• „Briefe vom Weihnachtsmann“ | John R. R. Tolkien

    Titel im Original: „Letters from Father Christmas“
    Autor: John R. R. Tolkien
    Aus dem Englischen übersetzt von Anja Hegemann & Hannes Riffel
    Mit Illustrationen von John R. R. Tolkien
    Verlag: Hobbit Presse
    Genre: Weihnachten
    Seitenzahl:  192
    ISBN: 978-3-608-96036-5

    Jedes Jahr im Dezember kam für die Kinder Tolkiens ein Umschlag mit einer Briefmarke vom Nordpol an. Darin waren jeweils ein Brief in seltsam krakeliger Handschrift und eine wunderschöne farbige Zeichnung. Die Briefe vom Weihnachtsmann erzählen phantastische Geschichten vom Leben am Nordpol.

    Meine Meinung

    Dass John R. R. Tolkien, der Erfinder von „Der Herr der Ringe“ und „Der kleine Hobbit“, auch ein liebevoller Vater war, beweist dieses kleine Weihnachtsbuch in allen Einzelheiten!

    Hier finden wir die Briefe, die Tolkien – stellvertretend für den Weihnachtsmann – an seine Kinder schrieb. Er zeigt einmal mehr sein Talent, fantasievolle Geschichten mit viel Herz und Liebe zu erzählen. Details und Einzelheiten, die die Augen der Leser zum strahlen bringen. Der Nordpol wird als ein gemütlicher und behaglicher Ort des Friedens dargestellt, so wie sich ein Kind den Wohnort des Weihnachtsmanns vorstellt und erträumt. In den 40er Jahren wird aber auch der Zweite Weltkrieg thematisiert … zwar abgeschwächt und nicht im Detail, aber doch für die Kinder greifbar.

    Ich finde es großartig, dass die einzelnen Briefe und Zeichnungen im Original abgedruckt wurden. Genauso wie Tolkien sie geschrieben, gestaltet und gezeichnet hat. Zusätzlich wurde die deutsche Übersetzung abgedruckt, hat der Weihnachtsmann doch wegen der bitterbösen Kälte am Nordpol nicht immer die klarste und schönste Handschrift!

    Ich bin schon lange kein Kind mehr und dennoch total begeistert, da kommt man als Leser aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus! In meinen Augen steht diesem Buch eine viel größere Bekanntheit zu und sollte in jeder Bibliothek zu finden sein!

    Ein großes Dankeschön an die Familie Tolkien, das sie diesen Schatz aufbewahrt haben und den Lesern und Liebhabern ihres Vaters zugänglich gemacht haben!

  • „Weihnachten auf der Lindwurmfeste“ | Walter Moers

    Autor: Walter Moers
    Mit Illustrationen von Walter Moers und Lydia Rode
    Verlag: Penguin Verlag
    Genre: Weihnachten  |  Humor
    Seitenzahl:  104
    ISBN: 978-3-328-60071-8

    Hildegunst von Mythenmetz, der berühmteste Schriftsteller Zamoniens, erzählt von einem kuriosen Ritual namens „Hamoulimepp“, das in seiner Heimat, der legendäre Lindwurmfeste, alljährlich abgehalten wird. Die Ähnlichkeiten dieses Ereignisses zu unserem Weihnachtsfest sind verblüffend. Mythenmetz berichtet von Rostigen Gnomen und Hamoulimeppwurmzwergen, von schwer verdaulichem Essen, Feuerlosem Feuerwerk und vielem mehr.

    Meine Meinung

    Was kann es schöneres geben, als Weihnachten mit Hildegunst von Mythenmetz auf der Lindwurmfeste zu verbringen …

    In diesem Buch finden wir einen Briefwechsel zwischen dem zamonischen Literaturgiganten Hildegunst von Mythenmetz mit dem Privatgelehrten und Eydeeten Hachmed Ben Kibitzer, in dem der Lindwurm seinem Freund den Brauchtum und die Traditionen des „Hamoulimepp“ näher erklärt. Er spricht über die zweifelhafte Herkunft des Hamouli und des Mepp, über verschiedenste Rituale und Gewohnheiten bis hin zu den wenigen positiven Aspekten, die Hildegunst dieser dreitägigen Feierlichkeit abgewinnen kann.

