• „Frühlings Erwachen“ | Frank Wedekind

    Autor:  Frank Wedekind
    Verlag:  Insel Verlag
    Genre:  Klassiker
    Seitenzahl:  115
    ISBN:  978-3-458-34842-9

    Frank Wedekinds grandioses Drama über erwachende Sexualität und ihre Unterdrückung durch eine verlogene Sexualmoral gehört zu den meistgespeilten Stücken auf deuten Bühnen.

    „Gib mir Antwort – Wie geht es zu? – Wie kommt das alles? – Du kannst doch im Ernst nicht verlangen, dass ich bei meinen 14 Jahren noch an den Storch glaube?“

    Meine Meinung

    Bereits seit vielen Jahren gehört Frank Wedekinds „Frühlings Erwachen“ in Österreich zur Schullektüre und auch ich kam damals in den Genuss dieses Klassikers.

    Die Geschichte spielt zum Ende des 19. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt stehen die Gymnasiasten Melchior und Moritz, sowie die 14-jährige Wendla. Die Jugendlichen suchen verzweifelt und teilweise leider auch vergeblich nach Antworten auf die drängenden Probleme der Pubertät.

    Alles beginnt scheinbar harmlos: Wendlas Mutter möchte, dass sich ihre Tochter etwas erwachsener kleidet. Allein schon, weil sie um ihre erotische Wirkung auf Männer fürchtet. Auch wenn die 14-jährige noch ihre Kinderkleider bevorzugt, versucht sie dennoch das Mysterium des Kinderkriegens zu lüften. Derweilen interessieren sich Moritz und Melchior brennend für ihre eigenen Körper, anstatt sich lieber auf ihre Hausaufgaben zu konzentrieren. In vertraulichen Gesprächen gesteht sie sich gegenseitig ihre Unsicherheiten. Der noch unaufgeklärte Moritz möchte gerne mehr wissen und Melchior verspricht ihm seine Unterstützung. Aber auch in der Schule wird es immer enger für Moritz, seine Versetzung in die nächste Schulstufe ist stark gefährdet!
    Das Leben spielt leider nicht immer gerecht. Am Ende sind zwei der Schüler tot und der Dritte im Bunde wird von seinen Eltern in eine Erziehungsanstalt geschickt …

    Frank Wedekind ist ein großartiger Schriftsteller, der seiner Zeit definitiv voraus war. Mutig prangert er die bornierten Moralvorstellungen im ausgehenden 19. Jahrhundert und das daraus entstehende Leid an. Auch wenn das Theaterstück mittlerweile zu den Klassikern zählt, hat „Frühlings Erwachen“ auch heute nicht an Aktualität verloren. Schulische oder sexuelle Probleme unserer Jugendlichen, denen Eltern und Lehrer mit fehlendem Einfühlungsvermögen oder Gleichgültigkeit entgegen treten, sowie mangelnde Aufklärung, führen auch im Jahre 2019 noch oft zu menschlichen Tragödien.

    Das Buch besteht aus drei Akten, die wiederum in mehrere Szenen aufgeteilt werden. Dadurch und durch die wechselnden Erzählstränge kam für mich absolut keine Langeweile auf. Die Sprache ist epochenbedingt natürlich etwas schwieriger, aber wenn man sich erstmal auf den Sprachstil eingelassen hat, findet man sehr schnell in einen guten Lesefluss.
    Das Ende bleibt ziemlich offen und lässt noch sehr viele Fragen im Raum stehen. Ich finde aber dennoch, dass es für diese Geschichte keinen besseren Ausgang hätte geben können …

  • „Lincoln im Bardo“ | George Saunders

    Titel im Original:  „Lincoln in the Bardo“
    Autor:  George Saunders
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Frank Heibert
    Verlag:  Luchterhand Verlag
    Genre:  Roman
    Seitenzahl:  445
    Gewinner Man Booker Prize
    ISBN:  978-3-630-87552-1

    Während des amerikanischen Bürgerkriegs stirbt Präsident Lincolns geliebter Sohn Wilie mit elf Jahren. Bei George Saunders wird daraus eine allumfassende Geschichte über Liebe und Verlust.

