• „Noir“ | Christopher Moore

    Titel im Original:  „Noir“
    Autor:  Christopher Moore
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Jörn Ingwersen
    Verlag:  Goldmann Verlag
    Genre:  Roman Noir
    Seitenzahl:  402
    ISBN:  978-3-442-31486-7

    Ein unglückseliger Barkeeper, eine Blondine mit scharfen Kanten und gefährlichen Kurven – und ein kleiner Alien!

    San Franzisco 1947. Es kommt nicht jeden Tag vor, dass eine rätselhafte, anmutige Blondine namens Stilton in den verlotterten Laden kommt, in dem Sammy »Two Toes« Tiffin Gin ausschenkt. Für ihn ist es Liebe auf den ersten Blick. Aber bevor Sammy den ersten Schritt machen kann, betritt ein General der Air Force aus Roswell den Saloon. Er hat einen eiligen Auftrag, den Sammy nur widerwillig annimmt, den eigentlich hat er ganz andere Dinge im Kopf. Doch als Stilton kurz darauf spurlos verschwindet, geht es ihm ohnehin erst mal nur noch darum, seine Traumfrau zu retten …

    Meine Meinung

    In den 1940er Jahren entsteht in Frankreich eine neue Variante des Kriminalromans, die sich deutlich vom „klassischen“ Krimi unterscheidet. Diese steht stark unter dem Einfluss der amerikanischen „Hardboiled Detective Novel“, die während der Wirtschaftskrise der 30er Jahre in den USA aufkam: Der „Roman Noir“. Gesellschaftskritische Gesichtspunkte stehen hier klar im Vordergrund, wobei die Hauptfiguren oft „Outsider“ sind und der Fokus auf dem Verbrecher oder dem Ermittler liegt. Auch der amerikanische „Film Noir“ der 30er und 40er Jahre ist eine entscheidende Quelle für diese  ganz spezifische Atmosphäre!
    Auch Christopher Moor erzählt seinen neuen Roman „Noir“ in diesem Sinne …

    Sammy „Two Toes“ hatte es in seinem bisherigen Leben nicht immer leicht. Selbst, aus einer Peinlichkeit heraus, zum hinkenden Invaliden geworden, der natürlich nicht immer klarstellt, dass die Verletzung keiner Kriegsverwundung zu Grunde liegt, fristet er sein Leben als Barkeeper hinter dem Tresen einer zwielichtigen Kneipe. Als die umwerfende Stilton die Bar betritt, scheint sich jedoch sein Blatt zu wenden. Rotzfrech und den meisten Männern um Welten überlegen, verdreht die Blondine Sammy sofort den Kopf!

    Dass Stilton nebenbei auch als „Amüsierdame“ schnelles und scheinbar leicht verdientes Geld bei einem Treffen der männlichen High Society verdienen möchte und auch dort die Ereignisse einen anderen Verlauf nehmen, als geplant, kann ja vorher keiner ahnen …

    Der Autor setzt seine Geschichte sprachlich umwerfend in Szene und folgt dennoch den Spuren des klassischen „Roman Noir“, den er hier überzeugend mit einer guten Prise Science-Fiction erweitert. Dass Christopher Moore seinen ganz eigenen, meist rabenschwarzen Humor hat und auch die Gesellschaft in seinen Büchern ganz gern mal auf die Schippe nimmt, ist ja allseits bekannt. Mich hat das aber unheimlich angesprochen. Dadurch wirkt die Geschichte leicht, fröhlich und ich konnte toll mit der Welle mitschwimmen. Wobei vor allem die genialen Dialoge und ironischen Wendungen für die erfrischende Atmosphäre sorgten.
    Ein weiteres Goodie in diesem Roman ist die Erzählperspektive. Er wechselt immer wieder zwischen Sammys Sicht und der einer dritten Persönlichkeit, die allerdings mit gespaltener Zunge spricht. Einfach toll! Könnt ihr euch denken, was gemeint ist?

    „Noir“ ist ein interessanter und gut durchdachter, sowie sprachlich überzeugender Thriller, der mich bestens unterhalten konnte!

  • „Der Leuchtturm am Ende der Welt“ | Jules Verne

    Titel im Original:  „Le Phare du bout du monde“
    Autor:  Jules Verne
    Aus dem Französischen übersetzt vom A. Hartlebens Verlag
    Mit Illustrationen von Georg Roux
    Verlag:  Nikol Verlag
    Genre:  Abenteuerroman
    Seitenzahl:  269
    ISBN:  978-3-86820-264-9

    In der Nähe des Kap Hoorn, dem südlichen Ende von Südamerika, hat Argentinien einen Leuchtturm bauen lassen. Dieser wird von einer dreiköpfigen Besatzung betrieben, die im Vierteljahresrythmus ausgewechselt wird. Aber auch eine Bande von Seeräubern hat in der Nähe des Leuchtturms ihren Unterschlupf. Diese fühlen sich durch die Wachmannschaft des Leuchtturms gestört und so kommt es, dass die Seeräuber planen, den Leuchtturm zu überfallen.

