• „Teuflisches Spiel“ | Linda Castillo

    Titel im Original: „Her last Breath“
    Autor: Linda Castillo
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Helga Augustin
    Verlag: Fischer Verlag
    Genre: Thriller
    5. Fall von Kate Burkholder
    Seitenzahl:   349
    ISBN: 978-3-596-19613-5

    Als das gleißende Scheinwerferlicht des entgegenkommenden Fahrzeug sie blendet, bleibt ihnen nicht einmal mehr die Zeit, um zuschreien. Auf der regennassen Straße im ländlichen Ohio sterben in dieser Nacht drei Menschen. Ein amischer Vater und zwei seiner Kinder.
    Als Polizeichefin Kate Burkholder die Unfallstelle genauer untersucht, kommen ihr erste Zweifel: War das wirklich ein Unfall, oder steckt noch etwas anderes dahinter?

    Meine Meinung

    In Kate Burkholders fünften Fall wird auf regennasser Fahrbahn der Buggy eines amischen Familienvaters von einem Auto erfasst und durch die immense Wucht bis zur Unkenntlichkeit zerstört. Auch seine 3 Kinder waren mit ihm auf der Kutsche. Der Unfallverursacher begeht Fahrerflucht!
    Als Kate am Tatort eintrifft findet sie ein Bild des Grauen vor:  Zwei tote Kinder und auch der Vater stirbt noch vor Ort in ihren Armen. Nur der 8-jährige Sohn kämpft noch schwerverletzt um sein Leben und hält mit Kates Hilfe durch, bis der Notarzt eintrifft. Mit Schrecken muss die Polizeichefin feststellen, dass ihre ehemals beste Freundin die Mutter und Ehefrau der Opfer ist. Tief erschüttert macht sie sich daran, den Fall aufzuklären!

    Linda Castillo konnte mich wieder durch ihren sehr flüssigen Schreibstil begeistern, der eher ruhig und wenig effektheischend auftritt. Sie legt keinen Wert auf blutige Details und bringt ihrem Leser doch das ganze Grauen der Tat bildlich nahe. Der Thriller geht aufgrund seiner Thematik und den Beweggründen der Protagonisten unter die Haut.

    Die Geschichte wird, wie schon in den Bänden zuvor, zum größten Teil aus der Ich-Perspektive der Polizeichefin erzählt. Sie ist dabei eher nüchtern und klar in ihrer Ausdrucksweise. Linda Castillo lässt Kate hier sehr stark zwischen inniger Anteilnahme ihrer Freundin gegenüber und der professionellen Distanziertheit wanken, was mir sehr gut gefallen hat. Wie immer wirken der Fall selbst und die handelnden Personen sehr realitätsnah und glaubwürdig.

    Mit dem Fall des Fahrerflüchtigen nicht genug, werden nach 15 Jahren auch die sterblichen Überreste von Daniel Lapp in einem Kornspeicher gefunden. Ein Mann, der Kates Leben binnen weniger Stunden zur Hölle gemacht hat und der nun ihre Gefühlswelt schwanken lässt. Eine sehr neue überraschende Seite an unserer Protagonistin, von der ich gerne mehr sehen würde!

    „Teuflisches Spiel“ setzt gekonnt an den Vorgängern an, zeigt große Entwicklungen bei den Charakteren auf und führt die Rahmenhandlung konsequent weiter!

  • „Die Braut“ | Anita Terpstra

    Titel im Original: „Samen“
    Autor: Anita Terpstra
    Aus dem Niederländischen übersetzt von Simone Schroth
    Verlag: Blanvalet
    Genre: Thriller
    Seitenzahl: 411
    ISBN: 978-3-7341-0576-0

    Als Mackenzie Walker und Matt Ayers heiraten, reagiert ihr Umfeld mit Unverständnis. Warum geht eine junge Frau die Ehe mit einem Mann ein der angeklagt ist, mehrere Frauen entführt und festgehalten zu haben – und deshalb in der Todeszelle sitzt? Mckenzie wird öffentlich beleidigt und sogar bedroht, doch sie versucht unbeirrt, Matts Unschuld zu beweisen und damit sein Leben zu retten. Als ihr das nicht gelingt, beschließt sie, ihm bei der Flucht aus dem Hochsicherheitsgefängnis zu helfen. Denn für sie steht viel mehr dem Spiel, als irgendjemand ahnt.

