• „Alte Sorten“ | Ewald Arenz

    Autor:  Ewald Arenz
    Verlag:  Dumont Verlag
    Genre:  Roman
    Seitenzahl:  255
    ISBN:  978-3-8321-8381-3

    In einem Weinberg begegnen sich Sally und Liss. Sally, jung und wütend, ist auf der Flucht vor allem und jedem. Liss, ebenfalls eine Einzelgängerin, bewirtschaftet allein einen Hof. Von Anfang an spüren sie eine seltsame Verbundenheit. Bei der gemeinsamen Arbeit auf den herbstlichen Feldern, im Birnengarten und beim Versorgen der Bienen beginnen sie zaghaft, über das zu sprechen, was sie von anderen Menschen trennt. Als Sally ungewollt eine existenzielle Krise auslöst, entdecken sie die stille Kraft der Freundschaft.

    Meine Meinung

    Sally ist aus einer Klinik weggelaufen und findet sich orientierungslos zwischen Weinbergen wieder. Dort kämpft gerade Liss mit ihren Anhänger, dessen Reifen sich in einer schlammigen Spur verkeilt hat. Spontan bietet sie Sally an, bei ihr auf dem Hof zu wohnen. Das diese ein Problem mit Erwachsenen und mit dem Essen hat wird schnell klar. Bei Liss stellt das Mädchen verwundert fest, dass der Druck, vom Anspruch anderer gefesselt und gegen Sallys Willen festgehalten zu werden, in Liss Haus nicht spürbar ist. Der Hof, auf dem Wein, Obst und Kartoffeln angebaut werden, ist ein guter Ort für sie, um zur Ruhe zu kommen und sich selbst, aber auch die Realität neu zu Sortieren.
    Liss wartet geduldig ab, wie es eine Tante tun würde, der man eine schwierige Nichte anvertraut. Vielleicht ist die „Nichte“ bei Tante Liss ja gar nicht sooo schwierig …

    Natürlich prallen beide Frauen aufeinander! Erst wuchtig, dann leiser und schließlich hoch emotional.
    Jede hat ihr Päckchen zu tragen und kämpft mit noch nicht verheilten Wunden. Beide ringen mit dem Leben und helfen sich dabei in der Flut der Geschehnisse und den Eindrücken der Vergangenheit nicht unterzugehen. Vielleicht verstehen sie sich deshalb so gut! Sally will einfach nur gesehen und gehört werden, Liss hingegen braucht jemanden, der ihre selbstgewählte Einsamkeit etwas leichter macht.

    Ich habe mit unseren beiden Protagonistinnen gelacht und geweint, aber auch mit Liss gelitten und mit Sally gewüted! Ewald Arenz verleiht den Frauen dabei Stimmen, die ich einem Mann so eigentlich nicht zutrauen würde. Dabei wechselt seine Sprache zwischen leise, vornehm und ruhig, bis zu vulgär und hart. Ich habe den Text wirklich genossen und mich mit den beiden Frauen so wohl gefühlt!

    In „Alte Sorten“ geht es aber nicht nur um deren Geschichte, sondern auch um die Liebe zur Landwirtschaft, dem Weinanbau, dem Imkern und keltern und dem Schnapsbrennen. Aus jedem Wort spricht eine tiefe Liebe zum Leben und gleichzeitig ein großes Unverständnis für die Widrigkeiten, die es mit sich bringt.

    Ewald Arenz ist Lehrer an einem Gymnasium, mit diesem Wissen, wirkt das Buch und die Eindrücke, die Sally und ihre Geschichte ausmachen noch mal intensiver nach. Ich habe mich dabei an meine eigene Jugend erinnert, manche Problematik, die Sally mit sich herumträgt, habe auch ich überwinden müssen. Wenn ich nach seinen Worten gehe, hätte ich mir damals auch einen Lehrer, wie ihn gewünscht. Man erahnt, wie sehr er mit den Systemen unserer Gesellschaft hadert und welche Dinge ihn, im Bezug auf die Prägung unserer Kinder und im besonderen der etwas sensibleren Charaktere, bewegen.

