• „Mörderische Angst“ | Linda Castillo

    Titel im Original: „The Dead will tell“
    Autor: Linda Castillo
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Helga Augustin
    Verlag: Fischer Verlag
    Genre: Thriller
    6. Fall von Kate Burkholder
    Seitenzahl:   346
    ISBN: 978-3-596-03240-2

    1979: Ein amischer Vater und vier seiner Kinder sterben bei einem missglückten Raubüberfall. Seine Frau wird von den Tätern entführt und nie wieder gesehen. Allein der 14-jährige Sohn Billy Hochstedtler überlebt diese grausame Nacht.

    2014: Jeder in Painters Mill weiß, dass es auf der verlassenen Farm der Familie Hochstetler spukt. Aber nur einige wenige wissen, was damals tatsächlich geschah. Doch jetzt werden sie einer nach dem anderen auf grausame Weise ermordet. Wer ist ihrem Geheimnis auf die Spur gekommen?

    Meine Meinung

    Na, was haltet ihr von dem Cover?  Acht Frauen in traditionell-amischen Kleidern, düsterer Nebel über dem Feld und die Vögeln, die sie lauernd umkreisen …
    Eigentlich wollte ich mir ja ein paar Wochen Pause mit nächsten Kate Burkholder-Fall lassen, da sich die Reihe schon langsam dem Ende zuneigt, aber gerade bei unserem kalten grauslichen Wetter, hat mir das Cover unheimliche Lust auf die Geschichte gemacht!

    Der Prolog versetzt uns ins Jahr 1979, als der 14-jährige Billy Hochstedtler mit ansehen muss, wie zuerst sein Vater erschossen und dann seine Mutter entführt wird. Beim Versuch sie zu retten kommt es zu einem tragischen Unfall und seine jüngeren Geschwister verbrennen qualvoll. Zurück bleibt die Frage, weshalb die Mutter entführt und nie wieder aufgetaucht ist!

    Mit dieser Frage gleitet der Leser ohne Umwege direkt in das erste Kapitel und damit in die Gegenwart, wo ein Mann erhängt auf seinem Scheunenboden gefunden wird. Selbstmord? Nein! Kate Burkholder findet an seiner Kleidung Blutspuren und in seinem Rachen eine Holzpuppe, die in den 70er Jahren von der Familie Hochstedtler hergestellt wurden.
    Schon bald werden auch andere Bürger in Painters Mill bedroht und mit ihrer Vergangenheit konfrontiert!

    Anders als bei den vorherigen Bänden kann man in „Mörderische Angst“ schon sehr schnell eine klare Linie zum Täter erkennen, was von der Autorin in meinen Augen aber auch bewusst so geschrieben wurde. Für mich hat das die Geschichte aber in keinster Weise geschwächt. Sie wird sehr fesselnd und auffallend gruselig erzählt. Die Kapitel gehen so rasant zu Ende, das man unbedingt mehr erfahren möchte.

    Ich bin immer wieder von dem Pennsylvaniadeutsch der Amischen fasziniert. Die Kombination aus Deutsch, Niederländisch und Englisch macht das Lesen der Bücher interessant und wird locker leicht in die Geschichte mit eingeworfen. Auch die Amische Lebensart ist deutlich zu spüren. Anfangs noch etwas befremdlich fühlt man sich von Band zu Band immer mehr zu der Amischen Gemeinde hingezogen und versteht die Grundsätze besser.

  • „Der Insasse“ | Sebastian Fitzek

    Autor: Sebastian Fitzek
    Verlag: Drömer Knaur
    Genre: Thriller
    Seitenzahl:  377
    ISBN: 978-3-426-28153-6

    Um die Wahrheit zu finden, muss er seinen Verstand verlieren.

    Vor einem Jahr verschwand der kleine Max Berkhoff. Nur der Täter weiß, was mit im geschah. Doch der sitzt im Hochsicherheitstrakt der Psychiatrie und schweigt. Max` Vater bleibt nur ein Weg, um endlich Gewissheit zu haben: Er muss selbst zum Insassen werden!

