• „Ferne Ufer“ | Diana Gabaldon

    Titel im Original:  „Voyager“
    Autor: Diana Gabaldon
    Aus dem Englischen übersetzt von Barbara Schnell
    Verlag: Drömer Knaur
    Genre: Historischer Roman
    Outlander-Saga, Band 3
    Seitenzahl:   1.228
    ISBN: 978-3-426-51823-6

    20 Jahre lang hielt Claire ihre große Liebe Jamie Fraser für tot. Nun findet sie heraus, dass er die Schlacht von Culloden überlebt hat. Unterstützt von ihrer Tochter Brianna, kehrt sie durch den Steinkreis zu ihm ins 18. Jahrhundert zurück.

    Aber Jamie hat in all der Zeit sein eigenes Leben geführt, außerdem kämpft er weiterhin für Schottlands Unabhängigkeit. Und so müssen die beiden früher, als ihnen lieb ist, aus dem Hochland fliehen und sich aufmachen zu neuen, fernen Ufern. Doch sie wissen, dass ihre Liebe und ihre Leidenschaft füreinander sie jedes Hindernis überwinden lassen wird.

    Meine Meinung

    Mit „Ferne Ufer“ sind wir nun beim 3. Band der Outlander-Saga angekommen.
    Für mich macht die Geschichte Hier einen Cut. Die Erzählung springt in beiden Zeitebenen um 20 Jahre in die Zukunft – nicht rasant, aber doch merkbar – und wir verlassen Schottland zusammen mit Jamie und Claire, ohne genau zu erfahren, ob wir jemals wieder zurückkehren werden.
    Wir bekommen sehr reife Charaktere, die vieles aus ihrer Vergangenheit mit sich schleppen. Der jugendliche Enthusiasmus, den man in den Bänden davor oft zu spüren bekommen hat, ist hier fast zu Gänze verschwunden.

    Culloden 1746: Über die Hälfte der Highlander hat auf dem Schlachtfeld ihr Leben gelassen. Jamie Fraser lebt, wurde aber schwer verwundet. Als er sich, zusammen mit einer Handvoll Männer zur Genesung in eine Bauernkate zurückgezogen hat, werden sie von Major Lord Melton gefunden und des Hochverrats angeklagt. Als dieser Jamies richtigen Namen erfährt, wendet sich jedoch das Blatt.

    Inverness 1968: Claire, Brianna und der Historiker Roger Wakefield finden immer mehr Beweise, dass Jamie die Schlacht überlebt hat.  Hin- und hergerissen zwischen der Liebe zu ihrer Tochter und Jamie fällt Claire eine Entscheidung:  Sie wird zurück in die Vergangenheit reisen. Brianna ist inzwischen alt genug um auch ohne Claire ihre Leben meistern zu können und auch Roger ist an ihrer Seite.

    Zwei Tage nach ihrem Zeitsprung erreicht Claire Edinburgh, wo Jamie als Buchdrucker seinen Lebensunterhalt bestreitet. Die Liebe zu seiner Frau war nie fort. Nicht zu wissen, ob die schwangere Claire die Reise durch die Steine überlebt hat, hat ihn seitdem gequält. Dennoch müssen die Beiden nach der langen Trennung erst wieder zueinander finden. Beide haben ihre Leben gelebt und müssen sich neu kennenlernen.
    Als Jennys Sohn Ians von Piraten entführt wird, begeben sich sie sich an Bord der Artemis, auf Kurs nach Westindien um diesen zu retten. Auch der mittlerweile erwachsen gewordene Fergus begleitet sie wieder auf ihrer Reise und wir lernen viele neue, aber wichtige Personen kennen.
    Nachdem Jamie und Claire in der Karibik auf Lord John Grey, dem ehemaligen Kommandanten von Ardsmur, treffen, können sie mit einem kleinen Schiff fliehen, landen in Georgia und erreichen endlich die Neue Welt.

    Das Leben im 18. Jahrhundert wird von Diana Gabaldon wie immer sehr eindrucksvoll geschildert. Durch ihren schönen Schreibstil, kann man sich die Zeit bildlich deutlich vorstellen. Auch die neuen Protagonisten werden dem Leser wie gewohnt sehr eindrucksvoll nahe gebracht und man hat sofort eine Verbindung zu ihnen. Einige liebt man vom ersten Moment an, bei anderen wird das Misstrauen des Lesers geschürt.

    Auch „Ferne Ufer“ besticht wieder durch Detailgenauigkeit und historischer Authentizität.

