• „Der Kastanienmann“ | Søren Sveistrup

    Rezensionsexemplar
    Vielen Dank an den Verlag!

    Titel im Original:  „Kastanjemanden“
    Autor:  Søren Sveistrup
    Aus dem Dänischen übersetzt von Susanne Dahmann
    Verlag:  Goldmann Verlag
    Genre:  Thriller
    Seitenzahl:  603
    ISBN:  978-3-442-31522-2

    Es ist ein stürmischer Tag in Kopenhagen, als die Polizei an einen grauenvollen Tatort gerufen wird. Auf einem Spielplatz liegt die entstellte Leiche einer jungen Frau. Und der Täter hat eine unheimliche Botschaft hinterlassen:  Über dem leblosen Körper schwingt eine kleine Puppe aus Kastanien im Wind. Kommissarin Naia Thulin und ihr Partner Mark Hess stehen vor einem Rätsel. Denn die Figur trät den Fingerabdruck eines Mädchen, das ein Jahr zuvor ermordet wurde – die Tochter der Politikerin Rosa Hartung. Und dann taucht ein zweites Kastanienmännchen auf …

    Meine Meinung

    Kommissarin Naia Thulin und ihr unfreiwilliger Kollege Mark Hess bekommen es mit einem äußerst grausamen Verbrechen zu tun. In Kopenhagen wird die entstellte Leiche einer jungen Frau gefunden. Die Spuren beschränken sich zunächst auf ein gebasteltes Kastanienmännchen, welches am Tatort gefunden und die Fingerabdrücke eines Mädchens trägt, dass vor einem Jahr einem grausamen Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Und schon bald wird eine zweite Frauenleiche gefunden!

    Wir lernen hier zwei wirklich interessante Ermittler kennen, die doch einige Zeit brauchen, um sich aneinander zu gewöhnen. Die Herangehensweisen von Thulin und Hess sind grundverschieden und jeder kocht sein eigenes Süppchen, nicht immer zur Zufriedenheit ihres Vorgesetzten. Sehr eigenwillig und in ihre Muster festgefahren! In den entscheidenden Situationen ziehen sie dann aber doch an einem Strang!

    Mit „Der Kastanienmann“ ist Søren Sveistrup ein überragender Thriller gelungen. Anders als man es bei skandinavischer Spannungsliteratur gewöhnt ist, geht die Geschichte von der ersten Seite weg in die Vollen. Ich habe wieder mit einem etwas ruhigeren, detaillierten Schreibstil gerechnet, aber der Autor schreibt lebend, flüssig und mitreißend, erzählt eine spannende Story und wartet mit einigen unvorhergesehenen Wendungen auf. Detailliert ist das Buch aber trotzdem, wobei ich es auf keiner Seite schwerfällig fand.
    Zu Beginn wird der Spannungsbogen gekonnt durch einen länger zurückliegenden Fall aufgebaut und mit der oft sehr dramatischen Ermittlungsarbeit auf einem äußerst hohen Niveau gehalten.

    Die gewaltsamen Szenen sind sicher nichts für zartbesaitete und gehen stellenweise schon sehr ins Detail, blieben für mich aber doch in einem passenden Umfang, so dass das Ganze nicht reißerisch auf mich wirkte.

    Natürlich bekommen wir als Leser im Verlauf der Geschichte auch immer wieder die Gelegenheit, eigene Überlegungen bezüglich des Täters und den rätselhaften Hintergründen anzustellen.

    Auch das Finale konnte mich absolut von sich überzeugen. Selten habe ich eine so detailreiche Auflösung in einem Thriller gelesen, die trotzallem Spannend blieb und mich fesselte!

    Mit seinem Erstlingswerk „Der Kastanienmann“ ist Søren Sveistrup, der bisher schon einige Drehbücher zu bekannten Fernsehserien geschrieben hat, also ein wirklich großer Wurf gelungen.