    Meine Meinung

    „Die Braut“ ist ein Thriller der niederländischen Autorin Anita Terpstra, die bereits mit „Anders“ unter Beweis gestellt hat, dass sie auch ohne viel Blutvergießen die Tiefen menschlicher Abgründe ausloten kann. Dies ist ihr zweiter Roman, der im Juli 2018 erschienen ist.

    Matt Ayers sitzt in der Todeszelle. Er soll mehrere Frauen entführt und jahrelang missbraucht haben. Doch ist er wirklich der Täter? Matt beteuert auch Jahre später noch seine Unschuld.
    Mackenzie Walker ist eine junge hübsche Frau, die ehrenamtlich in einem Projekt mitarbeitet, bei dem misshandelte Hunde durch die Unterstützung von Strafgefangenen wieder resozialisiert werden sollen. Im Zuge dieser Besuche trifft sie auf Matt und sie beginnen sich regelmäßig Briefe zu schreiben. Trotz aller Einwände heiraten die Beiden und Mackenzie setzt alles daran, die Unterschuld ihres Mannes zu beweisen. Als dann auch noch ein Hinrichtungstermin bekannt gegeben wird, beschließt sie, Matt zur Flucht zu verhelfen.
    Doch Mackenzie hat mehr Beweggründe als nur ihre Liebe zu Matt …

    Anita Terpstra hat einen tollen spannenden und bildgewaltigen Schreibstil, der den Leser fesselt und mit klaren Bildern im Kopf versorgt. Ich musste die 411 Seiten an 2 Abenden verschlingen, ich konnte das Buch überhaupt nicht mehr aus der Hand legen. Die Spannung wurde immer wieder gesteigert und gipfelte dann in vielen überraschenden Wendungen, die das bisher gelesene komplett auf den Kopf stellen.

    Besonders gelungen fand ich auch die unterschiedlichen Sichtweisen. Wir erfahren in dem Buch nicht nur die Geschichte rund um Mackenzie, sondern in wechselnden Kapiteln auch die Sicht der Opfer während ihrer Gefangenschaft. Das macht die Handlung besonders fesselnd und mitreißend. Ich finde auch, dass gerade diese Kapitel sehr authentisch beschrieben wurde, sofern ich das beurteilen kann.

    Die Charaktere, die Anita Terpstra in diesem Buch entstehen lässt, sind überaus facettenreich, wobei für mich kein einziger wirklich sympathisch war. Einerseits macht aber auch gerade das den Reiz aus, andererseits werden die Protagonisten dadurch erst recht undurchschaubar. Jeder Charakter hat sowohl gute als auch schlechte Seiten, wirken aber teilweise so verschlossen, dass sie den Leser komplett in die Irre führen.

    „Die Braut“ ist ein vielschichtiger Thriller hinter dem ein absolut durchtriebener Plan steckt!

  • „Tödliche Wut“ | Linda Castillo

    Titel im Original: „Gone Missing“
    Autor: Linda Castillo
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Helga Augustin
    Verlag: Fischer Verlag
    Genre: Thriller
    4. Fall von Kate Burkholder
    Seitenzahl:   346
    ISBN: 978-3-596-19612-8

    Du hättest dich wehren müssen.
    Du hättest mehr beten sollen.
    Jetzt ist dein Schicksal besiegelt!

    Drei verschwundene Personen. Weiblich. Teenager. Amisch.
    Es gibt keinen Verdächtigen, kein Motiv, keine Leiche – NOCH NICHT!

    Meine Meinung

    Los geht’s mit einem neuen Fall in Painters Mill!

