• „Der Kastanienmann“ | Søren Sveistrup

    Rezensionsexemplar
    Vielen Dank an den Verlag!

    Titel im Original:  „Kastanjemanden“
    Autor:  Søren Sveistrup
    Aus dem Dänischen übersetzt von Susanne Dahmann
    Verlag:  Goldmann Verlag
    Genre:  Thriller
    Seitenzahl:  603
    ISBN:  978-3-442-31522-2

    Es ist ein stürmischer Tag in Kopenhagen, als die Polizei an einen grauenvollen Tatort gerufen wird. Auf einem Spielplatz liegt die entstellte Leiche einer jungen Frau. Und der Täter hat eine unheimliche Botschaft hinterlassen:  Über dem leblosen Körper schwingt eine kleine Puppe aus Kastanien im Wind. Kommissarin Naia Thulin und ihr Partner Mark Hess stehen vor einem Rätsel. Denn die Figur trät den Fingerabdruck eines Mädchen, das ein Jahr zuvor ermordet wurde – die Tochter der Politikerin Rosa Hartung. Und dann taucht ein zweites Kastanienmännchen auf …

    Meine Meinung

    Kommissarin Naia Thulin und ihr unfreiwilliger Kollege Mark Hess bekommen es mit einem äußerst grausamen Verbrechen zu tun. In Kopenhagen wird die entstellte Leiche einer jungen Frau gefunden. Die Spuren beschränken sich zunächst auf ein gebasteltes Kastanienmännchen, welches am Tatort gefunden und die Fingerabdrücke eines Mädchens trägt, dass vor einem Jahr einem grausamen Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Und schon bald wird eine zweite Frauenleiche gefunden!

    Wir lernen hier zwei wirklich interessante Ermittler kennen, die doch einige Zeit brauchen, um sich aneinander zu gewöhnen. Die Herangehensweisen von Thulin und Hess sind grundverschieden und jeder kocht sein eigenes Süppchen, nicht immer zur Zufriedenheit ihres Vorgesetzten. Sehr eigenwillig und in ihre Muster festgefahren! In den entscheidenden Situationen ziehen sie dann aber doch an einem Strang!

    Mit „Der Kastanienmann“ ist Søren Sveistrup ein überragender Thriller gelungen. Anders als man es bei skandinavischer Spannungsliteratur gewöhnt ist, geht die Geschichte von der ersten Seite weg in die Vollen. Ich habe wieder mit einem etwas ruhigeren, detaillierten Schreibstil gerechnet, aber der Autor schreibt lebend, flüssig und mitreißend, erzählt eine spannende Story und wartet mit einigen unvorhergesehenen Wendungen auf. Detailliert ist das Buch aber trotzdem, wobei ich es auf keiner Seite schwerfällig fand.
    Zu Beginn wird der Spannungsbogen gekonnt durch einen länger zurückliegenden Fall aufgebaut und mit der oft sehr dramatischen Ermittlungsarbeit auf einem äußerst hohen Niveau gehalten.

    Die gewaltsamen Szenen sind sicher nichts für zartbesaitete und gehen stellenweise schon sehr ins Detail, blieben für mich aber doch in einem passenden Umfang, so dass das Ganze nicht reißerisch auf mich wirkte.

    Natürlich bekommen wir als Leser im Verlauf der Geschichte auch immer wieder die Gelegenheit, eigene Überlegungen bezüglich des Täters und den rätselhaften Hintergründen anzustellen.

    Auch das Finale konnte mich absolut von sich überzeugen. Selten habe ich eine so detailreiche Auflösung in einem Thriller gelesen, die trotzallem Spannend blieb und mich fesselte!

    Mit seinem Erstlingswerk „Der Kastanienmann“ ist Søren Sveistrup, der bisher schon einige Drehbücher zu bekannten Fernsehserien geschrieben hat, also ein wirklich großer Wurf gelungen.

  • „Auf der Placa del Diamant“ | Mercè Rodoreda

    Rezensionsexemplar
    Vielen Dank an den Verlag!

    Titel im Original:  „La Placa del Diamant“
    Autor:  Mercè Rodoreda
    Aus dem Katalanischen übersetzt von Hans Weiss
    Verlag:  Suhrkamp Verlag
    Genre:  Roman
    Seitenzahl:  318
    ISBN:  978-3-518-46706-0

    Bei einem Tanzfest auf der Placa des Diamant lernt Colometa den exzentrischen Quiment kennen. Von dem Moment an legt die junge Frau die Verantwortung über ihr Leben ganz und gar in seine Hände. Doch Quiment bricht das Versprechen, aus ihr seine „Königin“ zu machen und für Colometa beginnt eine Zeit der Entbehrungen und Demütigung. Bis der Spanische Bürgerkrieg ausbricht und sich alles ändert.