    Meine Meinung

    „Der Leuchtturm am Ende der Welt“ ist mit seinen 270 Seiten einer der kürzeren und auch weniger bekannteren Romane von Jules Verne. Wer den Autor aber zu schätzen weiß, dem lege ich diese Geschichte natürlich ans Herz.
    Auch für mich war dieses Buch eine kleine Neuentdeckung. Ich wusste zwar, dass ich die Geschichte schon einmal in meiner Jugend gelesen hatte, ich konnte mich aber überhaupt nicht mehr an den Inhalt erinnern.

    Die Geschichte führt uns in die Nähe des Kap Hoorns und handelt von drei Leuchtturmwärtern,  welche zusammen mit einer Räuberbande auf der Insel festsitzen. Sie wird abwechselnd aus der Sicht der Wärter und der Räuber erzählt und entwickelt sich, nach einigen eher ruhigeren Passagen, die mich aber mit vielen Beschreibungen und Ausschmückungen überzeugen konnten, doch sehr schnell zu einem spannenden Abenteuerroman.

    Wie es für Jules Verne immer typisch ist, werden auch in diesem Buch die Flora, Fauna und die Topographie der Umgebung sehr genau beschrieben. Ebenso auch die Schiffe. Für manche Leser mag das vielleicht etwas schleppend sein, für mich macht das aber gerade den Reiz aus. Zusammen mit den schönen altertümlichen Formulierungen einfach ein Lesegenuss.

    Jules Verne erzählt sehr lebendig und mitreißend, mit vielen tollen Dialogen. Dadurch bringt er uns auch die Charaktere in dieser Geschichte wunderbar nahe. Dieses Mal konnte mein Herz sogar für die fiese Räuberbande erwärmen.

    Natürlich ist „Der Leuchtturm am Ende der Welt“ auch wieder mit vielen ansprechenden Originalillustrationen von Georg Roux versehen. Bilder, die die Geschichte toll komplimentieren und das Buch für mich aufwerten.

    Ein toller Klassiker aus dem Jahre 1906, den man sich unbedingt anschauen sollte!

  • „In 80 Tagen um die Welt“ | Jules Verne

    Titel im Original:  „Le Tour du Monde en quatre-vingts jours“
    Autor:  Jules Verne
    Aus dem Französischen übersetzt von Sabine Hübner
    Mit Illustrationen von Léon Benett und Alphonse de Neuville
    Verlag:
      dtv Verlag
    Genre:  Abenteuerroman | Klassiker
    Seitenzahl:  301
    ISBN:  978-3-423-13545-0

    Sind es wirklich 80 Tage oder nur 79 wegen der Zeitverschiebung?
    Der spleenige Engländer Phileas Fogg will jedenfalls seine Wette gewinnen. Ob Witwenrettung, Seesturm oder Indianerüberfall – nichts darf die spannende Jagd um die Welt gefährden!

    Meine Meinung

    Meine letzte Jule Verne-Phase ist ja mittlerweile schon einige Jahre her und nachdem mir schon im April sein Kurzroman „Von der Erde bis zum Mond“ so gut gefallen hat, mache ich im Mai gleich mit meinem Lieblingsbuch des französischen Autoren weiter.

    In „In 80 Tagen um die Welt“ verfolgen wir die Reise des exzentrischen Gentleman Phileas Fogg. Jules Verne war seiner Zeit weit voraus. Das merkt man, wenn man sich vor Augen führt, dass der gute Mann von 1823 bis 1905 gelebt hat.
    Phileas Fogg ist ein Mann der englischen Upper Class, der seine Tage am liebsten beim Whist spielen in einem exklusiven Londoner Herrenclub verbringt. Am 2. Oktober 1872 kommt das Gespräch der Runde auf einen Ganoven, der 55.000 Pfund Sterlingsilber aus einer Londoner Bank erbeutet hat. Die Chance, den Räuber zu fassen, ist eher gering, da die Welt ja auch groß genug ist, um sich zu verstecken. Eine hitzige Diskussion entspringt und Phileas Fogg wettet 20.000 Pfund, dass es ihm, mit Hilfe der modernen Verkehrsmittel gelingt, in 80 Tagen um die Welt zu reisen. Diese 20.000 Pfund sind die Hälfte seines Vermögens, die andere Hälfte benötigt er für die Durchführung der Weltreise. Falls er die Wette verliert, ist er also finanziell ruiniert!
    Wenn man bedenkt, dass man im England des 19. Jahrhunderts mit 100 Pfund Jahreseinkommen sehr gut leben konnte, ist die Wette schon phänomenal …