    Meine Meinung

    Im neuen Psychothriller von Sebastian Fitzek begeben wir uns in den Hochsicherheitstrakt einer psychiatrischen Anstalt, in die das Gericht nur die schwersten Straftäter einweisen lässt.

    Einer von Ihnen ist Guido Tramitz. Ein gefühlloser Mann, der viele Kinder brutal gequält und vor einem Jahr auch den kleinen Max Berghoff entführt und wohl auch getötet hat. Doch während Tramitz der Polizei zu den Leichen seiner früheren Opfer geführt hat, verweigert er zu Max auf Anraten seiner Anwältin jegliche Auskunft.
    Till Berghoff, Max verzweifelter Vater, sieht keinen anderen Ausweg, als sich mit Hilfe seines bei der Polizei arbeitenden Schwager als Insasse in die Klinik einweisen zu lassen, in der Tramitz sich befindet. So will er herausfinden, was mit seinem Sohn geschehen ist und wo seine Leiche zu finden ist.

    Kaum in der Klinik angekommen, tut sich für Till ein Abgrund auf, der den Leser gleich von Anfang an gefangen nimmt. In dieser Klinik ist nichts so, wie es zu sein sollte. Hass, Bosheit und Korruption sind an der Tagesordnung, die es Till zunächst fast unmöglich machen, an Tramitz heranzukommen.

    Nach vielen gesellschaftskritischen Romanen, liefert uns Sebastian Fitzek mit „Der Insasse“ wieder einen Psychothriller, der sehr an seine Erfolgsbücher wie „Die Therapie“ oder „Der Augensammler“ herankommt. Fitzek bedient sich auch in diesem Buch wieder einem alt bewährten Konzept: Dem, des verschwundenen Kindes, dessen Vater mit aller Macht herauszufinden versucht, was passiert ist. Ich persönlich finde jedoch, dass der Autor mit diesem Buch einen großen Schritt vorwärts gemacht hat. Seine Sprache ist bildhaft, authentisch und bewegend, wie man es von ihm kennt, aber auch viel direkter und erwachsener. Der Thriller ist gespickt mit brutalen Szenen, die auch klar und ausdrucksstark an den Leser kolportiert werden. Zusätzlich sorgen kurze Kapitel und unerwartete Perspektivenwechsel für Verwirrungen.

    Die Story war unglaublich spannend und ich habe bei so mancher Szene die Luft angehalten.

    Auch was die Danksagung betrifft, die bei Sebastian Fitzek ja öfters etwas spezieller ausfällt, hat er sich hier wieder selbst übertroffen!

  • „Teuflisches Spiel“ | Linda Castillo

    Titel im Original: „Her last Breath“
    Autor: Linda Castillo
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Helga Augustin
    Verlag: Fischer Verlag
    Genre: Thriller
    5. Fall von Kate Burkholder
    Seitenzahl:   349
    ISBN: 978-3-596-19613-5

    Als das gleißende Scheinwerferlicht des entgegenkommenden Fahrzeug sie blendet, bleibt ihnen nicht einmal mehr die Zeit, um zuschreien. Auf der regennassen Straße im ländlichen Ohio sterben in dieser Nacht drei Menschen. Ein amischer Vater und zwei seiner Kinder.
    Als Polizeichefin Kate Burkholder die Unfallstelle genauer untersucht, kommen ihr erste Zweifel: War das wirklich ein Unfall, oder steckt noch etwas anderes dahinter?

    Meine Meinung

    In Kate Burkholders fünften Fall wird auf regennasser Fahrbahn der Buggy eines amischen Familienvaters von einem Auto erfasst und durch die immense Wucht bis zur Unkenntlichkeit zerstört. Auch seine 3 Kinder waren mit ihm auf der Kutsche. Der Unfallverursacher begeht Fahrerflucht!
    Als Kate am Tatort eintrifft findet sie ein Bild des Grauen vor:  Zwei tote Kinder und auch der Vater stirbt noch vor Ort in ihren Armen. Nur der 8-jährige Sohn kämpft noch schwerverletzt um sein Leben und hält mit Kates Hilfe durch, bis der Notarzt eintrifft. Mit Schrecken muss die Polizeichefin feststellen, dass ihre ehemals beste Freundin die Mutter und Ehefrau der Opfer ist. Tief erschüttert macht sie sich daran, den Fall aufzuklären!