    Meine Meinung

    Colometa lernt auf der Placa del Diamant ihren zukünftigen Ehemann kennen. Woher sie weiß, dass sie heiraten werden? Weil Quimet bestimmt, dass sie seine Frau wird. Das akzeptiert sie genauso, wie sie es hinnimmt, dass er sie Colometa nennt, obwohl sie sich ihm mit ihren richtigen Namen – Natàlia – vorgestellt hat. Das ist bezeichnend für ihren Charakter und so verläuft auch ihre Ehe …
    Traditionell nicht anders gewöhnt, fügt sich Colometa in ein Leben, das der Mann mit großer Selbstgefälligkeit bestimmt. Sie nimmt ihre eigene Person völlig zurück, erträgt die Ungerechtigkeiten ihres Mannes, seine Wutausbrüche, seine Unzuverlässigkeit und auch seine Taubenzucht, die er kurzerhand vom Dachboden in ihre eigene Wohnung verlegt und das Leben für seine Frau damit unerträglich macht. Doch dann kommt der Bürgerkrieg und Quimet schließt sich der Miliz an. Er kommt nicht zurück und von heute auf morgen, ist Colometa auf sich selbst gestellt. Sie muss sich und ihre Kinder trotz großer Entbehrungen durch den Krieg bringen … und vor allem muss endlich zu sich selbst finden!

    In „Auf der Placa del Diamant“ wird das Leben unserer Protagonistin in aller Eindringlichkeit erzählt. Dabei ist der Erzählstil alles andere als emotional: Zu Beginn wirkte er auf mich holzig und ohne Rhythmus. Ich brauchte doch einige Zeit um mich daran zu gewöhnen. Die Geschichte wird in kurzen, groben Sätzen erzählt, so als würde man selbst seine Erinnerungen aufschreiben und dabei fallen einem zwischendurch doch noch Dinge ein, die man hinzufügen möchte. Dennoch ist das Buch flüssig lesbar und fesselnd, mit einer schlichten, aber schönen Sprache verfasst.

    Oft hat man das Gefühl, die Geschehnisse betreffen Colometa gar nicht, so sehr nimmt sie sich aus ihrer Person heraus. Aber gerade das bewirkt beim Lesen diese Eindringlichkeit. Das Weglassen von Gefühlsregungen erzeugt hier große Emotionen. Man leidet mit ihr und möchte sie soft einfach nur schütteln!

    Colometa berichtet von ihren Erlebnissen vor und während der Revolution, die sie in den 1930ern in Barcelona erlebt. Dadurch erfährt man nur sehr wenig über die Geschehnisse außerhalb ihrer kleinen Welt. Ab und zu werden ihr Einzelheiten durch die Berichte Anderer nähergebracht, doch das sind nur kurze Randgeschehnisse, die sich auf ihr Leben nur wenig auswirken.

    Die Mühen, die Colometa auf sich nimmt, um ihre Kinder zu ernähren, lassen das Buch für mich lebensnah wirken und man fühlt mit ihr. Das Leben ist entbehrungsreich und hart, hat aber auch seine schönen Seiten, die Mercè Rodoreda fast schon nebensächlich einfließen lässt.

    Es ist genau diese Einfachheit, die besticht und die Stimmung der Zeit so dicht und spürbar macht! Ein sehr beeindruckendes Buch!

  • „Die Würde ist antastbar“ | Ferdinand von Schirach

    Autor:  Ferdinand von Schirach
    Verlag:  btb Verlag
    Genre:  Essay | Kurzroman
    Seitenzahl:  135
    ISBN:  978-3-442-71500-8

    „Die Würde des Menschen ist unantastbar, sagt das Grundgesetz. Aber das ist falsch. Denn sie wird jeden Tag angetastet“

    Ferdinand von Schirach beschäftigt sich mit den brisanten Themen unserer Zeit und gibt dabei Einblick in seine ganz persönlichen Gedanken, wie das Schreiben oder das Rauchen.

    Rezensionsexemplar – Vielen Dank an den Verlag!

    Meine Meinung

    „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt“   Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland

    In „Die Würde ist antastbar“ hinterfragt Ferdinand von Schirach den ersten Satz des Grundgesetzes. Nein, er seziert ihn geradezu und macht den Hintergrund dieses offiziellen Gedankengutes für uns greifbar. Er gibt anschauliche Situationen aus unserem Alltag wieder um die Gesetzeslage und auch deren Hintertürchen verständlicher und logischer aufzubereiten.