    Leider haben mich die letzten Szenen, sprich wie sie den Weg in die neue Welt gefunden haben, etwas gestört. Ich finde, da hätte es eine bessere bzw. glaubwürdigere Lösung geben müssen. Ich möchte niemanden spoilern, aber vielleicht wisst ihr ja schon was ich meine!

  • „Das letzte Geständnis des Raphael Ignatius Phoenix“ | Paul Sussmann

    Titel im Original: „The Final Testimony of Raphael Ignatius Phoenix“
    Autor: Paul Sussmann
    Aus dem Englischen übersetzt von Michaela Grabinger
    Verlag: Drömer Knaur
    Genre: Roman  |  Humor
    Seitenzahl:  430
    ISBN: 978-3-426-30439-6

    Raphael Ignatius Phoenix hat Stil. Manchmal lebt er seinen leichten Hang zur Exzentrik aus, aber letztlich geht ihm nichts über Eleganz und geordnete Verhältnisse. Daher ist es selbstverständlich, dass er zu seinem bevorstehenden 100. Geburtstag ein Geständnis ablegt. Denn sein Ehrentag wird der Tag seines Todes sein. Und da es sich nicht schickt, einfach so aus der Welt zu scheiden, schreibt er zuvor den längsten Abschiedsbrief aller Zeiten – und beichtet ganz nebenbei zehn Morde, die ihm unter anderem mit Hilfe eines Halloween-Kürbisses, der Reißleine eines Heißluftballons und eines Erdbeer-Sahnehörnchens unterlaufen sind.

    Meine Meinung

    Als der britische Journalist und Autor Paul Sussmann im Jahre 2012 plötzlich verstarb, fand man in seinem Nachlass ein unveröffentlichtes Manuskript, das zu seinen Lebzeiten keinen Verleger gefunden hat. Da seine bisherigen Veröffentlichungen hauptsächlich Bereiche der Archäologie zum Thema hatten, war „Das letzte Geständnis des Raphael Ignatius Phönix“ mit seinem schwarzen Humor eine Kuriosität aus der Hand des Autors.

    Stell dir vor, du besuchst eine alte Burg in England. Du läufst durch die rustikalen Räume, hörst die hallenden Schritte und entdeckst eine alte verglaste Aussichtskuppel aus der man die Sterne beobachten kann. Aber am faszinierendsten ist die spezielle Wandgestaltung im inneren der Burg: Hier findest du das letzte Geständnis des 99-jährigen Raphael Ignatius Phönix! Nach 100 Jahren auf Erden und 10 begangenen Morden möchte nun auch er seinen Frieden finden und aus der Welt scheiden. Eineinhalb Gran Strychnin, eineinhalb Gran Arsen, ein halbes Gran Zyankali und ein halbes Gran zerstoßene Brechwurzel, geformt in einer Tablette, soll ihm dabei behilflich sein.

    Er schreibt seine Memoiren mit Filzstift auf die Wände seiner Burg und verrät dem Leser, wen er wann umgebracht hat. Natürlich nicht ohne den gewissen Spott und mit der Selbstverliebtheit eines Mörders, der ungewöhnliche Methoden angewendet hat, um Personen ins Jenseits zu befördern. Er rühmt sich mit seinen Taten, berichtet rational und emotionslos, wie er sich gewisser Leute entledigt hat und lässt dabei keine Illusionen aufkommen, warum er die Taten begangen hat.

    Wir erfahren die Geschichte nicht chronologisch. Nein, das wäre viel zu einfach für Raphael Ignatius Phönix! Er beginnt beim letzten seiner Morde, die er übrigens so gut wie alle nicht vorsätzlich begangen hat. Fast klingt es an einigen Stellen so, als sei Phönix ein unbescholtener Bürger, dem einzig und allein das böse Schicksal seine weiße Weste befleckt hat.

    Der Roman ist spannend und einfühlsam geschrieben, verzichtet auf billige Effekte und widmet sich lieber dem Innenleben seines skurrilen Protagonisten. Der Schreibstil lässt die Seiten nur so fliegen, wobei es auch einige Längen gibt, diese haben sich für mich aber doch recht einfach umschiffen lassen. Paul Sussmann schreibt sich die Geschichte mit großer Leidenschaft aus der Seele. Er skizziert, charakterisiert und zerlegt das Böse in Raphael und versucht am Rande doch immer auch Verständnis für seinen Protagonisten zu finden.