    Last, but not least: Auch das Buch an sich verdient Lob! Eigentlich lege ich ja keinen selten großen Wert auf das äußere Erscheinungsbild eines Buches. Auf die inneren Werte kommt es an, aber ein so schönes Buch, habe ich selten in Händen gehalten. Die Bindung und die Gestaltung sind einfach nur toll! Es liegt traumhaft in der Hand und was die bildliche Umsetzung angeht: „Alte Sorten“ ist eines der schönsten und feinsten Bücher in meinem Regal! Ich liebe es!

  • „Idaho“ | Emily Ruskovich

    Rezensionsexemplar
    Vielen Dank an den Verlag!

    Titel im Original:  „Idaho“
    Autor:  Emily Ruskovich
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Stephanie Jacobs
    Verlag:  Diana Verlag
    Genre:  Roman
    Seitenzahl:  413
    ISBN:  978-3-453-36043-3

    Ein flirrend heißer Sommertag in Idaho, USA: Eine Familie im Wald, die beiden Mädchen spielen, die Eltern holen Brennholz für den Winter. Die Luft steht, die Mutter hat ein Beil in der Hand – und innerhalb eines Augenblicks ist die Idylle zerstört. Eine Tochter ist tot, die zweite flieht in den Wald und verschwindet spurlos. Ist es Gnade, dass der Vater Jahre später langsam sein Gedächtnis verliert?
    Während Wade immer mehr vergisst, erkundet seine zweite Frau Ann tiefer und tiefer die Tragödie jenes heißen Augusttages und nimmt schließlich Kontakt mit Wades Exfrau im Gefängnis auf.

    Meine Meinung

    „Idaho“ von Emily Ruskovich thematisiert ein unfassbares Familiendrama zwischen 1973 und 2025 im idyllischen Idaho.
    Jenny und Wade sind bereits seit elf Jahren ein Paar, als sie beschließen in den gebirgigen Bundesstaat zu ziehen. Sie genießen die bewaldete, unberührte Natur und die absolute Stille auf dem Mount Iris. Dort kommt auch ihre erste Tochter June zur Welt und wenige Jahre später ihr Nesthäkchen May. An einem warmen Frühlingstag des Jahres 1995 passiert dann das Unfassbare:  Jenny hat plötzlich ein Beil in der Hand und nichts ist mehr, wie es war …

    Anders als vermutet, geht es in „Idaho“ aber nicht um die Straftat an sich oder dem Umgang der Angehörigen mit dem Verlust der Kinder. Die Tat bildet viel mehr den Rahmen für viele miteinander verknüpfte Beziehungen. Oft mutet das Erzählte auch sehr poetisch an, was nicht zuletzt an der malerischen Umgebung liegt.
    Eine genaue psychologische Aufarbeitung des Geschehenen bleibt jedoch aus. Anfangs natürlich etwas befremdlich! Ich muss aber ehrlich gestehen, dass diese Erzählweise genau richtig gewählt wurde.

    Die Hütte, in der Wade zuerst mit Jenny und später mit seiner zweiten Frau Ann lebt, liegt acht Meilen vom nächsten Ort entfernt. Am zweithöchsten Punkt des Mount Iris ohne befestigter Straßen oder gar Siedlungen. Eine Landschaft, die wirklich detailliert und mit wunderschönen Worten von Emily Ruskovich beschrieben wurde. Eine Umgebung, die Ruhe und Entspannung verspricht, die während des Lesens aber auch ihre radikale Einsamkeit vermittelt. Für mich war es diesmal ungewohnt schwer, sich diese Lebensbedingungen in der heutigen Zeit vorzustellen.

    Das Drama um seine Familie lässt Wade über Jahre nicht los, auch wenn er, durch eine vererbte Frühdemenz, immer mehr vergisst. Ann hilft ihm während seiner Krankheit wo sie nur kann und ist entschlossen, dem Unglück auf die Spur zu kommen.
    Obwohl die Zeitspanne mehr als fünfzig Jahre umfasst, wirkt die Geschichte in keinem Fall langatmig. Ganz im Gegenteil! Emily Ruskovich schreibt so einfühlsam und emphatisch, dass ihr ganz eigener Stil trotz wechselnder Perspektiven immer erkennbar bleibt. Die vielen Nebenschauplätze intensivieren den Spannungsbogen und lassen den Leser weitere Charaktere und deren Schicksale kennen lernen.