    Darüber hinaus erfährt man auch viele spannende Informationen über das Leben auf der Lindwurmfeste, welche Vegetation vorherrscht und inwiefern die rostigen Gnome Ähnlichkeiten mit den Hamoulimeppwurmzwergen aufweisen.

    Wenn man näher auf die Schreibweise in diesem Buch eingeht, lesen wir hier eine besser strukturierte Mythenmetz’sche Abschweifung, deren plaudernder Tonfall wieder die unverwechselbare Handschrift und literarischen Eigenheiten der Lindwürmer trägt.
    Mythenmetz‘ Hass und Verachtung gleiten sehr schnell ins Komische ab und das von ihm erzeugte Drama ist ein perfektes Stilmittel, um seine Abneigung gegen (fast) alles, was Hamoulimepp ausmacht zu verdeutlichen.

    Wie immer brilliert Walter Moers nicht nur durch seine gekonnte Übersetzung aus dem Zamonischen, auch die Gestaltung ist wieder mal ein Traum: Der Brief ist in der Optik eines Pergamentbriefes auf schwarzem Grund abgebildet, mit einigen wenigen Fußnoten (die Anmerkungen des Übersetzers enthalten), sowie Bildtafeln, die das von Hildegunst Beschriebene illustrieren und ein Bild zu den Beschreibungen liefern.

    Dieser Briefwechsel ist etwas für jeden, der mit einem Augenzwinkern auf Weihnachten schauen möchte und sich genug für fremde Kulturen interessiert, um auch zamonische Bräuche kennenlernen zu wollen!

  • „Harry Potter und der Feuerkelch“ | Joanne K. Rowling

    Titel im Original: „Harry Potter and the Goblet of Fire“
    Autor: Joanne K. Rowling
    Aus dem Englischen übersetzt von Klaus Fritz
    Verlag: Carlsen
    Genre: Jugendbuch
    Harry Potter, Band 4
    Seitenzahl:  767
    ISBN: 978-3-551-55193-1

    Das vierte Schuljahr in Hogwarts beginnt für Harry. Doch davor steht noch ein sportliches Großereignis, das die scheußlichen Sommerferien vergessen lässt: die Quidditch-Weltmeisterschaften. Und ein weiterer Wettkampf wird die Schüler das ganze Schuljahr über beschäftigen:  das Trimagische Turnier, dem Harry eine Rolle übernimmt, die er sich im Traum nicht vorgestellt hätte. Natürlich steckt dahinter das Böse, das zurück an die Macht drängt:  Lord Voldemort. Es wird eng für Harry, sehr eng! Doch auf seine Freunde und ihre Unterstützung kann Harry sich auch in verzweifelten Situationen verlassen.

    Meine Meinung

    Auch wenn viele Potterheads dieses Buch nicht so gelungen fanden, für mich ist die Geschichte um das magische Turnier meine Liebste!

    Harry Potter und seine Freunde werden Zeugen eines historischen Ereignisses: In diesem Jahr findet das Trimagische Turnier in Hogwarts statt. Aus unerklärlichen Gründen wird Harry einer der Champions und muss sich gefährlichen Drachen, Wasserdämonen und schwierigen Rätseln stellen. Schon bald merkt er, dass er in einem Spiel um Leben und Tod gelandet ist und Lord Voldemort näher ist als erwartet.

    Obwohl das Buch deutlich umfangreicher als seine drei Vorgänger ist, wird es an keiner Stelle langweilig. In den ersten 400 Seiten reiht die Autorin viele kleine Episoden aneinander, die alle interessant und amüsant, aber auch spannend zu lesen sind. Hier wird ihr Schreibstil etwas detaillierter und ruhiger. Wir erfahren mehr von den Personen und den Geschehnissen außerhalb der Zaubereischule. Wie Harrys seine Ferien bei den Weasleys verbringt, viele Details von der Quiddich-Weltmeisterschaft und natürlich auch vom Zwischenfall im Camp mit den Totessern.

