• „Breakdown“ | B. A. Paris

    Titel im Original:  „The Breakdown“
    Autor:  B. A. Paris
    Aus dem Englischen übersetzt von Wulf Bergner
    Verlag:  Blanvalet
    Genre:  Psychothriller
    Seitenzahl:  412
    ISBN:  978-3-7341-0264-6

    Es ist dunkel, ein Unwetter tobt, und die junge Lehrerin Cass will so schnell wie möglich nach Hause. Als sie auf der verlassenen Landstraße ein parkendes Auto sieht, trifft sie eine folgenschwere Entscheidung:  Sie steiget nicht aus, um der Fahrerin Hilfe anzubieten. Sie fährt weiter. Am nächsten Tag erfährt sie, dass die Frau in ihrem Autor ermordet wurde. Und nicht nur das:  Cass kannte das Opfer! Von Schuldgefühlen geplagt, fragt sie sich, ob sie die schreckliche Tat hätte verhindern können. Dann erhält sie plötzlich anonyme Anrufe – am anderen Ende nur bedrohliches Schweigen! Ist der Mörder jetzt auch hinter ihr her?

    Meine Meinung

    Nachdem B. A. Paris mit ihrem Debütroman „Saving Grace“ bei mir vollends ins Schwarze getroffen hat und ich diesen einzigartigen Psychothriller kaum aus der Hand legen konnte, war ich nun doch sehr auf ihr zweites Buch gespannt …

    In „Breakdown“ lernen wir Cassandra kennen. Die junge Lehrerin, fährt nach einem Treffen mit ihren Kollegen in ein heftiges Unwetter. Um ihren Heimweg doch deutlich zu verkürzen, nimmt sie – entgegen aller Vernunft – die abgeschiedene Straße durch ein nahegelegenes Waldstück. An einer Ausweichstelle sieht sie eine Frau in ihrem Auto sitzen. Da diese jedoch keine Anzeichen macht, Hilfe zu benötigen, fährt Cass kurzentschlossen einfach weiter …
    Am nächsten Tag erfährt sie aus dem Radio, dass die Fahrerin ermordet wurde … und Cass die Frau sogar kannte!

    Die Geschichte wird einzig aus Cass Perspektive erzählt. Wir erfahren sämtliche Szenen aus ihren eigenen Sinneseindrücke und ihren oftmals doch sehr konfusen inneren Monologen und Gedankengängen. Dadurch konnte ich mich sehr gut mit der bedrohlichen Situation identifizieren. Auch ihr Ehemann und ihre beste Freundin nehmen in der Geschichte einen sehr großen Platz ein.

    Im Prinzip hätte jeder der Täter sein können! Cassandra ist eine sehr sympathische Protagonistin, deren Geschichte mir doch nahe gegangen ist. Besonders die medizinischen Aspekte der Handlung haben mich zum Nachdenken gebracht. Mit der Zeit wurde sie mir aber auch zu einem immer größeren Rätsel. Sehr schnell beginnt die Realität mit ihren Einbildungen zu verschwimmen.

    B. A. Paris hat einen sehr flüssigen und actionreichen Schreibstil und erschafft eine dichte, aber durchaus greifbare Atmosphäre. Das Buch ist völlig unblutig und lebt durch seine Psychospielchen. Der subtile Spannungsbogen wird über das ganze Buch hinweg gut gehalten, allerdings ergeben sich wegen der Wiederholungen nach der ersten Hälfte doch deutliche Längen. Dennoch verzichtet die Autorin sowohl auf leere Effekthascherei als auch auf Cliffhanger.
    Die Aufklärung ist nicht die allergrößte Überraschung, allerdings hat es B. A. Paris hier für mich zum zweiten Mal geschafft, das Blatt im entscheidenden Moment zu wenden  …

  • „Bitterherz“ | Samuel Bjørk

    Rezensionsexemplar
    Vielen Dank an den Verlag!

