstadt“ besticht wieder durch seine melancholische und nostalgische Grundstimmung, die großartige Interaktion der Charaktere und vollendet eine über tausend Jahre umspannende, epische Geschichte über die Liebe. Gerade in diesem Buch wird dem Leser sehr bewusst, dass der Autor selbst seine behutsam eingeführten Nebencharaktere nie ganz vergessen oder aus den Augen verloren hat.
    Auch der Schreibstil ist wieder beeindruckend. Zwischendurch wird Justin Cronin leicht poetisch, dann wieder sehr detailreich, dann wieder schnell, dramatisch und packend. Eine sehr gute Mischung.

    Die Passage-Trilogie ist eine Reihe für anspruchsvolle Leser, die lebende und atmende Geschichte erfahren wollen!

  • „Der Schlüssel“ | Junichiro Tanizaki

    Titel im Original: „Kagi“
    Autor: Junichiro Tanizaki
    Aus dem Japanischen von Sachiko Yatsushiro und Gerhard Knauss
    Verlag: Kein & Aber Verlag
    Genre: Roman | Klassiker
    Seitenzahl:  187
    ISBN: 978-3-0369-5748-7

    Unfähig, über ihre geheimsten Sehnsüchte und Fantasien zu sprechen, beginnen ein Professor und seine Frau jeweils, ein Tagebuch zu führen – ahnend, dass der andere das Geschriebene lesen wird. Auf die Weise können sie ich Inneres ungehemmt offenbaren: Sie legen Geständnisse ab, provozieren, täuschen bewusst. Und tatsächlich kommen sich die beiden dadurch körperlich wieder näher – nur ganz anders, als sie es sich vorgestellt haben.

    Meine Meinung

    „Der Schlüssel“ von Junichiro Tanizaki ist eines der Bücher, die ich im Februar zum Geburtstag bekommen hatte und ich schätze genau so lange lag dieses Buch jetzt schon auf meinem Lesetischchen, damit ich möglichst bald dazu greife.

    Wir lernen hier einen 65-jährigen Professor kennen, der vor 20 Jahren mit seiner attraktiven Frau zwangsverheiratet wurde. Seine Gattin ist zwar um vieles jünger, wurde aber sehr streng im alten japanischen Glauben erzogen und wirkt für ihren Mann in sexuellen Angelegenheiten immer sehr prüde und zurückhaltend, womit er nie wirklich umzugehen wusste. Zu Beginn des neuen Jahres fangen beide an, ein Tagebuch zu führen, ganz bewusst um den Anderen zu animieren und die intimsten Geheimnisse preiszugeben.

    Ich habe noch nicht viele japanische Autoren gelesen, aber bei so manchen war ich von ihren verschachtelten und anstrengenden Schreibstilen überfordert. Vielleicht hat mich das so lange vor der Geschichte zurückschrecken lassen, zumal der Autor auch noch 1886 geboren wurde und der Roman 1956 erstmals erschienen ist. Aber ganz im Gegenteil glänzt dieses Buch durch seine sehr flüssige Schreibweise. Es ist nicht sehr bildgewaltig und eher klar im Ausdruck, aber das hat mich auf keiner einzigen Seite stocken lassen. Zudem ist der gesamte Roman in Form eines Tagebuches verfasst und daher wirklich angenehm zu lesen.

    Da wir die Einträge der beiden Ehepartner abwechselnd zu lesen bekommen, nimmt die Geschichte eine tolle Dynamik an und bringt einem dadurch auch die Charaktere näher. Die Beiden schildern ihre Sicht der Dinge und man bekommt immer mehr ein Gefühl dafür, in was für einer verfahrenen Situation sie stecken. Es war erschreckend, wie die Ansichten der Eheleute trotz so vieler gemeinsamer Jahre auseinander gehen, aber auch spannend dabei zu sein, wie sich ihre Beziehung durch die Führung der Tagebücher verändert.

    Ich kann verstehen, dass dieser Roman 1956 als absolut „skandalöses Werk“ gehandelt wurde und gerade in Japan zu einigen Sittenstreitigkeiten geführt hat. Selbst wenn viele sexuelle Szenen nur angedeutet und dem Leser durch schöne Umschreibungen vermittelt wurden, bleibt genug Raum für eigene Gedanken.