    Da das endende 19. Jahrhundert vom beschleunigten technischen Fortschritt und zugleich von den letzten großen Entdeckungsreisen geprägt wurde, ist es verständlich, dass gerade „In 80 Tagen um die Welt“ als eines der populärsten Bücher von Jules Verne gilt. Er beschreibt hier eine Zeit, in der die meisten Menschen ihr Leben lang nicht aus ihrem Geburtsort heraus kamen und technische Wunderwerke wie die US-Eisenbahn „Coast to Coast“ oder die Eröffnung des Suez-Kanals die Fantasie der Menschen beflügelten.

    Der Roman besticht nicht nur durch seinen tollen Schreibstil, auch die große Portion Wissenschaft und Fiktion machen die Geschichte immer wieder aufs Neue lesenswert. Ein Erzählstil, den man heutzutage natürlich auch gut in die klassische Science Fiction packen könnte. Es erstaunt mich immer wieder, dass auch Jules Verne manche später realisierte Entwicklung vorher gesehen hat.

    Phileas Fogg und sein Französischer Diener „Passepartout“ wurden liebenswürdig und scharf gezeichnet. Sie bleiben sich in jeder Situation treu und sind mir dadurch auch noch lange im Gedächtnis geblieben.
    Die bereisten Länder und Landschaften werden im Roman leider nur kurz und prägnant beschrieben, aber die Reise wird ja auch aufgrund einer Wette unternommen und die Männer stehen unter Zeitdruck. Das steigert die Spannung des Romans!

    „In 80 Tagen um die Welt“ in ein zeitloser Klassiker, der mich immer wieder begeistert!

  • „Von der Erde zum Mond“ | Jules Verne

    Titel im Original:  „De la terre á la lune“
    Autor:  Jule Verne
    Aus dem Französischen übersetzt von William Matheson
    Mit Illustrationen von H. de Montaut
    Verlag:  Diogenes Verlag
    Genre:  Science-Fiction
    Seitenzahl:  302
    ISBN:  978-3-257-20242-7

    Drei kühne Astronauten starten in Florida, unweit vom heutigen Cape Canaveral, werden von einem Teleskop auf Mount Palomar beobachtet und landen programmgemäß im Pazifischen Ozean:  Jules Verne hatte 1865 fast alles vorausgesehen. Dem Dichter der Mondfahrt zu Ehren heißt heute ein Mondkrater ›Jules Verne‹

    Meine Meinung

    Jules Verne ist für mich einer der zeitlosesten Autoren und ein wunderbarer Geschichtenerzähler. Selbst nach mehr als 100 Jahren lohnt es sich noch, seine Zukunftsromane zu lesen.

    „Von der Erde zum Mond“ beginnt kurz nach dem Ende des Bürgerkriegs in den USA. Die großen Köpfe der Rüstungsindustrie haben sich zu dem sagenumwobenen „Gun Club“ zusammengeschlossen. Deren treffen dienen nicht nur zum Wissensaustausch, nachdem die Mitglieder mit ihrer neugewonnen Zeit nicht wirklich viel anzufangen wissen, spinnt deren Vorsitzender Barbicane einen neuen Plan:  Die USA sollte versuchen denn Mond zu erobern!
    Schnell werden erste Pläne ausgearbeitet und dank dem Zusammenspiel zwischen Ballistik und Astronomie kann in Florida bereits nach wenigen Wochen mit dem Bau einer riesigen Kanone – der „Columbiade“ – begonnen werden. Doch die Pläne ändern sich, als der Franzose Micheal Ardant nach Amerika reist um die Kanonenkugel zu besteigen. Er möchte freiwillig als erster Mensch die Reise zum Mond anzutreten!

    Jules Verne starb 1905, er konnte also noch nichts von den technischen Möglichkeiten des 20. Jahrhunderts und der heute realen Raumfahrt erahnen. Und doch bietet dieser Roman einen unterhaltsamen Einblick in das Denken und Fühlen technisch interessierter Menschen, deren Vorstellungskraft weit über das Wissen des 19. Jahrhunderts hinaus geht.

    Die Geschichte des „Gun Clubs“ verpackt  den Spott auf den damaligen Militarismus und würzt ihn mit übertriebenem Nationalbewusstsein. Wobei sich dieser Roman hauptsächlich mit den Vorbereitungen der Mondreise befasst. Er bietet also viel Platz für technische Hintergründe, waghalsige Mutmaßungen und mathematische Spielereien! Alles in Allem genau die richtigen Zutaten, die die heutige Science-Fiction ausmachen. Noch heute nimmt diese Geschichte weitreichenden Einfluss auf das Genre und inspiriert Menschen ihren Vorstellungen freien Lauf zu lassen.