    Kate Burkholder wird zu später Stunde zu einer Schlägerei zwischen Jugendlichen gerufen. Zum Entsetzen erkennt sie in einem der raufwütigen Mädchen Sadie Miller, eine junge Amische und die Nichte ihres Schwagers.
    Einige Stunden später wird Kate vom Bureau of Criminal Identification and Investigation (BCI) kontaktiert, die dringend ihre Unterstützung als Beraterin brauchen. Dabei handelt es sich um mehrere vermisste Jugendliche aus der Amischen Gemeinde. Voller Euphorie, nicht nur wegen der Aussicht mit John Tomasetti zusammenzuarbeiten, fährt sie nach Ohio und sieht sich schnell den Eltern der Vermissten gegenüber. Kate ist wie gelähmt, da sie keinerlei Spuren haben, um die jungen Mädchen zu finden.
    Gerade als sie Beginnen erste Fortschritte zu erzielen verschwindet in Painters Mill die junge Sadie. Kate kehrt natürlich auf der Stelle zurück und ermittelt auf Hochtouren.

    „Tödliche Wut“ ist – im Gegensatz zu den bisherigen Fällen – ein eher ruhiges Buch. Kate Burkholder bekommt die Chance sich selbst weiter zu bilden und sich als Beraterin in einem anderen County zu profilieren. Sie wirkt dabei aber keines Falls fehl am Platz. Ganz im Gegenteil ist sie professionell und zielstrebig bei der Sache. Man merkt sehr schnell eine Veränderung in ihrer Person und eine tolle charakterliche Weiterentwicklung.
    Auch ihre Beziehung zwischen John Tomasetti dürfte nun in festeren Händen liegen.

    Wir verfolgen die akribischen Ermittlungen aus der Ich-Perspektive von Kate, die wiederholt bei den Amischen auf eine Wand des Schweigens trifft, doch bald schon fallen ihr einige Gemeinsamkeiten auf, die alle Jugendliche verbinden. Zwar könnte daraus durchaus ein Motiv abgeleitet werden, auf die Spur des Täters führt sie ihr Verdacht jedoch noch lange nicht.

    Die Spannung baut sich langsam, aber kontinuierlich auf. Durch die wendungsreiche Story, die lange Zeit mehr Fragen als Antworten aufwirft, bietet der Thriller viel Zeit für eigene Theorien und Grübeleien.

  • „Wenn die Nacht verstummt“ | Linda Castillo

    Titel im Original: „Breaking Silence“
    Autor: Linda Castillo
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Helga Augustin
    Verlag: Fischer Verlag
    Genre: Thriller
    3. Fall von Kate Burkholder
    Seitenzahl:   331
    ISBN: 978-3-596-18452-1

    Abgeschlachtete Tiere auf der Weide, ein Farmer, der an sein umgekipptes Fuhrwerk gefesselt fast erfriert: In Painter`s Mill häufen sich die Verbrechen gegen die Amischen. Dann werden auf der Farm der Familie Slabaugh drei Leichen in der Güllegrube gefunden:  Vater, Mutter und ein Onkel.
    Ist auch dies ein Verbrechen aus Hass gegen die Glaubensgemeinschaft? Oder steckt etwas ganz anderes dahinter?

    Polizeichefin Kate Burkholder, die bis zu ihrem 18. Lebensjahr selbst eine Amische war, kennt die Menschen dort nur zu gut. Mit ihrem Freund John Tomasetti löst sie ihren persönlichsten Fall.

    Meine Meinung

    Nachdem sich Anfang September, durch den ganzen Stress mit meinem kranken Hund und der dadurch aufgestauten Arbeit bei mir eine ziemliche Müdigkeit und Leseunlust durchgesetzt haben, musste schnellsten ein Wohlfühlbuch her. Also folgte im September nach „Blutige Stille“ auch gleich der dritte Fall von Kate Burkholder.

    In „Wenn die Nacht verstummt“ müssen sich Kate und ihr Team mit einigen Gewaltdelikten gegenüber der amischen Gemeinde auseinandersetzen. Und natürlich ist auch John Tomasetti in diesem Fall wieder mit involviert. Ausgelöst durch Unverständnis und Verachtung werden die Taten gegenüber den Amischen immer radikaler und unbegreiflicher. Abgeschlachtete Tiere, Schwerstverletzte Männer bis hin zum Mord an den Eltern von vier unschuldigen Kindern. Wie kann der Hass auf eine Gruppe von Minderheiten nur so ausufern?
    Kate Burkholder kommt hier ihre Vergangenheit zu Gute. Sie versteht wie die amischen Menschen, fest verankert in ihrer Glaubensgemeinschaft, agieren und reagieren, aber auch wo sie mit deren Hilfe rechnen kann und wo nicht.