    Als Harry, Ron und Hermine zurück in ihren Schulalltag kommen stürzen wir uns in die spannenden Geschehnisse rund um das magische Turnier und der Frage, was hinter Harry mysteriöser Teilnahme steckt. Die Rätsel und Aufgaben sind schlichtweg mörderisch und die Geschichte nimmt rasant an Tempo zu. Ein Ereignis schlägt das Vorhergegangene und man fliegt nur so durch die Seiten!

    Natürlich gibt es auch in diesem Band unter unseren14-jährigen Freunden einige Missverständnisse, die der Pubertät und der Eifersucht geschuldet sind, aber was soll man denn gegen die erste Liebe tun! Auch Sabotage und Verdächtigungen von außen reizen die Gemüter! Dennoch werden Probleme in diesem Band viel rationaler angegangen.

    Joanne K. Rowling schafft es wieder gekonnt den Leser in ihre Geschichte hinzuziehen. Ohne Plänkeleien. Oder Seitenfüllern. Ich liebe ihre Art, dem Leser die Selbstverständlichkeit des Lebens eines Zauberschülers näher zu bringen, so als wären sie alte Freunde, die du schon seit Jahren in deinem Leben hast!

  • „Die Vermessung der Welt“ | Daniel Kehlmann

    Autor: Daniel Kehlmann
    Verlag: Rowohlt Verlag
    Genre: Roman
    Seitenzahl:  302
    ISBN: 978-3-498-03528-2

    Gegen Ende des 18. Jahrhunderts machen sich zwei junge Deutsche an die Vermessung der Welt. Der eine, Alexander von Humboldt, kämpft sich durch Urwald und Steppe, befährt den Orinoko, erprobt Gifte im Selbstversuch und zählt die Kopfläuse der Eingeborenen. Der Andere, Mathematiker und Astronom Carl Friedrich Gauß, der sein Leben nicht ohne Frauen verbringen kann und doch sogar in der Hochzeitsnacht aus dem Bett springt, um eine Formel zu notieren – er beweist auch im heimischen Göttingen, dass der Raum sich krümmt.

    Alt, berühmt und auch ein wenig sonderbar geworden, treffen sich die beiden 1828 in Berlin. Doch kaum steigt Gauß aus seiner Kutsche, sind sie schon tief verstrickt in die politischen Wirren Deutschlands nach dem Sturz Napoleons.

    Meine Meinung

    Bei „Die Vermessung der Welt“ ist immer wieder ein Genuss!
    Daniel Kehlmann liefert uns hier eine fiktive Doppelbiografie, die vielleicht nicht immer historisch korrekt ist, aber mit viel Witz und Satire punktet.

    „Die Vermessung der Welt“ ist eine lesenswerte Charakterstudie zweier großer Wissenschaftler, die als Menschen unterschiedlicher nicht hätten sein können und dennoch eines gemeinsam hatten: Die feste Überzeugung, dass man der Wahrheit nur durch genaues Messen auf die Spur kommen kann.
    Der Mathematiker Johann Carl Friedlich Gauß und der Naturforscher Alexander von Humboldt stehen im Mittelpunkt dieses Romans. Beide waren bereits zu Lebzeiten anerkannte Forscher auf ihren Gebieten und im Zuge dieser Geschichte begleiten wir die beiden Männer auf ihren Erlebnissen. So reisen wir mit Humboldt nach Spanien, Süd- und Mittelamerika, aber auch nach Paris und Russland. Dagegen hat der reisefaule Gauß das Königreich Hannover mit seinen Universitäten in Göttingen und Braunschweig zeitlebens kaum verlassen.
    Beide waren Universalbegabungen, die unter der Indifferenz ihrer Mitmenschen zu leiden hatten, und beide waren ihrer Zeit weit voraus.

    Daniel Kehlmann würdigt er seinen Protagonisten manchmal auf sehr respektlose Weise. Der Leser wird Zeuge, wie Gauß und Humboldt mit ihren charakterlichen Besonderheiten und dem lästigen Ballast des täglichen Lebens ringen. Die Genialität und Skurrilität der Beiden blitzt meist nur oberflächlich auf und trotzdem setzen sich die einzelnen Episoden zu einem geschlossenen Gesamtbild zusammen.