    Die Autorin vereint große Liebe und tiefe Schuld mit der unfassbaren Schönheit der Natur, die sie sprachlich so authentisch schildert, dass man sich direkt an die Orte des Geschehens versetzt fühlt.

    Ein wunderschön geschriebener Roman, der trotz einer grausamen Tat versöhnlich scheint!

  • „Der Wal und das Ende der Welt“ | John Ironmonger

    Titel im Original:  „Not Forgetting the Wale“
    Autor:  John Ironmonger
    Aus dem Englischen übersetzt von T. Schnettler & M. Poets
    Verlag:  Fischer Verlag
    Genre:  Roman
    Seitenzahl:  473
    ISBN:  978-3-10-397427-0

    Ein kleiner Ort in Cornwall und eine große Geschichte über die Menschlichkeit!
    St. Piran, ein idyllisches Fischerdorf an der englischen Küste, wo die Uhren noch langsam gehen. Ein Wal, dessen Auftauchen das Ende unserer Zivilisation bedeuten könnte. Und ein junger Mann, der weiß, wie alles in der Welt zusammenhängt.

    Meine Meinung

    Als ich mich mal wieder auf die Suche nach einer ganz besonderen Lektüre machte, fand ich bei einem meiner liebsten Booktuber »Toto liest« eine Empfehlung für John Ironmongers „Der Wal und das Ende der Welt“.

    Es ist fast unmöglich, dieses Buch irgendwie einzuordnen. Der Roman vermittelt uns, wie wichtig und absolut essentiell der Zusammenhalt und die Menschlichkeit untereinander in unserem Alltag sind. Wir finden hier eine große Heldengeschichte, eine gute Portion vom Sinn des Lebens und einen wunderschöner Neuanfang. Es geht um den Sinn bzw. Unsinn von Kriegen. Um Ressourcen und Katastrophen. Es geht aber auch um den Glauben und um die Menschen an sich!

    Angesiedelt in einem kleinen Fischerdorf in Cornwall wirft John Ironmonger große Fragen auf: Inwieweit lassen sich komplexe Systeme vorausberechnen? Insbesondere das Verhalten der Gesellschaft in einer extremen Krisensituation wie einer Pandemie? Welche Variable muss man mehr berücksichtigen: den Kampf aller gegen alle gemäß Hobbes oder den Underdog Altruismus?
    Und was hat das Ganze mit einem gestrandeten Wal zu tun?

    Held der Handlung ist Joe Haak, ein 30-jährige Short-Trader aus der Londoner City, der ein Computerprogramm entwickelt hat, das aufgrund vielschichtiger Berechnungen astronomische Gewinne verspricht. Eines Morgens wird Joe nackt am Strand des kleinen Küstenortes St. Piran aufgefunden. Die Dörfler nehmen ihn freundlich auf. Ein Geflecht zwischenmenschlicher Beziehungen entsteht, ähnlich interdependent und verwoben wie die Berechnungen seines einstigen Computerprogrammes.
    Und da wäre noch der wenig später angespülte Finnwal, ein Koloss und Leviathan! Joe organisiert eine spontane Rettungsaktion für den Riesen, doch welch tieferes Band verbindet die beiden wirklich?

    Trotz der Schwere des Themas ist „Der Wal und das Ende der Welt“ bildgewaltig und leichtfüßig geschrieben. Die Charaktere sind zwar schrullig, aber absolut liebenswert dargestellt und sind sie das nicht, dann fällt zumindest keiner unangenehm aus der Reihe. So unterschiedlich sie auch sind, wenn es darauf ankommt, wachsen sie zu einer Einheit zusammen.
    Was unseren Protagonisten Joe Haak angeht, sah ich ihn immer als jungen Hugh Grant vor meinem geistigen Auge. Etwas schnöselhaft, aber dennoch sympathisch. Wie sich bald herausstellen wird, ist er ein wahrer Segen für das Dorf. Und umgekehrt genauso, denn Joe ist auf der Flucht und findet in St. Piran seine neue Heimat und auch seine Bestimmung!