    „Wenn die Nacht verstummt“ ist sicher einer der ruhigeren Teile dieser Reihe. Nicht was die Geschehnisse und Grausamkeiten angeht, aber wie auch schon im Klappentext angedeutet, zeigt dieses Buch sehr viel mehr Fassetten aus Kates Privatleben, ihrem Charakter und teilweise auch aus ihrer Vergangenheit. Auch was ihre Beziehung zu John Tomasetti angeht, wird für den Leser einiges klarer und durchsichtiger.
    Ich finde allerdings nicht, dass diese Passagen die spannende Handlung im Groben stören.

    Die blutigen Geschehnisse und vor allem die davon betroffenen Kinder, lassen Kate Burkholder zeitweise die unbedingt notwendige Distanz zwischen Polizistin und Opfern verlieren. Linda Castillo beschreibt die Gefühle der Trauer und ihre Wut auf die Täter sehr realistisch und gefühlvoll.

    Obwohl sich so viele Verdächtige anbieten, diese schrecklichen Taten begangen zu haben, kommt es dann im Endeffekt doch ganz anders und noch viel schockierender als man sich vorstellen kann!

  • „Blutige Stille“ | Linda Castillo

    Titel im Original:  „Pray for Silence“
    Autor: Linda Castillo
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Helga Augustin
    Verlag: Fischer Verlag
    Genre: Thriller
    2. Fall von Kate Burkholder
    Seitenzahl:   391
    ISBN: 978-3-596-18451-4

    Sie töten alle Mitglieder der Familie Plank. Die Leichen des Vaters und der beiden Söhne fand man im Wohnhaus, die der Mutter und des Babys auf dem Weg zur Scheune. Doch niemand war auf das vorbereitet, was sie in der Scheune fanden: Die beiden Mädchen, gefoltert und misshandelt.

    Die Familie gehörte zur amischen Gemeinde in Painter`s Mill, Ohio, sie lebten getreu ihren Glaubensgrundsätzen von Schlichtheit und Bescheidenheit, waren gottesfürchtige Leute. Fernab von den Verführungen der Zivilisation. Oder enthüllt das Tagebuch der ältesten Tochter eine andere Wahrheit?

    Meine Meinung

    Heute möchte ich euch „Blutige Stille“, den 2. Fall von Kate Burkholder und ihrem Team vorstellen!

    Kaum ein Jahr nach der ersten Mordserie in Painter`s Mill, wird die Gemeinde von der nächsten Katastrophe heimgesucht. Die Mitglieder einer unschuldigen Amisch-Familie wurden auf grausamste und bestialischste Weise umgebracht. Gefoltert, missbraucht und wie sich noch bei den Ermittlungen herausstellen wird, für korrupte Machenschaften benutzt.
    War wirklich das Verhalten der ältesten Tochter der Grund für das Massaker an der 7-köpfigen Familie? Sie war doch nur ein Teenager, gerade an der Schwelle zum Erwachsenwerden und kurz vor der Entscheidung, wie es in ihrem Leben weitergehen soll! Warum lässt sie sich, trotz ihrer strengen Erziehung, auch auf eine Beziehung mit einem Englischen ein?

    Kate ist hin und hergerissen zwischen ihrer Aufgabe als Polizeichefin, die die Morde schnellstmöglich aufklären muss und ihrer eigenen Vergangenheit in der Gemeinde der Amischen. Sie wurde selbst von der Zivilisation verführt und musste dafür büßen, wie jetzt wohl auch die Tochter der Familie Plank.

    Linda Castillo liefert uns auch in diesem Buch wieder diese dichte, düstere und fast schon beängstigende Stimmung. Der Leser wird bereits auf den ersten Seiten ins kalte Wasser geworfen und bekommt einen furchtbaren Tatort geboten. Leichen, Blut und auch der tote Körper eines Babys werden auf der Farm der Planks gefunden.
    Die Autorin schreibt nicht nur spannend, sie hat auch einen sehr bildlichen und detaillierten Schreibstil und man wird direkt in die Ermittlungen des Teams hinein gezogen.