    Die Geschichte ist amüsant, bitterböse, sarkastisch und zynisch.
    Auf jeden Fall ist sie Anders!

  • „Wenn die Nacht verstummt“ | Linda Castillo

    Titel im Original: „Breaking Silence“
    Autor: Linda Castillo
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Helga Augustin
    Verlag: Fischer Verlag
    Genre: Thriller
    3. Fall von Kate Burkholder
    Seitenzahl:   331
    ISBN: 978-3-596-18452-1

    Abgeschlachtete Tiere auf der Weide, ein Farmer, der an sein umgekipptes Fuhrwerk gefesselt fast erfriert: In Painter`s Mill häufen sich die Verbrechen gegen die Amischen. Dann werden auf der Farm der Familie Slabaugh drei Leichen in der Güllegrube gefunden:  Vater, Mutter und ein Onkel.
    Ist auch dies ein Verbrechen aus Hass gegen die Glaubensgemeinschaft? Oder steckt etwas ganz anderes dahinter?

    Polizeichefin Kate Burkholder, die bis zu ihrem 18. Lebensjahr selbst eine Amische war, kennt die Menschen dort nur zu gut. Mit ihrem Freund John Tomasetti löst sie ihren persönlichsten Fall.

    Meine Meinung

    Nachdem sich Anfang September, durch den ganzen Stress mit meinem kranken Hund und der dadurch aufgestauten Arbeit bei mir eine ziemliche Müdigkeit und Leseunlust durchgesetzt haben, musste schnellsten ein Wohlfühlbuch her. Also folgte im September nach „Blutige Stille“ auch gleich der dritte Fall von Kate Burkholder.

    In „Wenn die Nacht verstummt“ müssen sich Kate und ihr Team mit einigen Gewaltdelikten gegenüber der amischen Gemeinde auseinandersetzen. Und natürlich ist auch John Tomasetti in diesem Fall wieder mit involviert. Ausgelöst durch Unverständnis und Verachtung werden die Taten gegenüber den Amischen immer radikaler und unbegreiflicher. Abgeschlachtete Tiere, Schwerstverletzte Männer bis hin zum Mord an den Eltern von vier unschuldigen Kindern. Wie kann der Hass auf eine Gruppe von Minderheiten nur so ausufern?
    Kate Burkholder kommt hier ihre Vergangenheit zu Gute. Sie versteht wie die amischen Menschen, fest verankert in ihrer Glaubensgemeinschaft, agieren und reagieren, aber auch wo sie mit deren Hilfe rechnen kann und wo nicht.

    „Wenn die Nacht verstummt“ ist sicher einer der ruhigeren Teile dieser Reihe. Nicht was die Geschehnisse und Grausamkeiten angeht, aber wie auch schon im Klappentext angedeutet, zeigt dieses Buch sehr viel mehr Fassetten aus Kates Privatleben, ihrem Charakter und teilweise auch aus ihrer Vergangenheit. Auch was ihre Beziehung zu John Tomasetti angeht, wird für den Leser einiges klarer und durchsichtiger.
    Ich finde allerdings nicht, dass diese Passagen die spannende Handlung im Groben stören.

    Die blutigen Geschehnisse und vor allem die davon betroffenen Kinder, lassen Kate Burkholder zeitweise die unbedingt notwendige Distanz zwischen Polizistin und Opfern verlieren. Linda Castillo beschreibt die Gefühle der Trauer und ihre Wut auf die Täter sehr realistisch und gefühlvoll.

    Obwohl sich so viele Verdächtige anbieten, diese schrecklichen Taten begangen zu haben, kommt es dann im Endeffekt doch ganz anders und noch viel schockierender als man sich vorstellen kann!

  • „Die geliehene Zeit“ | Diana Gabaldon

    Titel im Original: „Dragenfly in Amber“
    Autor: Diana Gabaldon
    Aus dem Englischen übersetzt von Barbara Schnell
    Verlag: Drömer Knaur
    Genre: Historischer Roman
    Outlander-Saga, Band 2
    Seitenzahl: 1.224
    ISBN: 978-3-426-51810-6

    Schottland 1968: Zwanzig Jahre, nachdem Claire Randall aus der Vergangenheit zurückgekehrt ist, bringt sie ihre Tochter Briana in die Highlands. Briana soll endlich das Land ihres Vaters kennenlernen. Außerdem sucht Claire die Antwort auf eine Frage, die sie seit über zwanzig Jahren quält: Hat ihre große Liebe Jamie Fraser die schreckliche Schlacht bei Culloden überlebt?

