„Das Blut von London“ | Laura Robinson

Rezensionsexemplar
Vielen Dank an den Verlag!

Titel im Original:  „Blood & Sugar“
Autor:  Laura Robinson
Aus dem Englischen übersetzt von Robert Brack
Verlag:  Heyne Verlag
Genre:  Historischer Roman
Seitenzahl:  507
ISBN:  978-3-453-43937-5

Aus dem Nebel der Hafendocks schält sich das Bild eines schrecklichen Verbrechens. Eine männliche Leiche, die Brandmale aufweist. Harry Corsham, der zur oberen Gesellschaft gehört, erfährt, dass es sich bei dem Ermordeten um seinen Jugendfreund Tad handelt. Erinnerungen kommen bei ihm auf, aus Zeiten, in denen Tad und er noch voller Ideale waren. Corsham will die Mörder seines Freundes finden, um Seelenfrieden zu erlangen. Doch damit stellt er sich gegen die Mächtigen Londons. Für seine Familie und ihn geht es jetzt um Tod oder Leben.

Meine Meinung

London 1781. Die Stadt wächst stetig, doch die Kluft zwischen Arm und Reich ist präsent wie noch nie. In einige Bezirke Londons sollte man besser keinen Fuß setzt, wenn man an seinem Leben hängt …
Wir bekommen die Geschichte aus Captain Corshams Mund erzählt. Die Schwester seines Jugendfreundes Tad Archer sucht ihn völlig verzweifelt auf, da ihr Bruder seit einigen Tagen verschwunden ist. Die letzten Spuren führen ihn nach Deptford, ins Hafenviertel. Dort wurde die schlimm zugerichtete Leiche von Thomas Valentine gefunden. Leider muss er feststellen, dass es sich dabei um den Vermissten handelt. Den Warnungen des Friedensrichters zum Trotz beginnt er, auf eine Faust zu ermitteln und macht sich schon bald bei einigen Personen von Rang und Namen unbeliebt. Tad war ein aktiver Gegner der Sklaverei und versuchte zeitlebens, den Betroffenen mit rechtlichem Beistand zu helfen …

„Das Blut von London“ ist der Debütroman der britischen Autorin Laura Robinson. Wir begleiten ihren Protagonisten bei seiner langwierigen Suche nach dem Täter. Ich würde die Geschichte eher ins Genre des Historischen Kriminalromas packen, wobei die Erzählweise eher ruhig ist und oft leider auch etwas langatmig ausfällt. Die klassisch historischen Elemente wurden toll getroffen, aber bei dem durchgehend präsenten Kriminalfall, hätte ich mir doch etwas mehr Spannung und Aktion gewünscht. Mehr unerwartete Wendungen und Intrigen. Man empfindet Vieles als nicht so unmittelbar bedrohlich. Leider stechen auch die Schlüsselszenen kaum heraus.

Auch die Geschichte an sich zeigt immer wieder Schwächen, da diese im Großen und Ganzen auf „Zufällen“ aufbaut. Captain Corsham rennt immer wieder zu denselben Leuten um sie zu befragen, aber wirkliche Fortschritte macht er nur, weil sich seine Feinde verplappern oder weil Figuren auf unerklärliche Weise eine 180°Gradwendung machen und ihm doch helfen. Das war mir persönlich ein bisschen zu wenig …

Dennoch: Thementechnisch war das Buch eine klare Überraschung für mich. Mit dem historischen Setting habe ich ja gerechnet, aber auf das eigentliche Thema des Sklavenhandels weist nichts dergleichen hin. Laura Robinson lässt uns in menschliche Abgründe blicken, die so grausam sind, dass man sie am liebsten als reine Fiktion abtun würde. Über die Sklavenhaltung in England habe ich mir bisher noch gar keine Gedanken gemacht, daher fand ich es toll, dass die Autorin verschiedene Ansichten aus den unterschiedlichsten sozialen Schichten der Londoner Bevölkerung zur Sprache bringt.

Last but not Least …
Mir ist die Handlung im Inneren eines Buches immer am Wichtigsten, aber bitte: Lieber Heyne-Verlag! Was habt ihr euch denn bei dem Cover gedacht? Nicht nur, dass das Coverbild einem Computerspiel der 90er Jahre zu Entspringen scheint, auch die Qualität der Bindung lässt schwer zu wünschen übrig. Da bin ich von Heyne-Büchern besseres gewöhnt …

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