    Die Geschichte hat mich von Anfang an berührt, obwohl ich gar nicht genau wusste, auf was ich mich hier einlasse. Der Klappentext ist eher geheimnisvoll, sprach mich aber sofort an. Und ich muss ehrlich gestehen, dass mir bei einigen Szenarien selbst angst und bange wurde. Vor allem, wenn man sich mal überlegt, welche Folgen zum Beispiel ein Stromausfall binnen kurzer Zeit auslösen kann.

    So viele Wahrheiten, verpackt in einem wunderschön zu lesenden Roman.

  • „Der Fluss“ | Peter Heller

    Autor:  Peter Heller
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Matthias Strobel
    Verlag:
      Nagel & Kimche
    Genre:  Roman
    Seitenzahl:  266
    ISBN:  978-3-312-01134-6

    Wynn und Jack sind seit Studienbeginn beste Freunde. Mehrere Wochen in der kanadischen Wildnis zu verbringen, davon träumen sie schon lange. Mit Kanu und kleinem Gepäck brechen sie eines Tages auf: Das Abenteuer, das so vielversprechend beginnt, wird jedoch durch Wildwasser, Feuer und Gewalt zu einer gefährlichen Herausforderung …

    RezensionsexemplarVielen Dank an den Verlag!

    Meine Meinung

    Berge, Flüsse, Bücher und das Angeln! Vier Dinge, die Wynn und Jack miteinander verbinden!
    In „Der Fluss“ verfolgen wir die beiden erfahrene Outdoorsportler, die seit Studienbeginn miteinander befreundet sind, bei ihrem Trip auf dem Maskwa River, den sie bis hin zur Hudson Bay befahren wollen. Ein einsames Gebiet im Norden von Kanada, das von Flüssen und Seen durchzogen wird. In dem man tagelang unterwegs sein kann, ohne einer Menschenseele zu begegnen. Sie freuen sich auf ein paar ruhige Momente: fischen, den Sternenhimmel ansehen, Western lesen und die Seele baumeln lassen …
    Doch die Stille ist trügerisch. Schon bald bemerken sie, dass sich ein Waldbrand rasend schnell auf sie zubewegt!

    „Der Fluss“ von Peter Heller ist ein Abenteuerroman, der etwas leiseren Töne, der aber stimmungsvoll an Fahrt zunimmt. Dabei legt der Autor großen Wert auf ausschweifende und bildgewaltige Naturbeschreibungen, die selbst bei Geräuschen und Gerüchen nicht haltmachen und wunderbare authentische Bilder an den Leser transportieren. Ruhe und Ausgeglichenheit machen sich breit, bis zu dem Punkt, an dem unsere Protagonisten die Feuersbrunst und die Gefahr um sich herum wahrnehmen. Ab diesem Zeitpunkt greift die Spannung zu und bahnt sich ihren Weg …

    Peter Heller hat einen sehr angenehmen Schreibstil, der zwar auf den ersten Blick etwas unaufgeregt wirkt, den Leser aber doch mitnimmt und gekonnt den Spannungsbogen aufbaut. Dieser wächst durch die dramatischen Entwicklungen der Kanufahrt nach und nach heran.
    Der Autor hat bereits im Zuge seiner Tätigkeit als Journalist mehrmals über die Aktivitäten radikaler Meeresschutzorganisationen geschrieben, was ihm auch in diesem Roman sicher sehr zu Gute kam. Die gut recherchierten Beschreibungen verleihen der Geschichte ihren ganz besonderen Flair!

    Aber auch Wynn und Jack machen dieses Buch zu einem runden Erlebnis. Zwei Freunde, wie sich unterschiedlicher nicht sein könnten:  Jack, der Aktive und der Macher. Wynn, der offene Typ, der nie etwas Böses vermutet. Und doch müssen sie aufeinander und auf ihre eigenen Instinkte vertrauen.