  • „Geschenkt“ | Daniel Glattauer

    Autor:  Daniel Glattauer
    Verlag:  Deutike Verlag
    Genre:  Roman
    Seitenzahl:  335
    ISBN:  978-3-552-06257-3

    Gerold Plassek ist Journalist bei einer Gratiszeitung, und auch sonst war sein Leben bislang frei von Höhepunkten. Manuel, 14, dessen Mutter Alice für ein halbes Jahr im Ausland arbeitet sitzt bei ihm im Büro, beobachtet ihn beim Nichtstun und ahnt nicht, dass Gerold sein Vater ist. Gerold selbst weiß es erst seit kurzem – und hat sich von diesem Schock kaum erholt, als noch mehr Bewegung in sein Leben kommt: Nach einer von ihm verfassten Zeitungsnotiz über eine überfüllte Obdachlosenschlafstätte trifft dort eine hohe anonyme Geldspende ein. Es ist der Beginn einer Serie von Wohltaten.

    Meine Meinung

    Gerold Plassek, seines Zeichens Journalist bei einer Gratiszeitung, geschieden und Vater einer Tochter, zeigt wenig Interesse an seinem Beruf, der sich darauf beschränkt, kleine Artikel aus dem sozialen Bereich zu verfassen. Da dies keine tagefüllende Beschäftigung ist, verbringt er träge und unmotiviert seinen Arbeitstag, trinkt sich am Abend in seinem Stammbeis`l das Leben erträglich und lebt gemütlichen in den Tag hinein. Ziele? Braucht man nicht!
    Doch sein Leben soll sich bald ändern, als 3 Dinge zur ungefähr gleichen Zeit geschehen: Er erfährt von einer früheren Liebschaft, dass er Vater eines mittlerweile 14-jährigen Sohnes ist, den er noch dazu für das nächste halbe Jahr betreuen soll. Durch seinen Sohn lernt er aber auch die attraktive Zahnärztin Rebecca kennen, die seine Hormone in Wallung bringen. Und last, but not least, hat ein Artikel, den er über ein Obdachlosenheim schreibt, die verblüffende Wirkung, das die Einrichtung  eine anonyme Spende von 10.000 Euro erhält.
    Als sich diese Spenden wiederholen und jedes Mal der von Gerold verfasste Artikel beigelegt wird, fragt sich bald ganz Wien, wer der ominöse Spender wohl ist?!

    Wie nicht anders von Daniel Glattauer zu erwarten, lässt sich auch „Geschenkt“ in kein bestimmtes Genre einteilen. Auch hier zeigt der Autor wieder vielschichtig sein Können und besticht mit seinem locker flockigen Schreibstil und seinem tollen Wortwitz. Dennoch wirkt das Buch nicht oberflächlich. Ganz im Gegenteil, die Grundaussage der Geschichte ist ernst und in meinen Augen auch wichtig. Da Daniel Glattauer aber nie den moralischen Zeigefinger erhebt, sondern alles mit einer guten Portion Wiener Schmäh zu seinen Lesern transportiert, geht die Bedeutung tiefer.

    Auch wenn wir uns Gerolds Verhältnis zu seinem Sohn ansehen, überzeugt der Roman durch Realismus. Die Nachricht ein zweites Kind zu haben, hat Geri schwer getroffen, daher wächst er auch nur sehr langsam in seine Vaterrolle. Manuel hat er sich ganz klar anders vorgestellt. Und vor allem: Warum Manuel? Was ist denn das bitte für ein Name?
    Manuel ist ein vollpubertärer 14-jähriger, der ihn einfach nur nervt. Auch der Sohnemann kann seinen Vater zu Beginn nicht ausstehen. Und doch entwickelt sich mit der Zeit eine sehr intensive und schöne Beziehung.

    Es hat Spaß gemacht mitzuerleben , wie sich das Leben von Geri verändert, nachdem er ein Ziel vor Augen hat und dies auch versucht konsequent zu verfolgen. Motivation ist eben alles und lässt uns Berge versetzen. Gerade dass hier kein Held das Geschehen bestimmt, macht diese Geschichte so sympathisch.

