• „I am Death. Der Totmacher.“ | Chris Carter

    Titel im Original: „I am Death“
    Autor: Chris Carter
    Aus dem Englischen übersetzt von Sybille Uplegger
    Verlag: Ullstein Verlag
    Genre: Thriller
    7. Fall von Robert Hunter & Carlos Garcia
    Seitenzahl:  381
    ISBN: 978-3-548-28173-3

    Denn ich bin der Tod …
    Vor dem Los Angeles International Airport wird eine brutal zugerichtete Leiche gefunden. In ihrem Hals steckt ein Zettel mit einer Botschaft:  Ich bin der Tod. Profiler Robert Hunter ist der Einzige, der den Täter finden kann. Bald hat er einen Verdacht. Doch da taucht eine weitere Leiche auf. Ein grausames Spiel beginnt …

    Meine Meinung

    Eine bestialisch misshandelte Frauenleiche wird in der Nähe des Los Angeles International Airport aufgefunden. In ihr hat der Mörder eine Botschaft hinterlassen: „Ich bin der Tod“!
    Kaum ist Robert Hunter von seinem „Urlaub“ zurück, erwartet ihn und seinen Partner Carlos Garcia bereits ein neuer grausamer Fall. Sie müssen einen an Brutalität kaum zu übertreffenden Mörder fassen. Dieser scheint keine Spuren zu hinterlassen, während er immer wieder den Kontakt zu den Ermittlungsbehörden sucht. Der Totmacher wütet in Los Angeles und stellt die Ermittler vor ein großes Rätsel.

    Der Schreibstil ist wie immer flüssig und leicht, jedoch haben mich die Spannungsbögen in diesem Band etwas im Stich gelassen. Die kurzen Kapitel laden zum Weiterlesen ein und es folgt ein Cliffhanger nach dem Anderen. Auch die brutalen Szenen fand ich wie gewohnt markerschütternd, die Geschichte wird aber deutlich ruhiger und sachlicher erzählt. Meiner Wahrnehmung nach, gehen wir dafür aber etwas tiefer in die Details der Ermittlungsarbeit.
    Man fragt sich ständig „wer ist „der Tod“?“ und wie kommt er auf seine perfiden Ideen. Zeitgleich bangt man mit den Opfern und hofft doch, dass die Frauen der Entführung und den Qualen noch entkommen können …

    Anders als erwartet und auch von den bisherigen Bänden gewohnt, kam das Ende für mich sehr plötzlich und eher lauwarm. Normalerweise werden gerade die Schlussszenen von Chris Carter besonders zelebriert. In „I am Death“ kamen sie Schlag auf Schlag und der große Showdown bleibt eher unaufgeregt. Dennoch ist das Ende logisch nachvollziehbar und wie immer total unerwartet. Der Hintergrund der Taten ist dramatisch und ging mir sehr ans Herz!

    Robert Hunter und Carlos Garcia sind wie immer professionell bei der Arbeit. Ihr Verhältnis ist merkbar innig, jedoch werden weder Schnulz noch übertriebenes Freundschaftsgeplänkel an den Leser weitertransportiert. Sie sind einfach zwei tolle und sympathische Ermittler, die „nur“ ihren Job machen.

  • „Die stille Bestie“ | Chris Carter

    Titel im Original:  „An Evil Mind“
    Autor:  Chris Carter
    Aus dem Englischen übersetzt von Sybille Uplegger
    Verlag:  Ullstein Verlag
    Genre:  Thriller
    6. Fall von Robert Hunter & Carlos Garcia
    Seitenzahl:  443
    ISBN:  978-3-548-38712-6

    Profiler Robert Hunter vertraute immer nur wenigen Menschen. Eigentlich nur einem: Lucien Folter, seinem Freund aus Studientagen. Bis dieser plötzlich verschwand. Jahre später kommt ein Anruf:  Die Körperteile unzähliger Mordopfer sind aufgetaucht, grausige Trophäen. Angeklagt ist Lucien Folter. Und er will nur mit einem reden:  Robert Hunter!