    Wie nicht anders von Ferdinand von Schirach zu erwarten, hat mich auch dieses Buch wieder schwer zum Nachdenken gebracht. Auch wenn es nur 135 Seiten hat, ist es definitiv kein seichtes Betthupferl, das man schnell weglesen kann. Der Autor hebt zwar selbst nie den moralischen Zeigefinger, er findet aber sehr klare und einschlagende Worte um uns seine Überlegungen näher zu bringen. Und ich möchte ihm meine tiefste Anerkennung dafür aussprechen, dass man die Realität, die er hier zeichnet, völlig problemlos nachvollziehen konnte.

    Auch wenn das Buch erst 2017 erschienen ist, bezieht sich der Inhalt auf das Jahr 2010. Dadurch sind manche Geschichten aus heutiger Sicht etwas überholt. So beschreibt von Schirach beispielsweise, wie er sich das allererste iPad gekauft hat und dass diese Technologie auf jeden Fall die Zukunft des Lesens sei. Wenn auch zeitlich veraltet, sind diese Vorhersagen dennoch präzise und wahrheitsgetreu, genau wie die Anekdoten über vergangene Zeiten.

    Auch die persönlichen Schilderungen über seinen Großvater haben mich sehr bewegt. Baldur von Schirach war ein Nationalsozialist, der ab 1931 Reichsjugendführer der NSDAP und ab 1941 Reichsstatthalter in Wien war, wo er für die Deportation der Wiener Juden verantwortlich war.
    Diese Erzählung vermittelt dem Leser ein sehr breites Bild des Autoren.

    Es ist auch immer wieder bewundernswert, dass Ferdinand von Schirach in Zeiten allgegenwärtiger Auftragspublikationen, diesen Weg nicht beschreitet!

    „Die Würde ist antastbar“ ist ein Buch für Leute, die, wenn auch sehr pathetisch ausgedrückt, sich noch Gedanken über den tieferen Sinn des Lebens machen wollen und wo sicher einige noch ihre eigene Meinung finden werden.

  • „Für immer die Deine“ | Jana Voosen

    Rezensionsexemplar
    Vielen Dank an den Verlag!

    Autor:  Jana Voosen
    Verlag:  Heyne
    Genre:  Historischer Roman
    Seitenzahl:  348
    ISBN:  978-3-453-42311-4

    Altes Land, 1939: Es ist ein Skandal, der das Dorf Jork wochenland in Atem hält. Die erst 17-jährige Tochter des wohlhabenden Obstbauern Landahl erwartet ein Kind vom Sohn des Pfarrers. Das junge Paar ist glücklich, doch als der Zweite Weltkrieg ausbricht, muss Fritz an die Front, und Klara schlägt sich mit ihrem Sohn alleine in einer keinen Wohnung in Hamburg durch. Als sie entdeckt, dass der alte Mann in der Dachgeschosswohnung über ist nicht der ist, für den er sich ausgibt, trifft Klara eine folgenschwere Entscheidung.

    Hamburg, 2019: Die frisch getrennte Journalistin Marie stößt bei ihren Recherchen zu einem Artikel auf die Lebens- und Liebesgeschichte von Klara und Fritz Hansen. Sie ahnt nicht, dass die Begegnung mit den beiden ihr eigenes Leben maßgeblich beeinflussen wird.

    Meine Meinung

    Schon als Kinder waren Klara und Fritz unzertrennlich. Zusammen machten sie die heimischen Höfe unsicher, spielten „Vater-Mutter-Kind“ und Fritz versprach seiner Klara schon damals „Wenn ich groß bin heirate ich nur dich“. Aus diesem Versprechen wurde die ganz große Liebe! Doch der Beginn des Zweiten Weltkrieges setzt dem jungen Glück ein jähes Ende: Fritz muss an die Front!
    Klara bleibt alleine mit ihrem gemeinsamen Sohn Paul in Hamburg zurück und macht das Beste aus ihrer Situation. Sie freundet sich mit dem älteren Herrn aus der Wohnung über ihr an, doch muss sie schon bald feststellen, dass er nicht der ist, für den er sich ausgibt. Klara trifft eine folgenschwere Entscheidung die ihr Leben in den Grundfesten erschüttern wird!

    „Für immer die Deine“ ist ein wunderbarer zeitgeschichtlicher Roman, über die Liebe und deren Tücken. Die Handlung ist so gefühlvoll und herzschmeichelnd erzählt, dass sich mir viele Szenen ins Herz gebrannt haben!