    Meine Meinung

    Der amerikanische Schriftsteller George Saunders gilt als einer der bedeutendsten Kurzgeschichtenautoren der Gegenwart. Im Jahre 2017 veröffentlichte er seinen Debütroman „Lincoln im Bardo“, für den er auch mit dem „Man Booker Prize“ ausgezeichnet wurde.

    Im Zentrum der Geschichte steht der amerikanische Präsident Abraham Lincoln, dessen Sohn Willie im Alter von elf Jahren an Typhus stirbt. Der zu tiefst erschütterte Vater sucht in der Nacht die Grabstätte seines Sohnes auf, um sich von ihm ein letztes Mal zu verabschieden. Was er nicht bemerkt: Auf dem Friedhof streiten und wettern die toten Seelen um den kleinen Willie! Aber auch wenn alles zu Ende geht, lernen wir hier einen vielstimmigen Chor aus dem Jenseits kennen, der das Leben feiert …

    Als Bardo bezeichnet man im tibetischen Buddhismus den Übergang der Seele vom Diesseits ins Totenreich. Aber auch die Bewusstseinszustände im Diesseits wie im Jenseits. Hier hausen die Seelen, die noch nicht bereit sind, mit ihrem Leben abzuschließen.

    George Saunders hat durchaus eine Vorgeschichte zu diesem Roman. Ein Freund erzählte ihm, dass auf dem Friedhof von Oak Hill in Washington D. C. Lincolns jüngster Sohn begraben sei. In der Nacht, in der Willie starb fielen viele Soldaten auf dem Schlachtfeld. Zur selben Zeit feierte Präsident Lincoln mit seiner Frau ein rauschendes Fest, während der todkranke Sohn in seinem Bett im ersten Stock lag. Abraham Lincoln soll nach der Beisetzung mehrfach zum Grab seines Sohnes zurückgekehrt sein, um die Leiche in den Armen zu halten.
    Für die damalige Zeit ein Skandal, mitten im Bürgerkrieg! George Saunders sagt selbst, er habe in seiner Vorstellung Lincoln mit Michelangelos Pietà kombiniert und aus der Heiligen Maria mit ihrem toten Sohn auf dem Schoß wurde der Präsident der vereinigen Staaten.

    In „Lincoln im Bardo“ reiht George Saunders fiktive Monologe aneinander, zitiert aus zeitgenössischen Quellen wie Tagebüchern und Briefen und referiert über die Sklavenfrage und den Bürgerkrieg. Wir lesen aber auch ganz wunderbare Zwiegespräche zwischen Vater und Sohn, ganz ohne Kitsch, dafür voller Liebe. Im Wesentlichen berichten uns aber 3 Bewohner des Bardo abwechselnd über die Geschehnisse. Sie fühlen sich nicht verstorben und würden gern in ihre Körper zurückkehren, die aber in ihren »Kranken-Kisten« verteilt auf dem Friedhof liegen.

    Der Roman ist literarisch sehr anspruchsvoll und war auch für mich an mancher Stelle nicht immer leicht zugänglich. Meine Geduld hat sich aber auf jeden Fall ausgezahlt, das Buch war sprachlich wirklich wunderbar. Eine gekonnte Mischung aus Emotionalität, Skurrilität, viel Humor und klassischer amerikanischer Zeitgeschichte. Und trotz des schweren Themas, ein durchaus lebensbejahendes Buch! Wirklich toll umgesetzt!

  • „Das große farbige Wilhelm Busch Album“ | Wilhelm Busch

    Rezensionsexemplar
    Vielen Dank an den Verlag!

    Autor:  Wilhelm Busch
    Mit Illustrationen von Wilhelm Busch
    Verlag:  Bassermann Verlag
    Genre:  Kinderbuch | Textsammlung
    Seitenzahl:  400
    ISBN:  978-3-8094-3631-7

    „Auch der Weisheit Lehren muss man mit Vergnügen hören …“

    Unter diesem Motto könnte das umfangreiche Werk Wilhelm Buschs stehen, mit dem er zu einem der beliebtesten Humoristen Deutschlands wurde. Wer kennt sie nicht: die gar nicht so fromme Helene, die bösen Buben Max und Moritz, den likörliebenden Raben Hans Huckebein und all die anderen unsterblichen Figuren aus der spitzen Feder des begnadeten Zeichners und Verseschmiedes.