    Meine Meinung

    Also eines kann ich euch garantieren: Wer „Feuer und Stein“ gelesen hat, wird auch dieses Buch verschlingen! Wie bereits in der ersten Rezension angedeutet, hat der erste Band zwar kein offenes Ende, hört aber sehr abrupt und unbefriedigend auf.

    „Die geliehene Zeit“ beginnt 1968, also 20 Jahre nach Claires Rückkehr!
    Auf Einladung von Roger Wakefield, dem Sohn eines verstorbenen Reverend, der viele Jahre ein Freund der Familie war, reisen Claire und ihre 19-jährige Tochter Brianna nach Schottland. Gemeinsam forschen sie in der Vergangenheit und erwecken für Claire altgeliebte Menschen und tragische Zeiten wieder zum Leben. Sie wird mit dem Verlust ihrer großen Liebe James Fraser konfrontiert und bricht an ihrem Kummer zusammen. Sie erzählt Brianna von ihrem wirklichen Vater und ihren Erlebnissen.

    Wir begleiten sie und Jamie zurück ins alte Frankreich. Nach seiner Genesung fungiert er als Verbindungsoffizier zwischen dem Hof König Ludwig XV von Frankreich, den schottischen Rebellen und Prinz Karl Eduard Stuart, dem Enkel des 1689 aus Schottland vertriebenen König Jakob II. Jamie soll dem Prinzen die finanziellen Mittel für die Rückkehr in die Heimat und die Rückeroberung des Throns von den Engländern beschaffen. Dadurch setzt er sich allerdings der Gefahr aus, für einen Verräter gehalten zu werden.
    Jamie und Claire fallen vielen Intrigen zum Opfer, die ihre Bemühungen die Schlacht von Culloden zu verhindern scheitern lassen. Um Claires Leben und das ihres ungeborenen Kindes zu retten, ringt Jamie sich zu einem schmerzhaften Entschluss durch.

    Auch in „Die geliehene Zeit“ konnte Diana Gabaldon mich wieder direkt ab der ersten Seite einfangen und hat mich zum Ende nicht mehr losgelassen. Es ist Spannend den Menschen und der gehobenen Gesellschaft zu dieser Zeit über die Schulter zu schauen. Man merkt, dass die Umgebung ein ganz anderes Temperament hat. Zudem kommen viele neue Charaktere hinzu, die es erst zu durchschauen gilt.

    Claire und Jamie entwickeln sich weiter. Ihre Beziehung durchlebt Höhen und Tiefen und an manchen Stellen muss man einfach mitfiebern. Die Beiden werden sehr authentisch dargestellt, sie leben eine ganz gewöhnliche Beziehung, in der sich gestritten und geliebt wird. Das macht Beide auch sehr sympathisch.

    Die geschichtlichen und politischen Entwicklungen nehmen rasant zu und man sollte immer aufmerksam bei der Sache sein, um die Handlung nicht zu verlieren!

  • „Die Erbin“ | Simona Ahrnstedt

    Titel im Original: „En enda natt“
    Autor: Simona Ahrnstedt
    Aus dem Schwedischen übersetzt von Antje Rieck-Blankenburg
    Verlag: LYX Verlag
    Genre: Liebesgeschichte
    Only One Night, Band 1
    Seitenzahl: 604
    ISBN: 978-3-8025-9945-3

    Natalia de la Grip ist ein aufgehender Stern am schwedischen Wirtschafshimmel: Sie ist klug, tough und schon jetzt eine der angesehensten Unternehmensberaterinnen des Landes. Doch diesen Erfolg musste sie sich hart erarbeiten. Denn obwohl sie als Tochter des mächtigsten Unternehmers Schwedens in die Elite der Finanzbranche hineingeboren wurde, hat ihr Vater nie einen Hehl daraus gemacht, dass Frauen seiner Meinung nach in der Wirtschaft nichts zu suchen haben.
    Als sie eines Tages von niemand Geringerem als David Hammar, einem der erfolgreichsten Risikokapitalgeber Europas, zum Lunch eingeladen wird, ist sie zunächst sehr überrascht!

    Meine Meinung

    Für mich ist Simona Ahrnstedt die schwedische Queen der Romantik! Sie hat einen tollen und lebendigen Schreibstil, der sich aber ganz klar von amerikanischen und deutsche Autorinnen dieses Genres unterscheidet. In „Die Erbin“ konnte sie mich nicht nur mit ihrer Geschichte fesseln, sondern schafft es auch auf ihre ganz eigene Weise Szenen bildgewaltig greifbar zu machen.

