• „Glasflügel“ | Katrine Engberg

    Rezensionsexemplar
    Vielen Dank an den Verlag!

    Titel im Original:  „Glasvinge“
    Autor:  Katrine Engberg
    Aus dem Dänischen übersetzt von Ulrich Sonnenberg
    Verlag:  Diogenes Verlag
    Genre:  Kriminalroman
    3. Fall für Jeppe Kørner
    Seitenzahl:  424
    ISBN:  978-3-257-07123-8

    Jeppe Kørner ermittelt in einem spektakulären Mordfall, der ganz Kopenhagen beschäftigt: Im ältesten Brunnen der Stadt, inmitten der Fußgängerzone, wurde eine Leiche gefunden. Auf die Hilfe seiner Kollegin Anette Werner kann er diesmal nicht zählen, denn die muss sich statt um den Mordfall um ihr Baby kümmern. Bald schon stößt Kørner auf eine düstere Einrichtung für hilfsbedürftige Jugendliche und auf Leute, die ihre eigene Vorstellung von Fürsorge haben.

    Meine Meinung

    In „Glasflügel“ reisen wir zurück in die dänische Hauptstadt. Jeppe Kørner und sein Team bekommen es mit außergewöhnlichen Morden zu tun. Ein Serientäter lässt seine Opfer ausbluten und legt sie anschließend in verschiedenen Brunnen in Kopenhagen ab. Schnell führen die Ermittlungen nach Sommerfuglen, einem ehemaligen Fürsorgeheim für Kinder und Jugendliche. Dort stürzte sich, vor der endgültigen Schließung, eine Patientin in den Freitot und ihr Betreuer starb bei einem Unfall. Jahre später werden nun ehemalige Mitarbeiter brutal ermordet. Jeppe Kørner und sein Team stellen sich der Herausforderung. Dabei kommen sie selbst in große Gefahr!

    Katrine Engberg hat für ihren Kriminalroman den Pflegenotstand in Dänemark als Hintergrundthema gewählt, der uns auch gerade in Deutschland und Österreich wieder schmerzlich bewusst wird. Sie weist auf den Umstand hin, dass gerade im Bereich der Psychiatrie, aber auch in anderen medizinischen Gebieten, durch eine erhöhte Medikation beispielsweise eine Beruhigung des Patienten erreicht werden kann und dadurch die Zeit für eine effektivere, jedoch kostspieligere Therapie durch entsprechend geschultes Personals eingespart werden kann. Außerdem verdeutlicht sie, wie viel Verantwortung, aber auch Macht über Leben und Tod den Pflegern, Therapeuten und Ärzten zukommt.

    Auch „Glasflügel“ ist wieder spannend und mitreißend geschrieben, mit einem bildhaften und interessanten Erzählton. Einmal mehr sind die völlig normalen Menschen der dänischen Hauptstadt, der eigentliche Star und verleihen dem Buch seine  typisch dänische Bodenständigkeit und Glaubwürdigkeit. Anette Werner kämpft mit ihrer neuen Rolle als Mutter, die sich emotional an ihre Grenzen bringt. Das Stillen des Kindes allein lastet sie gedanklich nicht aus und macht sie zunehmend unruhiger. Natürlich wird sie da von den neuen Ermittlungen magisch angezogen. Jeppe hingegen leidet ebenfalls unter seiner privaten Lebenssituation: Notgedrungen nach der Trennung bei seiner Mutter untergeschlüpft, drängt diese ihn wieder in die Rolle des Kindes auf, das auf Schritt und Tritt überwacht werden muss. Auch ihre Freundin, die ehemalige Professorin Esther de Laurenti wird mit ihren Unzulänglichkeiten konfrontiert als der neue Nachbar ihr schöne Augen macht und sie seinem Charme sofort erliegt.

    Wie schon bei den anderen Büchern der Kopenhagen-Reihe schlägt auch diesmal wieder das Cover des Buches aus der Reihe. Der rote Schutzumschlag mit dem glänzenden Schmetterling ist für den Diogenes Verlag etwas ganz Besonderes!