    „Der Schlüssel“ zeigt sehr deutlich, wie wichtig es ist, in einer Partnerschaft offen und ehrlich mit seinem Gegenüber zu reden. Schon allein deshalb ist der Roman zeitlos!

  • „Halloween“ | Stewart O`Nan

    Titel im Original: „The Night Country“
    Autor: Stewart O`Nan
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Thomas Gunkel
    Verlag: Rowohlt Verlag
    Genre: Roman | Horror
    Seitenzahl:  256
    ISBN: 978-3-498-05033-8

    Dies ist eine Abenteuergeschichte, eine Einladung zum Wahnsinn, ganz natürlich und doch verboten, verlockend, etwas, das auch du noch im Blut hast.
    Bist du nicht gespannt? Willst du es nicht wissen?

    Na dann los, komm mit uns in die Nacht hinaus!

    Meine Meinung

    Heute gruselt es uns! Wir schreiben die Nacht vor Halloween!

    Eine Clique aus fünf Jugendlichen ist unterwegs zu einer Party. Von der guten Laune und dem Nervenkitzel dieser Nacht mitgerissen, fahren sie zu schnell und werden von einem Polizisten ins Visier genommen, der sie zum Anhalten bringen möchte. Toe, der Fahrer des Quintetts, hält nichts von der Idee und drückt nochmal ordentlich aufs Gas um dem unliebsamen Anhängsel zu entkommen. Dies endet in einem grauenhaften Unfall, bei dem nur Tim unverletzt und Kyle mit schweren Kopfverletzungen überleben. Marco, Toe und Danielle sind sofort tot!

    Als wäre die Situation nicht schon bedrückend genug, können die Toten die Kleinstadt Avon nicht verlassen, da ihre Angehörigen und Freunde sie einfach nicht loslassen können. Sie bleiben als Geister zurück und springen von Person zu Person. Stewart O`Nan schafft hier eine ganz besondere Sicht auf die Geschehnisse, lässt er sie doch einen großen Teil der Geschichte selbst erzählen.

    „Halloween“ vermittelt einen unterschwelligen Grusel, jedoch mit ernstem Hintergrund.
    Eine amerikanische Kleinstadt ist traumatisiert. Der tragische Unfalltot bleibt für die Bevölkerung unfassbar und die Toten setzen sich in den Köpfen ihrer Mitmenschen fest. Auf diese Weise suchen die Lebenden auch die Nähe der Toten und sind ihnen schon bald näher als den Lebenden. Über Tim und Kyle schreibt Stewart O’Nan sogar, sie seien wie Monster.

    Auch Brooks ist ein sehr bedeutender Teil der Geschichte. Er ist der Polizist, der damals die Verfolgung des Wagens aufgenommen hat. Gequält von immensen Schuldgefühlen rekonstruiert er immer und immer wieder den Unfall und verfällt geradezu in eine Marnie, was diese Nacht angeht.
    War er wirklich Schuld an dem Unfall?

    Stewart O`Nan schafft es über das gesamte Buch hinweg, eine sehr angespannte Atmosphäre zu schaffen. Man leidet mit den Angehörigen mit und kann deren Gedanken und ihre Ohnmacht sehr gut verstehen.
    Gerade Tim, der die Nacht ohne körperliche Blessuren überstanden hat, hat mich sehr mitgenommen. Ein toller und ehrlicher Charakter! Er muss sehr häufig an seine Freundin Danielle denken, die er verloren hat. Je näher der Jahrestag rückt umso bedrohlicher scheinen sich seine Gedanken zu entwickeln.

    Nur Kyle, der den Unfall vergessen hat, kann als der einzig Glückliche angesehen werden!

  • „Boy in the Park“ | A. J. Grayson

    Titel im Original: „Boy in the Park“
    Autor: A. J. Grayson
    Aus dem Englischen übersetzt von Karl-Heinz Ebnet
    Verlag: Drömer Knaur
    Genre: Roman
    Seitenzahl:  363
    ISBN: 978-3-426-30571

    Ein kleiner Junge verschwindet. Am helllichten Tag wird er aus dem Botanischen Garten in San Francisco entführt. Der einzige Zeuge des Verbrechens ist Dylan, der dort eigentlich in Ruhe seine Mittagspause verbringen wollte.
    Je weiter er bei seiner Suche ins kalifornische Hinterland dringt, je näher er dem mutmaßlichen Versteck kommt, desto verstörender und blutiger werden seine Alpträume.