    Die Geschichte wird dem Leser in Rückblenden aus Klaras Sicht während eines Interviews wiedergegeben. Wir begleiten Sie und ihren Mann durch alle Stationen ihres Lebens, erleben mit wie sich aus der Kinderfreundschaft zuerst Verliebtheit und danach die große Liebe entwickelt und am Ende beide für ihre Gefühle und ihre Zukunft kämpfen müssen.
    Vor der Kulisse des Zweiten Weltkrieges, der ja ohnehin schon viele Entbehrungen mit sich bringt, spinnt Jana Voosen eine sehr interessante und aufwühlende Geschichte. Dabei verlor Klara zwar bei mir einiges an Sympathie, die Autorin findet aber einen sehr guten Weg aus der Dramatik und konnte auch mich am Ende wieder mit unserer Protagonistin versöhnen.

    Fritz wird in Polen schwer verwundet und auch die Szenen im Lazarett konnte mir die Autorin sehr glaubwürdig näher bringen, was für einen Liebesroman in meinen Augen nicht alltäglich ist. Der Marsch der jüdischen Bewohner ins Ghetto, ein Schuss im Wald! Schmerzhaft realistisch dargestellt!

    Das natürlich auch die Journalistin Marie ihr ganz eigenes Päckchen zu tragen hat, muss ich vermutlich nicht dazusagen. Ihre Geschichte ist zwar nicht direkt mit der von Fritz und Klara verstrickt, Marie steht aber vor vielen Entscheidungen und versucht aus Klaras Erzählungen für sich selbst eigene Antworten abzuleiten. So intensiv die Lebensgeschichte im Zweiten Weltkrieg dargestellt wurde, so oberflächlich und in meinen Augen auch falsch fand ich die Geschichte um Marie! Das Interview ist natürlich der Leitfaden durch das Buch, aber ich hätte mir mehr davon erwartet.

    „Für immer die Deine“ zeigt eine Liebe, die trotz aller schicksalhafter Wendungen niemals aufgehört hat zu bestehen und die uns vielleicht auch ein bisschen als Vorbild dienen sollte!

  • „Die Krone der Elemente“ | Matthias Oden

    Rezensionsexemplar
    Vielen Dank an den Verlag!

    Autor:  Matthias Oden
    Verlag:  Heyne Verlag
    Genre:  Fantasy
    Die Krone der Elemente, Band 1
    Seitenzahl:  731
    ISBN:  978-3-453-31956-1

    Viele Jahrhunderte wuchs das Heilige Reich Salischer Völker, bis es beinahe ganz Elyrdan umschloss. Nun ist der Vormarsch seiner Armeen zum Erliegen gekommen. Sein Herrscher, der alte Kaiser ist gebrechlich, die Fürsten streiten sich um ihre Pfründe, und die Seher kehren immer öfter ohne Antworten von den Traumfeldern zurück. Doch die eigentliche Gefahr ahnt noch niemand. Denn unbemerkt hat die ehrgeizige Oberbefehlshaberin des Nachbarlandes Chimrien ein Artefakt erlangt, das ihr unbegrenzte Macht zu verheißen scheint – eine seltsam schimmernde Krone.

    Meine Meinung

    Der amtierende Kaiser des Salenreiches ist alt und wurde bereits seit Wochen nicht mehr unter seinen Gefolgsleuten gesehen. Natürlich verbreitet sich da das Gerücht, er läge im Sterben, wie ein Lauffeuer unter den Landesfürsten, die in Zeiten von Krieg und Armut nach mehr Einfluss am Hof streben. Doch am Ende ist es eine junge Heeresführerin, die den Grenzkonflikt im Westen zwischen dem Kaiserreich und dem benachbartem Herzogtum anfeuert. Niemand ahnt, dass sie im Besitz der sagenumwobenen „Krone der Elemente“ gelangt ist, mit deren magischen Kräften sie Natur und Menschen gleichermaßen zu unterwerfen vermag! Schon bald setzt sie die Macht der Krone rücksichtslos ein und ein unerbittlicher Krieg entbrennt. Ein Krieg, der das Schicksal aller Menschen und das Antlitz der Welt für immer verändern wird …

    „Die Krone der Elemente“ war mein erstes Buch aus der Hand von Matthias Oden. Der Autor hat sich bereits mit seinem Erstlingswerk „Junktown“ in Deutschland einen Namen gemacht und auch sein zweites Buch hat mir sehr gut gefallen.