    Meine Meinung

    „Max und Moritz“, „Pater Filucius“, „Dideldum“, „Hans Huckebein“, „Die fromme Helene“, „Fipps der Affe“ … und noch viele weitere Geschichten, erwarten euch und eure Kinder in diesem Buch!

    „Das große farbige Wilhelm Busch Album“ enthält einige der bekanntesten Erzählungen des titelgebenden Autoren. Die Herausgeber des Bassermann Verlags versammeln hier ganz gezielt seiner längeren Geschichten. Die eher kürzeren Bildgeschichten, wie etwa „die beiden Enten und der Frosch“, in denen Wilhelm Busch oftmals pointierter und schlagfertiger erzählt, sucht man leider vergebens. Dennoch war das Buch mit seinen 400 Seiten für mich sehr eindrücklich …

    Zum Inhalt möchte ich hier gar nicht viel sagen. Heinrich Christian Wilhelm Busch war einer der einflussreichsten humoristischen Dichter und Zeichner im Deutschland der 1850er Jahre. Seine Geschichten werden seit 1864 in die Welt getragen, natürlich war das Bild der Erziehung und der Umgang der Gesellschaft damals bedeutend anders. Heutzutage polarisieren seine Geschichten. Die Einen werden ihn für völlig politisch inkorrekt halten. Andere wiederrum werden die Zeitreise in eine vergangene Epoche sicher genießen.
    Ich persönlich konnte in vielerlei Hinsicht durch die völlig unterschiedlichen Zugänge zu den Themen durchaus etwas lernen. Warum auch nicht? Meiner Meinung nach sollte man nicht immer nach den heutigen Maßstäben gehen, sondern die wirklich lustigen Erzählungen im Licht ihres historischen Umfelds sehen!

    Natürlich finden wir hier auch die hervorragenden Illustrationen des Autoren wieder. Diese wurden für das Album noch einmal aufgearbeitet und nachträglich koloriert. Die Zeichnungen bestechen nun durch sehr kräftige und bunte Farben, die eine gewisse Moderne in den doch altbekannten Zeichenstil bringen.

    Die Kombination aus den melodischen Texten und den tollen Zeichnungen, stellt für mich auf jeden Fall eine Bereicherung in jeder kleinen Bibliothek da!

  • „Terror“ | Ferdinand von Schirach

    Autor: Ferdinand von Schirach
    Verlag: btb Verlag
    Genre: Roman als Theaterstück
    Seitenzahl:  164
    ISBN: 978-3-442-71496-4

    Ein Terrorist kapert eine Maschine der Lufthansa und zwingt den Piloten, Kurs auf die vollbesetzte Allianz-Arena zu nehmen. Gegen den Befehl seiner Vorgesetzten schießt ein Kampfpilot der Luftwaffe das Flugzeug ab, alle Passagiere sterben. Der Mann muss sich vor Gericht für sein Handeln verantworten. Seine Richter sind die Leser, sie müssen über Schuld und Unschuld urteilen.

    Rezensionsexemplar  –  Vielen Dank an den Verlag!

    Meine Meinung

    Auch wenn mich „Terror“ von Ferdinand von Schirach in diesem Monat absolut von sich überzeugt hat, kann ich euch bei 164 Seiten und einem so detaillierten Klappentext gar nicht mehr ausführlicher von der Geschichte berichten.
    Ich würde „Terror“ für Jeden empfehlen, der sich intensiver mit ethischen Fragen auseinandersetzen möchte. In diesem Buch entscheidet ihr als Leser über das Urteil des Kampfpiloten Lars Koch. Wir verfolgen die gesamte Gerichtsverhandlung, bei der die unterschiedlichsten Standpunkte vertreten und sehr detailliert aufgezeigt werden, wobei uns der Autor am Ende selbst die Entscheidung über schuldig oder unschuldig überlässt!