    Titel im Original: „Gutten som elsket radyr“
    Autor: Samuel Bjørk
    Aus dem Norwegoschen übersetzt von Gabriele Haefs
    Verlag: Goldmann Verlag
    Genre: Thriller
    3. Fall von Holger Munch & Mia Krüger
    Seitenzahl: 414
    ISBN: 978-3-442-48227-6

    Ein alter Mann fährt auf einer einsamen Straße in den norwegischen Bergen. Plötzlich taucht aus dem Dunkeln eine Gestalt auf und er schafft es gerade noch, zu bremsen. Noch unter Schock kann er nicht glauben, was er sieht: Vor ihm steht ein kleiner Junge mit einem Geweih auf dem Kopf.
    14 Jahre später wird in einem nahegelegenen Bergsee eine Leiche gefunden. Die junge Frau trägt ein Ballettkostüm und am Ufer steht eine Kamera, in deren Linse ein „4“ eingeritzt ist. Kommisar Holger Munch und seine Kollegin Mia Krüger stehen vor dem rätselhaftesten Fall ihrer Karriere …

    Meine Meinung

    Nachdem meine beiden Rezensionen am Donnerstag und am Freitag so gut bei euch angekommen sind, möchte ich euch heute auch noch den dritten und aktuellsten Band der Reihe um Holger Munch und Mia Krüger vorstellen …

    Leider sagt der Klappentext schon sehr viel über den Inhalt des Buches aus, daher möchte ich euch dahingehend gar nicht mehr erzählen. Ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass dieser Fall der Rätselhafteste in den Karrieren unserer beiden Ermittler war, der Täter gibt ihnen aber einige perfide Rätsel auf, die erstmal zu entwirren sind. Einerseits möchte er sie ganz gezielt an der Nase herumführen, andererseits wirft er ihnen dann aber doch immer wieder kleine Hinweise zu, die sie in ihren Ermittlungen weiterbringen …

    Auch in „Bitterherz“ konnte mich Samuel Bjørk wieder von sich überzeugen. Er ist seinem auffälligen Erzählstil treu geblieben, wirkt aber um Welten gesetzter und schreibt hier deutlich tiefgründiger und spannender. Dennoch liest sich das Buch flüssig und leicht weg und konnte mich sehr schnell in den Bann ziehen! Ich würde sagen, der Autor ist endlich angekommen!

    Eine deutliche Steigerung merkt man auch am Showdown und an der Auflösung der Geschichte. Ich persönlich nehme es mir eigentlich nie zum Ziel schon vor dem Ende des Buches den Täter zu entlarven. Einfach weil es mir oft die Freude am Lesen nehmen würde, hier hat uns der Autor aber ganz gezielt bei der Aufklärung mitgenommen. Auf den Täter wäre ich zwar trotzdem nie gekommen, aber der Aha-Moment, war wirklich toll ausgearbeitet und super gut geschrieben!

    Mia Krüger hat sich in den letzten beiden Büchern ja schon ein bisschen als mein Liebling herauskristallisiert, in „Bitterherz“ bekommt ihre Wertigkeit aber nochmal einen steilen Anstieg. Nicht nur, dass sie sich endlich mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzt, die zwar immer wieder thematisch aufgegriffen wird, in der Geschichte aber nie überhandnimmt, hat sie nach etlichen Monaten aktiver Therapie endlich den Absprung aus ihrer misslichen Lage geschafft und wirkte auf mich viel frischer, aktiver und schlagfertiger. Aber auch andere Kollegen bekommen in diesem Buch einen größeren Auftritt. Vielleicht nicht immer im positivsten Sinne, aber doch menschlich und nachvollziehbar! Ich glaube mit den Mitgliedern aus der Sonderkommission werden wir noch unsre Freude habe …

    Alles in Allem ist auch „Bitterherz“ ein sehr gelungener Thriller. Ruhig und mitreißend, mit einem ganz außergewöhnlichen Hintergrund!

  • „Federgrab“ | Samuel Bjørk

    Titel im Original:  „Uglen“
    Autor:  Samuel Bjørk
    Aus dem Norwegoschen übersetzt von Gabriele Haefs
    Verlag:  Goldmann Verlag
    Genre:  Thriller
    2. Fall von Holger Munch & Mia Krüger
    Seitenzahl:  478
    ISBN:  978-3-442-20525-7

    Aus einem Jungendheim bei Oslo verschwindet ein 17-jähriges Mädchen. Einige Zeit später wird sie tot im Wald gefunden – gebettet auf Federn, von Lichtern umkränzt und mit einer weißen Blume zwischen den Lippen. Die Ermittlungen des Teams um Kommissar Holger Munch und seine Kollegin Mia Krüger drehen sich im Kreis, bis sie von einem mysteriösen Hacker kontaktiert werden. Er zeigt ihnen ein verstörendes Video, das neue Details über das Schicksal des Mädchens enthüllt. Und am Rande der Aufnahme ist der Mörder zu sehen, verkleidet als Eule …

    Meine Meinung

    Mit „Federgrab“ legt uns Samuel Bjørk einen Thriller vor, der unter die Haut geht!