  • „Angst“ | Robert Harris

    Titel im Original:  „The Fear Index“
    Autor:  Robert Harris
    Aus dem Englischen übersetzt von Wolfgang Müller
    Verlag:  Heyne Verlag
    Genre:  Thriller
    Seitenzahl:  382
    ISBN:  978-3-453-26704-6

    Wenn die Angst regiert, droht das Globale Chaos!
    In den Insiderkreisen der Superreichen ist Alex Hoffmann eine lebende Legende – ein Visionär, der an den Börsen der Welt Milliardengewinne erzielt. Nun hat es jemand auf ihn abgesehen, und ein Albtraum aus Angst und Schrecken beginnt. Wird er die Geister, die er rief, wieder los?

    Meine Meinung

    „Angst“ ist die Geschichte eines genialen, aber auch etwas verschrobenen Wissenschaftlers, der von der Forschung in die Industrie gewechselt hat. Das Leben von Dr. Alexander Hoffmann, der auch Mitbegründer eines erfolgreichen Hedgefond-Unternehmens ist, gerät aus den Fugen, als er eines Tages in seiner Villa am Ufer des Genfer Sees überfallen wird. Schnell passieren immer seltsamere Dinge: Hoffmann soll den Überfall selbst arrangiert haben, er kauft wertvolle Bücher und Kunstgegenstände ohne diese wirklich bestellt zu haben. Und nicht nur sein Privatleben ist betroffen, Stück für Stück breitet sich das Chaos auch in seiner Firma aus. Alles mündet in einem fast aussichtslosen Kampf zwischen Mensch und Maschine.
    Im Verlauf des nächsten Tages muss er miterleben, wie alle Grundpfeiler seines so erfolgreichen Lebens zu zerbröseln drohen:  Seine Ehe, seine Arbeit und vor allem, sein von ihm entwickeltes Computersystem VIXAL-4.

    Auch in „Angst“ versteht es Robert Harris wieder, die Augen des Lesers für eine neue, für die meisten Menschen doch sehr fremde Welt zu öffnen. Er macht uns die Funktionsweise moderner computerbasierter Wertpapierprogramme verständlich und spinnt vor diesem Hintergrund eine spannende Geschichte über künstliche Intelligenz.

    Obwohl für mich schon relativ früh zu erahnen war, wohin die Reise geht, war die Geschichte doch sehr spannend und interessant. Zwischendurch erschienen einige Punkte etwas weit hergeholt, runden die Geschichte aber insgesamt dann doch ab und machen sie rasant, mitreißend und stimmig. Wer sich etwas für das Internet, die Börse und „KI“ interessiert, kommt in diesem Buch auf jeden Fall auf seine Kosten!

    Aber warum „Angst“?
    Professor Alex Hoffmann hat sich während seiner Arbeit am Cern verbissen in die Entwicklung selbstlernender Algorithmen gestürzt. Seine Software sucht umfassend das Internet nach Angstparametern ab, die daraufhin den Börsenhandel überprüfen und aufgrund der Berechnungen eigenständig Trades vollziehen.
    Zugleich beginnt im Handelsraum seiner Firma die eigenständige Tätigkeit des Algorithmus, mehr und mehr zu einer Gefahr nicht nur für die Gelder des Fonds zu werden, sondern die gesamte Börsenwelt in Mitleidenschaft zu ziehen.
    Als Hoffmann dann noch feststellt, dass alle Räume der Firma, wie auch seine private Villa umfassend überwacht werden, versteht er ganz langsam, was wirklich hinter der Bedrohungen stehen könnte …

    Robert Harris versteht es sprachlich hervorragend, von Beginn an eine bedrängende Atmosphäre zu schaffen, ohne das bereits allzuviel passiert wäre. Dies wird durch seinen klaren, sachlichen und für dieses Thema doch leicht verständlichen Schreibstil hervorgehoben und macht dieses Buch zu einem Genuss.

    Einmal mehr zieht Robert Harris alle Register für einen spannenden Roman!

  • „Wie angelt man sich einen Vampir“ | Kerrelyn Sparks

    Abgebrochenes Buch!