    Wie hätte man selbst gehandelt?
    Welche Moralvorstellungen würden bei einem selbst die Oberhand übernehmen?
    Würde man selbst den Kampfpiloten freisprechen? … oder eher verurteilen?

    Die Geschichte ist in Form eines Drehbuchs oder Theaterstücks verfasst, jedoch ist die Geschichte sehr gut und flüssig lesbar. Ferdinand von Schirach hat eine wunderbar klare und eindringliche Sprache und, obwohl es sich hier um einen fiktiven Fall handelt, spricht er auch unangenehme Themen bzw. Überzeugungen klar und ohne Verschönungen an.

    Die Geschichte wirkt unheimlich real und trifft in meinen Augen den heutigen Zeitgeist auf den Punkt! Es entstehen einige gute Gesprächsthemen für Diskussionen, jedoch sollte sich im Nachhinein jeder Einzelne im Stillen mit seiner Meinung selbst beschäftigen und sich über seine Überzeugung im Klaren werden …

    Im gleichen Buch ist auch die Preisrede des Autoren zur Verleihung des M100-Sanssouci Medien Preises an „Charlie Hebdo“ abgedruckt. Hier zeigt sich seine rechtstaatliche Verwurzelung und sein starkes Engagement für Besonnenheit. Er warnt mit Benjamin Franklin Worten „Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren!“

    Wieder ein sehr interessantes und gelungenes Buch von Ferdinand von Schirach und sicher nicht mein Letztes!

  • „Der Augenjäger“ | Sebastian Fitzek

    Autor: Sebastian Fitzek
    Verlag: Droemer Knaur
    Genre: Thriller
    Band 2 der Dilogie
    Seitenzahl: 428
    ISBN: 978-3-426-19881-0

    Er zählt zu den besten Augenchirurgen der Welt.
    Ein Meister im Operationssaal.
    Nachts aber widmet er sich besonderen Patientinnen:  Er verschleppt sie in seinen Klinikkeller und öffnet ihnen die Augen – im wahrsten Sinne des Wortes …

    Meine Meinung

    „Der Augenjäger“ ist der zweite Band dieser Dilogie und schließt nahtlos an die Geschehnisse des „Augensammlers“ an.

    Wieder stehen Alexander Zorbach und Alina Gregoriev im Mittelpunkt der Geschichte. Zorbachs Sohn bzw. dessen Leiche ist bislang nicht aufgetaucht und auch 7 Monate später ist der Augensammler noch immer auf freiem Fuß. Dennoch wird Alina Gregoriev von der Polizei auf den psychopathischen Augenchirurg Dr. Suker angesetzt. Er entführte Frauen, vergewaltigte sie und entfernt ihnen die Augenlider. Nachdem die einzige Hauptzeugin in diesem Fall ihre Aussage zurückgezogen hat und auch sonst keine einschlägigen Beweise gegen ihn vorliegen, rückt Sukers Entlassung aus der Untersuchungshaft bedrohlich nahe. Alina soll die Polizei mit ihren Fähigkeiten unterstützen und gerät dadurch selbst in das Visier des Chirurgen …

    Sebastian Fitzek zieht mich, mit seinen gekonnten Cliffhangern immer wieder in seinen Bann und auch diesmal dreht und wendet sich die Handlung nach allen Himmelsrichtungen. In gewohnter Manier schreibt der Autor spannend, fesseln und wendungsreich mit einer sehr einfachen aber eindringlichen Sprache. Kaum denkt man, die Geschichte durchschaut zu haben, kommt wieder alles anders! Die Stimmung ist dicht, atmosphärisch und düster und am Ende bleibt die Frage nach dem Bösewicht …

    Wie schon in „Der Augensammler“ sind die Charaktere ausgesprochen sympathisch und für den Leser zugänglich. Man leidet mit den Opfern mit und verabscheut die Täter von der ersten Sekunde an. Dennoch bleiben im Laufe der Geschichte bei einigen Personen doch Fragen offen, die bis zum Ende hin nur spärlich aufgeklärt werden. Die Infos die wir bekommen, haben mich eher verwirrt zurück gelassen. So konnte ich mir auch bei der Auflösung einiger Szenen keinen Reim drauf machen.