    Zudem bekommt die Geschichte in so manchen Szenen aber auch leicht archaische Züge. Das Buch kommt mit nur sehr wenigen Protagonisten aus, dennoch fehlt es gefühlt an nichts. Der Mensch und die Natur begegnen sich und plötzlich wird es dramatisch. Punkt!
    Das muss man als Leser einfach mögen, sonst wird man mit diesem Roman vermutlich nicht
    glücklich werden …

  • „Das Licht ist hier viel heller“ | Mareike Fallwickl

    Autor:  Mareike Fallwickl
    Verlag:  Frankfurter Verlagsanstalt
    Genre:  Roman
    Seitenzahl:  380
    ISBN:  978-3-627-00264-0

    Zart und brutal, verstörend und aufwühlend sind die Briefe einer Unbekannte, die Maximilian Wenger seit Kurzem erhält. Mit Mitte fünfzig hat er alles verloren: seinen schriftstellerischen Erfolg an die nachrückende Generation, seine Frau an einen Jüngeren. Wengers achtzehnjährige Tochter Zoey kämpft derweil an ganz anderen Fronten. Auch sie liest heimlich in den Briefen, die Vater und Tochter schließlich zum Handeln drängen – allerdings auf völlig unterschiedliche Weise.

    Meine Meinung

    Mareike Fallwickl konnte mich schon mit ihrem Debütroman begeistern und auch „Das Licht ist hier viel heller“ hat mich von der ersten Seite an gefesselt.

    Maximilian Wenger, ein in die Jahre gekommener Bestsellerautor, steht vor dem Scherbenhaufen seiner Existenz: Seine letzten drei Bücher wurden von den Kritikern in der Luft zerrissen, seine Ehefrau hat ihn für einen Jüngeren verlassen und seine Kinder Zoey und Spin empfinden die Besuche bei ihm als Zeitverschwendung. Er sitzt allein und ungepflegt in seiner zugemüllten Singlewohnung, phantasiert über seinen Suizid und kann sich zu nichts motivieren. Da findet er in der Post einen Brief, der an seinen Vormieter adressiert wurde. Er liest ihn gebannt. Weitere Briefe folgen, die Wenger schließlich aus seiner Lethargie reißen und in ihm die Kraft für Neues entfachen …

    Auf der Anderen Seite der Erzählung steht Wengers Tochter Zoey. Sie hat Probleme mit ihrer fitnessverrückten Mutter, die sich verzweifelt auf jung trimmt. Umarmungen und Zärtlichkeit von ihrer Seite kennen die Kinder nicht! Oberflächlichkeit und Schönheitswahn, Zoey kann es nicht mehr ertragen! Sie macht ihre ersten Erfahrungen mit Männern, die sie allerdings nur benutzen. Nur ihr Bruder versteht sie und würde, zusammen mit seinem Freund, alles für sie tun.

    „Das Licht ist hier viel heller“ wird abwechselnd aus Sicht von Wenger und Zoey erzählt.
    Dazwischen lesen wir die Briefe der Unbekannten.

    Wie schon in ihrem Debüt behandelt Mareike Fallwickl auch in diesem Roman wieder Themen, die wahrscheinlich jeder aus eigenen Erfahrungen kennt, so dass man sich mühelos mit der erzählten Geschichte identifizieren kann. Gleichzeitig vermag sie es aber auch, Dinge gekonnt auf den Punkt zu bringen, was viel Raum für eigene Gedanken bietet! Ein berührender Roman über Gefühle und sexuelle Gewalt, über Scheinwelten, über Liebesentzug und männliche Arroganz!

    Auch die vielen österreichischen Begriffe, die nie aufgesetzt oder gewollt wirkten, sondern das Buch sehr charmant und authentisch machten, haben mich begeistert. Der Zynismus und der Sprachwitz der Autorin, mit dem sie unter Anderem die Blogger- und die Literaturszene auf die Schippe nimmt. Der oft wahnwitzige und bitterböse Humor. Einfach grandios Lebendig!

    Wenger ist ein richtiger Stinkstiefel und Ungustl, der sagt, was er denkt und kein Fünkchen Taktgefühl besitzt. Völlig von sich überzeugt vertritt er die Meinung, dass ihm alle Frauen zu Füßen liegen. Er hat weder Anstand, noch Respekt!

    „Das Licht ist hier viel heller“ ist ein Buch, über das man reden möchte und über das man reden muss!