    Ich würde den Schreibstil als detailliert und flüssig beschreiben, man sollte aber doch ein Fan von starken und teilweise verschachtelten Sätzen sein. Er schreibt menschlich, aber nicht rührselig und manchmal sogar ehrfurchtsvoll über seine Protagonisten. Dazu kommt ein guter Schuss Witz und Satire.

    Was mir sehr gut an diesem Buch gefallen hat, ist die Balance zwischen Biographie und Roman, da zum einen das Leben beider Person chronologisch wiedergegeben wird, zum anderen jedoch in Form und Ausdruck stark an einen Abenteuerroman erinnert.

  • „Mr. Mercedes“ | Stephen King

    Titel im Original: „Mr. Mecedes“
    Autor: Stephen King
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Bernhard Kleinschmidt
    Verlag: Heyne Verlag
    Genre: Thriller
    Bill Hodges-Trilogie, Band 1
    Seitenzahl:  590
    ISBN: 978-3-453-26941-5

    In den frühen Morgenstunden haben sich auf dem Parkplatz vor der Stadthalle Hunderte verzweifelte Arbeitssuchende eingefunden. Jeder will der Erste sein, wenn die Jobbörse ihre Tore öffnet. Im Morgendunst blendet ein Autofahrer auf. Ohne Vorwarnung pflügt er mit einem gestohlenen Mercedes durch die wartende Menge, setzt zurück und nimmt erneut Anlauf. Es gibt viele Tote und Verletzte, der Mörder entkommt!

    Noch Monate später quält den inzwischen pensionierten Detective Bill Hodges, dass er den Fall des Mercedes-Killers nicht aufklären konnte. Auf einmal bekommt er Post von Jemanden, der sich selbst der Tat bezichtigt und ein noch diabolischeres Verbrechen ankündigt!

    Meine Meinung

    Shame on me!  Natürlich war mir die Trilogie bekannt, ich nahm sie aber nie zur Hand, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass Stephen King seine Leser auch mit einem Thriller überzeugen kann! Nun kam dieses Jahr „Der Outsider“ auf den Markt und ich wurde von meinen Buchhändlern gleich vorgewarnt, dass ich unbedingt die Reihe um Bill Hodges und den Mercedes-Killer vorher lesen soll, damit ich mir nicht selbst etwas vorwegnehme. Na dann tun wir das doch mal ….

    Der Klappentext beschreibt die Ausgangssituation schon sehr präzise. In den Morgenstunden fährt ein Unbekannter mit einem gestohlenen Mercedes in eine wartende Menschenmenge. Ohne Vorwarnung reißt er die Menschen in den Tot, setzt zurück und fährt erneut drauf zu.
    Ein Jahr später sitzt der pensionierte Detective Bill Hodges auf dem Sofa und weiß sich mit seiner vielen Zeit nichts anzufangen. Seinen letzten Fall – den des Mercedes-Killers – konnten er und sein Partner nie aufklären und das macht ihn auch Monate später noch schwer zu schaffen. Da erreicht ihn ein Brief, in dem sich eben gerade Dieser zu erkennen gibt und ein Spiel mit ihm spielen möchte!

    Obwohl man von Beginn an weiß, wer der Mercedes-Killer ist, wurde die Geschichte sehr spannend erzählt! Im Wesentlichen verfolgen wir die beiden Kontrahenten Bill Hodges und Brady Hartsfield bei ihrem Schlagabtausch. Bill, der nach seiner Pensionierung in einer Krise steckt und sein Leben am liebsten beenden möchte, bekommt dank der sarkastischen Briefe des Killers neuen Aufschwung und stürzt sich mit Feuereifer in die Ermittlungen. Das diese im stillen und geheimen von Statten gehen müssen, erklärt sich von selbst!