    In einem Waldstück wird die bizarr aufgebahrte Leiche eines jungen Mädchens gefunden. Nicht nur, dass ihre Körperhaltung auf einen dunklen Ritus hinweist, das abgemagerte Opfer wurde von ihrem Peiniger auch auf Eulenfedern gebettet …
    Obwohl Mia Krüger mit den Nerven am Ende und krankgeschrieben ist, holt sie Holger Munch zurück in sein Team. Gerade bei einem so verstrickten Fall, kann der Chef der Sonderkommission nicht auf den Spürsinn seiner Kollegin verzichten. Als ein Hacker den Ermittlern auch noch ein Video zuspielt, das im DarkNet kursiert, gerät selbst der erfahrenste Polizist an seine Grenzen …

    Nachdem ich den ersten Fall direkt vor dem Zweiten gelesen habe, hatte ich doch sehr hohe Erwartungen an das Buch. Und in meinen Augen schneidet Samuel Bjørk wirklich sehr gut ab! „Engelskalt“ mag vielleicht ein bisschen eingängiger gewesen sein, der Autor nähert sich in diesem Buch aber gezielt dem düsteren Genre des „Nordic-Noir“ an, was mir sehr gut gefallen hat.

    Auch hier bekommen wir wieder einen sehr ruhigen und atmosphärischen Thriller, der mit einem spannenden und mitreißen Erzählstil aufwartet. In meinen Augen, hat der Autor die zwei Jahre zwischen „Engelskalt“ und „Federgrab“ sehr gut genutzt, kann man doch eine starke Steigerung in seinem Stil erkennen. Natürlich ist dieser immer noch eigen und für manche Leser auch sicher gewöhnungsbedürftig, die Geschichte ging mir aber viel leichter und intensiver ein.
    Samuel Bjørk konstruiert Fälle, die so durchaus das Leben schreiben könnte. Atmosphärisch dicht und düster zieht er den Leser immer tiefer in die Wirren des Verbrechens …

    Das Team rund um Holger Munch ist absolut einzigartig, mit hohem Wiedererkennungswert. Sie handeln menschlich und nachvollziehbar und trotz ihrer Ecken und Kanten werden sie mir von Buch zu Buch sympathischer. In „Federgrab“ bekommen ihre Persönlichkeiten deutlich mehr Platz. Liebenswert in ihren Schwächen und beängstigend echt in ihren dunklen Stunden! Klassisch nordisch, werden diese Themen aber nicht verweichlicht, sondern sehr sachlich und klar an den Leser weitergegeben. Vor allem Holger Munch ist ein weitaus komplexerer Charakter als es im ersten Fall vermuten lässt. Mehr als einmal mangelt es ihm an der richtigen Urteilsfähigkeit  um wichtige Situationen und Menschen einschätzen zu können.

    Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Trotzdem tritt das Team auf der Stelle. Einige Spuren erweisen sich als Nieten, bis sich der Hacker, der das Video entdeckt hat, nochmal bei Mia meldet …

  • „Engelskalt“ | Samuel Bjørk

    Titel im Original:  „Det henger en engel alene i skogen“
    Autor:  Samuel Bjørk
    Aus dem Norwegoschen übersetzt von Gabriele Haefs
    Verlag:  Goldmann Verlag
    Genre:  Thriller
    1. Fall von Holger Munch & Mia Krüger
    Seitenzahl:  539
    ISBN:  978-3-442-48225-2

    Ein Spaziergänger findet im norwegischen Wald ein totes Mädchen, aufgehängt an einem Springseil. Kommissar Holger Munch beschließt, sich der Hilfe seiner Kollegin Mia Krüger zu versichern, deren Spürsinn unschlagbar ist. Er reist auf die Insel Hitra, um sie abzuholen. Was Munch nicht weiß: Mia hat sich dorthin zurückgezogen um sich umzubringen. Doch als sie die Bilder des toten Mädchens sieht, entdeckt sie ein Detail, das bisher übersehen wurde – und das darauf schließen lässt, dass es nicht bei dem einen Opfer bleiben wird …

    Meine Meinung

    „Engelskalt“ ist der erste Fall um den Ermittler Holger Munch, der sich zu Beginn des Buches selbst als „übergewichtigen, aber sympathischen Nerd“ beschreibt. Mit einem Faible für Schach, klassische Musik und Mathematik, der zwar keinen Tropfen Alkohol anrührt, dafür aber Raucht wie ein Schlot. Sein weiblicher Gegenpart ist die junge Mia Krüger, die mit ihrem indianischem Aussehen und den norwegischen Augen alle Blicke auf sich zieht. Natürlich trägt die auffällige Narbe über ihrem rechten Auge auch noch dazu bei. Sie ist das Superhirn in Munchs Sonderkommission, deren Arbeitsweise in manchen Situationen, denen eines geselligen Sheldon Cooper gleicht.