    Meine Meinung

    Es tut mir leid, aber ich habe absolut keine Ahnung ob dieser Roman das grenzgenialste Buch des Universums ist … oder die allergrößte Pflaume meines bisherigen Leselebens! Ihr seht mich hier ratlos auf meinem Sessel sitzen. Selbst Tage nach dem Beenden bin ich noch immer überfordert. Aber mit dem gesamten Buch. Von Vorne bis Hinten!

    In „Boy in the Park“ begleiten wir Dylan während seiner Mittagspause, die er tagtäglich an einem ruhigen Plätzchen im Botanischen Garten von San Franzisco verbringt. Eine einsame Bank an einem idyllischen Teich. Jeden Tag zur selben Zeit taucht ein kleiner Junge auf, der für Dylan ein fester Bestandteil geworden ist. Doch eines Tages ist der Junge verletzt und am Tag drauf sogar verschwunden. Da die Polizei seine Vermisstenanzeige nicht ernst nimmt, beschließt er die Sache selbst in die Hand zu nehmen und sucht auf eigene Faust nach dem Jungen.

    Gleich zu Beginn baut der Roman eine Frage nach der Anderen auf und über lange Zeit blieben Diese für den Leser auch unbeantwortet. Die Geschichte springt in eine reißerische und wüste Erzählung, die mich total reizüberflutet zurückgelassen hat, was jedoch recht schnell von Verwirrung zu Verärgerung umgeschlagen ist. Wann denkt der Autor denn die ersten Unklarheiten aufzulösen? Mal ein bisschen Licht ins Dunkle zu werfen, anstatt immer neue Rätsel aufzugeben? Darf ich euch die Frage beantworten? … erst im letzten Viertel des Buches!!

    Mal ehrlich! Ich bin Thriller-Leserin, daher liebe ich es, von einem Buch in die Irre geführt zu werden, aber was A. J. Grayson hier fabriziert, nagt schwer an den Gedankengängen eines Frettchens auf Koks! Dazu kommen ein recht literarischer Erzählstil, dem man oft nur schwer folgen kann und Gedankensprünge, die teilweise schon weh tun.
    Jedoch positiv zu erwähnen sind auf jeden Fall die recht kurzen Kapitel, die mich zum weiterlesen animiert und für das nötige Tempo gesorgt haben. Ich möchte auch gar nicht behaupten, dass mir der Schreibstil an sich nicht gefallen hat, er geht nur in der Fülle der Emotionen total unter.

    Die Charaktere waren eher flach gezeichnet, aber sie waren ok. Ich fühlte mich mit keinem so richtig verbunden, was aber vermutlich eher dem Verlauf der Geschichte geschuldet war. Ich konnte mich auf keinen so richtig einlassen und fand sie teilweise sehr skurril. Die Umgebungsbeschreibungen dagegen waren sehr gut.

    Obwohl ich das Ende durchaus befriedigend und originell fand, wenn auch in Teilen vorhersehbar, konnte es mich nicht vollständig mit der Geschichte versöhnen!

  • „Ein einziges Geheimnis“ | Simona Ahrnstedt

    Titel im Original: „En enda hemlighet“
    Autor: Simona Ahrnstedt
    Aus dem Schwedischen übersetzt von Antje Rieck-Blankenburg
    Verlag: LYX Verlag
    Genre: Liebesgeschichte
    Only One Night, Band 2
    Seitenzahl: 669
    ISBN: 978-3-8025-9946-0

    Zwei Personen, die nicht unterschiedlicher sein können:
    Alexander de la Grip, Schwedens Jetset-Prinz, der vor allem für zwei Dinge bekannt ist: Sein Aussehen und seine Frauengeschichten. Und Isobel Sorensen, eine leidenschaftliche Ärztin, die ihr Leben in gefährlichen Krisenregionen riskiert, um den Menschen dort zu helfen.
    Sie leben in verschiedenen Welten, und sie verbindet nicht …

    Doch als Isobels Hilfsorganisation „Medpax“ plötzlich vor dem finanziellen Aus steht, kreuzen sich ihre Wege. Denn jetzt braucht Isobel das, was Alexander im Überfluss besitzt: Geld

    Meine Meinung

    „Ein einziges Geheimnis“ ist der zweite Teil der „Only One Night“-Trilogie und für mich zwar eine tolle Geschichte aus der Hand von Simona Ahrnstedt, aber ein Buch, dass leider viele unterschiedliche Gefühle in mir hervorgerufen hat.

