„Das Feld“ | Robert Seethaler

Autor:  Robert Seethaler
Verlag: Hanser Berlin
Genre: Roman
Seitenzahl:  239
ISBN: 978-3-446-26038-2

Wenn die Toten auf ihr Leben zurückblicken könnten, wovon würden sie erzählen?
Wäre es eine Geschichte oder die Erinnerung an einem Moment, an ein bestimmtes Gefühl, eine Regung?

Einer wurde geboren, verfiel dem Glücksspiel und starb. Ein anderer hat nun endlich verstanden, in welchem Moment sich sein Leben entschied. Einer erinnert sich daran, dass ihr Mann ein Leben lang ihre Hand in seiner gehalten hat. Eine andere hatte 67 Männer, doch nur einen von ihnen hat sie geliebt. Einer war vernünftig genug, sich seine Träume nicht zu erfüllen. Und einer dachte: Mann müsste mal raus hier. Doch dann blieb er!

Meine Meinung

Endlich wieder ein neues Buch von Robert Seethaler!
Ein berührendes und sehr feines Buch, das für mich auch definitiv an seine Vorgänger anschließen kann. Es bringt einen zum Lachen, es weckt Bedauern, es zeigt Glück und das Gefühl etwas Wichtiges verpasst zu haben.

Zu Beginn des Buches begleiten wir einen älteren Mann auf seinem täglichen Spaziergang zum Friedhof der kleinen Gemeinde Paulstadt. Ganz in seine Gedanken vertieft fragt er sich, wie es wohl wäre, wenn die Toten von ihrem Leben erzählen könnten und ihn überkommt der Verdacht, dass sie vermutlich genauso wie die Lebenden nur Belanglosigkeiten von sich geben würden.
Der Leser taucht von der ersten bis zur letzten Seite in die kleine Welt der Paulstädter ein und lauscht den verschiedenen Geschichten der verstorbenen Bewohner.

Robert Seethaler schreibt hier sehr komplex und fordert die Aufmerksamkeit seines Lesers deutlich heraus. Nach und nach entdeckt man erste Verbindungen zwischen den Personen. Einige sind durch liebe miteinander verbunden, andere sind miteinander verwandt. Zum Teil wird dies durch den Nachnamen offensichtlich, bei manch Anderen muss man doch aufmerksam lesen, um einzelne Hinweise in Nebensätzen nicht zu übersehen. Wir erfahren auch viele private Dinge, die in der Zeit zwischen dem Zweiten Weltkrieg und heute stattfanden. Diese miteinander verknüpften Schicksale machen „Das Feld“ lebendig und man bekommt ein gutes Gefühl für die Harmonie in diesem kleinen Örtchen.

Durch einige Bewohner erfahren wir die gleichen Begebenheiten, aber aus unterschiedlichen Sichtweisen. Das waren für mich die interessantesten Kapitel. Da erkennt man doch sehr klar, wie bedrückend anders dein Gegenüber doch eine Situation sehen kann.

Eigentlich hatte ich gehofft, dass sich zum Ende hin der Kreis noch etwas mehr schließt, aber im Nachhinein wäre das total unlogisch. Immerhin kennen wir nur eine Seite der Medaille, die Lebenden haben sich hier auch noch nicht zu Wort gemeldet.

Mich hat das Buch sehr nachdenklich gestimmt. Auf Seite 11 gibt es ein tolles Zitat:
„Als junger Mann wollte er die Zeit vertreiben, später wollte er sie anhalten, und nun, da er alt war, wünschte er sich nichts sehnlicher, als sie zurückzugewinnen.“
„Das Feld“ ermahnt uns, nichts aufzuschieben und im hier und jetzt zu leben. Vieles wurde im Leben nicht getan und die Toten bereuen es jetzt!

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