    Stephen King macht kein großes Geheimnis um die Identität des Mörders. Wir wissen wie er heißt, wo er arbeitet und im Großen und Ganzen sogar, was seine Probleme sind. Warum es trotzdem irrsinnig spannend bleibt, liegt an der Tatsache, dass es unser Protagonist Bill Hodges nicht weiß!
    King verstand es immer schon meisterlich einen am Innenleben von Psychopathen teilhaben zu lassen. Er zelebriert das „Katz und Maus“-Spiel, lässt den Leser selbst mitfiebern und nicht nur einmal an krassen Situationen verzweifeln.

    Brady Hartsfield war für mich ein hervorragender Bösewicht! Dank seiner Vorgeschichte, bleibt er für den Leser sehr menschlich, auch wenn man seinen Wahnsinn aus jeder Hauptporen dampfen sieht. Je mehr Aufmerksamkeit er von Bill bekommt (wenn auch nicht immer in der Form, die er gerne hätte), desto extremere Züge legt er an den Tag und einige Gedankengänge ließen mir regelrecht die Haare im Nacken aufstehen!

    Allgemein ist die Charakterzeichnung in diesem Buch wieder gewohnt meisterlich. Jede Person hat seine Eigenheiten, geht dem Leser nahe und hat einen guten Grund ein Teil dieser Geschichte zu sein!

    Ich war wirklich erstaunt, wie intensiv Stephen King dieses leider doch sehr aktuelle Thema umgesetzt hat!

  • „Grausame Nacht“ | Linda Castillo

    Titel im Original: „After the Storm“
    Autor: Linda Castillo
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Helga Augustin
    Verlag: Fischer Verlag
    Genre: Thriller
    7. Fall von Kate Burkholder
    Seitenzahl:   398
    ISBN: 978-3-596-03263-1

    Als ein Tornado über Painters Mill in Ohio hinwegfegt, legt er nicht nur die halbe Stadt in Schutt und Asche. Er bringt auch etwas zum Vorschein, das besser in der Erde geblieben wäre. Unter einer eingefallenen Scheune werden die Überreste eines menschlichen Skeletts gefunden.
    Wer ist der Tote? Und warum lag er jahrelang hier vergraben?

    Meine Meinung

    Mittlerweile bin ich beim 7. Band der Reihe um Kate Burkholder angekommen.
    Die Autorin blieb ihrem spannenden und flüssigen Schreibstil treu und ich musste das Buch binnen kürzester Zeit weginhalieren.

    Die 9-jährige Sally Ferman weiß zwar nicht, ob die Gerüchte über die alte verfallene Scheune ihrer Nachbarn stimmen, aber kennen tut sie sie alle. Für sie gibt es keinen unheimlicheren Ort als dieses Gebäude mit seinem steinernen Fundament und den dunklen Fenstern!
    Als ein Tornado über Ohio hinwegfegt, legt er nicht nur die halbe Stadt in Schutt und Asche, er bringt auch die Überreste eines menschlichen Skeletts zum Vorschein. Als Doc Coblenz die Leiche obduziert, wird klar, dass der Mann keines natürlichen Todes gestorben ist und Polizeichefin Kate Burkholder muss einen 30 Jahre alten Fall neu aufrollen. Sie stößt auf ein altes Familiengeheimnis und ein ungesühntes Verbrechen!

    Die Gemeinschaft der Amischen machen es dem Team der Polizei nicht leicht. Die Ermittlungen ziehen sich hin und werden immer wieder durch Anschläge auf Kates Leben in den Hintergrund gedrängt. Haben die Schüsse etwas mit dem aktuellen Fall zu tun? Oder hat es ein Außenstehender auf sie abgesehen?

    Linda Castillo eröffnet ihren Lesern in diesem Buch einen etwas detaillierteren Blickwinkel auf die Amische Lebensweise: Wir erfahren viel über das Gedankengut der konservativen Mennoniten, die jeglichen modernen Schnickschnack in ihrem Leben ablehnen, aber auch die Unterschiede zu den Amischen der neuen Ordnung, die sich mit Hilfe von Autos und motorisierte Fuhrwerke die tägliche Arbeit erleichtern, werden aufgegriffen. Die Autorin ist dabei nie wertend, sondern schildert sehr sachlich wie die Mitglieder der Gemeinde ihr Leben gestalten.