    Linda Castillo konnte mich wieder durch ihren sehr flüssigen Schreibstil begeistern, der eher ruhig und wenig effektheischend auftritt. Sie legt keinen Wert auf blutige Details und bringt ihrem Leser doch das ganze Grauen der Tat bildlich nahe. Der Thriller geht aufgrund seiner Thematik und den Beweggründen der Protagonisten unter die Haut.

    Die Geschichte wird, wie schon in den Bänden zuvor, zum größten Teil aus der Ich-Perspektive der Polizeichefin erzählt. Sie ist dabei eher nüchtern und klar in ihrer Ausdrucksweise. Linda Castillo lässt Kate hier sehr stark zwischen inniger Anteilnahme ihrer Freundin gegenüber und der professionellen Distanziertheit wanken, was mir sehr gut gefallen hat. Wie immer wirken der Fall selbst und die handelnden Personen sehr realitätsnah und glaubwürdig.

    Mit dem Fall des Fahrerflüchtigen nicht genug, werden nach 15 Jahren auch die sterblichen Überreste von Daniel Lapp in einem Kornspeicher gefunden. Ein Mann, der Kates Leben binnen weniger Stunden zur Hölle gemacht hat und der nun ihre Gefühlswelt schwanken lässt. Eine sehr neue überraschende Seite an unserer Protagonistin, von der ich gerne mehr sehen würde!

    „Teuflisches Spiel“ setzt gekonnt an den Vorgängern an, zeigt große Entwicklungen bei den Charakteren auf und führt die Rahmenhandlung konsequent weiter!

  • „Die Braut“ | Anita Terpstra

    Titel im Original: „Samen“
    Autor: Anita Terpstra
    Aus dem Niederländischen übersetzt von Simone Schroth
    Verlag: Blanvalet
    Genre: Thriller
    Seitenzahl: 411
    ISBN: 978-3-7341-0576-0

    Als Mackenzie Walker und Matt Ayers heiraten, reagiert ihr Umfeld mit Unverständnis. Warum geht eine junge Frau die Ehe mit einem Mann ein der angeklagt ist, mehrere Frauen entführt und festgehalten zu haben – und deshalb in der Todeszelle sitzt? Mckenzie wird öffentlich beleidigt und sogar bedroht, doch sie versucht unbeirrt, Matts Unschuld zu beweisen und damit sein Leben zu retten. Als ihr das nicht gelingt, beschließt sie, ihm bei der Flucht aus dem Hochsicherheitsgefängnis zu helfen. Denn für sie steht viel mehr dem Spiel, als irgendjemand ahnt.

    Meine Meinung

    „Die Braut“ ist ein Thriller der niederländischen Autorin Anita Terpstra, die bereits mit „Anders“ unter Beweis gestellt hat, dass sie auch ohne viel Blutvergießen die Tiefen menschlicher Abgründe ausloten kann. Dies ist ihr zweiter Roman, der im Juli 2018 erschienen ist.

    Matt Ayers sitzt in der Todeszelle. Er soll mehrere Frauen entführt und jahrelang missbraucht haben. Doch ist er wirklich der Täter? Matt beteuert auch Jahre später noch seine Unschuld.
    Mackenzie Walker ist eine junge hübsche Frau, die ehrenamtlich in einem Projekt mitarbeitet, bei dem misshandelte Hunde durch die Unterstützung von Strafgefangenen wieder resozialisiert werden sollen. Im Zuge dieser Besuche trifft sie auf Matt und sie beginnen sich regelmäßig Briefe zu schreiben. Trotz aller Einwände heiraten die Beiden und Mackenzie setzt alles daran, die Unterschuld ihres Mannes zu beweisen. Als dann auch noch ein Hinrichtungstermin bekannt gegeben wird, beschließt sie, Matt zur Flucht zu verhelfen.
    Doch Mackenzie hat mehr Beweggründe als nur ihre Liebe zu Matt …