    Wir bekommen hier einen sehr intensiven Einblick in die Welt der Reichen und Schönen in Schweden, der so manchen menschlichen Abgrund offenbart. Es gibt Schattenseiten, die man am liebsten nie betreten würde und auf einmal ist man doch ganz froh, ein normaler Mensch zu sein.

    Leider verrät uns der Klappentext schon sehr viel von der Geschichte!
    Natalia de la Grip ist eine sehr sympathische Frau. Stark, ehrgeizig und karriereorientiert! Sie weiß um ihren Stand im Leben und hat einen doch recht guten Plan, wie sie ihre Ziele erreichen kann. Natürlich kommt dieser Charakter nicht von irgendwo her:  Die strenge Erziehung ihres Vaters Gustav und sein altbackenes Frauenbild haben nicht nur sie merklich geprägt, auch ihre Brüder ziehen daraus ihre Schlüsse.
    Als männlichen Gegenpart finde ich David Hammar sehr gut gewählt. Er ist charamant, sexy und musste sich seinen Erfolg im Geschäftsleben wirklich hart erarbeiten. Ich würde seinen Charakter durchaus als facettenreich beschreiben. Ein Mann mit Vergangenheit und Geheimnissen. Und genau diese Erlebnisse haben ihn zu dem erfolgreichen Geschäftsmann gemacht, der er heute ist! Ohne Klischees wäre so ein Buch doch wirklich langweilig, oder?

    Der erotische Anteil in diesem Buch war sehr intensiv und sinnlich und auch die Beschreibungen der Gefühle, haben mich unheimlich berührt. Klare Aussagen, Klare Handlungen!
    Die Wendungen waren nicht immer Unvorhersehbar, aber dennoch toll beschrieben und spannend. Nur der gute Gustav hat mich des Öfteren mit seinen Aussagen zur Weißglut gebracht.

    Taucht auf jeden Fall in Schwedens Upperclass ein und seht selbst, ob wirklich alles Gold ist, was glänzt!

  • „Feuer und Stein“ | Diana Gabaldon

    Titel im Original: „Outlander“
    Autor: Diana Gabaldon
    Aus dem Englischen übersetzt von Barbara Schnell
    Verlag: Drömer Knaur
    Genre: Historischer Roman
    Outlander-Saga, Band 1
    Seitenzahl: 1.129
    ISBN: 978-3-426-51802-1

    Schottland 1946:
    Die englische Krankenschwester Claire Randall verbringt mit ihrem Ehemann eine Urlaub in den Highlands. Eines Tages betritt sie neugierig einen alten Steinkreis und wird darin ohnmächtig. Als sie wieder zu sich kommt, befindet sie sich im Jahr 1743 – und ist von jetzt auf gleich eine Fremde, ein „Outlander“

    Meine Meinung

    Als ich „Feuer und Stein“ vor sehr langer Zeit zum ersten Mal zur Hand genommen habe, war ich in eher skeptischer Stimmung. Egal mit wem man über die Bücher gesprochen hat, jeder war total begeistert und man wurde von Lobeshymnen nur so überschwemmt. Heute muss ich ehrlich zugeben: Nicht ohne Grund!
    Da ich in den letzten Jahren immer nur sehr sporadisch zu den Büchern gegriffen habe, wollte ich mir 2018 das Ziel setzen, die jetzt neu erschienen Übersetzungen ohne große Unterbrechungen weg zu lesen!

    Die Geschichte beginnt in Schottland, im Jahre 1945. Hier verbringt die junge Claire Randall zusammen mit ihrem Mann Frank nach den Schrecken des zweiten Weltkrieges, ihre Flitterwochen. Auf einem ihrer Spaziergänge stößt sie auf einen alten Steinkreis, den „Craigh na Dun“. Als sie näher kommt, vernimmt sie ein tiefes, summendes Geräusch, als würden die Steine für sie singen. Claire weicht instinktiv zurück, doch ihr wird schwindelig und sie rutscht stolpernd den Hügel hinunter. Benommen hört sie das Wiehern von Pferde und den Lärm einer Schlacht. Von der Situation überfordert versteckt sie sich im Wald, wird dort aber plötzlich von einem Fremden im scharlachroten Dragonerrock entdeckt. Panisch ergreift Claire die Flucht und wird von unbekannten Reitern gerettet.
    Der junge James Alexander Fraser, wird des Mordes verdächtigt. Er ist charmant, gutaussehend und fällt Claire wegen seines besonnen Auftretens sofort ins Auge. Um den Engländern zu entkommen, zieht sie mit Jamie und seinen Gefährten weiter. Auf der Burg Leoch angekommen, bestätigt sich das bereits vermutete: Sie befindet sich nicht mehr in ihrer Zeit, sondern im Jahre 1743.