    In „Grausame Nacht“ spielt auch die Hintergrundgeschichte der Hauptprotagonisten eine zentrale Rolle, was mir sehr gut gefallen hat. In Kates Privatleben mit John Tomasetti läuft nicht alles rund, so dass sie auch hier an einer harten Front zu kämpfen hat!

    Wie immer ein spannend geschriebenes Buch und kein bisschen langweilig!

  • „Der Kruzifix Killer“ | Chris Carter

    Titel im Original: „The Crucifix Killer“
    Autor: Chris Carter
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Maja Rößner
    Verlag: Ullstein Verlag
    Genre: Thriller
    1. Fall von Robert Hunter & Carlos Garcia
    Seitenzahl:  477
    ISBN: 978-3-548-28109-4

    Er kennt keine Gnade. Er tötet grausam. Und er ist teuflisch intelligent.

    Die Leiche einer wunderschönen Frau, bestialisch verstümmelt. Keinerlei Spuren. Bis auf ein in den Nacken geritztes Kreuz: Das Zeichen eines vor Jahren hingerichteten Serienmörders. Detective und Profiler Robert Hunter wird schnell klar, dass der Kruzifix-Killer lebt. Er mordet auf spektakuläre Weise weiter. Und ist Hunter immer einen Schritt voraus – denn er kennt ihn gut. Zu gut!

    Meine Meinung

    Ich habe zwar schon viel Gutes über Robert Hunter und Carlos Garcia gehört, aber mit „Der Kruzifix Killer“ starte ich noch ganz frisch und unbescholten in diese Reihe.

    Los Angeles: Eine grausam zugerichtete Leiche wird in einem einsamen Häuschen im Wald gefunden. Der Killer hinterließ keine DNA, keine Spur … nur ein Zeichen an der toten Frau: ein Doppelkreuz, das tief in ihren Nacken geritzt wurde. Das Zeichen des Kruzifix-Killers! Aber wie kann das sein? Dieser wurde bereits vor über einem Jahr gefasst und hingerichtet. Dem damaligen Ermittler Robert Hunter und seinem neuen Partner Garcia wird schnell bewusst, dass der eigentliche Mörder noch lebt, und ihnen immer einen Schritt voraus zu sein scheint. Er treibt ein gnadenlose Spiel …

    Chris Carter überzeugt bei seinem Debüt mit zwei starken Ermittlern und einem mitreißenden und direkten Schreibstil, der mir persönlich sehr liegt. Die Figuren sind bildgewaltig dargestellt und sehr sympathisch. Die Geschichte ist gut durchdacht und es blieben am Ende keine Fragen offen! Natürlich ist das Handlungsmuster „Guter Bulle jagt bösen Mörder“ jedem bekannt, aber Chris Carter hat sich für seine Morde wirklich was einfallen lassen … und scheinbar auch das dafür benötigte Wissen gut erarbeitet.
    Detective Hunter und sein mittlerweile verstorbener Partner haben den Kruzifix Killer schon vor einem Jahr hinter Gittern gebracht. Eine vernichtende Zeit, in der Beide fast daran zugrunde gegangen und in die Depression abgerutscht wären. Der hochintelligente Robert Hunter wirkt auf den ersten Blick kernig und verschlossen, lässt uns aber sehr schnell hinter seine Fassade blicken: Im Grunde seines Herzens ist er doch ein Guter Kerl mit weichem Kern. Carlos Garcia hingegen ist ein junger „Grünschnabel“, den man sofort und ohne zu zögern mag. Mit vollem Eifer tritt er seinen ersten Posten als Detective bei der Mordkommission des LAPD an und bringt frischen Wind in das ungleiche Gespann.

    Die Geschichte ist definitiv nichts für Zartbesaitete, aber ich persönlich fand gerade die grausigen Details und wie diese vom Autor beschrieben wurden toll. Natürlich fragt man sich, wie viel kranke Fantasie ein Mensch haben kann, wenn er so detailliert schreibt, aber wir wollen ja auch nicht darüber streiten, wie es mit unserer Fantasie ausschaut, wenn wir genau Diese ja so toll finden! Ein wenig verrückt geht immer!
    Der Täter agiert bis zum Schluss im Hintergrund, daher ist man nie direkt bei der Tat zugegen und kann bis zum Schluss nach der Identität des Killers forschen!