    Als zwei junge Mädchen, hübsch zurechtgemacht, an Springseilen im Wald aufgehängt gefunden werden, ist ganz Norwegen in Aufruhr. Holger Munch, der schon seit langer Zeit nicht mehr mit einem solch brutalen Fall konfrontiert war, weckt seine Sonderkommission aus dem Dornröschenschlaf und trommelt sein Team zusammen, mit denen er schon einige brisante Fälle lösen konnte. Dazu gehört auch Mia, die seit dem Tod ihrer Zwillingsschwester äußert labil ist, aber zu den besten Ermittlerinnen des Landes gehört. Das ganze Team arbeitet unter Hochdruck, denn es scheint, als sollten noch weitere Opfer folgen …

    „Engelskalt“ erzählt eine spannende Geschichte und hielt für mich einige interessante Wendungen parat. Dennoch war der Erzählstil von Samuel Bjørk sehr speziell und ich brauchte einige Zeit um in das Buch hineinzukommen. Es startet mit zahlreichen losen Handlungssträngen, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Aus der Sicht des Täters selbst erfährt man nur sehr kurze Szenen, die für mich auch eher eingeworfen gewirkt haben. Vieles wird uns erst im Nachhinein von einem der Ermittler berichtet. Nach und Nach bekommen aber alle Puzzlestücke ihren Platz und die Handlung entwickelt sich zu einem runden Ganzen.

    Der Thriller ist sehr flüssig und mitreißend geschrieben. Samuel Bjørk nimmt sich viel Zeit, um dem Leser sein Team näher zu bringen. Dabei bleibt niemand blass und alle Charaktere wurden im Laufe der Geschichte für mich zugänglich und sympathisch. Besonders gut hat mir das Zusammenspiel zwischen Holger Munch und Mia Krüger gefallen, die trotz des großen Altersunterschiedes absolut auf einer Wellenlänge liegen und sich wirklich toll ergänzen.

    Ich fand es gut, dass der Autor nicht dem Trend folgt, dem Leser möglichst brutale und detailgenaue Beschreibungen der Taten entgegen zu bringen. Man erfährt natürlich im Nachhinein, dass den Mädchen Gewalt angetan wurde, ihre Leichen werden aber sauber und ohne äußerliche Einwirkungen aufgefunden, was für mich fast noch bedrohlicher wirkte. Die Gefahr ist stetig präsent und prägt dadurch auch die Atmosphäre des Buches.

    Als besonders gelungen fand ich auch die Szenen, in denen wir Mia Krügers Denkweisen folgen, die wie im Wahn einzelne Worte aus dem Fall miteinander kombiniert und erst scheinbar zusammenhanglose Details wahrnimmt, die sie dann immer weiter verfeinert.

    „Engelskalt“ ist ein hervorragend geschriebener Thriller, der zwar ein eher ruhiges Leseerlebnis bietet, aber dennoch fesselt und immer wieder aufs Neue überrascht!

  • „Blutrausch – Er muss töten!“ | Chris Carter

    Titel im Original:  „Gallery of the Death“
    Autor:  Chris Carter
    Aus dem Englischen übersetzt von Sybille Uplegger
    Verlag:  Ullstein Verlag
    Genre:  Thriller
    9. Fall von Robert Hunter & Carlos Garcia
    Seitenzahl:  445
    ISBN:  978-3-548-28953-3

    Das Schlafzimmer der jungen Frau ist auf drei Grad runtergekühlt. Doch der Geruch nach Blut ist überwältigend. Die Tote wurde brutal verstümmelt, in ihre Haut ist eine Botschaft geritzt:  „Schönheit umgibt sie“. Profiler Robert Hunter jagt einen Killer mit Künstlerseele, der seine Opfer wie Ausstellungsstücke darbietet. Und der jeden Schritt von Hunter zu kennen scheint.