    In Fitzeks Büchern wird man immer wieder auf leichte und unaufdringliche Art und Weise mit wahnhaften, krankhaft anmutenden und psychisch gestörten Menschen konfrontiert, die ohne große Probleme auch in unserer Nachbarschaft wohnen könnten. Aber genau das macht gerade seine älteren Psychothriller so lesenswert …

  • „Der Augensammler“ | Sebastian Fitzek

    Autor: Sebastian Fitzek
    Verlag: Droemer Knaur
    Genre: Thriller
    Band 1 der Dilogie
    Seitenzahl:  442
    ISBN: 978-3-426-19851-3

    Er spielt das älteste Spiel der Welt: Verstecken.
    Er spielt es mit deinen Kindern.
    Er gibt dir 45 Stunden, sie zu finden.
    Doch deine Suche wird ewig dauern.

    Meine Meinung

    Alexander Zorbach war einer der erfolgreichsten Ermittler der Berliner Kriminalpolizei, bis er vor 7 Jahren aus Notwehr eine Kindesentführerin erschossen hat. Dies veränderte sein Leben maßgeblich: Er ist aus dem Polizeidienst ausgeschieden und schreibt seit dem als Enthüllungsjournalisten für eine Klatschgazette. Natürlich hat er auch hierbei dem Polizeifunk nie abgeschworen!
    Als vor drei Monaten die Morde des „Augensammlers“ begannen, war er einer der ersten Journalisten, der möglichst wahrheitsgetreu über den Fall berichtete. Der Täter ermordet Mütter und entführt ihre Kinder. Kurze Zeit später bekommen die Väter und somit auch die Kriminalpolizei ein Ultimatum von 45 Stunden um die Kinder zu finden. Danach sterben auch sie …
    Auch Alexander Zorbach gerät durch einige mysteriöse Verstrickungen unter die Verdächtigen und wird verbissen von der Polizei gesucht …

    Eine hervorragend aufgebaute Story, die von der Seitenzahl und den Kapiteln her rückwärts erzählt wird. Eine wirklich tolle, aber für den Leser auch bedrückende Idee. Obwohl die Handlung stätig nach Vorne drängt, läuft die Zeit für die Kinder systematisch ab.

    Wie immer bin ich begeistert von Sebastian Fitzeks Schreibstil und seinen absolut unerwarteten Wendungen! Wie so oft ist die Handlung in „Der Augensammler“ verstörend und fesselnd zugleich. Er lässt uns tief in die menschlichen Abgründe schauen. Gleichzeitig fiebert man mit dem Hauptprotagonisten mit und spürt seine Verzweiflung und natürlich auch den immer tiefer werdenden Hass auf den Täter.

    Sebastian Fitzek nimmt sich in seinen Büchern ja oftmals sehr kontroversen Themen an, die von der Leserschaft mal mehr oder mal weniger gut aufgenommen werden. In diesem Buch ist er sehr am Boden geblieben. Wir lesen hier von einem für mich nur schwer vorstellbaren Thema, das eine blinde Physiotherapeutin betrifft, die die Ermittlungen mit ihren Fähigkeiten unterstützen möchte, der Autor verbindet dieses aber sehr gekonnt mit der Geschichte und schwächt dadurch die anfängliche Absurdität auf ein erträgliches Maß ab. Ich persönlich konnte super damit umgehen …

    Wir bekommen hier auch sehr viele Informationen über Blindheit und Seebehinderungen, die sehr gut recherchiert und fein dosiert in die Geschichte eingewoben wurden. Der Autor bekam viel Unterstützung von blinden Personen, die die Szenen korrigiert und für anfallende Fragen ein offenes Ohr hatten.