  • „Blutmond“ | Katrine Engberg

    Titel im Original:  „Blodmane“
    Autor:  Katrine Engberg
    Aus dem Dänischen übersetzt von Ulrich Sonnenberg
    Verlag:  Diogenes Verlag
    Genre:  Kriminalroman
    2. Fall für Jeppe Kørner
    Seitenzahl:  469
    ISBN:  978-3-257-07058-3

    Es ist ein klirrend kalter Januar. In den prunkvollen Sälen des Geologischen Museums trinken sich die Größen der Modewelt warm für die „Copenhagen Fashion Week“, als draußen im Schnee der Designer Bartholdy unter Qualen zusammenbricht. Jeppe Kørner und Anette Werner ermitteln in dem Fall.

    Meine Meinung

    „Blutmond“ ist ein sauber konstruierter Kriminalfall und das zweite Buch aus der Kopenhagen-Reihe von Katrine Engberg. Ein Fall mit vielen verworrenen Intrigen und ungewöhnlichen Tathergängen, die den Kommissaren Jeppe Kørner und Anette Werner die Ermittlungsarbeit schwer machen. Subtile unterschwellige Spannung, tolle Charaktere und authentische Polizeiarbeit, die der Handlung Leben einhauchen.

    Kopenhagen zur Zeit der Fashion Week: Bei einer Veranstaltung im Geologischen Museum trinkt der Designer Alpha Bartholdy einen Cocktail, dessen giftige Inhaltstoffe nicht nur seinen Körper verätzen, sondern auch zu seinem raschen Tod führen. Nur zwei Tage später geschieht ein weiterer Mord auf dieselbe Weise. Dem Hauptermittler Jeppe Kørner beschleicht schnell ein komisches Gefühl: Sein Jugendfreund Johannes hatte als Letzter Kontakt zu den Toten. Schnell stellt sich herraus, dass er eine Affäre mit Bartholdy hatte und es zwischen den Beiden am fraglichen Abend in der Öffentlichkeit zum Streit kam. Nun ist Johannes unauffindbar! Hat er etwas mit den Morden zu tun?

    Das Geologische Museum in Kopenhagen wird zum Schauplatz eines hinterhältigen Mordes. Auch diesmal beweist die Autorin wieder ihr feines Gespür für besondere Orte, die sie für die Handlung wunderbar in Szene setzt.

    Stärker als noch im ersten Band steht dieses Mal das Ermittlerteam im Fokus der Geschichte, was mir auch in der Umsetzung sehr gut gefallen hat. Man erkennt deutlich die unterschiedlichen Charaktere und deren Ecken und Kanten. Auf Grund der Geschichte steht besonders Jeppe Kørner  im Zentrum. Seine Nerven sind bis zum Reißen gespannt, da sein ältester Freund unter Mordverdacht gerät. Diese nicht lösbare Zwickmühle wird für ihn zur Zerreißprobe und drängt ihn immer mehr dazu, andere Spuren zu verfolgen, so abstrus diese auch zu sein scheinen. Er verrennt sich immer mehr, da er die unverkennbaren Schlüsse nicht sehen will …

    Jeppes Kollegin Anette Werner hat indessen wenig Sinn für die Sorgen ihres Kollegen, ihr Gesundheitszustand macht ihr zunehmend zu schaffen und sie freundet sich insgeheim schon mit dem Gedanken an, direkt auf einen Herzinfarkt zuzurasen.

    Natürlich wird das dänische Ermittlerteam auch wieder von den sympathischen Rentnern Esther de Laurenti und ihrem Wohnungsgenossen Greger unterstützt, die wir schon im Fall des „Krokodilwächters“ näher kennenlernen durften.

    Am Ende basiert die Lösung auf einer in sich stimmigen, aber doch sehr wenig naheliegenden Verbindung, die mir leider ein wenig zu konstruiert erschien und auch nur sehr holprig und mit einigen Logikfehlern für den Leser aufgearbeitet wurde. Zwar ist die Ausarbeitung der Autorin schon deutlich besser gelungen, als noch im Vorgängerband, dennoch gibt immer noch deutlich Luft nach oben.