    Meine Meinung

    Sommer, Sonne, Strand und Meer! Nach seinem letzten nervenaufreibenden Fall sehnt sich Detective Robert Hunter einfach nur noch nach einer Pause! Der Flug nach Hawaii ist bereits gebucht, als ihn ein Anruf seiner Chefin erreicht: Bei einem Autounfall, auf dem Parkplatz eines Dinners, werden im Kofferraum zwei Frauenköpfe gefunden. Nach seiner Verhaftung will der vermeintliche Täter ausschließlich mit Robert Hunter sprechen …
    Überrascht muss dieser feststellen, dass es sich um niemand geringeren als seinen alten Studienfreund Lucien Folter handelt. Er bittet ihn darum, seine Unschuld zu beweisen …
    Zusammen mit dem FBI soll Robert Hunter in Luciens Haus nach Beweisen suchen, doch was sie dort finden, lässt ihm den Atem stocken!

    „Die stille Bestie“ von Chris Carter ist anders, denn der Fall gehört sicher zu Roberts persönlichsten!
    Da es sein Partner Carlos Garcia noch rechtzeitig in den wohlverdienten Urlaub geschafft hat, muss der Detective diesmal alleine ermitteln. Anders als bisher steht der Täter von Anfang an fest und Hunter versucht herauszufinden, was aus seinem alten Freund in den vergangenen Jahren geworden ist.
    Auch in diesem Buch wird uns die Geschichte, wieder von einem auktorialen Erzähler geschildert. Man erfährt dabei nicht nur, wie Detective Hunter seine Ermittlungen angeht, sondern bekommt zudem noch einen guten Einblick in die Denkweise des Täters. Dieser rückt nur mit Informationen raus, wenn er im Gegenzug Fragen stellen darf. Und die betreffen vor allem die Vergangenheit seines Freundes. Aus den vorherigen Fällen wissen wir ja bereits, dass Robert Hunter nicht zu Emotionen oder Ausbrüchen neigt, sondern fast unterkühlt und rational wirkt. In diesem Thriller ist es ganz ähnlich und doch so anders!

    Ich muss gestehen, ich habe mich von Anfang an ziemlich an der Nase herumführen lassen. Chris Carter schickt den Leser mal wieder auf einige falsche Fährten, die sich dann überraschenderweise doch wieder als Sackgassen entpuppen. Die Geschichte erinnert ein bisschen an „Das Schweigen der Lämmer“. Allerdings fand ich die Beschreibungen der Gräueltaten in diesem Band wesentlich angenehmer und erträglicher, das Buch fordert dafür mehr Kopfarbeit. Robert Hunter muss mit sein ganzes Können als Profiler und Psychologe aufwarten, um Lucien Folter auf die Schliche zu kommen. Und dieser versucht mit aller Macht seinen alten Freund aufs Glatteis zu führen. Auch er ist ein hochintelligenter Kopf und hat mit der Planung seiner Morde augenscheinlich schon sehr früh begonnen …

    Und so kam es, dass ich das erste Mal bei einem knallharten und zum Ende hin richtig blutigen Thriller geheult habe wie ein Schlosshund …

  • „Der Totschläger“ | Chris Carter

    Titel im Original:  „One by One“
    Autor:  Chris Carter
    Aus dem Englischen übersetzt von Sybille Uplegger
    Verlag:  Ullstein Verlag
    Genre:  Thriller
    5. Fall von Robert Hunter & Carlos Garcia
    Seitenzahl:  462
    ISBN:  978-3-548-28576-4

    Er sagt, du hast keine Wahl! Er sagt, du kannst nur zusehen! Es liegt nicht in deiner Macht, die Morde zu verhindern …
    Detective Robert Hunter erhält einen Anruf. Spiel mit mir, sagt die anonyme Stimme. Doch Mord ist für Hunter kein Spaß – Zug um Zug wird er zum echten Spielverderber!

    Meine Meinung

    Herzlich Willkommen in einem intelligenten und tiefgründigen Thriller über die Reize des Morbiden und die Anonymität im Internet!

