„Das Licht ist hier viel heller“ | Mareike Fallwickl

Autor:  Mareike Fallwickl
Verlag:  Frankfurter Verlagsanstalt
Genre:  Roman
Seitenzahl:  380
ISBN:  978-3-627-00264-0

Zart und brutal, verstörend und aufwühlend sind die Briefe einer Unbekannte, die Maximilian Wenger seit Kurzem erhält. Mit Mitte fünfzig hat er alles verloren: seinen schriftstellerischen Erfolg an die nachrückende Generation, seine Frau an einen Jüngeren. Wengers achtzehnjährige Tochter Zoey kämpft derweil an ganz anderen Fronten. Auch sie liest heimlich in den Briefen, die Vater und Tochter schließlich zum Handeln drängen – allerdings auf völlig unterschiedliche Weise.

Meine Meinung

Mareike Fallwickl konnte mich schon mit ihrem Debütroman begeistern und auch „Das Licht ist hier viel heller“ hat mich von der ersten Seite an gefesselt.

Maximilian Wenger, ein in die Jahre gekommener Bestsellerautor, steht vor dem Scherbenhaufen seiner Existenz: Seine letzten drei Bücher wurden von den Kritikern in der Luft zerrissen, seine Ehefrau hat ihn für einen Jüngeren verlassen und seine Kinder Zoey und Spin empfinden die Besuche bei ihm als Zeitverschwendung. Er sitzt allein und ungepflegt in seiner zugemüllten Singlewohnung, phantasiert über seinen Suizid und kann sich zu nichts motivieren. Da findet er in der Post einen Brief, der an seinen Vormieter adressiert wurde. Er liest ihn gebannt. Weitere Briefe folgen, die Wenger schließlich aus seiner Lethargie reißen und in ihm die Kraft für Neues entfachen …

Auf der Anderen Seite der Erzählung steht Wengers Tochter Zoey. Sie hat Probleme mit ihrer fitnessverrückten Mutter, die sich verzweifelt auf jung trimmt. Umarmungen und Zärtlichkeit von ihrer Seite kennen die Kinder nicht! Oberflächlichkeit und Schönheitswahn, Zoey kann es nicht mehr ertragen! Sie macht ihre ersten Erfahrungen mit Männern, die sie allerdings nur benutzen. Nur ihr Bruder versteht sie und würde, zusammen mit seinem Freund, alles für sie tun.

„Das Licht ist hier viel heller“ wird abwechselnd aus Sicht von Wenger und Zoey erzählt.
Dazwischen lesen wir die Briefe der Unbekannten.

Wie schon in ihrem Debüt behandelt Mareike Fallwickl auch in diesem Roman wieder Themen, die wahrscheinlich jeder aus eigenen Erfahrungen kennt, so dass man sich mühelos mit der erzählten Geschichte identifizieren kann. Gleichzeitig vermag sie es aber auch, Dinge gekonnt auf den Punkt zu bringen, was viel Raum für eigene Gedanken bietet! Ein berührender Roman über Gefühle und sexuelle Gewalt, über Scheinwelten, über Liebesentzug und männliche Arroganz!

Auch die vielen österreichischen Begriffe, die nie aufgesetzt oder gewollt wirkten, sondern das Buch sehr charmant und authentisch machten, haben mich begeistert. Der Zynismus und der Sprachwitz der Autorin, mit dem sie unter Anderem die Blogger- und die Literaturszene auf die Schippe nimmt. Der oft wahnwitzige und bitterböse Humor. Einfach grandios Lebendig!

Wenger ist ein richtiger Stinkstiefel und Ungustl, der sagt, was er denkt und kein Fünkchen Taktgefühl besitzt. Völlig von sich überzeugt vertritt er die Meinung, dass ihm alle Frauen zu Füßen liegen. Er hat weder Anstand, noch Respekt!

„Das Licht ist hier viel heller“ ist ein Buch, über das man reden möchte und über das man reden muss!

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