    Auch die Affäre zwischen John Tomasetti und Kate, die im ersten Teil der Reihe ihren Anfang genommen hat, bekommt hier ihren Platz. Tomasetti wird nun doch aufgrund eines positiven Drogentestes beurlaubt und muss sich seinen eigenen Dämonen stellen. Doch er will arbeiten und unterstützt Kate bei ihrem Fall. Ich mag den Protagonisten wahnsinnig gern. OK, würde man mich mit ihm in einen Raum sperren, würde vermutlich einer von uns nicht überleben, aber Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an und ich finde dieses ewige Wechselspiel zwischen Kate und John sehr lesenswert.

    Wie auch schon beim 1. Fall, muss man sich etwas an die Erzählperspektive gewöhnen. Kate schildert ihre Sicht der Geschehnisse aus der Ich- Perspektive, der Rest wird in der dritten Person erzählt. Wenn man sich darauf einlässt kann man der Handlung aber gut folgen!

    Man rätselt bis zum Schluss, wer der Mörder ist. So soll es sein!

  • „Saving Grace“ | B. A. Paris

    Titel im Original: „Behind Closed Doors“
    Autor: B. A. Paris
    Aus dem Englischen übersetzt von Wulf Bergner
    Verlag: Blanvalet
    Genre: Psychothriller
    Seitenzahl: 349
    ISBN: 978-3-7341-0263-9

    Niemand glaubt dir! Niemand hilft dir! Du gehörst ihm!
    Grace und Jack Angel sind das perfekte Paar. Die 33jährige Grace ist warmherzig, liebevoll, bildhübsch. Jack sieht gut aus, ist charmant und kämpft als renommierter Anwalt für die Rechte misshandelter Frauen. Aber sollte man Perfektion jemals trauen?

    Warum zu Beispiel kann Grace auf Dinnerpartys so viel essen und nimmt doch niemals zu? Und warum umgibt ein hoher Zaun das wunderschöne Haus der beiden?
    Doch wenn man Grace danach fragen möchte, stellt man fest, dass sie nie allein ist. Denn Jack ist immer – wirklich immer! – an ihrer Seite

    Meine Meinung

    Bei „Saving Grace“ handelt es sich um den Debütroman der Autorin und war eines der wenigen Bücher, die mich letztes Jahr total aus den Socken gehauen haben. Schon in der Verlagsvorschau fand ich den Klappentext sehr ansprechend, bin aber von einem ganz anderen Strickmuster ausgegangen. Das Buch entpuppte sich als außergewöhnlich furchteinflößender Thriller, der seinem Leser ein beklemmendes Gefühl in der Brust beschert!

    Normalerweise schreibe ich in meinen Rezensionen immer eine kleine unverfängliche Zusammenfassung über den Inhalt der Geschichte, das möchte ich in diesem Fall aber ausnahmsweise unterlassen, da schon der Klappentext sehr viel verrät und es sich auf jeden Fall lohnt, „Saving Grace“ aus dem unbekannten heraus zu erfahren. So viel sei gesagt: Während die Nachbarn und Freunde glauben, Grace hätte mit Jack das große Los gezogen, ist sie in ihrem persönlichen Alptraum mit einem Mann gefangen, der seine ganz eigenen kranken Ziele verfolgt …

    Grace Angel erzählt uns aus der Ich-Perspektive ihre Geschichte. Wir springen immer wieder zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit hin und her, laufen aber während des Lesens aufeinander zu. Ein tolles Erzählelement, das ganz großartig von B. A. Paris umgesetzt wurde und von ihrem klaren, bildlichen und mitreißenden Schreibstil nur noch getoppt wird.
    Die Ausweglosigkeit, in der wir Grace wiederfinden, ist so beklemmend und nachvollziehbar beschrieben, dass es mir oft eiskalt den Rücken runter gelaufen ist. Die Bedrohung und die Angst sind greifbar.