    Im 5. Fall des Morddezernat 1 bekommen Robert Hunter und sein Partner Carlos Garcia anonyme Anrufe. Die Stimme dahinter fordert sie auf, eine eigens für sie eingerichtete Homepage aufzurufen. Nachdem Hunter vor die Wahl gestellt wurde, ob verbrennen oder ertrinken, müssen sie mitansehen, wie der Mann vor der Kamera grausam zu Tode gefoltert wird. Von diesem Zeitpunkt an, sind unsere beiden Ermittler die Hauptakteure in einem bestialisch-perfiden Spiel …
    Der Mörder ist perfekt vorbereitet und macht es dem Morddezernat alles andere als leicht. Seine Spuren sind perfekt getarnt und es gibt keinerlei Hinweise auf die Opfer oder auf seine Motive. Und der Täter wartet nicht lange:  Er hat schon sein nächstes Opfer auserkoren und wartet nur noch darauf, wieder online zu gehen …

    Wir alle kennen Autoren, die nach einigen guten Büchern zu schwächeln anfangen. Chris Carter gehört nicht dazu! Wie auch schon die Vorgängerbände ist dieser Thriller extrem spannend und flüssig zu lesen. Die Wechsel zwischen den Szenen sind an genau den richtigen Stellen und haben dennoch oft einen fiesen Cliffhanger.
    Die Szenen sind klar und stark erzählt, wenn auch der brutalitätsgrad für mich in diesem Buch nochmal um einen guten Deut in die Höhe gegangen ist. In diesem Sinne war der „Totschläger“ echt High-Level und ich bekam mehr als einmal Herzklopfen beim Lesen! Wahnsinn! Die Gänsehaut ist hier absolut vorprogrammiert!
    Zudem wird der Mörder in diesem Buch sehr persönlich, was für mich auch ein Faktor war, immer weiterlesen zu wollen …

    Chris Carter verarbeitet in diesem Buch ganz klar die leichtfertige Grausamkeit unbedarfter Menschen. Geschwollen ausgedrückt, sorry! Es gibt nur wenig, was schlimmer sein könnte als ein skrupelloser Mörder. Abertausende Internetnutzer ohne Gewissen, die aus morbiden Spaß an der Wahl über Leben und Tod eines Menschen entscheiden gehören aber definitiv dazu.

    Wie bereits angesprochen, bekommt dieser Fall bald eine sehr persönliche Note, die überwiegend Carlos Garcia und seine Frau betrifft. Der Schluss ließ mich daher etwas atemlos und ängstlich zurück. Ich bin wirklich gespannt, wie Chris Carter nun weitermacht …

  • „Der Totenkünstler“ | Chris Carter

    Titel im Original: „The Death Sculptor“
    Autor: Chris Carter
    Aus dem Englischen übersetzt von Sybille Uplegger
    Verlag: Ullstein Verlag
    Genre: Thriller
    4. Fall von Robert Hunter & Carlos Garcia
    Seitenzahl:  443
    ISBN: 978-3-548-28539-9

    Die Angst geht um beim Los Angeles Police Department. Wer von ihnen wird das nächste Opfer sein?
    Ein brutaler Killer tötet Polizisten und formt aus ihren Körpern abscheuliche Figuren. Er versteht sich als Künstler. Und genau da setzen Robert Hunter und sein Partner Carlos Garcia mit ihren Ermittlungen an. Hunter weiß, wie Mörder denken. Und das könnte sein Todesurteil sein.

    Meine Meinung

    Nach einigen Wochen Pause kommt bei mir endlich wieder ein Chris Carter an die Reihe …

    Robert Hunter und Carlos Garcia werden zu einem schrecklichen Tatort gerufen: Ein ehemaliger, im Sterben liegender Staatsanwalt wurde auf brutale Art und Weise ermordet. Am Tatort befindet sich eine Skulptur, die aus einigen seiner Körperteile gefertigt wurde. Nicht nur das die Tat vollkommen absurd erscheint, da das Opfer wegen seines Lungenkrebses so und so nur noch wenige Wochen zu leben hatte, auch die Ausführung der Tat wurde vom Täter extrem durchdacht und war auf ein langes Leiden des Opfers ausgerichtet.