    Die Handlung springt zwischen den benachbarten Reichen hin und hier. Dabei begleiten wir viele unterschiedliche Protagonisten, deren Handeln für mich zu Beginn keinen Zusammenhang erahnen ließ. So haben wir unter Anderem einen Fürsten, der im Wald eine ungeheuliche Entdeckung macht. Einen Kaufmann, der eine enorme Waffenlieferung abfertigen soll. Eine Soldatin, die einen Geächteten jagt. Aber auch einen junger Seher, der versucht, aus Träumen einen Sinn zu ziehen. Jeder einzelne dieser Charaktere hat vom Autor seine eigene Persönlichkeit bekommen, die Schwung und Leben in die Geschichte gebracht und wirklich gut miteinander harmoniert haben. Alles in Allem für mich der wichtigste Kern der Geschichte..

    Man merkt auch deutlich, dass sich Matthias Oden mit Politik und Ethnologie auskennt, denn die Welt, die er erschaffen hat, ist so komplex und kulturreich, dass ich voll und ganz damit einverstanden bin, eine über 700 Seiten lange Einführung in diese Welt bekommen zu haben.
    Auch die Karten im Buch, waren für mich sehr wichtig, um mich jederzeit zu orientieren.

    Die Erzählstränge sind wunderbar flüssig und in einer sehr angenehmen Sprache verfasst, die dem Leser den mittelalterlichen Charakter der Geschichte sehr gut näher bringt. Wir befinden uns so gut wie durchgehend auf Schlachtfeldern und trotzdem wurde die Geschichte nicht eintönig und schwerfällig.

    Matthias Oden setzt Frauen und Männer absolut gleich, das ist mir bereits in den ersten Kapiteln aufgefallen. Wir finden beide Geschlechter in Herrscherrollen, aber auch als aktive Fußsoldaten wieder, ohne dass je darauf angespielt wird, dass das jemals anders war.

    Auch Spiritualität, Religion und Magie nehmen in diesem Buch eine sehr fein gezeichnete Rolle ein. Nebensächlich, aber immer wieder in guten Dosen eingestreut. Die Geschichte blieb, für einen Roman aus dem „Fantasy“-Genre, wirklich stark am Boden.

    Ich werde die Reihe auf jeden Fall weiter verfolgen und bin sehr froh, dass ich „Die Krone der Elemente“ gelesen habe!

  • „Nacht über Tanger“ | Christine Mangan

    Rezensionsexemplar
    Vielen Dank an den Verlag!

    Titel im Original:  „Tangerine“
    Autor:  Christine Mangan
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Irene Eisenhut
    Verlag:  Blessing Verlag
    Genre:  Roman
    Seitenzahl:  367
    ISBN:  978-3-89667-603-0

    Alice und Lucy haben sich ein Jahr nicht gesehen, als sie sich Mitte der Fünfzigerjahre in Marokko wiedertreffen. Diese Begegnung weckt Erinnerungen an einen tiefen Verlust und fördert längst verdrängte Gefühle zu Tage, die sich in der drückenden, engen und politisch aufgeladenen Atmosphäre Tangers in eine gefährliche Obsession verwandeln …

    Meine Meinung

    Nach dem frühen Tod der Eltern wächst die junge Alice Shipley sehr behütet im Hause ihrer Tante Maude auf. Als sie Jahre später zum Studium nach Bennington zieht, ist sie froh, gleich am ersten Tag die lebenslustige Lucy kennen zu lernen. Beide teilen sich ein Zimmer und werden beste Freundinnen. Doch die Zeit dort endet für Alice abrupt und mit einer großen Katastrophe!
    Im Jahre 1956 zieht Alice mit ihrem frisch angetrauten Ehemann John nach Tanger. Obwohl er nicht der Mann ihrer Träume ist, hofft sie dennoch, an seiner Seite die schrecklichen Bilder hinter sich zu lassen. Doch als eines Tages völlig überraschend ihre ehemalige Zimmergenossin vor ihrer Tür steht, wird ihr klar, dass sie vor ihrer Vergangenheit nicht weglaufen kann. Schon gar nicht, als kurze Zeit später ihr Ehemann spurlos verschwindet …

    Mit „Nacht über Tanger“ bringt uns Christine Mangan einen tollen atmosphärischen Roman, der uns tief ins Marokko der 50er Jahre zieht. Die Ereignisse werden abwechselnd aus Alices und Lucys Sicht erzählt. Dabei erinnern sich die beiden Frauen in Rückblenden auch an ihre gemeinsame Zeit auf dem College. Auf diese Weise entsteht ein immer detaillierteres Bild ihrer Persönlichkeiten, die sich doch grundlegend voneinander unterscheiden.
    Man bekommt auch sehr schnell ein Bild davon, wie es damals zu dem mysteriösen Unfall kam, der Alice Leben so einschneidend verändern sollte!