    Natürlich ist die Idee, des vermeintlichen Traummannes, der sich als verrückter Psychopath entpuppt im Thriller-Genre nichts Neues mehr, aber für mich hat die Autorin mit Jack Angel ein ganz neues Level erreicht. Er ist furchteinflößend, absolut real und abgrundtief böse. Ein Charakter, mit einem so überzeugenden aalglatten Pokerface, der mir bisher nur sehr selten in einem Buch begegnet ist.
    Ich musste unglaublich mit Grace mitleiden, konnte ihr aber einfach nicht helfen!

    B. A. Paris führt ihren Lesern auch ganz klar vor Augen, wie schnell es gehen kann, dass man sich als Frau in solch einer Situation wiederfindet. Wie oft hören wir von häuslicher Gewalt in unserem Umfällt? Dafür brauchen wir nicht erst den Fernseher aufdrehen!

    Eine absolute Leseempfehlung von der ersten bis zur letzten Seite!

  • „Anders“ | Anita Terpstra

    Titel im Original:  „Anders“
    Autor:  Anita Terpstra
    Aus dem Niederländischen übersetzt von Jörn Pinnow
    Verlag:  Blanvalet
    Genre:  Thriller
    Seitenzahl:  383
    ISBN: 978-3-7341-0257-8

    Alma Meester, ihr Mann Linc und die beiden Kinder Iris und Sander sind eine ganz normale, glückliche Familie. Bis zu dem Tag, als der elfjährige Sander zusammen mit einem Freund während eines Ferienlagers spurlos verschwindet. Der andere Junge wird kurz darauf tot aufgefunden, doch Sander bleibt wie vom Erdboden verschluckt.

    Sechs Jahre später meldet sich ein junger Mann bei einer deutschen Polizeistation. Er sei der verschwundene Sander Meester. Die Familie ist überglücklich, doch nach und nach kommen der Mutter Zweifel.
    Ist der Junge wirklich ihr Sohn?
    Und was ist damals in der verhängnisvollen Nacht tatsächlich passiert?

    Meine Meinung

    Mit „Anders“ liefert uns Anita Terpstra einen wirklich tollen Debütroman.
    Es handelt sich hier um einen Thriller der leisen Töne, der nicht nur durch eine gut ausgearbeitete Geschichte besticht, sondern auch durch seine authentischen Protagonisten, deren durchgerütteltes Gefühlsleben den Leser sehr mitnimmt.

    Der 11-jährige Sander verschwindet bei einer Nachtwanderung aus einem Ferienlager. Da sein Freund Martin kurz darauf tot im Wald aufgefunden wird, kommt recht schnell der Verdacht auf, dass ein Sexualstraftäter seine Hand im Spiel und Sander entführt hat. Trotz tagelanger Suche, bringt diese keine Ergebnisse! Die Familie ist schwer getroffen und erholt sich nicht mehr von diesem Schicksalsschlag. Mutter Alma bekommt zwar mit Linc nochmals ein Baby, aber die Ehe zerbricht.
    Als nach sechs Jahren ein Junge auftaucht, der im Wald von einem Pädophilen festgehalten wurde und sich bei der Polizei als Sander zu erkennen gibt, wird die eingekehrte Ruhe der Familie aufs Neue durchgerüttelt. Die Stimmung ist ganz und gar nicht glücklich oder gelöst, Sander verhält sich sehr distanziert und will keine Einzelheiten aus den vergangenen Jahren preisgeben …

    „Anders“ legt überhaupt keinen Wert auf die Tätersuche. Das Hauptaugenmerk liegt ganz klar auf den Reaktionen der Familie und deren Freunde. Ich fand die unterschiedlichen Verhaltensweisen sehr spannend und teilweise auch richtig beklemmend. Vor allem das Verhalten der Mutter hat mich im Laufe der Geschichte sehr oft zum Kopfschütteln gebracht.
    Natürlich bekommt der Leser hier auch viel Spielraum für Spekulationen geboten!

    Anita Terpstra spricht ganz klar Themen wie Kindesmissbrauch und die menschliche Wertigkeit in der Familie an. Was passiert, wenn ein Kind, dem Anderen gegenüber bevorzugt wird? Warum blenden Eltern auffällige Verhaltensmuster eines Kindes total aus? Auch auf die Schuldgefühle des Vaters nach Sanders Verschwinden wird klar eingegangen, hätte er bei dieser Wanderung doch auf seinen Sohn achtgeben müssen!