    „Der Augensammler“ ist ein grandioser Psychothriller. Raffiniert und spannend erzählt, der aber leider mit einem bitterbösen Cliffhanger endet. Ihr solltet also auf jeden Fall den zweiten Teil „Der Augenjäger“ zur Hand haben …

  • „Breakdown“ | B. A. Paris

    Titel im Original:  „The Breakdown“
    Autor:  B. A. Paris
    Aus dem Englischen übersetzt von Wulf Bergner
    Verlag:  Blanvalet
    Genre:  Psychothriller
    Seitenzahl:  412
    ISBN:  978-3-7341-0264-6

    Es ist dunkel, ein Unwetter tobt, und die junge Lehrerin Cass will so schnell wie möglich nach Hause. Als sie auf der verlassenen Landstraße ein parkendes Auto sieht, trifft sie eine folgenschwere Entscheidung:  Sie steiget nicht aus, um der Fahrerin Hilfe anzubieten. Sie fährt weiter. Am nächsten Tag erfährt sie, dass die Frau in ihrem Autor ermordet wurde. Und nicht nur das:  Cass kannte das Opfer! Von Schuldgefühlen geplagt, fragt sie sich, ob sie die schreckliche Tat hätte verhindern können. Dann erhält sie plötzlich anonyme Anrufe – am anderen Ende nur bedrohliches Schweigen! Ist der Mörder jetzt auch hinter ihr her?

    Meine Meinung

    Nachdem B. A. Paris mit ihrem Debütroman „Saving Grace“ bei mir vollends ins Schwarze getroffen hat und ich diesen einzigartigen Psychothriller kaum aus der Hand legen konnte, war ich nun doch sehr auf ihr zweites Buch gespannt …

    In „Breakdown“ lernen wir Cassandra kennen. Die junge Lehrerin, fährt nach einem Treffen mit ihren Kollegen in ein heftiges Unwetter. Um ihren Heimweg doch deutlich zu verkürzen, nimmt sie – entgegen aller Vernunft – die abgeschiedene Straße durch ein nahegelegenes Waldstück. An einer Ausweichstelle sieht sie eine Frau in ihrem Auto sitzen. Da diese jedoch keine Anzeichen macht, Hilfe zu benötigen, fährt Cass kurzentschlossen einfach weiter …
    Am nächsten Tag erfährt sie aus dem Radio, dass die Fahrerin ermordet wurde … und Cass die Frau sogar kannte!

    Die Geschichte wird einzig aus Cass Perspektive erzählt. Wir erfahren sämtliche Szenen aus ihren eigenen Sinneseindrücke und ihren oftmals doch sehr konfusen inneren Monologen und Gedankengängen. Dadurch konnte ich mich sehr gut mit der bedrohlichen Situation identifizieren. Auch ihr Ehemann und ihre beste Freundin nehmen in der Geschichte einen sehr großen Platz ein.

    Im Prinzip hätte jeder der Täter sein können! Cassandra ist eine sehr sympathische Protagonistin, deren Geschichte mir doch nahe gegangen ist. Besonders die medizinischen Aspekte der Handlung haben mich zum Nachdenken gebracht. Mit der Zeit wurde sie mir aber auch zu einem immer größeren Rätsel. Sehr schnell beginnt die Realität mit ihren Einbildungen zu verschwimmen.

    B. A. Paris hat einen sehr flüssigen und actionreichen Schreibstil und erschafft eine dichte, aber durchaus greifbare Atmosphäre. Das Buch ist völlig unblutig und lebt durch seine Psychospielchen. Der subtile Spannungsbogen wird über das ganze Buch hinweg gut gehalten, allerdings ergeben sich wegen der Wiederholungen nach der ersten Hälfte doch deutliche Längen. Dennoch verzichtet die Autorin sowohl auf leere Effekthascherei als auch auf Cliffhanger.
    Die Aufklärung ist nicht die allergrößte Überraschung, allerdings hat es B. A. Paris hier für mich zum zweiten Mal geschafft, das Blatt im entscheidenden Moment zu wenden  …

  • „Glühende Gefühle“ | Jennifer L. Armentrout

    Titel im Original: „Beneath the Skin“
    Autor: Jennifer L. Armentrout
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von H. Zeltner & S. Bieker
    Verlag: Harper Collins
    Genre: Fantasy | Jugendbuch
    Dark Elements-Trilogie, Band 4
    Seitenzahl: 368
    ISBN: 978-3-95967-311-2

    Zayne hat viel durchgemacht: Der attraktive Gargoyle-Wächter mit den eisblauen Augen hat seine große Liebe Layla an den Dämonenprinzen Roth verloren, und sein Vater ist im Kampf gefallen. Doch Zayne kann sich nicht länger in seinem Schmerz vergraben, denn ein unbekanntes Wesen macht Jagd auf die Wächter. Um diese Bedrohung aufzuhalten, wendet er sich an einen anderen Gargoyle-Clan. Zu seiner Überraschung lebt dort eine Sterbliche – Trinity, bei der sein Herz wieder etwas fühlt. Aber sie umgibt ein Geheimnis. Hängt es womöglich mit den Angriffen auf die Gargoyles zusammen?