    Hier geht es um Natalias Bruder Alexander, der ein Lebemann und Selfmade-Millionär ist, es aber als strenges Geheimnis hütet, dass er für sein Geld auch arbeitet. Alle denken, er finanziert sich lediglich aus seinem Erbe und sieht gut aus. So auch Isobel, die alles andere als eine hohe Meinung von ihm hat, aber zwingend eine Geldspritze aus seiner Stiftung benötigt.

    Vergleicht man diesen Band mit dem Vorgänger „Die Erbin“, wird man doch gravierende Unterschiede im Geschichtenaufbau finden. Mich haben diese zwar nicht abgeschreckt, aber sie fallen einem als Leser doch recht schnell ins Auge.

    Auch was die Charaktere angeht, fällt einem ein großer Unterschied auf. Sind Natalia und David aus dem ersten Band noch sehr realistisch und nachvollziehbar gehalten, schießt Simona Ahrnstedt gerade bei der Charakterbildung von Alexander de la Grip in meinen Augen total über das Ziel hinaus. Ein für mich von grundauf unsympathischer aber auch unrealistischer und unangenehmer Charakter. Leider änderte sich dieses Gefühl auch im Laufe des Buches nicht mehr bei mir.
    Ihm gegenüber steht die vegetarische Ärztin Isobel, die die Organisation ihrer Mutter in Krisengebieten unterstützt und leidenden Kindern hilft. Natürlich ist da die Sympathie vorprogrammiert, aber auch ihr Einsatz im Tschad wird in meinen Augen sehr realistisch beschrieben.
    Für mich hat die Harmonie zwischen den beiden Hauptcharakteren leider gar nicht gepasst und so konnte ich auch bei der beginnenden Liebesbeziehung nicht mitfühlen.

    Als zweiten Handlungsstrang erfahren wir sehr viele Neuigkeiten über Peter de la Grip, dem ältesten Sohn der Familie. Im ersten Band besticht dieser noch durch sein negatives Verhalten als Marionette seines Vaters und seinem denkwürdigen Charakter, in diesem Buch erfahren wir aber mehr über die Veränderungen in seinem Leben. Eine Geschichte, die mir wesentlich mehr zu Herzen gegangen ist, als die Hauptstory!

    Dennoch: Simona Ahrnstedt besticht auch in „Ein einziges Geheimnis“ wieder durch ihren unglaublich stilvoll Schreibstil und einer wunderbaren Sprache. Stockholm wird für das innere Auge des Lesers lebendig und man bekommt richtig Lust darauf diese Stadt auf der Stelle einen Besuch abzustatten!

  • „Die Braut“ | Anita Terpstra

    Titel im Original: „Samen“
    Autor: Anita Terpstra
    Aus dem Niederländischen übersetzt von Simone Schroth
    Verlag: Blanvalet
    Genre: Thriller
    Seitenzahl: 411
    ISBN: 978-3-7341-0576-0

    Als Mackenzie Walker und Matt Ayers heiraten, reagiert ihr Umfeld mit Unverständnis. Warum geht eine junge Frau die Ehe mit einem Mann ein der angeklagt ist, mehrere Frauen entführt und festgehalten zu haben – und deshalb in der Todeszelle sitzt? Mckenzie wird öffentlich beleidigt und sogar bedroht, doch sie versucht unbeirrt, Matts Unschuld zu beweisen und damit sein Leben zu retten. Als ihr das nicht gelingt, beschließt sie, ihm bei der Flucht aus dem Hochsicherheitsgefängnis zu helfen. Denn für sie steht viel mehr dem Spiel, als irgendjemand ahnt.

    Meine Meinung

    „Die Braut“ ist ein Thriller der niederländischen Autorin Anita Terpstra, die bereits mit „Anders“ unter Beweis gestellt hat, dass sie auch ohne viel Blutvergießen die Tiefen menschlicher Abgründe ausloten kann. Dies ist ihr zweiter Roman, der im Juli 2018 erschienen ist.