    Diana Gabaldon hat einen sehr klaren und flüssigen Schreibstil, der durch bildgewaltige Umschreibungen der Landschaft, der Menschen und Pflanzen, aber auch der Kriege zwischen den Schotten und den Engländern besticht.
    Gerade ihre Charakterzeichnungen stechen für mich sehr hervor. Die Protagonisten sind mit viel Liebe gestaltet und der Leser bekommt von der Autorin auf jeden Fall das richtige Bild in den Kopf gesetzt. Ich liebe den Stolz und die Kraft der Highlander, aber auch die Unterschiede zwischen den Clans sind toll ausgearbeitet.

    „Feuer und Stein“ erzählt uns aber auch die Geschichte des „Bonnie Prince Charlie“. Charles Edward Louis Philip Casimir Stuart – was für ein Name! – war der Sohn des im Exil lebenden englischen Thronprätendenten James Francis Edward. Seine zweifelhafte Berühmtheit erlangte er nach dem Versuch einer Invasion um den schottischen und englischen Thron für die Stuarts zurückzugewinnen.
    Die Recherchearbeit ist hervorragend und Diana Gabaldon bereitet die geschichtlichen Fakten sehr spannend für ihre Leser auf.

    Für mich endet das Buch leider etwas unglücklich, mit einem abgeschlossenen und doch offenen Ende. Ich würde euch daher raten, auf jeden Fall den zweiten Band schon zu Hause haben!

  • „Blutige Stille“ | Linda Castillo

    Titel im Original:  „Pray for Silence“
    Autor: Linda Castillo
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Helga Augustin
    Verlag: Fischer Verlag
    Genre: Thriller
    2. Fall von Kate Burkholder
    Seitenzahl:   391
    ISBN: 978-3-596-18451-4

    Sie töten alle Mitglieder der Familie Plank. Die Leichen des Vaters und der beiden Söhne fand man im Wohnhaus, die der Mutter und des Babys auf dem Weg zur Scheune. Doch niemand war auf das vorbereitet, was sie in der Scheune fanden: Die beiden Mädchen, gefoltert und misshandelt.

    Die Familie gehörte zur amischen Gemeinde in Painter`s Mill, Ohio, sie lebten getreu ihren Glaubensgrundsätzen von Schlichtheit und Bescheidenheit, waren gottesfürchtige Leute. Fernab von den Verführungen der Zivilisation. Oder enthüllt das Tagebuch der ältesten Tochter eine andere Wahrheit?

    Meine Meinung

    Heute möchte ich euch „Blutige Stille“, den 2. Fall von Kate Burkholder und ihrem Team vorstellen!

    Kaum ein Jahr nach der ersten Mordserie in Painter`s Mill, wird die Gemeinde von der nächsten Katastrophe heimgesucht. Die Mitglieder einer unschuldigen Amisch-Familie wurden auf grausamste und bestialischste Weise umgebracht. Gefoltert, missbraucht und wie sich noch bei den Ermittlungen herausstellen wird, für korrupte Machenschaften benutzt.
    War wirklich das Verhalten der ältesten Tochter der Grund für das Massaker an der 7-köpfigen Familie? Sie war doch nur ein Teenager, gerade an der Schwelle zum Erwachsenwerden und kurz vor der Entscheidung, wie es in ihrem Leben weitergehen soll! Warum lässt sie sich, trotz ihrer strengen Erziehung, auch auf eine Beziehung mit einem Englischen ein?

    Kate ist hin und hergerissen zwischen ihrer Aufgabe als Polizeichefin, die die Morde schnellstmöglich aufklären muss und ihrer eigenen Vergangenheit in der Gemeinde der Amischen. Sie wurde selbst von der Zivilisation verführt und musste dafür büßen, wie jetzt wohl auch die Tochter der Familie Plank.