    Wieder mal brilliert Chris Carter mit seiner tollen Art zu schreiben. Wir werden ohne viel umschweifen direkt ins Geschehen geworfen und die Spannung ist zum Greifen nahe. Die Formulieren sind toll gewählt und auch die Sätze sind klar und bildhaft. Chris Carter arbeitet geschickt mit Cliffhangern, denen man sich einfach nicht entziehen kann und die den Spannungsbogen immer weiter steigern. Seine Hauptfiguren Robert Hunter und Carlos Garcia haben ja schon so Einiges gesehen, aber jedes Mal wird’s ein bisschen blutiger.
    Auch die Wendungen waren wieder großartig und bei mir hat das Verwirrspiel diesmal total zugeschlagen, denn ich musste meine Vermutungen, wer als Täter dahinter steckt mehr als einmal über den Haufen werfen.

    Die Ermittler tappen lange Zeit im Dunkeln und der Täter treibt weiter sein perfides Spiel. Es scheint, dass er immer brutaler wird! Bei den Beschreibungen, wie der Totenkünstler seinen Opfern die Köperteile abnimmt und auch wie die Tatort und das Auffinden der Skulpturen beschrieben wurde, sind meine eigenen Gesichtszüge vermutlich auch des Öfteren entglitten, aber das sind wir ja bei Chris Carter schon alle gewohnt.

    Da das Opfer ein Mann des öffentlichen Rechtsstaats war, bekommen Hunter und Garcia die beste Unterstützung zur Verfügung gestellt, die die Staatsanwaltschaft aufbieten kann. Ihr Name ist Alice und sie ist eine Koryphäe auf dem Gebiet der Recherche und Hackerei. Ich fand großartig, dass sie nach der anfänglichen Skepsis toll ins Team aufgenommen wurde. Es brechen keinerlei Machtspielchen zwischen den Protagonisten aus und auch die Messer werden nicht hinterher geworfen. Ganz im Gegenteil macht sich die gute Zusammenarbeit schnell bemerkbar und führt zu ersten Ergebnissen! Toll umgesetzt!

    Ich war wie immer begeistert und Chris Carter hat sich mal wieder selbst übertroffen …

  • „Der Knochenbrecher“ | Chris Carter

    Titel im Original: „The Night Stalker“
    Autor: Chris Carter
    Aus dem Englischen übersetzt von Sybille Uplegger
    Verlag: Ullstein Verlag
    Genre: Thriller
    3. Fall von Robert Hunter & Carlos Garcia
    Seitenzahl:  415
    ISBN: 978-3-548-28421-7

    Er ist ein Mann ohne Gesicht. Er ist ein Killer. Und er wird dich kriegen!

    Eine nicht identifizierte Frauenleiche wird in die Rechtsmedizin des Los Angeles County gebracht. Die Todesursache: unklar! Der Körper scheint unverletzt – bis auf die Vagina, die zugenäht worden ist. Was den Pathologen noch mehr schockiert: Bevor die Frau zugenäht wurde, hat der Täter ein Objekt in ihr platziert!

    Meine Meinung

    Bisher war Chris Carter für mich ein Garant für guten Lesestoff, daher konnte ich auch im Januar nicht lange mit dem nächsten Buch der Reihe warten. Mich hat es einfach zu sehr in den Fingern gejuckt …

    Ein weiterer grausamer Mörder macht Los Angeles unsicher und ruft Detective Robert Hunter und seinen Kollegen Carlos Garcia auf den Plan. Die Opfer sind ausnahmslos hübsche brünette junge Frauen, die an unterschiedlichen, abgelegenen Orten gefunden werden. Sie sind äußerlich so gut wie unversehrt, nur deren Mund und die Vagina wurden zugenäht.
    Während sich Detective Hunter und sein Partner an die Fersen des Täters heften, werden die Abstände, in denen die Frauen aufgefunden werden immer kürzer. Der Täter verliert zunehmend die Kontrolle! Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt!