    Ich bin absolut im Carter-Fieber und habe mir gleich den zweiten Teil geordert!

  • „Das Rosie-Projekt“ | Graeme Simsion

    Titel im Original: „The Rosie-Project“
    Autor: Graeme Simsion
    Aus dem australischen Englisch übersetzt von Annette Hahn
    Verlag: Fischer Verlag
    Don Tillman, Band 1
    Genre: Roman  |  Humor
    Seitenzahl:  432
    ISBN: 978-3-536-52083-1

    Don Tillman will heiraten. Allerdings findet er menschliche Beziehungen oft höchst verwirrend und irrational. Was tun? Don entwickelt das „Ehefrau-Projekt“: Mit einem 16-seitigen Fragebogen will er auf wissenschaftlich exakte Weise die ideale Frau finden. Also keine, die raucht, trinkt, unpünktlich oder Veganer ist.
    Und dann kommt Rosie! Unpünktlich, Barkeeperin, Raucherin, Offensichtlich ungeeignet. Aber Rosie verfolgt ihr eigenes Projekt:  Sie sucht ihren biologischen Vater. Dafür braucht sie Dons Kenntnisse als Genetiker. Ohne recht zu verstehen, wie ihm geschieht, lernt Don staunend die Welt jenseits beweisbarer Fakten kennen und stellt fest: Gefühle haben ihre eigene Logik!

    Meine Meinung

    „Das Rosie-Projekt“ steht nun schon seit langer Zeit in meinem Regal und wartet darauf gelesen zu werden. Graeme Simson liefert uns hier eine Geschichte, die den Leser zwar zum Schmunzeln, aber in weiterer Folge doch sehr zum Nachdenken bringt.

    Die Welt der Gefühle ist für Don Tillman, einem hochintelligenten Professor für Genetik, wie ein weißer Fleck auf einer Landkarte. Er liebt seinen durchstrukturieren und minutiös verplanten Alltag und hat so überhaupt kein Verständnis für notorische Zuspätkommer, Raucher oder Frauen mit gefärbten Haaren. Jede Form von Chaos ist ihm ein Graus! Dennoch hat er den Gedanken bzw. die gesellschaftliche Konvention einer Eher noch nicht ad acta gelegt. Er startet das Projekt „Ehefrau“!
    Als die Barkeeperin, Raucherin und bekennende Vegetarierin Rosie in sein Leben tritt begibt er sich in das größte Abenteuer seines Lebens, in dem ein Highlight das Nächste jagt … und seine strukturierte Welt sehr schnell zum bröckeln beginnt!

    Bereits seit Sheldon Cooper versuchen uns die Medien, Menschen mit einer schweren sozialen Disharmonie, die auf die Diagnose Autismus bzw. Asperger zurückzuführen ist, auf einfachen Weg näher zu bringen. Auch wenn wir gerne über sie schmunzeln, sollen sie ihre Zuschauer und Leser für die Bedürfnisse, die mit diesem Krankheitsbild einhergehen sensibilisieren!
    Auch Graeme Simsion zeigt uns aus Dons Sicht die Welt und hält unserer eigenen Reaktion den Spiegel vor. Und das auf eine Weise, die mit Dons staubtrockenen, emotionslosen Kommentaren jede Menge Emotionen, aber auch Verständnis hervorruft. Allein schon die Erklärung, warum man nach 15:48 Uhr keinen Kaffee mehr trinken sollte, hat mich schwer überzeugt!

    Don glaubt von sich selbst, er sei nicht fähig Gefühle zu haben. Auch bezeichnet er sich selbst als sozial nicht kompatibel, da er mangels Gesellschaft sich nicht mit dessen Verhaltensregeln auskennt und sie auch gar nicht versteht. Aber genau diese Ausrutscher und seine ungewöhnliche Art die Welt zu organisieren machen Don sehr sympathisch und haben mir wieder in einigen Situationen die Augen geöffnet. Auf der einen Seite schafft sein Verhalten Unverständnis, auf der anderen Seite Bewunderung und je weniger die Menschen seine Eigenarten beachten, umso normaler wird Don!