    Matt Ayers sitzt in der Todeszelle. Er soll mehrere Frauen entführt und jahrelang missbraucht haben. Doch ist er wirklich der Täter? Matt beteuert auch Jahre später noch seine Unschuld.
    Mackenzie Walker ist eine junge hübsche Frau, die ehrenamtlich in einem Projekt mitarbeitet, bei dem misshandelte Hunde durch die Unterstützung von Strafgefangenen wieder resozialisiert werden sollen. Im Zuge dieser Besuche trifft sie auf Matt und sie beginnen sich regelmäßig Briefe zu schreiben. Trotz aller Einwände heiraten die Beiden und Mackenzie setzt alles daran, die Unterschuld ihres Mannes zu beweisen. Als dann auch noch ein Hinrichtungstermin bekannt gegeben wird, beschließt sie, Matt zur Flucht zu verhelfen.
    Doch Mackenzie hat mehr Beweggründe als nur ihre Liebe zu Matt …

    Anita Terpstra hat einen tollen spannenden und bildgewaltigen Schreibstil, der den Leser fesselt und mit klaren Bildern im Kopf versorgt. Ich musste die 411 Seiten an 2 Abenden verschlingen, ich konnte das Buch überhaupt nicht mehr aus der Hand legen. Die Spannung wurde immer wieder gesteigert und gipfelte dann in vielen überraschenden Wendungen, die das bisher gelesene komplett auf den Kopf stellen.

    Besonders gelungen fand ich auch die unterschiedlichen Sichtweisen. Wir erfahren in dem Buch nicht nur die Geschichte rund um Mackenzie, sondern in wechselnden Kapiteln auch die Sicht der Opfer während ihrer Gefangenschaft. Das macht die Handlung besonders fesselnd und mitreißend. Ich finde auch, dass gerade diese Kapitel sehr authentisch beschrieben wurde, sofern ich das beurteilen kann.

    Die Charaktere, die Anita Terpstra in diesem Buch entstehen lässt, sind überaus facettenreich, wobei für mich kein einziger wirklich sympathisch war. Einerseits macht aber auch gerade das den Reiz aus, andererseits werden die Protagonisten dadurch erst recht undurchschaubar. Jeder Charakter hat sowohl gute als auch schlechte Seiten, wirken aber teilweise so verschlossen, dass sie den Leser komplett in die Irre führen.

    „Die Braut“ ist ein vielschichtiger Thriller hinter dem ein absolut durchtriebener Plan steckt!

  • „Tödliche Wut“ | Linda Castillo

    Titel im Original: „Gone Missing“
    Autor: Linda Castillo
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Helga Augustin
    Verlag: Fischer Verlag
    Genre: Thriller
    4. Fall von Kate Burkholder
    Seitenzahl:   346
    ISBN: 978-3-596-19612-8

    Du hättest dich wehren müssen.
    Du hättest mehr beten sollen.
    Jetzt ist dein Schicksal besiegelt!

    Drei verschwundene Personen. Weiblich. Teenager. Amisch.
    Es gibt keinen Verdächtigen, kein Motiv, keine Leiche – NOCH NICHT!

    Meine Meinung

    Los geht’s mit einem neuen Fall in Painters Mill!

    Kate Burkholder wird zu später Stunde zu einer Schlägerei zwischen Jugendlichen gerufen. Zum Entsetzen erkennt sie in einem der raufwütigen Mädchen Sadie Miller, eine junge Amische und die Nichte ihres Schwagers.
    Einige Stunden später wird Kate vom Bureau of Criminal Identification and Investigation (BCI) kontaktiert, die dringend ihre Unterstützung als Beraterin brauchen. Dabei handelt es sich um mehrere vermisste Jugendliche aus der Amischen Gemeinde. Voller Euphorie, nicht nur wegen der Aussicht mit John Tomasetti zusammenzuarbeiten, fährt sie nach Ohio und sieht sich schnell den Eltern der Vermissten gegenüber. Kate ist wie gelähmt, da sie keinerlei Spuren haben, um die jungen Mädchen zu finden.
    Gerade als sie Beginnen erste Fortschritte zu erzielen verschwindet in Painters Mill die junge Sadie. Kate kehrt natürlich auf der Stelle zurück und ermittelt auf Hochtouren.