    Wer auf spektakuläre und bizarre Mordfälle steht und spannende Ermittlungen verfolgen möchte, ist auch in diesem Buch wieder an genau der richtigen Adresse. Chris Carter konnte seinen flüssigen und mitreißenden Schreibstil halten und diesen in meinen Augen sogar deutlich verbessern. Die Art und Weise, wie er seine Täter anlegt und sie sich im Verlauf der Geschichte steigern, finde ich einfach hervorragend! Auch wenn ich erst mein drittes Buch von ihm lese, sind mir schon jetzt einige seiner Eigenheiten ins Auge gefallen und ich musste öfters mit einem „Typisch Carter“ im Kopf schmunzeln.

    Wie schon in den anderen Büchern, werden wir recht schnell in die Geschichte geworfen, die spannend und flott voran geht. Die Szenen wurden sehr detailliert beschrieben und auch Robert Hunters Erklärungen und Schlussfolgerungen sind exakt und für jeden Leser verständlich.

    Leider ist „Der Knochenbrecher“ ein sehr verwirrender Titel, denn in diesem Buch passiert so unheimlich viel, aber Kochen brechen hier keine!

    Anders als in den beiden Vorgängerbänden fand ich unsere Ermittler bei diesem Fall etwas distanzierter, wenn nicht sogar ein bisschen flacher dargestellt. Natürlich sind die Beiden mit Feuereifer bei der Sache und versuchen mit allen Mitteln den Mörder zu fassen, aber sie bleiben doch sehr professionell. Der Autor spart diesmal sehr mit den privaten Szenen, daher stellt man auch nur wenig Weiterentwicklung bei den Charakteren fest. Sicher ist das kein Muss bei einem Thriller, aber gerade bei einer so langen Reihe hätte ich es schon sehr schön gefunden!

  • „München“ | Robert Harris

    Titel im Original: „Munich“
    Autor: Robert Harris
    Aus dem Englischen übersetzt von Wolfgang Müller
    Verlag: Heyne
    Genre: Thriller
    Seitenzahl:  426
    ISBN: 978-3-453-27143-2

    September 1938. Die Welt auf Kollisionskurs.
    Wie weit muss man gehen, wenn man den drohenden Krieg verhindern will?

    In München treffen sich Hitler, Chamberlain, Mussolini und Daladier zu einer kurzfristig einberufenen Konferenz. De Weltfrieden hängt am seidenen Faden. Im Gefolge des britischen Premierministers Chamberlain befindet sich Hugh Legat aus dem Außenministerium, der ihm als Privatsekretär zugeordnet ist. Auf der deutschen Seite gehört Paul von Hartmann aus dem Auswärtigen Amt in Berlin zum Kreis der Anwesenden. Insgeheim ist er Mitglied einer Widerstandszelle gegen Hitler!

    Meine Meinung

    Dass Robert Harris ein Meister seines Fachs ist, müsste bei den Lesern von Kriminalromanen und Thrillern ja bereits weitgehend bekannt sein. In „München“ verarbeitet er die vergeblichen Bemühungen, Adolf Hitler von dem drohenden Krieg abzuhalten.

    Die Handlung erstreckt sich über die vier ereignisreichen Tage der Münchner Konferenz im September 1923. Wir begleiten unsere beiden Protagonisten Hugh Legat auf der britischen und Paul von Hartmann auf der deutschen Seite, welche sich von ihrem gemeinsamen Studium in Oxford kennen. Legat arbeitet als einer der Privatsekretäre des englischen Premierministers Neville Chamberlain, der die schwierige und angespannte Lage mit seiner Appeasement-Politik retten möchte. Aber auch im deutschen Lager bekommt der Führer Gegenwind: Von Hartmann hat sich einer Gruppe Aufständiger angeschlossen, die scharf gegen die machthungrige und unmenschliche Führung der Nationalsozialisten vorgehen möchten.

    Robert Harris liefert seinen Lesern auch in diesem Buch wieder gut recherchierte und sehr klar ausformulierte Schilderungen der politischen Lage der damaligen Zeit. Ich würde dieses Buch nicht als Thriller, sondern eher als Kriminalroman bzw. als Politkrimi einstufen, ist das Buch doch sehr ruhig und sachlich gehalten. Wer aber Interesse an den Vorgängen des 2. Weltkrieges zeigt, wird hier voll auf seine Kosten kommen.