    Und über all dem, schwebt noch ein großes Damoklesschwert:
    Die Frage, ob es sich bei dem jungen Mann wirklich um Sander handelt!

    „Anders“ regt definitiv zum nachdenken an und bleibt dem Leser noch sehr lange im Gedächtnis!

  • „Die Zahlen der Toten“ | Linda Castillo

    Titel im Original:  „Sworn to Silence“
    Autor: Linda Castillo
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Helga Augustin
    Verlag: Fischer Verlag
    Genre: Thriller
    1. Fall von Kate Burkholder
    Seitenzahl: 429
    ISBN: 978-3-596-18440-8

    Sie sind Amische. In ihrer Welt darf es keine Verbrechen geben!
    Doch jetzt liegt eine verstümmelte Frauenleiche auf dem Feld!

     Kate Burkholder, Polizeichefin in Painters Mill, Ohio, muss den Killer finden, bevor er noch einmal zuschlägt. Aber wenn sie in überführen, verrät sie nicht nur ihre amische Familie, sondern deckt auch ein dunkles Geheimnis auf, das ihr Leben zerstören kann.

    Meine Meinung

    Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr viele Bücher in einem bestimmten Genre lest und es euch dann wieder zur Abwechslung nach etwas ganz Anderem gelüstet? … und ihr, wie in meinem Fall, dann auch noch das „nach Hause kommen“-Feeling braucht?
    Nachdem ich in den letzten Wochen sehr viele historische und zeitgenössische Romane gelesen habe, hat es mich im Juli total zu einem guten Thriller hingezogen. Also starte ich wieder mal mit der Kate Burkholder-Reihe! … mein mittlerweile 3. Durchgang!

    Kate Burkholder ist die erste weibliche Polizeichefin im ländlichen und beschaulichen Painters Mill. Sie ist eine resolute, sympathische junge Frau, die selbst aus der amischen Gemeinde stammt, sich dann aber für die modernere Lebensform entschieden hat. In „Die Zahlen der Toten“ wird sie zu ihrem ersten richtigen Mordfall gerufen und direkt in ein Horrorszenarium katapultiert, dass selbst hartgesottene Polizeibeamte nicht kalt lässt: Auf einem Feld, der zum Hof einer amischen Familie gehört, wird die Leiche einer jungen Frau gefunden. Ihr wurde die Kehle aufgeschlitzt und der Täter ließ sie ausbluten. Zudem wurde ihr die Zahl XXIII in den Bauch geritzt.
    Diese Morde sind nicht neu für die kleine Gemeinde. Vor 16 Jahren tötete ein Verbrecher in eben dieser Art Frauen in der Gegend – nur waren die Zahlen damals noch unter 10!

    Die Story ist lebendig, spannend und mitreißend geschrieben. Der Schreibstil ist einfach und fließend. Beides ist in seiner Form eine absolut ansprechende Kombination und von der Autorin toll umgesetzt. Linda Castillo beherrscht das sprachliche Handwerk, unaufgeregt und sehr stimmig Spannung aufzubauen, auch wenn einem beim Lesen ab und an mal unnötige Wortwiederholungen auffallen. In meinen Augen aber absolut nichts Schlimmes!

    Ich mochte die Protagonistin Kate Burkholder sehr gerne. Sie ist eine intelligente Frau, die natürlich – wie in vielen Thrillern üblich – auch ihre Vergangenheit zu bewältigen hat. Sie wird von ihrem überwiegend männlichen Team als Chefin absolut akzeptiert und ich finde die Harmonie unter den einzelnen Personen sehr ausschlaggebend. Jeder für sich ist ein sympathischer und facettenreicher Charakter. Mit John Tomasetti haben wir hier vielleicht ein etwas stereotypischer Ermittler, wie er allzu oft in Spannungsliteratur zu finden ist, aber wenn er so gestaltet wird, wie in „die Zahlen der Toten“, bekommt auch er bei mir einen großen Platz in meinen Herzen!