    „Von der Erde zum Mond“ liest sich wunderbar leicht. Nicht zuletzt dank des ironischen Humors in der Geschichte. Anders als gewohnt wirken Jules Vernes Beschreibungen in diesem Buch aber etwas flach. Es mag vermutlich dem technischen Thema geschuldet sein, dass seine Erzählungen ein wenig ihre Bildhaftigkeit einbüßen. Nichtsdestotrotz ist die Geschichte mitreißend und ich habe immer wieder auf den nächsten skurrilen Einfall gewartet.

    Wer gerne fantastische Reisen erleben möchte ohne dabei den Bezug zur Realität zu verlieren, der ist mit diesem Buch wirklich gut bedient!

  • „Das Buch der seltsamen neuen Dinge“ | Michel Faber

    Titel im Original:  „The Book of strange new Thinks“
    Autor:  Michel Faber
    Aus dem Englischen übersetzt von Malte Krutzsch
    Verlag:  Kein & Aber
    Genre:  Roman | Science Fiction | Religion | Apokalypse
    Seitenzahl:  679
    ISBN:  978-3-0369-5779-1

    Der junge Pastor Peter Leigh wird auf die Reise seines Lebens geschickt – nur darf seine Frau Bea ihn nicht begleiten. Um in Kontakt zu bleiben, schicken sie sich Briefe. Doch nie zuvor in der Geschichte der Menschheit musste eine Liebe eine derart große Distanz überbrücken.

    Meine Meinung

    Als ich den Klappentext zu diesem Buch das erste Mal las, hatte ich sofort ein klares Bild der Geschichte im Kopf. Und ich lag ja sowas von Falsch! So beeindruckend schlicht und flüssig die Sprache Michel Fabers auch ist, so ungewöhnlich und unvorhersehbar ist die Geschichte, die hier erzählt wird …

    Wir begleiten den Geistlichen Peter Leigh, der von einem NASA-inspirierten Großkonzern auf einen ferne Planten namens „Oasis“ geschickt wird. Zu seiner großen Überraschung nehmen die dortigen Bewohner seine biblischen Erzählungen begierig auf und möchten ganz nach dem Wort Gottes leben. Sie nennen die Bibel „Das Buch der seltsamen neuen Dinge“!
    In vielen Briefen berichtet er seiner zu Hause gebliebenen Frau von dieser offensichtlich bequemen Mission. Sie dagegen schreibt von einer veränderten Welt, in der Erdbeben und Flutwellen ganze Staaten vernichten und wo Lebensmittel zur Mangelware werden. Doch für Peter ist das alles sehr weit weg …

    Michel Faber liefert uns einen tollen Roman, der nicht wirklich einem Genre zuzuteilen ist. Die Science Fiction war für mich zwar immer präsent, ist im Großen und Ganzen aber nur ein gut eingesetztes Stilmittel des Autors. Ebenso die apokalyptischen Geschehnisse auf der Erde. Das Buch besticht auch nicht durch seine rasante Action: Sie ist eher ruhig und intensiv erzählt und verlässt nur selten das Seelenleben unseres Hauptprotagonisten. Die Sprache ist schlicht und angenehm flüssig. Das Hauptaugenmerk liegt gezielt auf dem christlichen Glauben. Darum, wie er sich in einem Menschen manifestiert und was ein gläubiger Mensch mit Gottes Beistand alles zu ertragen weiß. Der Roman kreist um Erinnern und Vergessen, Fremdheit und Vertrautheit, um Nähe und Abschied.

    Eigentlich habe ich mir vom Leben auf der Oasis mehr Abenteuer, Spannung und Gefahren erwartet, stattdessen stellt sich dieser als friedlicher Ort heraus. Beinahe schon idyllisch! Auf der Erde hingegen ereignet sich eine Naturkatastrophe nach der Anderen. Es wird zwar nie ausgesprochen, doch liegt es nahe, dass diese durch die Klimaerwärmung ausgelöst wurden. Bea durchleidet Dramen, die für Peter in immer weitere Ferne rücken. Wie kann der Partner nachvollziehen, was einem selbst widerfährt? … man spürt in den Briefen deutlich, wie die Beiden voneinander wegdriften und die Realität des Anderen sich entfernt.

    Während andere Schriftsteller fast jährlich einen neuen Roman veröffentlichen, hat sich Michel Faber für sein aktuelles Buch mehr als sechs Jahre Zeit gelassen. An vielen Stellen schimmert die Trauer um seine an Krebs verstorbene Frau durch. Dennoch hat Michel Faber eine wunderbare Geschichte geschaffen, in dem man als Leser auch ohne strengen Glauben ganz aufgeht.