    Titel im Original:  „How to marry a Millionaire Vampire“
    Autor:  Kerrelyn Sparks
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Justine Kapeller
    Verlag:  Mira Verlag
    Genre:  Fantasy
    Seitenzahl:  460
    ISBN:  978-3-89941-450-9

    Ausgerechnet beim Biss in eine Gummipuppe bricht dem Vampir Roman Draganesti einer seiner Fangzähne ab. In den schwarzen Seiten findet er keinen Vampirzahnarzt, seine letzte Hoffnung ist ein normalsterblicher Arzt – vielmehr eine Ärztin! Doch ehe die hinreißende Dr. Shanna Whelan sich um seinen Zahn kümmern kann, muss er sie plötzlich vor einem gefährlichen Auftragskiller retten. Als wäre das nicht schon Aufregung genug für einen Ruhe liebenden Untoten wie Roman, verwirren ihn seine Gefühle für Shanna von Tag zu Tag mehr: Hat er sich am Ende etwa verliebt? In eine Sterbliche, die zu allem Überfluss auch noch kein Blut sehen kann?

    Meine Meinung

    Bei „Wie angelt man sich einen Vampir“ handelt es sich um den ersten Band einer Vampir-Reihe, in der die Romantik und der Humor an erster Stelle stehen. Das Blutvergießen findet hier eher sporadisch statt.

    Die Zahnärztin Shanna Wheelan befindet sich nach einer Aussage vor Gericht im Zeugenschutzprogramm. Als sie eines Nachts in der Zahnklinik angegriffen wird und nur noch in letzter Sekunde von dem Vampir Roman gerettet werden kann, wird ihr klar, dass sie auch in ihrem neuen Leben nicht Sicher ist. Daweil wollte sich Roman Draganesti nur einen seiner Fangzähne reparieren lassen. Er stellt Shanna unter seinen Schutz, da ein gefährlicher Vampir auf sie angesetzt wurde, mit dem er selbst noch eine Rechnung offen hat …
    Allerdings ist es gar nicht so einfach einen Menschen zu beschützen, wenn dieser nicht merken soll, dass er von Vampiren umgeben ist! Erst recht nicht , wenn man für diesen Menschen Gefühle entwickelt!

    Die „Love at Stake“-Reihe habe ich bereits mit Anfang 20, also vor guten 10 Jahren begonnen zu lesen und in meinem Hinterkopf war gerade der erste Band um Shana und Roman immer ein absolutes Highlight. Nachdem ich in den letzten Wochen doch sehr stressige Zeiten und keinen Kopf für schwere Literatur hatte, hätte mir „Wie angelt man sich einen Vampir“ ein leichtes und lustiges Vergnügen bereiten sollen. Aber was soll ich sagen? Ich dürfte aus dieser Reihe wirklich herausgewachsen sein …

    Die Geschichte ist angenehm zu lesen und man ist schnell im Geschehen drin. Man lacht und leidet mit den beiden Protagonisten mit, die definitiv noch mit ihrer Vergangenheit zu kämpfen haben, aber nach einigen Kapiteln merkt man doch, dass dieses Leiden nicht mehr aufhört und Shanna und Roman jede noch so kleine Unstimmigkeit sofort auf sich selbst und ihre Probleme beziehen. Das wird mit der Zeit sehr sehr anstrengend.

    Zudem bin ich einfach kein Fan davon, sich Hals über Kopf in einen Fremden zu verlieben. Anziehung und Lust in Ehren, aber dieses Ewige hin und her ist wirklich nicht mein Fall. Sollte nicht ein 200 Jahre alter Vampir etwas vom Werben und Umgarnen einer Frau verstehen? Noch dazu, wenn er vorher in einem Kloster gelebt hat?

    Die „Love at Stake“-Reihe von Kerrelyn Sparks wird wohl mein Zuhause verlassen …

  • „Auf der Placa del Diamant“ | Mercè Rodoreda

    Rezensionsexemplar
    Vielen Dank an den Verlag!