    Christine Mangan hat einen sehr bildlichen und detaillierten Erzählstil, der mich sofort fesseln konnte. Dennoch ist die Geschichte eher ruhig erzählt und verströmt den zeitgeschichtlichen Flair Marokkos. „Nacht über Tanger“ steht und fällt mit seinen Protagonisten. Die Autorin zeichnet sehr vielschichtige Charaktere, mit Ecken und Kanten, die mir persönlich zwar nicht immer sympathisch waren, mich aber dennoch von sich überzeugen konnten. Die Geschichte wird auch durch die interessanten Wendungen unterstützt.

    Das Hauptaugenmerk liegt ganz klar auf Lucys obsessiver Liebe gegenüber Alice. Einer Liebe, die schon in der Realität nur in den seltensten Fällen auf Gegenseitigkeit beruht und daher auch in diesem Fall unweigerlich zum Scheitern verurteilt ist. Die daraus resultierende Eifersucht ist nicht nur gefährlich, auch deren Erscheinungsformen und Auswirkungen werden in diesem Buch sehr gut thematisiert. Es ist der Autorin gelungen, die Problematik psychologisch tiefgründig und vielschichtig zu veranschaulichen.

    Auch die exotische Atmosphäre Tangers mit dem Labyrinth aus engen Gassen, den pulsierenden, farbenfrohen und geruchsintensiven Souks, den Pfefferminztees, den kleinen urigen Cafés und der brütenden Hitze wurden wunderbar für den Leser eingefangen.

    „Nacht über Tanger“ ist eine psychologische Charakterstudie, an der auch Alfred Hitchcock und Daphne du Maurier ihre Freude gehabt hätten!

  • „Der Wintersoldat“ | Daniel Mason

    Rezensionsexemplar
    Vielen Dank an den Verlag!

    Titel im Original:  „The Winter Soldier“
    Autor:  Daniel Mason
    Aus dem Englischen übersetzt von Sky Nonhoff und Judith Schwaab
    Verlag:  C. H. Beck Verlag
    Genre:  Historischer Roman
    Seitenzahl:  428
    ISBN:  978-3-406-73961-3

    Der hochbegabte Wiener Medizinstudent Lucius meldet sich beim Ausbruch des Ersten Weltkrieges freiwillig und landet im eisigen Winter 1914 in einem Behelfslazarett in den Karpaten, wo ihm die junge Nonne Margarete erst alles beibringen muss. Als ein schwer traumatisierter, aber äußerlich unverletzter Soldat eingeliefert wird, begeht Lucius einen gravierenden Fehler.

    Meine Meinung

    Entgegen dem Willen seiner Eltern schreibt sich der junge Lucius an der Universität in Wien ein. Sein Herz gehört schon lange der Medizin, doch obwohl er das Studium interessant findet, möchte er auch so schnell wie möglich mit richtigen Patienten arbeiten. Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbricht wittert er seine Chance und meldet sich als Sanitätsoffizier. In seiner Vorstellung kommt er in ein gut ausgestattetes Lazarett, wo er unter ärztlicher Anleitung Verwundete betreut. Doch die Realität sieht gravierend anders aus …
    Nach einer langen und beschwerlichen Reise kommt er in den bitterkalten Karpaten an und soll in einer umfunktionierten Kirche seinen Dienst tun. Margarete, eine Nonne und Krankenschwester, die seit der Flucht des letzten Arztes die Patienten allein betreut hat, merkt schnell, dass Lucius bisher noch nie ein Skalpell in der Hand gehalten hat …

    Auch wenn die Geschichte anfänglich an die Reise des jungen Mediziners Robert Cole aus „Der Medicus“ erinnert, unterscheiden sich die Geschichten doch grundlegend voneinander.
    „Der Wintersoldat“ ist mir erst vor kurzen über den Weg gelaufen und konnte sofort mein Interesse wecken. Und das mit Recht: Daniel Mason hat einen wunderbar bildlichen und klaren Schreibstil, der nicht nur ganze Kriegslager in meinem Kopf entstehen ließ, sondern auch durch seine sachlichen und ausdrucksstarken Beschreibungen und Dialoge das Grauen des Ersten Weltkrieges transportieren konnte.