    Der Roman ist klug konstruiert, spannend erzählt und besticht durch seine klare und schöne Sprache. Die Recherchen sind glaubwürdig, detailreich und zeugen von der Kenntnis des Autors. Auch Atmosphärisch ist er sehr dicht. Die Spannung wurde vielschichtig aufgebaut und hielt mich trotz der sachlichen Ruhe sehr gut in der Geschichte!

    Robert Harris gelingt es wie keinem Anderen, historische Ereignisse und Personen zum Leben zu erwecken!

    Der spätere Premierminister Churchill zieht mit seinem Kommentar ein sehr klares Resümee aus der Münchner Konferenz: „Sie (Neville Chamberlain) hatten die Wahl zwischen Krieg oder Schande. Sie haben die Schande gewählt und werden den Krieg bekommen!“

  • „Ewige Schuld“ | Linda Castillo

    Titel im Original: „Down a Dark Road“
    Autor: Linda Castillo
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Helga Augustin
    Verlag: Fischer Verlag
    Genre: Thriller
    9. Fall von Kate Burkholder
    Seitenzahl:   365
    ISBN: 978-3-596-29802-0

    Seit zwei Jahren sitzt Joseph King wegen des Mordes an seiner Frau Naomi hinter Gittern. Er gilt als ein „gefallener“ Amischer, einer der ständig mit dem Gesetz in Konflikt geriet. Jetzt ist er ausgebrochen und hat seine fünf Kinder als Geiseln genommen. Als Kate Burkholder die Kinder auf eigene Faust befreien will, wird sie von King überwältigt. Seine Forderung lautet: Du kannst gehen, aber finde den Mörder meiner Frau!

    Meine Meinung

    Joseph King – ein Nachbar und Jugendfreund von Kate Burkholder – sitzt wegen dem Mord an seiner Frau seit zwei Jahren im Gefängnis. Obwohl er die Tat von der ersten Minute an und auch noch die Jahre danach bestreitet, wird er Schuldig gesprochen. Die Gemeinde der Amischen verstößt ihn und auch sonst will ihm Niemand zuhören …
    Als sich die Möglichkeit ergibt, flieht Joseph kurzerhand aus dem Gefängnis. Er kehrt nach Painters Mill zurück um seine Kinder zu sehen und nimmt Kate, die bereits vor der Farm seiner Familie auf sein Auftauchen wartet, als Geisel. Mit ihrer Hilfe möchte er seine Unschuld beweisen!
    Alle – auch Kate – sind von seiner Schuld überzeugt, doch sie hält ihr Versprechen und forscht nach!

    Obwohl man schon recht früh in der Geschichte ahnt, wie der Hase am Ende läuft, waren die Zusammenhänge und die Ermittlungsarbeit toll und bis zur letzten Seite spannend beschrieben. Kate Burkholder sticht bei ihren Nachforschungen geradewegs in ein Nest aus Korruption, Vertuschung und Skrupellosigkeit, was allerdings nicht ungefährlich für sie ist. Ziemlich rasant jagt sie von einer Gefahr zur Nächsten und auch in diesem Buch bekamen wir wieder einige dieser fiesen Schockmomente, in denen einem beim Lesen die Luft stehen bleibt und man sich reflexartig an den Kopf fasst.

    Mir gefiel es auch, wieder etwas mehr aus Kats Vergangenheit bzw. ihrer Kindheit zu erfahren. Sie war schon damals ein kleiner Trotzkopf und wusste, wie sie mit ihren größeren Geschwistern mithalten konnte. Auch was ihre Freundschaft zu Joseph King anging!

    Natürlich mag ich John Tomasetti als Charakter sehr, aber ich hab es lieber, wenn er in den Büchern etwas zurückgenommen wird, was in „Ewige Schuld“ durchaus der Fall ist. Er hat natürlich seine Berechtigung in Kates Leben und bereichert die Geschichte durch seine liebevolle Art, er ist als Polizist aber doch ein sehr klischeebehafteter Charakter, der seine Lebensgefährtin mit aller Macht beschützen und behüten will.