    Anita Terpstra hat einen tollen spannenden und bildgewaltigen Schreibstil, der den Leser fesselt und mit klaren Bildern im Kopf versorgt. Ich musste die 411 Seiten an 2 Abenden verschlingen, ich konnte das Buch überhaupt nicht mehr aus der Hand legen. Die Spannung wurde immer wieder gesteigert und gipfelte dann in vielen überraschenden Wendungen, die das bisher gelesene komplett auf den Kopf stellen.

    Besonders gelungen fand ich auch die unterschiedlichen Sichtweisen. Wir erfahren in dem Buch nicht nur die Geschichte rund um Mackenzie, sondern in wechselnden Kapiteln auch die Sicht der Opfer während ihrer Gefangenschaft. Das macht die Handlung besonders fesselnd und mitreißend. Ich finde auch, dass gerade diese Kapitel sehr authentisch beschrieben wurde, sofern ich das beurteilen kann.

    Die Charaktere, die Anita Terpstra in diesem Buch entstehen lässt, sind überaus facettenreich, wobei für mich kein einziger wirklich sympathisch war. Einerseits macht aber auch gerade das den Reiz aus, andererseits werden die Protagonisten dadurch erst recht undurchschaubar. Jeder Charakter hat sowohl gute als auch schlechte Seiten, wirken aber teilweise so verschlossen, dass sie den Leser komplett in die Irre führen.

    „Die Braut“ ist ein vielschichtiger Thriller hinter dem ein absolut durchtriebener Plan steckt!

  • „Tödliche Wut“ | Linda Castillo

    Titel im Original: „Gone Missing“
    Autor: Linda Castillo
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Helga Augustin
    Verlag: Fischer Verlag
    Genre: Thriller
    4. Fall von Kate Burkholder
    Seitenzahl:   346
    ISBN: 978-3-596-19612-8

    Du hättest dich wehren müssen.
    Du hättest mehr beten sollen.
    Jetzt ist dein Schicksal besiegelt!

    Drei verschwundene Personen. Weiblich. Teenager. Amisch.
    Es gibt keinen Verdächtigen, kein Motiv, keine Leiche – NOCH NICHT!

    Meine Meinung

    Los geht’s mit einem neuen Fall in Painters Mill!

    Kate Burkholder wird zu später Stunde zu einer Schlägerei zwischen Jugendlichen gerufen. Zum Entsetzen erkennt sie in einem der raufwütigen Mädchen Sadie Miller, eine junge Amische und die Nichte ihres Schwagers.
    Einige Stunden später wird Kate vom Bureau of Criminal Identification and Investigation (BCI) kontaktiert, die dringend ihre Unterstützung als Beraterin brauchen. Dabei handelt es sich um mehrere vermisste Jugendliche aus der Amischen Gemeinde. Voller Euphorie, nicht nur wegen der Aussicht mit John Tomasetti zusammenzuarbeiten, fährt sie nach Ohio und sieht sich schnell den Eltern der Vermissten gegenüber. Kate ist wie gelähmt, da sie keinerlei Spuren haben, um die jungen Mädchen zu finden.
    Gerade als sie Beginnen erste Fortschritte zu erzielen verschwindet in Painters Mill die junge Sadie. Kate kehrt natürlich auf der Stelle zurück und ermittelt auf Hochtouren.

    „Tödliche Wut“ ist – im Gegensatz zu den bisherigen Fällen – ein eher ruhiges Buch. Kate Burkholder bekommt die Chance sich selbst weiter zu bilden und sich als Beraterin in einem anderen County zu profilieren. Sie wirkt dabei aber keines Falls fehl am Platz. Ganz im Gegenteil ist sie professionell und zielstrebig bei der Sache. Man merkt sehr schnell eine Veränderung in ihrer Person und eine tolle charakterliche Weiterentwicklung.
    Auch ihre Beziehung zwischen John Tomasetti dürfte nun in festeren Händen liegen.