    Natürlich ist ein Kriegslazarett kein angenehmer Ort, der Autor vermittelt uns die Geschehnisse aber so realistisch und zermürbend, das ich sehr oft das Buch aus der Hand legen und tief durchatmen musste. Anstatt zu heilen geht es in der österreichischen Armee hauptsächlich darum, die Soldaten so gut wie möglich „zusammen zu flicken“ um ihre Leistung für den nächsten Fronteinsatz wieder herzustellen. Noch verstörender waren für mich aber die Patienten, die keine erkennbaren Wunden hatten, sondern an Kriegsneurosen litten: Männer, die im Kampf um ihr Leben unvorstellbare Grauen miterlebten und auf einmal nicht mehr sprechen, nicht mehr gehen oder zu keiner klaren Regungen mehr im Stande waren. Bei einem dieser Patienten geschieht Lucius auch ein folgenschwerer Fehler, der ihn noch jahrelang verfolgen soll …

    Daniel Masons Charaktere sind detailreich und abgerundet. Besonders Margarete hat es mir neben unserem Hauptprotagonisten angetan. Die beiden ergänzen sich perfekt und erst ihr menschliches Engagement lässt Lucius zu dem Mann werden, der er am Ende ist.

    „Der Wintersoldat“ hat mich absolut sprachlos zurückgelassen. Ein hervorragender, medizinisch und geschichtlich sehr gut recherchierter Roman, der mich Rundum überzeugen konnte! Detailreich und erschreckend! Und eine Liebesgeschichte gibt es gratis noch dazu …

  • „Kaffee und Zigaretten“ | Ferdinand von Schirach

    Rezensionsexemplar
    Vielen Dank an den Verlag!

    Autor:  Ferdinand von Schirach
    Verlag:  Luchterhand Verlag
    Genre:  Roman
    Seitenzahl:  187
    ISBN:  978-3-630-87610-8

    „Damals gab es keine Zeit, so wie es in der Erinnerung keine Zeit gibt. Es war nur der Sommer, in dem wir unten am Fluss waren, Forellen fingen, und ich dachte, dass sich nie etwas ändern würde.“

    Ferdinand von Schirachs neues Buch verwebt autobiographische Erzählungen, Apercus, Notizen und Beobachtungen zu einem erzählerischen Ganzen, in dem sich Privates und Allgemeines berühren, verzahnen und wechselseitig spiegeln. Es geht um prägende Erlebnisse und Begegnungen des Erzählers, um flüchtige Momente des Glücks, um Einsamkeit und Melancholie, um Entwurzelung und die Sehnsucht nach Heimat …

    Meine Meinung

    „Kaffee und Zigaretten“ ist das neueste Werk aus der Feder von Ferdinand von Schirach.
    Meine heutige Rezension stellt mich allerdings vor eine wirkliche Herausforderung. Auch wenn das Buch im gewohnt ausdrucksstarken und sachlichen Ton des Autors verfasst wurde, ist es gar nicht leicht zu beschreiben.

    Anders als seine bisherigen Bücher ist dieses in 48 Abschnitte eingeteilt, in denen Ferdinand von Schirach von seinem Leben erzählt. Er beginnt bei seiner Kindheit, welche ja kurz vor Erscheinen des Buches für Schlagzeilen sorgte, und erzählt über Depressionen und die Melancholie im Leben.
    Er bespricht Schlagzeilen aus der Presse und politische Vorgänge der letzten Jahrzehnte. Dies sind oft Geschichten aus der Realität von Grausamkeiten, aber auch von scheinbar bedeutungslosen Dingen, die für ihn aber doch von Wert sind. Viele Ereignisse kommentiert er daher mit einem passenden Gedicht oder Zitat. Zudem berichtet er immer wieder, wie Literatur und Filme ganze Leben beeinflussen und welche Wahrheiten dahinter stecken.  Das alles verbindet er zu einer Autobiografischen Erzählung!

    Ich muss aber auch dazu sagen, dass Ferdinand von Schirach in diesem Buch schon sehr viel Lebenserfahrung bei seinen Lesern voraussetzt. Dann wird man auch einige Hintergründe besser verstehen und zwischen den Zeilen erlesen und assoziieren können. Der Autor möchte ohne langatmige Passagen auskommen. Er fokussiert und sucht nach dem Wesentlichen!

    Alles in Allem ist das Buch wunderbar zu lesen. Trotz der teilweise sehr schweren Themen, schreibt er als neutraler Beobachter und urteilt nicht! Die Sprache fließt dahin, völlig unaufgeregt und man spürt den Abstand des Autors zum Geschehen, auch wenn er über Teile aus seinem eigenen Leben schreibt. Gleichzeitig scheint er dem so nahe und berührt zu sein, obwohl er oft körperlich einfach nur daneben zu stehen scheint.