    Der Schreibstil des Autors gefällt mir sehr gut. Er ist direkt, treffend, flüssig und ausdrucksstark!

    „Das Rosie-Projekt“ ist ein kluges Buch über Beziehungen, wie sie zustande kommen und der Tatsache, dass es schön ist, ein bisschen anders und verrückter zu sein!

  • „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ | Joanne K. Rowling

    Titel im Original: „Harry Potter and the Prisoner of Azkaban“
    Autor: Joanne K. Rowling
    Aus dem Englischen übersetzt von Klaus Fritz
    Verlag: Carlsen
    Genre: Jugendbuch
    Harry Potter, Band 3
    Seitenzahl:  448
    ISBN: 978-3-551-55169-6

    Natürlich weiß Harry, dass das Zaubern in den Ferien strengstens verboten ist, und trotzdem befördert er seine schreckliche Tante mit einem Schwebezauber an die Decke. Die Konsequenz ist normalerweise: Schulverweis! Nicht so bei Harry! Im Gegenteil, man behandelt ihn wie ein rohes Ei. Hat es etwa damit zu tun, dass ein gefürchteter Verbrecher in die Schule eingedrungen ist und es auf Harry abgesehen hat?

    Mit seinen Freunden Ron und Hermine versucht Harry ein Geflecht aus Verrat, Rache, Feigheit und Verleumdung aufzudröseln und stößt dabei auf Dinge, die ihn fast an seinem Verstand zweifeln lassen.

    Meine Meinung

    Die Welt der Zauberer ist in Aufruhr: Der gefährliche Verbrecher Sirius Black ist aus dem Gefängnis von Askaban ausgebrochen … und da es Gerüchte gibt, er sei hinter Harry Potter her, wimmelt es auf dem Schulgelände von Hogwarts nur so vor Dementoren.
    Doch es gibt auch gute Neuigkeiten für Harry! Mit Professor Lupin scheint endlich ein brauchbarer Lehrer für das Fach „Verteidigung gegen die dunklen Künste“ eingezogen zu sein. Pünktlich zur neuen Quidditch-Meisterschaft bekommt er von einem unbekannten Spender einen neuen Besen geschenkt und Fred und George überlassen ihm die „Karte der Rumtreiber“. Auch Hermine scheint in diesem Jahr ein Geheimnis vor ihren Freunden zu haben.

    Mit dem Kinderbuch-Flair ist es im dritten Band der Reihe nun endgültig vorbei!
    Harry, Ron und Hermine kehren nach Hogwarts zurück und starten in ein spannendes neues Schuljahr. Die Geschichte wird gewohnt liebevoll erzählt, wirkt aber rasanter und actiongeladener. Die Geschehnisse sind alles andere als offensichtlich oder vorhersehbar, gerade zum Ende hin wird das immer deutlicher! Natürlich kennen wir die Charaktere schon, dennoch ist ein großer Sprung in der Weiterentwicklung zu merken, wie es ja auch im echten Leben bei Teenagern der Fall ist. Sie wirken etwas kerniger und ernster, agieren und reagieren merkbar zackiger und ich mag das Kantige sehr gern.

    Einer meiner Lieblingscharaktere der Reihe ist Sirius Black, der in „Der Gefangene von Askaban“ das erste Mal auftritt. Er ist das beste Bespiel dafür, was man immer hinter die Fassade eines Menschen, aber auch eines Ereignisses blicken sollte und man nicht sofort am offensichtlichen hängenbleiben darf. Einst der beste Freund von Harrys Eltern, nimmt sein Leben im gefühlten Bruchteil einer Sekunde eine Wendung die niemand vorhergesehen hat!

    Ich liebe ja die Geschichte der Rumtreiber: James Potter, Sirius Black, Remus Lupin und Peter Pettigrew. Vier Freunde, die zu ihrer Zeit ein eigenes Gespann in Hogwarts bildeten und die Schule unsicher gemacht haben. Ich wünsche mir immer noch, dass wir irgendwann mehr über deren Vergangenheit lesen dürfen!