    Wir verfolgen die akribischen Ermittlungen aus der Ich-Perspektive von Kate, die wiederholt bei den Amischen auf eine Wand des Schweigens trifft, doch bald schon fallen ihr einige Gemeinsamkeiten auf, die alle Jugendliche verbinden. Zwar könnte daraus durchaus ein Motiv abgeleitet werden, auf die Spur des Täters führt sie ihr Verdacht jedoch noch lange nicht.

    Die Spannung baut sich langsam, aber kontinuierlich auf. Durch die wendungsreiche Story, die lange Zeit mehr Fragen als Antworten aufwirft, bietet der Thriller viel Zeit für eigene Theorien und Grübeleien.

  • „Wenn die Nacht verstummt“ | Linda Castillo

    Titel im Original: „Breaking Silence“
    Autor: Linda Castillo
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Helga Augustin
    Verlag: Fischer Verlag
    Genre: Thriller
    3. Fall von Kate Burkholder
    Seitenzahl:   331
    ISBN: 978-3-596-18452-1

    Abgeschlachtete Tiere auf der Weide, ein Farmer, der an sein umgekipptes Fuhrwerk gefesselt fast erfriert: In Painter`s Mill häufen sich die Verbrechen gegen die Amischen. Dann werden auf der Farm der Familie Slabaugh drei Leichen in der Güllegrube gefunden:  Vater, Mutter und ein Onkel.
    Ist auch dies ein Verbrechen aus Hass gegen die Glaubensgemeinschaft? Oder steckt etwas ganz anderes dahinter?

    Polizeichefin Kate Burkholder, die bis zu ihrem 18. Lebensjahr selbst eine Amische war, kennt die Menschen dort nur zu gut. Mit ihrem Freund John Tomasetti löst sie ihren persönlichsten Fall.

    Meine Meinung

    Nachdem sich Anfang September, durch den ganzen Stress mit meinem kranken Hund und der dadurch aufgestauten Arbeit bei mir eine ziemliche Müdigkeit und Leseunlust durchgesetzt haben, musste schnellsten ein Wohlfühlbuch her. Also folgte im September nach „Blutige Stille“ auch gleich der dritte Fall von Kate Burkholder.

    In „Wenn die Nacht verstummt“ müssen sich Kate und ihr Team mit einigen Gewaltdelikten gegenüber der amischen Gemeinde auseinandersetzen. Und natürlich ist auch John Tomasetti in diesem Fall wieder mit involviert. Ausgelöst durch Unverständnis und Verachtung werden die Taten gegenüber den Amischen immer radikaler und unbegreiflicher. Abgeschlachtete Tiere, Schwerstverletzte Männer bis hin zum Mord an den Eltern von vier unschuldigen Kindern. Wie kann der Hass auf eine Gruppe von Minderheiten nur so ausufern?
    Kate Burkholder kommt hier ihre Vergangenheit zu Gute. Sie versteht wie die amischen Menschen, fest verankert in ihrer Glaubensgemeinschaft, agieren und reagieren, aber auch wo sie mit deren Hilfe rechnen kann und wo nicht.

    „Wenn die Nacht verstummt“ ist sicher einer der ruhigeren Teile dieser Reihe. Nicht was die Geschehnisse und Grausamkeiten angeht, aber wie auch schon im Klappentext angedeutet, zeigt dieses Buch sehr viel mehr Fassetten aus Kates Privatleben, ihrem Charakter und teilweise auch aus ihrer Vergangenheit. Auch was ihre Beziehung zu John Tomasetti angeht, wird für den Leser einiges klarer und durchsichtiger.
    Ich finde allerdings nicht, dass diese Passagen die spannende Handlung im Groben stören.