    „Tödliche Wut“ ist – im Gegensatz zu den bisherigen Fällen – ein eher ruhiges Buch. Kate Burkholder bekommt die Chance sich selbst weiter zu bilden und sich als Beraterin in einem anderen County zu profilieren. Sie wirkt dabei aber keines Falls fehl am Platz. Ganz im Gegenteil ist sie professionell und zielstrebig bei der Sache. Man merkt sehr schnell eine Veränderung in ihrer Person und eine tolle charakterliche Weiterentwicklung.
    Auch ihre Beziehung zwischen John Tomasetti dürfte nun in festeren Händen liegen.

    Wir verfolgen die akribischen Ermittlungen aus der Ich-Perspektive von Kate, die wiederholt bei den Amischen auf eine Wand des Schweigens trifft, doch bald schon fallen ihr einige Gemeinsamkeiten auf, die alle Jugendliche verbinden. Zwar könnte daraus durchaus ein Motiv abgeleitet werden, auf die Spur des Täters führt sie ihr Verdacht jedoch noch lange nicht.

    Die Spannung baut sich langsam, aber kontinuierlich auf. Durch die wendungsreiche Story, die lange Zeit mehr Fragen als Antworten aufwirft, bietet der Thriller viel Zeit für eigene Theorien und Grübeleien.

  • „Die Wunderübung“ | Daniel Glattauer

    Autor: Daniel Glattauer
    Verlag: Deuticke
    Genre: Roman | Komödie
    Seitenzahl:  111
    ISBN: 978-3-552-06239-9

     „Sie sehen ja, wo Verständnis hinführt, wenn nicht beide das gleiche darunter verstehen!“

    Eine Frau und ein Mann, beide um die vierzig, haben im Arbeitsraum eines Paartherapeuten Platz genommen. Der Therapeut ihnen gegenüber. Die Stimmung ist geladen – die Komödie kann beginnen!

    Meine Meinung

    Für mich ist Daniel Glattauer seit „Gut gegen Nordwind“ eine absolute Institution am österreichischen Autorenhimmel. Ich mag ihn unheimlich gern!
    „Die Wunderübung“ ist ein dünnes kleines Büchlein, das seinen Leser wieder in den Alltag der Protagonisten mitnimmt und bei mir durch seinen Witz und der glattauertypischen Satire punkten kann.

    Die Beziehung von Joana und Valentin ist am Tiefpunkt angelangt und die hilflosen Versuche des Paartherapeuten, die beiden Streithähne in den Griff zu kriegen sind zwar unterhaltsam, aber anscheinend ganz und gar nicht erfolgreich. Joana weiß eigentlich immer schon vorher, was ihr Ehemann sagen will, und sorgt mit ihrem Redeschwall obendrein dafür, dass er oft gar nicht erst zu Wort kommt. Valentin straft sie dafür mit Gefühlskälte und leidenschaftsloser Ignoranz. Er nimmt die Missstände offenbar als gegeben hin und sieht keinen Grund für große Veränderungen. Wodurch sich Joana nur noch mehr provoziert fühlt.
    Doch nicht nur Joana und Valentin haben ein Problem, auch der Therapeut selbst scheint in gröberen Schwierigkeiten zu stecken.

    Das Buch ist in Form eines Theaterstücks geschrieben und lässt sich durch seine 111 Seiten auch sehr locker an einen gemütlichen Abend wegsuchten. Daniel Glattauer wirft seinen Leser mitten in den Arbeitsraum des Paartherapeuten und wir sind sofort mit von der Partie. Natürlich bekommen wir hier keine hochtrabende schwere Literatur, aber vielleicht ist dieses Buch gerade deshalb ein toller Wegbegleiter. Präzise und Treffliche Formulierungen. Ein toller Humor, der mich sehr oft zum Lachen gebracht hat. Was wünscht man sich mehr?