    Kats Handlungen werden gefühlt von Band zu Band impulsiver und teilweise auch leichtsinniger, blieben für mich als Leser aber doch verständlich und nachvollziehbar. Linda Castillo hat eine tolle Art gerade dieses Stilmittel sehr gut an den Leser zu transportieren.
    Was den restlichen Schreibstil betrifft muss ich nicht mehr viel sagen, oder? Sie ist eine Meisterin ihres Fachs. Ich liebe ihre Art Spannung auf vollkommen unblutige Art und Weise aufzubauen und Szenen bildlich zu gestalten. Sie schreibt rasant und die Seiten fliegen nur so dahin!

  • „Der Vollstrecker“ | Chris Carter

    Titel im Original: „The Executioner“
    Autor: Chris Carter
    Aus dem Englsichen übersetzt von Sybille Uplegger
    Verlag: Ullstein Verlag
    Genre: Thriller
    2. Fall von Robert Hunter & Carlos Garcia
    Seitenzahl: 488
    ISBN: 978-3-548-28110-0

    Los Angeles, kurz vor Weihnachten:  Ein katholischer Priester wird brutal ermordet. Vom Kopf des Toten fehlt jede Spur. Der Täter hat ihm stattdessen einen Hundekopf aufgesetzt. Als Hunter und Garcia an den Tatort, eine kleine Kirche, kommen, gibt ihnen nicht nur die Inszenierung der Leiche Rätsel auf. Kryptische Blutspuren befinden sich am Boden und auf der Brust des Toten steht, mit Blut geschrieben, die Zahl Drei. Beim Durchforsten der Tagebuchaufzeichnungen  des Toten stoßen sie auf ungeahnte Parallele.

    Meine Meinung

    „Der Vollstrecker“ … und w0er den ersten Band der Reihe um die Ermittler Robert Hunter und Carlos Garcia kennt, der weiß, dass Chris Carter für Spannung und Nervenkitzel garantiert.

    Ein brutaler und skrupelloser Killer macht Los Angeles unsicher! Hunter und Garcia werden zu früher Stunde an einem Tatort gerufen: Vater Fabian wird nach der Beichtstunde in seiner Kirche enthauptet. Und als ob das noch nicht brutal genug wäre, setzt ihm der Mörder einen Hundekopf auf. Alles deutet auf einem Ritualmord hin. Der Mörder ist schlau, gut durchdacht und auf jeden Fall ist er von der grausamen Sorte!
    Schon bald stoßen Robert Hunter und Carlos Garcia auf ein weiteres Opfer und es scheint eine Verbindung zwischen den beiden Toten zu geben …

    Nachdem Chief Bolten in seinen wohlverdienten Ruhestand geschickt wurde, ist mit Barbara Blake auch ein neuer Captain mit von der Partie. Eine starke Frau, die ihrem Job gewachsen ist. Sie wird gleich zu Dienstantritt mit dem grausamen Fall konfrontiert und greift bei den Mitarbeitern des Morddezernats streng durch, um ihre neue Linie durchzusetzen. Sie ist ihrem Team gegenüber durchaus ein loyaler Vorgesetzter und wirkt sehr sympathisch auf mich.

    Mir hat der zweite Fall von Chris Carter sehr gut gefallen! Anders als das schlichte Cover, strotzt der Inhalt in diesem Buch wieder mit einem rasanten Schreibstil, der genau die richtigen Bilder in die Köpfe der Leser transportiert. Der Spannungsaufbau ist ebenso gelungen und zieht sich konstant durch das Buch. Auch die Geschichte, die letztendlich hinter allem steckt ist schlüssig, aber nicht so offensichtlich das man zu früh ahnt, wer hinter den Morden steckt. Es passieren immer wieder Situationen die den Leser zum nachdenken bringen!