    Die blutigen Geschehnisse und vor allem die davon betroffenen Kinder, lassen Kate Burkholder zeitweise die unbedingt notwendige Distanz zwischen Polizistin und Opfern verlieren. Linda Castillo beschreibt die Gefühle der Trauer und ihre Wut auf die Täter sehr realistisch und gefühlvoll.

    Obwohl sich so viele Verdächtige anbieten, diese schrecklichen Taten begangen zu haben, kommt es dann im Endeffekt doch ganz anders und noch viel schockierender als man sich vorstellen kann!

  • „Blutige Stille“ | Linda Castillo

    Titel im Original:  „Pray for Silence“
    Autor: Linda Castillo
    Aus dem Amerikanischen übersetzt von Helga Augustin
    Verlag: Fischer Verlag
    Genre: Thriller
    2. Fall von Kate Burkholder
    Seitenzahl:   391
    ISBN: 978-3-596-18451-4

    Sie töten alle Mitglieder der Familie Plank. Die Leichen des Vaters und der beiden Söhne fand man im Wohnhaus, die der Mutter und des Babys auf dem Weg zur Scheune. Doch niemand war auf das vorbereitet, was sie in der Scheune fanden: Die beiden Mädchen, gefoltert und misshandelt.

    Die Familie gehörte zur amischen Gemeinde in Painter`s Mill, Ohio, sie lebten getreu ihren Glaubensgrundsätzen von Schlichtheit und Bescheidenheit, waren gottesfürchtige Leute. Fernab von den Verführungen der Zivilisation. Oder enthüllt das Tagebuch der ältesten Tochter eine andere Wahrheit?

    Meine Meinung

    Heute möchte ich euch „Blutige Stille“, den 2. Fall von Kate Burkholder und ihrem Team vorstellen!

    Kaum ein Jahr nach der ersten Mordserie in Painter`s Mill, wird die Gemeinde von der nächsten Katastrophe heimgesucht. Die Mitglieder einer unschuldigen Amisch-Familie wurden auf grausamste und bestialischste Weise umgebracht. Gefoltert, missbraucht und wie sich noch bei den Ermittlungen herausstellen wird, für korrupte Machenschaften benutzt.
    War wirklich das Verhalten der ältesten Tochter der Grund für das Massaker an der 7-köpfigen Familie? Sie war doch nur ein Teenager, gerade an der Schwelle zum Erwachsenwerden und kurz vor der Entscheidung, wie es in ihrem Leben weitergehen soll! Warum lässt sie sich, trotz ihrer strengen Erziehung, auch auf eine Beziehung mit einem Englischen ein?

    Kate ist hin und hergerissen zwischen ihrer Aufgabe als Polizeichefin, die die Morde schnellstmöglich aufklären muss und ihrer eigenen Vergangenheit in der Gemeinde der Amischen. Sie wurde selbst von der Zivilisation verführt und musste dafür büßen, wie jetzt wohl auch die Tochter der Familie Plank.

    Linda Castillo liefert uns auch in diesem Buch wieder diese dichte, düstere und fast schon beängstigende Stimmung. Der Leser wird bereits auf den ersten Seiten ins kalte Wasser geworfen und bekommt einen furchtbaren Tatort geboten. Leichen, Blut und auch der tote Körper eines Babys werden auf der Farm der Planks gefunden.
    Die Autorin schreibt nicht nur spannend, sie hat auch einen sehr bildlichen und detaillierten Schreibstil und man wird direkt in die Ermittlungen des Teams hinein gezogen.

    Auch die Affäre zwischen John Tomasetti und Kate, die im ersten Teil der Reihe ihren Anfang genommen hat, bekommt hier ihren Platz. Tomasetti wird nun doch aufgrund eines positiven Drogentestes beurlaubt und muss sich seinen eigenen Dämonen stellen. Doch er will arbeiten und unterstützt Kate bei ihrem Fall. Ich mag den Protagonisten wahnsinnig gern. OK, würde man mich mit ihm in einen Raum sperren, würde vermutlich einer von uns nicht überleben, aber Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an und ich finde dieses ewige Wechselspiel zwischen Kate und John sehr lesenswert.