    Meine Meinung

    Ein verzwickter Fall, ein interessantes Ermittlerteam und ein gerissener Psychopath, der den Ermittlern immer einen Schritt voraus ist …
    Während eines Vortrages wird Robert Hunter zu einem neuen Fall gerufen. Am Tatort wurde eine gehäutete weibliche Leiche mit abgetrennten Händen und Füßen aufgefunden, deren Rücken außerdem eine Botschaft in Latein ziert: „Schönheit umgibt sie“! Der ganze Raum ist in Blut getränkt. Robert Hunter und Carlos Garcia sind schockiert, bietet sich ihnen am Tatort doch ein Bild, das man nur schwer wieder aus dem Kopf bekommt. Allerdings bestätigt die Obduktion, dass die junge Frau erstickt wurde und die Verstümmelungen erst nach ihrem Tod erfolgten. Das macht die Tat zwar nicht besser, aber wenigstens musste das junge Model nicht leiden.
    Nur wenige Stunden später wird die Leiche eins afroamerikanischen Mannes gefunden, jedoch können Hunter und Garcia bis auf den lateinischen Text im Rücken der beiden Opfer keine weiteren Gemeinsamkeiten finden …
    Als wären die Ermittlungen nicht schon knifflig genug, taucht auch noch das FBI auf und erzählt von weiteren Morden. Seltsamerweise reißen die Agenten die Ermittlungen nicht komplett an sich, sondern bitten Hunter und seinen Partner um Hilfe. Für beide Seiten keine einfaches Unterfangen. Und die Uhr tickt!

    „Blutrausch“ wird aus verschiedenen Perspektiven geschildert, so beschreibt der Autor Szenen aus verschiedenen Sichten und lässt uns auch in die Gedankenwelt des Killers eindringen. Der Schreibstil ist leicht und lebendig, mit starken Wendungen und Aha-Momenten und hat mir auch in diesem Band wieder sehr gut gefallen.
    Toll fand ich auch, dass er häufig Roberts Gedankengänge offen lässt und erst einige Kapitel später erläutert. Das regt den Leser zum Nachdenken an und man rätselt unwillkürlich mit …

    Zu der schon bekannten Wortgewandtheit, wirft Chris Carter hier sehr viel Ironie in die Geschichte: Das Carlos Garcia mit seiner flapsigen und sarkastischen Art bei mir immer punkten kann, war ja irgendwie klar, aber in diesem Buch nimmt sein Verhalten neue Formen an. Hier wird das FBI mit seinen Handlungsweisen von der ersten Seite der Zusammenarbeit ins lächerliche gezogen. Agenten, die in der Ermittlungsarbeit durchgehend weit hinter dem LAPD stehen und oft noch nicht mal die klarsten Schlüsse ziehen können. Sie fallen sogar auf die einfachsten Verhörtricks rein. Dennoch strotzen die beiden Agenten vor Arroganz und Überheblichkeit. Wen wundert es da, dass Carlos immer einen passenden Spruch auf den Lippen hat?

    In manchen Situationen habe ich mich aber doch gefragt, wie Robert immer wieder zu seinen plötzlichen Geistesblitzen kommt. Auch wenn er immer eine gute und glaubwürdige Begründung für seine Ausführungen hat!

    Anders als in seinen bisherigen Büchern haben wir am Ende des Bandes eines ziemlich fiesen Cliffhanger auf sein neues Buch! Wann wird es endlich wieder Juli?? … ich kann`s kaum erwarten!

  • „Death Call – Er bringt den Tod“ | Chris Carter

    Titel im Original:  „The Caller“
    Autor:  Chris Carter
    Aus dem Englischen übersetzt von Sybille Uplegger
    Verlag:  Ullstein Verlag
    Genre:  Thriller
    8. Fall von Robert Hunter & Carlos Garcia
    Seitenzahl:  412
    ISBN:  978-3-548-28952-6

    Tanya Kaitlin bekommt einen Videoanruf von ihrer besten Freundin. Was sie sieht ist ein Alptraum: Ihre Freundin ist gefesselt und geknebelt. Um sie zu retten, muss Tanya zwei Fragen richtig beantworten. Doch sie scheitert und ihre Freundin wird vor ihren Augen brutal ermordet!
    Profiler Robert Hunter und sein Partner Carlos Garcia suchen einen Serienmörder, der seinen Opfer in den sozialen Medien auflauert. Er studiert ihre Fehler und nutzt sie für sein perfides Spiel. Und das hat gerade erst begonnen.

