• Kolumne | Buch Wien 2019

    Die Wiener Buchmesse ist nun schon einige Tage her und ich bin immer noch im Messe-Blues.
    Kennt ihr das auch?

    Schön langsam setzen sich die Eindrücke, Gespräche nehmen Formen an und es freut mich, am Samstag so viele tolle Menschen kennen gelernt zu haben.

    Die „Buch Wien 2019“, die dieses Jahr vom 6. bis 10. November stattfand, zeigte sich im zwölften Jahr größer und internationaler denn je. Insgesamt waren 25 Nationen auf der Messe vertreten. 385 Aussteller präsentierten ihre Verlage und Institutionen und 575 Autoren und Autorinnen waren mit über 500 Veranstaltungen beteiligt, was im Vergleich zum letzten Jahr doch eine deutliche Steigerung zeigte
    (417 Autoren / 425 Veranstaltungen).
    Das Programm verteilte sich auf 5 Messetage und auf 35 Locations in Wien!

    Nach dem ersten Rundgang lag mein Hauptaugenmerk ganz klar auf den Lesungen!
    Nina Bossong, Alex Beer, René Anour, Mira Morton und viele mehr. Tolle österreichische Autoren und jeder für sich in meinen Augen auch ein Meister seines Genres. René Anour kannte ich bereits semipersönlich über Instagram und war von seiner Lesung zu „Im Schatten des Turmes“ total begeister. Der Mann kann sogar singen!
    Bei Alex Beer hatte ich zu meiner eigenen Überraschung einen kleinen „Fangirl-Anfall“ der Extraklasse. All Inclusive:  Stottern, Schnappatmung, blödes Gekicher und die vermutlich dümmste und vertrotteltste Satzgestaltung meines Lebens. Daweil sitzt gerade sie auf meinem persönlichen Olymp der Krimiautoren ganz oben! Sowas peinliches, he!
    Die Autorin Mira Morton konnte ich am Samstag ganz frisch für mich entdecken. Durch Zufall bin ich an ihrer Lesung vorbei gelaufen und ihre tolles Kleid und die „sinnliche“ Stimme haben mich sofort abbremsen lassen. Die Frau hat Pfeffer, Power und ist unglaublich sympathisch. Und wenn man dann auch noch in Wiener Mundart schreibt, bin ich ja sofort Feuer und Flamme …

    Auch die Ausstellung „Die letzten Tage der Menschheit“ der österreichischen Künstlerin Deborah Sengl war sehr interessant, aber auch verstörend für mich.
    Sie hat eine raumgreifende Arbeit geschaffen, die Geschichte, Literatur und zeitgenössische Kunst auf außergewöhnliche Weise miteinander verbindet.
    2014 jährte sich der Ausbruch des Ersten Weltkriegs zum hundertsten Mal. Kein anderes literarisches Werk hat die Stimmung der damaligen Zeit sowie die Unmenschlichkeit und Absurdität des Krieges so komprimiert und präzise eingefangen wie „Die letzten Tage der Menschheit“ von Karl Kraus. Deborah Sengl reagiert in ihrer bisher größten Ausstellung mit unverwechselbarem Gespür auf Kraus’ Text und interpretiert Szenenausschnitte und Dialoge mit rund 200 präparierten weißen Ratten neu.

    Die „Buch Wien 2019“ war meine erste Buchmesse, die ich mit den Augen eines Bloggers besucht habe.
    Dank den tollen Verlagsmitarbeitern vor Ort, konnte ich viel neues Wissen mitnehmen und auch einige Unklarheiten meinerseits beseitigen.

    Natürlich ist die „Buch Wien“ nicht mit den großen Messen in Leipzig oder Frankfurt zu vergleichen, aber sie hat ihren eigenen Flair und ich bin immer wieder gerne zu Gast.