    Wie auch schon beim 1. Fall, muss man sich etwas an die Erzählperspektive gewöhnen. Kate schildert ihre Sicht der Geschehnisse aus der Ich- Perspektive, der Rest wird in der dritten Person erzählt. Wenn man sich darauf einlässt kann man der Handlung aber gut folgen!

    Man rätselt bis zum Schluss, wer der Mörder ist. So soll es sein!

  • „Saving Grace“ | B. A. Paris

    Titel im Original: „Behind Closed Doors“
    Autor: B. A. Paris
    Aus dem Englischen übersetzt von Wulf Bergner
    Verlag: Blanvalet
    Genre: Psychothriller
    Seitenzahl: 349
    ISBN: 978-3-7341-0263-9

    Niemand glaubt dir! Niemand hilft dir! Du gehörst ihm!
    Grace und Jack Angel sind das perfekte Paar. Die 33jährige Grace ist warmherzig, liebevoll, bildhübsch. Jack sieht gut aus, ist charmant und kämpft als renommierter Anwalt für die Rechte misshandelter Frauen. Aber sollte man Perfektion jemals trauen?

    Warum zu Beispiel kann Grace auf Dinnerpartys so viel essen und nimmt doch niemals zu? Und warum umgibt ein hoher Zaun das wunderschöne Haus der beiden?
    Doch wenn man Grace danach fragen möchte, stellt man fest, dass sie nie allein ist. Denn Jack ist immer – wirklich immer! – an ihrer Seite

    Meine Meinung

    Bei „Saving Grace“ handelt es sich um den Debütroman der Autorin und war eines der wenigen Bücher, die mich letztes Jahr total aus den Socken gehauen haben. Schon in der Verlagsvorschau fand ich den Klappentext sehr ansprechend, bin aber von einem ganz anderen Strickmuster ausgegangen. Das Buch entpuppte sich als außergewöhnlich furchteinflößender Thriller, der seinem Leser ein beklemmendes Gefühl in der Brust beschert!

    Normalerweise schreibe ich in meinen Rezensionen immer eine kleine unverfängliche Zusammenfassung über den Inhalt der Geschichte, das möchte ich in diesem Fall aber ausnahmsweise unterlassen, da schon der Klappentext sehr viel verrät und es sich auf jeden Fall lohnt, „Saving Grace“ aus dem unbekannten heraus zu erfahren. So viel sei gesagt: Während die Nachbarn und Freunde glauben, Grace hätte mit Jack das große Los gezogen, ist sie in ihrem persönlichen Alptraum mit einem Mann gefangen, der seine ganz eigenen kranken Ziele verfolgt …

    Grace Angel erzählt uns aus der Ich-Perspektive ihre Geschichte. Wir springen immer wieder zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit hin und her, laufen aber während des Lesens aufeinander zu. Ein tolles Erzählelement, das ganz großartig von B. A. Paris umgesetzt wurde und von ihrem klaren, bildlichen und mitreißenden Schreibstil nur noch getoppt wird.
    Die Ausweglosigkeit, in der wir Grace wiederfinden, ist so beklemmend und nachvollziehbar beschrieben, dass es mir oft eiskalt den Rücken runter gelaufen ist. Die Bedrohung und die Angst sind greifbar.

    Natürlich ist die Idee, des vermeintlichen Traummannes, der sich als verrückter Psychopath entpuppt im Thriller-Genre nichts Neues mehr, aber für mich hat die Autorin mit Jack Angel ein ganz neues Level erreicht. Er ist furchteinflößend, absolut real und abgrundtief böse. Ein Charakter, mit einem so überzeugenden aalglatten Pokerface, der mir bisher nur sehr selten in einem Buch begegnet ist.
    Ich musste unglaublich mit Grace mitleiden, konnte ihr aber einfach nicht helfen!

    B. A. Paris führt ihren Lesern auch ganz klar vor Augen, wie schnell es gehen kann, dass man sich als Frau in solch einer Situation wiederfindet. Wie oft hören wir von häuslicher Gewalt in unserem Umfällt? Dafür brauchen wir nicht erst den Fernseher aufdrehen!