    Titel im Original:  „La Placa del Diamant“
    Autor:  Mercè Rodoreda
    Aus dem Katalanischen übersetzt von Hans Weiss
    Verlag:  Suhrkamp Verlag
    Genre:  Roman
    Seitenzahl:  318
    ISBN:  978-3-518-46706-0

    Bei einem Tanzfest auf der Placa des Diamant lernt Colometa den exzentrischen Quiment kennen. Von dem Moment an legt die junge Frau die Verantwortung über ihr Leben ganz und gar in seine Hände. Doch Quiment bricht das Versprechen, aus ihr seine „Königin“ zu machen und für Colometa beginnt eine Zeit der Entbehrungen und Demütigung. Bis der Spanische Bürgerkrieg ausbricht und sich alles ändert.

    Meine Meinung

    Colometa lernt auf der Placa del Diamant ihren zukünftigen Ehemann kennen. Woher sie weiß, dass sie heiraten werden? Weil Quimet bestimmt, dass sie seine Frau wird. Das akzeptiert sie genauso, wie sie es hinnimmt, dass er sie Colometa nennt, obwohl sie sich ihm mit ihren richtigen Namen – Natàlia – vorgestellt hat. Das ist bezeichnend für ihren Charakter und so verläuft auch ihre Ehe …
    Traditionell nicht anders gewöhnt, fügt sich Colometa in ein Leben, das der Mann mit großer Selbstgefälligkeit bestimmt. Sie nimmt ihre eigene Person völlig zurück, erträgt die Ungerechtigkeiten ihres Mannes, seine Wutausbrüche, seine Unzuverlässigkeit und auch seine Taubenzucht, die er kurzerhand vom Dachboden in ihre eigene Wohnung verlegt und das Leben für seine Frau damit unerträglich macht. Doch dann kommt der Bürgerkrieg und Quimet schließt sich der Miliz an. Er kommt nicht zurück und von heute auf morgen, ist Colometa auf sich selbst gestellt. Sie muss sich und ihre Kinder trotz großer Entbehrungen durch den Krieg bringen … und vor allem muss endlich zu sich selbst finden!

    In „Auf der Placa del Diamant“ wird das Leben unserer Protagonistin in aller Eindringlichkeit erzählt. Dabei ist der Erzählstil alles andere als emotional: Zu Beginn wirkte er auf mich holzig und ohne Rhythmus. Ich brauchte doch einige Zeit um mich daran zu gewöhnen. Die Geschichte wird in kurzen, groben Sätzen erzählt, so als würde man selbst seine Erinnerungen aufschreiben und dabei fallen einem zwischendurch doch noch Dinge ein, die man hinzufügen möchte. Dennoch ist das Buch flüssig lesbar und fesselnd, mit einer schlichten, aber schönen Sprache verfasst.

    Oft hat man das Gefühl, die Geschehnisse betreffen Colometa gar nicht, so sehr nimmt sie sich aus ihrer Person heraus. Aber gerade das bewirkt beim Lesen diese Eindringlichkeit. Das Weglassen von Gefühlsregungen erzeugt hier große Emotionen. Man leidet mit ihr und möchte sie soft einfach nur schütteln!

    Colometa berichtet von ihren Erlebnissen vor und während der Revolution, die sie in den 1930ern in Barcelona erlebt. Dadurch erfährt man nur sehr wenig über die Geschehnisse außerhalb ihrer kleinen Welt. Ab und zu werden ihr Einzelheiten durch die Berichte Anderer nähergebracht, doch das sind nur kurze Randgeschehnisse, die sich auf ihr Leben nur wenig auswirken.

    Die Mühen, die Colometa auf sich nimmt, um ihre Kinder zu ernähren, lassen das Buch für mich lebensnah wirken und man fühlt mit ihr. Das Leben ist entbehrungsreich und hart, hat aber auch seine schönen Seiten, die Mercè Rodoreda fast schon nebensächlich einfließen lässt.

    Es ist genau diese Einfachheit, die besticht und die Stimmung der Zeit so dicht und spürbar macht! Ein sehr beeindruckendes Buch!