    Solange man nicht selbst von so einer Situation betroffen ist, darf man sich genüsslich zurücklehnen – natürlich etwas schadenfroh – und selbst den bedauernswerten Paartherapeuten ob seiner hilflosen Versuche der Schadensbegrenzung belächeln.
    Ist doch alles halb so wild! Etwas anderes hat Daniel Glattauer sicher nicht gewollt …

  • „Echo der Hoffnung“ | Diana Gabaldon

    Titel im Original:  „An Echo in the Bone“
    Autor: Diana Gabaldon
    Aus dem Englischen übersetzt von Barbara Schnell
    Verlag: Drömer Knaur
    Genre: Historischer Roman
    Outlander-Saga, Band 7
    Seitenzahl:  1.188
    ISBN:  978-3-426-52266-0

    In den amerikanischen Kolonien ist der Krieg ausgebrochen, doch Jamie Fraser und seine geliebte Frau Claire, Zeitreisende aus dem 20. Jahrhundert, weigern sich, zu den Waffen zu greifen. Denn heißt es nicht, die Feder sei mächtiger als das Schwert?

    Jamie beschließt, die Rebellen mit Flugblättern zu unterstützen, aber seine Druckerpresse steht noch in Schottland. Und so nehmen Jamie und Claire Abschied von Fraser`s Ridge und treten eine lange gefährliche Schiffsreise über den Atlantik an

    Meine Meinung

    Mit „Echo der Hoffnung“ bin ich nun am aktuellen Stand der Reihe angelangt!
    Natürlich gibt es noch den Folgeband „Ein Schatten von Verrat und Liebe“ in der ersten deutschen Ausgabe, da ich aber doch schon sehr auf die Übersetzung von Barbara Schnell eingestellt bin, möchte ich bei diesem Buch wieder auf die Neuauflage im nächsten Jahr warten. Vielleicht ist dann auch der Erscheinungstermin des finalen Bandes, an dem Diana Gabaldon gerade noch schreibt, nicht mehr soooo weit entfernt! *klopf auf Holz*

    Wir schreiben das Jahr 1777. Die Chancen für den Sieg der Kolonien im Unabhängigkeitskrieg gegen die Briten stehen schlecht. Nur Claire und ihr Mann Jamie Fraser wissen, wie er ausgehen wird. Jamies Herz schlägt für die Seite der Aufständischen, doch ist er sich sehr wohl bewusst, dass sein unehelicher Sohn William in der britischen Armee kämpft.

    Jamie weigert sich, Hand an seine Waffe zu legen, doch er will mit dem gedruckten Wort in die Revolution eingreifen. Dafür benötigt er seine Druckerpresse, die immer noch in Edinburgh steht. Während es in den Straßen der Kolonien schon nach Pulverdampf riecht, machen sich die Frasers für ihre Rückkehr in die schottischen Highlands bereit.
    Dort – im Jahre 1979 – scheint ihre Tochter Brianna in Sicherheit. Die Kinder haben sich gut in ihrem neuen Zuhause in Lallybroch eingelebt und auch die Ehe zwischen Roger und Brianna ist harmonisch und liebevoll. Doch mysteriöse Zwischenfälle drängen gefährliche Geheimnisse aus der Vergangenheit ihrer Eltern ins Licht der Gegenwart.

    Ich muss ehrlich gestehen, für mich fühlen sich die Charaktere schon gar nicht mehr wie Buchfiguren an. Ich begleite Jamie und Claire nun schon so lang, dass sie für mich wie Freunde sind, die mir bei einem gemütlichen Abendessen erzählen wie es ihnen in den letzten Wochen und Monaten ergangen ist. Diese Verbindung ist für mich etwas Besonderes. Mich konnte ihre persönliche Geschichte, ihre Ehe, ihre Gefühle zueinander immer noch berühren und sehr gut amüsieren.

    Auch die vielen anderen Figuren und ihre Schicksale sind herzerwärmend und spielen auch in „Echo der Hoffnung“ wieder eine große Rolle. Besonders Ian hat sich hier für mich sehr hervorgetan. Er war zwar immer schon ein toller Charakter, aber in diesem Buch wurde seine Geschichte noch einmal lebendiger und für den Leser verständlicher. Diana Gabaldon schafft es hervorragend die Unterschiede zwischen seiner schottischen und seiner indianischen Seite herauszuarbeiten.

    Wie immer eine tolle Geschichte mit viel geschichtlichem Hintergrund. Mit viel Herz und tollen Wendungen!