    Meine Meinung

    Und weil ich gerade so schön im Erzählen drinnen bin …

    „Glühende Gefühle“ startet knapp 7 Monate nach dem finalen Showdown des letzten Bandes. Nach dem fulminanten Kampf in Washington D. C. haben die Wächter immer noch  alle Hände voll zu tun, um die Schäden, die die bösen Mächte der Unterwelt verursacht haben, gerade zu biegen. Dennoch häufen sich erneut die Angriffe auf Wächter und Menschen. Kurzerhand machen sich Zayne und seine Freunde auf den Weg in die Potomac Highlands um Verstärkung zu erbitten. Dort lernen sich Zayne und Trinity kennen …
    Ihr Geheimnis immer vor Augen, besticht Trinity nicht nur durch Mut und Stärke, für sie steht immer der Schutz ihres Clans und der ihrer Freunde im Vordergrund.

    Jennifer L. Armentrouts Schreibstil ist unverändert flüssig, emotional und mitreißend, besticht durch seine humorvollen Dialoge und die Kampfszenen sind von der ersten bis zur letzten Seite spannend und berührend geschrieben. Der Spannungsbogen und die unerwarteten Wendungen sind perfekt eingesetzt, so dass man immer wieder nachdenklich und in höchster Erwartung zurückgelassen wird. Auch das Ende ist sehr gut erzählt und lässt viele Spekulationen, auf den nächsten Band zu …

    Die Kombination zwischen Trinity und Zayne ist in meinen Augen sehr gut gelungen. Ich persönlich hatte immer wieder das Gefühl, dass sich nun endlich alles so fügt wie es schon immer hätte sein sollen. Die Charaktere wurden perfekt gewählt. Nicht nur deren Sinn für Humor und der sehr gelungene Sarkasmus sind toll auf die Beiden abgestimmt, auch Trinitys jugendliche Naivität trifft bei Zayne genau ins Schwarze. Trinity lässt sich nicht viel gefallen, ist stur und hat trotzdem eine liebenswerte Art. Sie hat eine ganz besondere Gabe und auch über ihre eigentliche Spezies, lässt uns die Autorin verhältnismäßig lange im Unklaren. Zayne hingegen ist wie immer der Fels in der Brandung: immer loyal und für sein Gegenüber da. Seine Stärke und sein Sinn für Gerechtigkeit sind überdimensional, dementsprechend ist er immer zur Stelle wenn er gebraucht wird.

    Natürlich sind auch Layla und Roth wieder mit von der Partie. Als Randfiguren, versteht sich! Das Geplänkel zwischen Roth und Zayne ist sehr amüsant und macht dem Leser trotzdem bewusst, welche Wertschätzung in den letzten Monaten zwischen den Dreien entstanden ist.

    Durch den Charakter der Trinity verarbeitet Jennifer L. Armentrout ihr eigenes Handicap. Sie geht mit ihrer Erkrankung sehr fein um und lässt keinen Zweifel aufkommen, dass man aus jedem seelischen oder körperlichen Dämpfer um Welten stärker hervorgeht.

    Ich muss ehrlich gestehen, im Nachhinein bin ich doch sehr froh bin, dass sich die Autorin immer so schwer von ihren Protagonisten trennen kann. Das Buch ist wirklich eine Bereicherung der gesamten Reihe!