    Meine Meinung

    „Death Call“ reiht sich nahtlos in die Riege der rasanten und rundum gelungenen Thriller von Chris Carter ein. In diesem Buch geht es um einen perfiden, aber überaus cleveren Serienmörder, der seine Opfer in den sozialen Medien ausfindig macht und ein unglaubliches Spiel mit ihnen treibt. Per Videochat lässt er ihre engsten Angehörigen und Freunde live an seiner grausamen Tat teilhaben: Schaffen sie es, zwei Fragen zu beantworten, lässt er seine Opfer frei. Liegen sie mit ihren Antworten falsch, müssen sie die Tötung mitansehen. Dieses teuflische Spiel zu gewinnen ist unmöglich!
    Die Leichen sind erschreckend zugerichtet, daher ziehen die Behörden schnell die Detectives des Morddezernats zu den Ermittlungen hinzu. Robert Hunter und Carlos Gracia stürzen sich auf den Fall! Die Jagd nach dem Mörder beginnt…

    Die Spannung wird direkt zu Beginn des Buches aufgebaut und hält sich konstant bis zum Schluss. Der Schreibstil ist fesselnd und leicht, dennoch bekommen wir auch hier wieder eine auffallend gute Wortgewandtheit, die mir mehr als einmal ein Schmunzeln heraus gekitzelt hat. Zudem war der Verlauf der Geschichte für mich keineswegs vorhersehbar und auch mit diesem Ausgang bzw. der Identität des Täters hätte ich nicht gerechnet.

    Wie immer wird die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven erzählt und die einzelnen Kapitel sind recht kurz gehalten. Ganz Besonders gut gefallen hat mir die Verstrickung zwischen dem Serienmörder und einer außenstehenden Person, die zwar als Angehöriger in die Geschichte hineingezogen wurde, recht schnell aber eine ganz andere – aggressivere – Rolle in dem Buch einnimmt.

    Chris Carter nimmt sich hier eines sehr aktuellen Themas an, dass schonungslos die Schattenseiten der sozialen Medien aufgezeigt. Welche Informationen darf ich als Privatmensch im Internet preisgeben? Und wie schnell können diese gegen mich verwendet werden? Wie gefährlich können ganz locker ausgesprochene Aussagen über andere Personen von Dritte verwendet werden?
    Soziale Medien wie Facebook, Instagram und Co. sind auch für mich nicht mehr aus meinem Leben wegzudenken, dennoch sollten sie mit Hirn und  einer guten Portion Voraussicht verwendet werden. Auch wenn es im Internet oft so suggeriert, wir sind nicht mehr unangreifbar im World Wide Web!

    Insgesamt wieder ein sehr gut geschriebener Thriller ohne unnötige Längen, mit überraschenden Wendungen und einer abwechslungsreichen Handlung!

  • „I am Death. Der Totmacher.“ | Chris Carter

    Titel im Original: „I am Death“
    Autor: Chris Carter
    Aus dem Englischen übersetzt von Sybille Uplegger
    Verlag: Ullstein Verlag
    Genre: Thriller
    7. Fall von Robert Hunter & Carlos Garcia
    Seitenzahl:  381
    ISBN: 978-3-548-28173-3

    Denn ich bin der Tod …
    Vor dem Los Angeles International Airport wird eine brutal zugerichtete Leiche gefunden. In ihrem Hals steckt ein Zettel mit einer Botschaft:  Ich bin der Tod. Profiler Robert Hunter ist der Einzige, der den Täter finden kann. Bald hat er einen Verdacht. Doch da taucht eine weitere Leiche auf. Ein grausames Spiel beginnt …

    Meine Meinung

    Eine bestialisch misshandelte Frauenleiche wird in der Nähe des Los Angeles International Airport aufgefunden. In ihr hat der Mörder eine Botschaft hinterlassen: „Ich bin der Tod“!
    Kaum ist Robert Hunter von seinem „Urlaub“ zurück, erwartet ihn und seinen Partner Carlos Garcia bereits ein neuer grausamer Fall. Sie müssen einen an Brutalität kaum zu übertreffenden Mörder fassen. Dieser scheint keine Spuren zu hinterlassen, während er immer wieder den Kontakt zu den Ermittlungsbehörden sucht. Der Totmacher wütet in Los Angeles und stellt die Ermittler vor ein großes Rätsel.

