„Das Evangelium der Aale“ | Patrik Svensson

Titel im Original:
„Ålevangeliet. Berättelsen om världens mest gåtfulla fisk.“
Autor:  Patrik Svensson
Aus dem Schwedischen übersetzt von Hanna Granz
Verlag:  Hanser Verlag
Genre:  Roman | Sachbuch
Seitenzahl:  246
ISBN:  978-3-446-26584-4

In seinem meisterhaften Debüt begibt sich Patrik Svensson auf die Spuren von einem der rätselhaftesten Tiere der Welt. Sie führen ihn aus den Tiefen des Atlantiks mitten hinein in das eigene Leben. Eine literarische Schule voll unerwarteter Einsichten.

Meine Meinung

Der Debütroman des Schweden Patrik Svensson führt uns an die schwedische „Aalküste“. Dabei wechselt die Geschichte immer wieder zwischen Autobiografie und Sachbuch und macht nicht nur Umwege zur Literatur, sie schneidet auch Themen wie Geschichte, Religion und Psychologie an.
Der Autor hat einen großen Teil seiner Kindheit, zusammen mit seinem Vater, am Ufer eines Flusses, verbracht. Nicht weit von seinem Elternhaus entfernt. Immer mit im Gepäck die Köder, Langleinen und Reusen um Aale zu fangen. Eine ruhige, aber auch wortkarge Beschäftigung, die die beiden Männer einander näher brachte …
Patrik Svensson erinnert sich hier an die schönen Stunden mit seinen Vater, sinniert über dessen Vergangenheit und über all das Rätselhafte, was ein Sohn nicht über seinen Vater weiß!

Dennoch nimmt der Aal und seine Lebensgeschichte den größeren Teil dieses Romans ein. Schon vor Jahrhunderten befassten sich Menschen mit der Herkunft und Fortpflanzung dieser Tiere, die den Biologen bis heute noch Rätsel aufgeben. Heutzutage weiß man zwar mehr über die Lebensweise und die verschiedenen Metamorphosen des Aals als es noch der alte Aristoteles, trotzdem ist es immer noch unklar, warum sich Aale nur in der Sargassosee vermehren. Nirgends sonst!

Patrik Svensson verknüpft seine eigenen Erlebnisse gekonnt mit den sachlich toll recherchierten Informationen. Das Spektrum der einzelnen Kapitel reicht von Aristoteles über Siegmund Freud bis hin zum Christentum und dem Klimawandel. Trotz der Fülle wirkt der Inhalt aber weder konstruiert noch flach. Ganz im Gegenteil empfand ich den Schreibstil als sehr leicht und zugänglich, mit einer wunderbar bildlichen und gefühlvollen Sprache. Zum Teil erscheint Svenssons Stil fast poetisch und seine Gedanken philosophisch.

Mehr als einmal habe ich mich beim Lesen gefragt, warum ich über Aale so gut wie nichts wusste. Und ob mich diese Spezies  genauso angesprochen hätte, wenn ich Abends bei einer Naturdokumentation im Fernsehen hängen geblieben wäre. Vermutlich eher nicht!

Mich persönlich, hat Patrik Svensson definitiv zu einem Fürsprecher des Europäischen Aals gemacht, der vom Aussterben bedroht ist. Er verführt seine Leser regelrecht, diesen unscheinbaren Flussbewohner kennenzulernen.

Ein wirklich großartiges literarisches Sachbuch mit viel Familiensinn und Tiefgang!
Es ist faszinierend, das der Mensch mehr mit diesem Tier gemeinsam hat, als man sich vermutlich vorstellen kann …

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