    Und Chris Carter? Er ist ein wirklich guter Schriftsteller!
    Er weiß ganz genau wie er seine Leser auf das nächste Kapitel neugierig machen kann. Diese schließen meistens mit einem offenen Ende, was mich automatisch zum weiterlesen animiert hat. „Was haben die Ermittler herausgefunden?“, „Gibt es einen neuen Tatort?“ und „Wie geht es in der spannenden Nebengeschichte weiter?“
    SCHRECKLICH!! Mir fiel es immer wieder schwer das Buch zur Seite zu legen …

  • „Böse Seelen“ | Linda Castillo

    Titel im Original: „Among the Wicked“
    Autor: Linda Castillo
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Helga Augustin
    Verlag: Fischer Verlag
    Genre: Thriller
    8. Fall von Kate Burkholder
    Seitenzahl:   350
    ISBN: 978-3-596-29801-3

    Wenn das Böse im Verborgenen lauert!

    Polizeichefin Kate Burkholder, die selbst als Amische aufgewachsen ist, wird in eine abgelegenen Amisch-Gemeinde im Bundesstaat New York gerufen, um dort undercover zu ermitteln. Immer wieder tauchen von dort Gerüchte auf, dass es in diesem Ort nicht mit rechten Dingen zugehen soll. Drei Mitglieder der Amisch-Gemeinde sind verschwunden. Und jetzt ist die 15-jährige Rachel Esh tot. Man fand sie erfroren im Wald. Allein und auf sich selbst gestellt taucht Kate in eine Welt ein, die voller Grausamkeit und Verbrechen ist.

    Meine Meinung

    Immer wieder gleich und doch sooooo gut!

    Aufgrund ihrer Vergangenheit in der amischen Gemeinde wird Polizeichefin Kate Burkholder gebeten, undercover im Fall eines toten amischen Mädchens in New York State zu ermitteln. Die 15-jährige Rachel Esh ist in tiefster Nacht erfroren, hatte ein starkes Schmerzmittel im Körper und der Gerichtsmediziner konnte frische Spuren eine Abtreibung feststellen. Für Kate sind dies genug Indizien, dass in der Amischen Gemeinde etwas ganz und gar nicht in Ordnung ist. Alleine auf sich gestellt und unter widrigsten Voraussetzungen will Kate hinter die Geheimnisse kommen.
    Mit Unterstützung des dortigen Sheriffs nimmt sie die Tarnung einer amischen Witwe an und schon bald kommen die ersten Ungereimtheiten auf …

    Nach mittlerweile 8 Fällen gelingt es Linda Castillo immer noch, mich mit dem Ausgang der Geschichte zu überraschen. Auch wenn ich ganz klar gestehen muss, dass „Böse Seelen“ einer der schwächeren Bände der Reihe ist. Zum Einen hat das für mich ganz klar mit der unbekannten Umgebung außerhalb von Painters Mill zu tun, aber auch das liebgewonnen Team in Kates Heimatstadt habe ich beim Lesen sehr vermisst.
    Das Buch ist in der Erzählweise ruhiger bzw. geradliniger, dadurch fehlen die spannenden Wendungen und die Geschichte bekommt leider ab und an ihre Längen.

    Dennoch: Die nahe Ich-Perspektive aus Kates Sicht, deren Undercovereinsatz ein noch neues und unentdecktes Element in dieser Thriller-Reihe ist, konnte mich sehr gut am Ball halten und ich bin zügig durch das Buch gekommen. Man ist hautnah dabei und erlebt mit, wie erstaunlich leicht es ihr fällt ,wieder in ihr „altes Leben“ als Amische hineinzuschlüpfen. Durch die räumliche Entfernung zu Painters Mill ist auch John Tomasetti nicht unmittelbar mit von der Partie und so steht hier der Fall etwas mehr im Vordergrund und nicht so sehr die Beziehung der beiden.

    Leider wird auch Kate in diesem Band sehr weinerlich und oft unzufrieden dargestellt. Fast wirkt sie ein bisschen wehmütig, was ihre Vergangenheit betrifft! Diese Stimmungsschwankungen waren selbst mir etwas zu viel!

    Der Schreibstil von Linda Castillo ist jedoch gewohnt lebendig und es gab auch viele witzige und emotionale Momente!