    Linda Castillo liefert uns auch in diesem Buch wieder diese dichte, düstere und fast schon beängstigende Stimmung. Der Leser wird bereits auf den ersten Seiten ins kalte Wasser geworfen und bekommt einen furchtbaren Tatort geboten. Leichen, Blut und auch der tote Körper eines Babys werden auf der Farm der Planks gefunden.
    Die Autorin schreibt nicht nur spannend, sie hat auch einen sehr bildlichen und detaillierten Schreibstil und man wird direkt in die Ermittlungen des Teams hinein gezogen.

    Auch die Affäre zwischen John Tomasetti und Kate, die im ersten Teil der Reihe ihren Anfang genommen hat, bekommt hier ihren Platz. Tomasetti wird nun doch aufgrund eines positiven Drogentestes beurlaubt und muss sich seinen eigenen Dämonen stellen. Doch er will arbeiten und unterstützt Kate bei ihrem Fall. Ich mag den Protagonisten wahnsinnig gern. OK, würde man mich mit ihm in einen Raum sperren, würde vermutlich einer von uns nicht überleben, aber Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an und ich finde dieses ewige Wechselspiel zwischen Kate und John sehr lesenswert.

    Wie auch schon beim 1. Fall, muss man sich etwas an die Erzählperspektive gewöhnen. Kate schildert ihre Sicht der Geschehnisse aus der Ich- Perspektive, der Rest wird in der dritten Person erzählt. Wenn man sich darauf einlässt kann man der Handlung aber gut folgen!

    Man rätselt bis zum Schluss, wer der Mörder ist. So soll es sein!

  • „Saving Grace“ | B. A. Paris

    Titel im Original: „Behind Closed Doors“
    Autor: B. A. Paris
    Aus dem Englischen übersetzt von Wulf Bergner
    Verlag: Blanvalet
    Genre: Psychothriller
    Seitenzahl: 349
    ISBN: 978-3-7341-0263-9

    Niemand glaubt dir! Niemand hilft dir! Du gehörst ihm!
    Grace und Jack Angel sind das perfekte Paar. Die 33jährige Grace ist warmherzig, liebevoll, bildhübsch. Jack sieht gut aus, ist charmant und kämpft als renommierter Anwalt für die Rechte misshandelter Frauen. Aber sollte man Perfektion jemals trauen?

    Warum zu Beispiel kann Grace auf Dinnerpartys so viel essen und nimmt doch niemals zu? Und warum umgibt ein hoher Zaun das wunderschöne Haus der beiden?
    Doch wenn man Grace danach fragen möchte, stellt man fest, dass sie nie allein ist. Denn Jack ist immer – wirklich immer! – an ihrer Seite

    Meine Meinung

    Bei „Saving Grace“ handelt es sich um den Debütroman der Autorin und war eines der wenigen Bücher, die mich letztes Jahr total aus den Socken gehauen haben. Schon in der Verlagsvorschau fand ich den Klappentext sehr ansprechend, bin aber von einem ganz anderen Strickmuster ausgegangen. Das Buch entpuppte sich als außergewöhnlich furchteinflößender Thriller, der seinem Leser ein beklemmendes Gefühl in der Brust beschert!

    Normalerweise schreibe ich in meinen Rezensionen immer eine kleine unverfängliche Zusammenfassung über den Inhalt der Geschichte, das möchte ich in diesem Fall aber ausnahmsweise unterlassen, da schon der Klappentext sehr viel verrät und es sich auf jeden Fall lohnt, „Saving Grace“ aus dem unbekannten heraus zu erfahren. So viel sei gesagt: Während die Nachbarn und Freunde glauben, Grace hätte mit Jack das große Los gezogen, ist sie in ihrem persönlichen Alptraum mit einem Mann gefangen, der seine ganz eigenen kranken Ziele verfolgt …

    Grace Angel erzählt uns aus der Ich-Perspektive ihre Geschichte. Wir springen immer wieder zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit hin und her, laufen aber während des Lesens aufeinander zu. Ein tolles Erzählelement, das ganz großartig von B. A. Paris umgesetzt wurde und von ihrem klaren, bildlichen und mitreißenden Schreibstil nur noch getoppt wird.
    Die Ausweglosigkeit, in der wir Grace wiederfinden, ist so beklemmend und nachvollziehbar beschrieben, dass es mir oft eiskalt den Rücken runter gelaufen ist. Die Bedrohung und die Angst sind greifbar.