    Der Schreibstil ist wie immer flüssig und leicht, jedoch haben mich die Spannungsbögen in diesem Band etwas im Stich gelassen. Die kurzen Kapitel laden zum Weiterlesen ein und es folgt ein Cliffhanger nach dem Anderen. Auch die brutalen Szenen fand ich wie gewohnt markerschütternd, die Geschichte wird aber deutlich ruhiger und sachlicher erzählt. Meiner Wahrnehmung nach, gehen wir dafür aber etwas tiefer in die Details der Ermittlungsarbeit.
    Man fragt sich ständig „wer ist „der Tod“?“ und wie kommt er auf seine perfiden Ideen. Zeitgleich bangt man mit den Opfern und hofft doch, dass die Frauen der Entführung und den Qualen noch entkommen können …

    Anders als erwartet und auch von den bisherigen Bänden gewohnt, kam das Ende für mich sehr plötzlich und eher lauwarm. Normalerweise werden gerade die Schlussszenen von Chris Carter besonders zelebriert. In „I am Death“ kamen sie Schlag auf Schlag und der große Showdown bleibt eher unaufgeregt. Dennoch ist das Ende logisch nachvollziehbar und wie immer total unerwartet. Der Hintergrund der Taten ist dramatisch und ging mir sehr ans Herz!

    Robert Hunter und Carlos Garcia sind wie immer professionell bei der Arbeit. Ihr Verhältnis ist merkbar innig, jedoch werden weder Schnulz noch übertriebenes Freundschaftsgeplänkel an den Leser weitertransportiert. Sie sind einfach zwei tolle und sympathische Ermittler, die „nur“ ihren Job machen.

  • „Die stille Bestie“ | Chris Carter

    Titel im Original:  „An Evil Mind“
    Autor:  Chris Carter
    Aus dem Englischen übersetzt von Sybille Uplegger
    Verlag:  Ullstein Verlag
    Genre:  Thriller
    6. Fall von Robert Hunter & Carlos Garcia
    Seitenzahl:  443
    ISBN:  978-3-548-38712-6

    Profiler Robert Hunter vertraute immer nur wenigen Menschen. Eigentlich nur einem: Lucien Folter, seinem Freund aus Studientagen. Bis dieser plötzlich verschwand. Jahre später kommt ein Anruf:  Die Körperteile unzähliger Mordopfer sind aufgetaucht, grausige Trophäen. Angeklagt ist Lucien Folter. Und er will nur mit einem reden:  Robert Hunter!

    Meine Meinung

    Sommer, Sonne, Strand und Meer! Nach seinem letzten nervenaufreibenden Fall sehnt sich Detective Robert Hunter einfach nur noch nach einer Pause! Der Flug nach Hawaii ist bereits gebucht, als ihn ein Anruf seiner Chefin erreicht: Bei einem Autounfall, auf dem Parkplatz eines Dinners, werden im Kofferraum zwei Frauenköpfe gefunden. Nach seiner Verhaftung will der vermeintliche Täter ausschließlich mit Robert Hunter sprechen …
    Überrascht muss dieser feststellen, dass es sich um niemand geringeren als seinen alten Studienfreund Lucien Folter handelt. Er bittet ihn darum, seine Unschuld zu beweisen …
    Zusammen mit dem FBI soll Robert Hunter in Luciens Haus nach Beweisen suchen, doch was sie dort finden, lässt ihm den Atem stocken!

    „Die stille Bestie“ von Chris Carter ist anders, denn der Fall gehört sicher zu Roberts persönlichsten!
    Da es sein Partner Carlos Garcia noch rechtzeitig in den wohlverdienten Urlaub geschafft hat, muss der Detective diesmal alleine ermitteln. Anders als bisher steht der Täter von Anfang an fest und Hunter versucht herauszufinden, was aus seinem alten Freund in den vergangenen Jahren geworden ist.
    Auch in diesem Buch wird uns die Geschichte, wieder von einem auktorialen Erzähler geschildert. Man erfährt dabei nicht nur, wie Detective Hunter seine Ermittlungen angeht, sondern bekommt zudem noch einen guten Einblick in die Denkweise des Täters. Dieser rückt nur mit Informationen raus, wenn er im Gegenzug Fragen stellen darf. Und die betreffen vor allem die Vergangenheit seines Freundes. Aus den vorherigen Fällen wissen wir ja bereits, dass Robert Hunter nicht zu Emotionen oder Ausbrüchen neigt, sondern fast unterkühlt und rational wirkt. In diesem Thriller ist es ganz ähnlich und doch so anders!