    Eine absolute Leseempfehlung von der ersten bis zur letzten Seite!

  • „Anders“ | Anita Terpstra

    Titel im Original:  „Anders“
    Autor:  Anita Terpstra
    Aus dem Niederländischen übersetzt von Jörn Pinnow
    Verlag:  Blanvalet
    Genre:  Thriller
    Seitenzahl:  383
    ISBN: 978-3-7341-0257-8

    Alma Meester, ihr Mann Linc und die beiden Kinder Iris und Sander sind eine ganz normale, glückliche Familie. Bis zu dem Tag, als der elfjährige Sander zusammen mit einem Freund während eines Ferienlagers spurlos verschwindet. Der andere Junge wird kurz darauf tot aufgefunden, doch Sander bleibt wie vom Erdboden verschluckt.

    Sechs Jahre später meldet sich ein junger Mann bei einer deutschen Polizeistation. Er sei der verschwundene Sander Meester. Die Familie ist überglücklich, doch nach und nach kommen der Mutter Zweifel.
    Ist der Junge wirklich ihr Sohn?
    Und was ist damals in der verhängnisvollen Nacht tatsächlich passiert?

    Meine Meinung

    Mit „Anders“ liefert uns Anita Terpstra einen wirklich tollen Debütroman.
    Es handelt sich hier um einen Thriller der leisen Töne, der nicht nur durch eine gut ausgearbeitete Geschichte besticht, sondern auch durch seine authentischen Protagonisten, deren durchgerütteltes Gefühlsleben den Leser sehr mitnimmt.

    Der 11-jährige Sander verschwindet bei einer Nachtwanderung aus einem Ferienlager. Da sein Freund Martin kurz darauf tot im Wald aufgefunden wird, kommt recht schnell der Verdacht auf, dass ein Sexualstraftäter seine Hand im Spiel und Sander entführt hat. Trotz tagelanger Suche, bringt diese keine Ergebnisse! Die Familie ist schwer getroffen und erholt sich nicht mehr von diesem Schicksalsschlag. Mutter Alma bekommt zwar mit Linc nochmals ein Baby, aber die Ehe zerbricht.
    Als nach sechs Jahren ein Junge auftaucht, der im Wald von einem Pädophilen festgehalten wurde und sich bei der Polizei als Sander zu erkennen gibt, wird die eingekehrte Ruhe der Familie aufs Neue durchgerüttelt. Die Stimmung ist ganz und gar nicht glücklich oder gelöst, Sander verhält sich sehr distanziert und will keine Einzelheiten aus den vergangenen Jahren preisgeben …

    „Anders“ legt überhaupt keinen Wert auf die Tätersuche. Das Hauptaugenmerk liegt ganz klar auf den Reaktionen der Familie und deren Freunde. Ich fand die unterschiedlichen Verhaltensweisen sehr spannend und teilweise auch richtig beklemmend. Vor allem das Verhalten der Mutter hat mich im Laufe der Geschichte sehr oft zum Kopfschütteln gebracht.
    Natürlich bekommt der Leser hier auch viel Spielraum für Spekulationen geboten!

    Anita Terpstra spricht ganz klar Themen wie Kindesmissbrauch und die menschliche Wertigkeit in der Familie an. Was passiert, wenn ein Kind, dem Anderen gegenüber bevorzugt wird? Warum blenden Eltern auffällige Verhaltensmuster eines Kindes total aus? Auch auf die Schuldgefühle des Vaters nach Sanders Verschwinden wird klar eingegangen, hätte er bei dieser Wanderung doch auf seinen Sohn achtgeben müssen!

    Und über all dem, schwebt noch ein großes Damoklesschwert:
    Die Frage, ob es sich bei dem jungen Mann wirklich um Sander handelt!

    „Anders“ regt definitiv zum nachdenken an und bleibt dem Leser noch sehr lange im Gedächtnis!