    Schockierend, dann wieder wunderschön poetisch, aber auch dramatisch und traurig.
    Und immer schwingt im Tiefen die Hoffnung mit …

    „Kaffee und Zigaretten“ ist ein wunderbares Buch, aber jetzt brauch auch ich erstmal einen Kaffee …

  • „Vom Himmel zum Meer“ | Lisa Marcks

    Rezensionsexemplar
    Vielen Dank an den Verlag!

    Autor:  Lisa Marcks
    Verlag:  Goldmann Verlag
    Genre:  Historischer Roman
    Seitenzahl:  412
    ISBN:  978-3-442-48829-2

    Hamburg 1892:  Als die Cholera ausbricht, müssen die Pfarrerswitwe Tilly Bevenkamp und ihre Gesellschafterin, die junge Agnes, in eine Kate an der Ostseeküste fliehen. Agnes verdient fortan einen bescheidenen Unterhalt, indem sie selbstgebackene Köstlichkeiten an die reichen Strandgäste verkauft. Dann entdeckt sie ein leerstehendes Herrenhaus mit einer große Küche. Hier würde Agnes gerne die süßen Sachen zubereiten. Das was wird der Besitzer, der gutaussehende Benjamin von Reiker, dazu sagen?

    Meine Meinung

    Die junge Agnes Martin verlässt an ihrem 21. Geburtstag das heimelige Waisenhaus im Elsass, in dem sie glücklich und behütet aufwachsen durfte, um ihre Stellung als Gesellschafterin für die Witwe Bevenkamp in Hamburg anzutreten. Doch als sie die Stadt erreicht, ist ihr erstes Zusammentreffen mit „Tilly“ erst einmal wenig erfolgversprechend, denn diese hat sie gar nicht erwartet und geht weiter ihrer Arbeit im örtlichen Waisenhaus nach. Agnes allerdings lässt sich dadurch nicht einschüchtern. Sie zieht im Bevenkamp`schen Haushalt ein und versucht mit ihren begrenzten Mitteln einen normalen Tagesablauf zu organisieren.

    Als wenige Monate später in Hamburg die Cholera ausbricht, verlässt Agnes in einer Nacht und Nebelaktion mit einigen Waisenkindern und natürlich auch Tilly im Schlepptau die Stadt Richtung Ostsee. Dort ist sie in ihrem Element:  Sie verköstigt mit Hilfe der Dorfbewohner nicht nur die Kinder, sondern backt auch noch für die Strandurlauber, die ihren Köstlichkeiten nicht wiederstehen können und sie ihr gegen gute Bezahlung aus der Hand reißen …

    Lisa Marcks bringt uns mit „Vom Himmel zum Meer“ einen unterhaltsamen und gefühlvollen Roman vor historischer Kulisse. Der Schreibstil ist flüssig, bildgewaltig, was mir die Geschichte sehr schnell näher brachte. Die Beschreibungen sind farbenfroh und ließen auch mich von einem verwunschenen alten Gutshaus mit wildem Garten und Spaziergängen am Strand träumen.
    Die Autorin hat den historischen Hintergrund gut mit ihrer Handlung verwebt und zeigt die gesellschaftlichen Standesunterschiede sehr gut auf. Natürlich wird hierbei auch die damalige Rolle der Frau thematisiert. Das Baden der nackten Füße in der Ostsee stellte für so manche Dame eine Herausforderung dar …

    Die Charaktere in diesem Buch sind ein buntes Sammelsurium an schrulligen und teils skurrilen Typen. Agnes ist eine eigensinnige Frau mit einem Riesenherz, die die Arme aufkrempelt und sich für nichts zu schade ist. Tilly Bevenkamp ist zwar auf ihrer Seite, stellt im Laufe der Geschichte aber doch Agnes Gegenpart dar. Sie ist eine durchweg traumatisierte Frau, die ihre Unsicherheiten nach außen hin, durch ihre herrische und spröde Art zu vertuschen versucht. Und dann gibt es da noch Fräulein Frieda und die anderen
    Dorfbewohner …

    „Vom Himmel zum Meer“ ist ein Roman, der vielleicht nicht in die Tiefe der angeschnittenen Themen geht, aber auf jeden Fall tief ins Herz des Lesers. Eine kurzweilige Lektüre, die mir ein paar sehr unterhaltsame Stunden bescheren konnte!