    Ich muss gestehen, ich habe mich von Anfang an ziemlich an der Nase herumführen lassen. Chris Carter schickt den Leser mal wieder auf einige falsche Fährten, die sich dann überraschenderweise doch wieder als Sackgassen entpuppen. Die Geschichte erinnert ein bisschen an „Das Schweigen der Lämmer“. Allerdings fand ich die Beschreibungen der Gräueltaten in diesem Band wesentlich angenehmer und erträglicher, das Buch fordert dafür mehr Kopfarbeit. Robert Hunter muss mit sein ganzes Können als Profiler und Psychologe aufwarten, um Lucien Folter auf die Schliche zu kommen. Und dieser versucht mit aller Macht seinen alten Freund aufs Glatteis zu führen. Auch er ist ein hochintelligenter Kopf und hat mit der Planung seiner Morde augenscheinlich schon sehr früh begonnen …

    Und so kam es, dass ich das erste Mal bei einem knallharten und zum Ende hin richtig blutigen Thriller geheult habe wie ein Schlosshund …

  • „Der Totschläger“ | Chris Carter

    Titel im Original:  „One by One“
    Autor:  Chris Carter
    Aus dem Englischen übersetzt von Sybille Uplegger
    Verlag:  Ullstein Verlag
    Genre:  Thriller
    5. Fall von Robert Hunter & Carlos Garcia
    Seitenzahl:  462
    ISBN:  978-3-548-28576-4

    Er sagt, du hast keine Wahl! Er sagt, du kannst nur zusehen! Es liegt nicht in deiner Macht, die Morde zu verhindern …
    Detective Robert Hunter erhält einen Anruf. Spiel mit mir, sagt die anonyme Stimme. Doch Mord ist für Hunter kein Spaß – Zug um Zug wird er zum echten Spielverderber!

    Meine Meinung

    Herzlich Willkommen in einem intelligenten und tiefgründigen Thriller über die Reize des Morbiden und die Anonymität im Internet!

    Im 5. Fall des Morddezernat 1 bekommen Robert Hunter und sein Partner Carlos Garcia anonyme Anrufe. Die Stimme dahinter fordert sie auf, eine eigens für sie eingerichtete Homepage aufzurufen. Nachdem Hunter vor die Wahl gestellt wurde, ob verbrennen oder ertrinken, müssen sie mitansehen, wie der Mann vor der Kamera grausam zu Tode gefoltert wird. Von diesem Zeitpunkt an, sind unsere beiden Ermittler die Hauptakteure in einem bestialisch-perfiden Spiel …
    Der Mörder ist perfekt vorbereitet und macht es dem Morddezernat alles andere als leicht. Seine Spuren sind perfekt getarnt und es gibt keinerlei Hinweise auf die Opfer oder auf seine Motive. Und der Täter wartet nicht lange:  Er hat schon sein nächstes Opfer auserkoren und wartet nur noch darauf, wieder online zu gehen …

    Wir alle kennen Autoren, die nach einigen guten Büchern zu schwächeln anfangen. Chris Carter gehört nicht dazu! Wie auch schon die Vorgängerbände ist dieser Thriller extrem spannend und flüssig zu lesen. Die Wechsel zwischen den Szenen sind an genau den richtigen Stellen und haben dennoch oft einen fiesen Cliffhanger.
    Die Szenen sind klar und stark erzählt, wenn auch der brutalitätsgrad für mich in diesem Buch nochmal um einen guten Deut in die Höhe gegangen ist. In diesem Sinne war der „Totschläger“ echt High-Level und ich bekam mehr als einmal Herzklopfen beim Lesen! Wahnsinn! Die Gänsehaut ist hier absolut vorprogrammiert!
    Zudem wird der Mörder in diesem Buch sehr persönlich, was für mich auch ein Faktor war, immer weiterlesen zu wollen …

    Chris Carter verarbeitet in diesem Buch ganz klar die leichtfertige Grausamkeit unbedarfter Menschen. Geschwollen ausgedrückt, sorry! Es gibt nur wenig, was schlimmer sein könnte als ein skrupelloser Mörder. Abertausende Internetnutzer ohne Gewissen, die aus morbiden Spaß an der Wahl über Leben und Tod eines Menschen entscheiden gehören aber definitiv dazu.

    Wie bereits angesprochen, bekommt dieser Fall bald eine sehr persönliche Note, die überwiegend Carlos Garcia und seine Frau betrifft. Der Schluss ließ mich daher etwas atemlos und ängstlich zurück. Ich bin wirklich gespannt, wie Chris Carter nun weitermacht …