    Natürlich ist die Idee, des vermeintlichen Traummannes, der sich als verrückter Psychopath entpuppt im Thriller-Genre nichts Neues mehr, aber für mich hat die Autorin mit Jack Angel ein ganz neues Level erreicht. Er ist furchteinflößend, absolut real und abgrundtief böse. Ein Charakter, mit einem so überzeugenden aalglatten Pokerface, der mir bisher nur sehr selten in einem Buch begegnet ist.
    Ich musste unglaublich mit Grace mitleiden, konnte ihr aber einfach nicht helfen!

    B. A. Paris führt ihren Lesern auch ganz klar vor Augen, wie schnell es gehen kann, dass man sich als Frau in solch einer Situation wiederfindet. Wie oft hören wir von häuslicher Gewalt in unserem Umfällt? Dafür brauchen wir nicht erst den Fernseher aufdrehen!

    Eine absolute Leseempfehlung von der ersten bis zur letzten Seite!

  • „Anders“ | Anita Terpstra

    Titel im Original:  „Anders“
    Autor:  Anita Terpstra
    Aus dem Niederländischen übersetzt von Jörn Pinnow
    Verlag:  Blanvalet
    Genre:  Thriller
    Seitenzahl:  383
    ISBN: 978-3-7341-0257-8

    Alma Meester, ihr Mann Linc und die beiden Kinder Iris und Sander sind eine ganz normale, glückliche Familie. Bis zu dem Tag, als der elfjährige Sander zusammen mit einem Freund während eines Ferienlagers spurlos verschwindet. Der andere Junge wird kurz darauf tot aufgefunden, doch Sander bleibt wie vom Erdboden verschluckt.

    Sechs Jahre später meldet sich ein junger Mann bei einer deutschen Polizeistation. Er sei der verschwundene Sander Meester. Die Familie ist überglücklich, doch nach und nach kommen der Mutter Zweifel.
    Ist der Junge wirklich ihr Sohn?
    Und was ist damals in der verhängnisvollen Nacht tatsächlich passiert?

    Meine Meinung

    Mit „Anders“ liefert uns Anita Terpstra einen wirklich tollen Debütroman.
    Es handelt sich hier um einen Thriller der leisen Töne, der nicht nur durch eine gut ausgearbeitete Geschichte besticht, sondern auch durch seine authentischen Protagonisten, deren durchgerütteltes Gefühlsleben den Leser sehr mitnimmt.

    Der 11-jährige Sander verschwindet bei einer Nachtwanderung aus einem Ferienlager. Da sein Freund Martin kurz darauf tot im Wald aufgefunden wird, kommt recht schnell der Verdacht auf, dass ein Sexualstraftäter seine Hand im Spiel und Sander entführt hat. Trotz tagelanger Suche, bringt diese keine Ergebnisse! Die Familie ist schwer getroffen und erholt sich nicht mehr von diesem Schicksalsschlag. Mutter Alma bekommt zwar mit Linc nochmals ein Baby, aber die Ehe zerbricht.
    Als nach sechs Jahren ein Junge auftaucht, der im Wald von einem Pädophilen festgehalten wurde und sich bei der Polizei als Sander zu erkennen gibt, wird die eingekehrte Ruhe der Familie aufs Neue durchgerüttelt. Die Stimmung ist ganz und gar nicht glücklich oder gelöst, Sander verhält sich sehr distanziert und will keine Einzelheiten aus den vergangenen Jahren preisgeben …

    „Anders“ legt überhaupt keinen Wert auf die Tätersuche. Das Hauptaugenmerk liegt ganz klar auf den Reaktionen der Familie und deren Freunde. Ich fand die unterschiedlichen Verhaltensweisen sehr spannend und teilweise auch richtig beklemmend. Vor allem das Verhalten der Mutter hat mich im Laufe der Geschichte sehr oft zum Kopfschütteln gebracht.
    Natürlich bekommt der Leser hier auch viel Spielraum für Spekulationen geboten!

    Anita Terpstra spricht ganz klar Themen wie Kindesmissbrauch und die menschliche Wertigkeit in der Familie an. Was passiert, wenn ein Kind, dem Anderen gegenüber bevorzugt wird? Warum blenden Eltern auffällige Verhaltensmuster eines Kindes total aus? Auch auf die Schuldgefühle des Vaters nach Sanders Verschwinden wird klar eingegangen, hätte er bei dieser Wanderung doch auf seinen Sohn achtgeben müssen!

    Und über all dem, schwebt noch ein großes Damoklesschwert:
    Die Frage, ob es sich bei dem jungen Mann wirklich um Sander handelt!

    „Anders“ regt definitiv zum nachdenken an und bleibt dem Leser noch sehr lange im Gedächtnis!