    Was mir immer wieder auffällt: Gerade die Gewaltszenen in diesem Buch sind sehr treffend und prägnant beschrieben! Linda Castillo schafft es dem Leser aussagekräftig und glaubwürdig eine Entführungsszene zu beschreiben, die ich ihr in jeder Sekunde abkaufe. Es gibt keine unglaubwürdigen Heldentaten.  Es wird ganz offen ausgesprochen, das auch erfahrene Ermittler sich vor Angst in die Hose machen können. In diesem Buch wird einfach niemand als Übermensch dargestellt!

    Wenn ihr eine neue – wirklich Gute! – Thriller-Reihe sucht, schaut euch die Bücher von Linda Castillo unbedingt mal an!

  • „Die Therapie“ | Sebastian Fitzek

    Autor: Sebastian Fitzek
    Verlag:  Drömer Knaur
    Genre:  Thriller
    Seitenzahl:  336
    ISBN:  978-3-426-63309-0

    Keine Zeugen! Keine Spuren!  Keine Leiche!

    Josy, die 12jährige Tochter des bekannten Psychiaters Viktor Larenz, verschwindet unter mysteriösen Umständen. Ihr Schicksal bleibt ungeklärt.
    Vier Jahre später: Der trauernde Viktor hat sich in ein abgelegenes Ferienhaus zurückgezogen. Doch eine schöne Unbekannte spürt ihn dort auf. Sie wird von Wahnvorstellungen gequält. Darin erscheint ihr immer wieder ein kleines Mädchen, das ebenso spurlos verschwindet wie einst Josy. Viktor beginnt mit einer Therapie, die mehr und mehr zum dramatischen Verhör wird …

    Meine Meinung

    Heute möchte ich euch das Erstlingswerk von Sebastian Fitzek vorstellen.
    „Die Therapie“ wurde im Jahre 2006 veröffentlicht und ist in meinen Augen eines der besten Bücher des Autoren. Wenn nicht sogar DAS BESTE! Bis jetzt konnte mich nur noch „Der Seelenbrecher“ gleichwertig überzeugen.
    Der Autor schafft es binnen weniger Seiten seinen Leser zu fesseln und durch die Geschichte zu tragen. Man kann das Buch einfach nicht mehr aus der Hand legen.

    In „Die Therapie“ verfolgen wir Dr. Viktor Larenz. Der Psychiater ist nach dem spurlosen Verschwinden seiner Tochter ein gebrochener Mann und möchte die Zeit in seinem Ferienhaus nutzen, um ein wenig Frieden und neue Kraft für die Suche nach Josy zu finden. Sein Schicksal und die Trauer sind allgegenwärtig. Ich mochte diesen Charakter unwahrscheinlich gern. Er wurde nicht unangenehm raunzig dargestellt oder hat im Selbstmitleid gebadet, Dr. Larenz möchte einfach nur einen Tag nach dem Anderen überleben. Welchem Elternteil würde es da nicht genauso gehen?
    Während seines Aufenthalts, lernt er Anna Spiegel kennen. Die Frau wirkt nicht nur von der ersten Seite an vollkommen unsympathisch, aufgesetzt und unecht, man hat auch immer das Gefühl, man möchte sie einfach wieder bei der Tür rausschmeißen und hinter ihr absperren! Und trotzdem fordert sie doch eine gewisse Aufmerksamkeit! Ihre Wahnvorstellungen ziehen Dr. Larenz in den Bann, sieht er in ihren Erzählungen doch viele Parallelen zu dem Fall seiner Tochter.

    Sebastian Fitzek liefert uns hier eine großartige düstere Geschichte, die dem Leser an so manchen Stellen die Gänsehaut über den Rücken laufen lässt. Unerwartete Wendungen. Ein mitreißender und spannender Schreibstil. Aber auch die Kopfarbeit des Lesers wird durch versteckte Hinweise immer wieder angefacht. Es bleibt bis zum Schluss viel Spielraum für die eigenen Spekulationen!

    Die Kapitel sind relativ kurz gehalten und enden oft mit einer kryptischen Unklarheit, bei der man einfach nicht aufhören kann. Also alle „Ein Kapitel noch!“-Leser werden hier ganz bestimmt scheitern. Das wurden bei mir jeden Tag mindestens 10!

    Wer bei Büchern auf das richtige Gänsehautfeeling steht, der wird hier auf jeden Fall bedient!