  • „Sehnsuchtsvolle Berührung“ | Jennifer L. Armentrout

    Titel im Original:  „Dark Elements:  Every Last Breath“
    Autor: Jennifer L. Armentrout
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Ralph Sander
    Verlag: Harper Collins
    Genre: Fantasy | Jugendbuch
    Dark Elements-Trilogie, Band 3
    Seitenzahl: 336
    ISBN: 978-3-95967-020-3

    Roth oder Zayne? Himmel oder Hölle? Beide Männer lieben Layla und sie muss sich entscheiden. Layla weiß bald nicht mehr, wo ihr der Kopf steht. Aber während sie noch mit ihrem Gefühlschaos ringt, droht ein höllischer Feind alles zu vernichten, was ihr wichtig ist.

    Hoffnungslos verstrickt in ein Gespinst aus Lügen und Geheimnissen, bleibt Layla nur die Flucht nach vorne – in einen Krieg, den sie unmöglich allein gewinnen kann …

    Meine Meinung

    So, dann kommen wir doch mal zum Abschluss der „Dark Elements“-Reihe!
    Auch in „Sehnsuchtsvolle Berührung“ gibt es noch einiges zu entdecken und nicht weniger als den Weltuntergang zu verhindern …

    Die Handlung schließt nahtlos an das bisher erzählte an! Jennifer L. Armentrout schreibt auch hier wieder witzig und schlagfertig und erzählt die Handlung spannend und für mich durchaus überraschend weiter. Sie nimmt ihre Leser mit auf eine rasante Reise, ohne dass sie sich in endlosen Rückblenden und Wiederholungen verliert. Gerade die ersten Kapitel finde ich sehr fein nuanciert!
    Ganz besonders begeistert war ich auch von den genialen und teilweise sehr sarkastischen Dialogen.

    Seit dem Ende von „Eiskalte Sehnsucht“ wissen wir wer der bösartige Lilin ist! … aber wie kann man ihn aufhalten? Weder die Wächter noch die Dämonen können sich einen Reim daraus machen, zumindest nicht ohne einen Katastrophe, die das Ende der Welt mit sich zieht, auszulösen …
    Layla und Roth versuchen das Treiben des Lilin zu stoppen, verstricken sich aber in immer größere Probleme. Außerdem sind die mächtigsten Wächter, die „Alphas“ bereits auf die Geschehnisse in Washington aufmerksam geworden. Den Beiden bleibt nicht mehr viel Zeit, wenn sie deren tödliches Eingreifen verhindern wollen, das einen Krieg zwischen Himmel und Hölle heraufbeschwören würde.

    Laila beginnt endlich ihre eigenen Veränderungen zu akzeptieren und wird mutiger und immer klarer in ihrem Handeln und Denken. Sie ist nicht mehr das Mädchen, das sich von Roth oder Zayne retten lassen muss. In diesem Band erfahren wir sehr viel über ihre Vergangenheit und viele Fragen bekommen auch für sie endlich eine Antwort!

    Roth ist und bleibt der charmante Sunnyboy mit gutem Herzen und einer Klappe, die man bei seinem Tod definitiv nochmal extra erschlagen muss. Seine sarkastische Ader und sein gutes Herz sind von Anfang an ein Seelenschmeichler. Selbst auf mich wirkt er immer öfters unwiderstehlich!
    Zayne hingegen hat nach den Geschehnissen im letzten Band für mich leider sehr an Glanz verloren. Nachdem er, mehr oder weniger unverschuldet, einen Teil seiner Seele eingebüßt hat, wird aus dem sonst so gelassenen und gutmütigen Wächter ein reizbarer, melancholischer und in manchen Szenen unnötig harter Mann. Zudem muss er in diesem finalen Band wirklich ganz schön einstecken …

    Jennifer L. Armentrout bietet uns in diesem Buch auch einen sehr guten Einblick auf die tatsächliche Gestalt der Hausgeister. Bambi war ja schon vorher einer meiner Lieblinge, aber in vermenschlichter Form gefällt sie mir nochmal um Vieles besser!

    Natürlich ist es schade, dass die Trilogie hiermit zu Ende geht, aber das Gute soll man nie unnötig in die Länge ziehen und lieber zur rechten Zeit aufhören! Und wie wir ja mittlerweile wissen, ist im Juli 2019 noch eine Fortsetzung zu Zaynes Geschichte erschienen. Aber dazu morgen mehr …