  • „Krokodilwächter“ | Katrine Engberg

    Titel im Original:  „Krokodillevogteren“
    Autor:  Katrine Engberg
    Aus dem Dänischen übersetzt von Ulrich Sonnenberg
    Verlag:  Diogenes Verlag
    Genre:  Kriminalroman
    1. Fall für Jeppe Kørner
    Seitenzahl:  504
    ISBN:  978-3-257-07028-6

    Gerade erst war Julie nach Kopenhagen gezogen, um Literatur zu studieren. Warum musste sie so jung sterben? Erstochen und von Schnitten gezeichnet? Es ist ein schockierender Fall, in dem Jeppe Kørner und Anette Werner ermitteln. Als bei Julies Vermieterin ein Manuskript auftaucht, in dem ein ähnlicher Mord geschildert wird, glauben die beiden der Aufklärung nahe zu sein. Aber der Täter spielt weiter …

    Meine Meinung

    Kriminalromane aus dem Diogenes Verlag?
    Schon seit Commissario Brunetti ist das für mich eine unschlagbare Kombination …

    Die Studentin Julie wurde in ihrer Wohnung in Kopenhagen auf verstörende Weise verstümmelt und ermordet. Die Tat ähnelt verblüffend genau dem nur für wenigen Menschen zugänglichem Manuskript ihrer Vermieterin Esther, die nicht nur im selben Haus wohnt, sondern auch eine Vertraute der jungen Frau war.
    Polizeiassistent Jeppe Kørner gibt sein Bestes um die Ermittlungen und die Aufklärung des Falles voranzutreiben. Als direkte Partnerin, steht ihm Anette zur Seite, die charakterlich zwar unterschiedlicher nicht sein kann, sich aber arbeitstechnisch perfekt mit ihm ergänz. So rückt relativ schnell der verhaltensauffällige Kristoffer als möglicher Täter ins Blickfeld der Ermittler. Doch bis zum überraschenden Ende gibt es noch einige andere Verdächtige und spekulative Mordmotive!

    Mit „Krokodilwächter“ präsentiert uns Katrine Engberg einen sehr ruhiger und detailliert erzählten Kriminalroman, mit einer tollen Erzählstimme. Die Autorin schreibt spannend, abwechslungsreich und die Handlung reißt den Leser von der ersten Seite an mit. Gerade die Ermittlungsarbeit, die Befragungen der Zeugen und Verdächtige, aber auch das Verhalten der Kollegen untereinander wird hier sehr gut dargestellt.

    Katrine Engberg versteht es perfekt, sich sowohl in junge, als auch in ältere Personen mit all ihren Eigenarten und Problemen zu versetzen. Natürlich leidet auch unser Hauptermittler Jeppe Kørner stark unter der Trennung von seiner Ehefrau und kompensiert dies durch hohen Tablettenkonsum, aber jeder Leser, der dem Krimi- und Thriller-Genre zugeneigt ist, muss irgendwann in seinem Leseleben einsehen, dass es kaum einen Ermittler geben wird, der nicht privat seine Päckchen zu tragen hat. Und Jeppe Kørner ist in meinen Augen trotzdem noch einer von den Guten. Sein Charakter und gerade seine Vorgeschichte sind sehr interessant gestaltet und machen neugierig auf Mehr!

    Ganz besonders konnte mich aber hier der Sprachstil überzeugen. Betrachtet man die Geschichte an sich, würde sich „Krokodilwächter“ ganz passabel in die Reihe anderer Thriller und Kriminalromane einordnen, das Buch hat aber einen unheimlich schönen Erzählstil. Es gibt selten eine plump formulierte Szene oder gar Formulierungen, die für mich unangenehm herausgestochen wären. Die Dialoge sind mitreißend, die Gedankengänge der Ermittler sind spannend erzählt und auch die dänische Mentalität und Menschlichkeit kommt hier wunderbar heraus. Alles in allem macht das die Geschichte sehr flüssig und angenehm zu lesen.

    Ein kleiner Wehmutstropfen ist leider das Finale. Da hätte sich die Autorin noch ein bisschen was einfallen lassen können, um dem Leser einen etwas originelleren Showdown zu bieten. Da ich aber noch zwei Bücher aus der Kopenhagen-Reihe vor mir habe, bin ich schon sehr gespannt, ob sich die Autorin in den weiteren Bänden noch steigern konnte …